Marketing-Club Duisburg-Niederrhein: Germany’s China City Duisburg

Große Chance für den Wirtschaftsstandort
Von Petra Grünendahl

Marco Pfotenhauer, Präsident des Marketing-Club Duisburg-Niederrhein, sprach über Germany’s China City Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Weltwirtschaft ist von China abhängig und Duisburg ist der Endpunkt von Chinas neuer Seidenstraße nach Europa“, erklärte Marco Pfotenhauer. Das eröffne große Potenziale für unsere Stadt, die aber auch genutzt werden müssten. Pfotenhauer zeigte in seinem Vortrag auf, wie sehr Innenansichten der Duisburger mit den Außenansichten im fernen Asien auseinander driften. Auf chinesischen Karten von Deutschland seien zwei Städte eingezeichnet, weiß Craig Copetas, internationaler Wirtschaftskorrespondent namhafter Medien, in einem Video zu berichten: Berlin und Duisburg. Dabei fiele der Schriftzug Duisburgs zumeist größer aus! Schon früh hatte Duisburg Zeichen gesetzt und eine Städtepartnerschaft mit Wuhan begründet, erzählte Referent Pfotenhauer. Um diese sei es aber lange sehr still gewesen, das 30-jährige Jubliäum 2012 sei ganz verschlafen worden. „Erst unter Oberbürgermeister Sören Link ist wieder Bewegung in die Partnerschaft gekommen. Jährlich gibt es seitdem Delegationsreisen nach China“, so Pfotenhauer, der an diesen als Duisburger Unternehmer regelmäßig teilgenommen hatte.

Zum monatlichen Treffen hatte der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein unter dem Thema „Germany’s China City“ Duisburg ins IntercityHotel am Duisburger Hauptbahnhof eingeladen. Club-Präsident Marco Pfotenhauer ordnete als Kenner der Materie die Bedeutung Chinas für Duisburg ein und vermittelte den anwesenden Marketing-Fachleuten die daraus folgenden Gesichtspunkte für eine Standortpositionierung. Pfotenhauer ist unter anderem seit 2015 Geschäftsführender Gesellschafter der ChiCoDu GmbH (steht für „China Communication Duisburg“), pflegt dadurch enge Kontakte zu chinesischen Unternehmen und Organisationen und ist mit seiner Gesellschaft Gründungsmitglied des China Business Network Duisburg (CBND).

Chinesische Unternehmen und Investments nach Duisburg locken

China Trade Center Duisburg im Businesspark Asterlagen. Visualisierung: Starhai.

„Ich halte die Wirtschaftsbeziehungen zu China für Duisburgs größte Chance, aus vielen seiner Probleme herauszukommen“, erklärte Marco Pfotenhauer. Schon jetzt habe Duisburg die größte chinesische Kolonie in NRW, wenn nicht sogar deutschlandweit. Chinas Güterzüge über die Neue Seidenstraße (Belt & Road) enden in Duisburg: 35 seien es mittlerweile, die mit immer mehr Ladung aus Deutschland zurück ins Reich der Mitte fahren. Dadurch ergäben sich auch Möglichkeiten, weitere chinesische Unternehmen mit ihren Deutschland-Standorten nach Duisburg zu holen. Lange war es still um das geplante China Trade Center Duisburg im Businesspark Asterlagen: hier würde gerade wieder Bewegung reinkommen, so Pfotenhauer.

Eine weitere Chance sieht Marco Pfotenhauer in der „Smart City“-Vereinbarung, die die Stadt mit Huawei abgeschlossen hat. Mit den neuen Dezerneten Andree Haack (Wirtschaft) und Martin Murrack (Digitales) erhofft sich Pfotenhauer nachhaltige Impulse für die Entwicklung in der Stadt. Neben dem China Business Network China gebe es mit dem Engagement des neuen Unternehmerverbandes Wirtschaft für Duisburg einen weiteren Akteur, der sich hier aktiv engagiert. Die IHK, meinte Pfotenhauer, sei noch etwas zögerlich. Mit stärkerer Ansiedlung chinesischer Unternehmen sollte sich dies aber ändern!

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
Visualisierung: Starhai / Metropole Ruhr

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Loveparade-Strafverfahren: Verfahrenseinstellung bei sieben Angeklagten

Strafverfahren wird gegen drei Angeklagte fortgesetzt

Mit Beschluss vom 6. Februar 2019 hat die 6. Große Strafkammer des Landgerichts Duisburg das Strafverfahren gegen sechs (ehemalige) Bedienstete der Stadt Duisburg und einen Mitarbeiter des Veranstalters eingestellt. Keiner dieser Angeklagten muss einen Geldbetrag zahlen. Das Verfahren ist damit für die sieben Personen nach 14monatiger Hauptverhandlung und 101 Verhandlungstagen beendet. Die Verfahrenseinstellung ist nicht mit einer Feststellung von individueller Schuld verbunden. Für sämtliche Angeklagte, die aus dem Verfahren ausscheiden, besteht weiterhin die Unschuldsvermutung. Zu den Gründen für diese Entscheidung gibt es hier die Presseerklärung vom 17. Januar 2019.

Die drei Mitarbeiter des Veranstalters, die nach dem Vorschlag des Gerichts und den Vorstellungen der Staatsanwaltschaft anlässlich der Einstellung einen Geldbetrag zahlen sollten, haben einer Verfahrensbeendigung auf diesem Weg nicht zugestimmt. Gegen sie wird das Verfahren fortgeführt. Der nächste Termin zur Hauptverhandlung steht bereits am 12.02.2019 an. In den nächsten Wochen sollen nach den Planungen des Gerichts weitere Polizisten und Mitarbeiter des Veranstalters als Zeugen vernommen werden.
Aktenzeichen: Landgericht Duisburg, 36 KLs 10/17
Landgericht Duisburg

Siehe hierzu auch:

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Duisburg: Bürger-Info zur Sprengung des Weißen Riesen in Hochheide in der Glückauf-Halle

Detailierte Informationen für die Anwohner
Von Petra Grünendahl

Evakuierungs- (rot) und Sicherheitszone (schwarz) für die Sprengung des Weißen Riesen in Hochheide am 24. März 2019. Grafik: Stadt Duisburg.

„Absolute Halteverbote in Evakuierungs- und Sicherheitszone werden ab Samstag, 23. März, um 8 Uhr gelten“, erklärte Frank van Staa vom Ordnungsamt der Stadt Duisburg. Ab 12 Uhr würde dann rigoros abgeschleppt. Fahrzeuge sollten aber auch wegen der unvermeidbaren Staubentwicklung auf Privatgrundstücken nicht im Freien stehen: „Sie sollten zu ihrem Schutz in Garagen oder Tiefgaragen eingestellt werden“, so van Staa. Gleiches gelte für Balkon- oder Terrassenmöbel, die man in die Wohnung holen solle. Teiche oder Dinge, die man nicht reinhole könne, solle man abdecken. Um 8 Uhr am Sonntagmorgen (24. März) müssten alle Anwohner – das sind rund 2.500 Menschen – die Evakuierungszone verlassen haben. In der Sicherheitszone gilt ab 8 Uhr ein Aufenthaltsverbot im Freien (für Anwohner erst ab 10 Uhr). Ab 11.45 Uhr dann sollten auch in der Sicherheitszone alle Bewohner Räume aufsuchen, die nicht zur Seite der Sprengung hin gerichtet sind. Es gelten quasi die gleichen Schutzvorschriften wie bei Bombenentschärfungen (luftschutzmäßiges Verhalten), auch wenn die Zeiträume großzügiger gefasst sind, weil ja garantiert Sprengstoff hoch geht.

Das Podium (v. l.): Feuerwehrchef Oliver Tittmann, Frank van Staa Ordnungsamt, Martin Hopfe (Thüringer Spreng GmbH), Bernd Zaum (P&Z Prangenberg & Zaum GmbH), Marc Sommer (rebuild.ing GmbH) und Moderator Martin Tazl. Foto: Petra Grünendahl.

Die Stadt Duisburg hatte zur Informationsveranstaltung für die Anwohner der Häuser rund um den Weißen Riesen eingeladen, der am 24. März 2019 gesprengt wird. Neben Generalplaner Marc Sommer (rebuild.ing GmbH), Abrissunternehmer Bernd Zaum (P&Z Prangenberg & Zaum) und Moderator Martin Tazl saßen auf dem Podium weitere Experten, die konkrete Auskünfte zum Ablauf von Sicherungsmaßnahmen und Sprengung geben konnten. Nach einem Rückblick auf die Sanierung und Ausführungen zum aktuellen Stand der Dinge erläuterte Sprengmeister Martin Hopfe (Thüringer Spreng GmbH) das Sprengkonzept und die Auswirkungen auf das Umfeld. Zu Evakuierung und Sicherheitsmaßnahmen informierten Frank van Staat vom Ordnungsamt und Feuerwehrchef Oliver Tittmann. Rund 600 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Ordnungsamt und Polizei sind an jenem Tag rund um die Sprengung im Einsatz.

Info-Veranstaltung der Stadt Duisburg für die Anwohner rund um den Weißen Riesen in Hochheide in der Glückauf-Halle. Foto: Petra Grünendahl.

Ein Betreuungsraum für die Evakuierten, die nicht anderweitig unterkommen, wird an der Gottfried-Wilhelm-Leibnitz-Gesamtschule, Hamborner Straße 274-278, 47166 Duisburg-Hamborn, eingerichtet. Eine Anmeldung unter Telefon 0203 / 94000 ist nötig, damit die Feuerwehr ausreichend Verpflegung sicherstellen kann. Der Parkplatz der Glückauf-Halle, der an den Sicherheitsbereich angrenzt, wird für Fahrzeuge der der Einsatzkräfte benötigt und ist entsprechend weiträumig gesperrt. Für betroffene Anwohner, die nicht mit einem eigenen Fahrzeug nach Hamborn fahren können (Parkplätze für private Fahrzeuge vorhanden), bietet die Stadt einen Shuttlebus für Hin- und Rückfahrt an (mit zwei bis drei Haltestellen rund um den Sicherheitsbereich, die noch bekannt gegeben werden). Man müsse mit einer Abwesenheit von etwa 8 bis 10 Stunden rechnen, so Feuerwehrchef Tittmann, denn direkt nach der Sprengung müssten erst die Luft auf ausgetretene Gase und Leitungen auf Dichtigkeit überprüft werden. Außerdem müsse überprüft werden, ob auch alle Sprengladungen hochgegangen seien. Dies werde zusätzliche Stunden in Anspruch nehmen. Rund 600 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Ordnungsamt und Polizei seien an jenem Tag rund um die Sprengung im Einsatz, so Feuerwehrchef Tittmann.

Die Sprengung

Der Weiße Riese vom Parkplatz der Glückauf-Halle aus. Der Parkplatz wird zur Sprengung für die Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk benötigt. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir haben Erfahrung und wissen, was wir hier tun“, sagte Martin Hopfe. Die größte Herausforderung der Sprengung sei die Unterdrückung von Staub, so der erfahrende Sprengmeister. Er zeigte hierzu ein Video von der Sprengung des Hochhauses Goliath in Marl 2006 (ein kleiner Eindruck hier … https://www.youtube.com/watch?v=dXGBWaKxtwY), die er damals verantwortet hatte. Nicht einmal die Feuerwehr mit Wasserwerfern könne die Staubentwicklung vollständig eindämmen, so Hopfe. Dass Fenster von der Detonation zu Bruch gehen könnten, schlossen er und P&Z-Geschäftsführer Bernd Daum allerdings aus.

Den besten Platz haben Schaulustige übrigens vor dem eigenen Fernseher (der WDR überträgt live), da man das Gebäude von jenseits der Sperrbereiche kaum sieht!

Infos rund um Evakuierung und den Sperrmaßnahmen findet man hier:

  • Info-Flyer
  • www.diesprengung.com
  • www.duisburg.de
  • Call Duisburg, Telefon 0203 / 94000
  • Informationsblätter werden durch den städtischen Außendienst am 6. März in der Sicherheits- und Evakuierungszone verteilt.
  • Informationsstand des städtischen Außendienstes auf dem Wochenmarkt Hochheide: vom 6. bis 20. März (mittwochs und samstags). Am Samstag, 23. März, fällt der Wochenmarkt aus!
  • Hilfebedürftige (Bettlägrige, Rollstuhlfahrer, Blinde etc.) können sich ab sofort wegen des Transports unter 0203 / 2832000 melden.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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MKM Museum Küppersmühle in Duisburg: Ein Raum für den Bauhaus-Künstler Otto Hofmann

Ausstellungsraum feiert „100 Jahre Bauhaus im Westen”
Von Petra Grünendahl

Stellten den neuen Ausstellungsraum vor (v. l.): Kuratorin Dr. Eva Müller-Remmert, Künstler-Witwe Marianne Hofmann und Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling vor einem Werk aus den 1980er-Jahren. Foto: Petra Grünendahl.

„Durch den Krieg sind viele frühe Werke meines Mannes verloren gegangen“, erzählte Marianne Hofmann beim Gang durch die Ausstellung. Für sie ist es ein bewegender Moment, die Bilder wieder zu sehen, die früher in ihrem Haus hingen. Als sie die Werke ihres Mannes (bis auf wenige Ausnahmen) verkauft hatte, so die 75-Jährige, habe sie ihren Nachlass ordnen wollen. Ihr Mann Otto Hofmann (1907 – 1996) hatte nach einer Malerlehre zunächst Architektur, dann Industriedesign und Malerei am Bauhaus in Dessau u. a. bei Paul Klee und Wassily Kandinsky studiert. Vor den Nationalsozialisten floh er nach Paris, kam aber aus familiären Gründen zurück nach Deutschland, wo er für seine „entartete Kunst“ diffamiert, seine Werke beschlagnahmt wurden. Bei der Umsiedlung in den Westen 1950 wären viele seiner Werke zurückgeblieben, erzählte die Witwe. Sie seien bis heute verschollen. Von 1966 bis 1974 lehrte er in (West-)Berlin, bevor er nach seiner Emeritierung mit seiner Frau nach Ligurien (Italien) ging, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Frühwerk von Otto Hofmann: Ohne Titel (1931). Foto: Petra Grünendahl.

Gemeinsam mit der Witwe des Künstlers stellten Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling und Kuratorin Dr. Eva Müller-Remmert den neu gestalteten Raum mit Werken von Otto Hofmann vor. Die Sammlung Ströher hatte vor wenigen Jahren von der Witwe das Gros der Werke ihres Mannes erworben. Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum nahm das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst im Duisburger Innenhafen zum Anlass, eine Auswahl des „Konvolutes“ zu zeigen: in einem eigenen Raum in der Dauerausstellung. Otto Hofmann als Vertreter einer geometrischen Abstraktion ergänzt die Sammlung Ströher mit ihrem Schwerpunkt im Informel um einen wichtigen Aspekt der deutschen Gegenwartskunst der Nachkriegzeit.

Otto Hofmann in den 1930er-Jahren. Foto: Petra Grünendahl.

Das MKM zeigt mit der konzentrierten Werkschau Otto Hofmanns Entwicklung als Künstler von Frühwerken aus den 1930er-Jahren bis in die 1980er-Jahre, als er in Italien neue Inspirationen fand. Einflüsse seiner Lehrer Klee und Kandinsky finden sich ebenso wie die von großen Kollegen wie Pablo Picaso, Oskar Schlemmer, Kurt Schwitters oder Alberto Giacometti. Anfangs sind seine Werke gegenständlicher, landschaftliche Bezüge erkennbarer. Spätere Arbeiten werden abstrakter, als sie im freien Spiel von Linien und amorphen Formen aufgehen. Hofmanns Nachlass, der heute der MKM-Stiftung gehört, umfasst große Konvolute an Ölbildern, Aquarellen und Papierarbeiten aus den Jahren 1929 bis 1995, darüber hinaus Plakate, Briefe, dokumentarische Zeugnisse und zahlreiche Feldpost-Malerbriefe aus Russland (1941-1944).

Jahresprogramm 2019

Otto Hofmann in den 1950er-Jahren. Foto: Petra Grünendahl.

Otto Hofmann in den 1980er-Jahren. Foto: Petra Grünendahl.

In den Erdgeschossräumen des Museums sind noch bis zum 10. März 2019 Arbeiten von Emil Schumacher zu sehen. Es folgen eine Sonderschau mit Werken von Klaus Rinke („Die vierte Kraft“) anlässlich seines 80. Geburtstages, die Fotografie-Ausstellung „Melting Pott“ mit Arbeiten von Till Brönner sowie eine Malerei-Ausstellung mit Werken von Katharina Grosse und ihrem Lehrer Gotthard Graubner. Neben den Rahmenprogrammen zu den jeweiligen Ausstellungen wird auch das Format „Kunst trifft …“ in diesem Jahr weitergeführt.

Die Bauarbeiten am Erweiterungsbau lägen im Zeitplan und würden bis zum Jahresende abgeschlossen, erzählte Museumsdirektor Smerling. Er erwarte die Eröffnung Anfang 2020: „Ich gehe März aus.“ Dann wird er die Kunstsammlung Ströher sehr viel umfassender als bislang präsentieren können.

Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Der neue Raum mit Werken von Otto Hofmann im Museum Küppersmühle. Foto: MKM.

Otto Hofmann in den 1980er-Jahren. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung.

Kostenlose Besucherführungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr (maximal 30 Teilnehmer, frühzeitiges Erscheinen ist empfohlen). Mehr Informationen ebenso wie die Kontaktdaten zur Anmeldung gibt es auf den Internet-Seiten des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (6), MKM (1)

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Deutsche Oper am Rhein: Richard Wagners „Siegfried“ begeisterte im Theater Duisburg

Leuchtende Liebe, lachender Tod
Von Petra Grünendahl

Corby Welch (Siegfried). Foto: Hans Jörg Michel.

James Rutherford (Der Wanderer), Cornel Frey (Mime). Foto: Hans Jörg Michel.

Cornel Frey (Mime), Corby Welch (Siegfried). Foto: Hans Jörg Miche

Heike Wessels (Brünnhilde), Corby Welch (Siegfried). Foto: Hans Jörg Michel.

Siegfried (Corby Welch) ist ohne Kenntnis seiner Herkunft in der Abgeschiedenheit beim Zwergen Mime (Cornel Frey), einem Schmied, aufgewachsen, ahnt aber, dass dieser nicht sein Vater ist. Mime erzählt Siegfried schließlich von seinen Eltern und dem Schwert Nothung. Der Wanderer (James Rutherford), als der Wotan unterwegs ist, verrät dem Zwerg, dass „nur wer das Fürchen nicht kennt“, Nothung neu schmiedet. Mime ist dazu nicht in der Lage. Es gelingt aber schließlich Siegfried. Mit dem Schwert tötet er den Drachen, in den der Riese Fafner (Lukasz Konieczny) sich verwandelt hatte, und nimmt Ring und Tarnhelm an sich. Und er tötet den hinterlistigen Mime, der ihn umbringen will, um in Besitz des Ringes zu kommen. Siegfried und Brünnhilde (Lise Lindstrom) sollen die Welt von der Macht des Rings befreien, so Wotans Plan. Auf dem Weg zu Brünnhilde trifft Siegfried seinen Großvater: Der junge Mann zerschlägt mit Nothung Wotans Speer und entmachtet damit den Weltherrscher. Siegfried findet die Walküre, durchschreitet den Feuerring und küsst sie wach. Brünnhilde erkennt in ihm den Helden, den Wotan ihr vorbestimmt hatte. Ihre befreiende Vereinigung feiern sie: „leuchtende Liebe, lachender Tod“.

Mit „Siegfried“ brachte die Deutsche Oper am Rhein den dritten Teil von Richard Wagners Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ in der Neuinszenierung von Dietrich W. Hilsdorf auch im Theater Duisburg auf die Bühne. Ein restlos begeistertes Publikum feierte die herausragenden Akteure völlig zu Recht mit minutenlangen, teils stehenden Ovationen. Das rund fünfstündige Werk in drei Aufzügen (inklusive zwei Pausen) wird in deutscher Sprache gesungen, Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung. Die Tetralogie, die als Richard Wagners Hauptwerk gilt, wird ab dem 5. Mai mit der Götterdämmerung an Duisburger Spielstätte ihren Abschluss finden.

Herausragende Akteure begeisterten

Lukasz Konieczny (Fafner), Corby Welch (Siegfried). Foto: Hans Jörg Michel.

Cornel Frey (Mime), Stefan Heidemann (Alberich). Foto: Hans Jörg Michel.

Der Tenor Corby Welch füllte seine Rolle als Wagnerscher Heldentenor Siegfried nicht nur mit seinen gesanglichen Qualitäten, sondern auch schauspielerisch zum Leben. Scheinbar mühelos bewältigte er den Part der Titelfigur, die in dem langen Opernabend durch ihre massive Bühnenpräsenz eine Herausforderung ist. Mit James Rutherford (Der Wanderer) stand ihm ein erfahrener Wagner-Interpret (Bariton) als Wotan zur Seite, der seine Rolle ebenso brillant meisterte wie Cornel Frey als Charaktertenor den Mime, Stefan Heidemann den Zwerg Alberich oder Lise Lindstrom in einem fantastischen Finale die Brünnhilde. Lukasz Konieczny (Fafner), Renée Morloc (Erda) und Julia Sitkovetsky (der Waldvogel) vervollständigten mit kleineren Rollen die grandiose Besetzung.

Das vollständig durchkomponierte Werk meisterten glänzend aufgelegte Duisburger Philharmoniker und die Hornsolistin Magdalena Ernst unter der Leitung von DOR-Generalmusikdirektor Axel Kober, der seit 2013 auch regelmäßig bei den Bayreuther Festspielen dirigiert. Die drei Bühnenbilder von Dieter Richter (in jeder Pause wird die Bühne vollständig umgebaut) setzte das Lichtdesign von Volker Weinhart wirkungsvoll in Szene. Die passenden Kostüme entwarf Renate Schmitzer.

Der Ring-Zyklus als Festspiel

Stefan Heidemann (Alberich), James Rutherford (Der Wanderer). Foto: Hans Jörg Michel.

Die monumentale Komposition von Richard Wagner (1813 – 1883) war von Anfang an für Festspiele konzipiert, seine Dichtung entwickelte und schrieb Wagner (er ist auch Librettist) vom Ende (Götterdämmerung) her bis zu ihrem Anfang (Das Rheingold), wobei der für seinen Opernzyklus unterschiedliche Sagen vereinte. Mit Unterbrechungen hat der Komponist von 1848 bis 1874 an der Tetralogie gearbeitet, mit der größten Schaffenspause von zwölf Jahren zwischen der „Walküre“ und „Siegfried“. „Siegfried“ ist die erste Oper des Ring-Zyklus, die bei den Bayreuther Festspielen 1876 ihre Uraufführung feierte und der Ring im gerade fertig gestellten Festspielhaus erstmals vollständig aufgeführt werden konnte. Der Vorabend (Das Rheingold) und der erste Tag (Die Walküre) waren bereits 1869 bzw. 1870 im Nationaltheater München uraufgeführt worden: Auf Wunsch von König Ludwig II. von Bayern, seinem Mäzen, aber zum Leidwesen des Komponisten.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 10. Februar 2019 | 17:00 Uhr und
Do | 30. Mai 2019 | 17:00 Uhr.
Am Donnerstag, 20. Juni 2019, um 17 Uhr läuft eine Wiederaufnahme von „Siegfried“ im Opernhaus Düsseldorf.

Corby Welch (Siegfried), Heike Wessels (Brünnhilde). Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten wegen Überlänge zwischen 19 und 76,00 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Marketing-Club Duisburg-Niederrhein: Dezernent Andree Haack sprach über den Wirtschaftsstandort

Das neue Duisburg – Ruhrgebiet 4.0
Von Petra Grünendahl

Wirtschaftsdezernent Andree Haack beim Neujahrsempfang des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein. Foto:: Petra Grünendahl.

„Duisburg hat große Potenziale, macht aber manchmal zu wenig aus sich“, erklärte Wirtschaftsdezernent Andree Haack. Ein großes Problem sei das Image: Die Wahrnehmung der Stadt müsse verbessert werden. „Wir brauchen eine Strategie und müssen die Wirtschaftsförderung schlagkräftiger aufstellen“, sagte Haack, von Amts wegen Mitgeschäftsführer der GFW Duisburg. Er will die Tochtergesellschaft stärker an die Verwaltung und sein Dezernat anbinden. Den Strukturwandel will Haack weiter vorantreiben und alte Standorte mit neuem Leben füllen. Aber alte Industrieflächen sind wegen Altlasten nicht unbedingt wirtschaftlich für eine neue Nutzung aufzubereiten. „Wir hätten viele Ansiedlungen machen können, wenn wir als Stadt die Flächen vorrätig oder verfügbar gehabt hätten.“ Dafür will Andree Haack ein Flächenmanagement in der Verwaltung aufbauen.

Club-Präsident Marco Pfotenhauser biem Neujahrsempfang des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein. Foto:: Petra Grünendahl.

Der Marketing-Club hatte zu seinem Neujahrsempfang Duisburgs Wirtschaftsdezernenten Andree Haack eingeladen. Unter dem Thema „Das neue Duisburg – Ruhrgebiet 4.0“ beleuchtete der Beigeordnete den Wirtschaftsstandort Duisburg näher. Der 45-Jährige gebürtige Moerser, der in Homberg aufgewachsen ist, baut seit Juli 2018 das neu geschaffene Dezernat für Wirtschaft und Strukturentwicklung auf. Zunächst, so Haack, müsse man Strukturen im Dezernat schaffen wie eine Stabsstelle, die Investoren bei neuen Ansiedlungen unterstützt und nötige Schritte in der Verwaltung koordiniert. Ihm sei auch die Stabsstelle für Europaangelegenheiten zugeordnet worden, die jetzt Stabsstelle für Wirtschaft und Europaangelegenheiten heißt: „Dort hatten wir einen Volkswirtschaftler, einen Wirtschaftswissenschaftler und einen Raumökonomen, die wir für die Strukturentwicklung brauchen.“

Stahl hat Zukunft

Wirtschaftsdezernent Andree Haack beim Neujahrsempfang des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein. Foto:: Petra Grünendahl.

„Wir brauchen Stahl. Ich glaube, dass die Stahlindustrie hier vor Ort und in Europa eine Zukunft hat“, ist sich der Wirtschaftsdezernent sicher. Standortfaktur dafür sei aber nicht mehr die Kohle vor Ort [weil sie hier nicht mehr abgebaut wird], „sondern die Kunden und Abnehmer, die in einem Radius von wenigen 100 Kilometern um Duisburg herum angesiedelt sind.“ Er stelle sich aber auch die Frage ‚Will man in Europa die Industrie noch haben?’: „Man hat manchmal den Eindruck, dass nicht“, bedauerte Haack.

Neujahrsempfang des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein. Foto:: Petra Grünendahl.

Neujahrsempfang des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein. Foto:: Petra Grünendahl.

Jenseits der Industrie sieht der Wirtschaftsdezernent Duisburg gut aufgestellt. Die Universität Duisburg-Essen (UDE) sei führend beim Wissenstransfer: „Wir sind deutschlandweit sehr weit vorne bei den daraus resultierenden Startups.“ Eine wichtige Rolle für Startups bilden Gründerzentren wie Tectrum und Starport: „Wir brauchen mehr Gründerzentren und versuchen, entsprechende Impulse zu geben.“ Weitere Standortvorteile sieht Haack in den Forschungsinstituten, die sich rund um die Uni angesiedelt haben. Von den über 20.000 Studenten der UDE alleine in Duisburg sind rund 2.000 Chinesen. Andree Haack mahnte an, die Verbindungen nach China mit einer konkreten Strategie zu füllen: „Aus der neuen Seidenstraßen müssen wir mehr machen. Der Duisburger Hafen hat einen Plan: Hafenchef Erich Staake will die Container. Das kann für uns als Stadt aber nicht alles sein.“ Andree Haack machte deutlich, wo er in der Verbindung von Werten und Innovation Potenziale sieht für Duisburg und das Ruhrgebiet, die man nutzen müsse.

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburg: Jubiläumsprunksitzung der KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953 e. V. begeisterte im rappelvollen Saal

Zur närrischen 6x 11 ließen es die blau-roten Karnevalisten mächtig krachen
Von Petra Grünendahl

Talente aus eigenen Reihen: Die Große Tanzgarde der KG Sonniger Süden feierte hier ihr Debüt auf der Bühne. Foto: Petra Grünendahl.

Gute aufgestellt geht die KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953 e. V. in ihre Jubiläumssession. Foto: Petra Grünendahl.

„Was sollen wir in Köln suchen, wenn wir hier vor Ort reichlich Talente haben“, sagte Willi Garohn, Präsident der KG Sonniger Süden. Für die Prunksitzung wurde er nicht nur in Duisburg, sondern sogar in der eigenen Gesellschaft fündig, um das abendfüllende Programm zu gestalten. Neben Tanzmariechen Lena (16), die bereits im Vorjahr ein viel umjubeltes Debüt gefeiert hatte, trumpften das neue Tanzpaar Leon (von der KG Sonniger Süden) & Chantal (von der KG Königreich Duissern) sowie die Große Tanzgarde auf. Die zwölf Mädchen zwischen 14 und 24 durften hier ebenso wie das Tanzpaar hier ihre Premiere feiern.

Närrische 6x 11 Jahre feierte die KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953 e. V. mit ihrer Jubiläumsprunksitzung in der rappelvollen Pausenhalle der Gesamtschule Duisburg-Mitte an der Falkstraße. Präsident Willi Garohn und Geschäftsführer Oliver Wolters führten durch ein vielfältiges Programm, das für jeden Geschmack etwas zu bieten hatte. Vor allem in eigenen Reihen ist die Garde zukunftsfähig aufgestellt, bringt sie doch dank des unermüdlichen Engagements von ehrenamtlich tätigen Mitgliedern nicht nur drei Sitzungen in den Saal, sondern mittlerweile viele Tanzprogramme selber auf die Bühne. Und natürlich die die Show des Elferrates der KG, die immer wieder für reichlich Lacher aus dem Publikum gut ist.

Jubliäumsprogramm begeisterte

Talente aus eigenen Reihen: Tanzmariechen Lena. Foto: Petra Grünendahl.

Lediglich mit Büttenrednerin Engel Hettwich, deren derber Humor beim Publikum gut ankam, und Bauchredner Peter Kerscher, dessen Kuh Dolly die meisten Lacher auf ihrer Seite hatte, kamen Akteure von außerhalb. Mit Stimmungsmusik glänzte das Duisburger Duo Stark reduzierte Einzelstücke. Kraftvoll und laut ließen die Ruhrpott Guggis den Saal beben. Ins Reich der Amazonen entführte die Showtanzgruppe Red Diamonds der KG Grün-Weiß Walsum.

Die Kinderprinzencrew: Prinz Marvin II. (mitte) mit Prinzessin Alina I. (rechts) und Pagin Annika (links). Foto: Petra Grünendahl.

Dazu kamen die fantastischen Auftritte des Kinderprinzenpaares Marvin II. und Alina I. mit Pagin Annika sowie des jüngsten Duisburger Stadtprinzen Kevin I. mit seiner Crew. Oliver Wolter leistete sich mit der Ansage für „Kinderprinz“ Kevin einen kleinen Schnitzer, der aber darin begründet lag, dass der aktuelle Prinz im Jahr 2008 schon als Kinderprinz durch die Duisburger Karnevalsäle gezogen war. Mit viel Begeisterung und Charme rissen die kleine wie die große Prinzencrew die Jecken im Saal von den Stühlen. Insbesondere des Prinzen Song „Heimat“ (auf die Musik von Rod Stewarts „Sailing“) begeisterte das Duisburger Publikum. Das Programm begleitete musikalisch die Band „Concorde“, die nach dem Programm zu später Stunde noch zum Tanz aufspielte.

In Wanheimerort gegründet

Stadtprinz Kevin I. mit seiner Prinzencrew aus vier Paginnen und zwei Hofmarschällen. Foto: Petra Grünendahl.

In der Gaststätte „Fuchsecke“ wurde die KG Sonniger Süden Blau-Rot im Jahr 1953 gegründet: am 21. Februar, wie die Chronik der Karnevalisten verrät. Viele Jahre feierte man seine Sitzungen in den großen Sälen von Gaststätten. Nachdem solche Örtlichkeiten nicht mehr zur Verfügung standen, zog die KG Sonniger Süden mit ihrem klassischen Saalkarneval 1997 in die Pausenhalle der Gesamtschule Duisburg-Mitte, wohin man seitdem die feierfreudigen Jecken zu ziehen weiß.

Talente aus eigenen Reihen: Das neue Tanzpaar Leon (KG Sonniger Süden) und Chantal (KG Königreich Duissern). Foto: Petra Grünendahl.

Die KG Sonniger Süden Blau-Rot 1953 e. V. feiert in ihrem Jubilälumsjahr weiter mit der Damensitzung am Samstag, 9. Februar, um 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) sowie ihrer 2. Großen Kindersitzung am Sonntag, 10. Februar, um 13 Uhr (Einlass 12.15 Uhr). Beide finden ebenfalls in der Pausenhalle der Gesamtschule Mitte statt. Karten für die Damensitzung gibt es auch, für die Kindersitzung ausschließlich im Vorverkauf (siehe https://www.kg-sonniger-sueden.de/kontakt-bestellformular/).
www.kg-sonniger-sueden.de

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage verlieh Preis an Projekt „Junge Muslime in Auschwitz”

Verstehen, wozu Ausgrenzung führt
Von Petra Grünendahl

Projektleiter und Initiator des Projekts „Junge Muslime in Auschwitz“ Burak Yilmaz (mit dem Preis in Form einer Hand) umrahmt von Laudatorin Carina Gödecke (links daneben) und Bündnis-Sprecher Armin Schneider (rechts daneben), Projektteilnehmern, Mitarbeitern von Jungs e. V. sowie Ehrengästen. Foto: Petra Grünendahl.

Laudatorin Carina Gödecke, Vizepräsidentin des Landtags NRW. Foto: Petra Grünendahl.

„Für mich als Deutscher“, sagte der junge Muslim, „mit Eltern, die einen arabischem Migrationshintergrund haben, hatte ich nicht gedacht, dass es mich so berühren würde.“ Dieses „es“ war nach Vorbereitungsseminaren der Besuch im früheren Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im heutigen Polen. „In den Seminaren setzen sich die jungen Muslime nicht nur mit der deutschen Geschichte, sondern auch mit ihrer Herkunft und dem Antisemitismus in ihrer eigenen Familie auseinander“, erzählte Projektleiter Burak Yilmaz, der das Projekt „Junge Muslime in Auschwitz“ initiiert hatte. Mittlerweile hätten 60 Jungen und junge Männer zwischen 16 und 21 Jahren an diesem Projekt teilgenommen – und sie trügen ihre Erfahrungen an andere junge Menschen weiter: Unter anderem über Videos auf Youtube oder auf Facebook. „Als Türke, als Deutscher und als Mensch hat es mich etwas anzugehen“, bekräftigte ein weiterer Teilnehmer des Projekts. „Was wir hier machen, sollte selbstverständlich sein.“

Projektleiter und Initiator des Projekts „Junge Muslime in Auschwitz“ Burak Yilmaz (mit dem Preis in Form einer Hand) umrahmt von Laudatorin Carina Gödecke (links daneben) und Bündnis-Sprecher Armin Schneider (rechts daneben). Im Hintergrund: Projektteilnehmer, Mitarbeiter der Jungs e. V. und Ehrengäste. Foto: Petra Grünendahl.

Traditionell am Holocaust-Gedenktag* verlieh das Duisburger Bündnis für Toleranz und Zivilcourage seinen Preis für 2018 an das Projekt „Junge Muslime in Auschwitz“ der Jungs e. V. Der Preis wurde in diesem Jahr zum 18. Mal vergeben. Die Verleihung fand – auch das hat Tradition – im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen im Innenhafen statt. „Die große Gastfreundschaft dieser Gemeinde ist nicht selbstverständlich: Danke!“, sagte Bürgermeister Manfred Osenger in seinem Grußwort. Auschwitz sei eine Mahnung, sich an die Vergangenheit zu erinnern: „Es geht nicht um Schuld für Vergangenheit, sondern um die Verantwortung für die Zukunft: So etwas darf nie wieder passieren!“

Viel Engagement für friedliches Zusammenleben in Duisburg

Angelika Wagner, Geschäftsführerin des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage. Foto: Petra Grünendahl.

Übergabe von Preis, Uhrkunde und Geschenken für die anwesenden Projektteilnehmer. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir verleihen den Preis an Personen oder Gruppen, die durch ihr Engagement das Thema Toleranz und Zivilcourage sowie seine Bedeutung für ein friedliches Zusammenleben in Duisburg in besonderer Weise positiv umgesetzt haben“, erzählte Angelika Wagner, Geschäftsführerin des Bündnisses. „Die Auswahl, die der Jury in jedem Jahr vorliegt, spiegelt die Vielfalt und Vielzahl der Initiativen, die sich dafür in unserer Stadt einsetzen.“ – „Dieser Tag mahnt, was Menschen anderen Menschen antun können. Erinnern heißt auch, sich mit sich selbst auseinander zu setzen“, sagte Carina Gödecke, Vizepräsidentin des Landtags NRW, in ihrer Laudatio. „Wir müssen das Erinnern wach halten. Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten. Diese Verantwortung kann uns keiner nehmen.“ Duisburg sei eine Stadt, in der das Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen trotz aller Probleme funktioniere, weil sich viele Menschen dafür einsetzten, so Gödecke. Man solle Jungenarbeit nicht als Methode, sondern als Haltung gegenüber anderen auffassen: „Diese Jungen kennen Ausgrenzung, aber nicht so, wie sie im Nationalsozialismus war. Sie lernen verstehen, wozu Ausgrenzung führt. Sie lernen, die Grenzen ihrer Erziehung und Sozialisation zu erkennen und damit in die Öffentlichkeit zu gehen“, lobte die Landtagsvizepräsidentin das Projekt und seine Teilnehmer.

Die Gelsenkirchener Swingfoniker verliehen der Veranstaltung den passenden musikalischen Rahmen. Foto: Petra Grünendahl.

Die Jungs e. V. als Träger des Projekts „Junge Muslime in Auschwitz“ ist das städtische Jugendbüro mit dem Schwerpunkt Sozialarbeit mit Jungen (als ergänzendes Pendant zur Mädcheneinrichtung Mabilda). Nach dem Projekt „HeRoes“ (siehe auch hier … oder hier: www.jungsev.de) 2012 wurde die Jungs e. V. hier bereits das zweite Mal ausgezeichnet. Einen passenden musikalischen Rahmen gestalteten wie in früheren Jahren die Gelsenkirchener Swingfoniker unter der Leitung von Lutz Peller. Im Anschluss an die Preisverleihung gab es für die geladenen Gäste aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft noch Gelegenheit zu Gesprächen bei einem kleinen Imbiss.

*) Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee am 27. Januar 1945

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Lehmbruck Museum in Duisburg: Jahresprogramm stellt „Schönheit” der Meister der Moderne in den Focus

Auguste Rodin und Wilhelm Lehmbruck, Sculpture 21st mit Julian Opie sowie Eija-Liisa Ahtila
Von Petra Grünendahl

Auguste Rodins „Le Penseur“ (Der Denker). Musée Rodin Paris. Foto: Christian Baraja.

Auguste Rodins Werke stellen einen Bruch dar mit der klassischen akademischen Schönheit: Der französische Bildhauer suchte nach mehr als nur der äußeren Erscheinung. Vielmehr versuchte er, in seinen Plastiken die Ausdruckskraft des Charakters herauszuarbeiten. Mit der Jubiläumsausstellung „Schönheit“ treffen anlässlich des 100. Todestages des Namensgebers stellt das Museum mit Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) und Auguste Rodin (1840-1917) in den Mittelpunkt: Zwei Meister der Moderne, die zur vorletzten Jahrhundertwende Menschenbild und Schönheitsideal verändert haben. Rodin beeinflusste Lehmbruck, war wohl auch der Grund, warum dieser 1910 nach Paris ging. Die Skulpturen der beiden wegweisenden Bildhauer sowie Werke solcher Künstler, die wiederum von ihnen beeinflusst wurden, werden den gesamten über 1.100 Quadratmeter großen Wechselausstellungsbereich des Neubaus einnahmen. Zahlreiche hochklassige Leihgaben u. a. vom Rodin-Museum in Paris bereichern die Werkschau: „Das sind Arbeiten, die man so schnell hier nicht mehr sehen wird“, schwärmte Jessica Keilholz, Kuratorin der Sonderausstellung.

Wilhelm Lehmbrucks „Große Sinnende“ mit dem Team des Lehmbruck Museums um Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla (6. v. r.) und Kulturdezernent Thomas Krützberg (5. v. l.). Foto: Petra Grünendahl.

Wilhelm Lehmbrucks Gegenentwurf zu Auguste Rodins „Denker“: der sitzende Jüngling. Foto: Petra Grünendahl.

Im Pressegespräch stellten Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla mit ihrem Team und Kulturdezernent Thomas Krützberg das Programmheft für das erste Halbjahr sowie das Jahresprogramm des Lehmbruck Museums vor. Das breite Ausstellungsprogramm des vergangenen Jahres habe zu weiteren Besucherzuwächsen geführt, erzählte Kulturdezernent Krützberg. Nicht nur Exponate und das vielfältige Rahmenprogramm seien Aushängeschilder des Museums, sondern auch beispielsweise die Arbeit mit Flüchtlingen und Asylbewerbern mit dem Ziel der Integration. Etabliert haben sich beim Publikum Formate wie die „Lehmbruck Lectures“, die plastikBAR, das City Atelier und das Sommerfest, welches auch in diesem Jahr mit einem Tag der Offenen Tür stattfinden wird. Parallel zur großen Sonderausstellung „Schönheit. Lehmbruck & Rodin. Meister der Moderne“ (23. März bis 18. August) gibt eine Studioausstellung im Lehmbruck-Flügel (23. März bis 8. September Einblicke in seine private und künstlerische Biografie.

Sculpture 21st zeigt Julian Opie, Eija-Liisa Ahtila Werke aus 20 Jahren

Wilhelm Lehmbrucks „Knieende“ im Vordergrund, hinten links Käthe Kollwitz Mutter und Kind (links) und Wilhelm Lehmbrucks Gestürzter (rechts). Foto: Petra Grünendahl.

Ab 23. Mai stellt der Brite Julian Opie (*1958) im Rahmen von Sculpture 21st in der Glashalle zum Kantpark seine überlebensgroßen „Walking Figures“ aus. Seine Skulpturen vereinfacht er und reduziert sie auf das Wesentliche. Er spielt mit Bildern der Alltagskultur. Viele Skulpturen und LED-Installationen finden sich auch im öffentlichen Raum. Eine ähnliche Wirkung hat die Schau in der Glashalle als Schnittstelle zum öffentlichen Raum (Kantpark), die bis zum 27. September dauert.

Wilhelm Lehmbrucks „Große Stehende“. Foto: Petra Grünendahl.

Von der Finnin Eija-Liisa Ahtila (*1959) zeigt das Lehmbruck Museum mit Fotografien, Zeichnungen, Filmen und Medieninstallationen einen umfassenden Einblick in ihr Gesamtwerk. Ahtila arbeitet mit zeitgenössischen Mitteln, veränderte Wahrnehmung, alternative Weltmodelle und den Menschen als Teil der Welt aufzuzeigen. Aus 20 Jahren ihres Schaffens stammen Werke, die die Seele, das Geistige spiegeln: „Was macht den Menschen aus?“ als Anregung zum Weiterdenken. Ahtila war bereits 2014 im Rahmen von Sculpture 21st in der großen Glashalle des Lehmbruck Museums zu sehen.

Ansicht vom City Atelier. Foto: Dejan Saric / Lehmbruck Museum.

Mit dem City Atelier führt die Kunstvermittlung des Museums ein Projekt fort, welches sich im vergangenen Jahr etabliert hatte. Begleitend zur Ausstellung von Lehmbruck & Rodin beschäftigt sich das City Atelier ab Mai mit dem künstlerischen Gestaltungsprinzip der Proportionen. Besucher können eigene Ideen kreativ umsetzen und bei wöchentlichen Workshops unter Anleitung professioneller Künstler an eigenen Radierungen oder Zeichnungen versuchen. Zum Angebot des City Ateliers gehört auch die Reihe „Kunst im Doppelpack“, bei der Eltern mit Kleinkindern an einem speziell auf sie ausgerichteten Programm teilnehmen und das Museum sinnlich erkunden können.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Wilhelm Lehmbruck mit der „Badenden“ 1912, vermutlich im Atelier der Düsseldorfer Kunstakademie. Foto: Archiv.

Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags an Terminen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag um 11.30 Uhr; sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de sowie im Veranstaltungskalender.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (4), Christian Baraja (1), Dejan Saric (1), Lehmbruck Museum (1)

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Museum der Deutschen Binnenschifffahrt in Duisbur-Ruhrort zeigt die Mannheimer Akte

Für eine freie Rheinschifffahrt:
Europas erstes Freihandelsabkommen

Von Petra Grünendahl

Ein Boot der Wasserschutzpolizei (Polizeidirektion Duisburg) brachte den Koffer mit den Unterlagen zum Anleger des Binneneschiffahrtsmuseums. Foto: Petra Grünendahl.

Nahmen den Koffer mit der Mannheimer Akte und den Ratifikationsurkunden am Anleger Eisenbahnbassin in Empfang (v. l.): Regierungsdirektorin Barbara Schäfer (Leiterin Referat WS25 Schifffahrt im Bundesverkehrsministerium), Kulturdezernent Thomas Krützberg, Museumsdirektor Dr. Bernhard Weber und Polizeidirektorin Dr. Elke Bartels. Foto: Petra Grünendahl.

Freuten sich, die Mannheimer Akte mit ihren Ratifikationsurkunden im Binnenschifffahrtsmuseum einer interessierten Öffentlichkeit zeigen zu können (v. l.): Polizeidirektorin Dr. Elke Bartels, ZKR-Generalsekretär Bruno Georges, Kulturdezernent Thomas Krützberg, ZKR-Präsident Achim Wehrmann und Museumsdirektor Dr. Bernhard Weber. Foto: Petra Grünendahl.

„Es ist das erste Mal, dass die Mannheimer Akte zusammen mit den Ratifikationsurkunden gezeigt wird“, erzählte Katrin Moosbrugger, stellvertretende Generalsekretärin der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR). Vorsichtig und mit Stoffhandschuhen wurden die Akten ausgepackt und in die Vitrinen in der „Dunkelkammer“ gelegt. Mehr als 50 Lux verträgt das historische Papier nicht, will man es für die Nachwelt erhalten. Gehütet wird die Akte bei der ZKR in Straßburg (Frankreich), die als überstaatliche Organisation die Schifffahrt auf dem Rhein regelt. Nur selten wird das historische Papier einer Öffentlichkeit präsentiert. Dieses frühe Freihandelsabkommen im internationalen Warenverkehr schlossen 1868 Baden, Bayern*, Frankreich, Hessen, die Niederlande und Preußen; seit der Neubekanntmachung 1969 ist auch die Schweiz dabei. Es garantiert unter anderem freien Handel, die Freistellung von Abgaben und Zöllen sowie einheitliche Schiffssicherheits- und Schiffsverkehrsvorschriften.

Das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt empfing die Mannheimer Akte am Anlieger des Museums. Überbracht wurden die Unterlagen, die Zwischenstationen in Mannheim und Bonn eingelegt hatten, durch ein Boot der Wasserschutzpolizei. Der wasserdichte und schwimmfähige Koffer gelangte dann vom Anleger im Eisenbahnbassin Ruhrort ins Museum, wo ein abgedunkelter Raum für die Präsentation geschaffen worden war. In den Vitrinen haben Museumsbesucher bis zum 28. April die Möglichkeit, einen Blick auf die Mannheimer Akte sowie die sechs Ratifikationsurkunden aus Baden, Bayern*, Frankreich, Hessen, den Niederlanden und Preußen zu werfen.

 
 
 

Vom freien Handel zum Frieden in Europa

Die Mannheimer Akte im Binnenschifffahrtsmuseum: Die überstaatliche Vereinbarung als Bekenntnis zum freien Warenverkehr wurde im Mannheimer Schloss am 17. Oktober 1868 unterzeichnet. Foto: Petra Grünendahl.

Museumsdirektor Dr. Bernhard Weber. Foto: Petra Grünendahl.

„Duisburg steht wie keine andere Stadt für den freien Warenverkehr“, erklärte Kulturdezernent Thomas Krützberg beim feierlichen Empfang. Demokratische Freiheiten und den freien Warenverkehr lobte Achim Wehrmann, Präsident der ZKR und Leiter der Unterabteilung Schifffahrt im Bundesverkehrsministerium, als Garanten für den Frieden. Der Historiker Prof. Dr. Hiram Kümper (Universität Mannheim) zeigte den „Langen Weg zur freien Rheinschifffahrt“ auf, der in der Mannheimer Akte einen Meilenstein zur heutigen Freizügigkeit in der EU darstellte. Der Rhein, einst eine vollwertige Grenze, verbinde heute Wirtschaft und Kulturen der Völker, so Bruno Georges, Generalsekretär der ZKR, in seinem Grußwort. Die ZKR begrüßte Roberto Spranzi vom Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) als frühes Beispiel europäischer Zusammenarbeit und Kompetenzzentrum für die Binnenschifffahrt.

Vom Binnenschifffahrtsmuseum in Duisburg aus wird die Mannheimer Akte zu ihrer nächsten Station nach Rotterdam weitergereicht. Weitere Stationen könnten folgen. Spätestens 2020 wird die Akte in Straßburg zurückerwartet. Dann feiert die ZKR ihr Hundertjähriges in Straßburg: Nach dem Versailler Vertrag war die Organisation 1920 von Mannheim in den Elsass umgezogen.

*) Die linksrheinische Pfalz war nach dem Wiener Kongress 1816 als Rheinkreis an das Königreich Bayern gegangen.

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Loveparade-Strafprozess: Landgericht Duisburg macht Inhalte des Rechtsgesprächs öffentlich

Schuldhaftes Verhalten nicht nur der Angeklagten für Katastrophe ursächlich
Von Petra Grünendahl

Der Vorstizende Richter Mario Plein (mitte) mit zwei beisitzenden Richtern beim Loveparade-Strafprozess im Gerichtssaal im Congress Center Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Der Prozess habe zur Aufklärung der Geschehnisse bei der Loveparade 2010 mit ihren 21 Toten und Hunderten Verletzten beigetragen, sagte der Vorsitzende Richter Mario Plein. Es sei richtig gewesen, die zehn Personen anzuklagen und es bestehe eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass diese für das Unglück mitverantwortlich seien. Gesetzliche Vorgaben zur sicheren Durchführung von Großveranstaltungen habe es noch nicht gegeben. In der Planung der Veranstaltung hätten sich die Angeklagten unter anderem auf Fachleute beteiligter Behörden und Sachverständige vertraut. Richter Plein schloss ein Mitverschulden Dritter nicht aus, da bei der Vielzahl der involvierten Personen (Ordnungsamt, Feuerwehr, Polizei, Deutsche Bahn) niemand auf die Gefahren der Zuwegung hinwies: Zum Ende seien von Niemandem Bedenken geltend gemacht worden! Fehler seien aber nicht nur bei der Planung, sondern auch bei der Durchführung gemacht worden. Auch diese Fehlentscheidungen vor Ort seien für das Geschehen mit verantwortlich zu machen.

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Die Zahl der Zuschauer hielt sich in überschaubaren Grenzen, als die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg im Gerichtssaal des Congress Centers Düsseldorf einen Vermerk über die Inhalte des Rechtsgesprächs vom Vortag vortrug. Umfassender vertreten waren die Vertreter der Presse, als der Vorsitzende Richter Mario Plein einen 41 Seiten langen Vermerk vortrug, der das Gespräch zusammenfasste. Nach 96 Verhandlungstagen hatte der Richter angeregt, einen Verfahrenseinstellung im Loveparade-Strafverfahren nach §153 und §153a StPO (Strafprozessordnung) in Betracht zu ziehen und seine Gründe den Staatsanwälten, Nebenklagevertretern und Verteidigern dargelegt. Nach 58 Zeugenvernehmungen wären nach Darstellung des Gerichts noch mindestens 575 weitere Zeugen zur Entscheidungsfindung zu hören: Zu viele, um sie alle vor der Verjährung am 27. Juli 2020 anzuhören. Zwar schloss er eine strafrechtliche Schuld einzelner Angeklagter nicht aus, allerdings müsste man vielen weiteren an der Planung oder Durchführung der Loveparade ein schuldhaft pflichtwidrigen Verhaltens ankreiden. Dies würde zu einer geringen bis mittleren Schuld der Angeklagten führen – und bei dieser geringen Schuld sei ein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung mit Auflagen zu beseitigen.

Aufklärung nicht Sache des Gerichts

Die Rampe zum Loveparade-Gelände nach der Katastrophe. Foto: Petra Grünendahl.

Aus präventiven Gründen müsse der Prozess nicht fortgeführt werden, so die Staatsanwaltschaft Duisburg. Schließlich gibt es mittlerweile gesetzliche Grundlagen für die sichere Planung von Großveranstaltungen im Freien. Auch wird wohl nie wieder jemand gedankenlos über Sicherheitsbedenken hinwegsehen, die es ja im Vorfeld der Loveparade durchaus gegeben hatte. Oberstaatsanwalt Uwe Mühlhoff stimmte zu, auch andere hätten Fehler gemacht und er sehe kein vorsätzliches Verhalten der Angeklagten, auch wenn die Staatsanwaltschaft nicht von geringer Schuld ausginge. Man habe aber den Eindruck gewinnen können, dass für den Bereich hinter den Vereinzelungsanlagen bis hoch auf die Rampe [in der vorbereitenden Planung] niemand zuständig war. Dort war es am 24. Juli 2010 zur Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten gekommen.

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Ein Nebenkläger-Anwalt hatte im Rechtsgespräch angeführt, seine Mandanten (Eltern) seien mit dem Prozessverlauf zufrieden: Er habe ihnen Aufklärung gebracht. Ein anderer Rechtsanwalt führte an, Schuldfrage und Strafe seien der Sinn eines Prozesses, nicht die Aufklärung: Diese müsse an anderer Stelle stattfinden. Ein Dritter meinte, man müsse zwischen den Angeklagte differenzieren, da ihre Beiträge zur Planung unterschiedlichen Umfang gehabt hätten. Eine „Paketlösung“ würde von der Anklage bevorzugt, hatte Oberstaatsanwalt Mühlhoff angemerkt. Dies sei aber auch nach einem frühzeitigen Ausscheiden einzelner Angeklagter aus der Strafverfolgung möglich. Allerdings wünschten sich sowohl die Anklage als auch die Nebenkläger, dass sich die Angeklagten zur Sache äußern sollten. [Anmerkung: Die Angeklagten können die Aussage verweigern, um sich nicht selber zu belasten. Ein Recht, von dem sie verständlicherweise Gebrauch machen.]

Seit Dezember 2017 müssen sich sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent GmbH vor dem Landgericht Duisburg wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft und die Angeklagten haben nun Gelegenheit, auf der Grundlage der gerichtlichen Hinweise bis zum 5. Februar Erklärungen zu den aus ihrer Sicht vorstellbaren Bedingungen einer Verfahrenseinstellung abzugeben. In der Fortführung des Prozesses wird wie geplant am 30. Januar ein weiterer Polizeibeamter vernommen werden.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Lars Heidrich / Funke Foto Services (1), Petra Grünendahl (3)

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Niederrheinsiche IHK lud zum Neujahrsempfang in die Mercatorhalle in Duisburg: #gemeinsamgestalten

Wirtschaft braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Von Petra Grünendahl

Gastredner NRW-Ministerpräsident Armin Laschet beim IHK-Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

IHK-Präsident Burkhard Landers beim IHK-Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Gastredner NRW-Ministerpräsident Armin Laschet beim IHK-Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

IHK-Präsident Burkhard Landers beim IHK-Neujahrsempfang in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir müssen für Innovationen und Wertschöpfung in NRW die Rahmenbedingungen schaffen“, umriss der nordrhein-westfälische Ministerpräsidenten Armin Laschet. Er verwies auf Erfolge seiner Regierungskoalition in Düsseldorf, Maßnahmen zur Infrastruktursanierung angeschoben zu haben: Durch eine Aufstockung des Personals habe man für mehr baureife Planung 2018 mehr Geld vom Bund bekommen. In früheren Jahren habe mangels Baureife Gelder zurückzahlen müssen. Ein verantwortungsvolles Maß mahnte der Ministerpräsident bei Dieselfahrverboten an, die Wirtschaft und Bürger gleichermaßen treffen: „Wir müssen alles tun, sie zu verhindern!“

Zum traditionellen Neujahrsempfang in der Mercatorhalle hatte die Niederrheinische IHK Duisburg Wesel Kleve Armin Laschet als Gastredner eingeladen. IHK-Präsident Burkhard Landers nutzte natürlich die Gelegenheit, der Landesregierung die eine oder andere Erwartung oder Forderung der regionalen Wirtschaft (Duisburg und die Kreise Wesel und Kleve). Weitgehend lief er damit beim NRW-Ministerpräsidenten offene Türen ein, ob es sich um Infrastruktur, konkurrenzfähige Energiekosten für die Wirtschaft und eine Unterstützung für die weitergehende Digitalisierung, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmer in Land zu sichern. Die rund 900 geladenen Vertreter von Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Gesellschaft aus Duisburg und der Region mahnte Landers, gemeinsam die Herausforderungen anzupacken, um die Region zukunftsfähig aufzustellen.

Stabile Energieversorgung und ein geordneter Brexit als Garanten wirtschaftlicher Entwicklung
Burkhard Landers forderte für die Industrie der Region eine gesicherte und bezahlbare Energieversorgung, mache doch der Energieverbrauch in Nordrhein-Westfalen gute 40 Prozent des gesamtdeutschen Energieverbrauchs aus. Ursächlich dafür sind energieintensive Industrien, wie sie gerade in NRW häufig anzutreffen sind. Auch Armin Laschet warnte: „Wir können nicht auf fossile Energien verzichten, solange nicht sicher gestellt ist, dass erneuerbare Energien in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen.“

Der Ministerpräsident warnte ebenso wie zuvor der IHK-Präsident vor einem ungeordneten Brexit: „Das ist ein Knackpunkt für die wirtschaftliche Entwicklung. Die EU-Außengrenzen dürfen nicht zum Flaschenhals werden.“ Wenn es die EU nicht gäbe, müsse man sie erfinden: sie stehe für Jahrzehnte wirtschaftlicher und politischer Stabilität und Frieden in Europa. Er mahnte, die kommenden Europawahlen im Mai nicht für Denkzettel an die Politik zu nutzen. „Der Binnenmarkt ist zum größten Vorteil von Deutschland.“

© 2019 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Loveparade-Strafprozess: Landgericht Duisburg lädt zum Rechtsgespräch – ein Kommentar

Aufklärung heißt nicht, einen strafrechtlich Schuldigen finden zu müssen
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Er sei in Genehmigungsprozesse nicht eingebunden gewesen, habe von Bedenken nichts gewusst, hatte Duisburgs ehemaliger Oberbürgermeister Adolf Sauerland ausgesagt. Auch Lopavent-Geschäftsführer Rainer Schaller hatte auf andere Verantwortlichkeiten im Unternehmen verwiesen. Im Ordnungsamt war man froh gewesen, dass die Zuständigkeit für die Genehmigung (eine Nutzungsänderung für ein geschlossenes Gelände anstelle einer Veranstaltungsgenehmigung) ins Bauamt wechselte. So manch ein Zeuge sagte zwar, er habe den Zugang und die Rampe als problematisch angesehen, aber: „Das war nicht unsere Baustelle!“

Seit dem Dezember des vorletzten Jahres läuft vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg der Prozess gegen „Dressler und andere“. Sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent GmbH müssen sich wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Viele Zeugen sind seitdem vernommen worden, die entweder an den vorbereitenden Planungen zur Loveparade 2010 in Duisburg involviert waren und/oder an der Sicherung der Veranstaltung selber teilgenommen hatten. Das Bild, welches der Vorsitzende Richter Mario Plein, seine beiden beigeordneten Richterinnen sowie die Schöffen bekommen, zeigt immer deutlicher, dass es kaum zu Verurteilungen kommen kann. Keinem der zehn Angeklagten konnte bislang auch nur im Ansatz eine strafrechtliche Schuld für ihre Handlungen nachgewiesen werden. Das dürfte der Hintergrund sein, warum der Vorsitzende Richter die Prozessbeteiligten für den 16. Januar zum Rechtsgespräch eingeladen hat.

KOMMENTAR
Angehörige der Toten oder Betroffene, die teilweise unter den Folgen ihrer Verletzungen bis heute leiden, sind enttäuscht über das, was der Prozess in ihren Augen an Ergebnissen hergibt. Sie wollen Aufklärung, die sie eher in der Feststellung einer strafrechtlichen Schuld suchen. Das ist vielleicht etwas kurzsichtig, denn eine Aufklärung findet vor Gericht sehr wohl statt. Nur eben wird sie sich möglicherweise in keiner Verurteilung niederschlagen können. Denn eine so eindeutig zuzuweisende individuelle, strafrechtlich relevante Schuld, wie sie das Gesetz fordert, gibt es hier eben nicht.

Die Aufklärungsarbeit, die der Vorsitzende Richter Plein seit über einem Jahr mit Hilfe der Zeugen leistet, ergibt nämlich, dass die Fehler, die zur Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten führten, letztendlich nicht an einzelnen Personen festzumachen sind. Und: Dass sie nicht in erster Linie in Reihen der für die Planung und Genehmigung Verantwortlichen zu suchen ist. Er habe schon kritischere Veranstaltungsplanungen gesehen, die letztendlich problemlos über die Bühne gegangen seien, hatte Dr. Carsten Hesse ausgesagt. Der Crowdmanager war auf Seiten des Veranstalters für den gesamten Einlassbereich zuständig. Will heißen: Es hätte auch gut gehen können.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen beim Loveparade-Strafprozess. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Immer wieder offenbaren Zeugen, die im Vorfeld involviert waren, ihre massive Wissensdefizite, was die Planung und sichere Durchführung einer Großveranstaltung angeht. Ratschläge von Experten wurden nicht angenommen. Andere Ratschläge gar nicht erst erteilt, denn es ging ja nicht um die eigenen Verantwortlichkeit, um den eigenen Bereich. Niemand hatte den Überblick für das große Ganze. Niemand fühlte sich verantwortlich, auf Probleme hinzuweisen, die über den eigenen Tellerrand hinaus gingen. Vielleicht hat da auch politischer Druck eine Rolle gespielt, die Veranstaltung im Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 nicht platzen zu lassen. Das mag manch einen davon abgehalten haben, deutlicher (und vor allem öffentlicher) Problemfelder aufzuzeigen, die möglicherweise Anlass gegeben hätten, von einer Loveparade in Duisburg Abstand zu nehmen. Aber all die vielen Arbeitsgruppen mit Protagonisten unterschiedlichster Fachbereiche und Behörde führten nicht zu einer Planung aus einem Guss. Jeder blieb auf seiner Scholle: „Bleib mir bloß mit deinen Verantwortlichkeiten weg!“

Wenn man so an Planungen heran geht, darf man sich nicht wundern, wenn Probleme nicht angesprochen oder gelöst werden. Es hätte eine übergeordnete Instanz mit der entsprechenden Fachkompetenz gebraucht, die die Fäden in der Hand hielt und den Überblick hatte. Die gab es nicht. Geplant wurde letztendlich klein-klein: Hier ein Problemchen aus dem Weg geräumt, dort ein anderes. Der Veranstalter Lopavent, der nie eine Loveparade auf einem geschlossenen Gelände durchgeführt hatte, erwartete „Entgegenkommen“ bei Problemlösungen. Einen Überblick scheint aber auch dort – ähnlich wie bei den Planern um die Stadtverwaltung Duisburg –, niemand gehabt zu haben. Der kritische Zugang zum Festgelände war auch dort wohl unterschätzt worden. Denn hätte man sich im Vorfeld ernsthaft mit dem Nadelöhr „Zugang“ befasst, hätte diese Veranstaltung nie genehmigt werden dürfen.

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Ein Nebeneinander von Zuständigkeiten und mangelhafte Kommunikationswege führten dann zu allem Überfluss zu Fehlentscheidungen vor Ort. Die Lage angesichts des großen Besucheransturms auf das Gelände bei gleichzeitigem Gegenverkehr von Besuchern, die die Veranstaltung verlassen wollten, eskalierte. Mit jeder Zeugenaussage, auch wenn sie keinerlei Hinweise auf ein strafrechtliches Verschulden der Angeklagten gibt, wird der zweite Aspekt der gerichtlichen Aufklärung weiter erhellt: Die Fehlentscheidungen am Tag der Veranstaltung und vor Ort waren möglicherweise der zündende Funke, der aus einer kritischen Veranstaltungsplanung eine Katastrophe machten.

© 2019 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (2), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)

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Wir wünschen unseren Lesern einen guten Start in das Jahr 2019!

Foto: Petra Grünendahl.


© 2019 Petra Grünendahl

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Wir wünschen unseren Lesern frohe, gesegnete Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Foto: Petra Grünendahl.


© 2018 Petra Grünendahl

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Polizeichor Duisburg 1928 e. V. begeisterte bei den Weihnachtskonzerten in der Mercatorhalle

Klänge der Weihnacht trafen ein Klaviertalent mit anspruchsvollem Repertoire
Von Petra Grünendahl

Bot ein höchst anspruchsvolles Programm am Klavier: die erst 15jährige Carmen Geutjes beim Weihnachtskonzert in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Zwischen weihnachtlicher Klassik und klassischen Weihnachtsliedern setzte die Pianistin Carmen Geutjes noch einmal Akzente ganz anderer Art: Mit sehr anspruchsvollen Klavierstücken klassischer Komponisten. Die erst 15jährige Schülerin besucht die 10. Klasse des Mannesmann-Gymnasiums und studiert nebenbei im elften Semester an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf Klavier. Das große Ausnahmetalent hat schon große Konzerthallen in Deutschland, den Niederlanden, Spanien, Litauen und China gefüllt und das Publikum begeistert. Bei den Weihnachtskonzerten des Polizeichors gab die Duisburgerin als Überraschungsgast ihr Debüt auf heimischer Bühne. Ihren nächsten Auftritt absolviert sie am 17. Januar im Steinhof in Huckingen.

Sopran Katahrina Göres beim Weihnachtskonzert in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Das vierte Adventswochenende stand in Duisburgs guter Stube ganz im Zeichen der Weihnachtskonzerte des Polizeichors Duisburg 1928 e. V. Unter dem Titel „Dank sei dir Herr“ hatte Musikdirektor Axel Quast in bewährter Tradition ein gemischtes Programm aus Klassik und Weihnacht zusammengestellt. Den Gesangspart übernahmen der Polizeichor Duisburg und der Frauenchor der Polizei Duisburg (unter der Leitung von Sebastian M. Ostmeyer) sowie von die Solisten Katharina Göres (Sopran), Michael Pflumm (Tenor) und Klaus Hermann (Bass-Solist aus eigenen Reihen). Für die instrumentale Begleitung zeichnete traditionell das Orchester Oberhausen verantwortlich.

Der Tenor Michael Pflumm beim Weihnachtskonzert in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sänger spannten in ihrem gut dreistündigen Konzert (inklusive Pause) den Bogen von klassischen Kompositionen bis hin zu modernen Weihnachtsklassikern. Gesangliche und musikalische Höhepunkte hatte das Programm viele zu bieten, aber das emotionale Highlight war – wie alle Jahre wieder – das Finale von „Jerusalem“ (Bass Klaus Hermann mit dem Männerchor) über Feliz Navidad (die Solisten mit beiden Chören) bis Stille Nacht, bei denen das begeisterte Publikum mitklatschte und mitsang. Alle zwei Jahre sammelt der Polizeichor Duisburg bei seinen Weihnachtskonzerten für einen guten Zweck: In diesem Jahr ist die Spendensammlung für das Malteser Hospizzentrum St. Raphael in Huckingen. Mehr unter www.malteser-straphael.de.

Der Polizeichor Duisburg 1928 e. V.

Der Klassiker „Jerusalem“ durfte nicht fehlen: Bass Klaus Hermann beim Weihnachtskonzert in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Der Polizeichor (Männerchor) besteht nicht nur aus Polizisten, sondern steht auch nicht-polizeiangehörigen interessierten Sängern offen. Chorleiter ist seit Oktober 2012 Musikdirektor Axel Quast, dem auch die musikalische Gesamtleitung der Polizeichor-Konzerte (Weihnachts- wie Frühjahrskonzert) obliegt. Geprobt wird einmal wöchentlich montags um 17.30 Uhr im Ratskeller Hamborn (Kulturzentrum …kulturiges…) an der Duisburger Straße 213. Interessierte können einfach mal vorbeikommen. Weitere Informationen über den Polizeichor Duisburg 1928 e. V. findet man hier …

Polizeichor Duisburg 1928 e. V., Frauenchor der Polizei Duisburg 1983 e. V. und das Orchster Oberhausen: Weihnachtskonzert in der Mercatorhalle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Idee zu einem Frauenchor kam von Ehefrauen der Polizeichor-Sänger, die ebenfalls Freude am Singen hatten. Schließlich hatten sich 26 von ihnen 1992 zum gemeinsamen Gesang zusammen getan und nach einem Jahr „Probetraining“ selber einen Verein gegründet. Der Frauenchor der Polizei Duisburg 1983 e. V. wurde als erster Frauenchor in den Chorverband der Deutschen Polizei aufgenommen. Im Juni 2015 hat Sebastian M. Ostmeyer die musikalische Leitung des Frauenchors übernommen: Aus den Händen seines Vorgängers Musikdirektor Axel Quast, der seitdem nur noch den Männerchor leitet.

Im kommenden Jahr finden die Weihnachtskonzerte des Polizeichors Duisburg wie gewohnt am vierten Adventswochenende statt: am Samstag, 21. Dezember 2019, um 17.30 Uhr sowie am Sonntag, 22. Dezember 2019, um 14.30 und 19 Uhr.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburg-Homberg: Sprengvorbereitungen laufen auf Hochtouren im Weißen Riesen in Hochheide

500 Kilogramm Sprengstoff für 40.000 Tonnen Beton
Von Petra Grünendahl

Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

Gebäudeschwächungen im Kellergeschoss. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir geben uns nicht mit dem Abriss zufrieden. Es ist nur ein erster Schritt: Ein Neuanfang für Homberg und für Hochheide im Besonderen“, bekräftigte Oberbürgermeister Sören Link beim Ortstermin am Weißen Riesen. „Hier sollen Grünflächen entstehen: Dafür bekommen wir Fördermittel. Wir wollen Hochheide aufwerten und die Lebensqualität im Stadtteil erhöhen.“ Eine Informationsveranstaltung solle es Ende Februar / Anfang März geben, kündigte Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum an, bei der die Anwohner der näheren Umgebung über alle Details wie den genauen Ablauf und die eingerichteten Sicherheitsbereiche informiert würden: „Da arbeiten wir in der Verwaltung noch intensiv dran, während hier baulich die Sprengvorbereitungen laufen“, so Tum. „Wir freuen uns schon auf den zweiten und dritten Weißen Riesen, damit wir hier Grünflächen anlegen können, die wir mit den Bürgern gestalten.“

Projektleiter und Generalplaner Marc Sommer (Mitte) erklärte Oberbürgermeister Sören Link und Hombergs Bezirksbürgermeister Hans Joachim Paschmann den Stand der Bauarbeiten. Im Hintergrund: zwei weitere Weiße Riesen. Foto: Petra Grünendahl.

Dreieinhalb- bis viertausend Bohrlöcher für rund 500 Kilogramm Sprengstoff. Foto: Petra Grünendahl.

Zusammen mit Oberbürgermeister Sören Link und Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum stellte Marc Sommer, Projektleiter und Generalplaner des Rückbaus (rebuild.ing GmbH), die laufenden Sprengvorbereitungen der Presse vor. Das Hochhaus an der Friedrich-Ebert-Straße 10-16 soll am 24. März 2019 als erster des Ensembles aus den 1970er-Jahren gesprengt werden. „Nach Abschluss der Schadstoffsanierungen finden mittlerweile Arbeiten statt, die der Vorbereitung für die Sprengung dienen“, erklärte Marc Sommer: „Wir werden in den beiden Keller-Etagen sowie in der sechsten und siebten Etage gezielte Gebäudeschwächungen vornehmen“, so der Projektleiter. „Dadurch falten wir das Gebäude, so dass es auf möglichst kleiner Fläche und mit möglichst wenig Erschütterung niedergeht.“

Die Gebäudeschwächungen im Erdgeschoss und der 6./7. Etage erleichtern die Knickfaltsprengung. Infografiken: Martin Tazl.

„Wir haben hier vier einzelne, nebeneinander hochgezogene 20stöckigen Häuser, die nur im Keller miteinander verbunden waren. Zuerst werden die äußeren Gebäude gesprengt, dann – mit zwei, drei Sekunden Verzögerung – die Inneren. Während die südlichen Gebäude mehr in Richtung Tiefgarage wegkippen, fallen die nördlichen Gebäude in die Richtung, wo jetzt die Baucontainer stehen“, erklärte Marc Sommer weiter. Aktuell laufen die Gebäudeschwächungen in den Kellergeschossen, ab Mitte Januar dann in den mittleren Etagen (6./7. Stockwerk). Der Sprengmeister habe, so Sommer, auch schon begonnen, Löcher zu bohren, in denen für die Sprengung rund 500 Kilogramm Sprengstoff eingebracht werden. Rund dreieinhalb- bis viertausend Löcher werden hier in die verbleibenden tragenden Wände gebohrt: „Wie viele es genau sind, weiß ich nicht“, sagte Sommer. „Dafür ist der Sprengmeister zuständig.“

Höhere Asbestbelastung sorgte für Verzögerungen

Projektleiter und Generalplaner Marc Sommer (rechts) erklärte – von rechts – Oberbürgermeister Sören Link, Mahmut Özdemir, Bezirksbürgermeister Hans Joachim Paschmann und Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum (etwas verdeckt) den Stand der Bauarbeiten. Foto: Petra Grünendahl.

Die Tiefgarage wurde aufgeschüttet und wird als Fallbett vorbereitet. Foto: Petra Grünendahl.

Ursprünglich war der 23. September 2017 als Sprengtermin vorgesehen gewesen. Die Schadstoffsanierungen hatten sich allerdings aufwändiger gestaltet als zunächst angenommen: „Die sichtbaren asbesthaltigen Verkleidungen an den Außenwänden sowie an den Innenseiten der Balkone waren alles Leichtbauprodukte, die man relativ schnell ausbauen und entsorgen konnte. Über neue Prüfverfahren waren dann weitere Asbestbelastungen in den Spachtelmassen auf den Betonwänden gefunden worden. Auf rund 85.000 Quadratmetern Fläche haben wir diese aufwändig mit einem Hochdruck-Wasserstrahl-Verfahren entfernt und nach den Vorgaben entsorgt.“ Und bei 320 Wohneinheiten dauerte das seine Zeit. Die Arbeiten sind abgeschlossen, die Sprengvorbereitungen laufen auf der Baustelle wie in der Verwaltung auf Hochtouren. Der 40.000-Tonnen-Betonklotz wird am 24. März 2019 mit knapp anderthalb Jahren Verspätung gesprengt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
Infografiken: Martin Tazl

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Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp: Weihnachtskonzerte begeisterten in Duisburgs guter Stube

Mit Weihnachtsklassikern aus 1.000 Kehlen ins dritte Adventswochenende
Von Petra Grünendahl

Der thyssenkupp-Chor (hinten), der Kinderchor am Rhein (Mitte) und die Duisburger Sinfonietta (vorne) beim Weihnachtskonzert der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünendahl.

Sehr klassik-lastig waren die Klänge beim diesjärhigen Weihnachtskonzert, mit vielen Kompositionen von Mozart, die Peter Stockschläder für das Programm ausgewählt und mit dem thyssenkrupp-Chor, der Duisburger Sinfonietta und den Gastsolisten aus dem Opernfach einstudiert hatte. Den Wunsch des Publikums nach einem Kinderchor hatten die Organisatoren auch in diesem Jahr erfüllen können: Der Kinderchor am Rhein (aus Duisburgs Opernehe mit Düsseldorf) bewies unter der Leitung von Sabina López Miguez, dass sie nicht nur im klassischen Fach zu Hause sind, sondern auch bei den Weihnachtsliedern. Bei aller Klassik kamen bei allen beteiligten Akteuren natürlich die traditionellen Weihnachtslieder nicht zu kurz. Es durfte gegen Ende zudem „Jerusalem“ nicht fehlen.

Sopran Evelyn Ziegler und Bass-Bariton Thomas Peter beim Weihnachtskonzert der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünendahl.

Die Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp hatte am dritten Adventswochenende zu seinem Weihnachtskonzerten in die gute Stube der Stadt, die Mercatorhalle, eingeladen. Rund um den thyssenkrupp-Chor Duisburg hat Chorleiter Peter Stockschläder ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das sowohl anspruchsvoll als auch weihnachtlich-festlich war. Neben Sopran Evelyn Ziegler, einem seit Jahren bekannten Gesicht, hatte Stockschläder den Tenor Christian Georg und den Bass-Bariton Thomas Peter verpflichtet. Die instrumentale Begleitung oblag traditionell der Duisburger Sinfonietta, Kammerorchester der Folkwang-Universität der Künste. Begleitet haben das Kammerorchester Lucie Samson (Flügel) und die Koreanerin Hyekyoung Kang (Orgel). Emotionale Momente gab es zum Abschluss, als alle Mitwirkenden auf der Bühne und die Zuschauer gemeinsam sangen: Von „Alle Jahre wieder“ über „Süßer die Glocken nie klingen“ bis „Oh du fröhliche“ erschallte es aus 1.000 Kehlen in Duisburgs guter Stube. Mit den besten Wünschen entließ Thomas Rabus-Schneider, Vorsitzender der Jubilaren-Vereingung thyssenkrupp, das Publikum in den kühlen Adventsabend.

thyssenkrupp-Chor Duisburg und Jubilaren-Vereinigung

Tenor Christian Georg beim Weihnachtskonzert der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünendahl.

Der thyssenkupp-Chor (hinten), der Kinderchor am Rhein (Mitte), die Duisburger Sinfonietta und die Solisten Evelyn Ziegler, Thomas Peter und Christian Georg (im Vordergrund) beim Weihnachtskonzert der Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp. Foto: Petra Grünendahl.

Sowohl die Jubilaren-Vereinigung thyssenkrupp als auch der thyssenkrupp-Chor lehnen sich an den Unternehmensnamen an. Beide entstammen ursprünglich den Werken von Thyssen in Duisburg. Der Chor entstand 1999 als Zusammenschluss der Werkschöre Ruhrort/Meiderich (1871/77) und Hamborn (1906), bevor er dann nach der Fusion in thyssenkrupp-Chor umbenannt wurde. Schon seit vielen Jahren leitet Chor-Dirigent Peter Stockschläder das Ensemble und ist für die musikalische Programmgestaltung der Weihnachtskonzerte verantwortlich. Sitz und Probelokal ist das Hotel Montan in Hamborn. Informationen zum thyssenkrupp-Chor, Kontaktdaten und Probetermine findet man unter www.thyssenkrupp-chor-duisburg.de/.

Die Vereinigung der Jubilare entstand vor 96 Jahren in der August-Thyssen-Hütte, später Thyssen Stahl AG (die heutige thyssenkrupp Steel Europe AG), deren Hauptsitz immer noch Duisburg ist. Zu besten Zeiten – als die Stahlindustrie in Duisburg einige Zehntausend Arbeitskräfte beschäftigte – gehörten etwa 15.000 Jubilare dem Verein an, heute hat der Verein immerhin noch gut 6.000 Mitglieder, die mindestens ihre 25jährige Betriebszugehörigkeit bei Thyssen oder thyssenkrupp in Duisburg feiern durften.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Stadtarchäologie in Duisburg stellte mit „Dispargum 2017“ seinen zweiten Jahresband vor

Freigelegte Zeugnisse aus 2000 Jahren Stadtgeschichte
Von Petra Grünendahl

Dr. Kai Thomas Platz bei der Vorstellung des Stadtarchäologie-Jahresbandes Dispargum 2017 im Rathaus. Foto: Petra Grünendahl.

„Die heutige Stadt Duisburg hat eine lange und stolze Geschichte, die leider häufig auf die Industriegeschichte reduziert wird“, erklärte der Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz, Leiter der kommunalen Bodendenkmalpflege der Stadt Duisburg. Bis in die fränkische und sogar römische Zeit gingen Funde zurück, die die Bedeutung der Stadt belegen, so der Stadtarchäologe. „Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, kann dies auch an einigen Stellen sehen“, sagte Andree Haack, Beigeordneter für Wirtschaft und Strukturentwicklung, zu dessen Dezernat seit Neuestem die Untere Denkmalbehörde / Stadtarchäologie gehört. „Duisburg hat mehr zu bieten als Industriekultur.“

Vorstellung des Stadtarchäologie-Jahresbandes Dispargum 2017 im Rathaus. Foto: Petra Grünendahl.

Dr. Kai Thomas Platz stellte gemeinsam mit Andree Haack und Dr. Brigitta Kunz, Wissenschaftlicher Mitarbeiterin der Stadtarchäologie, das neue Jahrbuchs „Dispargum 2017“ vor und erläuterte einige Ergebnisse und Inhalte. Mit diesem zweiten Band (nach Dispargum 2016 im vergangenen Jahr) setzt die Duisburger Stadtarchäologie ihre Publikationsreihe zu neuen Erkenntnissen aus der archäologischen Arbeit in Duisburg fort. Auch in den kommenden Jahren sollen die Ergebnisse der Stadtarchäologie in Buchform veröffentlicht werden. „Dispargum 2017“ ist wie das Vorjahreswerk im Verlag Dr. Faustus, Büchenbach, erschienen und im lokalen Buchhandel für 35 Euro erhältlich (ISBN 978-3-946387-16-9).

Ausgrabungen und Erkenntnisse für die Stadtgeschichte

Dr. Brigitta Kunz bei der Vorstellung des Stadtarchäologie-Jahresbandes Dispargum 2017 im Rathaus. Foto: Petra Grünendahl.

In zwölf Kapiteln arbeiteten Mitarbeiter der Stadtarchäologie die Ausgrabungen des vergangenen Jahres auf. „Für die aktuellen Ausgrabungen ist es ein Bericht über die Arbeiten im Jahr 2017, die erst im laufenden Jahr vollständig aufgearbeitet waren“, erzählte Dr. Brigitta Kunz. „Wir sammeln nicht nur, sondern wollen unsere Ergebnisse auch der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich machen. So haben wir beispielsweise bei der Verlegung von Stromleitungen auf der Unterstraße Reste der alten Stadtmauer aus Tuffstein gefunden, wie wir sie aus römischer Zeit kennen.“ Die bislang bekannten Mauerwerke aus Ziegelstein kamen erst viel später. Ohnehin seien alle sieldungsgünstigen Lagen besonders rechtsrheinisch von den Römern besiedelt gewesen. „Unsere Arbeit bedeutet zwar finanzielle Lasten für den Bauherren, aber immer auch einen Mehrwert für die Stadt“, betonte Dr. Platz. „Wir wissen immer genauer, wo sich die mittelalterlichen Ortskerne befanden.“

Andree Haack bei der Vorstellung des Stadtarchäologie-Jahresbandes Dispargum 2017 im Rathaus. Foto: Petra Grünendahl.

Das Themenspektrum reicht von Mühlen (überwiegend) im Duisburger Norden, den ersten Winkelbunkern (Winkel-Türme) in Hamborn über verschiedene Ausgrabungen in Baerl, fränkische Gräberfelder im Kantpark und die Salvatorkirche (Pfalzkapelle und Stadtkirche) bis hin zu Funden in Huckingen und Serm. Dazu kommt eine Aufarbeitung der archäologischen Arbeiten früherer Jahre im Stadtbezirk 2 (Hamborn). Außerdem hat sich Maxi Maria Platz, Ehefrau des Stadtarchäologen, mit dem „Mythos der Ackerbürgerstädte zwischen Rhein und Ruhr“ befasst. In diese Kategorie ordnet der Stadtarchäologe Platz Duisburg nicht ein: Duisburg sei schon früh eine Handelsstadt gewesen, mit der Universität im 17. Jahrhundert eine Bildungsstadt, es habe auch vorindustriell schon „Produktion“ gegeben – und eben dann eine Industriestadt.

Vorstellung des Stadtarchäologie-Jahresbandes Dispargum 2017 im Rathaus. Foto: Petra Grünendahl.

Das Buch richtet sich an geschichtlich oder archäologisch interessierte Laien ebenso wie an Fachleute: Es vermittelt Erkenntnisse zur Stadtgeschichte und neue Ergebnisse der Forschung, die sich unter anderem aus den Ausgrabungen ergeben haben. Zudem werden frühere Ausgrabungen, die bislang nie wissenschaftlich aufbereitet publiziert worden sind, einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Wir stehen mit dieser Publikation bundesweit einzigartig da“, erzählte Platz. Nirgends sonst würden Ergebnisse von Ausgrabungen und daraus folgende Erkenntnisse in dieser Form dargestellt: „Wir wollen nicht im stillen Kämmerlein forschen, sondern die bedeutende Geschichte dieser Stadt öffentlich machen“, so der Stadtarchäologe. „Wir publizieren unsere Funde und Erkenntnisse auch. Das ist mir ganz wichtig!“

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Deutsche Oper am Rhein: Johann Strauß’ „Die Fledermaus“ begeisterte im Theater Duisburg

Schein und Sein: Verwirrungen und Gelüste
Von Petra Grünendahl

Anke Krabbe (Rosalinde), Ovidiu Purcel (Alfred). FOTO: Hans Jörg Michel.

Anstatt ins Gefängnis zu gehen und seine achttägige Strafe abzusitzen, überredet Dr. Falke (Kay Stiefermann) seinen Freund Gabriel von Eisenstein (Norbert Ernst), mit ihm auf ein Fest von Prinz Orlofsky (Kimberley Boettger-Soller) zu gehen, das ausschweifende Vergnügungen verspricht. Eisensteins Frau Rosalinde (Anke Krabbe) nutzt die Gelegenheit der Haftstrafe ihres Mannes, Hausmädchen Adele (Heidi Elisabeth Meier) den Abend frei zu geben – und sich mit ihrer Jugendliebe, dem Tenor Alfred (Ovidiu Purcel), zum Stelldichein zu treffen. Der neue Gefängnisdirektor Frank (Thorsten Grümbel) will Eisenstein als erste Amtshandlung persönlich ins Gefängnis bringen, erwischt aber Alfred im Morgenrock des Hausherren. Dieser landet im Gefängnis, bevor sich Frank aufmacht zum Maskenball Orlofskys. Mit Ausnahme des gefangen gesetzten Alfred treffen sich alle Akteure auf dem Maskenball des mysteriösen Russen: Verkleidet und maskiert posieren sie als jemand anders als sie in der Realität sind: Mehr Schein als Sein.

Kay Stiefermann (Dr. Falke), Kimberley Boettger-Soller (Prinz Orlofsky). FOTO: Hans Jörg Michel.

Im Theater Duisburg begeisterte „Die Fledermaus“ von Walzerkönig Johann Strauß (1825–1899). Die komische Operette in drei Akten basiert auf der französischen Komödie „Le Réveillon“ von Henri Meilhac und Ludovic Halévy. Den Opern-Text von Richard Genée hat Karl Haffner für die deutschsprachige Oper bearbeitet. Gesungen wird in deutscher Sprache, Übertitel helfen beim Verständnis der Handlung. Die sehr ausschweifende französische und laszive Komödie haben Strauß und Haffner für das Wiener Publikum ein wenig zurückgenommen. Dennoch wirken die beschwingten Weisen mitunter frivol: Johann Strauß junior war ein Zugpferd, das dem Publikum im Theater an der Wien zur Uraufführung 1874 schöne Stunden und eine Ablenkung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bieten sollte. Das Publikum begeisterte sich – damals wie heute – zu Recht für den Stoff, der hier in der modernen Inszenierung von Axel Köhler einen gut 3¼-stündigen Opernabend (eine Pause) vom Allerfeinsten bot.

Ausschweifungen auf dem Maskenball des Prinzen Orlofsky

Anke Krabbe (Rosalinde), Norbert Ernst (Gabriel von Eisenstein). FOTO: Hans Jörg Michel.

Der Alkohol fließt in Strömen, es wird gefeiert und geflirtet. Alle spielen Rollen und geben vor, ganz jemand anders zu sein: Marquis Renard versucht, die ungarische Gräfin zu verführen (die Eisensteins), Chevalier Chagrin (Gefängnisdirektor) und die Künstlerin Olga (Adele). Keiner weiß, mit wem er es wirklich zu tun hat. Seine Maske legt keiner ab. Der von sehr viel Champagner sehr angeheiterte Gabriel von Eisenstein gibt die Geschichte zum Besten, wie er nach einem Faschingsball seinen damals sturzbetrunkenen Freund Falke im Kostüm einer Fledermaus öffentlich blamiert hatte. Als das ausgelassene Fest am frühen Morgen endet, verlassen alle unerkannt die Räumlichkeiten des Prinzen.

Anke Krabbe (Rosalinde), Norbert Ernst (Gabriel von Eisenstein), Ovidiu Purcel (Alfred). FOTO: Hans Jörg Michel.

Als Eisenstein am Morgen seine Haftstrafe antreten will, erfährt er, dass er doch schon längst einsitze, wodurch er vom Techtelmechtel seiner Frau erfährt. Herr über die Zellen ist der Justizbeamte Frosch (Wolfgang Reinbacher, Schauspieler am Düsseldorfer Schauspielhaus). Mit Ausnahmen des Tenors, der anstelle Eisensteins einsaß, waren alle Insassen Gäste des Maskenballs. Im Gefängnis fallen schließlich alle Masken, nachdem nach und nach die Gäste des Maskenballs eintreffen: Auch Rosalinde (die ungarische Gräfin) hält ihrem Mann Gabriel nun den Beweis seiner Untreue vor und verlangt die Scheidung. Gabriel von Eisenstein steht schließlich als der Bloßgestellte da, von seinem Freund Dr. Falke vorgeführt: Die Rache der Fledermaus. Gabriel und Rosalinde versöhnen sich wieder: Schließlich war alles nur der Champagner schuld. Es bleibt aber nicht bei dem einen Happy End …

Lokalkolorit in der Inszenierung

Wolfgang Reinbacher (Frosch). FOTO: Hans Jörg Michel.

Maria Perlt (Adele), Thorsten Grümbel (Gefängnisdirektor Frank), Birte Hopstein (Ida). FOTO: Hans Jörg Michel.

Die Melodien des Wiener Walzerkönigs meisterten glänzend aufgelegte Duisburger Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Benjamin Reiners. Die hervorragende Inszenierung von Axel Köhler nahm nicht nur mit seiner schwungvollen Dynamik das Publikum für sich ein, sondern brachte sie mit zahlreichen Duisburger Anspielungen auch zum Lachen. Viel Szenenapplaus belohnte fantastische Akteure, die musikalisch und schauspielerisch in ihren Rollen aufgingen. Die Sänger unterstützten der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leistung von Patrick Francis Chestnut sowie acht Tänzer mit einer Choreografie von Mirko Mahr. Für Bühne und Kostüme zeichnete Frank Philipp Schlößmann verantwortlich, mit dem Regisseur Köhler schon für frühere Inszenierungen erfolgreich zusammen gearbeitet hatte. In Szene gesetzt hat das Bühnenbild das Lichtdesign von Volker Weinhart.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 15. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
Do | 20. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
So | 23. Dezember 2018 | 15:00 Uhr,
Di | 25. Dezember 2018 | 18:30 Uhr,
Sa | 29. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
Mo | 31. Dezember 2018 | 19:00 Uhr (diese Vorstellung ist schon aufverkauft!),
Sa | 8. Juni 2019 | 19:30 Uhr,
So | 16. Juni 2019 | 15:00 Uhr und
Do | 20. Juni 2019 | 18:30 Uhr.

Thorsten Grümbel (Gefängnisdirektor Frank), Birte Hopstein (Ida), Norbert Ernst (Gabriel von Eisenstein), Anke Krabbe (Rosalinde), Kay Stiefermann (Dr. Falke), Maria Perlt (Adele), Tänzerinnen, Chor der Deutschen Oper am Rhein. FOTO: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 19 und 76 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Marketing-Club Duisburg-Niederrhein: Vorstand Jörg Löbe informierte über die Bürgerstiftung

Duisburger engagieren sich für Duisburger Themen!
Von Petra Grünendahl

Jörg Löbe stellte die Bürgerstiftung Duisburg beim Marketing-Club vor. Foto: Petra Grünendahl.

„Mit unseren 34 öffentlichen Bücherschränken in Duisburg sind wir die Nummer 1 in NRW“, erzählte Jörg Löbe, Vorstand der Bürgerstiftung Duiburg gAG. „Deutschlandweit sind wir die Nummer 5: Hier möchte ich noch aufs Treppchen“, so Löbe. „DU liest!“ ist das wohl öffentlichkeitswirksamste Projekt, aber lange nicht das einzige, mit dem sich die Bürgerstiftung für Duisburger engagiert. „Wir haben mehr Ideen als Geld und Zeit“, hob Löbe die Notwendigkeit nicht nur von finanziellem Sponsoring, sondern auch von ehrenamtlicher Arbeit hervor. So würden die Bücherschränke von Ehrenamtlern oder Vereinen in den Stadtteilen betreut.

Jörg Löbe stellte die Bürgerstiftung Duisburg beim Marketing-Club vor. Foto: Petra Grünendahl.

Jörg Löbe stellte beim Monatstreffen des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein die Arbeit der Bürgerstiftung vor. Neben sieben hauptamtlichen Mitarbeitern kann das Projektbüro der Stiftung auf rund 350 Ehrenamtliche zurückgreifen, die die unterschiedlichsten Projekte mit Leben füllen. Dreizehn Bürger hatten die Bürgerstiftung Duisburg gAG als gemeinnützige Aktiengesellschaft gegründet. Diese Rechtsform ist mit weitreichender Transparenz verbunden mit dem Ziel größtmöglicher Nachhaltigkeit und Partizipation engagierte Duisburger Bürger einzubinden. Zahlreiche Projekte rund um Bildung (wie DU liest!, Weiterbildung, Erste Leseräume, Tausche Bildung gegen Wohnen), Verkehrssicherheit (Duisburg. Aber sicher!), Gesundheit (DU – ich drück dich!), Natur (Kants Garten) und Dialog (Tag des Dialogs u. a.) bieten interessierten Bürgern die Möglichkeit sich für Duisburg sozial verantwortlich zu engagieren. Aufgenommen hat die Bürgerstiftung auch den Wunsch vieler nach einem Wiederaufbau des Mercatorhauses.

Bürgerstiftung Duisburg: Gemeinsam sind wir stark

Jörg Löbe stellte die Bürgerstiftung Duisburg beim Marketing-Club vor. Foto: Petra Grünendahl.

Jörg Löbe stellte die Bürgerstiftung Duisburg beim Marketing-Club vor. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir sind Mittler und Moderator in der Stadtgesellschaft“, beschrieb Löbe die Rolle der Bürgerstiftung. Man schaffe Kontakte von Menschen, die sich finanziell und zeitlich engagieren wollen, zu den Stellen in der Stadt, die eine Umsetzung der Initiativen unterstützen können. Dabei betonte Löbe die Unabhängigkeit der Stiftung von Politik, Religion und Wirtschaft.

Das Projektbüro der Bürgerstiftung Duisburg am Flachsmarkt 12 in der Altstadt in montags bis donnerstags zwischen 9 und 15 Uhr geöffnet. Telefonisch sind die Mitarbeiter unter 0203 / 3938886, per eMail unter info@buergerstiftung-duisburg.de zu erreichen. Wer sich finanziell engagieren möchte, kann dies mit einer Mitgliedschaft im Förderverein Bürgerstiftung Duisburg (Beitrittserklärung: http://www.buergerstiftung-duisburg.de/unterstuetzen/foerderverein/) tun, mit Sachspenden unterschiedlichster Art oder direkten Spenden auf das Konto der Bürgerstiftung bei der Sparkasse Duisburg (IBAN DE08350500000203040506, BIC DUISDE33XXX). Ehrenamtliches Engagement ist zeitlich unabhängig und kann von Interessierten individuell festgelegt werden: „Deswegen haben wir Zulauf“, so Löbe. Wichtig sei der persönliche Kontakt von Mensch zu Mensch.
http://www.buergerstiftung-duisburg.de

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Zweiter Advent bei HKM in Duisburg: Impressionen von der traditionellen Barbarafeier

Impressionen von der Barbarafeier in der Werkshalle von HKM. Fotos: Petra Grünendahl.

Traditionell hatte HKM (Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH) am zweiten Advent zur Barbarafeuer auf sein Werksgelände im Duisburger Süden geladen. Eine sehr pointierte und mit viel Zwischenapplaus bedachte Predigt hielt der Kabarettist Wilfried Schmickler. Den ökumenischen Gottesdienst gestalteten Pfarrer Rainer Kapers (Auferstehungsgemeinde Duisburg Süd) und Pastor Rolf Schragmann (Kath. Gemeinde St. Dionysius). Musikalisch begleiteten der Posaunenchor Großenbaum Rahm, der Chor der Ev. Kirchengemeinde Trinitatis, die Duisburg Voices sowie ein Trio der Duisburger Philharmoniker die Veranstaltung. Mitarbeiter von HKM übernahmen unter anderm die notwendigen Umbauten in der Werkhalle sowie den Aufbau des Vorzeltes und die Bewirtung. Die Kollekte unterstützt in diesem Jahr den Verein Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e. V.

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Impressionen von der Barbarafeier in der Werkshalle von HKM. Fotos: Petra Grünendahl.

© 2018 Petra Grünendahl

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4. schauinsland-reisen Lichtermarkt im Landschaftspark Duisburg-Nord: Impressionen

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Impressionen vom 4. schauinsland-reisen Lichtermarkt im Landschaftspark Duisburg-Nord.
Fotos: Petra Grünendahl

© 2018 Petra Grünendahl

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Essen Motor Show: Das PS-Festival 2018 ist gestartet

Tiefer, härter, breiter, schneller –
außergewöhnlicher

Von Petra Grünendahl

Impressionen von der Essen Motor Show 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Tuning, Motor- und Rennsport, Formel 1 und sportliche Serienfahrzeuge, Designstudien sowie Unikate und Kuriositäten stehen im Fokus der Essen Motor Show, aber auch Werkzeug, Tuningteile und Zubehör locken während der zehntätigen Messe die Besucher. Überhaupt kommen Freunde sportlicher, veredelter und individualisierter Fahrzeuge hier auf ihre Kosten. Breiten Raum gewährt man auch Oldtimern (Classic Cars). Die Fans zieht hier das Tuning von den großen Tunern ebenso wie private Tuningfahrzeuge sowie das nötige Zubehör und Werkzeuge. Automobilzulieferer der Segmente Reifen (u. a. Continental, Hankook, Toyo), Felgen und Fahrwerk runden das Angebot ab.

Impressionen von der Essen Motor Show 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Preview Day durften wir einen ersten Blick auf die 51. Essen Motor Show 2018 werfen. Skoda ist als letzter Autohersteller (Importeur) noch selber vertreten und zeigt mit dem Kodiaq RS das stärkste Skoda-SUV aller Zeiten (239 PS). Außerdem am Stand: weitere überwiegend sportlich gestylte aktuelle Modelle sowie sein Rallye-Bolide Fabia R5. Lexus ist mit einem regionalen Händler und überwiegend Hybridfahrzeugen hier vor Ort. Porsche Motorsport und Volkswagen R adressieren das sportlich orientierte Publikum. Die Mercedes FanWorld richtet sich an Film- und Musikfreunde.

Impressionen von der Essen Motor Show 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Freunde der automobilen Individualisierung (auch „Tuning“ genannt), die Schrauber, Bastler und Sammler finden reichlich „Material“ für ihr Hobby. Fahrzeugpflege und Lifestyle-Produkte runden das Angebot ab. Automobile Kunstwerke präsentieren rund 160 Besitzer in der tuningXperience mit einer Sondershow in Halle 1A sowie Halle 3. In Halle 3 zeigt die Essen Motor Show hochklassige „Oben-Ohne“-Fahrzeuge aus dem letzten 60 Jahren sowie Fahrzeuge mit Elektroantrieb, Ladesäulen-Konzepte sowie eAuto-Carsharing – und –Schnuppermiet-Konzepte.

Oldtimer-Fans finden auch (aber nicht nur) sportliche Exemplare sowohl von Händlern als auch private Fahrzeuge überwiegend über Markenclubs, wo sich nicht selten mit den Eigentümern der Fahrzeuge fachsimpeln lässt. Über 500 Aussteller aus 18 Nationen zeigen auf rund 100.000 Quadratmetern Ausstellungsflächen Fahrzeuge, Produkte und Service rund ums Auto.

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Impressionen von der Essen Motor Show 2018

Impressionen von der Essen Motor Show 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Die Essen Motor Show läuft noch bis Sonntag, 9. Dezember 2018. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende von 9 bis 18 Uhr. Die Tageskarte kostet 16 Euro (ermäßigt 13 Euro). Ein Nachmittagsticket (ab 15 Uhr) ist für 10 bzw. 8 Euro zu haben, ein Zwei-Tages-Ticket 28 Euro. An Ticket-Specials gibt es das Girls-Day-Ticket (3. Dezember, nur an der Tageskasse) für 6 Euro, das Vater-Sohn-Ticket (am 7. Dezember, nur mit Söhnen unter 18) für 20 Euro sowie das Ticket4You (vier Personen inkl. Parken, nur im Vorverkauf) für 60 Euro. Parken kostet 9 Euro auf den Parkplätzen in unmittelbarer Nähe sowie auf Messeparkplätzen etwas weiter weg (inklusive Shuttle-Service). Die regulären Tagestickets sind im Vorverkauf (online oder Telefon 0201 / 3101-430) günstiger. Weitere Ticket-Variationen und Infos gibt es unter www.essen-motorshow.de. Der Ticket-Vorverkauf läuft über den Ticketservice der Messe Essen .

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Marketing-Club Duisburg-Niederrhein informierte sich bei schauinsland-reisen

Vom Ladenlokal eines Wohnhauses zum
stetig wachsenden Standort im Innenhafen

Von Petra Grünendahl

Club-Präsident Marco Pfotenhauer (r.) und Executive Director Andreas Rüttgers (l.) beim Treffen des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein bei der schauinsland-reisen GmbH im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

„Als ich vor 25 Jahren hier angefangen habe, waren wir noch mit 17 Mitarbeitern in Marxloh auf der Weseler Straße im ehemaligen Wohnhaus der Kassners untergebracht“, erzählte Andreas Rüttgers, Executive Director Produktmanagement des Duisburger Reiseanbieters schauinsland-reisen. „Zum Schluss hatte der Chef das Büro in seinem ehemaligen Kinderzimmer“, so Rüttger. Als der Standort in Marxloh zu klein wurde, zog man 2006 an den Rand des Innenhafens: „Dieses Areal war damals noch nicht Teil des Innenhafens, so dass es für uns erschwinglich war.“ Seit der Ansiedlung hat schauinsland-reisen mehrfach erweitern und neue Verwaltungsgebäude anbauen müssen. Hier arbeiten heute rund 500 von weltweit 1.000 Mitarbeitern.

Club-Präsident Marco Pfotenhauer (r.) und Executive Director Andreas Rüttgers (l.) beim Treffen des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein bei der schauinsland-reisen GmbH im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

Bei der schauinsland-reisen GmbH im Duisburger Innenhafen informierten sich Mitglieder des Marketing-Club Duisburg-Niederrhein über das Unternehmen, seine Unternehmenskultur und seinen Weg zum Erfolg: Rund 100 Jahre nach Gründung ist schauinsland-reisen sechstgrößter Flugreiseveranstalter in Deutschland und einer der größten Pauschalreiseveranstalter Europas. „Früher waren wir das Unternehmen, das Busreisen in den Schwarzwald angeboten hat. Und das waren wir für die Leute auch dann noch, als wir diese schon zehn Jahre nicht mehr im Programm und unseren Schwerpunkt bei den Flugreisen hatten“, berichtete Rüttgers. „Was wollen die Kunden?“ sei die zentrale Frage der Produktplanung. „Wir waren die ersten, die Urlaub in kinderfreien Hotels angeboten. Dass wir das durften, mussten wir vor Gericht durchsetzen“, erzählte der Produktmanager. Und als Teil der Zielgruppe hätten sich sogar Eltern herauskristallisiert, die ihre Kinder bei den Großeltern lassen, um alleine (und ohne Kinder) Urlaub zu machen. „Natürlich haben wir auch Familienhotels für den gemeinsamen Urlaub.“ Für den Vertrieb von Urlaubsreisen setzt schauinsland-reisen ganz klassisch fast ausschließlich auf Reisebüros: „Wir bauen auf eine verlässliche Partnerschaft, denn diese Reisebüros haben uns groß gemacht“, so Rüttgers. „Wir wollen ein fairer Ansprechpartner für unsere Reisebüropartner wie für unsere Kunden sein.“ Aus den rund 50.000 Urlaubsgästen pro Saison Anfang der 1990er-Jahre wurden über 1,6 Mio. im Touristikjahr 2017/18 mit 1,34 Milliarden Euro. Die Zuwachsraten der vergangenen Jahre waren zweistellig.

Vielfältiges Engagement für den Standort

Executive Director Andreas Rüttgers referierte beim Treffen des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein bei der schauinsland-reisen GmbH im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

Einen Namen über den Urlaub hinaus haben sich die Reiseveranstalter aus dem Innenhafen unter anderen über verschiedene Events gemacht. Dazu zählen die Rekord-Sandburg und das Namenssponsoring des Lichtermarktes im Landschaftspark Duisburg-Nord und das City-Slide in der Innenstadt sowie Beteiligungen beim Drachenbootrennen im Innenhafen oder beim TargobankRun. Das Familienunternehmen wird heute in der dritten Generation von Gerald Kassner als geschäftsführendem Gesellschafter geführt, die vierte Generation steht schon in den Startlöchern: Eine Kontinuität, die das immer noch rasant wachsende mittelständische Unternehmen braucht.

Executive Director Andreas Rüttgers referierte beim Treffen des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein bei der schauinsland-reisen GmbH im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

Zu den Geheimnissen des Erfolges gehöre auch der gute Zusammenhalt der Mitarbeiter, so Rüttgers: „Das Miteinander spielt eine große Rolle und wird von der Geschäftsführung gefördert.“ Stark deklinierte Strukturen gebe es nicht. „Alle, die im Laufe des Jahres neu ins Unternehmen gekommen sind, führen bei der Weihnachtsfeier gemeinsam was vor. Das gilt für alle Neuen: Führungskräfte wie Auszubildende.“ Das Unternehmen fördert gemeinsames Engagement zu sozialen Zwecken ebenso wie beim Sport. Das bindet die Mitarbeiter ans Unternehmen. Lange Firmenzugehörigkeiten sind die Regel!

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

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Museum DKM in Duisburg zeigt Peter Royen: Wiederentdeckt!

Schwarz und Weiß:
Endeckung plastischer Welten

Von Petra Grünendahl

Plastische Oberflächen: Werke von Peter Royen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

„Horizonte“ oder „Felder“ heißen die Bilderserien, die das Museum DKM unter dem Titel „Wiederentdeckt!“ präsentiert. Seine überwiegend großformatigen Bilder sind zumeist in Weiß oder Schwarz gehalten: Die symmetrisch gestalteten Werke wirken durch ihre plastische Oberfläche, dass man fast versucht ist, sie anzufassen. „Im Bestand eines Kölner Sammlers haben wir Peter Royen entdeckt: Wir kannten diesen Künstler noch gar nicht“, erzählte Klaus Maas. „Wir haben den ganzen Nachlass bei der Witwe einsehen können.“ Der namhafte und (auch in seiner deutschen Heimatstadt Düsseldorf) mehrfach geehrte Künstler ist in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten (u. a. auch im Lehmbruck Museum), einige Werke hat Maas als Leihgaben für die Sonderausstellung gewinnen können. Aus über 80 Werken wählten die Duisburger Kunstsammler 44 Arbeiten aus, die beispielhaft eine nachhaltige Rolle in seinem Lebenswerk spielen.

Plastische Oberflächen: Werke von Peter Royen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum DKM zeigt Werke des deutsch-niederländischen Künstlers Peter Royen (1923-2013) aus fünf Jahrzehnten. Die Kunstsammler und Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer stellten die neue Sonderschau in den Wechselausstellungsräumen des Museums im Dellviertel vor. Der Holländer war 1946 von Amsterdam nach Düsseldorf gegangen, um bei Otto Pankok an der Kunstakademie zu studieren. „Er hat sich im Nachkriegs-Holland damit nicht nur Freunde gemacht“, erklärte Dirk Krämer. In Düsseldorf ließ er sich schließlich nieder, schlug Wurzeln und heiratete. Royen war in mehreren Künstlergruppen (Rheinische Sezession, Gruppe 53, Malkasten oder Gruppe Europa) engagiert und bemühte sich auch um Weiterentwicklung seiner Künstlerfreunde und der Förderung von jungen Künstlern.

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Museum DKM

Plastische Oberflächen: Werke von Peter Royen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Peter Royens Werke sind bis zum 17. März 2019 zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 5 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (7 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Weitere Infos gibt es hier.

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Loveparade-Strafprozess: Leitender Polizeibeamter am Unglücksort sagte aus

Polizeiketten ließen das Unglück eskalieren
Von Petra Grünendahl

Ein Polizeibeamter sagte im Gerichtssaal in Düsseldorf zur Loveparade-Katastrophe aus: Er war bei der Loveparade unter anderem für die Zugangsbereiche Tunnel und Rampe zuständig. Foto: André Hirtz / Funke Foto Services.

Er könne sich nicht mehr an alles erinnern, sagte Dirk H. Viel habe er seitdem über die Vorkommnisse gelesen und vieles – auch Erlebnisse und Aussagen anderer – habe sich mit seinen Erinnerungen vermischt. Für ihn sei es nach so langer Zeit schwierig, dies wieder auseinander zu halten, so der 49-Jährige. Gegen 10 Uhr habe er 24. Juli 2010 erfahren, dass er kurzfristig den Einsatzabschnitt des ausgefallenen Kollegen Kaiser übernehmen sollte. Der Polizeibeamte war damit bei der Loveparade zum Unglückszeitpunkt zuständig für den Einsatzabschnitt, der auch Tunnel und Rampe umfasste. Noch bevor er nach Dienstantritt im Container des Crowdmanagers eingetroffen sei, sei ihm mitgeteilt worden, dass der Veranstalter die Vereinzelungsanlagen unkoordiniert öffnen und schließen würde – ohne Abstimmung mit denen, die einen Überblick über die Lage in Tunneln und auf der Rampe hätten.

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hatte den Polizeibeamten H. im Verfahren gegen „Dressler und andere“ als Zeugen geladen. Seine Verantwortung deckte auf Seiten der Polizei in Teilen mit der des Crowdmanagers Dr. Carsten Hesse, der für den Veranstalter Lopavent für den gesamten Einlassbereich zuständig war. Carsten Hesse war an den Verhandlungstagen zuvor vernommen worden. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Kommunikationsprobleme und Polizeiketten

Der Vorsitzende Richter Mario Plein, von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Nachdem der Vorsitzende Richter Mario Plein den Polizeibeamten wie gehabt zunächst hatte erzählen lassen, befragte er ihn: Dabei versuchte Plein, Einzelheiten, frühere Aussagen und Aussagen anderer an Planung und Sicherung der Veranstaltung Beteiligter mit den jetzigen Aussagen H.s in Verbindung zu bringen, Zusammenhänge herauszuarbeiten und deutlich zu machen. Immer wieder sprach H. von nicht funktionierender Kommunikation: Netzstörungen im Mobilfunknetz, Lärm, der Gespräche – auch über Funkgerät unmöglich machte.

Nicht ganz übereinstimmend sind die Aussagen, wo Crowdmanager Hesse eine Polizeikette auf der Rampe haben wollte: Polizist H. zeigt etwa auf die Mitte der Rampe. Hesse hatte auf das obere Ende verwiesen, um den Stau am oberen Ende der Rampe aufzulösen und die Menschen an den vorbei ziehenden Floats auf das Gelände zu schieben: „Dort hätten wir aber die Arbeit der Pusher [Ordner des Veranstalters] übernommen“, so der 49-jährige Polizist. Statt der rund 100 Pusher waren vermutlich gerade eine Handvoll in Einsatz: Auf jeden Fall viel zu wenig, um im Ansatz die gestellte Aufgabe zu erfüllen. Zumal: „Die Leute waren doch oben an der Rampe an den vorbeiziehenden Floats genau dort, wo sie hinwollten. Warum hätten sie weiter südlich aufs Gelände gehen sollen – weg von der Loveparade.“

August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Als dann größere Gruppen von Besuchern die Veranstaltung verlassen wollten, sei die Polizeikette auf der Rampe selber in den Druck der Masse geraten, erzählte H. Nachdem er vom Container aus auf das Gelände südlich der Karl-Lehr-Straße geklettert war, habe er einen guten Überblick gehabt: „Die Menschenmasse wogte, als da kein Durchkommen mehr war.“ Wer die Polizeikette im Tunnel veranlasst hatte, konnte H. nicht sagen: „Die Tunnel sollten frei bleiben. Wir mussten verhinderen, dass es im Durchgang stockte.“ Die Tunnel wurden zum akuten Problem, als es auf der Rampe nicht mehr weiter ging und Menschenmassen überwiegend von Westen in den Tunnel strömten, nachdem dort die Vereinzelungsanlagen dem Druck von der Düsseldorfer Straße nicht mehr stand gehalten hatten und geöffnet wurden.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: André Hirtz / Funke Foto Services (1), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1), Petra Grünendahl (2)

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Deutsche Oper am Rhein: Premiere von „Otello“ begeisterte im Theater Duisburg

Requiem für einen kranken Geist
Von Petra Grünendahl

Brigitta Kele (Desdemona), Gustavo Porta (Otello). Foto: Birgit Hupfeld.

Siegreich kehrt der Venezianer Otello (Gustavo Porta) mit seiner Flotte in Sturm und Gewitter nach Zypern zurück. Dort erwartet ihn Desdemona (Brigitta Kele). Obwohl der „Mohr von Venedig“ erfolgreich ist – er hat es vom Sklaven zum General gebracht, ist mit der schönen Desdemona verheiratet –, plagen ihn Selbstzweifel. Seinen Erfolg kann er nicht genießen, obwohl ihn Desdemona von Herzen liebt. Nachdem Otello Cassio (Ibrahim Yesilay) statt Jago (Simon Neal) befördert hat, sinnt Letzterer auf Rache. Mit seinem Intrigen hat er bei dem zutiefst verunsicherten und hochemotionalen Otello leichtes Spiel: Desdemona betrüge ihn mit Cassio, so Jago, der falsche Fährten legt, um den angeblichen Betrug zu belegen. Otello glaubt ihm und zweifelt an der Treue seiner Frau. Er erwürgt die Frau, die ihn liebt, und ersticht schließlich sich selbst, nachdem Emilia (Katarzyna Kuncio) ihn über Jagos Intrige aufgeklärt hat.

VORNE: Gustavo Porta (Otello), Simon Neal (Jago). HINTEN: Brigitta Kele (Desdemona). Foto: Birgit Hupfeld.

Giuseppe Verdis (1813 – 1901) vorletzte Oper „Otello“, die 1887 in der Mailänder Scala ihre Uraufführung feierte, erlebte eine zu Recht umjubelte Premiere im Theater Duisburg. Für das Libretto hatte Verdi erstmals mit Arrigo Boito zusammen gearbeitet. Als Stoff griffen sie auf William Shakespeares „The Tragedy of Othello, the Moor of Venice“ zurück. In italienischer Sprache gesungen erleichtern deutsche Untertitel das Verständnis der Handlung. Mit 2¾ Stunden (inklusive Pause) hat der Opernabend Überlänge. Das lyrische Drama in vier Akten in der Inszenierung von Michael Thalheimer entstand als Koproduktion mit der Opera Vlaanderen (Antwerpen).

Herausragende Brigitta Kele als Desdemona

Ibrahim Yesilay (Cassio), Simon Neal (Jago). Foto: Birgit Hupfeld.

Als „Gegenspieler“ glänzten Tenor Gustavo Porta (als der von Selbstzweifeln zerfressene Otello) und Bariton Simon Neal (als böswilliger, intriganter Jago). Die Sopranistin Brigitta Kele brillierte in einer Rolle, die ihr auf den Leib geschnitten ist: die leidenschaftlich liebenden Desdemona. Hervorragend sangen und agierten auch die Darsteller der kleineren Rollen, die allesamt hochklassig besetzt waren. Verdis temporeiche Komposition mit stillen wie ungeheuer wuchtigen Passagen meisterten fantastisch aufgelegte Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Gast-Dirigent Antonino Fogliani. Bei Verdis großartigen Chorszenen glänzte der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski.

Schwarze, fast finstere Inszenierung

VORNE: Brigitta Kele (Desdemona). HINTEN (von l. n. r.): Katarzyna Kunico (Emilia), Ibrahim Yesilay (Cassio), Lukasz Konieczny (Lodovico), Gustavo Porta (Otello), Luis Fernando Piedra (Rederigo), Simon Neal (Jago), Chor. Foto: Birgit Hupfeld.

Michael Thalheimers Otello ist als Figur tragisch: Von Selbstzweifeln zerfressen lässt er sich Misstrauen gegen die Treue seiner Frau einpflanzen, von der er sich bis zum tödlichen Ende nicht abbringen lässt. Er ist gefangen in seiner vermeindlichen „Unzulänglichkeit“ und sich selbst der größte Feind: Unbeherrscht und emotional, zum Erfolg verdammt. Als „Dunkelhäutiger“ ist er anders als die anderen. Die Saat des Misstrauens gegen Desdemona, die Jago mit seinen Intrigen pflanzt, geht auf: Fast krankhaft ist Otellos Eifersucht, die aus seiner Unsicherheit wächst. Regisseur Thalheimers „Otello“ ist schwarz gehalten: die Bühne von Henrik Ahr, die Kostüme von Michaela Barth transportieren die Finsternis der Inszenierung: Eine Finsternis, die erst aufbricht, als Emilia die Intrige ihres Mannes offenbart. Wirkungsvoll sparsam ist diese Finsternis in Szene gesetzt vom Lichtdesign Stefan Bolligers.

Ein kleiner Vorgeschmack:


Brigitta Kele (Desdemona), Gustavo Porta (Otello). Foto: Birgit Hupfeld.

VORNE: Brigitta Kele (Desdemona), Katarzyna Kunico (Emilia), Ibrahim Yesilay (Cassio), Gustavo Porta (Otello) HINTEN: Lukasz Konieczny (Lodovico), Chor. Foto: Birgit Hupfeld.

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Di | 20. November 2018 | 19:30 Uhr,
Fr | 23. November 2018 | 19:30 Uhr,
Sa | 1. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
So | 9. Dezember 2018 | 15 Uhr und
Mi | 12. Dezember 2018 | 19:30 Uhr.
Ab April ist das Stück wieder im Opernhaus Düsseldorf zu sehen.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 17 und 67 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Birgit Hupfeld Fotografie / Deutsche Oper am Rhein

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MKM Museum Küppersmühle zeigt Emil Schumacher „Inspiration und Widerstand“

Wuchtige Farben und physische Präsenz
Von Petra Grünendahl

Die Besucher begrüßt ein Foto das nachgestellten Ateliers im Emil Schumacher Museum in Hagen. Foto: Petra Grünendahl.

Palmarum: Emil Schumacher im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

„Emil Schumacher hat Farben zu seiner Muse ermacht“, erklärte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling. „Nach dem zweiten Weltkrieg war es sein Anspruch, den ‚Mief der Vergangenheit freizuschlagen’, die neue Freiheit auszuleben“, so Smerling. Der aus Hagen stammende Informel-Künstler arbeitete viel mit Öl auf Leinwand, später auf Holz. Pastos aufgetragene Farben und Materialien lassen die Werke ebenso dreidimensional wirken wie Bearbeitung der Holz-Untergründe mit Hammer oder anderen Werkzeugen. Roh, fast archaisch wirken besonders die abstrakten Arbeiten seiner mittleren Schaffensphase. Die physische Präsenz in seinen Bildern betonte auch Kuratorin Dr. Eva Müller-Remmert, die zusammen mit dem MKM-Direktor die Sonderausstellung im Pressegespräch vorstellte: „Er nutzte das Material als Gestaltungsmittel und zog Inspiration aus der Haptik von Oberflächen.“

Kuratorin Dr. Eva Müller-Remmert und Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling stellten die Werkschau Emil Schumachers im MKM Museum Küppersmühle vor. Im Hintergrund Emil Schumachers „Palmarum“.. Foto: Petra Grünendahl.

Petros II: Emil Schumacher im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.


Kuratorin Dr. Eva Müller-Remmert mit den Zwillingswerken Atlanta 1 (r.) und Atlanta (l.). Foto: Petra Grünendahl.

Sodom: Emil Schumacher im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Mit Emil Schumacher (1912-1999) zeigt das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst einen der wichtigsten Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst. Die Werkschau in Duisburg ist mit 80 Arbeiten aus gut 50 Jahren künstlerischen Schaffens die größte Retrospektive seit 20 Jahren und die bislang umfangreichste in NRW. Der Künstler ist weltweit in über 60 Kunstsammlungen vertreten. Neben Werken aus der (hauseigenen) Sammlung Ströher stammen viele Arbeiten vom Emil Schumacher Museum seiner Heimatstadt Hagen sowie weitere von kleineren (auch privaten) Sammlern. Insgesamt 80 überwiegend großformatige Werke sind in den hohen Erdgeschossräumen zu sehen, die mit ihren großzügigen Dimensionen diese Werke besonders gut -zur Geltung bringen.

„Bildmaterial und Bildmaterie: Das eine steht am Anfang, das andere am Ende. Das Material bedeutet Inspiration und Widerstand zugleich. Aus dem Wesen, aber auch am Widerstand des Materials formt sich das Bild. Der Charakter des Bildes kann nicht nur der seiner Materialien sein.“ – Emil Schumacher, 1972 –

Zur radikalen Neuausrichtung abstrakter Malerei nach dem zweiten Weltkrieg trug Emil Schumacher mit seiner innovativen Bildsprache auch in der internationalen Wahrnehmung bei. Seine Arbeiten seien bestimmt von emotionaler Gestik und spontanen Schaffensprozessen, von der Loslösung der Farbe von der Form und der Linie vom Motiv sowie vom Verletzen des Malgrundes und dem Vordringen der Malerei in die dritte Dimension, so Müller-Remmert. „Der Bildträger ist für Schumacher keine Kompositionsfläche, sondern ein Aktionsraum.“ Das trage zur urwüchsigen Ausstrahlung der Bilder bei, die häufig an archaische Naturlandschaften und -gewalten erinnern.

Zur Ausstellung ist ein umfassender Katalog erschienen mit Beiträgen von Katharina Henkel, Christian Spies und Eva Müller-Remmert. Das 144-seitige Buch ist an der Museumskasse für 25 Euro erhältlich (Wienand Verlag, Köln, ISBN 978-3-86832-457-0).
 
 
 
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

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Mabudan: Emil Schumacher im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Arbeiten von Emil Schumacher sind bis zum 10. März 2019 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Die Dauerausstellung ist wegen der Arbeiten am Erweiterungsbau (Eröffnung Ende 2019) aktuell nicht zu besichtigen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung.

Tastobjekt: Emil Schumacher im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Als Begleitprogramm zur Ausstellung findet am Donnerstag, 17. Januar 2019, um 17 Uhr eine Führung der Reihe „Kunst und Genuss“ durch die Ausstellung statt: inklusive Getränk und Imbiss zum Ausklang im Restaurant Küppersmühle beträgt der Teilnahmepreis 21 Euro (Anmeldung unter http://www.museum-kueppersmuehle.de/informatîon/veranstaltungsprogramm). Die Gesprächsreihe „Kunst trifft …“ führt das MKM am 3. Februar 2019 zum Thema „Kunst“ weiter (11 Uhr, 10 Euro inkl. Eintritt). Und schließlich steht am 14. Februar 2019 um 18.30 Uhr der Filmabend „Emil Schumacher“ auf dem Programm. Kostenlose Besucherführungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr (maximal 30 Teilnehmer, frühzeitiges Erscheinen ist empfohlen). Mehr Informationen ebenso wie die Kontaktdaten zur Anmeldung gibt es auf den Internet-Seiten des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst.

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Museum DKM in Duisburg zeigt Dorothee von Windheims „Sebastian – Chronik einer Arbeit“

Wie die Wunden im Körper des Heiligen
Von Petra Grünendahl

Dorothee von Windheims Sebastian-Tuch im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Klaus Maas und Dorothee von Windheim an der Vitrine mit den Sebastian-Tuch. Foto: Petra Grünendahl.

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Dorothee von Windheims Sebastian-Tuch im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Das Baumwolltuch in Türkischrot mit umstickten Löchern erinnert abstrakt an die Wunden des Heiligen Sebastian mit seiner von Pfeilen durchbohrten Brust. Ausgang war schon vor Jahrzehnten die Beschäftigung mit Bäumen und Abdrücken von Rindenstrukturen als Grundlage der künstlerischen Arbeit. Vor wenigen Jahren sei sie „rückfällig“ geworden, so erzählt die Künstlerin Dorothee von Windheim: Auf dem Kapuzinerberg in Salzburg. Anonyme Rindenschnitzer hatten Leibeszeichen aller Art in die Baumstämme des Bergwaldes geschnitten. Als sie Abdrücke von geschnitzten Bäumen nahm, bemerkte sie einen ganz anders gezeichneten: Seine Borke war mit tiefen Löchern übersät: „Ich habe sie erst für Einschusslöcher gehalten, wurde vom Forstmeister jedoch aufgeklärt, dass es sich um Frostrisse handeln würde“, berichtet von Windheim. Diese „Verletzungen“ hätten bei ihr Assoziationen zum Heiligen Sebastian hervorgerufen. Erst Jahre und Inspirationen später verarbeitete sie das bettlakengroße Tuch mit den Abdrücken weiter. Mit Lochstickereien nahm sie die Rindenschnitzereien auf, die Innenräume schnitt sie aus. Zunächst gab es Probearbeiten mit weißem Stoff, dann mit festeren Stoffen in modernem Rot. Für das schlussendliche Werk suchte sie einen Stoff in Kirschrot – „Rot ist eine vielschichtige Farbe“, so die Künstlerin –, den sie schließlich bei eBay ersteigern konnte. Das fertige Stück ist zwar mit Lochstickereien übersäht, aber nicht alle sind ausgeschnitten. Das habe sich in den Arbeitsprozessen so ergeben, erzählt von Windheim. Die Vitrinenarbeit steht im Zentrum der Raumgestaltung. An den Wänden findet der Besucher Erklärungen und Beispiele für die einzelnen Stationen der Entstehung des Werks.

Dorothee von Windheim im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums, welches das Museum DKM bald am Standort Günterstraße feiern kann, haben Sammler Klaus Maas und Dirk Krämer der Künstlerin Dorothee von Windheim (*1945) den Raum für eine Sonderausstellung neu gestaltet. Schon lange gehören Werke der Künstlerin zur Sammlung der beiden, einige hängen auch in der Dauerausstellung. Im Pressegespräch stellte Kunstsammler und DKM-Stifter Klaus Maas die Künstlerin Dorothee von Windheim und ihr Werk vor. Die Ausstellung „Sebastian – Chronik einer Arbiet“ eröffnet am Samstag, 10 November im Museum DKM.

Museum DKM

Kunstsammler und Stiftungsgründer Klaus Maas vom Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Die Werkschau „Sebastian – Chronik einer Arbeit“ der Künstlerin Dorothee von Windheim ist bis zum 7. Juli 2019 zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr. Am Samstag, 17. November, bleibt das Museum DKM aufgrund einer privaten Veranstaltung geschlossen. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 5 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (7 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Weitere Infos gibt es hier.

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Lehmbruck Museum in Duisburg: Vor Ort 2018 neben Oskar Schlemmer und Expressionismus

Duisburgs Künstlerszene präsentiert sich
Von Petra Grünendahl

Hinter Ulrike Waltemathes „Kontakt“: Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla (4. v. l.) mit einigen Künstlern der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Vielfältig und lebendig ist die Duisburger Künstlerszene. Das zeigt die Ausstellung „Vor Ort 2018“, die in Duisburg heimischen Künstlern ein Podium bietet, ihre aktuellen Arbeiten zu präsentieren. „122 Künstler haben ihre Werke einer Jury vorgestellt, die 34 von ihnen für die Werkschau ausgewählt hat“, erzählte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Das Spektrum umfasst nicht nur unterschiedlichste Bereiche künstlerischen Schaffens – Malerei und Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Video und Installation –, sondern erstreckt sich auch über die Generationen. In manchen Werken finden sich auch bildliche Bezüge zu Duisburg Die Ausstellung verstehe sich als aktuellen Beitrag zur Kultur der Stadt, so Dinkla.

Ausstieg aus der Kohlenförderung: Wohin geht die Reise? fragt Will Brands „Wagenlenker“ auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Annette Erkelenz (hinten) und Fritz Josef Haubner auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Gleich drei Ausstellungen eröffnet das Lehmbruck Museum am Samstag, 10. November, im Anbau des Museums: „Vor Ort 2018“, die diesjährige Ausstellung der IG Duisburger Künstler (um 16 Uhr) sowie die Kabinettausstellung „Oskar Schlemmer: 100 Jahre Bauhaus“ und die Sammlungspräsentation „Meisterwerke des Expressionismus“ (beide um 15 Uhr). Den Hauptteil der neuen Präsentationen nehmen die Duisburger Künstler ein, die den größten Teil der Räume in Anbau belegen: Neben dem Foyer das Gebäudes auch den großen Sonderausstellungsraum. Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla stellte die Sonderschau im Pressegespräch zusammen mit Kurator Jörg Mascherrek (Juryvorsitz) und Alexander Voß (Jurymitglied, Sprecher der IG Duisburger Künstler) vor. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: Auf 86 Seiten mit 34 farbigen Abbildungen stellen die IG Duisburger Künstler und das Lehmbruck die beteiligten Künstler** und ihre Werke vor. Das Buch ist zum Preis von 7,50 Euro an der Museumskasse erhältlich.

Weitere Sonderschauen im Anbau

„Ohne Titel“ (Messing-Patronenhülsen auf Stahlblech) von Pia Winkenstern auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Breiten Raum in Anbau nimmt die Ausstellung der Duisburger Künstlerszene ein, die Dreiecksräume außen hat das Lehmbruck Museum mit Werken anderer Künstler bestückt. In zwei Räumen hängen die Expressionisten aus der eigenen Sammlung: unter anderem Werke von Wilhelm Lehmbruck, August Macke, Emil Nolde, Max Pechstein, Otto Müller und Oskar Schlemmer. Einen dritten Raum präsentierte das Museum Werke von Oskar Schlemmer als Teil des Bauhaus-Jubiläums in NRW „100 jahre bauhaus im westen“. Die Kabinettausstellung mit Oskar Schlemmer zeigt einen der einflussreichsten und vielseitigsten Künstler des Bauhauses. Schlemmer war nicht nur als Maler, sondern auch als Grafiker, Bühnenbildner, Choreograf, Wandgestalter und Bildhauer tätig.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Das war einmal ein Baum im Kant-Park: „Queen of Performance“ von Roger Löcherbach auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderschauen im Anbau des Lehmbruck Museums sind bis zum 17. Februar 2019 zu sehen. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Fritz Josef Haubner (vorne), Fee Brandenburg, Magdalena Bitniok und Barbara Deblitz (hinten v. l.) auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag; sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de sowie im Veranstaltungskalender.

Magdalena Bitniok auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

(**) Die an der Ausstellung beteiligten Duisburger Künstler: Magdalena Bitniok, Christina Böckler, Christoph Breitmar, Fee Brandenburg, Will Brands, Barbara Deblitz, Jochen Duckwitz, Annette Erkelenz, Susan Feind, Gabriella Fekete, Klaus Florian, Agnes Giannone, Manfred Gliedt, Fritz Josef Haubner, Andy Hellebrand, Anna Irma Hilfrich, Friederike Huft, Michael Kiefer, Gert Kiessling, Barbara Koxholt, Roger Löcherbach, Kerstin Müller-Schiel, Joachim Poths, Ralf Raßloff, Walter Schernstein, André Schweers, Cornelia Schweinoch-Kröning, Hermann Sommerhage, Doris Lydia Stark, Regine Strehlow-Lorenz, Ralf Thiesen, Annik Traumann, Ulrike Waltemathe, Pia Winkenstern.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Loveparade-Strafprozess: Der damalige Crowdmanager Dr. Carsten Hesse sagte aus

Auf einmal lief die Rampe voll
Von Petra Grünendahl

Im Zeugenstand vor dem Landgericht Duisburg: Dr. Carsten Hesse war als Crowdmanager bei der Loveparade 2010 in Duisburg im Einsatz. Foto: Lars Fröhlich / Funke Foto Services.

„Ich hatte Todesangst“, erzählte Dr. Carsten Hesse. Seine Stimme klingt nicht mehr so fest, als er beschreibt, was um seinen Container unten an der Rampe (an der Wand auf der anderen Straßenseite) während der kritischen Phase auf der Loveparade 2010 in Duisburg passierte. Als sich die Rampe immer mehr füllte, suchten Menschen nach Auswegen. So drückten sie auch gegen die Bauzäune, die um den Container herum standen. „Wir ließen einzelne ein – einen Rollstuhlfahrer, Menschen kurz vor dem Kollaps –, damit sie über eine Leiter auf dem Dach des Containers aufs Gelände gelangen. „Ich hatte Angst, dass die Massen uns unter den Zäunen erdrücken.“

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

In den Zeugenstand hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg im Verfahren gegen „Dressler und andere“ Dr. Carsten Hesse geladen. Der heute 48-Jährige war auf Seiten des Veranstalters für den gesamten Einlassbereich zuständig. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den damaligen Crowdmanager wie gehabt zunächst erzählen: Am 6. Mai 2010 habe ihn der Lopavent-Sicherheitschef Lutz Wagner kontaktiert, ob er als verantwortlicher Bereichsleiter die Eingänge zum Loveparade-Gelände am alten Güterbahnhof überwachen und den Personaleinsatz koordinieren wolle. „Die Planungen erschienen mir nicht unkritisch, aber es sind schon kritischere Veranstaltungen problemlos über die Bühne gegangen“, so Hesse. Bei drei weiteren Terminen – am 20. Mai, 22. Juni und 14. Juli – sei er mit den Planungen vertraut gemacht worden, erzählte er.

Gegen 7.30 Uhr sei er am Veranstaltungstag auf dem Gelände eingetroffen. Sechzehn Kameras, die er in seinem Container auf dem PC abrufen konnte, standen ihn für Überblicke über Rampe und Tunnel zur Verfügung. Neben einem normalen Funkgerät stand ihm ein Bündelfunkgerät für Gespräche zur Einsatzzentrale sowie den Lopavent-Mitarbeitern Günter Spohr und Lutz Wagner zur Verfügung. Einblick in die Geschehnisse an den Vereinzelungsanlagen an den Zugängen zur Karl-Lehr-Straße (an der Düsseldorfer bzw. Graben-/Kommandantenstraße) habe er nicht gehabt. Da sei er auf die Meldungen der dort Verantwortlichen angewiesen gewesen.

Verspätete Geländeöffnung sorgten schon früh für Rückstau der Anreisenden

Der Vorsitzende Richter Mario Plein, von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Schon um 9.30 Uhr seien die Flächen vor den Vereinzelungsanlagen voll gelaufen, erzählte Hesse. Statt um 11 Uhr wurden (wegen Restarbeiten auf dem Gelände) die Anlagen erst gegen 12 Uhr geöffnet. Zu dieser Zeit sei er auch auf den gebrochenen Gullideckel aufmerksam gemacht worden. Mangels Alternativen habe man ihn mit einem Bauzaun überdeckt. Um den Druck von den Vereinzelungsanlagen im Westen (auf der Düsseldorfer Straße) abzubauen, seien sie zwischen 12 und 13 Uhr auf einmal geöffnet worden. Da keine Kommunikation zustande kam, sei er dorthin gegangen, um die Lage zu klären, so Hesse. Dem diensthabenden verantwortlichen Polizisten sei gar nicht klar gewesen, dass die Anlagen auch dazu da waren, die Zugänge komplett zu sperren, wenn Tunnel, Rampe oder Gelände voll gelaufen seien, erzählte der Crowdmanager. Dieser Beamte habe erst am Tag zuvor von seinem Einsatz in Duisburg erfahren. Wirklich vertraut gemacht ist er mit den Anforderungen seiner Tätigkeit wohl eher nicht. Es stellt sich die Frage, welche Voraussetzungen der Beamte mitbringen würde, der ihn zum Nachmittag hin ablösen sollte. Denn gerade von Westen kamen Besucherströme in einer Intensität, mit der man wohl nicht wirklich gerechnet hatte.

Zu dieser Zeit sei der einströmende Besucherstrom noch handhabbar gewesen, sagte Hesse. Um 14 Uhr übernahm ein neuer Verbindungsbeamter seine Schicht im Container. Ein Bereichsleiter der Polizei, der eigentlich auch bei ihm im Container habe erscheinen wollen, erschien nicht. „Ich hatte Herrn Kaiser im Vorfeld als sehr kompetent kennen gelernt. Er hatte Erfahrungen von der Loveparade in Dortmund“, erzählte der Crowdmanager. Ab 14.30 Uhr habe es einen Rückstau die Rampe runter gegeben. Der Druck auf der Düsseldorfer Straße wurde wieder größer, Vorsperren aufgelöst. Dann kam der Schichtwechsel der Polizeihundertschaft auf der Rampe, bei dem ein- und ausfahrende Mannschaftswagen durch die Besuchermenge fuhren. Erst gegen 15.30 Uhr sei Bereichsleiter Happe (als Ersatz für Kaiser) bei ihm am Container gewesen. Um den Rückstau an der Rampe zu beseitigen habe er drei Maßnahmen vorgeschlagen, so Hesse: Die Vereinzelungsanlagen zu schließen, von oben keine Leute mehr über die große Rampe rauszulassen und die kleine Rampe zu öffnen. Er habe aber nur mit der Einsatzleitung über Funkgerät sprechen können, so Hesse. Dass erst eine Telefonkonferenz über seine Vorschläge beschließen musste, in die er mangels technischer Voraussetzungen gar nicht eingebunden werden konnte, sei ihn nicht klar gewesen, sagte Hesse. Erst um 15.45 Uhr kam das OK für die Sperrung. Der Bereitschaftspolizist Happe habe dann wohl die Polizeisperren auf der Rampe und in den Tunneln angeordnet, ohne dass er eingebunden oder informiert gewesen sei, so Hesse.

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Gegen 16.30 Uhr bekam ein Krankenwagen Zugang von der Düsseldorfer Straße, nach dessen Durchkommen die Zugänge nicht sofort wieder geschlossen werden konnten. Als dieser ein paar Minuten später das Gelände wieder verließ, waren angesichts des Drucks von Besuchern die Zugänge gar nicht mehr zu zukriegen. Die Polizeikette im Westen war damit auch nicht mehr zu halten: Die Leute strömten ungehindert in den Tunnel und auf die Rampe. „Meine Hilferufe beantwortete die Einsatzzentrale damit, dass auf dem Gelände noch viel Platz wäre – und ich keine Ahnung hätte“, berichtete Hesse. „Es wurde immer enger auf der Rampe, weil die Leute oben nicht aufs Gelände kamen. Die Leute drängten von unten auf die Rampe: Die haben eine wahnsinnigen Druck erzeugt. Auch bei uns am Container.“ Und weiter erzählte Hesse: „Gegen 16.50 Uhr fuhr ein Polizei-Kastenwagen an uns vorbei. Das hat den Druck weiter erhöht. Durch die Masse von ein paar Tausend Leuten gingen Wellenbewegungen, weil sich nichts auflösen konnte. Ich hatte Todesangst, denn wir standen auch in unserem Container im Druck der Menschenmasse.“

Erst als von Westen die gestauten Besucher von Ordnungskräften aus dem Tunnel geholt und weg geschickt wurden – mit dem Argument: die Veranstaltung ist zu Ende! –, entspannte sich die Lage und Rettungskräfte konnten sich in Tunnel und Rampe und die Verletzten und Toten kümmern. „Mit der Entscheidung, die Veranstaltung weiter laufen zu lassen, hatte ich nichts zu tun. Aber diese Entscheidung war richtig“, so Hesse. Nach Abschluss der Veranstaltung sei auch der VIP-Eingang im Norden als Ausgang genutzt: Ein Vorschlag, den er schon im Vorfeld der Veranstaltung gemacht habe, sagte Hesse. Der sei aber damals abgelehnt worden. Er habe am Ende der Veranstaltung noch die Sicherheitskräfte trösten und aufbauen müssen: „Die waren völlig fertig. Weil sie meinten, das Geschehen sei ihr Fehler gewesen.“ Er habe ihnen gesagt: „Ihr seid nicht Schuld!“

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Als Mario Plein anfing, ihn zu Einzelheiten und früheren Aussagen zu befragen, musste Carsten Hesse manches Mal passen: „Ich erinnere mich nicht mehr an alles. Es ist jetzt acht Jahre her. Vieles habe ich auch verdrängt. Mir haben sich andere Eindrücke eingebrannt!“ Dennoch wurde eines ums andere Mal deutlich, dass er als Verantwortlicher für den Geländezugang Zusagen bekommen hatte, die dann so nicht eingehalten worden waren. Aufgrund von Kommunikationsproblemen – technischer wie menschlicher Natur – war er nicht immer informiert oder konnte er Anweisungen an die Zuständigen an den Einlass-Stellen nicht kommunizieren: Ein Problem, welches mit Sicherheit zur Eskalation der Situation auf der Rampe beigetragen hatte. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Lars Fröhlich / Funke Foto Services (1), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1), Petra Grünendahl (2)

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Das Bauland kann kommen: Vorbereitungen für Sechs-Seen-Wedau in Duisburg laufen

Seequartier ein Gewinn für Duisburg
Von Petra Grünendahl

Ansicht des alten Rangierbahnhofsgeländes von der Wedauer Brücke aus im Mai 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Stellten den Sachstand für das neue Stadtquartier vor (v. l.): Ute Möbus, Vorstand Finanzen/Controlling, DB Station&Service AG, dahinter Thomas Lennertz, Geschäftsführer BEG , Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Bernd Wortmeyer Geschäftsführer GEBAG und Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

„Als wir hier nach einem Sturm die Schäden begutachtet haben, dachte ich: Das ist ein Rohdiamant“, erzählte Ute Möbus, Finanzvorstand der DB Station&Service AG, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Besagtes Juwel ist die Brachfläche auf dem ehemaligen Bahngelände zwischen Wedau und Bissingheim, welches unter dem Namen Sechs-Seen-Wedau zu einem neuen Wohnquartier, einem Stadtteil im Stadtteil, entwickelt wird. Das Quartier solle nicht nur eine Entlastung für den Düsseldorfer Wohnungsmarkt sein, sondern, so Gebag-Geschäftsführer Bernd Wortmann: „auch für Duisburger attraktiven Wohnraum zu bezahlbaren Preisen bieten.“

Über den aktuellen Stand der Vorbereitungen für die Bebauung des Geländes informierte Ute Möbus zusammen mit Thomas Lennertz (Geschäftsführer der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW mbH BEG NRW), Bernd Wortmeyer (Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gebag), Ina Scharrenbach (NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung) und Oberbürgermeister Sören Link.

Sechs-Seen-Wedau

Ein Planmodell des neuen Stadtquartiers Sechs-Seen-Wedau. Foto: Petra Grünendahl.

Auf der 60 Hektar großen Fläche sind etwa 45 Kilometer Schienen zurückgebaut, rund 540.000 Kubikmeter Schotter ausgehoben und rund 50 Hektar Grünwuchs zurückgeschnitten worden. In Vorbereitung sind die Ausschreibung des Bodenmanagements und des Lärmschutzwalls zu den Gleisen mit einer Länge von 2,4 Kilometern. Zeitnah soll auch die Investorenauswahl für das Nahversorgungszentrum starten. Nördlich des neuen Wohngebiets – auf dem Areal des ehemaligen Bahn-Ausbesserungswerks – entsteht ein Campus der Universität Duisburg-Essen (UDE). Die Deutsche Bahn finanziert die Südbrücke, die über die Gleise im Osten des Quartiers Wedau mit der Ortsmitte von Bissingheim verbindet. Der Bebauungsplan für das Wohnquartier Sechs-Seen-Wedau soll bis Mitte 2019 beschlossen werden: Ab 2020 rollen dann die Bagger.

Haben das neue Stadtquartier schon im Blick (v. l.): Oberbürgermeister Sören Link, Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Ute Möbus, Vorstand Finanzen/Controlling, DB Station&Service AG, Bernd Wortmeyer Geschäftsführer GEBAG und Thomas Lennertz, Geschäftsführer BEG. Foto: Petra Grünendahl.

Bis zu 3.000 neue Wohneinheiten entstehen auf dem Areal. Mindestens 10 Prozent sollen öffentlich gefördert sein (Sozialwohnungen). Neben einem Nahversorgungszentrum entstehen Schule und Kita. Mehr als jetzt sollen Uferflächen und Erholungsflächen an den Seen für die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar sein, sicherte Thomas Lennertz zu. „Wedau, Bissingheim und ganz Duisburg werden von dem neuen Quartier profitieren“, erklärte Oberbürgermeister Link. Er lobte die breite Zustimmung im Stadtrat und in der Öffentlichkeit. Anbinden will Sören Link Sechs-Seen-Wedau mit einem Bahn-Haltepunkt an die Ratinger Weststrecke, deren Wiederinbetriebnahme er mit Bürgermeistern aus der Region forciert.
Weitere Informationen unter www.sechs-seen-wedau.de

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Museum DKM in Duisburg zeigt Hannes Vogels „Sterben. Tod.“

Kunstsammler Dirk Krämer und Klaus Maas ehren
den Schweizer Künstler zum 80. Geburtstag

Von Petra Grünendahl
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Die Arbeit „Finnegans Sehschule“ (1999) erinnernd, findet Vogel wieder zum Ausdrucksmittel „Zeichnung“ und wählt Literaturzitate, aus denen er mit verschiedenen Stricharten seine Zeichnungen entwickelt. Er befragt die Striche und Punkte danach, wie sie zu Zeichen werden, die Inhalte vermitteln. Aus dem Gewirr der Linien entwickelt sich die Zeichnung, die im Zusammenhang mit den literarischen Zitaten und ergänzenden Gedanken von Hannes Vogel einen sehr privaten Einblick gewähren. Vogel bedient sich an den literarischen Werken von u.a. Paul Celan, Tadeus Pfeiffer, Stefan Zweig und der Widerstandsgruppe Die weiße Rose und assoziiert sie mit seinen eigenen Empfindungen, sodass der Leser und Betrachter auf eine Gedankenreise mitgenommen wird.

Hannes Vogel in der Ausstellung „Kunst & Kohle“ Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Seit vielen Jahrzehnten gehören die Arbeiten von Hannes Vogel zum festen Bestandteil der Sammlung DKM. Anlässlich des 80. Geburtstags des Künstlers unterstreicht das Museum DKM mit einer Präsentation seiner neusten Arbeiten diese enge Beziehung. Bis Ende Januar 2019 werden Zeichnungen aus der Publikation „Sterben. Tod“, die er gemeinsam mit seiner Frau Petruschka erstellt hat, im ersten Ausstellungsraum präsentiert. Mit der Ausstellung „Sterben. Tod.“ Würdigen die Sammler Dirk Krämer und Klaus Maas nach Einzelausstellungen in der Galerie Linie (1984, 1989), der Galerie DKM (2001) und dem Museum DKM (2009) bereits zum fünften Mal das Werk des Schweizer Künstlers. Seine Arbeiten sind darüber hinaus regelmäßig in der Dauerausstellung präsent und waren ein wichtiger Baustein der letzten Sonderausstellung „Kunst & Kohle. Die schwarze Seite“. Die Ausstellung ist ab Samstag, 20. Oktober 2018, geöffnet.

Der Künstler Hannes Vogel
Hannes Vogel wurde im Mai 1938 in Chur, Schweiz geboren. Sein Vater war Friedhofsgärtner, der Tod war von Kindesbeinen an alltäglich. In seinem künstlerischen Werk wurde der Tod erst vor wenigen Jahren, nach der Lektüre von u.a. Paul Celans „Todesfuge“, relevant. Die aktuelle Ausstellung knüpft an die Arbeiten „Finnegans Sehschule“ (1999) und „Der Scherben Schönheit ist nicht die der Töpfe“ (1998) aus der Sammlung DKM an. Beide Werke werden regelmäßig in der Dauerausstellung präsentiert. Hannes Vogel lebt und arbeitet im Schams (Schweiz) im Turmhaus in Mathon. Die Ausstellung geht auf die Publikation „Sterben. Tod.“ zurück, die 2016 von Hannes und Petruschka Vogel veröffentlicht wurde.

Museum DKM
Die Ausstellung „Sterben. Tod.“ des Schweizer Künstlers Hannes Vogel ist bis zum 27. Januar 2019 zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 5 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (7 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Weitere Infos gibt es hier.

^© 2018 Petra Grünendahl (Text und Foto)

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Lange Nacht der Industrie lockte zu Siemens in Duisburg-Hochfeld

Besucher erlebten Produktion von Prozessverdichtern
Von Petra Grünendahl

Siemens an der Werthauser Straße in Hochfeld. Foto: Siemens AG.

„Wir stellen hier Unikate her, maximal Kleinserien eines Modells“, erklärte Detlef Zellmer, Betriebsleiter Zusammenbau am Siemens-Standort in Duisburg-Hochfeld. Zellmer führte zur Langen Nacht der Industrie Interessierte durch die Produktion. Siemens entwickelt in Hochfeld rotatorische Verdichter zugeschnitten auf die Anforderung von Kunden weltweit (tailor-made). Detlef Zellmer erklärte grob die Funktionsweise der Maschinen an den verschiedenen Station der Produktion, die sich in einem großen Hallenkomplex mit sieben Hallenschiffen befindet. „Wir produzieren im Drei-Schicht-Betrieb mit 680 Mitarbeitern. Neben Entwicklung und Vertrieb für Prozessverdichter sind hier am Standort auch andere Bereiche der Siemens AG angesiedelt“, erzählte Zellmer. Insgesamt arbeiten fast 2.800 Mitarbeiter bei Siemens in Hochfeld.

80 Meter lang, 40 Meter breit und 35 Meter hoch: Das Mega-Testzentrum am Siemens-Standort in Duisburg-Hochfeld. Hier erlebten die Gäste die Montage und Erprobung großer Verdichterstränge mit bis zu 700 Tonnen Gesamtgewicht. Foto: Siemens AG.

Unter anderem mit ihrem Produktionsstandort in Duisburg-Hochfeld beteiligte sich die Siemens AG an der achten „Langen Nacht der Industrie“. „Der beeindruckendste Teil unserer Produktionsstätte ist mit Sicherheit unser Mega-Testzentrum“, erklärte Detlef Zellmer. Auf zwei geführten Touren sahen sich jeweils zwei Besuchergruppen die große Produktionshalle sowie das erst 2008 eröffnete Testzentrum an. In der großen Halle können komplette Anlagen bis zu einer Gesamtgröße von 700 Tonnen vor Auslieferung auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden. Dafür koppelt man die beiden Kräne mit einer Tragfähigkeit von jeweils 350 Tonnen, um Anlagen in Position zu bringen. „Wo die Verdichter nicht als Teil einer Großanlage geliefert werden, sondern als Einzelstücke, bauen wir die passende Anlage drum herum“, erzählte Zellmer an einer entsprechenden Konstruktion auf dem Prüfstand.

Siemens fördert den Nachwuchs

Ein weiteres Highlight der Tour war der Digitalisierungs-Show-Room des Werks, der Einblicke in sämtliche Herstellungsprozesse gibt und die starke Vernetzung der Produktionsbereiche aufzeigt. Der Raum ist für Mitarbeiter, Besucher und Kunden zugänglich und erst im Dezember vergangenen Jahres eröffnet worden. Foto: Foto: Siemens AG.

In einem eigenen Ausbildungszentrum bildet Siemens pro Jahr bis zu 200 Nachwuchskräfte für sich und vier regionale Kooperationspartner aus. Von den 48 jungen Leuten, die in diesem Jahr bei Siemens angefangen haben, absolviert rund ein Viertel ein duales Bachelor- oder Masterstudium im Bereich Maschinenbau, drei angehende Fachkräfte ein Bachelorstudium in International Management. Die anderen absolvieren eine duale Berufsausbildung als Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker oder Zerspanungsmechaniker, als Industriekaufmann oder sogar Koch. Darüber hinaus bildet Siemens in Hochfeld vier Azubis zum Mechatroniker für externe Partner aus.

Hochfeld: Ein Standort mit Geschichte

Siemens an der Werthauser Straße in Hochfeld am alten Standort der DEMAG. Foto: HI1948 / Wikipedia (CC-BY-SA-3.0).

Vor gut 150 Jahren ließ sich hier die Duisburger Maschinenbau nieder. Aus der Duisburger Maschinenbau AG entstand 1910 im Zusammenschluss mit der Märkischen Maschinenbau-Anstalt L. Stuckenholz AG (Wetter an der Ruhr) und der Benrather Maschinenfabrik GmbH (Düsseldorf Benrath) die DEMAG (Deutsche Maschinenbau-Aktiengesellschaft) als Konzern mit Stammsitz in Duisburg. Die DEMAG verlor 1973 mit der Übernahme durch Mannesmann ihre Selbstständigkeit (Mannesmann-Demag AG). Schon zu Mannesmann-Zeiten wurden Geschäftsbereiche und Firmenteile verkauft. Mit der Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone 2000 löste der neue Eigentümer das Industriegeschäft (Stahl und Röhren, Maschinenbau, Automobilzulieferer) auf und verkaufte es an unterschiedliche Erwerber.

Das Areal der Siemens AG zwischen Werthauser Straße und dem Außenhafen. Foto: Siemens AG.

Das Stammhaus der Demag sowie weitere Aktivitäten der Mannesmann-Industriesparte gingen (zunächst) an Siemens, wo die Sparte Verdichtertechnik unter anderem mit Standort Hochfeld blieb. Dort produziert das Unternehmen Hochleistungskompressoren für die Petro-, Prozess- und die chemische Industrie und vertreibt diese weltweit. Der Standort wurde 2001 in den Siemens-Bereich „Power“ eingegliedert, womit der Name „Demag“ in Duisburg Geschichte war.

Siemens öffnete Werkstore in Dusiburg, Mülheim und Krefeld

Die Eingangshalle von Siemens an der Werthauser Straße in Hochfeld. Foto: Siemens AG.

Zur achten „Langen Nacht der Industrie“ nutzten rund 160 Besucher die seltene Gelegenheit, sich an den Siemens-Standorten Mülheim und Duisburg aus erster Hand mit ausführlichen Blicken hinter die Kulissen über das Unternehmen zu informieren. In jeweils zwei geführten Bustouren bestaunten Teilnehmer die teils gewaltigen Dimensionen der Bauteile und das hohe Maß an Automatisierung und Digitalisierung in den topmodernen Werken.

Erhard Eder, Standortleiter bei Siemens in Mülheim, freute sich über den großen Zuspruch aus der Nachbarschaft: „Die Veranstaltung ermöglicht interessierten Bürgern, Talenten und potenziellen Bewerbern, ein realistisches Bild von Siemens zu erlangen. Der direkte Blick hinter die Kulissen schafft Transparenz und sorgt für Akzeptanz in der Umgebung: Eine vorbildliche Initiative“, freute sich Eder. Der Siemens Standort Mülheim zeigte bei der rund eineinhalbstündigen Werksbesichtigung die Fertigung von Dampfturbinen und Generatoren.

80 Meter lang, 40 Meter breit und 35 Meter hoch: Das Mega-Testzentrum am Siemens-Standort in Duisburg-Hochfeld. Hier erlebten die Gäste die Montage und Erprobung großer Verdichterstränge mit bis zu 700 Tonnen Gesamtgewicht. Foto: Siemens AG.

Auch in Krefeld erlebten die Teilnehmer ebenfalls Siemens-Technik im Einsatz: Der Schaltschrank-Spezialist ATR Industrie-Elektronik GmbH (ATR) präsentierte die verschiedenen Stationen der Schaltschrankfertigung. In den Bereichen Sicherheit und Automatisierungstechnik in der Fertigung liefert Siemens die Technik, um Mensch, Maschine und Umwelt zu unterstützen und vor Gefahren zu schützen.

Mit der Veranstaltungsreihe „Lange Nacht der Industrie“ möchte der „Zukunft durch Industrie e.V.“ als regionale Allianz für Industrie und Nachhaltigkeit die moderne und zukunftsfähige Industrie in der Region Rhein-Ruhr bekannter machen. Seit 2011 beteiligt sich Siemens nun an der Initiative des Verbands „Zukunft durch Industrie e.V.“. Mitgetragen wird die Initiative von den fünf Industrie- und Handelskammern der Region und den Unternehmerverbänden im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Die Siemens AG (Berlin und München) ist ein führender internationaler Technologiekonzern, der seit 170 Jahren für technische Leistungsfähigkeit, Innovation, Qualität, Zuverlässigkeit und Internationalität steht. Das Unternehmen ist weltweit aktiv, und zwar schwerpunktmäßig auf den Gebieten Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Siemens ist weltweit einer der größten Hersteller energieeffizienter ressourcenschonender Technologien. Das Unternehmen ist einer der führenden Anbieter effizienter Stromerzeugungs- und Stromübertragungslösungen, Pionier bei Infrastrukturlösungen sowie bei Automatisierungs-, Antriebs- und Softwarelösungen für die Industrie. Darüber hinaus ist das Unternehmen mit seiner börsennotierten Tochtergesellschaft Siemens Healthineers AG ein führender Anbieter bildgebender medizinischer Geräte wie Computertomographen und Magnetresonanztomographen sowie in der Labordiagnostik und klinischer IT. Im Geschäftsjahr 2017, das am 30. September 2017 endete, erzielte Siemens einen Umsatz von 83,0 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 6,2 Milliarden Euro. Ende September 2017 hatte das Unternehmen weltweit rund 377.000 Beschäftigte. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.siemens.com.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Siemens AG (6) bzw. HI1948 / Wikipedia CC-BY-SA-3.0 (1)

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Jüdische Gemeinde lädt zu Kulturtagen in Duisburg, Mülheim, Oberhausen und Wesel

Die schönen Facetten des jüdischen Lebens in Deutschland
Von Petra Grünendahl

Präsentieren ein „Halleluja“ für Leonard Cohen (v. l.): Yaromyr Bozhenko, Susan Borofsky und Joseph Heid. Foto: privat.

„Das jüdische Leben besteht auch im deutschsprachigen Raum aus schönen Dingen“, betonte Alexander Drehmann, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen. Tiefe Spuren haben Juden auch in der deutschen Kultur hinterlassen. In der Musik zählt neben vielen bekannten klassischen Komponisten hierzu auch der amerikanische Sänger und Songwriter Leonard Cohen (1934-2016). Mit einem „Halleluja“ auf Leonard Cohen wird ein musikalisch-literarisches Projekt im jüdischen Gemeindezentrum am Innenhafen seine Premiere feiern, bevor es auf deutschlandweite Tournee geht: „Wenn wir zum Abschluss ‚Halleluja’ singen, singt der Saal mit“, prophezeite Privatdozent (PD) Dr. phil. L. Joseph Heid, der diesen Programmpunkt moderiert und aus DEN literarischen Texten Cohens zitiert. Für den Gesangspart hatte Heid die in Düsseldorf lebende und in der jüdischen Gemeinde engagierte amerikanische Sängerin und Schauspielerin Susan Borofsky gewinnen können. Am Klavier begleitet der aus der Ukraine stammende Yaromyr Bozhenko die Aufführung. Dieses Programm-Highlight findet am Sonntag, 14. Oktober, um 16 Uhr im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde im Innenhafen statt.

Geschäftsführer Alexander Drehmann im Pressegespräch zu den Jüdischen Kulturtagen. Foto: Petra Grünendahl

Privatdozent Dr. phil. L. Joseph Heid im Pressegespräch zu den Jüdischen Kulturtagen. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum zweiten Mal präsentiert sich die Jüdische Gemeinde, deren Einzugsgebiet über die Namens gebenden Städte hinaus bis nach Dinslaken und Wesel reicht, mit ihren Jüdischen Kulturtagen in der Öffentlichkeit. Alexander Drehmann und Privatdozent Dr. phil. L. Joseph Heid stellten das Programm in einem Pressegespräch vor. Die Jüdischen Kulturtage zeigten, so Drehmann, das Selbstverständnis von deutschen Juden und Juden in Deutschland: Deutsch-jüdische Geschichte geht Jahrhunderte zurück. Der Fall des Eisernen Vorhangs löste Ende der 1980er-Jahre ermöglichte (überwiegend deutsch-stämmigen) Juden, aus ehemaligen Sowjetunion in den Westen zu emigrieren. Auch die jüdische Gemeinde in Duisburg veränderte sich durch diese Zuwanderung.

Die Eröffnung der Jüdischen Kulturtage hatte bereits am vergangenen Wochenende mit dem 2. Profil-Konzert der Duisburger Philharmoniker im Opernfoyer statt gefunden. Das weitere Programm steht dem aber kaum nach. Der Programm-Schwerpunkt liegt in diesem Jahr ganz klar auf der klassischen Musik, zu der jüdische Komponisten viel beigetragen haben. Die Veranstaltungen finden in Duisburg, Mülheim, Oberhausen und Wesel statt.

Klassische Konzerte mit Musikern von Weltrang

Präsentieren ein „Halleluja“ für Leonard Cohen (v. l.): Joseph Heid, Susan Borofsky und Yaromyr Bozhenko. Foto: privat.

„Alle Konzerte sind allererste Sahne“, warb Alexander Drehmann. Nach der Eröffnung durch die Duisburger Philharmoniker stehen noch drei Klavierkonzerte auf dem Programm, in deren Fokus unterschiedliche jüdische Komponisten stehen. Am Donnerstag, 11. Oktober, spielen Albert Mamriev und Elena Tarasova Werke von Grieg, Tschaikowsky und Ravel (18 Uhr im Gemeindezentrum am Springwall 16, Eintritt 10 Euro). Am Donnerstag, 18 Oktober spielen Albert Mamriev und Lezanti van Sittert Werke von Liszt, Brahms und Chopin (19 Uhr im Bürgersaal, Begegnungsstätte Kloster Saarn, Eintritt frei). Und am Montag, 29. Oktober spielen Solga Schnurova und Elelna Lebedeva Werke von Liszt, Saint-Saens, Mendelssohn-Bartholdy, Schwarz und Dunajeweski (19 Uhr in der Aula der Musik- und Kunstschule Wesel, An der Zitadelle 13, Eintritt frei).

Mehr als nur Klassik

Wie die Finger einer ausgestreckten Hand: Das Jüdische Gemeindezentrum im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

„Für viele Programmpunkte konnten wir auf Gemeindemitglieder und Menschen zurückgreifen, die mit unserer Gemeinde verbunden sind“, erklärte Geschäftsführer Drehmann. Das Programm ist vielfältig: Konzerte, Lesungen, Theater und eine Kunstausstellung. Am Donnerstag, 11. Oktober, hält Privatdozent Dr. phil. L. Joseph Heid, der sich mit Veröffentlichungen zur deutsch-jüdischen Beziehungsgeschichte einen Namen gemacht hat, eine Lesung zum Thema „Die Jeckes – Deutsche Juden in Palestina/ Israel“ (18 Uhr im Haus der Stadtgeschichte, Mülheim, Eintritt frei). Mit einem Theaterstück in russischer Sprache ehren die Kulturtage zum 75. Geburtstag den russischen Schriftsteller Sergei Donatowitsch Dowlatow (1941-1990) am Donnerstag, 18. Oktober, um 18.30 Uhr (Gemeindezentrum am Springwall 16). Dieses Stück spricht primäre ältere Gemeindemitglieder an, die mit der russischen Sprache groß geworden sind. „Ihre Kinder und Enkel sprechen untereinander Deutsch, nur mit Eltern oder Großeltern Russisch“, verriet Alexander Drehmann. Bis zum Abschluss der Jüdischen Kulturtage am 31. Oktober dauert die Ausstellung „Was für eine wundervolle Welt“ mit Bildern der Gemeindemitglieder Ludmila und Boris Korzh (im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde).

Hier gibt es das komplette Programm zum Download. Die eine oder andere Veranstaltung ist kostenfrei zugänglich. Der Blick hinein lohnt sich auf jeden Fall …

Für Veranstaltungen im Jüdischen Gemeindezentrum am Springwall 16 ist es aus Sicherheitsgründen für den Einlass unbedingt nötig, seinen Personalausweis bereit zu halten.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), privat (2)

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Ballett am Rhein begeisterte mit Martin Schläpfers „Schwanensee“ bei der Premiere im Theater Duisburg

Chefchoreograph Schläpfer drückte Tschaikowskys Ballett seinen Stempel auf
Von Petra Grünendahl

Martin Schläpfer: Schwanensee – Rubén Cabaleiro Campo, Daniel Vizcayo (Siegfrieds Freunde), Marcos Menha (Siegfried), Alexandre Simões (Benno), Brice Asnar (Siegfrieds Freund). Foto: Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: Schwanensee – Kailey Kaba, Elisabeta Stanculescu, Alexandra Inculet, Feline van Dijken (Schwanen-Frauen). Foto: Gert Weigelt.

Siegfried (Marcos Menha) liebt das Leben und seine Freiheit. Auf seiner Geburtstagsfeier mit Freund Benno (Alexandre Simões) und Leuten aus der Umgebung erinnert ihn seine Mutter (Virginia Segarra Vidal) in Begleitung ihres Zeremonienmeisters (Chidozie Nzerem) an die Brautschau am kommenden Tag: Er soll endlich heiraten, um die Familiendynastie zu sichern. Als er gedankenverloren in den Wald läuft, zieht eine Gruppe von Schwänen an ihm vorbei. Magisch angezogen folgt er ihnen: Odette (Marlúcia do Amaral) lebt mit ihren Freundinnen unter dem Fluch der Schwiegermutter (Young Soon Hue). Nur die Liebe kann sie retten. Siegfried verliebt sich in sie, wird aber mit Odile (Camille Andriot), einer Chimäre getäuscht – und er verrät Odette. Das Märchen endet tragisch, aber gerade das macht den Stoff so spannend als ein hochemotionales und intensives Tanztheater, welches von der ungeheuer physischen Choreographie lebt: Martin Schläpfer hat Märchen-Ballett „Schwanensee“ mit seiner eigenen Tanzsprache und den modernen Tänzertypen seiner Kompanie neu interpretiert. Und er hat dem Werk von Peter Tschaikowsky damit seinen eigenen Stempel aufgedrückt: In Weiß und in Schwarz, im Wechselspiel von Gut und Böse.

Martin Schläpfer: Schwanensee – Marlúcia do Amaral (Odette), Marcos Menha (Siegfried). Foto: Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: Schwanensee – Marlúcia do Amaral (Odette), Marcos Menha (Siegfried). Foto: Gert Weigelt.

Für seinem Ballettabend b.36 hatte sich Martin Schläpfer, Chefchoreograph und künstlerischer Leiter des Ballett am Rhein, den Ballett-Klassiker „Schwanensee“ für eine neue Choreographie vorgenommen. Die Komposition von Peter Tschaikowsky (Pjotr Iljitsch Tschaikowski, 1840 – 1993) gehört zum Repertoire klassischer Ballettkompanien und wurde 1877 im Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführt. Die Partitur von Tschaikowskys „op.20“ ist nie original übernommen worden, die Geschichte immer auch neuen Deutungen unterworfen worden. Schläpfer nahm sich das Wladimir P. Begitschew und Wassili F. Geltzer zugeschriebene Original-Libretto (1877) vor, um seinen Tänzern seine Interpretation des Stoffes auf den Leib zu schreiben. Seine Choreographie, die in der letzten Spielzeit in Düsseldorf ihre Uraufführung erlebte, hat nicht viel mit der traditionellen Choreographie von Marius Pepita und Lev Ivanov von 1895 gemein. Aber gerade das ausdruckstarke Physische – in Verbindung mit der herausragenden Umsetzung durch die Tänzer des Ballett am Rhein – machte die Vorstellung so sehenswert. Den gut dreistündigen hervorragenden Ballettabend (vier Akte mit einer Pause) belohnten die Zuschauer im ausverkauften Theater Duisburg mit Szenenapplaus und mit minutenlangen stehenden Ovationen zum Finale.

Herausragende Akteure

Martin Schläpfer: Schwanensee – Young Soon Hue (Odettes Stiefmutter), Marlúcia do Amaral (Odette), Marcos Menha (Siegfried). Foto: Gert Weigelt.

Ganz hervorragende Tänzer begleiteten fantastisch aufspielende Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Kapellmeister Aziz Shokhakimov. Siegfried Rivinius (Solo-Violine), Friedemann Pardall (Solo-Violoncello) und Verena Plettner (Harfe) setzten zusätzliche musikalische Akzente. Schläpfers Setting ist nicht der prächtige Königshof, wie man ihn aus früheren Schwanensee-Inszenierungen kennt. Vielmehr spielt seine Märchenhandlung in dem weniger aufwändigen Ambiente des Landadels mit seinem überschaubaren Rahmen. Die für die unterschiedlichen Settings der Handlung wandlungsfähige Bühne hat ebenso wie die Kostüme Florian Etti entworfen. Für das Lichtdesign, welches die Bühne so wirkungsvoll in Szene setzt, zeichnet Stefan Bolliger verantwortlich.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:

Martin Schläpfer: Schwanensee – Sonny Locsin (Rotbart), Young Soon Hue (Odettes Stiefmutter). Foto: Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: Schwanensee – Sonny Locsin (Rotbart), Camille Andriot (Odile), Daniel Vizcayo (Siegfrieds Freund), Alexandra Inculet, Irene Vaqueiro (Hofstaat), Rubén Cabaleiro Campo (Siegfrieds Freund). Foto: Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: Schwanensee – Ensemble. Foto: Gert Weigelt.

Fr | 5. Oktober 2018 | 19:30 Uhr,
So | 7. Oktober 2018 | 18:30 Uhr,
Fr | 19. Oktober 2018 | 19:30 Uhr,
Sa | 27. Oktober 2018 | 19:30 Uhr,
So | 4. November 2018 | 15 Uhr,
Fe | 21. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
Sa | 22. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
Mi | 26. Dezember 2018 | 18:30 Uhr und
Di | 8. Januar 2019 | 19:30 Uhr.
Danach geht das Stück für zwei (bereits ausverkaufte) Vorstelllungen zurück an das Opernhaus Düsseldorf.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 17 und 67 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Gert Weigelt, Köln / Deutsche Oper am Rhein

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Loveparade-Strafprozess: Polizeiführer Kuno Simon sagte aus

Nur ein konkretes Gefährdungsszenario
hätte die Veranstaltung verhindern können

Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Schon mit der Öffnung des Geländes und der Vereinzelungsanlagen hatte sich ein großer Besucherdruck aufgebaut“, bestätigte Kuno Simon, der als Polizeiführer am Tag der Loveparade in Duisburg tätig war. Am Morgen der Veranstaltung waren noch Planierraupen auf dem Gelände aufgefahren, um den Boden zu verdichten, während schon ab 9 Uhr die ersten Loveparade-Besucher über den Hauptbahnhof nach Duisburg strömten. Statt um 10 Uhr wurde das Gelände erst nach 12 Uhr geöffnet. Und zu diesem Zeitpunkt hatte sich schon ein massiver Druck vor dem Veranstaltungsgelände aufgebaut, welches auch nach Kuno Simons Aussagen an den Vereinzelungsanlagen zur Karl-Lehr-Straße (an der Düsseldorfer Straße im Westen und der Grabenstraße/Kommandantenstraße im Osten) befand.

Kuno Simon, ehemaliger Polizei-Einsatzleiter, sagte vor Gericht im Loveparade-Strafverfahren aus. Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services.

Im Strafverfahren gegen „Dressler und andere“ hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den seit 2013 pensionierten Polizeibeamten Kuno Simon als Zeugen geladen. Gegen den heute 68-Jährigen war nach der Loveparade zunächst ermittelt worden: Die Ermittlungen wurden allerdings eingestellt. Er sei nicht unmittelbar in den Planungsprozess eingebunden gewesen, räumte Simon ein, so dass er vieles nur aus Berichten von Kollegen erfahren habe. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den damaligen Leitenden Polizeidirektor (LPD) wie gehabt zunächst erzählen: Im Jahr 2007 sei er erstmals mit der Loveparade konfrontiert gewesen, so Simon, als sie ins Ruhrgebiet kommen und 2010 auch in Duisburg stattfinden sollte. Das Gelände des alten Güterbahnhofs („Aurelis-Gelände“) habe er in Augenschein genommen, bevor es endgültig als Veranstaltungsgelände benannt worden war. „Ich war nicht glücklich mit der Wahl des Ortes.“ Und mehr: „In Duisburg gab es nirgends ein Gelände für eine solche Veranstaltung“, bekräftigte Simon. Eine Einschätzung, die der damalige Polizeipräsident Rolf Cebin bekanntlich teilte. Simon schilderte, was er von den Planungen mitbekommen hatte bis zu einer Begehung am Tag vor der Veranstaltung. Am 24. Juli selber habe er die Spätschicht als Polizeiführer übernommen: Ab 12.30 Uhr sei er an seinem Einsatzort gewesen – bis nach Ende der Veranstaltung.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein, von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Nach Simons Erzählung hakte Richter Plein mit Fragen nach, versuchte chronologisch die Planungen, so weit sie Kuno Simon bekannt waren, sowie die Ereignisse am Veranstaltungstag aufzuarbeiten. Plein konfrontierte den ehemaligen Polizeiführer chronologisch mit Aussagen aus der Planung, Aktenvermerken sowie aus den Polizeiprotokollen vom Veranstaltungstag, um seine Aussagen in Kontext zu anderen Aussagen und Ereignissen zu setzen. Sehr ausführlich fragte er insbesondere nach, welche Rolle die einzelnen Angeklagten in der Planung gespielt hatten und wie der Zeuge sie dabei wahrgenommen hatte. Hier konnte der pensionierte Polizeibeamte kaum weiterhelfen, war der doch in die Planungen nicht direkt eingebunden und hatte auch an Sitzungen der Arbeitskreise dementsprechend nicht teilgenommen. Den Eindruck, dass insbesondere die Mitarbeiter der Stadt als Genehmigungsbehörde unter politischem Druck gestanden hätten, die Loveparade in Duisburg möglich zu machen, bestätigte Kuno Simon indes schon. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Verspätete Geländeöffnung sorgten schon früh für Rückstau der Anreisenden

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Als wir am Vortag der Veranstaltung das Gelände besichtigten, wurde dort noch kräftig planiert“, erzählte Simon. Auch Zäume rund um das Veranstaltungsgelände seien noch nicht gezogen worden, die ebenso wie der noch fehlende Sichtschutz zu den Gleisen in der Genehmigung verlangt war. Auf Nachfrage des Richters erklärte Kuno Simon, dass noch Zäune und Absperrungen auf dem Zugang gewesen seien, die dort gar nicht (mehr) hingehört hätten. Angesprochen wurde Simon auch auf die am Veranstaltungstag hinter Zäunen platzierten Polizeifahrzeuge: Die habe er erst vor Ort wahrgenommen (über Hubschrauberkameras). Im Vorfeld sei ihm von dieser Planung nichts bekannt gewesen. Diese abgesperrten Bereiche hatten den Zugang zum Gelände verengt. „Oben war noch genug Platz für mehr Menschen“, bestätigte Simon seinen Eindruck von den Fotos, die die Polizei aus Hubschrauber-Kameras bekommen hatte. Der Durchfluss nach oben war aber nicht da: Die Pusher oben an der Rampe, die Veranstalter Lopavent zu stellen hatte, waren entweder nicht in der Lage, die ankommenden Besucher weiter aufs Gelände locken. Auch der vereinbarte „Löwengang“ (Käfigabsperrung), der abreisende Besucher auf der Karl-Lehr-Straße von dem Strom der Ankommenden trennen sollte, war nicht vorhanden. „Für die Überprüfung der Auflagen für die Genehmigung ist aber nicht die Polizei zuständig. Das liegt in der Verantwortung der Genehmigungsbehörde“, machte Kuno Simon klar.

Die Verantwortung der Polizei

Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.

„Die Polizei war am Veranstaltungstag in drei Einsatzbereichen tätig“, erzählte Kuno Simon. Die beiden ersten Bereiche seien die Wegstrecke vom Bahnhof bis zu den Vereinzelungsanlagen zur Karl-Lehr-Straße an der Düsseldorfer Straße bzw. an der Grabenstraße/Kommandantenstraße gewesen. „Die einzelnen Abschnittsführer auf den Zuwegen hatten weitreichende Entscheidungsbefugnisse für ihren Bereich gehabt“, berichte Kuno Simon. Allerdings hätten die Abschnittsverantwortlichen ihre Entscheidungen kommunizieren müssen, damit alle beteiligten Polizeieinheiten den Stand der Dinge kennen würden.

Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.

Als dritten Bereich identifizierte der pensionierte Polizist oben auf dem Veranstaltungsgelände, wo die Polizei kleine Straftaten wie Diebstähle, Drogen- oder Sexualdelikte zu verfolgen hatte. Der Weg von den Vereinzelungsanlagen bis zur Rampe habe komplett in der Verantwortung von Lopavent gelegen, so Simon. Bei Rückmeldungen, dass es im Tunnel zu voll geworden wäre, hätte Lopavent die in ihrer Verantwortlichkeit stehenden Vereinzelungsanlagen schließen müssen. Für die Menschen, die keinen Einlass zum Gelände bekommen hätten, wäre dann wieder die Polizei zuständig gewesen. Was durch die Vereinzelung durch kam, lag in der Verantwortung des Veranstalters. Ein Polizeieinsatz auf der Karl-Lehr-Straße wäre also nur auf Anforderung durch den Veranstalter und zu dessen Unterstützung möglich.

„Wenn wir im Vorfeld in der Planung ein konkretes Gefahrenpotenzial hätten benennen können, hätte man die Loveparade in Duisburg absagen müssen“, erklärte der damalige Polizeiführer den Rahmen, in dem die Polizei die Veranstaltung hätte verhindern können. „Ein solches konkretes Szenario hatten wir aber nicht!“

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (), André Hirtz / Funke Foto Services (1)

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Stolpersteinverlegungen in Duisburg: Zerstörte Leben mahnen

Sie haben uns unsere deutsche Identität genommen!
Von Petra Grünendahl

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte in Neudorf Stolpersteine für die Familie Katzenstein. Foto: Petra Grünendahl.

„Deutsches jüdisches Leben ist von Bedeutung. Wir Duisburger Juden waren hier und wir sind hier: In der Struktur der Straßen, in der Luft und im Wesen dieser Stadt“, erklärte Catherine Gardner, Tochter von Kurt Katzenstein. „Unsere Körper wurden beseitigt, aber unser Bewusstsein bleibt bestehen!“ Für Kurt Katzenstein, seinen Bruder Edgar und seine Eltern, Dr. Robert und Helga Katzenstein, verlegte der Künstler Gunter Demnig (*1947) Stolpersteine vor dem Haus Ludgeristraße 16 in Neudorf, dem letzten freiwilligen Wohnsitz der Familie. Der Anwalt Dr. Robert Katzenstein war ein angesehenes Mitglied der Duisburger Gesellschaft. Er hatte eine Kanzlei auf der Königstraße. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten bekam er Berufsverbot: „Sie nahmen ihm seine Arbeit und seine Existenz“, so Gardner. In der Pogromnacht 1938 wurde Katzenstein verhaftet und in Dachau inhaftiert. Die Wohnung wurde verwüstet, Wertsachen gestohlen – und die Familie wusste wochenlang nicht, wo Katzenstein war. „Sie wussten, dass sie Deutschland verlassen mussten, um zu überleben“, sagte Gardner. Im Frühjahr 1939 verließen die Katzensteins Deutschland. Sie kehrten nie wieder zurück.

Stolpersteinverlegung für die Familie Katzenstein (v. l.): ein altes Foto von Edgar, Helga, Kurt und Robert Katzenstein. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Verlegung der Stolpersteine für Dr. Robert Katzenstein, seine Frau Helga und Söhne Kurt und Edgar waren zwei der Kinder von Kurt Katzenstein gekommen: Catherine Gardner und ihr Bruder Simon, zusammen mit dessen Frau Linda. Kurt war von seiner Familie getrennt im April 1939 mit einem Kindertransport nach England gelangt. „Harold Abrahams, dessen Geschichte in Chariots of Fire (dt. Die Stunde des Siegers) verfilmt worden war, hatte unseren Vater aufgenommen*“, erzählte Simon Gardner. Im England hatte Kurt den Namen Kenneth Gardner angenommen, mit den deutschen Wurzeln und der Vergangenheit gebrochen. Er heiratete June, mit der er drei Kinder bekam. Kurts Eltern waren im Mai 1939 zusammen mit dem jüngeren Bruder Edgar nach Honduras (Mittelamerika) geflüchtet. Seine Familie hat Kurt nie wieder gesehen.

Auf der Suche nach den deutschen Wurzeln

Stolpersteinverlegung für die Familie Katzenstein (v. l.): Dr. Andreas Pilger (Stadtarchiv), Bürgermeister Volker Mosblech, Simon Gardner, Jörg Weißmann, Catherine Gardner und Linda Gardner. Foto: Petra Grünendahl.

„Sie haben ihm und uns unsere deutsche Identität genommen“, erklärte Catherine Gardner. „Was ist unser Erbe? Wir haben nicht einmal unsere Familiennamen!“ Mit dem Kaddisch, dem jüdischen Totengebet, beendet sie ihre bewegende Gedenkrede zur Verlegung, der neben ihren Angehörigen Jörg Weißmann, 1. Vorsitzender des Hamborner Heimatvereins als Pate der Stolpersteine, Dr. Andreas Pilger (Direktor des Stadtarchivs der Stadt Duisburg), der bei den Recherchen geholfen hatte, und Bürgermeister Volker Mosblech beiwohnten. Der Künstler Gunter Demnig war da schon zur nächsten Stolpersteinverlegung nach Ruhrort weitergezogen.

15 neue Stolpersteine an sieben Orten in Duisburg

Familie Hillmann in Ruhrort: Stolpersteinverlegungen in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

In Ruhrort betrieben die ursprünglich aus der heutigen Ukraine stammenden Jacob und Berta Hillmann ein Bekleidungsgeschäft an der Landwehrstraße 75, wo sie auch wohnten. Mit ihren drei Kindern Gisela, Edwin und Wolfgang mussten sie mehrfach zwangsweise umziehen. Schließlich war die Familie zusammen mit über 800 weiteren Menschen 1942 nach Izbica (Polen) verschleppt und dort ermordet wurden. Die Patenschaft für die Steine übernahm die Familie Daniele, zur Verlegung waren Angehörige aus Israel bekommen.

Ehepaar Brandt in Marxloh: Stolpersteinverlegungen in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

In Marxloh wohnten Erich und Else Brandt an der Bayernstraße 68. Auf der Weseler Straße 48 betrieben sie das Kaufhaus Brandt & Co. Die Nationalsozialisten deportierten sie im Oktober 1941 ins Ghetto nach Litzmannstadt (Lodz, Polen), wo Else Brandt im Juli 1942 starb. Ihren Mann Erich brachten sie ins Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno nad Nerem, Polen), wo dieser im September 1942 starb. Auch für diese Stolpersteine übernahm der Heimatverein Hamborn e. V. die Patenschaft.

Stolpersteine für Homosexuelle

Gunter Demnig bei den Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Nicht nur Juden oder politisch anders Denkende wurden im Dritten Reich verfolgt, sondern u. a. auch Homosexuelle. Vier Stolpersteine verlegte Gunter Demnig für Männer aus Duisburg. Sie wurden alle von der Gestapo verfolgt, verhaftet, unter Druck verhört und gaben in den Verhören die Namen weiterer homosexuell orientierter Männer preis, gegen die die Gestapo dann ebenfalls vorging. Es kam in einer Vielzahl von Fällen zu Anklagen wegen Verstoßes gegen §175 („widernatürliche Unzucht … unter Personen männlichen Geschlechts“). Den §175 gab es auch im Nachkriegsdeutschland im Strafgesetzbuch (StGB): Erst 1969 wurde er entschärft, 1994 dann endlich abgeschafft.

Walter Braumann: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Walter Braumann (1897-1973) wurde 1936 zu einer Haftstrafe von einem Jahr und 3 Monaten verurteilt. Nach der Haftverbüßung fand mit Hilfe seiner angesehenen Kaufmannsfamilie eine neue Arbeitsstelle und überlebte die NS-Zeit. Für den Stolperstein an der Düsseldorfer Straße 95 (heute am Kantpark) übernahm der Verein DUGay e. V. die Patenschaft.

Paul Friedrich: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: DUGay e. V.

Paul Friederich (1909-1945) gestand in den Gestapo-Verhören 1936 eine Vielzahl von sexuellen Kontakten zu Männern. Er wurde als nicht schuldfähig eingestuft, das erste Strafverfahren eingestellt. Bei einem zweiten Gerichtsverfahren 1943 verurteilte man ihn nach §175 zur Einweisung in eine Heil- und Pflegeanstalt. Aus der Anstalt wurde er mit einer Gruppe von „40 geisteskranken Verbrechern“ (so die Aufzeichnungen) im September 1944 in das KZ Mauthausen/Österreich deportiert, wo er als „Sicherungsverwahrter“ kurz vor Ende des Krieges im März 1945 ermordet wurde. Für den Stolperstein an der Rahmer Straße 22 in Alt-Wanheim übernahm Bärbel Bas, MdB, die Patenschaft.

Alfred Ledermann: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Alfred Ledermann (1921-1942) wurde als „asozial und homosexuell“ bezeichnet und nach zwei Gefängnisstrafen wegen §175 in das KZ Sachsenhausen deportiert, wo er bei einer gezielten Mordaktion gegen Homosexuelle im Klinkerwerk im Sommer 1942 ermordet wurde. Für seinen Stolperstein an der Kurz-Heintze-Straße 11 in Bissingheim übernahm Michael Kleine-Möllhoff (Bezirksvertretung Duisburg-Süd) die Patenschaft.

August Zgorzelski: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Der bei Krupp in Rheinhausen arbeitende Schmelzer August Zgorzelski (1904-1944) wurde im August 1941 vor dem Duisburger Landgericht angeklagt und zu Gefängnishaft verurteilt. Nach seiner Haftentlassung nahm ihn die Polizei in Vorbeugehaft. Es folgte die Deportation nach Buchenwald, wo er ermordet wurde. Für den Stein an der Obermauerstraße 81 übernahm ebenfalls Bärbel Bas, MdB, die Patenschaft.
Weitere Informationen findet man unter http://www.stolpersteine-homosexuelle.de.

Familie Hillmann in Ruhrort: Stolpersteinverlegungen in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Seit 2008 organisiert der Jugendring Duisburg e.V. die Stolpersteinverlegungen in Duisburg.

*) In der deutschen Wikipedia steht ja nicht so viel über Harold Abrahams, aber der englischen Wikipedia findet sich im ausführlichen Text folgendes: „During the Nazi regime and war, the couple also fostered two Jewish refugees: a German boy called „Ken Gardner“ (born Kurt Katzenstein),[19] and an Austrian girl named Minka.[20]” (https://en.wikipedia.org/wiki/Harold_Abrahams).

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V. (7), DUGay e. V. (1)