Zweiter Advent bei HKM in Duisburg: Impressionen von der traditionellen Barbarafeier

Impressionen von der Barbarafeier in der Werkshalle von HKM. Fotos: Petra Grünendahl.

Traditionell hatte HKM (Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH) am zweiten Advent zur Barbarafeuer auf sein Werksgelände im Duisburger Süden geladen. Eine sehr pointierte und mit viel Zwischenapplaus bedachte Predigt hielt der Kabarettist Wilfried Schmickler. Den ökumenischen Gottesdienst gestalteten Pfarrer Rainer Kapers (Auferstehungsgemeinde Duisburg Süd) und Pastor Rolf Schragmann (Kath. Gemeinde St. Dionysius). Musikalisch begleiteten der Posaunenchor Großenbaum Rahm, der Chor der Ev. Kirchengemeinde Trinitatis, die Duisburg Voices sowie ein Trio der Duisburger Philharmoniker die Veranstaltung. Mitarbeiter von HKM übernahmen unter anderm die notwendigen Umbauten in der Werkhalle sowie den Aufbau des Vorzeltes und die Bewirtung. Die Kollekte unterstützt in diesem Jahr den Verein Gemeinsam gegen Kälte Duisburg e. V.

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Impressionen von der Barbarafeier in der Werkshalle von HKM. Fotos: Petra Grünendahl.

© 2018 Petra Grünendahl

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4. schauinsland-reisen Lichtermarkt im Landschaftspark Duisburg-Nord: Impressionen

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Impressionen vom 4. schauinsland-reisen Lichtermarkt im Landschaftspark Duisburg-Nord.
Fotos: Petra Grünendahl

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Essen Motor Show: Das PS-Festival 2018 ist gestartet

Tiefer, härter, breiter, schneller –
außergewöhnlicher

Von Petra Grünendahl

Impressionen von der Essen Motor Show 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Tuning, Motor- und Rennsport, Formel 1 und sportliche Serienfahrzeuge, Designstudien sowie Unikate und Kuriositäten stehen im Fokus der Essen Motor Show, aber auch Werkzeug, Tuningteile und Zubehör locken während der zehntätigen Messe die Besucher. Überhaupt kommen Freunde sportlicher, veredelter und individualisierter Fahrzeuge hier auf ihre Kosten. Breiten Raum gewährt man auch Oldtimern (Classic Cars). Die Fans zieht hier das Tuning von den großen Tunern ebenso wie private Tuningfahrzeuge sowie das nötige Zubehör und Werkzeuge. Automobilzulieferer der Segmente Reifen (u. a. Continental, Hankook, Toyo), Felgen und Fahrwerk runden das Angebot ab.

Impressionen von der Essen Motor Show 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Preview Day durften wir einen ersten Blick auf die 51. Essen Motor Show 2018 werfen. Skoda ist als letzter Autohersteller (Importeur) noch selber vertreten und zeigt mit dem Kodiaq RS das stärkste Skoda-SUV aller Zeiten (239 PS). Außerdem am Stand: weitere überwiegend sportlich gestylte aktuelle Modelle sowie sein Rallye-Bolide Fabia R5. Lexus ist mit einem regionalen Händler und überwiegend Hybridfahrzeugen hier vor Ort. Porsche Motorsport und Volkswagen R adressieren das sportlich orientierte Publikum. Die Mercedes FanWorld richtet sich an Film- und Musikfreunde.

Impressionen von der Essen Motor Show 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Freunde der automobilen Individualisierung (auch „Tuning“ genannt), die Schrauber, Bastler und Sammler finden reichlich „Material“ für ihr Hobby. Fahrzeugpflege und Lifestyle-Produkte runden das Angebot ab. Automobile Kunstwerke präsentieren rund 160 Besitzer in der tuningXperience mit einer Sondershow in Halle 1A sowie Halle 3. In Halle 3 zeigt die Essen Motor Show hochklassige „Oben-Ohne“-Fahrzeuge aus dem letzten 60 Jahren sowie Fahrzeuge mit Elektroantrieb, Ladesäulen-Konzepte sowie eAuto-Carsharing – und –Schnuppermiet-Konzepte.

Oldtimer-Fans finden auch (aber nicht nur) sportliche Exemplare sowohl von Händlern als auch private Fahrzeuge überwiegend über Markenclubs, wo sich nicht selten mit den Eigentümern der Fahrzeuge fachsimpeln lässt. Über 500 Aussteller aus 18 Nationen zeigen auf rund 100.000 Quadratmetern Ausstellungsflächen Fahrzeuge, Produkte und Service rund ums Auto.

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Impressionen von der Essen Motor Show 2018

Impressionen von der Essen Motor Show 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Die Essen Motor Show läuft noch bis Sonntag, 9. Dezember 2018. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende von 9 bis 18 Uhr. Die Tageskarte kostet 16 Euro (ermäßigt 13 Euro). Ein Nachmittagsticket (ab 15 Uhr) ist für 10 bzw. 8 Euro zu haben, ein Zwei-Tages-Ticket 28 Euro. An Ticket-Specials gibt es das Girls-Day-Ticket (3. Dezember, nur an der Tageskasse) für 6 Euro, das Vater-Sohn-Ticket (am 7. Dezember, nur mit Söhnen unter 18) für 20 Euro sowie das Ticket4You (vier Personen inkl. Parken, nur im Vorverkauf) für 60 Euro. Parken kostet 9 Euro auf den Parkplätzen in unmittelbarer Nähe sowie auf Messeparkplätzen etwas weiter weg (inklusive Shuttle-Service). Die regulären Tagestickets sind im Vorverkauf (online oder Telefon 0201 / 3101-430) günstiger. Weitere Ticket-Variationen und Infos gibt es unter www.essen-motorshow.de. Der Ticket-Vorverkauf läuft über den Ticketservice der Messe Essen .

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Marketing-Club Duisburg-Niederrhein informierte sich bei schauinsland-reisen

Vom Ladenlokal eines Wohnhauses zum
stetig wachsenden Standort im Innenhafen

Von Petra Grünendahl

Club-Präsident Marco Pfotenhauer (r.) und Executive Director Andreas Rüttgers (l.) beim Treffen des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein bei der schauinsland-reisen GmbH im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

„Als ich vor 25 Jahren hier angefangen habe, waren wir noch mit 17 Mitarbeitern in Marxloh auf der Weseler Straße im ehemaligen Wohnhaus der Kassners untergebracht“, erzählte Andreas Rüttgers, Executive Director Produktmanagement des Duisburger Reiseanbieters schauinsland-reisen. „Zum Schluss hatte der Chef das Büro in seinem ehemaligen Kinderzimmer“, so Rüttger. Als der Standort in Marxloh zu klein wurde, zog man 2006 an den Rand des Innenhafens: „Dieses Areal war damals noch nicht Teil des Innenhafens, so dass es für uns erschwinglich war.“ Seit der Ansiedlung hat schauinsland-reisen mehrfach erweitern und neue Verwaltungsgebäude anbauen müssen. Hier arbeiten heute rund 500 von weltweit 1.000 Mitarbeitern.

Club-Präsident Marco Pfotenhauer (r.) und Executive Director Andreas Rüttgers (l.) beim Treffen des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein bei der schauinsland-reisen GmbH im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

Bei der schauinsland-reisen GmbH im Duisburger Innenhafen informierten sich Mitglieder des Marketing-Club Duisburg-Niederrhein über das Unternehmen, seine Unternehmenskultur und seinen Weg zum Erfolg: Rund 100 Jahre nach Gründung ist schauinsland-reisen sechstgrößter Flugreiseveranstalter in Deutschland und einer der größten Pauschalreiseveranstalter Europas. „Früher waren wir das Unternehmen, das Busreisen in den Schwarzwald angeboten hat. Und das waren wir für die Leute auch dann noch, als wir diese schon zehn Jahre nicht mehr im Programm und unseren Schwerpunkt bei den Flugreisen hatten“, berichtete Rüttgers. „Was wollen die Kunden?“ sei die zentrale Frage der Produktplanung. „Wir waren die ersten, die Urlaub in kinderfreien Hotels angeboten. Dass wir das durften, mussten wir vor Gericht durchsetzen“, erzählte der Produktmanager. Und als Teil der Zielgruppe hätten sich sogar Eltern herauskristallisiert, die ihre Kinder bei den Großeltern lassen, um alleine (und ohne Kinder) Urlaub zu machen. „Natürlich haben wir auch Familienhotels für den gemeinsamen Urlaub.“ Für den Vertrieb von Urlaubsreisen setzt schauinsland-reisen ganz klassisch fast ausschließlich auf Reisebüros: „Wir bauen auf eine verlässliche Partnerschaft, denn diese Reisebüros haben uns groß gemacht“, so Rüttgers. „Wir wollen ein fairer Ansprechpartner für unsere Reisebüropartner wie für unsere Kunden sein.“ Aus den rund 50.000 Urlaubsgästen pro Saison Anfang der 1990er-Jahre wurden über 1,6 Mio. im Touristikjahr 2017/18 mit 1,34 Milliarden Euro. Die Zuwachsraten der vergangenen Jahre waren zweistellig.

Vielfältiges Engagement für den Standort

Executive Director Andreas Rüttgers referierte beim Treffen des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein bei der schauinsland-reisen GmbH im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

Einen Namen über den Urlaub hinaus haben sich die Reiseveranstalter aus dem Innenhafen unter anderen über verschiedene Events gemacht. Dazu zählen die Rekord-Sandburg und das Namenssponsoring des Lichtermarktes im Landschaftspark Duisburg-Nord und das City-Slide in der Innenstadt sowie Beteiligungen beim Drachenbootrennen im Innenhafen oder beim TargobankRun. Das Familienunternehmen wird heute in der dritten Generation von Gerald Kassner als geschäftsführendem Gesellschafter geführt, die vierte Generation steht schon in den Startlöchern: Eine Kontinuität, die das immer noch rasant wachsende mittelständische Unternehmen braucht.

Executive Director Andreas Rüttgers referierte beim Treffen des Marketing-Clubs Duisburg-Niederrhein bei der schauinsland-reisen GmbH im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

Zu den Geheimnissen des Erfolges gehöre auch der gute Zusammenhalt der Mitarbeiter, so Rüttgers: „Das Miteinander spielt eine große Rolle und wird von der Geschäftsführung gefördert.“ Stark deklinierte Strukturen gebe es nicht. „Alle, die im Laufe des Jahres neu ins Unternehmen gekommen sind, führen bei der Weihnachtsfeier gemeinsam was vor. Das gilt für alle Neuen: Führungskräfte wie Auszubildende.“ Das Unternehmen fördert gemeinsames Engagement zu sozialen Zwecken ebenso wie beim Sport. Das bindet die Mitarbeiter ans Unternehmen. Lange Firmenzugehörigkeiten sind die Regel!

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Museum DKM in Duisburg zeigt Peter Royen: Wiederentdeckt!

Schwarz und Weiß:
Endeckung plastischer Welten

Von Petra Grünendahl

Plastische Oberflächen: Werke von Peter Royen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

„Horizonte“ oder „Felder“ heißen die Bilderserien, die das Museum DKM unter dem Titel „Wiederentdeckt!“ präsentiert. Seine überwiegend großformatigen Bilder sind zumeist in Weiß oder Schwarz gehalten: Die symmetrisch gestalteten Werke wirken durch ihre plastische Oberfläche, dass man fast versucht ist, sie anzufassen. „Im Bestand eines Kölner Sammlers haben wir Peter Royen entdeckt: Wir kannten diesen Künstler noch gar nicht“, erzählte Klaus Maas. „Wir haben den ganzen Nachlass bei der Witwe einsehen können.“ Der namhafte und (auch in seiner deutschen Heimatstadt Düsseldorf) mehrfach geehrte Künstler ist in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten (u. a. auch im Lehmbruck Museum), einige Werke hat Maas als Leihgaben für die Sonderausstellung gewinnen können. Aus über 80 Werken wählten die Duisburger Kunstsammler 44 Arbeiten aus, die beispielhaft eine nachhaltige Rolle in seinem Lebenswerk spielen.

Plastische Oberflächen: Werke von Peter Royen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Das Museum DKM zeigt Werke des deutsch-niederländischen Künstlers Peter Royen (1923-2013) aus fünf Jahrzehnten. Die Kunstsammler und Museumsstifter Klaus Maas und Dirk Krämer stellten die neue Sonderschau in den Wechselausstellungsräumen des Museums im Dellviertel vor. Der Holländer war 1946 von Amsterdam nach Düsseldorf gegangen, um bei Otto Pankok an der Kunstakademie zu studieren. „Er hat sich im Nachkriegs-Holland damit nicht nur Freunde gemacht“, erklärte Dirk Krämer. In Düsseldorf ließ er sich schließlich nieder, schlug Wurzeln und heiratete. Royen war in mehreren Künstlergruppen (Rheinische Sezession, Gruppe 53, Malkasten oder Gruppe Europa) engagiert und bemühte sich auch um Weiterentwicklung seiner Künstlerfreunde und der Förderung von jungen Künstlern.

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Museum DKM

Plastische Oberflächen: Werke von Peter Royen im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Peter Royens Werke sind bis zum 17. März 2019 zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 5 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (7 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Weitere Infos gibt es hier.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Loveparade-Strafprozess: Leitender Polizeibeamter am Unglücksort sagte aus

Polizeiketten ließen das Unglück eskalieren
Von Petra Grünendahl

Ein Polizeibeamter sagte im Gerichtssaal in Düsseldorf zur Loveparade-Katastrophe aus: Er war bei der Loveparade unter anderem für die Zugangsbereiche Tunnel und Rampe zuständig. Foto: André Hirtz / Funke Foto Services.

Er könne sich nicht mehr an alles erinnern, sagte Dirk H. Viel habe er seitdem über die Vorkommnisse gelesen und vieles – auch Erlebnisse und Aussagen anderer – habe sich mit seinen Erinnerungen vermischt. Für ihn sei es nach so langer Zeit schwierig, dies wieder auseinander zu halten, so der 49-Jährige. Gegen 10 Uhr habe er 24. Juli 2010 erfahren, dass er kurzfristig den Einsatzabschnitt des ausgefallenen Kollegen Kaiser übernehmen sollte. Der Polizeibeamte war damit bei der Loveparade zum Unglückszeitpunkt zuständig für den Einsatzabschnitt, der auch Tunnel und Rampe umfasste. Noch bevor er nach Dienstantritt im Container des Crowdmanagers eingetroffen sei, sei ihm mitgeteilt worden, dass der Veranstalter die Vereinzelungsanlagen unkoordiniert öffnen und schließen würde – ohne Abstimmung mit denen, die einen Überblick über die Lage in Tunneln und auf der Rampe hätten.

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hatte den Polizeibeamten H. im Verfahren gegen „Dressler und andere“ als Zeugen geladen. Seine Verantwortung deckte auf Seiten der Polizei in Teilen mit der des Crowdmanagers Dr. Carsten Hesse, der für den Veranstalter Lopavent für den gesamten Einlassbereich zuständig war. Carsten Hesse war an den Verhandlungstagen zuvor vernommen worden. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Kommunikationsprobleme und Polizeiketten

Der Vorsitzende Richter Mario Plein, von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Nachdem der Vorsitzende Richter Mario Plein den Polizeibeamten wie gehabt zunächst hatte erzählen lassen, befragte er ihn: Dabei versuchte Plein, Einzelheiten, frühere Aussagen und Aussagen anderer an Planung und Sicherung der Veranstaltung Beteiligter mit den jetzigen Aussagen H.s in Verbindung zu bringen, Zusammenhänge herauszuarbeiten und deutlich zu machen. Immer wieder sprach H. von nicht funktionierender Kommunikation: Netzstörungen im Mobilfunknetz, Lärm, der Gespräche – auch über Funkgerät unmöglich machte.

Nicht ganz übereinstimmend sind die Aussagen, wo Crowdmanager Hesse eine Polizeikette auf der Rampe haben wollte: Polizist H. zeigt etwa auf die Mitte der Rampe. Hesse hatte auf das obere Ende verwiesen, um den Stau am oberen Ende der Rampe aufzulösen und die Menschen an den vorbei ziehenden Floats auf das Gelände zu schieben: „Dort hätten wir aber die Arbeit der Pusher [Ordner des Veranstalters] übernommen“, so der 49-jährige Polizist. Statt der rund 100 Pusher waren vermutlich gerade eine Handvoll in Einsatz: Auf jeden Fall viel zu wenig, um im Ansatz die gestellte Aufgabe zu erfüllen. Zumal: „Die Leute waren doch oben an der Rampe an den vorbeiziehenden Floats genau dort, wo sie hinwollten. Warum hätten sie weiter südlich aufs Gelände gehen sollen – weg von der Loveparade.“

August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Als dann größere Gruppen von Besuchern die Veranstaltung verlassen wollten, sei die Polizeikette auf der Rampe selber in den Druck der Masse geraten, erzählte H. Nachdem er vom Container aus auf das Gelände südlich der Karl-Lehr-Straße geklettert war, habe er einen guten Überblick gehabt: „Die Menschenmasse wogte, als da kein Durchkommen mehr war.“ Wer die Polizeikette im Tunnel veranlasst hatte, konnte H. nicht sagen: „Die Tunnel sollten frei bleiben. Wir mussten verhinderen, dass es im Durchgang stockte.“ Die Tunnel wurden zum akuten Problem, als es auf der Rampe nicht mehr weiter ging und Menschenmassen überwiegend von Westen in den Tunnel strömten, nachdem dort die Vereinzelungsanlagen dem Druck von der Düsseldorfer Straße nicht mehr stand gehalten hatten und geöffnet wurden.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: André Hirtz / Funke Foto Services (1), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1), Petra Grünendahl (2)

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Deutsche Oper am Rhein: Premiere von „Otello“ begeisterte im Theater Duisburg

Requiem für einen kranken Geist
Von Petra Grünendahl

Brigitta Kele (Desdemona), Gustavo Porta (Otello). Foto: Birgit Hupfeld.

Siegreich kehrt der Venezianer Otello (Gustavo Porta) mit seiner Flotte in Sturm und Gewitter nach Zypern zurück. Dort erwartet ihn Desdemona (Brigitta Kele). Obwohl der „Mohr von Venedig“ erfolgreich ist – er hat es vom Sklaven zum General gebracht, ist mit der schönen Desdemona verheiratet –, plagen ihn Selbstzweifel. Seinen Erfolg kann er nicht genießen, obwohl ihn Desdemona von Herzen liebt. Nachdem Otello Cassio (Ibrahim Yesilay) statt Jago (Simon Neal) befördert hat, sinnt Letzterer auf Rache. Mit seinem Intrigen hat er bei dem zutiefst verunsicherten und hochemotionalen Otello leichtes Spiel: Desdemona betrüge ihn mit Cassio, so Jago, der falsche Fährten legt, um den angeblichen Betrug zu belegen. Otello glaubt ihm und zweifelt an der Treue seiner Frau. Er erwürgt die Frau, die ihn liebt, und ersticht schließlich sich selbst, nachdem Emilia (Katarzyna Kuncio) ihn über Jagos Intrige aufgeklärt hat.

VORNE: Gustavo Porta (Otello), Simon Neal (Jago). HINTEN: Brigitta Kele (Desdemona). Foto: Birgit Hupfeld.

Giuseppe Verdis (1813 – 1901) vorletzte Oper „Otello“, die 1887 in der Mailänder Scala ihre Uraufführung feierte, erlebte eine zu Recht umjubelte Premiere im Theater Duisburg. Für das Libretto hatte Verdi erstmals mit Arrigo Boito zusammen gearbeitet. Als Stoff griffen sie auf William Shakespeares „The Tragedy of Othello, the Moor of Venice“ zurück. In italienischer Sprache gesungen erleichtern deutsche Untertitel das Verständnis der Handlung. Mit 2¾ Stunden (inklusive Pause) hat der Opernabend Überlänge. Das lyrische Drama in vier Akten in der Inszenierung von Michael Thalheimer entstand als Koproduktion mit der Opera Vlaanderen (Antwerpen).

Herausragende Brigitta Kele als Desdemona

Ibrahim Yesilay (Cassio), Simon Neal (Jago). Foto: Birgit Hupfeld.

Als „Gegenspieler“ glänzten Tenor Gustavo Porta (als der von Selbstzweifeln zerfressene Otello) und Bariton Simon Neal (als böswilliger, intriganter Jago). Die Sopranistin Brigitta Kele brillierte in einer Rolle, die ihr auf den Leib geschnitten ist: die leidenschaftlich liebenden Desdemona. Hervorragend sangen und agierten auch die Darsteller der kleineren Rollen, die allesamt hochklassig besetzt waren. Verdis temporeiche Komposition mit stillen wie ungeheuer wuchtigen Passagen meisterten fantastisch aufgelegte Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Gast-Dirigent Antonino Fogliani. Bei Verdis großartigen Chorszenen glänzte der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski.

Schwarze, fast finstere Inszenierung

VORNE: Brigitta Kele (Desdemona). HINTEN (von l. n. r.): Katarzyna Kunico (Emilia), Ibrahim Yesilay (Cassio), Lukasz Konieczny (Lodovico), Gustavo Porta (Otello), Luis Fernando Piedra (Rederigo), Simon Neal (Jago), Chor. Foto: Birgit Hupfeld.

Michael Thalheimers Otello ist als Figur tragisch: Von Selbstzweifeln zerfressen lässt er sich Misstrauen gegen die Treue seiner Frau einpflanzen, von der er sich bis zum tödlichen Ende nicht abbringen lässt. Er ist gefangen in seiner vermeindlichen „Unzulänglichkeit“ und sich selbst der größte Feind: Unbeherrscht und emotional, zum Erfolg verdammt. Als „Dunkelhäutiger“ ist er anders als die anderen. Die Saat des Misstrauens gegen Desdemona, die Jago mit seinen Intrigen pflanzt, geht auf: Fast krankhaft ist Otellos Eifersucht, die aus seiner Unsicherheit wächst. Regisseur Thalheimers „Otello“ ist schwarz gehalten: die Bühne von Henrik Ahr, die Kostüme von Michaela Barth transportieren die Finsternis der Inszenierung: Eine Finsternis, die erst aufbricht, als Emilia die Intrige ihres Mannes offenbart. Wirkungsvoll sparsam ist diese Finsternis in Szene gesetzt vom Lichtdesign Stefan Bolligers.

Ein kleiner Vorgeschmack:


Brigitta Kele (Desdemona), Gustavo Porta (Otello). Foto: Birgit Hupfeld.

VORNE: Brigitta Kele (Desdemona), Katarzyna Kunico (Emilia), Ibrahim Yesilay (Cassio), Gustavo Porta (Otello) HINTEN: Lukasz Konieczny (Lodovico), Chor. Foto: Birgit Hupfeld.

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Di | 20. November 2018 | 19:30 Uhr,
Fr | 23. November 2018 | 19:30 Uhr,
Sa | 1. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
So | 9. Dezember 2018 | 15 Uhr und
Mi | 12. Dezember 2018 | 19:30 Uhr.
Ab April ist das Stück wieder im Opernhaus Düsseldorf zu sehen.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 17 und 67 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Birgit Hupfeld Fotografie / Deutsche Oper am Rhein

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MKM Museum Küppersmühle zeigt Emil Schumacher „Inspiration und Widerstand“

Wuchtige Farben und physische Präsenz
Von Petra Grünendahl

Die Besucher begrüßt ein Foto das nachgestellten Ateliers im Emil Schumacher Museum in Hagen. Foto: Petra Grünendahl.

Palmarum: Emil Schumacher im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

„Emil Schumacher hat Farben zu seiner Muse ermacht“, erklärte Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling. „Nach dem zweiten Weltkrieg war es sein Anspruch, den ‚Mief der Vergangenheit freizuschlagen’, die neue Freiheit auszuleben“, so Smerling. Der aus Hagen stammende Informel-Künstler arbeitete viel mit Öl auf Leinwand, später auf Holz. Pastos aufgetragene Farben und Materialien lassen die Werke ebenso dreidimensional wirken wie Bearbeitung der Holz-Untergründe mit Hammer oder anderen Werkzeugen. Roh, fast archaisch wirken besonders die abstrakten Arbeiten seiner mittleren Schaffensphase. Die physische Präsenz in seinen Bildern betonte auch Kuratorin Dr. Eva Müller-Remmert, die zusammen mit dem MKM-Direktor die Sonderausstellung im Pressegespräch vorstellte: „Er nutzte das Material als Gestaltungsmittel und zog Inspiration aus der Haptik von Oberflächen.“

Kuratorin Dr. Eva Müller-Remmert und Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling stellten die Werkschau Emil Schumachers im MKM Museum Küppersmühle vor. Im Hintergrund Emil Schumachers „Palmarum“.. Foto: Petra Grünendahl.

Petros II: Emil Schumacher im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.


Kuratorin Dr. Eva Müller-Remmert mit den Zwillingswerken Atlanta 1 (r.) und Atlanta (l.). Foto: Petra Grünendahl.

Sodom: Emil Schumacher im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Mit Emil Schumacher (1912-1999) zeigt das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst einen der wichtigsten Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst. Die Werkschau in Duisburg ist mit 80 Arbeiten aus gut 50 Jahren künstlerischen Schaffens die größte Retrospektive seit 20 Jahren und die bislang umfangreichste in NRW. Der Künstler ist weltweit in über 60 Kunstsammlungen vertreten. Neben Werken aus der (hauseigenen) Sammlung Ströher stammen viele Arbeiten vom Emil Schumacher Museum seiner Heimatstadt Hagen sowie weitere von kleineren (auch privaten) Sammlern. Insgesamt 80 überwiegend großformatige Werke sind in den hohen Erdgeschossräumen zu sehen, die mit ihren großzügigen Dimensionen diese Werke besonders gut -zur Geltung bringen.

„Bildmaterial und Bildmaterie: Das eine steht am Anfang, das andere am Ende. Das Material bedeutet Inspiration und Widerstand zugleich. Aus dem Wesen, aber auch am Widerstand des Materials formt sich das Bild. Der Charakter des Bildes kann nicht nur der seiner Materialien sein.“ – Emil Schumacher, 1972 –

Zur radikalen Neuausrichtung abstrakter Malerei nach dem zweiten Weltkrieg trug Emil Schumacher mit seiner innovativen Bildsprache auch in der internationalen Wahrnehmung bei. Seine Arbeiten seien bestimmt von emotionaler Gestik und spontanen Schaffensprozessen, von der Loslösung der Farbe von der Form und der Linie vom Motiv sowie vom Verletzen des Malgrundes und dem Vordringen der Malerei in die dritte Dimension, so Müller-Remmert. „Der Bildträger ist für Schumacher keine Kompositionsfläche, sondern ein Aktionsraum.“ Das trage zur urwüchsigen Ausstrahlung der Bilder bei, die häufig an archaische Naturlandschaften und -gewalten erinnern.

Zur Ausstellung ist ein umfassender Katalog erschienen mit Beiträgen von Katharina Henkel, Christian Spies und Eva Müller-Remmert. Das 144-seitige Buch ist an der Museumskasse für 25 Euro erhältlich (Wienand Verlag, Köln, ISBN 978-3-86832-457-0).
 
 
 
Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

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Mabudan: Emil Schumacher im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Die Arbeiten von Emil Schumacher sind bis zum 10. März 2019 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Die Dauerausstellung ist wegen der Arbeiten am Erweiterungsbau (Eröffnung Ende 2019) aktuell nicht zu besichtigen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung.

Tastobjekt: Emil Schumacher im MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Als Begleitprogramm zur Ausstellung findet am Donnerstag, 17. Januar 2019, um 17 Uhr eine Führung der Reihe „Kunst und Genuss“ durch die Ausstellung statt: inklusive Getränk und Imbiss zum Ausklang im Restaurant Küppersmühle beträgt der Teilnahmepreis 21 Euro (Anmeldung unter http://www.museum-kueppersmuehle.de/informatîon/veranstaltungsprogramm). Die Gesprächsreihe „Kunst trifft …“ führt das MKM am 3. Februar 2019 zum Thema „Kunst“ weiter (11 Uhr, 10 Euro inkl. Eintritt). Und schließlich steht am 14. Februar 2019 um 18.30 Uhr der Filmabend „Emil Schumacher“ auf dem Programm. Kostenlose Besucherführungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr (maximal 30 Teilnehmer, frühzeitiges Erscheinen ist empfohlen). Mehr Informationen ebenso wie die Kontaktdaten zur Anmeldung gibt es auf den Internet-Seiten des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Museum DKM in Duisburg zeigt Dorothee von Windheims „Sebastian – Chronik einer Arbeit“

Wie die Wunden im Körper des Heiligen
Von Petra Grünendahl

Dorothee von Windheims Sebastian-Tuch im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Klaus Maas und Dorothee von Windheim an der Vitrine mit den Sebastian-Tuch. Foto: Petra Grünendahl.

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Dorothee von Windheims Sebastian-Tuch im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Das Baumwolltuch in Türkischrot mit umstickten Löchern erinnert abstrakt an die Wunden des Heiligen Sebastian mit seiner von Pfeilen durchbohrten Brust. Ausgang war schon vor Jahrzehnten die Beschäftigung mit Bäumen und Abdrücken von Rindenstrukturen als Grundlage der künstlerischen Arbeit. Vor wenigen Jahren sei sie „rückfällig“ geworden, so erzählt die Künstlerin Dorothee von Windheim: Auf dem Kapuzinerberg in Salzburg. Anonyme Rindenschnitzer hatten Leibeszeichen aller Art in die Baumstämme des Bergwaldes geschnitten. Als sie Abdrücke von geschnitzten Bäumen nahm, bemerkte sie einen ganz anders gezeichneten: Seine Borke war mit tiefen Löchern übersät: „Ich habe sie erst für Einschusslöcher gehalten, wurde vom Forstmeister jedoch aufgeklärt, dass es sich um Frostrisse handeln würde“, berichtet von Windheim. Diese „Verletzungen“ hätten bei ihr Assoziationen zum Heiligen Sebastian hervorgerufen. Erst Jahre und Inspirationen später verarbeitete sie das bettlakengroße Tuch mit den Abdrücken weiter. Mit Lochstickereien nahm sie die Rindenschnitzereien auf, die Innenräume schnitt sie aus. Zunächst gab es Probearbeiten mit weißem Stoff, dann mit festeren Stoffen in modernem Rot. Für das schlussendliche Werk suchte sie einen Stoff in Kirschrot – „Rot ist eine vielschichtige Farbe“, so die Künstlerin –, den sie schließlich bei eBay ersteigern konnte. Das fertige Stück ist zwar mit Lochstickereien übersäht, aber nicht alle sind ausgeschnitten. Das habe sich in den Arbeitsprozessen so ergeben, erzählt von Windheim. Die Vitrinenarbeit steht im Zentrum der Raumgestaltung. An den Wänden findet der Besucher Erklärungen und Beispiele für die einzelnen Stationen der Entstehung des Werks.

Dorothee von Windheim im Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums, welches das Museum DKM bald am Standort Günterstraße feiern kann, haben Sammler Klaus Maas und Dirk Krämer der Künstlerin Dorothee von Windheim (*1945) den Raum für eine Sonderausstellung neu gestaltet. Schon lange gehören Werke der Künstlerin zur Sammlung der beiden, einige hängen auch in der Dauerausstellung. Im Pressegespräch stellte Kunstsammler und DKM-Stifter Klaus Maas die Künstlerin Dorothee von Windheim und ihr Werk vor. Die Ausstellung „Sebastian – Chronik einer Arbiet“ eröffnet am Samstag, 10 November im Museum DKM.

Museum DKM

Kunstsammler und Stiftungsgründer Klaus Maas vom Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Die Werkschau „Sebastian – Chronik einer Arbeit“ der Künstlerin Dorothee von Windheim ist bis zum 7. Juli 2019 zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr. Am Samstag, 17. November, bleibt das Museum DKM aufgrund einer privaten Veranstaltung geschlossen. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 5 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (7 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Weitere Infos gibt es hier.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Lehmbruck Museum in Duisburg: Vor Ort 2018 neben Oskar Schlemmer und Expressionismus

Duisburgs Künstlerszene präsentiert sich
Von Petra Grünendahl

Hinter Ulrike Waltemathes „Kontakt“: Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla (4. v. l.) mit einigen Künstlern der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Vielfältig und lebendig ist die Duisburger Künstlerszene. Das zeigt die Ausstellung „Vor Ort 2018“, die in Duisburg heimischen Künstlern ein Podium bietet, ihre aktuellen Arbeiten zu präsentieren. „122 Künstler haben ihre Werke einer Jury vorgestellt, die 34 von ihnen für die Werkschau ausgewählt hat“, erzählte Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Das Spektrum umfasst nicht nur unterschiedlichste Bereiche künstlerischen Schaffens – Malerei und Zeichnung, Fotografie, Skulptur, Video und Installation –, sondern erstreckt sich auch über die Generationen. In manchen Werken finden sich auch bildliche Bezüge zu Duisburg Die Ausstellung verstehe sich als aktuellen Beitrag zur Kultur der Stadt, so Dinkla.

Ausstieg aus der Kohlenförderung: Wohin geht die Reise? fragt Will Brands „Wagenlenker“ auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Annette Erkelenz (hinten) und Fritz Josef Haubner auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Gleich drei Ausstellungen eröffnet das Lehmbruck Museum am Samstag, 10. November, im Anbau des Museums: „Vor Ort 2018“, die diesjährige Ausstellung der IG Duisburger Künstler (um 16 Uhr) sowie die Kabinettausstellung „Oskar Schlemmer: 100 Jahre Bauhaus“ und die Sammlungspräsentation „Meisterwerke des Expressionismus“ (beide um 15 Uhr). Den Hauptteil der neuen Präsentationen nehmen die Duisburger Künstler ein, die den größten Teil der Räume in Anbau belegen: Neben dem Foyer das Gebäudes auch den großen Sonderausstellungsraum. Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla stellte die Sonderschau im Pressegespräch zusammen mit Kurator Jörg Mascherrek (Juryvorsitz) und Alexander Voß (Jurymitglied, Sprecher der IG Duisburger Künstler) vor. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: Auf 86 Seiten mit 34 farbigen Abbildungen stellen die IG Duisburger Künstler und das Lehmbruck die beteiligten Künstler** und ihre Werke vor. Das Buch ist zum Preis von 7,50 Euro an der Museumskasse erhältlich.

Weitere Sonderschauen im Anbau

„Ohne Titel“ (Messing-Patronenhülsen auf Stahlblech) von Pia Winkenstern auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Breiten Raum in Anbau nimmt die Ausstellung der Duisburger Künstlerszene ein, die Dreiecksräume außen hat das Lehmbruck Museum mit Werken anderer Künstler bestückt. In zwei Räumen hängen die Expressionisten aus der eigenen Sammlung: unter anderem Werke von Wilhelm Lehmbruck, August Macke, Emil Nolde, Max Pechstein, Otto Müller und Oskar Schlemmer. Einen dritten Raum präsentierte das Museum Werke von Oskar Schlemmer als Teil des Bauhaus-Jubiläums in NRW „100 jahre bauhaus im westen“. Die Kabinettausstellung mit Oskar Schlemmer zeigt einen der einflussreichsten und vielseitigsten Künstler des Bauhauses. Schlemmer war nicht nur als Maler, sondern auch als Grafiker, Bühnenbildner, Choreograf, Wandgestalter und Bildhauer tätig.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Das war einmal ein Baum im Kant-Park: „Queen of Performance“ von Roger Löcherbach auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderschauen im Anbau des Lehmbruck Museums sind bis zum 17. Februar 2019 zu sehen. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Fritz Josef Haubner (vorne), Fee Brandenburg, Magdalena Bitniok und Barbara Deblitz (hinten v. l.) auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag; sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de sowie im Veranstaltungskalender.

Magdalena Bitniok auf der Ausstellung der IG Duisburger Künstler „Vor Ort 2018“. Foto: Petra Grünendahl.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

(**) Die an der Ausstellung beteiligten Duisburger Künstler: Magdalena Bitniok, Christina Böckler, Christoph Breitmar, Fee Brandenburg, Will Brands, Barbara Deblitz, Jochen Duckwitz, Annette Erkelenz, Susan Feind, Gabriella Fekete, Klaus Florian, Agnes Giannone, Manfred Gliedt, Fritz Josef Haubner, Andy Hellebrand, Anna Irma Hilfrich, Friederike Huft, Michael Kiefer, Gert Kiessling, Barbara Koxholt, Roger Löcherbach, Kerstin Müller-Schiel, Joachim Poths, Ralf Raßloff, Walter Schernstein, André Schweers, Cornelia Schweinoch-Kröning, Hermann Sommerhage, Doris Lydia Stark, Regine Strehlow-Lorenz, Ralf Thiesen, Annik Traumann, Ulrike Waltemathe, Pia Winkenstern.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Loveparade-Strafprozess: Der damalige Crowdmanager Dr. Carsten Hesse sagte aus

Auf einmal lief die Rampe voll
Von Petra Grünendahl

Im Zeugenstand vor dem Landgericht Duisburg: Dr. Carsten Hesse war als Crowdmanager bei der Loveparade 2010 in Duisburg im Einsatz. Foto: Lars Fröhlich / Funke Foto Services.

„Ich hatte Todesangst“, erzählte Dr. Carsten Hesse. Seine Stimme klingt nicht mehr so fest, als er beschreibt, was um seinen Container unten an der Rampe (an der Wand auf der anderen Straßenseite) während der kritischen Phase auf der Loveparade 2010 in Duisburg passierte. Als sich die Rampe immer mehr füllte, suchten Menschen nach Auswegen. So drückten sie auch gegen die Bauzäune, die um den Container herum standen. „Wir ließen einzelne ein – einen Rollstuhlfahrer, Menschen kurz vor dem Kollaps –, damit sie über eine Leiter auf dem Dach des Containers aufs Gelände gelangen. „Ich hatte Angst, dass die Massen uns unter den Zäunen erdrücken.“

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

In den Zeugenstand hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg im Verfahren gegen „Dressler und andere“ Dr. Carsten Hesse geladen. Der heute 48-Jährige war auf Seiten des Veranstalters für den gesamten Einlassbereich zuständig. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den damaligen Crowdmanager wie gehabt zunächst erzählen: Am 6. Mai 2010 habe ihn der Lopavent-Sicherheitschef Lutz Wagner kontaktiert, ob er als verantwortlicher Bereichsleiter die Eingänge zum Loveparade-Gelände am alten Güterbahnhof überwachen und den Personaleinsatz koordinieren wolle. „Die Planungen erschienen mir nicht unkritisch, aber es sind schon kritischere Veranstaltungen problemlos über die Bühne gegangen“, so Hesse. Bei drei weiteren Terminen – am 20. Mai, 22. Juni und 14. Juli – sei er mit den Planungen vertraut gemacht worden, erzählte er.

Gegen 7.30 Uhr sei er am Veranstaltungstag auf dem Gelände eingetroffen. Sechzehn Kameras, die er in seinem Container auf dem PC abrufen konnte, standen ihn für Überblicke über Rampe und Tunnel zur Verfügung. Neben einem normalen Funkgerät stand ihm ein Bündelfunkgerät für Gespräche zur Einsatzzentrale sowie den Lopavent-Mitarbeitern Günter Spohr und Lutz Wagner zur Verfügung. Einblick in die Geschehnisse an den Vereinzelungsanlagen an den Zugängen zur Karl-Lehr-Straße (an der Düsseldorfer bzw. Graben-/Kommandantenstraße) habe er nicht gehabt. Da sei er auf die Meldungen der dort Verantwortlichen angewiesen gewesen.

Verspätete Geländeöffnung sorgten schon früh für Rückstau der Anreisenden

Der Vorsitzende Richter Mario Plein, von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Schon um 9.30 Uhr seien die Flächen vor den Vereinzelungsanlagen voll gelaufen, erzählte Hesse. Statt um 11 Uhr wurden (wegen Restarbeiten auf dem Gelände) die Anlagen erst gegen 12 Uhr geöffnet. Zu dieser Zeit sei er auch auf den gebrochenen Gullideckel aufmerksam gemacht worden. Mangels Alternativen habe man ihn mit einem Bauzaun überdeckt. Um den Druck von den Vereinzelungsanlagen im Westen (auf der Düsseldorfer Straße) abzubauen, seien sie zwischen 12 und 13 Uhr auf einmal geöffnet worden. Da keine Kommunikation zustande kam, sei er dorthin gegangen, um die Lage zu klären, so Hesse. Dem diensthabenden verantwortlichen Polizisten sei gar nicht klar gewesen, dass die Anlagen auch dazu da waren, die Zugänge komplett zu sperren, wenn Tunnel, Rampe oder Gelände voll gelaufen seien, erzählte der Crowdmanager. Dieser Beamte habe erst am Tag zuvor von seinem Einsatz in Duisburg erfahren. Wirklich vertraut gemacht ist er mit den Anforderungen seiner Tätigkeit wohl eher nicht. Es stellt sich die Frage, welche Voraussetzungen der Beamte mitbringen würde, der ihn zum Nachmittag hin ablösen sollte. Denn gerade von Westen kamen Besucherströme in einer Intensität, mit der man wohl nicht wirklich gerechnet hatte.

Zu dieser Zeit sei der einströmende Besucherstrom noch handhabbar gewesen, sagte Hesse. Um 14 Uhr übernahm ein neuer Verbindungsbeamter seine Schicht im Container. Ein Bereichsleiter der Polizei, der eigentlich auch bei ihm im Container habe erscheinen wollen, erschien nicht. „Ich hatte Herrn Kaiser im Vorfeld als sehr kompetent kennen gelernt. Er hatte Erfahrungen von der Loveparade in Dortmund“, erzählte der Crowdmanager. Ab 14.30 Uhr habe es einen Rückstau die Rampe runter gegeben. Der Druck auf der Düsseldorfer Straße wurde wieder größer, Vorsperren aufgelöst. Dann kam der Schichtwechsel der Polizeihundertschaft auf der Rampe, bei dem ein- und ausfahrende Mannschaftswagen durch die Besuchermenge fuhren. Erst gegen 15.30 Uhr sei Bereichsleiter Happe (als Ersatz für Kaiser) bei ihm am Container gewesen. Um den Rückstau an der Rampe zu beseitigen habe er drei Maßnahmen vorgeschlagen, so Hesse: Die Vereinzelungsanlagen zu schließen, von oben keine Leute mehr über die große Rampe rauszulassen und die kleine Rampe zu öffnen. Er habe aber nur mit der Einsatzleitung über Funkgerät sprechen können, so Hesse. Dass erst eine Telefonkonferenz über seine Vorschläge beschließen musste, in die er mangels technischer Voraussetzungen gar nicht eingebunden werden konnte, sei ihn nicht klar gewesen, sagte Hesse. Erst um 15.45 Uhr kam das OK für die Sperrung. Der Bereitschaftspolizist Happe habe dann wohl die Polizeisperren auf der Rampe und in den Tunneln angeordnet, ohne dass er eingebunden oder informiert gewesen sei, so Hesse.

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Gegen 16.30 Uhr bekam ein Krankenwagen Zugang von der Düsseldorfer Straße, nach dessen Durchkommen die Zugänge nicht sofort wieder geschlossen werden konnten. Als dieser ein paar Minuten später das Gelände wieder verließ, waren angesichts des Drucks von Besuchern die Zugänge gar nicht mehr zu zukriegen. Die Polizeikette im Westen war damit auch nicht mehr zu halten: Die Leute strömten ungehindert in den Tunnel und auf die Rampe. „Meine Hilferufe beantwortete die Einsatzzentrale damit, dass auf dem Gelände noch viel Platz wäre – und ich keine Ahnung hätte“, berichtete Hesse. „Es wurde immer enger auf der Rampe, weil die Leute oben nicht aufs Gelände kamen. Die Leute drängten von unten auf die Rampe: Die haben eine wahnsinnigen Druck erzeugt. Auch bei uns am Container.“ Und weiter erzählte Hesse: „Gegen 16.50 Uhr fuhr ein Polizei-Kastenwagen an uns vorbei. Das hat den Druck weiter erhöht. Durch die Masse von ein paar Tausend Leuten gingen Wellenbewegungen, weil sich nichts auflösen konnte. Ich hatte Todesangst, denn wir standen auch in unserem Container im Druck der Menschenmasse.“

Erst als von Westen die gestauten Besucher von Ordnungskräften aus dem Tunnel geholt und weg geschickt wurden – mit dem Argument: die Veranstaltung ist zu Ende! –, entspannte sich die Lage und Rettungskräfte konnten sich in Tunnel und Rampe und die Verletzten und Toten kümmern. „Mit der Entscheidung, die Veranstaltung weiter laufen zu lassen, hatte ich nichts zu tun. Aber diese Entscheidung war richtig“, so Hesse. Nach Abschluss der Veranstaltung sei auch der VIP-Eingang im Norden als Ausgang genutzt: Ein Vorschlag, den er schon im Vorfeld der Veranstaltung gemacht habe, sagte Hesse. Der sei aber damals abgelehnt worden. Er habe am Ende der Veranstaltung noch die Sicherheitskräfte trösten und aufbauen müssen: „Die waren völlig fertig. Weil sie meinten, das Geschehen sei ihr Fehler gewesen.“ Er habe ihnen gesagt: „Ihr seid nicht Schuld!“

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Als Mario Plein anfing, ihn zu Einzelheiten und früheren Aussagen zu befragen, musste Carsten Hesse manches Mal passen: „Ich erinnere mich nicht mehr an alles. Es ist jetzt acht Jahre her. Vieles habe ich auch verdrängt. Mir haben sich andere Eindrücke eingebrannt!“ Dennoch wurde eines ums andere Mal deutlich, dass er als Verantwortlicher für den Geländezugang Zusagen bekommen hatte, die dann so nicht eingehalten worden waren. Aufgrund von Kommunikationsproblemen – technischer wie menschlicher Natur – war er nicht immer informiert oder konnte er Anweisungen an die Zuständigen an den Einlass-Stellen nicht kommunizieren: Ein Problem, welches mit Sicherheit zur Eskalation der Situation auf der Rampe beigetragen hatte. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Lars Fröhlich / Funke Foto Services (1), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1), Petra Grünendahl (2)

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Das Bauland kann kommen: Vorbereitungen für Sechs-Seen-Wedau in Duisburg laufen

Seequartier ein Gewinn für Duisburg
Von Petra Grünendahl

Ansicht des alten Rangierbahnhofsgeländes von der Wedauer Brücke aus im Mai 2018. Foto: Petra Grünendahl.

Stellten den Sachstand für das neue Stadtquartier vor (v. l.): Ute Möbus, Vorstand Finanzen/Controlling, DB Station&Service AG, dahinter Thomas Lennertz, Geschäftsführer BEG , Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Bernd Wortmeyer Geschäftsführer GEBAG und Oberbürgermeister Sören Link. Foto: Petra Grünendahl.

„Als wir hier nach einem Sturm die Schäden begutachtet haben, dachte ich: Das ist ein Rohdiamant“, erzählte Ute Möbus, Finanzvorstand der DB Station&Service AG, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Besagtes Juwel ist die Brachfläche auf dem ehemaligen Bahngelände zwischen Wedau und Bissingheim, welches unter dem Namen Sechs-Seen-Wedau zu einem neuen Wohnquartier, einem Stadtteil im Stadtteil, entwickelt wird. Das Quartier solle nicht nur eine Entlastung für den Düsseldorfer Wohnungsmarkt sein, sondern, so Gebag-Geschäftsführer Bernd Wortmann: „auch für Duisburger attraktiven Wohnraum zu bezahlbaren Preisen bieten.“

Über den aktuellen Stand der Vorbereitungen für die Bebauung des Geländes informierte Ute Möbus zusammen mit Thomas Lennertz (Geschäftsführer der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft NRW mbH BEG NRW), Bernd Wortmeyer (Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gebag), Ina Scharrenbach (NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung) und Oberbürgermeister Sören Link.

Sechs-Seen-Wedau

Ein Planmodell des neuen Stadtquartiers Sechs-Seen-Wedau. Foto: Petra Grünendahl.

Auf der 60 Hektar großen Fläche sind etwa 45 Kilometer Schienen zurückgebaut, rund 540.000 Kubikmeter Schotter ausgehoben und rund 50 Hektar Grünwuchs zurückgeschnitten worden. In Vorbereitung sind die Ausschreibung des Bodenmanagements und des Lärmschutzwalls zu den Gleisen mit einer Länge von 2,4 Kilometern. Zeitnah soll auch die Investorenauswahl für das Nahversorgungszentrum starten. Nördlich des neuen Wohngebiets – auf dem Areal des ehemaligen Bahn-Ausbesserungswerks – entsteht ein Campus der Universität Duisburg-Essen (UDE). Die Deutsche Bahn finanziert die Südbrücke, die über die Gleise im Osten des Quartiers Wedau mit der Ortsmitte von Bissingheim verbindet. Der Bebauungsplan für das Wohnquartier Sechs-Seen-Wedau soll bis Mitte 2019 beschlossen werden: Ab 2020 rollen dann die Bagger.

Haben das neue Stadtquartier schon im Blick (v. l.): Oberbürgermeister Sören Link, Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, Ute Möbus, Vorstand Finanzen/Controlling, DB Station&Service AG, Bernd Wortmeyer Geschäftsführer GEBAG und Thomas Lennertz, Geschäftsführer BEG. Foto: Petra Grünendahl.

Bis zu 3.000 neue Wohneinheiten entstehen auf dem Areal. Mindestens 10 Prozent sollen öffentlich gefördert sein (Sozialwohnungen). Neben einem Nahversorgungszentrum entstehen Schule und Kita. Mehr als jetzt sollen Uferflächen und Erholungsflächen an den Seen für die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar sein, sicherte Thomas Lennertz zu. „Wedau, Bissingheim und ganz Duisburg werden von dem neuen Quartier profitieren“, erklärte Oberbürgermeister Link. Er lobte die breite Zustimmung im Stadtrat und in der Öffentlichkeit. Anbinden will Sören Link Sechs-Seen-Wedau mit einem Bahn-Haltepunkt an die Ratinger Weststrecke, deren Wiederinbetriebnahme er mit Bürgermeistern aus der Region forciert.
Weitere Informationen unter www.sechs-seen-wedau.de

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Museum DKM in Duisburg zeigt Hannes Vogels „Sterben. Tod.“

Kunstsammler Dirk Krämer und Klaus Maas ehren
den Schweizer Künstler zum 80. Geburtstag

Von Petra Grünendahl
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Die Arbeit „Finnegans Sehschule“ (1999) erinnernd, findet Vogel wieder zum Ausdrucksmittel „Zeichnung“ und wählt Literaturzitate, aus denen er mit verschiedenen Stricharten seine Zeichnungen entwickelt. Er befragt die Striche und Punkte danach, wie sie zu Zeichen werden, die Inhalte vermitteln. Aus dem Gewirr der Linien entwickelt sich die Zeichnung, die im Zusammenhang mit den literarischen Zitaten und ergänzenden Gedanken von Hannes Vogel einen sehr privaten Einblick gewähren. Vogel bedient sich an den literarischen Werken von u.a. Paul Celan, Tadeus Pfeiffer, Stefan Zweig und der Widerstandsgruppe Die weiße Rose und assoziiert sie mit seinen eigenen Empfindungen, sodass der Leser und Betrachter auf eine Gedankenreise mitgenommen wird.

Hannes Vogel in der Ausstellung „Kunst & Kohle“ Museum DKM. Foto: Petra Grünendahl.

Seit vielen Jahrzehnten gehören die Arbeiten von Hannes Vogel zum festen Bestandteil der Sammlung DKM. Anlässlich des 80. Geburtstags des Künstlers unterstreicht das Museum DKM mit einer Präsentation seiner neusten Arbeiten diese enge Beziehung. Bis Ende Januar 2019 werden Zeichnungen aus der Publikation „Sterben. Tod“, die er gemeinsam mit seiner Frau Petruschka erstellt hat, im ersten Ausstellungsraum präsentiert. Mit der Ausstellung „Sterben. Tod.“ Würdigen die Sammler Dirk Krämer und Klaus Maas nach Einzelausstellungen in der Galerie Linie (1984, 1989), der Galerie DKM (2001) und dem Museum DKM (2009) bereits zum fünften Mal das Werk des Schweizer Künstlers. Seine Arbeiten sind darüber hinaus regelmäßig in der Dauerausstellung präsent und waren ein wichtiger Baustein der letzten Sonderausstellung „Kunst & Kohle. Die schwarze Seite“. Die Ausstellung ist ab Samstag, 20. Oktober 2018, geöffnet.

Der Künstler Hannes Vogel
Hannes Vogel wurde im Mai 1938 in Chur, Schweiz geboren. Sein Vater war Friedhofsgärtner, der Tod war von Kindesbeinen an alltäglich. In seinem künstlerischen Werk wurde der Tod erst vor wenigen Jahren, nach der Lektüre von u.a. Paul Celans „Todesfuge“, relevant. Die aktuelle Ausstellung knüpft an die Arbeiten „Finnegans Sehschule“ (1999) und „Der Scherben Schönheit ist nicht die der Töpfe“ (1998) aus der Sammlung DKM an. Beide Werke werden regelmäßig in der Dauerausstellung präsentiert. Hannes Vogel lebt und arbeitet im Schams (Schweiz) im Turmhaus in Mathon. Die Ausstellung geht auf die Publikation „Sterben. Tod.“ zurück, die 2016 von Hannes und Petruschka Vogel veröffentlicht wurde.

Museum DKM
Die Ausstellung „Sterben. Tod.“ des Schweizer Künstlers Hannes Vogel ist bis zum 27. Januar 2019 zu sehen. Regulär geöffnet hat das private Museum DKM der Stifter Klaus Maas und Dirk Krämer an der Güntherstraße 13-15 im Dellviertel samstags, sonntags und an Feiertagen zwischen 12 und 18 Uhr sowie jeden ersten Freitag im Monat ebenfalls zwischen 12 und 18 Uhr. Montags bis freitags wird ansonsten nur nach Vereinbarung für Gruppen geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 5 Euro, für Schüler und Studenten bis 28 Jahre), Kinder bis 7 Jahre haben freien Eintritt. Für Gruppen (zw. 10 und 15 Personen) gibt es einen Gruppentarif (7 Euro pro Person) zzgl. einer (kostenpflichtigen) Führung. Weitere Infos gibt es hier.

^© 2018 Petra Grünendahl (Text und Foto)

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Lange Nacht der Industrie lockte zu Siemens in Duisburg-Hochfeld

Besucher erlebten Produktion von Prozessverdichtern
Von Petra Grünendahl

Siemens an der Werthauser Straße in Hochfeld. Foto: Siemens AG.

„Wir stellen hier Unikate her, maximal Kleinserien eines Modells“, erklärte Detlef Zellmer, Betriebsleiter Zusammenbau am Siemens-Standort in Duisburg-Hochfeld. Zellmer führte zur Langen Nacht der Industrie Interessierte durch die Produktion. Siemens entwickelt in Hochfeld rotatorische Verdichter zugeschnitten auf die Anforderung von Kunden weltweit (tailor-made). Detlef Zellmer erklärte grob die Funktionsweise der Maschinen an den verschiedenen Station der Produktion, die sich in einem großen Hallenkomplex mit sieben Hallenschiffen befindet. „Wir produzieren im Drei-Schicht-Betrieb mit 680 Mitarbeitern. Neben Entwicklung und Vertrieb für Prozessverdichter sind hier am Standort auch andere Bereiche der Siemens AG angesiedelt“, erzählte Zellmer. Insgesamt arbeiten fast 2.800 Mitarbeiter bei Siemens in Hochfeld.

80 Meter lang, 40 Meter breit und 35 Meter hoch: Das Mega-Testzentrum am Siemens-Standort in Duisburg-Hochfeld. Hier erlebten die Gäste die Montage und Erprobung großer Verdichterstränge mit bis zu 700 Tonnen Gesamtgewicht. Foto: Siemens AG.

Unter anderem mit ihrem Produktionsstandort in Duisburg-Hochfeld beteiligte sich die Siemens AG an der achten „Langen Nacht der Industrie“. „Der beeindruckendste Teil unserer Produktionsstätte ist mit Sicherheit unser Mega-Testzentrum“, erklärte Detlef Zellmer. Auf zwei geführten Touren sahen sich jeweils zwei Besuchergruppen die große Produktionshalle sowie das erst 2008 eröffnete Testzentrum an. In der großen Halle können komplette Anlagen bis zu einer Gesamtgröße von 700 Tonnen vor Auslieferung auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden. Dafür koppelt man die beiden Kräne mit einer Tragfähigkeit von jeweils 350 Tonnen, um Anlagen in Position zu bringen. „Wo die Verdichter nicht als Teil einer Großanlage geliefert werden, sondern als Einzelstücke, bauen wir die passende Anlage drum herum“, erzählte Zellmer an einer entsprechenden Konstruktion auf dem Prüfstand.

Siemens fördert den Nachwuchs

Ein weiteres Highlight der Tour war der Digitalisierungs-Show-Room des Werks, der Einblicke in sämtliche Herstellungsprozesse gibt und die starke Vernetzung der Produktionsbereiche aufzeigt. Der Raum ist für Mitarbeiter, Besucher und Kunden zugänglich und erst im Dezember vergangenen Jahres eröffnet worden. Foto: Foto: Siemens AG.

In einem eigenen Ausbildungszentrum bildet Siemens pro Jahr bis zu 200 Nachwuchskräfte für sich und vier regionale Kooperationspartner aus. Von den 48 jungen Leuten, die in diesem Jahr bei Siemens angefangen haben, absolviert rund ein Viertel ein duales Bachelor- oder Masterstudium im Bereich Maschinenbau, drei angehende Fachkräfte ein Bachelorstudium in International Management. Die anderen absolvieren eine duale Berufsausbildung als Industriemechaniker, Konstruktionsmechaniker, Mechatroniker oder Zerspanungsmechaniker, als Industriekaufmann oder sogar Koch. Darüber hinaus bildet Siemens in Hochfeld vier Azubis zum Mechatroniker für externe Partner aus.

Hochfeld: Ein Standort mit Geschichte

Siemens an der Werthauser Straße in Hochfeld am alten Standort der DEMAG. Foto: HI1948 / Wikipedia (CC-BY-SA-3.0).

Vor gut 150 Jahren ließ sich hier die Duisburger Maschinenbau nieder. Aus der Duisburger Maschinenbau AG entstand 1910 im Zusammenschluss mit der Märkischen Maschinenbau-Anstalt L. Stuckenholz AG (Wetter an der Ruhr) und der Benrather Maschinenfabrik GmbH (Düsseldorf Benrath) die DEMAG (Deutsche Maschinenbau-Aktiengesellschaft) als Konzern mit Stammsitz in Duisburg. Die DEMAG verlor 1973 mit der Übernahme durch Mannesmann ihre Selbstständigkeit (Mannesmann-Demag AG). Schon zu Mannesmann-Zeiten wurden Geschäftsbereiche und Firmenteile verkauft. Mit der Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone 2000 löste der neue Eigentümer das Industriegeschäft (Stahl und Röhren, Maschinenbau, Automobilzulieferer) auf und verkaufte es an unterschiedliche Erwerber.

Das Areal der Siemens AG zwischen Werthauser Straße und dem Außenhafen. Foto: Siemens AG.

Das Stammhaus der Demag sowie weitere Aktivitäten der Mannesmann-Industriesparte gingen (zunächst) an Siemens, wo die Sparte Verdichtertechnik unter anderem mit Standort Hochfeld blieb. Dort produziert das Unternehmen Hochleistungskompressoren für die Petro-, Prozess- und die chemische Industrie und vertreibt diese weltweit. Der Standort wurde 2001 in den Siemens-Bereich „Power“ eingegliedert, womit der Name „Demag“ in Duisburg Geschichte war.

Siemens öffnete Werkstore in Dusiburg, Mülheim und Krefeld

Die Eingangshalle von Siemens an der Werthauser Straße in Hochfeld. Foto: Siemens AG.

Zur achten „Langen Nacht der Industrie“ nutzten rund 160 Besucher die seltene Gelegenheit, sich an den Siemens-Standorten Mülheim und Duisburg aus erster Hand mit ausführlichen Blicken hinter die Kulissen über das Unternehmen zu informieren. In jeweils zwei geführten Bustouren bestaunten Teilnehmer die teils gewaltigen Dimensionen der Bauteile und das hohe Maß an Automatisierung und Digitalisierung in den topmodernen Werken.

Erhard Eder, Standortleiter bei Siemens in Mülheim, freute sich über den großen Zuspruch aus der Nachbarschaft: „Die Veranstaltung ermöglicht interessierten Bürgern, Talenten und potenziellen Bewerbern, ein realistisches Bild von Siemens zu erlangen. Der direkte Blick hinter die Kulissen schafft Transparenz und sorgt für Akzeptanz in der Umgebung: Eine vorbildliche Initiative“, freute sich Eder. Der Siemens Standort Mülheim zeigte bei der rund eineinhalbstündigen Werksbesichtigung die Fertigung von Dampfturbinen und Generatoren.

80 Meter lang, 40 Meter breit und 35 Meter hoch: Das Mega-Testzentrum am Siemens-Standort in Duisburg-Hochfeld. Hier erlebten die Gäste die Montage und Erprobung großer Verdichterstränge mit bis zu 700 Tonnen Gesamtgewicht. Foto: Siemens AG.

Auch in Krefeld erlebten die Teilnehmer ebenfalls Siemens-Technik im Einsatz: Der Schaltschrank-Spezialist ATR Industrie-Elektronik GmbH (ATR) präsentierte die verschiedenen Stationen der Schaltschrankfertigung. In den Bereichen Sicherheit und Automatisierungstechnik in der Fertigung liefert Siemens die Technik, um Mensch, Maschine und Umwelt zu unterstützen und vor Gefahren zu schützen.

Mit der Veranstaltungsreihe „Lange Nacht der Industrie“ möchte der „Zukunft durch Industrie e.V.“ als regionale Allianz für Industrie und Nachhaltigkeit die moderne und zukunftsfähige Industrie in der Region Rhein-Ruhr bekannter machen. Seit 2011 beteiligt sich Siemens nun an der Initiative des Verbands „Zukunft durch Industrie e.V.“. Mitgetragen wird die Initiative von den fünf Industrie- und Handelskammern der Region und den Unternehmerverbänden im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Die Siemens AG (Berlin und München) ist ein führender internationaler Technologiekonzern, der seit 170 Jahren für technische Leistungsfähigkeit, Innovation, Qualität, Zuverlässigkeit und Internationalität steht. Das Unternehmen ist weltweit aktiv, und zwar schwerpunktmäßig auf den Gebieten Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Siemens ist weltweit einer der größten Hersteller energieeffizienter ressourcenschonender Technologien. Das Unternehmen ist einer der führenden Anbieter effizienter Stromerzeugungs- und Stromübertragungslösungen, Pionier bei Infrastrukturlösungen sowie bei Automatisierungs-, Antriebs- und Softwarelösungen für die Industrie. Darüber hinaus ist das Unternehmen mit seiner börsennotierten Tochtergesellschaft Siemens Healthineers AG ein führender Anbieter bildgebender medizinischer Geräte wie Computertomographen und Magnetresonanztomographen sowie in der Labordiagnostik und klinischer IT. Im Geschäftsjahr 2017, das am 30. September 2017 endete, erzielte Siemens einen Umsatz von 83,0 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 6,2 Milliarden Euro. Ende September 2017 hatte das Unternehmen weltweit rund 377.000 Beschäftigte. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.siemens.com.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Siemens AG (6) bzw. HI1948 / Wikipedia CC-BY-SA-3.0 (1)

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Jüdische Gemeinde lädt zu Kulturtagen in Duisburg, Mülheim, Oberhausen und Wesel

Die schönen Facetten des jüdischen Lebens in Deutschland
Von Petra Grünendahl

Präsentieren ein „Halleluja“ für Leonard Cohen (v. l.): Yaromyr Bozhenko, Susan Borofsky und Joseph Heid. Foto: privat.

„Das jüdische Leben besteht auch im deutschsprachigen Raum aus schönen Dingen“, betonte Alexander Drehmann, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen. Tiefe Spuren haben Juden auch in der deutschen Kultur hinterlassen. In der Musik zählt neben vielen bekannten klassischen Komponisten hierzu auch der amerikanische Sänger und Songwriter Leonard Cohen (1934-2016). Mit einem „Halleluja“ auf Leonard Cohen wird ein musikalisch-literarisches Projekt im jüdischen Gemeindezentrum am Innenhafen seine Premiere feiern, bevor es auf deutschlandweite Tournee geht: „Wenn wir zum Abschluss ‚Halleluja’ singen, singt der Saal mit“, prophezeite Privatdozent (PD) Dr. phil. L. Joseph Heid, der diesen Programmpunkt moderiert und aus DEN literarischen Texten Cohens zitiert. Für den Gesangspart hatte Heid die in Düsseldorf lebende und in der jüdischen Gemeinde engagierte amerikanische Sängerin und Schauspielerin Susan Borofsky gewinnen können. Am Klavier begleitet der aus der Ukraine stammende Yaromyr Bozhenko die Aufführung. Dieses Programm-Highlight findet am Sonntag, 14. Oktober, um 16 Uhr im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde im Innenhafen statt.

Geschäftsführer Alexander Drehmann im Pressegespräch zu den Jüdischen Kulturtagen. Foto: Petra Grünendahl

Privatdozent Dr. phil. L. Joseph Heid im Pressegespräch zu den Jüdischen Kulturtagen. Foto: Petra Grünendahl.

Bereits zum zweiten Mal präsentiert sich die Jüdische Gemeinde, deren Einzugsgebiet über die Namens gebenden Städte hinaus bis nach Dinslaken und Wesel reicht, mit ihren Jüdischen Kulturtagen in der Öffentlichkeit. Alexander Drehmann und Privatdozent Dr. phil. L. Joseph Heid stellten das Programm in einem Pressegespräch vor. Die Jüdischen Kulturtage zeigten, so Drehmann, das Selbstverständnis von deutschen Juden und Juden in Deutschland: Deutsch-jüdische Geschichte geht Jahrhunderte zurück. Der Fall des Eisernen Vorhangs löste Ende der 1980er-Jahre ermöglichte (überwiegend deutsch-stämmigen) Juden, aus ehemaligen Sowjetunion in den Westen zu emigrieren. Auch die jüdische Gemeinde in Duisburg veränderte sich durch diese Zuwanderung.

Die Eröffnung der Jüdischen Kulturtage hatte bereits am vergangenen Wochenende mit dem 2. Profil-Konzert der Duisburger Philharmoniker im Opernfoyer statt gefunden. Das weitere Programm steht dem aber kaum nach. Der Programm-Schwerpunkt liegt in diesem Jahr ganz klar auf der klassischen Musik, zu der jüdische Komponisten viel beigetragen haben. Die Veranstaltungen finden in Duisburg, Mülheim, Oberhausen und Wesel statt.

Klassische Konzerte mit Musikern von Weltrang

Präsentieren ein „Halleluja“ für Leonard Cohen (v. l.): Joseph Heid, Susan Borofsky und Yaromyr Bozhenko. Foto: privat.

„Alle Konzerte sind allererste Sahne“, warb Alexander Drehmann. Nach der Eröffnung durch die Duisburger Philharmoniker stehen noch drei Klavierkonzerte auf dem Programm, in deren Fokus unterschiedliche jüdische Komponisten stehen. Am Donnerstag, 11. Oktober, spielen Albert Mamriev und Elena Tarasova Werke von Grieg, Tschaikowsky und Ravel (18 Uhr im Gemeindezentrum am Springwall 16, Eintritt 10 Euro). Am Donnerstag, 18 Oktober spielen Albert Mamriev und Lezanti van Sittert Werke von Liszt, Brahms und Chopin (19 Uhr im Bürgersaal, Begegnungsstätte Kloster Saarn, Eintritt frei). Und am Montag, 29. Oktober spielen Solga Schnurova und Elelna Lebedeva Werke von Liszt, Saint-Saens, Mendelssohn-Bartholdy, Schwarz und Dunajeweski (19 Uhr in der Aula der Musik- und Kunstschule Wesel, An der Zitadelle 13, Eintritt frei).

Mehr als nur Klassik

Wie die Finger einer ausgestreckten Hand: Das Jüdische Gemeindezentrum im Innenhafen. Foto: Petra Grünendahl.

„Für viele Programmpunkte konnten wir auf Gemeindemitglieder und Menschen zurückgreifen, die mit unserer Gemeinde verbunden sind“, erklärte Geschäftsführer Drehmann. Das Programm ist vielfältig: Konzerte, Lesungen, Theater und eine Kunstausstellung. Am Donnerstag, 11. Oktober, hält Privatdozent Dr. phil. L. Joseph Heid, der sich mit Veröffentlichungen zur deutsch-jüdischen Beziehungsgeschichte einen Namen gemacht hat, eine Lesung zum Thema „Die Jeckes – Deutsche Juden in Palestina/ Israel“ (18 Uhr im Haus der Stadtgeschichte, Mülheim, Eintritt frei). Mit einem Theaterstück in russischer Sprache ehren die Kulturtage zum 75. Geburtstag den russischen Schriftsteller Sergei Donatowitsch Dowlatow (1941-1990) am Donnerstag, 18. Oktober, um 18.30 Uhr (Gemeindezentrum am Springwall 16). Dieses Stück spricht primäre ältere Gemeindemitglieder an, die mit der russischen Sprache groß geworden sind. „Ihre Kinder und Enkel sprechen untereinander Deutsch, nur mit Eltern oder Großeltern Russisch“, verriet Alexander Drehmann. Bis zum Abschluss der Jüdischen Kulturtage am 31. Oktober dauert die Ausstellung „Was für eine wundervolle Welt“ mit Bildern der Gemeindemitglieder Ludmila und Boris Korzh (im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde).

Hier gibt es das komplette Programm zum Download. Die eine oder andere Veranstaltung ist kostenfrei zugänglich. Der Blick hinein lohnt sich auf jeden Fall …

Für Veranstaltungen im Jüdischen Gemeindezentrum am Springwall 16 ist es aus Sicherheitsgründen für den Einlass unbedingt nötig, seinen Personalausweis bereit zu halten.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), privat (2)

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Ballett am Rhein begeisterte mit Martin Schläpfers „Schwanensee“ bei der Premiere im Theater Duisburg

Chefchoreograph Schläpfer drückte Tschaikowskys Ballett seinen Stempel auf
Von Petra Grünendahl

Martin Schläpfer: Schwanensee – Rubén Cabaleiro Campo, Daniel Vizcayo (Siegfrieds Freunde), Marcos Menha (Siegfried), Alexandre Simões (Benno), Brice Asnar (Siegfrieds Freund). Foto: Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: Schwanensee – Kailey Kaba, Elisabeta Stanculescu, Alexandra Inculet, Feline van Dijken (Schwanen-Frauen). Foto: Gert Weigelt.

Siegfried (Marcos Menha) liebt das Leben und seine Freiheit. Auf seiner Geburtstagsfeier mit Freund Benno (Alexandre Simões) und Leuten aus der Umgebung erinnert ihn seine Mutter (Virginia Segarra Vidal) in Begleitung ihres Zeremonienmeisters (Chidozie Nzerem) an die Brautschau am kommenden Tag: Er soll endlich heiraten, um die Familiendynastie zu sichern. Als er gedankenverloren in den Wald läuft, zieht eine Gruppe von Schwänen an ihm vorbei. Magisch angezogen folgt er ihnen: Odette (Marlúcia do Amaral) lebt mit ihren Freundinnen unter dem Fluch der Schwiegermutter (Young Soon Hue). Nur die Liebe kann sie retten. Siegfried verliebt sich in sie, wird aber mit Odile (Camille Andriot), einer Chimäre getäuscht – und er verrät Odette. Das Märchen endet tragisch, aber gerade das macht den Stoff so spannend als ein hochemotionales und intensives Tanztheater, welches von der ungeheuer physischen Choreographie lebt: Martin Schläpfer hat Märchen-Ballett „Schwanensee“ mit seiner eigenen Tanzsprache und den modernen Tänzertypen seiner Kompanie neu interpretiert. Und er hat dem Werk von Peter Tschaikowsky damit seinen eigenen Stempel aufgedrückt: In Weiß und in Schwarz, im Wechselspiel von Gut und Böse.

Martin Schläpfer: Schwanensee – Marlúcia do Amaral (Odette), Marcos Menha (Siegfried). Foto: Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: Schwanensee – Marlúcia do Amaral (Odette), Marcos Menha (Siegfried). Foto: Gert Weigelt.

Für seinem Ballettabend b.36 hatte sich Martin Schläpfer, Chefchoreograph und künstlerischer Leiter des Ballett am Rhein, den Ballett-Klassiker „Schwanensee“ für eine neue Choreographie vorgenommen. Die Komposition von Peter Tschaikowsky (Pjotr Iljitsch Tschaikowski, 1840 – 1993) gehört zum Repertoire klassischer Ballettkompanien und wurde 1877 im Moskauer Bolschoi-Theater uraufgeführt. Die Partitur von Tschaikowskys „op.20“ ist nie original übernommen worden, die Geschichte immer auch neuen Deutungen unterworfen worden. Schläpfer nahm sich das Wladimir P. Begitschew und Wassili F. Geltzer zugeschriebene Original-Libretto (1877) vor, um seinen Tänzern seine Interpretation des Stoffes auf den Leib zu schreiben. Seine Choreographie, die in der letzten Spielzeit in Düsseldorf ihre Uraufführung erlebte, hat nicht viel mit der traditionellen Choreographie von Marius Pepita und Lev Ivanov von 1895 gemein. Aber gerade das ausdruckstarke Physische – in Verbindung mit der herausragenden Umsetzung durch die Tänzer des Ballett am Rhein – machte die Vorstellung so sehenswert. Den gut dreistündigen hervorragenden Ballettabend (vier Akte mit einer Pause) belohnten die Zuschauer im ausverkauften Theater Duisburg mit Szenenapplaus und mit minutenlangen stehenden Ovationen zum Finale.

Herausragende Akteure

Martin Schläpfer: Schwanensee – Young Soon Hue (Odettes Stiefmutter), Marlúcia do Amaral (Odette), Marcos Menha (Siegfried). Foto: Gert Weigelt.

Ganz hervorragende Tänzer begleiteten fantastisch aufspielende Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Kapellmeister Aziz Shokhakimov. Siegfried Rivinius (Solo-Violine), Friedemann Pardall (Solo-Violoncello) und Verena Plettner (Harfe) setzten zusätzliche musikalische Akzente. Schläpfers Setting ist nicht der prächtige Königshof, wie man ihn aus früheren Schwanensee-Inszenierungen kennt. Vielmehr spielt seine Märchenhandlung in dem weniger aufwändigen Ambiente des Landadels mit seinem überschaubaren Rahmen. Die für die unterschiedlichen Settings der Handlung wandlungsfähige Bühne hat ebenso wie die Kostüme Florian Etti entworfen. Für das Lichtdesign, welches die Bühne so wirkungsvoll in Szene setzt, zeichnet Stefan Bolliger verantwortlich.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:

Martin Schläpfer: Schwanensee – Sonny Locsin (Rotbart), Young Soon Hue (Odettes Stiefmutter). Foto: Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: Schwanensee – Sonny Locsin (Rotbart), Camille Andriot (Odile), Daniel Vizcayo (Siegfrieds Freund), Alexandra Inculet, Irene Vaqueiro (Hofstaat), Rubén Cabaleiro Campo (Siegfrieds Freund). Foto: Gert Weigelt.

Martin Schläpfer: Schwanensee – Ensemble. Foto: Gert Weigelt.

Fr | 5. Oktober 2018 | 19:30 Uhr,
So | 7. Oktober 2018 | 18:30 Uhr,
Fr | 19. Oktober 2018 | 19:30 Uhr,
Sa | 27. Oktober 2018 | 19:30 Uhr,
So | 4. November 2018 | 15 Uhr,
Fe | 21. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
Sa | 22. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
Mi | 26. Dezember 2018 | 18:30 Uhr und
Di | 8. Januar 2019 | 19:30 Uhr.
Danach geht das Stück für zwei (bereits ausverkaufte) Vorstelllungen zurück an das Opernhaus Düsseldorf.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 17 und 67 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Gert Weigelt, Köln / Deutsche Oper am Rhein

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Loveparade-Strafprozess: Polizeiführer Kuno Simon sagte aus

Nur ein konkretes Gefährdungsszenario
hätte die Veranstaltung verhindern können

Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Schon mit der Öffnung des Geländes und der Vereinzelungsanlagen hatte sich ein großer Besucherdruck aufgebaut“, bestätigte Kuno Simon, der als Polizeiführer am Tag der Loveparade in Duisburg tätig war. Am Morgen der Veranstaltung waren noch Planierraupen auf dem Gelände aufgefahren, um den Boden zu verdichten, während schon ab 9 Uhr die ersten Loveparade-Besucher über den Hauptbahnhof nach Duisburg strömten. Statt um 10 Uhr wurde das Gelände erst nach 12 Uhr geöffnet. Und zu diesem Zeitpunkt hatte sich schon ein massiver Druck vor dem Veranstaltungsgelände aufgebaut, welches auch nach Kuno Simons Aussagen an den Vereinzelungsanlagen zur Karl-Lehr-Straße (an der Düsseldorfer Straße im Westen und der Grabenstraße/Kommandantenstraße im Osten) befand.

Kuno Simon, ehemaliger Polizei-Einsatzleiter, sagte vor Gericht im Loveparade-Strafverfahren aus. Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services.

Im Strafverfahren gegen „Dressler und andere“ hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den seit 2013 pensionierten Polizeibeamten Kuno Simon als Zeugen geladen. Gegen den heute 68-Jährigen war nach der Loveparade zunächst ermittelt worden: Die Ermittlungen wurden allerdings eingestellt. Er sei nicht unmittelbar in den Planungsprozess eingebunden gewesen, räumte Simon ein, so dass er vieles nur aus Berichten von Kollegen erfahren habe. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den damaligen Leitenden Polizeidirektor (LPD) wie gehabt zunächst erzählen: Im Jahr 2007 sei er erstmals mit der Loveparade konfrontiert gewesen, so Simon, als sie ins Ruhrgebiet kommen und 2010 auch in Duisburg stattfinden sollte. Das Gelände des alten Güterbahnhofs („Aurelis-Gelände“) habe er in Augenschein genommen, bevor es endgültig als Veranstaltungsgelände benannt worden war. „Ich war nicht glücklich mit der Wahl des Ortes.“ Und mehr: „In Duisburg gab es nirgends ein Gelände für eine solche Veranstaltung“, bekräftigte Simon. Eine Einschätzung, die der damalige Polizeipräsident Rolf Cebin bekanntlich teilte. Simon schilderte, was er von den Planungen mitbekommen hatte bis zu einer Begehung am Tag vor der Veranstaltung. Am 24. Juli selber habe er die Spätschicht als Polizeiführer übernommen: Ab 12.30 Uhr sei er an seinem Einsatzort gewesen – bis nach Ende der Veranstaltung.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein, von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Nach Simons Erzählung hakte Richter Plein mit Fragen nach, versuchte chronologisch die Planungen, so weit sie Kuno Simon bekannt waren, sowie die Ereignisse am Veranstaltungstag aufzuarbeiten. Plein konfrontierte den ehemaligen Polizeiführer chronologisch mit Aussagen aus der Planung, Aktenvermerken sowie aus den Polizeiprotokollen vom Veranstaltungstag, um seine Aussagen in Kontext zu anderen Aussagen und Ereignissen zu setzen. Sehr ausführlich fragte er insbesondere nach, welche Rolle die einzelnen Angeklagten in der Planung gespielt hatten und wie der Zeuge sie dabei wahrgenommen hatte. Hier konnte der pensionierte Polizeibeamte kaum weiterhelfen, war der doch in die Planungen nicht direkt eingebunden und hatte auch an Sitzungen der Arbeitskreise dementsprechend nicht teilgenommen. Den Eindruck, dass insbesondere die Mitarbeiter der Stadt als Genehmigungsbehörde unter politischem Druck gestanden hätten, die Loveparade in Duisburg möglich zu machen, bestätigte Kuno Simon indes schon. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Verspätete Geländeöffnung sorgten schon früh für Rückstau der Anreisenden

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Als wir am Vortag der Veranstaltung das Gelände besichtigten, wurde dort noch kräftig planiert“, erzählte Simon. Auch Zäume rund um das Veranstaltungsgelände seien noch nicht gezogen worden, die ebenso wie der noch fehlende Sichtschutz zu den Gleisen in der Genehmigung verlangt war. Auf Nachfrage des Richters erklärte Kuno Simon, dass noch Zäune und Absperrungen auf dem Zugang gewesen seien, die dort gar nicht (mehr) hingehört hätten. Angesprochen wurde Simon auch auf die am Veranstaltungstag hinter Zäunen platzierten Polizeifahrzeuge: Die habe er erst vor Ort wahrgenommen (über Hubschrauberkameras). Im Vorfeld sei ihm von dieser Planung nichts bekannt gewesen. Diese abgesperrten Bereiche hatten den Zugang zum Gelände verengt. „Oben war noch genug Platz für mehr Menschen“, bestätigte Simon seinen Eindruck von den Fotos, die die Polizei aus Hubschrauber-Kameras bekommen hatte. Der Durchfluss nach oben war aber nicht da: Die Pusher oben an der Rampe, die Veranstalter Lopavent zu stellen hatte, waren entweder nicht in der Lage, die ankommenden Besucher weiter aufs Gelände locken. Auch der vereinbarte „Löwengang“ (Käfigabsperrung), der abreisende Besucher auf der Karl-Lehr-Straße von dem Strom der Ankommenden trennen sollte, war nicht vorhanden. „Für die Überprüfung der Auflagen für die Genehmigung ist aber nicht die Polizei zuständig. Das liegt in der Verantwortung der Genehmigungsbehörde“, machte Kuno Simon klar.

Die Verantwortung der Polizei

Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.

„Die Polizei war am Veranstaltungstag in drei Einsatzbereichen tätig“, erzählte Kuno Simon. Die beiden ersten Bereiche seien die Wegstrecke vom Bahnhof bis zu den Vereinzelungsanlagen zur Karl-Lehr-Straße an der Düsseldorfer Straße bzw. an der Grabenstraße/Kommandantenstraße gewesen. „Die einzelnen Abschnittsführer auf den Zuwegen hatten weitreichende Entscheidungsbefugnisse für ihren Bereich gehabt“, berichte Kuno Simon. Allerdings hätten die Abschnittsverantwortlichen ihre Entscheidungen kommunizieren müssen, damit alle beteiligten Polizeieinheiten den Stand der Dinge kennen würden.

Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.

Als dritten Bereich identifizierte der pensionierte Polizist oben auf dem Veranstaltungsgelände, wo die Polizei kleine Straftaten wie Diebstähle, Drogen- oder Sexualdelikte zu verfolgen hatte. Der Weg von den Vereinzelungsanlagen bis zur Rampe habe komplett in der Verantwortung von Lopavent gelegen, so Simon. Bei Rückmeldungen, dass es im Tunnel zu voll geworden wäre, hätte Lopavent die in ihrer Verantwortlichkeit stehenden Vereinzelungsanlagen schließen müssen. Für die Menschen, die keinen Einlass zum Gelände bekommen hätten, wäre dann wieder die Polizei zuständig gewesen. Was durch die Vereinzelung durch kam, lag in der Verantwortung des Veranstalters. Ein Polizeieinsatz auf der Karl-Lehr-Straße wäre also nur auf Anforderung durch den Veranstalter und zu dessen Unterstützung möglich.

„Wenn wir im Vorfeld in der Planung ein konkretes Gefahrenpotenzial hätten benennen können, hätte man die Loveparade in Duisburg absagen müssen“, erklärte der damalige Polizeiführer den Rahmen, in dem die Polizei die Veranstaltung hätte verhindern können. „Ein solches konkretes Szenario hatten wir aber nicht!“

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (), André Hirtz / Funke Foto Services (1)

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Stolpersteinverlegungen in Duisburg: Zerstörte Leben mahnen

Sie haben uns unsere deutsche Identität genommen!
Von Petra Grünendahl

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte in Neudorf Stolpersteine für die Familie Katzenstein. Foto: Petra Grünendahl.

„Deutsches jüdisches Leben ist von Bedeutung. Wir Duisburger Juden waren hier und wir sind hier: In der Struktur der Straßen, in der Luft und im Wesen dieser Stadt“, erklärte Catherine Gardner, Tochter von Kurt Katzenstein. „Unsere Körper wurden beseitigt, aber unser Bewusstsein bleibt bestehen!“ Für Kurt Katzenstein, seinen Bruder Edgar und seine Eltern, Dr. Robert und Helga Katzenstein, verlegte der Künstler Gunter Demnig (*1947) Stolpersteine vor dem Haus Ludgeristraße 16 in Neudorf, dem letzten freiwilligen Wohnsitz der Familie. Der Anwalt Dr. Robert Katzenstein war ein angesehenes Mitglied der Duisburger Gesellschaft. Er hatte eine Kanzlei auf der Königstraße. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten bekam er Berufsverbot: „Sie nahmen ihm seine Arbeit und seine Existenz“, so Gardner. In der Pogromnacht 1938 wurde Katzenstein verhaftet und in Dachau inhaftiert. Die Wohnung wurde verwüstet, Wertsachen gestohlen – und die Familie wusste wochenlang nicht, wo Katzenstein war. „Sie wussten, dass sie Deutschland verlassen mussten, um zu überleben“, sagte Gardner. Im Frühjahr 1939 verließen die Katzensteins Deutschland. Sie kehrten nie wieder zurück.

Stolpersteinverlegung für die Familie Katzenstein (v. l.): ein altes Foto von Edgar, Helga, Kurt und Robert Katzenstein. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Verlegung der Stolpersteine für Dr. Robert Katzenstein, seine Frau Helga und Söhne Kurt und Edgar waren zwei der Kinder von Kurt Katzenstein gekommen: Catherine Gardner und ihr Bruder Simon, zusammen mit dessen Frau Linda. Kurt war von seiner Familie getrennt im April 1939 mit einem Kindertransport nach England gelangt. „Harold Abrahams, dessen Geschichte in Chariots of Fire (dt. Die Stunde des Siegers) verfilmt worden war, hatte unseren Vater aufgenommen*“, erzählte Simon Gardner. Im England hatte Kurt den Namen Kenneth Gardner angenommen, mit den deutschen Wurzeln und der Vergangenheit gebrochen. Er heiratete June, mit der er drei Kinder bekam. Kurts Eltern waren im Mai 1939 zusammen mit dem jüngeren Bruder Edgar nach Honduras (Mittelamerika) geflüchtet. Seine Familie hat Kurt nie wieder gesehen.

Auf der Suche nach den deutschen Wurzeln

Stolpersteinverlegung für die Familie Katzenstein (v. l.): Dr. Andreas Pilger (Stadtarchiv), Bürgermeister Volker Mosblech, Simon Gardner, Jörg Weißmann, Catherine Gardner und Linda Gardner. Foto: Petra Grünendahl.

„Sie haben ihm und uns unsere deutsche Identität genommen“, erklärte Catherine Gardner. „Was ist unser Erbe? Wir haben nicht einmal unsere Familiennamen!“ Mit dem Kaddisch, dem jüdischen Totengebet, beendet sie ihre bewegende Gedenkrede zur Verlegung, der neben ihren Angehörigen Jörg Weißmann, 1. Vorsitzender des Hamborner Heimatvereins als Pate der Stolpersteine, Dr. Andreas Pilger (Direktor des Stadtarchivs der Stadt Duisburg), der bei den Recherchen geholfen hatte, und Bürgermeister Volker Mosblech beiwohnten. Der Künstler Gunter Demnig war da schon zur nächsten Stolpersteinverlegung nach Ruhrort weitergezogen.

15 neue Stolpersteine an sieben Orten in Duisburg

Familie Hillmann in Ruhrort: Stolpersteinverlegungen in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

In Ruhrort betrieben die ursprünglich aus der heutigen Ukraine stammenden Jacob und Berta Hillmann ein Bekleidungsgeschäft an der Landwehrstraße 75, wo sie auch wohnten. Mit ihren drei Kindern Gisela, Edwin und Wolfgang mussten sie mehrfach zwangsweise umziehen. Schließlich war die Familie zusammen mit über 800 weiteren Menschen 1942 nach Izbica (Polen) verschleppt und dort ermordet wurden. Die Patenschaft für die Steine übernahm die Familie Daniele, zur Verlegung waren Angehörige aus Israel bekommen.

Ehepaar Brandt in Marxloh: Stolpersteinverlegungen in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

In Marxloh wohnten Erich und Else Brandt an der Bayernstraße 68. Auf der Weseler Straße 48 betrieben sie das Kaufhaus Brandt & Co. Die Nationalsozialisten deportierten sie im Oktober 1941 ins Ghetto nach Litzmannstadt (Lodz, Polen), wo Else Brandt im Juli 1942 starb. Ihren Mann Erich brachten sie ins Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno nad Nerem, Polen), wo dieser im September 1942 starb. Auch für diese Stolpersteine übernahm der Heimatverein Hamborn e. V. die Patenschaft.

Stolpersteine für Homosexuelle

Gunter Demnig bei den Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Nicht nur Juden oder politisch anders Denkende wurden im Dritten Reich verfolgt, sondern u. a. auch Homosexuelle. Vier Stolpersteine verlegte Gunter Demnig für Männer aus Duisburg. Sie wurden alle von der Gestapo verfolgt, verhaftet, unter Druck verhört und gaben in den Verhören die Namen weiterer homosexuell orientierter Männer preis, gegen die die Gestapo dann ebenfalls vorging. Es kam in einer Vielzahl von Fällen zu Anklagen wegen Verstoßes gegen §175 („widernatürliche Unzucht … unter Personen männlichen Geschlechts“). Den §175 gab es auch im Nachkriegsdeutschland im Strafgesetzbuch (StGB): Erst 1969 wurde er entschärft, 1994 dann endlich abgeschafft.

Walter Braumann: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Walter Braumann (1897-1973) wurde 1936 zu einer Haftstrafe von einem Jahr und 3 Monaten verurteilt. Nach der Haftverbüßung fand mit Hilfe seiner angesehenen Kaufmannsfamilie eine neue Arbeitsstelle und überlebte die NS-Zeit. Für den Stolperstein an der Düsseldorfer Straße 95 (heute am Kantpark) übernahm der Verein DUGay e. V. die Patenschaft.

Paul Friedrich: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: DUGay e. V.

Paul Friederich (1909-1945) gestand in den Gestapo-Verhören 1936 eine Vielzahl von sexuellen Kontakten zu Männern. Er wurde als nicht schuldfähig eingestuft, das erste Strafverfahren eingestellt. Bei einem zweiten Gerichtsverfahren 1943 verurteilte man ihn nach §175 zur Einweisung in eine Heil- und Pflegeanstalt. Aus der Anstalt wurde er mit einer Gruppe von „40 geisteskranken Verbrechern“ (so die Aufzeichnungen) im September 1944 in das KZ Mauthausen/Österreich deportiert, wo er als „Sicherungsverwahrter“ kurz vor Ende des Krieges im März 1945 ermordet wurde. Für den Stolperstein an der Rahmer Straße 22 in Alt-Wanheim übernahm Bärbel Bas, MdB, die Patenschaft.

Alfred Ledermann: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Alfred Ledermann (1921-1942) wurde als „asozial und homosexuell“ bezeichnet und nach zwei Gefängnisstrafen wegen §175 in das KZ Sachsenhausen deportiert, wo er bei einer gezielten Mordaktion gegen Homosexuelle im Klinkerwerk im Sommer 1942 ermordet wurde. Für seinen Stolperstein an der Kurz-Heintze-Straße 11 in Bissingheim übernahm Michael Kleine-Möllhoff (Bezirksvertretung Duisburg-Süd) die Patenschaft.

August Zgorzelski: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Der bei Krupp in Rheinhausen arbeitende Schmelzer August Zgorzelski (1904-1944) wurde im August 1941 vor dem Duisburger Landgericht angeklagt und zu Gefängnishaft verurteilt. Nach seiner Haftentlassung nahm ihn die Polizei in Vorbeugehaft. Es folgte die Deportation nach Buchenwald, wo er ermordet wurde. Für den Stein an der Obermauerstraße 81 übernahm ebenfalls Bärbel Bas, MdB, die Patenschaft.
Weitere Informationen findet man unter http://www.stolpersteine-homosexuelle.de.

Familie Hillmann in Ruhrort: Stolpersteinverlegungen in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Seit 2008 organisiert der Jugendring Duisburg e.V. die Stolpersteinverlegungen in Duisburg.

*) In der deutschen Wikipedia steht ja nicht so viel über Harold Abrahams, aber der englischen Wikipedia findet sich im ausführlichen Text folgendes: „During the Nazi regime and war, the couple also fostered two Jewish refugees: a German boy called „Ken Gardner“ (born Kurt Katzenstein),[19] and an Austrian girl named Minka.[20]” (https://en.wikipedia.org/wiki/Harold_Abrahams).

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V. (7), DUGay e. V. (1)

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Thyssenkrupp Steel investiert in den Standort Duisburg: Logistik-Hub für die Zukunft neu aufgestellt

Digitalisierte Güterabfertigung ermöglicht effizientere Prozesse
Von Petra Grünendahl

Offizielle Eröffnung von Tor 6: NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (r.) – begleitet von Logistik-Chefin Ulrike Höffken, Bürgermeister Erkan Kocalar und thyssenkrupps Stahlchef Andreas Goss (v. l.). Foto: Petra Grünendahl.

Mit dem Transponder des hinter ihm wartenden Lkw öffnet NRW-Wirtschaftsministser Andreas Pinkwart die Schranke zur Einfahrt aufs Gelände von thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Am digitalen Terminal bekommt der Fahrer nur noch einmal ein Stück Papier in die Hand. Innerhalb weniger Minuten ist er von der Zufahrt an der Hoffschen Straße unterwegs zu seinem Ziel auf dem Werksgelände. Rund 15 Mio. Euro hat thyssenkrupp Steel in die Hand genommen, um die Logistik, in der im Werk im Duisburger Norden rund 1.300 Mitarbeiter tätig sind, neu und digital aufzustellen. Aus guten Grund: „Rund 2.000 Lkw passieren täglich unsere Werkstore. Wir wollen den Durchsatz optimieren und Staus vor den Werkstoren reduzieren“, erklärte Andreas Goss, Vorstandsvorsitzender (CEO) der thyssenkrupp Steel Europe AG.

Offizielle Eröffnung von Tor 6 bei thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Foto: Petra Grünendahl.

Offizielle Eröffnung von Tor 6 (v. l.): thyssenkrupps Stahlchef Andreas Goss, NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, Bürgermeister Erkan Kocalar und Logistik-Chefin Ulrike Höffken. Foto: Petra Grünendahl.

Thyssenkrupp Steel feierte den Startschuss in die digitale Zukunft an einem der größten Logistik-Hubs in Deutschland. Am neu gebauten Tor 6 werden Lkw jetzt zunehmend digital abgefertigt: „Prozesse konnten gestrafft werden, statt 70 sind es nur noch zwei. Die Zeit für Wiegeprozesse konnte um zwei Drittel zu reduziert werden. Das spart Zeit und Geld. Dieses Projekt ist insgesamt europaweit beispielhaft für Industrieparks unserer Größe“, so Ulrike Höffken, Leiterin Logistik bei thyssenkrupp Steel. Die schnellere Abfertigung und zusätzliche Stellplätze für die Lkw an einem Autohof am Werksgelände vermindern Rückstaus in Richtung Autobahn und in den Stadtteil. „Wir wollen unsere Verkehrsströme intelligent steuern und werden unsere digitalen Prozesse nach und nach hochfahren“, erklärte Ulrike Höffken. Als einen „Meilenstein auf dem Weg zu digitalem Management im Stahlwerk der Zukunft“ bezeichnete es Stahlchef Goss: „Wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten“, begründete der Vorsandsvorsitzende die Investition des Stahlunternehmens in den Standort im Duisburger Norden.

Güterabfertigung: Das alte System stieß an seine Grenzen

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart bei der offiziellen Eröffnung von Tor 6 der thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Foto: Petra Grünendahl.

Vorstandsvorsitzender Andreas Goss bei der offiziellen Eröffnung von Tor 6 der thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Foto: Petra Grünendahl.

Offizielle Eröffnung von Tor 6 bei thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Foto: Petra Grünendahl.

Täglich passieren rund 2.000 Lkw sowie 13.000 Kleinlaster und Pkw die Werkstore, Tendenz steigend. Das bisherige System mit einer Vielzahl nicht aufeinander abgestimmter, analoger Prozesse geriet an seine Grenzen. Bei der Lösung arbeitete ein Team aus Logistik, Anlagenwirtschaft, IT, Werkschutz und Arbeitssicherheit von Beginn an mit dem Anspruch zusammen, nicht einzelne Symptome zu bekämpfen, sondern etwas grundlegend Neues und Zukunftsfähiges zu schaffen. Das in der Folge entwickelte Konzept sieht eine Entzerrung und Ordnung der Verkehre durch weitgehend digitalisierte Prozesse vor.

Sichtbares Zeichen dieses Modernisierungsschrittes ist der digitale Torkontrollschein. Mit einem QR-Code versehen, ist er der Schlüssel, um auf das Werksgelände in Duisburg-Nord zu gelangen. Er ist die Verbindung zwischen physischem Transport und digitaler Welt und kann künftig über Selbstbedienungsterminals oder vorab über ein Webportal erstellt werden. Spediteure und Lkw-Fahrer sollen künftig zudem die Möglichkeit bekommen, dies via Smartphone-App mobil zu erledigen.

Durch ein Track-and-Trace-System wird die gesamte Verkehrsteuerung deutlich effizienter, weil nun genau prognostiziert werden kann, wann welcher Lkw das Werk ansteuert. Gibt es unvorhergesehene Wartezeiten, können die ankommenden Lkw auch auf einen neu gebauten und in Werksnähe liegenden Autohof geleitet werden. Dort stehen ihnen unter anderem Sanitäranlagen und Terminals zur Vorabfertigung zur Verfügung. Am Tor selbst sind nun auch die Wiegeprozesse vollständig digital und werden von einem neuen Leitstand aus gesteuert und überwacht.

Torprojekt ist europaweit einzigartig: Leistungsfähige IT war Voraussetzung für den Erfolg

Ulrike Höffken, Leiteren Logistik der thyssenkrupp Steel Europe AG, bei der offiziellen Eröffnung von Tor 6 der thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Foto: Petra Grünendahl.

Offizielle Eröffnung von Tor 6: NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (r.) – begleitet von Logistik-Chefin Ulrike Höffken, Bürgermeister Erkan Kocalar und thyssenkrupps Stahlchef Andreas Goss (v. l.). Foto: Petra Grünendahl.

Ulrike Höffken, Leiterin Logistik bei thyssenkrupp Steel, beschreibt die enormen Effekte, die die umfassende Modernisierung der Abfertigungsprozesse mit sich bringt: „Unverzichtbar waren geeignete IT-Systeme. Denn hinter dem Torkontrollschein als digitalem Zwilling des jeweiligen Transportes, stehen cloud-basierte Datenströme, gefüttert durch tausende tägliche Verkehre, die sinnvoll verknüpft und analysiert werden müssen. Das Torprojekt ist daher ein wichtiger Meilenstein, aber erst der Anfang. „Wir wissen, dass das Torprojekt erst der Beginn einer Entwicklung ist. Daher ist es ganz bewusst modular aufgebaut, um es bei Bedarf ausbauen zu können. Wir müssen grundsätzlich technologieoffen sein, um Chancen für Verbesserungen rechtzeitig zu erkennen“, erklärte Höffken.

Neben den rund 730.000 Lkw im Jahr (mit 40 Mio. Tonnen Gütern) sowie Gütertransporten per Lieferwagen nutzt thyssenkrupp Steel aber auch andere Verkehrsträger: Zur Logistik gehört eine eigene Flotte von über 100 Schiffen für den Gütertransport. Außerdem betreibt Thyssenkrupp Steel am Standort im Duisburger Norden Deutschlands größte Werkseisenbahn mit fast 90 Loks und 2.000 Güterwagen auf 470 Kilometern eigenem Schienennetz. Auf den rund 70 Kilometern Straße im Werksgelände sind im Jahr 5,5 Mio. Fahrzeuge unterwegs. Das Werksgelände von rund 10 Hektar erstreckt sich über mehrere Stadtteile in den Stadtbezirken Hamborn und Meiderich-Beeck.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Loveparade-Strafprozess: Polizeieinsatzleiter Jörg Schalk sagte aus

Welche Rolle spielte die Polizei in der Planung?
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Das ist ja schon wieder einer, der von Veranstaltungssicherheit keine Ahnung hat“, schimpfte ein ständiger Zuhörer, der selber mit Veranstaltungen und Sicherheit zu tun hat und dafür auch entsprechende Schulungen zum Thema besuchen musste. „Jeder Schulleiter muss so eine Schulung bei der Berufsgenossenschaft machen, damit in seiner Aula mit ein paar Hundert Kindern nichts passiert. Und hier haben Leute geplant, die das entsprechende Fachwissen gar nicht haben.“ Schon bei früheren Verhandlungsterminen hatte er – nennen wir ihn: Jan – solche Aussagen gemacht: „Warum müssen sich Leute, die so etwas von Amts wegen planen oder für solche Planungen als Amtsleiter verantwortlich sind, nicht entsprechend kundig machen. Es gibt Schulungen dafür!“

Polizeieinsatzleiter Jörg Schalk. Foto: Lukas Schulze / Funke Foto Services.

Im Strafverfahren gegen „Dressler und andere“ hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den Polizeibeamten Jörg Schalk als Zeugen geladen. Der damalige polizeiliche Leiter des Führungsstabs am Veranstaltungstag ist der erste Polizeibeamte im Zeugenstand. Seine Vernehmung ist für insgesamt fünf Prozesstage angesetzt. „Ich hoffe, nicht nur dem Gericht, sondern auch Angehörigen und Betroffenen Antworten liefern zu können“, erklärte der 55-Jährige. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ Schalk zunächst erzählen, wobei sich dieser zunächst beschränkte auf die den Aufgaben, die er in der Planungsphase wahrnahm – und die sich primär in der Vorbereitung darum drehten, welche Aufgaben die Polizei am Veranstaltungstag zu spielen hätte. Am 24. Juli selber habe er die Spätschicht im Polizeiführungsstab übernommen.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein, von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Danach hakte Richter Plein mit Fragen nach, versuchte chronologisch die Planungen aufzuarbeiten ab dem Zeitpunkt im März 2010, an dem Schalk dort aktiv eingebunden war. Plein konfrontierte den Polizeieinsatzleiter chronologisch mit Aussagen (auch früheren eigenen Aussagen) und mit Schriftstücken, um seine Aussagen in Kontext zu anderen Aussagen und Ereignissen zu setzen. Sehr ausführlich fragte er insbesondere nach, welche Rolle die einzelnen Angeklagten in der Planung gespielt hatten und wie der Zeuge sie dabei wahrgenommen hatte. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Auch an der Polizei vorbei geplant

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Auch Jörg Schalk bestätigte, dass allgemeiner Konsens gewesen sei, dass die Zuwege zum Veranstaltungsgelände nur bis zu den Vereinzelungsanlagen reichten. Damit endeten die Zuständigkeiten von Polizei, Feuerwerk und Ordnungsamt an den Sperren zur Karl-Lehr-Straße (Düsseldorfer Straße bzw. Grabenstraße/Kommandantenstraße). Die Polizei auf dem Veranstaltungsgelände war für kleinere Straftaten und Delikte zuständig, die sich in solchen Massenveranstaltungen ereignen (z. B. Diebstähle, sexuelle Übergriffe etc.). Die Sicherheit des Veranstaltungsgeländes lag in der Verantwortung von Lopavent, also auch im Tunnel und auf der Rampe.

Wenn das Veranstaltungsgelände wegen erreichter Auslastung gesperrt werden sollte, sollten auch gleichzeitig die Eingänge an den Vereinzelungsanlagen geschlossen werden, so Schalk. Erst in einem späten Sicherheitskonzept (vom 28. Juni 2010), bei dem die Polizei bei der entsprechenden Arbeitskreissitzung (AG Sicherheit) weder anwesend noch involviert war, hieß es: Diese Sperren hätten „in Absprache mit der Polizei“ geschehen, sagte der Polizeibeamte. Von dieser Regelung habe er damals nichts gewusst – und auch erst in der der Aufarbeitung nach der Katastrophe davon erfahren, so Schalk. Und: „Diese Verantwortung hätten wir gar nicht haben wollen.“

Für das Veranstaltungsgelände brauchte Loveparade-Veranstalter Lopavent eine Genehmigung nach Sonderbauverordnung (früher: Veranstaltungsstättenverordnung). Für diese musste nachgewiesen werden, dass es für die Besucher im Ernstfall ein Brandschutzkonzept sowie ausreichend Fluchtwege vom oberen Veranstaltungsgelände gab. Diese Genehmigung verlangte nicht nach Nachweisen über ausreichende Zu- und Abwege für den regulären Zugang zum Gelände. Diese Zu- und Abwege lagen aber auf den entscheidenden Metern auch nicht in der Verantwortung von irgendjemand sonst.

Zwischenbilanz: Ein Kommentar
Die Veranstaltung war „politisch gewollt“, wie mehrere Zeugen i m Loveparade-Strafprozess bestätigten. Direkten politischen Druck auf die Verwaltung habe es aber nicht gegeben, so bisherige Zeugen. Loveparade-Veranstalter Lopavent hatte ein dringendes Interesse, dass die Veranstaltung stattfindet. Entsprechend erwarteten sie Entgegenkommen bei der Stadt in Bezug auf die Genehmigung (Brandschutz und Fluchtwege), wie auch schon in früheren Aussagen deutlich geworden war. Erfahrungen aus Veranstaltungsorganisation brachten sie mit: Jörg Schalk schilderte sie als kompetente Ansprechpartner. Aber auch sie hatten nie eine solche Großveranstaltung auf einem geschlossenen Areal geplant und durchgeführt.

Was sich so langsam nach vielen Zeugenaussagen herausschält, ist die Erkenntnis, was nötig gewesen wäre: Eine übergeordnete Koordination und eine Führungsperson hier vor Ort, die mit Sachverstand und der nötigen Fachkenntnis aus Schulungen zur Sicherheit von solchen Großveranstaltungen die Fäden in der Hand gehabt hätte. Mit „das war nicht unsere Baustelle!“ schieben die an der Planung beteiligten Verantwortlichkeiten hin und her – bloß immer weit weg von sich selbst. Jeder hatte nur seine Zuständigkeit im Sinn. Und keiner der bislang gehörten, im Planungsverfahren direkt Beteiligten konnte mit Fachwissen zur Veranstaltungssicherheit glänzen, wie Jan als kundiger Beobachter immer wieder hervorhob.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Petra Grünendahl (2), Lukas Schulze / Funke Foto Services (1), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)

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Duisburg-Hamborn: Tag des Offenen Dankmals am 9. September in alter Zechenverwaltung

Heimatverein Hamborn auf den Spuren des ehemaligen Bergwerks Friedrich Thyssen 1/6
Von Petra Grünendahl

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Gewerkschaft Deutscher Kaiser beherbergt heute die AWO-Integrations gGmbH. Foto: Petra Grünendahl.

„Als dieses Verwaltungsgebäude 1910 gebaut wurde, war es das modernste der Stadt“, erzählte Jörg Weißmann, Vorsitzender des Heimatvereins Hamborn e. V., denn: „Es hatte ein Rohrpostsystem.“ Die Rohrpost ist Vergangenheit, heute greift man zum Telefon. Das Gebäude jedoch ist mit seiner gepflegten Fassade definitiv denkmalwürdig: „Es ist aber noch nicht in die Denkmalliste eingetragen“, verriet Petra Kastner von der Unteren Denkmalbehörde. Die Zechen sind Vergangenheit: Einzig sichtbares Überbleibsel des Schachtes 1/6, auf dessen Areal auch die alte Verwaltung steht, ist ein Fördergerüst*. Heute belebt die AWO-Integrations gGmbH das Verwaltungsgebäude mit ihren sozialen Angeboten für den Stadtteil. Als Jörg Weißmann den Geschäftsführer der AWO-Integration, Philipp Thelen, ansprach, lief er bei diesem offene Türen ein, zum Tag des Offenen Denkmals gemeinsam ein Programm auf die Beine zu stellen.

Stellten das Programm für den Tag des Offenen Denkmals in Hamborn vor (hintere Reihe von links): Manuela Koster (Assistentin des Geschäftsführers), Jörg Weißmann (Heimatverein Hamborn e. V.), Thorsten Fischer (Historiker, Heimatverein Hamborn e. V.) sowie (vordere Reihe von links) Ute Hoffmeister (Leiterin AWO Begegnungs- und Beratungszentrum Hamborn), Petra Kastner (Untere Denkmalbehörde), Ursula Hildebrandt (Mitarbeiterin AWO Begegnungs- und Beratungszentrum Hamborn) und Philipp Thelen (Geschäftsführer der AWO-Integrations gGmbH. Foto: Petra Grünendahl.

In der Cafeteria „Awocado“, einem Anbau am ehemaligen Verwaltungsgebäude der Gewerkschaft Deutscher Kaiser, stellten Jörg Weißmann, Petra Kastner (Untere Denkmalbehörde) und Philipp Thelen, Geschäftsführer der AWO-Integration gGmbH, das Programm zum Tag des Offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, in Hamborn vor. Erste Ideen mit der Siedlung am Bergmannsplatz in Neumühl hatten sich nicht realisieren lassen: „Wir hätten keinen Raum als Unterschlupf gehabt, der uns dort am Sonntag zur Verfügung geständen hätte“, so Weißmann. Bereits seit mehreren Jahren steuert der Heimatverein Hamborn zum Programm der Stadt bei. Die (Neu-)Planungen zogen sich jedoch hin, so dass der Hamborner Standort in den Flyer der Stadt (Programmvorstellung zum Flyer der Stadt) nicht mehr aufgenommen werden konnte.

Zwei Führungen, eine Ausstellung und Kaffee & Kuchen

Zeuge der großen Hamborner Vergangenheit: Das Amtsgericht mit dem Wappen der einst selbstständigen Stadt. Foto: Petra Grünendahl.

Die Cafeteria „Awocado“ steht auch zum Tag des Offenen Denkmals im Mittelpunkt der Aktivitäten. Hier starten zwei gut anderthalbstündige Führungen über das ehemalige Zechengelände. Jörg Weißmann führt Besucher auf den Spuren der früheren Nutzung des Zeche Friedrich Thyssen 1/6 rund um den in der Denkmalliste eingetragenen Förderturm* (11.30 und 14 Uhr). In der Cafeteria zeigt der Heimatverein ab 11 Uhr eine Ausstellung mit bislang nicht veröffentlichten historischen Ansichten von Schacht 1/6 und Umgebung. Dazu bieten engagierte Mitarbeiter der AWO-Integration Getränke, Kaffee und Kuchen an. Bis etwa 16 Uhr haben Besucher Zugang zur Cafeteria.

*) Das Fördergerüst des ehemaligen Bergwerk Friedrich Thyssen 1/6 gehört zur „Route der Industriekultur“. Es erinnert an ein Jahrhundert Bergbaugeschichte: Von 1876, als hier erstmal Kohle gefördert wurde, bis 1976, als Hamborn mit der Schließung der Zechen Friedrich Thyssen Schacht 2/5 sein letzten Bergwerk verlor.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Weiße Riesen: Stadt Duisburg kauft weiteres Hochhaus auf der Ottostraße in Hochheide

Der erste Weiße Riese in Hochheide fällt am 24. März 2019. Foto: Petra Grünendahl.

Die Stadt Duisburg hat ein weiteres Hochhaus in Homberg-Hochheide angekauft. Der Ankauf ist Teil des Integrierten Handlungskonzeptes zur Stabilisierung des Stadtteils. Die Vermietung und Verwaltung des Gebäudes an der Ottostraße wird künftig von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GEBAG übernommen.

Von den 160 vorhandenen Wohnungen im Hochhaus sind aktuell nur etwa 100 Wohneinheiten belegt. Ziel ist es, das Hochhaus an der Ottostraße leer zu ziehen und perspektivisch vom Markt zu nehmen. Daher werden GEBAG und die Stadt Duisburg nun mit den beteiligten Mietern persönlichen Kontakt aufnehmen und gemeinsam nach passenden Wohnungsalternativen im Stadtteil suchen, damit die Bewohner in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Die Stadt wird die Mieter mit Fördermitteln aus dem Programm Soziale Stadt in Form von Umzugsbeihilfen unterstützen.

Vier der Weißen Riesen in Homberg-Hochheide: Links der Rote Riese, rechts daneben der kleine von der Stadt gekaufte, dann der Taubenschlag, der als zweites asbestsaniert und gesprengt wird. Foto: Petra Grünendahl.

Mit dem vom Rat der Stadt Duisburg beschlossenen Integrierten Handlungskonzept für das Sanierungsgebiet Hochheide soll der Stadtteil stabilisiert und zukunftsfähig aufgestellt werden. Hochhäuser mit einem hohen Anteil leerstehender, perspektivisch nicht mehr vermarktbarer Wohnungen werden vom Wohnungsmarkt genommen und abgerissen. Die freiwerdenden Flächen werden als Grünflächen ausgebaut, um die Aufenthaltsqualität im Quartier zu erhöhen. Die Vorbereitungen für den Rückbau der beiden Hochhäuser Ottostraße 24-30 und Friedrich-Ebert-Straße 10-16 laufen bereits.
Stadt Duisburg
Foto: Petra Grünendahl

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Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag: DGB mahnt zu Frieden und gegen Faschismus

HeRoes tragen geschlechterreflektierende Jugendarbeit zu Gleichaltrigen
Von Petra Grünendahl

Duisburgs DGB-Vorsitzende Angelika Wagner begrüßte die Teilnehmer an der Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag. Foto: Petra Grünendahl.

Bürgermeister Manfred Osenger beim Grußwort der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

„Heute – 100 Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs, 81 Jahr nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs – sind weltweit Millionen von Menschen Opfer von Krieg und Verfolgung“, mahnte Duisburgs DGB-Vorsitzende Angelika Wagner. „Nie wieder Krieg! Abrüsten statt Aufrüsten!“ sei aktuell wie nie zuvor, stiegen doch die Rüstungsausgaben wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr, so Wagner. „Frieden ist in Europa selbstverständlich geworden“, führte Bürgermeister Manfred Osenger an. Anderes könnten sich jüngere Leute in Deutschland und Europa nicht mehr vorstellen, so Osenger. Weltweit jedoch seine Millionen von Menschen auf der Flucht vor Kriegen. „Mit der fortschreitenden Aufrüstung sinkt die Chance, Konflikte friedlich zu lösen“, warnte er. Auch der Kampf gegen Rechte und Faschisten hat seinen Sinn nicht verloren: „Wer sagt: ‚ich bin doch kein Nazi, aber …’ hat nichts verstanden“, machte Wagner klar. Es seien die Zukunftsängste der Menschen, die rechte Parteien ausnutzten: „Wir sehen, wie sich Hass und Menschenfeindlichkeit wieder ausbreiten.“ Und: „Wir dürfen nicht schweigen, denn wir sind die große Mehrheit. Wir müssen lauter werden!“

Stellten die Arbeit von Jungs e. V. und den HeRoes vor (v. l.): Emra Bayanbas, Soufian El Abdounim ud Sven Leimkühler. Foto: Petra Grünendahl.

Traditionell hatte der DGB Niederrhein in Duisburg zum Antikriegstag ins Rathaus am Burgplatz eingeladen. Die Gedenkveranstaltung erinnert an den Überfall auf Polen am 1. September 1939, mit dem Nazi-Deutschland den Zweiten Weltkrieg begann. Die Organisatoren der Gedenkveranstaltung nutzen die Gelegenheit, Institutionen oder Personen ein Gesicht zu geben, die sich im Widerstand gegen Faschismus, gegen Krieg und für Verständigung und Frieden, in Aufklärung oder Jugendarbeit engagieren. Nach den Grußworten der Duisburger DGB-Vorsitzenden Angelika Wagner und von Bürgermeister Manfred Osenger stellte Sven Leimkühler die Arbeit der Jungs e. V. vor.

Jungs e. V. und das Gleichstellungsprojekt HeRoes

Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag: Soufian El Abdounim und Emre Bayanbas (v. l.) erzählten von ihrer Arbeit als HeRoes. Foto: petra Grünendahl.

„Die Jungs e. V. ist das städtische Jugendbüro und ergänzendes Pendant zur Mädcheneinrichtung Mabilda“, erzählte Sven Leimkühler, als Diplom-Sozialarbeiter und -Pädagoge hauptamtlicher Mitarbeiter des Vereins. Die Jungs e. V. ist 1998 aus dem Arbeitskreis Jungenarbeit entstanden und ist in der Jungenbildung tätig. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen auf Geschlechterrollen und Familienehre, aber auch Antisemitismus. „Unser jährliches Gedenkstättenprojekt in Auschwitz macht jungen Muslimen klar, dass dieser Teil der Vergangenheit auch der ihre ist, weil sie sich als Deutsche fühlen“, erzählte Leimkühler. Aufklärung und Bildung jenseits des familiären Umfeldes seien wichtig für ein gleichberechtigtes Miteinander. Das Projekt HeRoes läuft in Duisburg seit 2011: die Schulung von jungen Erwachsenen zur Bildungsarbeit unter Gleichaltrigen.

Kranzniederlegung vor dem DGB-Haus am Stapeltor (v. l.): Angelika Wagner und Manfred Osenger. Foto: Petra Grünendah.

Sven Leimkühler hatte zwei seiner HeRoes mitgebracht: Emre Bayanbas und Soufian El Abdounim (beide 19) erzählten von ihrer Arbeit im Projekt. Nach Schulung und Zertifizierung gehen die Beiden als Vermittler in Schulen: Sie sprechen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie machen in Gesprächen und Rollenspielen tradierte Verhaltensweisen deutlich und vermitteln eigenständiges Denken. Sie zeigten ihre mit Gleichaltrigen erarbeiteten Videobeiträge und berichteten von ihrem Theaterprojekt, welches vor kurzen in der Jüdischen Gemeinde eine beeindruckende Premiere gefeiert hatte.
www.jungsev.de
www.heroes-net-duisburg.de/

Schautafeln zur Erklärung: Vor dem DGB-Haus erinnern eine Stele und vier stilisierte Särge an die vier ermordeten Gewerkschafter Julius Birck, Emil Rentmeister, Michael Rodenstock und Johann Schlösser. Foto: Petra Grünendahl.

Musikalisch begleitet die Veranstaltung traditionell der Stattchor. Im Anschluss legten der DGB und die Stadt am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus am DGB-Haus am Stapeltor Kränze nieder. Neben einer Stele mit der Inschrift „1933“ erinnern vier stilisierte Särge aus Stahlbrammen an vier Gewerkschafter: Julius Birck, Emil Rentmeister, Michael Rodenstock und Johann Schlösser waren am 2. Mai 1933 in dem damaligen Gewerkschaftshaus an der Ruhrorter Straße gefoltert und ermordet worden. Das Mahnmal stammt vom israelischen Land-Art-Künstler Dani Karavan, der unweit von dieser Stelle auch den Garten der Erinnerungen gestaltet hatte.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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RuhrKunstMuseen präsentieren Gesamtkatalog zur Ausstellungsreihe „Kunst & Kohle“

Werk für die Ewigkeit markiert Ende der Kohleförderung
Von Petra Grünendahl

Sie steht im Mittelpunkt der künstlerischen Positionen, die die RuhrKunstMuseen zum Ausstieg aus der Steinkohleförderung zeigen: die Kohle. 17 Bände dokumentieren das einzigartige Projekt. Foto: Petra Grünendahl.

„Jeder der siebzehn Kataloge ist ein Unikat. Wir haben lediglich den Rahmen vorgegeben. Für die Inhalte ist das jeweilige Museum verantwortlich“, erklärte Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Koordinator des „Kunst & Kohle“-Projekts und vor seinem Ruhestand 2017 Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen, den Aufbau das 17-bändigen Gesamtwerks. „Was bleibt, ist der Katalog. Er ist für die Ewigkeit gemacht“, so Projektkoordinator Ullrich. „Uns war die künstlerische Seite der Kohle wichtig, für die kulturhistorische Einordnung sind andere zuständig“, sagte Ullrich mit Blick zum Beispiel auf das Ruhr Museum in Essen. Die Ideen der beteiligten RuhrKunstMuseen habe dieses Projekt erst möglich gemacht.

Stellten den Gesamtkatalog im Kunstmuseum Gelsenkirchen vor (v. l.): Verleger Michael Wienand, Leane Schäfer (Sprecherin der RuhrKunstMuseen und Leiterin des Kunstmuseums Gelsenkirchen), Prof. Dr. Ferdinand Ullrich (Koordinator des „Kunst & Kohle“-Projekts und vor seinem Ruhestand 2017 Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen) und Annette Berg, Kulturdezernentin der Stadt Gelsenkirchen. Foto: Petra Grünendahl.

Das Gesamtwerk der Ausstellungskataloge zur Reihe „Kunst & Kohle“ stellt auf gut 1.400 Seiten die Kunstausstellungen, die die RuhrKunstMuseen zum Ausstieg aus der Steinkohleförderung Ende 2018 konzipiert haben. Siebzehn ganz unterschiedliche Werkschauen zeigen, wie sich Künstler mit der Materie Kohle und mit dem Bergbau auseinander gesetzt haben. Im Pressegespräch im Kunstmuseum Gelsenkirchen stellten Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Leane Schäfer, Sprecherin der RuhrKunstMuseen und Leiterin des Kunstmuseums Gelsenkirchen, und Annette Berg, Kulturdezernenten der Stadt Gelsenkirchen, zusammen mit dem Verleger Michael Wienand das Werk vor. Die Ausstellungskataloge dokumentieren die Verschiedenartigkeit der Ansätze, mit denen die teilnehmenden 17 RuhrKunstMuseen sich dem Thema Kohle in der Kunst angenähert haben. Sie versammeln über 100 künstlerische Positionen nationaler und internationaler Künstler, deren Werke seit Anfang Mai in 13 Städten der Metropole Ruhr zu sehen sind.

Zur Vorstellung des Gesamtkatalogs waren auch Vertreter der beteiligten Museen nach Gelsenkirchen gekommen. Foto: Petra Grünendahl.

Die einzelnen Museen haben nicht nur die Werke, sondern ihre Ausstellungen im Detail dokumentiert und mit fachkundigen Begleittexten versehen. „Das macht man nicht mal so nebenbei“, sagte Kurator Dr. Michael Krajewski vom Lehmbruck Museum in Duisburg. Dass dies teilweise erst während der Laufzeit geschehen konnte, hatte zumindest einige dieser Werke arg verzögert, so dass die Gesamtpräsentation erst jetzt stattfinden konnte. „Kunst & Kohle“ ist das größte Projekt, welches die RuhrKunstMuseen in den 10 Jahren ihres Bestehens auf die Beine gestellt haben. „Ohne die Erfahrungen aus früheren Projekten hätten wir das nicht stemmen können“, lobte Leane Schäfer die Zusammenarbeit im Netzwerk der Museen.

Die Kohle in der Kunst: 17 Museen zeigten Werke unterschiedlichster Ausrichtung und dokumentierten die Schau. Foto: Petra Grünendahl.

Ferdinand Ullrich hob auch die Unterstützung durch Sponsoren hervor: „Das ist gut investiertes Geld für die Neuausrichtung der Region“, betonte er die Identität stiftende Rolle der Kunst. Damit geben Kunst und Kultur der Region etwas zurück: Der unvergleichliche Reichtum der Kulturlandschaft im Ruhrgebiet ist schließlich der Kohle zu verdanken. Auch für ihn sei das ein ganz besonderes Projekt gewesen, erklärte der Verleger Michael Wienand: „Ich freue mich, das begleiten zu dürfen.“ Der Kölner erzählte, wie sehr er die Kunst als verbindendes Element im Ruhrgebiet kennen gelernt habe: „Leider hat die hiesige Kulturlandschaft noch nicht die breite Öffentlichkeit, die ihr eigentlich zusteht.“

Limitierte Auflage: 17 Bände im Schuber

Kunst & Kohle als Kunstwerk: Der Schuber mit 17 Ausstellungskatalogen mit einem aufgesetzten Glaskasten mit einem Stück Kohle. Foto: Petra Grünendahl.

Mittlerweile sind die Einzelbände der RuhrKunstMuseen an den jeweiligen Museumskassen zu Einzelpreisen zwischen fünf und 15 Euro (je nach Umfang des Werks) zu haben. Anfang Oktober soll nun die komplette Sammlung von 17 Bänden im Schuber an den Museumskassen erhältlich sein. Das Gesamtwerk mit einem Gesamtgewicht von 15 Kilogramm ist in limitierter Auflage verfügbar: Jedes Museum hat nur zehn Stück zum Preis von je100 Euro im Verkauf. Die Kataloge sind allesamt im einheitlichen Design im Wienand Verlag (Köln) erschienen. „Wir können stolz darauf sein“, erklärte Kulturdezernentin Annette Berg: Auf das Ausstellungsprojekt ebenso wie auf eine rundum gelungene Dokumentation einer einzigartigen Ausstellungsreihe. Die Kunstausstellungen in den 17 Museen wurden finanziell unterstützt von der Brost-Stiftung und der RAG-Stiftung (als Hauptsponsoren) sowie mit Fördergeldern der nordrhein-westfälischen Ministerien für Wirtschaft und Kultur. Für die Kataloge gab es Fördermittel von der Kunststiftung NRW.

Zur Finissage mit besonderen Aktionen
Noch bis zum 16. September zu sehen sind im:

  • Kunstmuseum Bochum: Andreas Golinski. In den Tiefen der Erinnerung
  • Museum DKM, Duisburg: Die Schwarze Seite
  • Museum Folkwang, Essen: Hermann Kätelhön. Ideallandschaft: Industriegebiet
  • Kunstmuseum Gelsenkirchen: Alicja Kwade mit Dirk Bell, Gregor Hildebrandt und Rinus van de Velde
  • Flottmann-Hallen Herne: David Nash. Holz und Kohle
  • Skulpturenmuseum Glaskasten Marl: The Battle of Coal
  • Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr: Helga Griffiths. Die Essenz der Kohle
  • Kunsthalle Recklinghausen: auf. Gert und Uwe Tobias
  • Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna: Down here – up there
  • Märkisches Museum Witten: Vom Auf- und Abstieg

Bis zum 23. September 2018 läuft im Josef Albers Museum im Quadrat Bottrop „Bernd und Hilla Becher – Bergwerke“, bis zum 7. Oktober im Lehmbruck Museum, Duisburg „Reichtum: Schwarz ist Gold“, bis zum 14. Oktober 2018 in der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum (Museum unter Tage) die Ausstellung „Schwarz“ sowie bis zum 28. Oktober 2018 im MKM Museum Küppersmühle für Modeme Kunst im Duisburger Innenhafen die „Hommage an Jannis Kounellis“.

Über die Duisburger Ausstellungen haben wir bereits berichtet:
https://duisburgamrhein.wordpress.com/?s=kunst+kohle

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Der Waldfriedhof in Wanheimerort: Kriegsgräber und Mahnmale

Opfer des Faschismus: Ehrenfriedhof, russische Kriegsgräber und ein Massengrab
Von Petra Grünendahl

Auf dem Grabstein stehen zwei Namen: Paula und Wolfgang. Den Lebensdaten nach zu urteilen möglicherweise Mutter und Sohn. Wolfgang war so um die zwei Jahre alt, als er 1944 in Duisburg starb: Im Krieg gestorben, vielleicht in den Trümmern eines zerstörten Hauses, wie so viele … unschuldige Menschen in unserer Stadt. Zwei von so vielen Opfern, die der Faschismus und die Herrschaft der Nationalsozialisten forderte: Schlichte Kreuze nebeneinander, in vier oder fünf Reihen säumen die Hecken. In manchen Reihen stehen drei, vier Kreuze nebeneinander mit demselben Familiennamen. Einzelne Gräber sind aufgereiht wie auf der Perlenkette, in mehreren Reihen hintereinander an jeder Seite der viereckigen Karrees, die einen eigenen Friedhof innerhalb des Waldfriedhofs bilden: Die schiere Masse bedrückt. Im Separée des Ehrenfriedhofs liegen Grabstätten aus dem Zweiten Weltkrieg: Männer. Frauen. Kinder. Familien. Unbekannte. 1944, 1945 lauten die Jahre des Todes. Zivile Opfer eines Krieges.

Das Mahnmal der VVN auf einem Massengrab. Foto: Petra Grünendahl.

Der Waldfriedhof an der Düsseldorfer Straße in Wanheimerort, 1923 als Neuer Friedhof in Duisburg in Betrieb genommen, birgt viele alte Grabstätten mit Geschichte. Kriegsgräber findet man in mehreren Ecken des Waldfriedhofs an der Düsseldorfer Straße: Manche sind mehr, andere weniger hervorgehoben, erschließen sich also als Grabfelder den Besuchern nicht gleich. Der Waldfriedhof in Wanheimerort wurde Anfang der 1920-er Jahre angelegt und im Jahr 1923 seiner Bestimmung übergeben. In den Kriegsjahren (insbesondere 1943/44) herrschte „Hochbetrieb“ auf dem Friedhof. Als die Zahl der Todesopfer stieg, ging man nicht nur in Duisburg schließlich dazu über, sie in Massengräbern zu verscharren. Dabei verwendete man auch Bombentrichter auf Friedhöfen, die das Graben ersparten. Ein solches Massengrab soll beispielsweise unter der Wiese liegen, auf der das Mahnmal der VVN* (heute: VVN-BdA, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten) steht.

Mahnmale in unterschiedlicher Form!

Russisches Kindergrab: Raissa war vier Jahre alt. Foto: Petra Grünendahl.

Auf dem Waldfriedhof liegen deutsche Opfer des Bombenkriegs, aber auch andere. Russische Kriegsgräber gibt es hier, verteilt über mehrere Grabfelder. Opfer des Weltkrieges, der Nazi-Diktatur: Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen und – Kinder. Ungepflegte Gräberreihen findet man in der Nähe des Zugangs an der Wedauer Straße für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Zwangsarbeiterinnen liegen eher weiter hinten, tiefer im Waldfriedhofsgelände. Die Kindergräber schließlich sind kaum aufzufinden, unter Efeu versteckt kurz vor der Autobahn. Verschämt den Blicken der Besucher entzogen liegen hier nicht nur Acht- bis Zehnjährige, sondern überwiegen Kleinkinder: zwei, drei oder vier Jahre alt sind sie geworden. Von russischen Zwangsarbeiterinnen in Gefangenschaft geboren.

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Der Waldfriedhof
Der Waldfriedhof in Wanheimerort trägt auch den Beinamen „Neuer Friedhof“. Er wurde Anfang der 1920-er Jahre angelegt, als sich eine völlige Belegung des damaligen Hauptfriedhofs Sternbuschweg in Neudorf (auch „Alter Friedhof“) abzeichnete. Im Jahr 1923 begann man mit ersten Reihengrabbeerdigungen. Ab 1925 stand auch eine Einsegnungs- und Leichenhalle zur Verfügung. Der älteste Grabstein auf dem Waldfriedhof ist ein Findling, bei dem statt einer Eingravierung eine aufgebrachte Plakette die Daten des 1924 Verstorbenen zeigt.

Der Waldfriedhof in Wanheimerort

Waldfriedhof in Wanheimerort: die alte Trauerhalle, an die sich rechts neuere Trauerhallen anschließen. Foto: Petra Grünendahl, März 2015.

Auf einer Fläche von rund 67 Hektar ist der Friedhof in einem Waldstück an der heutigen Düsseldorfer Straße angelegt worden. Seine rund 6.000 Bäume unterstreichen den waldähnlichen Charakter. Entlang eines Wegenetzes von etwa 50 Kilometern stehen inmitten der Grabanlagen auch Eichen und Buchen, die im vorletzten Jahrhundert gepflanzt wurden und mittlerweile ein Alter von über 170 Jahren erreicht haben.
Neben klassischen Grabarten gibt es mittlerweile auch Wahlgräber für Särge und Urnen, was den Wandel der Bestattungskultur dokumentiert. Pflegefreie Gräber oder Rasengräber tragen gesellschaftlichen Änderungen Rechnung, weil Pflege von Angehörigen – soweit überhaupt vorhanden – aus verschiedensten Gründen nicht geleistet werden kann. Die Gestaltung reicht von einfachen Grabsteinen auf der Wiese mit mehr oder weniger üppigem Blumenschmuck bis hin zum anonymen Grab, das nur deswegen erahnt werden kann, weil das Gräberfeld voll belegt ist.
Schon 1927 wurde ein Begräbnisfeld für die Jüdische Gemeinde der Stadt angelegt. Hier finden auch heute noch Bestattungen der zum Ende der Achtziger Jahre neuerstandenen Jüdischen Gemeinde statt. In den Neunziger Jahren schuf man auch ein islamisches Gräberfeld für den südlichen Bestattungsbezirk. Sinti-Gräber. 2011 eröffnete der Memoriam Garden in Zusammenarbeit mit Friedhofsgärtner: Hier befinden sich hochwertige Grabstätten mit besonderem gestalterischen Anspruch.

Feuerbestattung seit 1932: das Krematorium

Hier stand das alte Krematorium: Die Gocke aus dem Turm erinnert daran. Foto: Petra Grünendahl, März 2015.

Schon 1912 gab es erste Bestrebungen, eine Feuerbestattungsanlage in Duisburg zu bauen. Erst mit der Einrichtung des neuen Hauptfriedhofs wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Vom Rohbau 1929 dauerte es wegen Finanzierungsschwierigkeiten bis 1932 mit der Fertigstellung. Ein Luftangriff 1944 beschädigte das Krematorium so stark, dass Einäscherungen in der Folgezeit nicht mehr möglich waren. Dem Wiederaufbau der Verbrennungsanlage bis 1950 folgte die Inbetriebnahme der Krematoriumskapelle 1952/53. Neben Ausbesserungs-, Erweiterungs- und Modernisierungsarbeiten investierte die Stadt auch in Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung.
Aufgrund steigender Einäscherungszahlen und wegen der veralteten Krematoriumstechnik begann man 2001 mit dem Bau eines neuen Krematoriums. Der bestehende Zellentrakt wurde bis auf die alte Trauerhalle abgerissen und ein modernes Krematorium im Frühjahr 2002 seiner Bestimmung übergeben. Äußerlich der alten Bausubstanz angepasst enthält er modernste Technik und zeitgemäße Abschieds- und Aufbahrungsräume.

Siehe auch: Berühmte Gräber auf dem Waldfriedhof

*) Inschrift des Mahnmals:
Wir bleiben die Zeugen für Wahrheit und Recht.
Wir rufen und mahnen der Zukunft Geschlecht.
*
Gedenket der Opfer des Faschismus 1933–1945.

© 2015 – 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

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Loveparade-Strafprozess: Duisburgs Feuerwehrchef Oliver Tittmann im Zeugenstand

Gefahrenpotenziale der Rampe nicht im Blick
Von Petra Grünendahl

Der damalige Gesamteinsatzleiter der Feuerwehr und heutige Feuerwehr-Chef, Oliver Tittmann, wird als Zeuge im Prozess um die Duisburger Loveparade vernommen. Foto: Matthias Graben / FUNKE Foto Services.

„Die Rampe als Teil des Veranstaltungsgeländes war nicht unser Problem“, erklärte der Leitende Branddirektor Oliver Tittmann zum Planungsprozedere. Seine Aufgabe habe primär darin bestanden, für den Tag der Loveparade 2010 sicher zu stellen, dass in Notfällen Feuerwehr und Rettungsdienst trotz Straßensperren überall im Stadtgebiet in der vorgeschriebenen Zeit an Einsatzorten sein konnten – und das auch auf dem Veranstaltungsgelände der Techno-Parade. Aus diesem Grund waren er und andere leitende Beamte der Feuerwehr bei Besprechungen zu Planungen der Loveparade anwesend und involviert. Tittmann bestätigte die Einschätzung Wolfgang Rabes: „Es war Konsens gewesen, dass das Veranstaltungsgelände an den Vereinzelungsanlagen zur Karl-Lehr-Straße [Anmerkung: an der Düsseldorfer Straße im Westen und der Grabenstraße im Osten] anfing und bis zum Güterbahnhofsgelände hoch führte.“ Er sah die Tunnel als problematisch an: „Im Tunnel musste eine Stagnation des Durchflusses verhindert werden. Die Rampe ist dann kein Problem, denn sie ist breit und hell.“ Eine fatale Fehleinschätzung, wie die Ereignisse des 24. Juli bewiesen!

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hatte Oliver Tittmann als Zeugen im Strafprozess geladen. Der 43-Jährige ist heute als Amtsleiter Chef der Feuerwehr Duisburg. 2010 war er Stellvertreter des Amtsleiters und zum Teil in die Planungen zur Loveparade eingebunden. Nachdem Tittmann in seiner eigenen Erzählung nur grob seine Rolle in der Planung der Loveparade umriss, stieg der Vorsitzende Richter Mario Plein gleich in die Befragung ein. Er konfrontierte Tittmann chronologisch mit Aussagen und Schriftstücken, um seine Aussagen in Kontext zu anderen Aussagen und Ereignissen zu setzen. Die Polizei hatte Tittmann im Laufe der Ermittlungen mehrfach zwischen August 2010 und Dezember 2011 vernommen. Er konnte sowohl zur Planung der Veranstaltung als auch aus seinem direkten Erleben am Tag der Veranstaltung berichten. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Tittmann sah Rampe nicht als Gefahrenquelle

Aufnahme von Google Streetview von der Rampe im August 2008: Man erkennt Zäune, die sich auf Fotos von 2011 an der gleichen Stelle wieder finden.

Oliver Tittmann sprach der Rampe eine ausreichende Breite zu, die aus den beiden Tunneln von je 15 Metern Breite kommenden Menschenmassen aufnehmen zu können. [Anmerkung: Sie hatte damals eine Breite von ca. 28 Schritt.] Das ging schon deshalb an den Realitäten vorbei, weil die Rampe nach oben hin enger wurde. Zusätzlich bildeten seitlich ansteigenden Böschungen weiter oben an der Rampe einen Flaschenhals (siehe auch hier: https://duisburgamrhein.wordpress.com/warum/professor-schreckenberg/). Quer stehende Zäune verengten den Durchgang weiter. Da hätte man vielleicht bei der Ortsbegehung des Tunnels am 24. Juni, die Richter Plein bei der Zeugenbefragung ansprach, mal drauf schauen sollen. Außerdem waren zur Loveparade auf der rechten Seite die Rampe hoch hinter einem Bauzaun Polizeiwagen geparkt. Von der Einstiegsbreite unten am Tunnel [besagte „28 Schritt“] blieb weiter oben vielleicht ein Drittel übrig …

August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Mai 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Die Mannschaftswagen der Polizei-Hundertschaften standen dort, um im Falle eines Starkregens die Rampe oben abriegeln zu können, um zu verhindern, dass Leute in Massen unten in den Tunneln Schutz suchen, während von den anderen Seiten der Tunnel Leute Richtung Veranstaltungsgelände strömen. Dort hätten parallel die Vereinzelungsanlagen dicht gemacht werden sollen. Damit wollte man ein Szenario verhindern, welches sich in Dortmund Menschenleben gefährdet hatte (https://duisburgamrhein.wordpress.com/2018/08/14/loveparade-strafprozess-ifr-leiter-klaus-juergen-schaefer-hatte-vor-tunnel-und-rampe-gewarnt/). Bei einem Personalwechsel hätten diese Fahrzeuge allerdings auf der Rampe verbleiben sollen, so Tittmann. Dies hätte ihm auch die Polizei zugesichert. Der Personalwechsel hatte dann in der Realität doch mit den Fahrzeugen stattgefunden, was die ohnehin angespannte Lage an Rampe und Tunnel weiter verschärft hatte, als die Einsatzfahrzeuge zum Wechsel dort hindurch fuhren.

Entfluchtung und Rettungswege vom Gelände

August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

An Breite der Rettungswege für den Fall einer nötigen Evakuierung verlangte die Bauaufsicht für ihre Genehmigung 440 Meter. Darstellen ließen sich aber nur 150 Meter. So verlangte das Bauamt neue Gutachten zum Brandschutz (Dr. Jaspers) und eine Entfluchtungsanalyse (Dr. Klüpfel, TraffGo) für das Veranstaltungsgelände. Hier legte Richter Plein Schriftstücke vor, zu denen Oliver Tittmann bestätigte, dass Lopavent und Loveparade-Hauptsponsor Rainer Schaller (McFit) von den zusätzlichen Auflagen nicht begeistert waren und sie als unnötige Kostentreiber ansahen. Gemacht wurden diese Gutachten schließlich doch. Die Rampe als Gefahrenpotenzial hatten aber auch die Gutachter nicht im Visier.

An manche Einzelheiten konnte sich Oliver Tittmann mitunter nicht erinnern nach so langer Zeit. Vieles habe er damals verdrängt, sagte Duisburgs leitender Feuerwehrmann. Das muss man ihm glauben: Bekanntlich war er an jenem Abend als Gesamteinsatzleiter der Feuerwehr vor Ort im Einsatz.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (6),Matthias Graben / FUNKE Foto Services (1), Google Streetview August 2008

Das Loveparade-Gelände: Luftaufnahme und Grafik des Veranstalters

Alter Güterbahnhof in Duisburg: Gelände der Loveparade 2010. © Foto: Petra Grünendahl

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Loveparade-Strafprozess: IFR-Leiter Klaus Jürgen Schäfer hatte vor Tunnel und Rampe gewarnt

Gelände nur für 200.000 bis 250.000 genehmigungsfähig, Tunnel und Rampe zu eng
Von Petra Grünendahl

Klaus Jürgen Schäfer, damals Leiter des Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie (IFR) der Stadt Dortmund, sagte im Loveparade-Strafprozess vor dem Landgericht Duisburg aus. Foto: Petra Grünendahl.

Ende 2009 habe die Abteilung für Fortbildung der Stadt Duisburg bei ihm für ein Seminar „Risiko und Planung von Großveranstaltungen im Freien“ angefragt, erzählte Klaus Jürgen Schäfer, damals Leiter des Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie (IFR) der Stadt Dortmund. Dieses Seminar fand unter seiner Leitung am 22. März 2010 mit Mitarbeitern unter anderem von Feuerwehr, Ordnungsamt und Bauaufsicht in Duisburg statt. Neben rechtlichen Grundlagen widmete man sich der Betrachtung früherer Großveranstaltungen (Loveparade 2007 und 2008, Fußball-WM 2006 oder Papstbesuch 2005, aber auch Ereignissen, bei denen Menschen zu Tode kamen). Die Absage der Techno-Parade in Bochum habe er korrekt gefunden: „Selbst für die realen Besucherzahlen wäre es zu eng gewesen“, sagte Schäfer. Dass der Veranstalter die Besucherzahlen auf über eine Millionen aufgebläht hatte – jede Loveparade musste größer sein als der Vorgänger – habe reale Planungen nicht einfacher gemacht: „Man musste ja für die hohen Zahlen Kapazitäten haben, auch wenn klar war, dass weniger Leute kommen“, so Schäfer. Nach dem Mittagessen sei im Seminar auch die Loveparade zur Sprache gekommen, die Duisburg für Juli plante. In den Duisburger Planungen sei damals, vier Monate vor der Loveparade, aber noch nicht viel Substanz gewesen, befand Schäfer.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein, von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Klaus Jürgen Schäfer war als Zeuge im Loveparade-Strafprozess geladen, weil er in diesem Seminar vor der Loveparade in Duisburg gewarnt hatte, nachdem er erste Planungen für das Event sichten konnte. Das IFR beschäftigt sich mit Forschung zu Feuerwehr- und Rettungseinsätzen. Die Mitarbeiter geben dieses Wissen zudem in Seminaren weiter. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ Schäfer zunächst erzählen, bevor er mit Fragen nachhakte. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Ein erfahrener Planer von Großveranstaltungen

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Schon 2007 (damals noch als Leiter der Feuerwehr Dortmund) wurde Schäfer erstmals mit der Loveparade konfrontiert, als diese von Berlin ins Ruhrgebiet zog. Schon damals habe er Sicherheitsbedenken gehabt: „Die Straßen im Ruhrgebiet sind eng und bieten keine Entlastungsflächen wie der Berliner Tiergarten.“ Ein Gefahrenpotenzial!

Sowohl in Essen (2007) als auch in Dortmund (2008) habe es massive Probleme gegeben, erzählte Schäfer, die nur durch viel Glück nicht zu Katastrophen geführt hätten. In Essen habe die Loveparade unweit des Hauptbahnhofes stattgefunden, was zum Rückstau der Besucher bis in den Bahnhof hinein und wartende Züge auf den Gleisen führte. Stauungen der Floats habe es bei einer Straßenverengung gegeben, die besonders an einem Wagen kritisch wurden, bei den vielen Menschen drum herum mitliefen. In Dortmund sei es Starkregen gewesen, der gegenläufige Menschenströme aus einem U-Bahnhof ins Freie zur Loveparade sowie in umgekehrte Richtung von Schutz suchenden Menschen ins Trockene verursachte. Hier wie auch an anderen Stellen wurden dichte Menschenmassen zum Problem, da es keine Ausweichflächen gab. Ab sechs Personen pro Quadratmeter wird die Masse zum Risiko, ab acht Personen mitunter tödlich: Roskilde, das Heysel-Stadion in Brüssel oder das Rheinstadion bei einem Tote-Hosen-Konzert führte Schäfer als Beispiele an.

Ende März 2010 frühes Stadium der Planungen

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Zur Loveparade waren beim Seminar lediglich Katasterkarten, Luftbilder sowie Fotos vom Gelände vorgelegt worden“, erzählte Schäfer. Besonders weit seien die Planungen noch nicht gewesen: Das Gelände stand fest, als Zu- und Abgang stellte man sich die Unterführungen an der Karl-Lehr-Straße mit der Rampe zum Gelände vor. Mit einem Zugang über den Verteilerkreis sei, so Schäfer, keine Alternative gewesen: Man hätte die gleichen Probleme bekommen wie in Essen mit dem Rückstau in den Bahnhof, wartenden Zügen und Besuchern, die auf den Gleisen aussteigen, um zum Veranstaltungsgelände zu kommen. Die A59 hätte er als Ausgang öffnen wollen, aber eine Sperrung der Autobahn kam zum damaligen Zeitpunkt noch nicht infrage. Später hatte man die Fläche für Rettungsfahrzeuge vorgehalten. „Die hätte man durchaus auf eine Autobahnseite beschränken können.“

Das Gelände empfand er als ungeeignet (Schotter, verbliebene Gleise), den Zugang durch den Tunnel als riskant: „Menschenströme von zwei Seiten, die aufeinander prallen und dann den 90 Prozent Schwenk auf die Rampe verstehen müssen.“ Das sah er schon als Zugang riskant an. Dass über den gleichen Weg die Besucher das Gelände verlassen sollten, musste zum „Schichtwechsel“ zu weiteren Problemen führen: Wer früh kam, wollte nach der eigentlichen Parade wieder gehen, während zur gleichen Zeit am späteren Nachmittag die Besucher kamen, die zur Abschlusskundgebung wollten. „Die Personenstromführung war gegen jede Regel. Die Breite der Rampe war zu schmal, es gab keine Entlastungsflächen.“ Ähnlich war es auf den Zuwegen vom Bahnhof zur Karl-Lehr-Straße: Bauzäune begrenzten den Straßenraum. So wäre auch klar, dass Vereinzelungsanlagen unter zu hohem Druck nicht standhalten könnten. Und der Druck hätte sich mangels Entlastungsflächen zwangsläufig aufgebaut.

Wie soll man mit ignoranten Vorgesetzten umgehen?

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Der Stand der Planungen zum Zeitpunkt des Seminars sei in einem sehr frühen Stadium gewesen, so Schäfer. Die Verantwortung trug damals noch das Ordnungsamt. Allerdings war da schon klar: Wenn das Gelände eingezäunt wird, geht die Verantwortung an die Bauaufsicht. „Ihr wollt uns das doch nicht aufs Auge drücken“, kam von dort abwehrend zurück. Im kleinen Kreis nach dem offiziellen Teil des Seminars habe er die Teilnehmer auch über Möglichkeiten aufgeklärt, wie sie sich gegen den Druck von ignoranten Vorgesetzten absichern könnten, die die Veranstaltung trotz Sicherheitsbedenken durchdrücken wollten: In einem Remonstrationsschreiben (Einwendung / Gegenrede) sollten sie die Gründe darlegen, warum sie die Veranstaltung zu gefährlich halten, und die Unterschrift für die Genehmigung verweigern. Wenn der Vorgesetzte dann unterschreibe, übernehme er damit auch die Verantwortung.

Er und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter hatten im kleinen Kreis mit der Stellvertretenden Leiterin des Ordnungsamtes, Feuerwehrleuten sowie Mitarbeitern der Bauaufsicht weiter über die Möglichkeiten von Planung und Genehmigung der Loveparade 2010 in Duisburg gesprochen. So, wie ihm die Planungen vorgestellt worden seien, sei das Ganze nicht genehmigungsfähig gewesen: „Durch Verbesserungen hätte man da aber vielleicht etwas machen können“, fand Schäfer. Er habe angeboten, die Planungen mit dem IFR wissenschaftlich zu begleiten, um hinterher Material aus Kameraüberwachungen für Forschungszwecke mitnehmen zu können. Nachdem er zum 1. Mai 2010 vom Dienst suspendiert worden war, habe er den weiteren Planungsprozess nicht mehr begleiten können, bedauerte Schäfer.

Er habe im Seminar zu einer Gesamtgenehmigung geraten, erinnerte sich Schäfer. Verschiedene Behörden seinen an der Planung beteiligt gewesen (Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt und Bauaufsicht), so dass es ein Gesamtkonzept habe geben müssen. Letztendlich sei es aber nur eine baurechtliche Verfügung gewesen, mit der die Veranstaltung genehmigt worden sei.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Homberg-Hochheide: Neuer Sprengtermin für „Weißen Riesen“ im März 2019

Der zur Sprenung vorgesehene Weiße Riese an der Friedrich-Ebert-Straße 10-16 in Homberg-Hochheide. Foto: Petra Grünendahl.

Der „Weiße Riese“ an der Friedrich-Ebert-Straße 10-16 soll am Sonntag, 24. März 2019, fallen. Aufgrund neuartiger Analysevorschriften hatte ein zuvor für September des vergangenen Jahres geplanter Sprengtermin abgesagt werden müssen.

„In ihrer sanierungstechnischen Komplexität war und ist diese Immobilie eine gigantische Herausforderung und in dieser Art wohl bisher bundesweit einzigartig. Wir haben diesen neuen Termin nun nach allen uns derzeit vorliegenden Erkenntnissen festgelegt und werden mit der Sprengung des ersten ‚Weißen Riesen‘ nun endlich das Signal für Hochheide setzen, welches vor Ort sehnlichst erwünscht wird“, erklärt Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum.

Seit Ende letzten Jahres arbeitet das Abbruchunternehmen P&Z mit aufwändigen und zum Teil neuartigen Sanierungsverfahren an der Beseitigung der asbesthaltigen Fasern in Wand- und Deckenputzen im Gebäude. Diese Sanierungsarbeiten sollen im November dieses Jahres abgeschlossen werden. Im Anschluss beginnen die konkreten Vorbereitungen für die Sprengung. Diese werden dann noch einmal rund drei bis vier Monate in Anspruch nehmen.

In Abstimmung mit allen Beteiligten der für Sanierung und Sprengung zuständigen Unternehmen einerseits und den für Sicherheit und Gefahrenabwehr verantwortlichen städtischen Behörden andererseits wurde deshalb nun der 24. März 2019 als Sprengtermin festgelegt.
Stadt Duisburg
Foto: Petra Grünendahl

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Loveparade-Strafprozess: Ehemaliger Rechtsdezernent Wolfgang Rabe sagte als Zeuge aus

Beim Koordinator liefen die Fäden zusammen,
Hindernisse auszuräumen

Von Petra Grünendahl

Der frühere Rechtsdezernent der Stadt Duisburg, Wolfgang Rabe (r.), mit seinem Zeugenbeistand im Gerichtssaal des Landgerichts Duisburg im CongressCenter Ost der Messe Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Fotoservices.

„Am Anfang war ich skeptisch. Aber als sich die Leute von Lopavent kennen lernte, merkte ich: ‚Die können das’“, erzählte Wolfgang Rabe. Danach sei er bemüht gewesen, alles zu tun, dass die Loveparade 2010 in Duisburg stattfinden konnte. Dass er die Veranstaltung abgesagt hätte, wenn es nicht ausräumbare Sicherheitsbedenken gegeben hätte, nimmt man ihm nicht ganz ab. Zu sehr war der Beigeordnete für Sicherheit und Recht anscheinend bemüht, Hindernisse aus dem Weg zu räumen: Nicht den Ordnungsamtsleiter Hans-Peter Bölling, einen Loveparade-Kritiker, betraute er mit den Planungen. Er wählte stattdessen Böllings Stellvertreterin Ursula Fohrmann als Verantwortliche für die Planungen aus, von der er weniger Gegenwind erwartete. Insbesondere nach dem Wechsel der Zuständigkeiten ins Bauordnungsamt im Frühjahr 2010 habe es Widerstände gegeben, sahen die dortigen Mitarbeiter die Veranstaltung doch eher kritisch. Eine Genehmigung hatten sie letztendlich trotzdem erteilt – einen Tag vor der Veranstaltung.

Duisburgs früherer Rechtsdezernent Wolfgang Rabe war als Zeuge geladen. Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland hatte Rabe als Koordinator für die Planung und Genehmigung der Loveparade 2010 eingesetzt, da die Verantwortung für das Verfahren zunächst beim Ordnungsamt gelegen hatte. Rabe war koordinierender Ansprechpartner für alle Beteiligten geblieben, nachdem die Verantwortlichkeiten im Frühjahr 2010 ins Bauordnungsamt (Baudezernat) gewechselt waren. Mit dem Wechsel der Zuständigkeiten für eine Genehmigung der Nutzungsänderung des Veranstaltungsgeländes verblieben beim Ordnungsamt die Sicherheit auf den Zu- und Abwegen zum Veranstaltungsgelände. Auch gegen Wolfgang Rabe war nach der Katastrophe vom 24. Juli 2010 ermittelt worden, die Ermittlungen dann aber eingestellt worden. Vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg müssen sich seit Dezember 2017 sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Baudezernat/Bauordnungsamt) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Im Kulturhauptstadtjahr politisch gewollt

Mario Plein, vorsitzender Richter der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Nachdem der Vorsitzende Richter Mario Plein den früheren Rechtsdezernenten zunächst hatte erzählen lassen, hakte er wie gehabt mit Fragen nach. Schließlich hielt er ihm chronologisch Aussagen und Schriftstücke vor, um die Aussagen Rabes in Kontext zu anderen Aussagen und Ereignisse zu setzen. An vieles will sich der ehemalige Beigeordnete nicht erinnern können. Das ist praktisch, entbindet es doch davon, Verantwortung zu übernehmen. Wolfgang Rabe wirkte in der Verhandlung eher unbeteiligt, obwohl die Fäden von Planung und Genehmigung bei ihm zusammen gelaufen sind. Die Katastrophe mit Toten und Verletzten bedaure er, sagte Rabe. Es klang eher … beiläufig.

Politischen Druck habe es gegeben, bestätigte Rabe. Aber nur indirekt: „In einem WDR-Interview hatte der Ministerpräsident [Jürgen Rüttgers] betont, dass die Loveparade unbedingt stattfinden müsse.“ Solche Aussagen seien jedoch nie direkt an ihn oder andere Verantwortliche herangetragen worden. Aber: Die Loveparade in Duisburg war ein Leuchtturmprojekt des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 gewesen. Und auch wenn es keinen direkten Druck auf Rabe geben hat: Mit seiner Aussage, der OB wünsche diese Veranstaltung, hatte sich der Rechtsdezernent diesen politischen Druck zu Eigen gemacht.

Auch die Eigentümer Aurelis, Immobilientochter der Deutschen Bahn, sei daran interessiert gewesen, dass die Loveparade auf ihrem Gelände stattfindet. „Damit hatten sie die Möglichkeit, den Wildwuchs zu entfernen“, sagte Rabe. Oder, um es mal so zu formulieren: So konnten sie den seit vielen Jahren brach liegenden alten Güterbahnhof von unerwünschtem Bewuchs befreien und ihn für eine geplanten Verkauf aufhübschen. Damit und mit den Bildern einer erfolgreichen Veranstaltung hätte sich das Areal schließlich besser vermarkten lassen.

Verantwortlichkeiten für Areale, Zu- und Abwege

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Als „Veranstaltungsgelände“ im Sinne der Genehmigung sah Wolfgang Rabe die Karl-Lehr-Straße mit der Rampe hoch zum eigentlichen Veranstaltungsgelände an. „Mit den Vereinzelungsanlagen [an der Düsseldorfer Straße bzw. der Kommandantenstraße] endete der öffentliche Raum“, so Rabe. Er bzw. das Ordnungsamt seien am Tag der Veranstaltung nur für die Sicherheit auf den Zu- und Abwegen zum Gelände – also bis zu den Vereinzelungsanlagen – verantwortlich gewesen. Demnach hätten der Karl-Lehr-Straße mit der Unterführung und die Rampe als Zugang zum Güterbahnhofsgelände in den Verantwortungsbereich des Veranstalters gehört und wären Teil der Genehmigung des Bauordnungsamtes gewesen. So kann man natürlich auch Verantwortlichkeiten hin und her schieben!

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Lars Heidrich / Funke Fotoservices (2)

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Loveparade-Strafprozess: Prof. Dr. Michael Schreckenberg sagte als Zeuge aus

Entfluchtungsanalyse: „Ich habe nur die
wissenschaftliche Methodik begutachtet“

Von Petra Grünendahl

Prof. Dr. Michael Schreckenberg sagte im Loveparade-Strafprozess vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg als Zeuge aus. Foto: Petra Grünendahl.

„Im Nachhinein kam ich zu dem Schluss, dass die Stadt Duisburg mehr Wert auf meinen Namen gelegt hat als auf meinen wissenschaftlichen Beitrag“, erklärte Prof. Dr. Michael Schreckenberg zu seiner Rolle in der Planung der Loveparade 2010. Er sei lediglich von der Stadt Duisburg gebeten worden, zu bestimmten Fragestellungen des Ordnungsamtes Stellung zu nehmen. Der Veranstalter Lopavent GmbH habe ihn bei der Planung nicht dabei haben wollen. Schließlich habe er ein Gutachten von der Firma TraffGo HT GmbH zur Entfluchtung des Veranstaltungsgeländes in Bezug auf die wissenschaftliche Methodik bewertet. Er habe nie aber ein Gutachten erstellt, wie in den Medien fälschlich dargestellt worden sein. „Es war ein Fehler, dass ich bei der Pressekonferenz am Tag nach der Loveparade mit den Medien gesprochen habe“, bedauerte er. Es habe damals sonst niemand Stellung nehmen wollen, so Schreckenberg. Am Tag nach der Loveparade mit letztendlich 21 Toten.

In den Zeugenstand hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg Prof. Dr. Michael Schreckenberg geladen. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen wie gehabt erst erzählen, bevor er anhand von Ermittlungsakten und Vernehmungsprotokollen nachfragte. Der gerne als Stau- oder Panikforscher bezeichnete Professor der Universität Duisburg-Essen (Lehrstuhlinhaber „Physik von Transport und Verkehr“) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Simulation von Verkehrsströmen und – seit dem Untergang der Fähre Estonia 1994 – auch von Menschenmassen. Er habe für die Stadt Duisburg schon früher Verkehrsimulationen gefertigt. Die Stadt bzw. das Ordnungsamt seien an ihn herangetreten, um „auf Anfrage zu einzelnen Fragestellungen Bewertungen abzugeben.“ Er sei aber nicht in die Planungen einbezogen worden, so Schreckenberg. Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe habe ihm damals für die nicht klar definierten Aufgaben 20.000 Euro (inkl. Umsatzsteuer) angeboten.

Ordnungsamt war Kontakt und Auftraggeber

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Im Oktober 2009 seien erste Überlegungen aufgekommen, die Loveparade auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs zu veranstalten, erzählte Schreckenberg. Von den Möglichkeiten eines Zugangs, die damals aufkamen, sei ein Zugang über die A59 sein Favorit gewesen, aber: „Das war aber nicht gewollt!“ Eine möglichst weitläufige Umgehung hatte damals noch nicht in der Diskussion gestanden, sei aber später als einzig machbar dargestellt worden. Zu diesem Zeitpunkt sei zwar das Ordnungsamt noch Genehmigungsbehörde gewesen, er sei aber nicht eingebunden worden, Stellung zu nehmen. Er habe schon weit im Vorfeld klar gemacht, dass ein gemeinsamer Zu- und Ausgang als gefährliches Nadelöhr ein Risiko darstelle: „An Engstellen muss man Gegenverkehr vermeiden“, so sein Grundsatz.

Erst im Frühjahr 2010 war die Verantwortlichkeit für die Genehmigung an das Baudezernat gewechselt, obwohl Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe immer noch federführend verantwortlich blieb. Ab dem Wechsel der Zuständigkeit ging es auch nicht mehr um die Genehmigung einer Veranstaltung, sondern um die Genehmigung einer Nutzungsänderung für ein geschlossenes (eingezäuntes) Privatgelände. Für die Überprüfung der im Auftrag der Lopavent GmbH erstellten Entfluchtungsanalyse von Dr. Hubert Klüpfl (TraffGo HT GmbH) sei er vom Ordnungsdezernat beauftragt gewesen. Darüber hinaus sei er nicht beteiligt gewesen. Mit dem Baudezernat bzw. dem Bauamt, wo die sechs städtischen Mitarbeiter auf der Anklagebank arbeiten bzw. gearbeitet haben, habe er während des Genehmigungsverfahrens keinen Kontakt gehabt.

Die Mitarbeiter von Lopavent – vier sitzen hier auf der Anklagebank – seien an seiner Meinung nie interessiert gewesen: „Die wussten alles besser“, so Schreckenberg. Schließlich, so sei deren Aussage gewesen, machten sie solche Veranstaltungen schon seit 20 Jahren, sagte Schreckenberg. Nur: Eben vielleicht nie auf einem solch problematischen Gelände, welches rundum eingezäunt war. So hatten frühere Loveparades im öffentlichen Raum stattgefunden und waren nach allen Seiten offen zugänglich.

Nur mal so …
Zu einer ähnlichen Einschätzung seiner Rolle im Planungsverfahren für die Loveparade (Zitat: „Der Stadt war mein Name wichtiger als mein wissenschaftlicher Beitrag.“) war ich übrigens auch mal gekommen: https://duisburgamrhein.wordpress.com/warum/professor-schreckenberg/.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburg: 25. Ruhrorter Hafenfest kommt mit Traumwetter und Höhenfeuerwerk

Vier Tage Party und Events laden in den Hafenstadtteil
Von Petra Grünendahl

Feuerwerker Sascha Tietze zeigte Form und Aufbau seiner „Bomben“. Foto: Petra Grünendahl.

„Was hier bei Feuerwerk abgeht, ist schon spitze“, erklärte Sascha Tietze, Geschäftsführer der FOG fireworks + sfx GmbH und verantwortlicher Feuerwerker beim Ruhrorter Hafenfest. „Wo soll ich da noch was drauflegen?“ Diese knappen 30 Minuten Feuerwerk seien eine Herausforderung: „Die Zeit will gefüllt werden. Ein Effekt dauert ein, zwei Sekunden. Das macht einige 10.000 Schuss in der knappen halben Stunde.“ Die Schüsse müssen nicht nur den ganzen Horizont füllen und harmonisch aussehen, sondern auch zur Begleitmusik passen, die nach den 23-Uhr-Nachrichten auf Radio Duisburg gesendet wird. „Die Musik suche ich aus“, erzählte Feuerwerker Tietze. „Zur Musik gestaltete und programmiere ich dann das Feuerwerk. Viele Bilder haben Bezüge zum Wasser, ganz besonders natürlich der Wasserfall“, erklärte der passionierte Feuerwerker, der seinen Job als Lebensaufgabe sieht. „Ich wurde da rein geboren!“, spielte er darauf an, dass er Job und Betrieb von seinem Vater übernommen hat. Im Moment sind vier Leute in Konzept und Planung involviert. Zum Aufbau ist Tietze mit 16 Leuten vor Ort. Er stehe dann für die Überwachung des Ablaufs auch selber auf der Brücke: „Wir kriegen da oben aber nicht viel vom Feuerwerk mit.“

Am Freitag, 27. Juli, eröffnet der Schirmherr Schauinsland-Reisen das 25. Ruhrorter Hafenfest auf dem Gustav-Sander-Platz (vor der Schifferbörse). Im Pressegespräch stellten „Mr. Hafenfest“ Walter Pavenstedt, Dr. Bernhard Weber, Stella Tarala und Michael Büttgenbach (alle Vorstand Ruhrorter Hafenfest e. V.), Mario Adams (Hafenkapitän) sowie Feuerwerker Sascha Tietze den aktuellen Stand der Vorbereitungen und die Highlights vor. Der traditionelle Beginn ist der Internationale ökumenische Gottesdienst um 16.30 Uhr. Das Höhenfeuerwerk von der Friedrich-Ebert-Brücke schließt als einer der Höhepunkte den ersten Tag ab. Das viertägige Hafenfest hat aber viel mehr an Programm für Groß und Klein und die ganze Familie zu bieten.

Schifffahrt, Unterhaltung, Kunst und Kultur

Stellten Highlights des 25. Ruhrorter Hafenfestes vor (v. l.): „Mr. Hafenfest“ Walter Pavenstedt, Feuerwerker Sascha Tietze, Michael Büttgenbach, Dr. Bernhard Weber, Stella Tarala und Mario Adams. Foto: Petra Grünenahl.

Programm auf zwei Bühnen lockt das Publikum: die Imperial-Bühne am Gustav-Sander-Platz und die Haniel-Bühne am Richard-Hindorf-Platz (Highlights des Programms in unserer Vorberichterstattung. Verkaufsstände, Kunstgewerbe, Info-Stände, Programm und Gastronomie gibt es entlang der Hafenpromenade am Leinpfad sowie an der Dammstraße. Ab Freitagnachmittag kommen zahlreiche historische Schiffe in den Hafenmund. Diese werden übers Wochenende überwiegend auch zu besichtigen sein oder als Ergänzung zu den Platzhirschen (Ruhrorter Personenschiffahrt und Weiße Flotte) sogar Hafentouren anbieten. Darüber hinaus gibt es kostenlosen Eintritt beispielsweise im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt, auf der Oscar Huber oder zu Führungen im Haniel-Museum (Anmeldungen an einem Infostand nötig). Am Sonntag ergänzen der Hinterhof-Trödel (11 bis 17 Uhr) in den Ruhrorter Straßen sowie der Kunst- und Kulturmarkt (11 bis 18 Uhr) auf dem Neumarkt mit Literatur, Bühnenprogramm und ausstellenden Künstlern die Events an den Bühnen. Die Hafenkirmes schließt erst am Montag mit dem Familienfest das Ruhrorter Hafenfest ab.

Besucherinformationen
Die Veranstalter empfehlen wie alle Jahre wieder die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. DVG und NIAG bieten zusätzliche Fahrten von Freitag bis Sonntag an. Parkmöglichkeiten im Stadtteil sind zum Hafenfest Mangelware. Außerdem gibt es Straßensperren im Stadtteil. Am Freitag kann auf der Mercatorinsel geparkt werden (gebührenpflichtig), der Transfer mit dem Shuttlebus in den Hafenstadtteil ist kostenlos. Dazu kommt die Sperrung der Friedrich-Ebert-Brücke am Freitagabend zum Feuerwerk ab ca. 22 / 22.30 Uhr bis etwa 1 Uhr.

Die Programme zum Hafenfest liegen mittlerweile überall in der Stadt aus. Informationen findet man aber auch im Internet unter www.ruhrorter-hafenfest.de.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Achter Jahrestag der Loveparade startete mit der Nacht der 1.000 Lichter

Ein paar Eindrücke: Die Gedenkstätte am frühen Abend …

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Die Loveparade 2010 endete in einer Katastrophe:
Vor acht Jahren starben hier 21 Menschen, Hunderte wurde teils schwerst verletzt.

Fotos: Petra Grünendahl

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Polizei Duisburg / Krefeld: Lkw-Kontrollen an der B288

Überladung, Fahrzeugmängel, Lenkzeiten und Tempo: Sicherheitsrelevanten Verstößen auf der Spur
Von Petra Grünendahl

Alles im grünen Bereich: Ein Trecker mit zwei Anhängern auf der Lkw-Waage. Foto: Petra Grünendahl.

Langsam fährt der Trecker mit seinen zwei Anhängern über die mobile Radlastwaage. „Jede Achse, die über die Metallplatten fährt, wird separat gemessen und ausgewertet“, erzählte Polizeihauptkommissar (PHK) Klaus Dulisch. Daraus ergebe sich die Gesamtlast des Fuhrwerks. Die Anhänger des Treckers sind unbeladen: Mit 15,5 Tonnen bleibt das Gespann damit im Rahmen. Zwei Lkw bringen statt der erlaubten 40 Tonnen 400 bzw. 800 Kilogramm mehr auf die Waage. „Das gibt lediglich Verwarnungen“, erklärte Polizeihauptkommissar Sigurd Wankel vom Verkehrsdienst Duisburg, der die Messergebnisse in einem Kleinbus neben der Messstelle auswertet. Die Weiterfahrt untersagt hat er allerdings dem Fahrer eines rumänischen Transporters mit 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Der mit neun Personen beladene Sprinter brachte 4,6 Tonnen auf die Waage (30 Prozent mehr als erlaubt), der Anhänger wog beladen 2,5 statt der in den Fahrzeugpapieren eingetragenen 2 Tonnen (20 Prozent).

Insgesamt 31 Polizeibeamte der Präsidien Duisburg und Krefeld waren bei der Lkw-Kontrolle im Einsatz. Foto: Petra Grünendahl.

Auf der B288 zwischen Mündelheim und der Rheinbrücke hatten die Polizeipräsidien Duisburg und Krefeld eine gemeinsame Lkw-Kontrollstelle eingerichtet. Über einen Zeitrahmen von gut sechs Stunden kontrollierten 31 Polizeibeamte schwerpunktmäßig Lastkraftwagen. Beide Polizeipräsidien hatten die lokale Presse eingeladen, sich vor Ort ein Bild zu machen. Lenkzeitverstöße, Mängel an Fahrzeugen, Ladungssicherung und Überladung standen im Fokus. Mit Hilfe der mobilen Radlastwaage überprüften die Beamten außer Lkw weitere Fahrzeuge wie landwirtschaftliche Zugfahrzeuge oder Transporter. Auffällige Pkw zog man ebenfalls zu einer allgemeinen Fahrzeugkontrolle heran. Neben Fahrzeugmängeln überwiegend an getunten Fahrzeugen gingen der Polizei unter anderem fünf Fahrer ins Netz, die wegen Alkohol oder Drogen zur Blutprobe mussten und denen die Weiterfahrt untersagt wurde. Dazu kamen Geschwindigkeitskontrollen.

155 überprüfte Lkw, 20 von ihnen mussten auf die Waage

Die Lkw-Waage misst, welches Gewicht an jeder einzelnen Achse aufliegt. Foto: Petra Grünendahl.

Um 7 Uhr morgens hatte die Polizei die mobile Radlastwaage auf der rechten Fahrspur Richtung Essen aufgebaut und Messgeräte in Stellung gebracht. Fahrzeuge mit Computern zur Auswertung der Messergebnisse inklusive eine mobile elektronische Blutprobenüberprüfungseinheit waren ebenfalls an der „Geisterkreuzung“ (vorbereitete Kreuzung) zwischen Kegelstraße (Duisburg-Mündelheim) und der Krefeld-Uerdinger Brücke platziert. Darüber hinaus winkte die Polizei Fahrzeuge (beileibe nicht nur Lkw) für allgemeine Verkehrskontrollen und Lenkzeitüberprüfungen raus.

Polizeibeamte lotsten die Fahrer über die Lkw-Waage. Foto: Petra Grünendahl.

Polizeihauptkommissar Sigurd Wandel liest die Messergebnisse der Lkw-Waage aus. Foto: Petra Grünendahl.

Die Polizei in NRW verfügt über sechs mobile Lkw-Waagen, eine davon gehört der Polizei Duisburg. „Bislang wurde sie primär auf der Moerser Straßen in Rheinhausen eingesetzt“, wusste Polizeihauptkommissar Wolfgang Münster von der Verkehrsdirektion zu berichten. Seit drei Monaten habe man die Anlage, mittlerweile bräuchten nur noch zehn Minuten, sie aufzubauen. Die Fahrspuren bestehen aus Kunststoff. Die Metallplatten in der Mitte sind als elektronische Waage direkt mit dem Computersystem im Polizeibus verbunden. Anhand der vorgelegten Fahrzeugpapiere können die Messergebnisse auf Überschreitungen der erlaubten Lasten überprüft werden. „Freigrenzen gibt es nicht“, erklärte PHK Wandel. Bei Fahrzeugen unter 7,5 Tonnen zulässigen Gesamtgewichts gibt es bis 10 Prozent Gewichtsüberschreitung ein Verwarngeld, bei Fahrzeugen über 7,5 Tonnen nur bis 5 Prozent. Wer mehr überladen hat, bekommt eine Ordnungswidrigkeitenanzeige und darf nicht mehr weiterfahren, bis die Lademenge verringert wurde (zum Beispiel durch Umladen in ein weiteres Fahrzeug).

Weiterfahrt untersagt: Rumänischer Sprinter mit neun Personen an Bord und ebenfalls überladenem Anhänger. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Überprüfung der Lenkzeiten überprüfe man die Fahrerkarten, erzählte PHK Münster. Sie geben Auskunft über die letzten 42 Tage und listen beim Auslesen alle Verstöße in Rot auf. Dabei sei man aber beim Bewerten der Daten nicht päpstlicher als der Papst: „Wenn der Fahrer mal nur 43 Minuten Pause gemacht hat, weil seine Uhr nicht mit der Uhr im Fahrzeug übereinstimmt, geht das in Ordnung“, sagte Münster. Obwohl die Software diese Pause wegen der nicht erreichten 45 Minuten nicht anerkenne. Darüber hinaus kontrolliere man die Papiere von Fahrer, Fahrzeug und Ladung. So braucht man zum Beispiel für den Gefahrguttransport spezielle Genehmigungen, die bei Kontrollen vorgelegt werden müssen.

Das Sicherheitsrisiko fährt mit

Das Ende der Rückfahrt vom Parookaville-Festival in Weeze: Auffällig getunt, Hauptuntersuchung im vierten Monat überschritten und total abgefahrene Reifen (unter dem gesetzlichen Mindestwert von 1,6 Millimetern). Foto: Petra Grünendahl.

Verstöße gegen die Ladungsgrenze können den Fahrer als Ordnungswidrigkeit bis zu 380 Euro kosten, bei Gefahrguttransporten sogar bis 570 Euro. Punkte im Verkehrszentralregister in Flensburg gibt es für Ordnungswidrigkeiten dann obendrauf. Der Halter des Fahrzeugs wird zusätzlich zur Kasse gebeten. Die Überladung eines Fahrzeugs ist schließlich kein Kavaliersdelikt, sondern eine Gefährdung auch für andere Verkehrsteilnehmer. Fahrzeuge sind technisch für ihr zulässiges Gesamtgewicht ausgelegt. Ist das Fahrzeug schwerer, kommt es schneller ins Schlingern, Bremswege verlängern sich. Das kann in Extremsituation zum Unfall führen, Unfallfolgen für alle Beteiligten maximieren.

Ähnliches gilt für Lenkzeitüberschreitungen (übermüdete Fahrer!), mangelhafte Ladungssicherung, Fahrzeugmängel oder überhöhte Geschwindigkeit – nicht nur bei Lkw, sondern bei Kraftfahrzeugen aller Art!

Zur Pressemeldung der Polizei Duisburg geht es hier:
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/50510/4015917

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Loveparade: Stiftung Duisburg 24.7.2010 zog zum achten Jahrestag eine Bilanz ihrer Arbeit

Stiftung bietet Notfallseelsorge beim Prozess –
für Besucher, Nebenkläger und Zeugen

Von Petra Grünendahl

Bericheten vor dme achten Jahrestag von der Arbeit der Loveparade-Stiftung und den Vorbereitungen für den achten Jahrestag (v. l.): Angelika Köhler, Ulrike Stender, Jürgen Thiesbonenkamp, Jürgen Widera und Rolf Karling. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir sind froh, dass wir diese Veranstaltung aus dem Betroffenenumfeld herausnehmen konnten“, erklärte Rolf Karling. Er organisiert in diesem Jahr zum zweiten Mal mit seinem Verein Bürger für Bürger e. V. die „Nacht der 1.000 Lichter“. In „enger Verbindung und Vertrautheit mit der Stiftung“, betonte Karling. Ab 16 Uhr wird Karling am kommenden Montag zusammen mit Helfern anfangen, die Grablichter anzuzünden, damit zum Einbruch der Dunkelheit ein stimmungsvolles Licht über dem Ort liegt, wenn erste Besucherströme erwartet werden. „Es wird ein Kommen und Gehen“, so Karling aus der Erfahrung früherer Jahre. Erst nach dem (nichtöffentlichen!) Gottesdienst in der Salvatorkirche erwartet er Angehörige der Todesopfer an der Gedenkstätte. Wie schon im Vorjahr wurden die 1.000 Grablichter, die Karling mit Helfern an der Gedenkstätte entzündet, vom Hamburger Gedenklichter-Hersteller Aeterna gespendet.

Im Vorfeld zum achten Jahrestag der Katastrophe auf der Loveparade informierte die Stiftung Duisburg 24.7.2010 über den Jahrestag und die Entwicklungen des vergangenen Jahres. Zu den Aufgaben der Stiftung gehört neben der Betreuung von Angehörigen und Betroffenen und der Pflege der Gedenkstätte auch die Koordination des jährlichen Gedenkens, so dass der Jahrestag alle Jahre wieder Gelegenheit bietet, Bilanz zu ziehen. Neben Rolf Karling (Bürger für Bürger) und dem Vorstand der Stiftung, Pfarrer Jürgen Widers (Ombudsmann) und Ulrike Stender (Diakonie), standen Dr. Jürgen Thiesbonenkamp (Sprecher des Kuratoriums), Diakon Richard Bannert (Koordinator der Notfallseelsorge Duisburg) und Angelika Köhler, hauptamtliche Mitarbeiterin der Stiftung, Rede und Antwort.

Vollsperrung zum Gedenken am Unglücksort
Am Montag, 23. Juli, wird ab 18 Uhr der Tunnel an der Karl-Lehr-Straße zur die „Nacht der tausend Lichter“ voll gesperrt. Die Gedenkveranstaltung am Dienstag, 24. Juli, um 17 Uhr an der Gedenkstätte ist öffentlich. Nach dieser Veranstaltung werden die Besucher noch länger an der Gedenkstätte verweilen, so dass der Tunnel erst ab 22 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben wird. Umleitungsempfehlungen über die Düsseldorfer Straße und den Sternbuschweg werden ausgeschildert. Fußgänger und Radfahrer können den Bereich jederzeit passieren.

Loveparade-Strafprozess und Notfallseelsorge

Bericheten vor dme achten Jahrestag von der Arbeit der Loveparade-Stiftung und den Vorbereitungen für den achten Jahrestag (v. l.): Angelika Köhler, Ulrike Stender, Jürgen Thiesbonenkamp, Jürgen Widera und Rolf Karling. Foto: Petra Grünendahl.

„Nach dem großen Medienecho zu Prozessbeginn begleitet die Presse immer noch den Prozess, wenn auch in bescheidenerem Maße“, stellte Dr. Jürgen Thiesbonenkamp fest. Dass das Zuschauerinteresse nicht annähernd den ursprünglichen Erwartungen entspricht, führte Ulrike Stender auf mehrere Umstände zurück: Zeugen oder Betroffenen, die noch als Zeugen in Betracht kommen, dürften nicht in den Gerichtssaal. Angehörige, die teils eine weite Anreise hätten, hätten teils nicht die (finanziellen) Möglichkeiten dazu, wollten aber auch andererseits wieder in ein normales Leben zurückfinden. Außerdem sei vielen auch mittlerweile klar geworden, dass ihnen der Prozess nicht die Antworten liefern könne, die sie suchten. Es werden Fehler in der Planung untersucht, um einen strafrechtlich Schuldigen zu identifizieren. Das ist nicht die Aufklärung, das sind nicht die Antworten, die Betroffene und Hinterbliebene suchen. Das könne ein Strafprozess nicht leisten, so Notfallseelsorger Bannert. Er beantworte nicht alle Fragen. Die psychische Belastung durch den Prozess sei deswegen zu groß, das wollten sich viele nicht (mehr) antun.

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Zu Prozessbeginn habe die Stiftung an jedem Verhandlungstag zwei Leute vor Ort gehabt, erzählte Ulrike Stender: einem Notfallseelsorger und einem Psychologen. Heute wäre nur noch einer vor Ort, mit einem Zweiten auf Abruf, falls größerer Bedarf besteht. „Zwei bis drei Gespräche führt man da schon am Tag, manchmal auch vier oder fünf“, erzählte Richard Bannert. Jedes dieser Gespräche sei wichtig: Besucher, Nebenkläger, deren Anwälte, aber auch Zeugen würden das Gespräch suchen, weil sie die Katastrophe und ihre Aufarbeitung belasteten. Gerade die Zeugen habe man im Vorfeld nie als Zielgruppen für das Angebot gesehen, räumte Stender ein. Das Landgericht unterstützt die professionelle Betreuung durch hochqualifzierte Fachkräfte: Für Gespräche steht außer dem Foyer des CongressCenters der Messe Düsseldorf auch ein geschlossener Raum für mehr Privatsphäre zur Verfügung.

Hilfen für Betroffene und Vermittlung von Therapieplätzen
„Uns sprechen immer noch Leute an, die wir entweder noch nicht kennen oder die uns bislang nicht mit Problemen bekannt waren“, erzählte Vorstand Jürgen Widera. Angelika Köhler hilft in der Geschäftsstelle der Stiftung dann bei Rentenanträgen, Kostenübernahmen von Therapien bzw. bei der Suche nach Möglichkeiten finanzieller Unterstützung und bei der Vermittlung von Therapieplätzen. „Die Versorgung mit Therapieplätzen ist in Duisburg katastrophal. Bundesweit ist es in Duisburg am schwierigsten, einen Therapieplatz zu bekommen, wie uns auch das Psychotherapeuten-Team in Frankfurt, die wir für Unterstützung anfragen können, bestätigt“, erzählte Angelika Köhler. Für einen Therapieplatz habe sie schon mal über 40 Telefonate führen müssen. Bei einem anderen Hilfesuchenden habe sie mit viel Glück innerhalb weniger Tage einen gehabt. Eine große Hilfe sei für viele auch noch die Selbsthilfegruppe, die sich immer noch alle zwei Wochen trifft. „Das Gespräch mit anderen Betroffenen tut ihnen gut“, so Köhler.

Verein Lopa2010 e. V. schießt wieder gegen die Stiftung

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Am Morgen des Pressegesprächs hatte sich der Betroffenen-Verein Lopa2010 e. V. mit einer eMail an die Presse gewandt, in der sie bekannte (und wieder einmal nachweislich falsche) Vorwürfe gegen die Stiftung erhoben. „Von dieser kleinen Gruppe an Leuten hat sich nie jemand bei uns gemeldet und um Hilfe geben“, erklärte Angelika Köhler, Geschäftsstellenmitarbeiterin der Stiftung, die sich seit der ersten Beratungsstelle der Stadt Duisburg für Opfer der Loveparade einsetzt und somit am besten über die geleistete Unterstützung Bescheid weiß.

Auch Rolf Karling fand deutliche Worte für Kreis von sieben, acht Leuten, die die Stiftung schon früher angegriffen und verleumdet hatten. Karling engagiert sich seit kurz nach der Katastrophe für Betroffene und für die Gedenkstätte, kennt den Personenkreis also aus erster Hand. „Das sind Menschen, denen man es nicht recht machen kann. Manch einem ging es primär darum, Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagte Karling. Im letzten Jahr seien aus diesem Kreis Drohungen zur „Nacht der 1.000 Lichter“ ausgesprochen worden, erzählte er. „Katastrophen ziehen Zerwürfnisse nach sich, zu groß sind teilweise Partikularinteressen“, brachte es auch Jürgen Thiesbonenkamp auf dem Punkt. In diesem Jahr will der Verein Lopa2010, so der Inhalt der eMail, größtenteils den Gedenkveranstaltungen am Jahrestag fern bleiben. Lediglich zur „Nacht der 1.000 Lichter“ am Vorabend würde wohl der eine oder andere erscheinen. Hier ist allerdings nicht die Stiftung Veranstalter, sondern Bürger für Bürger.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Deltaport Niederrheinhäfen luden zum 1. Hafentag nach Emmerich

Infrastruktur ertüchtigen und Güterströme optimieren
Von Petra Grünendahl

Begrüßte das Publikum zum 1. Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich: Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort GmbH & Co. KG und der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH. Foto: DeltaPort.

Erster Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich. Foto: DeltaPort.

Erster Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich (v. l.): Bürgermeister Peter Hinze (Emmerich), Andreas Stolte (DeltaPort Niederrheinhäfen), Udo Jessner (Port Emmerich), NRW-Verkehrsminister Hendrick Wüst und Christian Kleinenhammann (NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG), Foto: DeltaPort.

Die Seehäfen in Rotterdam und Antwerpen verzeichnen steigende Containerumschläge, erklärten die Vertreter der beiden Nordsee-Häfen, Sanne Maris und Dr. Dieter Lindenblatt, beim 1. Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich. Bedeutende Teile dieser Güterumschläge gehen ins Hinterland: Das sind über die Rheinschiene der Niederrhein und das Ruhrgebiet – und auf der Durchreise darüber hinaus. „Die A1- und A40-Brücken stehen sinnbildlich für unsere Infrastruktur“, warnte Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH. Geplant waren sie vor über 50 Jahren für 40.000 Fahrzeuge am Tag. Vor den ersten Sperrungen wegen Baufälligkeit fuhren täglich über 120.000 Fahrzeuge über die Brücken – inklusive Lkw mit Ladungsgewichten, für die die Rheinquerungen nie ausgelegt waren: „Wir sind alle davon betroffen“, so Stolte. Die Verlagerung von Güterverkehren weg von der Straße ist dringend nötig. Für die letzte Meile ist der Lkw unerlässlich, für die langen Wege gibt es wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Alternativen: die Wasser- und die Schienenwege. Intentionen zur Stärkung von Bahn und Binnenschiff gibt es schon lange – mit einem Anteil am Modalmix von 39 Prozent. Über Lippenbekenntnisse gingen diese aber bislang nie hinaus: der Lkw hält über 80 Prozent am Gütertransport.

Auch an Deutschlands führendem Logistikstandort Nordrhein-Westfalen machen sich Logistik-Fachleute Gedanken über ihre Zukunft in einem Bundesland am Verkehrsinfarkt: 17 Prozent der Autobahnen nehmen 20 Prozent des bundesdeutschen Verkehrs auf. Die DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH hatte zu ihrem 1. Hafentag eingeladen, um Zukunftsperspektiven insbesondere der Binnenschifffahrt und der Binnenhäfen am Niederrhein mit Hafen- und Logistikwirtschaft, Politik und Verwaltung zu diskutieren und in die überregionalen Verkehrs- und Güterströme einzuordnen.

Welche Rollen können die Häfen an Niederrhein in der Zukunft spielen?

Sanne Maris, Referentin External Affairs Deutschland des Hafens Rotterdam. Foto: DeltaPort.

Dr. Dieter Lindenblatt, Rrepräsentant des Hafens Antwerpen in Deutschland. Foto: DeltaPort.

Erst Anfang des Jahres hatten die Verantwortlichen der Häfen am Niederrhein* als gemeinsame Dachmarke gegründet: In der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH (Orsoy, Voerde, Wesel, Emmerich) haben sich fünf Hafenstandorte mit multimodaler Anbindung zusammengeschlossen, um unter anderem ein gemeinsames Standortmarketing zu machen. Die Standorte haben unterschiedliche Schwerpunkte, ergänzen sich aber auch. Die Contargo Rhein-Waal-Lippe GmbH mit Sitz in Emmerich hat im April letzten Jahres ein neues Containerterminal in Voerde Emmelsum eröffnet. Dorthin konnten Containerverkehre, Schwerpunkt des Umschlages im Port Emmerich, umgeleitet werden, als im Emmerich keine Kapazitäten frei waren. Die Standorte der DeltaPort Niederrheinhäfen haben Ansiedlungspotenziale bzw. bemühen sich um Flächen, um weitere Umschlagspotenziale zu erschließen. „Duisburg, Neuss-Düsseldorf oder Köln sind gut ausgelastet, so dass weitere Hafenstandorte als Hinterlandanbindung interessant werden“, brachte es Sanne Maris, Referentin External Affairs Deutschland des Hafens Rotterdam, auf den Punkt. Die Binnenschifffahrt hat Potenziale, Güterverkehre in großen Mengen für lange Transportstrecken von den hoffnungslos überlasteten Straßen auf die Wasserwege zu verlagern. Diese müssten genutzt werden, waren sich die Teilnehmer einig, um den nahenden Verkehrsinfarkt zu verhindern. Die Menge der Güter, die aus den Seehäfen nach oder durch Nordrhein-Westfalen kommen, steigt weiter an. „Antwerpen will in Zukunft weiter wachsen, optimiert den Güterumschlag und schafft zusätzliche Kapazitäten für Container“, bestätigte Dr. Dieter Lindenblatt, Repräsentant des Hafens Antwerpen in Deutschland. Auch die Belgier legen Wert auf die Nachhaltigkeit der wachsenden Hinterlandverkehre und setzen auf umweltfreundliche Verkehrsträger wie Binnenschiff und Schienengütertransport.

NRW-Verkehrsminister Hendrick Wüst. Foto: Petra Grünendahl.

„Mobilität ist die Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand“, erklärte Hendrik Wüst, Verkehrsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, als Schirmherr des Hafentages. Er zeigte in seiner Eröffnungsrede (Keynote) auf, welche Anstrengungen das Land unternimmt: „Wir werden die Infrastruktur sanieren, modernisieren und bedarfsgerecht ausbauen“, versprach der den versammelten Logistik-Fachleuten. Erste Erfolge konnte er auch vermelden: Zusätzlich zu 30 neuen Stellen für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen (WSV) bundesweit konnte er in Berlin weitere 15 Stellen nur für NRW rausschlagen. Auch für den Straßenbau ist aus den Geldern für den Bundesverkehrswegeplan 2030 reichlich Geld für Nordrhein-Westfalen da: Er habe aktuell Probleme, die zur Verfügung stehenden Gelder vollständig verbaut zu bekommen, weil Planerstellen in den Verwaltungen fehlen. Wüst machte klar, dass er sich auf Bundesebene intensiv für die verkehrspolitischen Interessen NRWs einsetzen und in Fach- und Finanzausschüssen des Bundestages um die benötigten Gelder werben wird.

Erster Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich. Foto: DeltaPort.

Ein deutsches Problem sind Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte – egal, ob es um Neubau oder um Ausbau bestehender Verkehrswege geht. Während die Niederlande schon 2007 die neuen Eisenbahnstrecken in Betrieb genommen haben, die in der Vereinbarung zur Betuwe-Linie vereinbart waren, hat man in Deutschland nicht einmal mit den Bauarbeiten zur Ertüchtigung von bestehenden Eisenbahn-Strecken begonnen. „Es kann nicht sein, dass wir an der Komplexität von Genehmigungsverfahren ersticken“, so DeltaPort-Hafenchef Stolte. Man müsse die Bevölkerung mitnehmen, Vorteile der Verkehrsprojekte klar machen und einen angemessenen Ausgleich anbieten, um Proteste und Bürgerinitiative zu verhindern.

Port Emmerich

Udo Jessner, Geschäftsführer der Port Emmerich GmbH. Foto: DeltaPort.

Michael Mies, Geschäftsführer der Contargo Rhein-Waal-Lippe GmbH. Foto: DeltaPort.

Der Hafen Emmerich. Foto: DeltaPort.

Port Emmerich. Foto: DeltaPort.

Als Gastgeber des 1. Hafentags der DeltaPort Niederrheinhäfen nutzte der Port Emmerich die Gelegenheit, sich als Logistikstandort vorzustellen. Schon seit dem 17. Jahrhundert verfügte Emmerich über eine Anlegestelle am Rhein, erst 1904 entstand hier ein Industriehafen. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich der Schwerpunkt der Containerverladung herausgebildet: Von 20.000 TEU** im Jahr 1995 stieg der wasserseitige Containerumschlag auf rund 127.000 TEU im Rekordjahr 2015 (seitdem um die 115.000 TEU). Eine weitere, dritte Containerbrücke ist in Planung. Daneben gibt es kleinere Umschläge von Öl und Chemie. Neben der Anbindung an die A3 ist der Hafenstandort an die Bahnstrecke Amsterdam-Genua angebunden.

Zum Abschluss führten Udo Jessner, Geschäftsführer der Port Emmerich GmbH, und Michael Mies, Geschäftsführer der Contargo Rhein-Waal-Lippe GmbH in Emmerich, Interessierte bei einer Bustour durch die Containerhafenanlagen sowie zu den großen Logistikzentren, die den Hafen Emmerich für ihren Güterumschlag nutzen. Neben Ansiedlungen in Emmerich hat sich ein riesiges Logistikzentrum direkt hinter der Grenze in den Niederlanden angesiedelt: „Hier schöpfen wir das Frachtaufkommen ab“, so Udo Jessner. „Die Wertschöpfung findet aber in Holland statt“, räumte Michael Mies ein. Und dorthin fließen die Steuern, die bei Ansiedlung auf deutscher Seite in Emmerichs Stadtkassen fließen würden. Hier wünschen sich die Logistiker in Emmerich die Ausweisung von mehr Gewerbeflächen: „Wenn wir Gewerbeflächen anbieten können, gibt es auch interessierte Unternehmen, sind doch die Grundstückspreise jenseits der Grenze deutlich teurer“, so Jessner, und: „Wir erwarten eine Steigerung um 60.000 TEU im Containerumschlag in der Region in den nächsten Jahren. Davon wollen wir in Emmerich in Form von weiteren Gewerbeansiedlungen auch etwas abbekommen.“

*) die Hafenbetreiber DeltaPort GmbH & Co. KG, NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG und Port Emmerich GmbH
**) TEU = Twenty Foot Equivalent (Standardcontainergröße)

© 2018 Petra Grünendahl
Fotos: Petra Grünendahl (2), DeltaPort (10)

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Duisburg-Ruhrort: Outdoor-Galerie Aufnachtschicht zeigt neue Bilder am Leinpfad

Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann
gingen auf die Suche nach neuen Motiven

Von Petra Grünendahl

Outdoor-Galerie Aufnachtschicht: Die Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann hängen am Leinpfad ihre neuen großformatigen Nachtfotografien auf. Foto: Petra Grünendahl.

„Solche Fotos macht man nicht mal so eben alle in einer Nacht“, erklärte Frank Hohmann. „Mehr als ein Motiv schaffen wir da nicht“, erzählte Daniela Szczepanski. Gemeinsam waren die beiden Fotografen unterwegs gewesen, um für ihre Outdoor-Galerie Aufnachtschicht auf Motivsuche zum Thema „Wasserwege in und um Duisburg“ zu gehen. Zehn neue großformatige und hochauflösende Nachtaufnahmen aus der Region, von Industrie- und Hafenanlagen sowie von Landmarken am Wasser hat das Fotografen-Team für die Stahlrahmen am Leinpfad geschaffen. Aufwändig ist an diesem Projekt nicht nur das Fotografieren: Auch das Aufhängen der bedruckten Leinwandplanen im Format 3,30 x 2,10 Meter gestaltet sich etwas aufwändiger: Hohmann und Szczpanski müssen die mit Kabelbindern fixierten Leinwände mit einem Stahlseil im Rahmen dauerhaft befestigen.

Outdoor-Galerie Aufnachtschicht: Die Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann hängen am Leinpfad ihre neuen großformatigen Nachtfotografien auf. Foto: Petra Grünendahl.

Am Samstag, 14. Juli, öffnet die Outdoor-Galerie Aufnachtschicht mit der neuen Fotoausstellung „Die Nacht ist bunt am Hafenmund 2018“. Bei der Premiere der Outdoor-Galerie im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres (Ruhr2010) war die Finanzierung der Präsentation über europäische Kulturförderfonds gesichert. Seit der Wiederbelebung des Projekts 2014 wird dieses Engagement ausschließlich über Bildpatenschaften finanziert. Große und keine Unternehmen aus Duisburg, Vereine und Fördergemeinschaften übernehmen für zwei Jahre eine Patenschaft für ein Bild und ermöglichen so die Weiterführung des Projektes. Neben der Suche nach Motiven und dem Fotografieren organisieren Hohmann und Szczepanski den Druck, die Hängung und die Instandhaltung sowie die Vernissage. Unterstützung bekommen sie dabei von der Künstlerin Iris Weissschuh, mit der sie aktuell eine Sonderausstellung im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt bestreiten.

Bildpaten ermöglichen Kunst im öffentlichen Raum

Outdoor-Galerie Aufnachtschicht: Bildpate Dirk Grotstollen flankiert von den Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann mit „seinem“ Bildmotiv. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Fototermin am Leinpfad waren auch Bildpaten erschienen: Rechtsanwalt und Notar Dirk Grotstollen (Kanzlei NJP Grotstollen), Vorsitzender des Ruhrorter Bürgervereins, und Angela Hütter vom Elektroinstallateur Elektro Croy e. K. Grotstollen ist ebenso seit 2014 als Bildpate dabei wie Elektro Croy: „Mein Mann René hat das Unternehmen, in dem er schon seine Ausbildung gemacht hatte, 2017 übernommen – und die Bildpatenschaft gleich mit“, erzählte Angela Hütter. Weitere Bildpaten sind in diesem Jahr: duisport, Franz Haniel & Cie. GmbH, Rhenus Logistics, Bernhard van de Spreng GmbH, der Förderverein für ein maritimes Ruhrort e.V. sowie Galerie Kose (Essen) und natürlich die Fotografen selbst, die wie in jedem Jahr den Titel übernehmen.

Outdoor-Galerie Aufnachtschicht: Bildpatin Angela Hütter von Elektro Croy e. K. mit „ihrer“ Bildleinwand. Foto: Petra Grünendahl.

Mit der Neuinszenierung 2014 haben Szczepanski und Hohmann weitere Unterstützer ins Boot holen können: Die Schirmherrschaft übernimmt der Kulturdezernent der Stadt Duisburg, Thomas Krützberg. Auch das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt mit Museumsleiter Dr. Bernhard Weber engagiert sich: Für die Vernissage stellte er das Museumsschiff „Oscar Huber“ zur Verfügung. Am 14. Juli 2018 um 19 Uhr freuen sich alle Beteiligten, die Eröffnung als öffentliches Event an Bord der Oscar Huber zu feiern. Ab 20 Uhr spielt die bekannte Duisburger Band „The Sonny Boys“ auf, zu deren Klängen bis in die Nacht getanzt werden darf. Für kühle Getränke sorgt die Hafenkneipe „Zum Hübi“.

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Impressionen vom Aufhängen der Bilder der Outdoor-Galerie Aufnachtschicht. Fotos: Petra Grünendahl.

Wer mehr über das Projekt wissen möchte, findet auf der Facebook-Seite der Outdoor-Galerie Aufnachtschicht regelmäßig alle Informationen: https://www.facebook.com/Outdoor-Galerie-Aufnachtschicht-541289159288541/

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Ballett am Rhein: „Young Moves 2018“ begeisterte das Publikum im Theater Duisburg

Über den eigenen Horizont hinaus:
Tänzer präsentieren ihre Choreographien

Von Petra Grünendahl

Sonia Dvořák: Our Discontent – Rubén Cabaleiro Campo, Rashaen Arts, Ann-Kathrin Adam, Alexandre Simões FOTO © Gert Weigelt

Eric White: Rhapsody on a Theme – Aleksandra Liashenko, Chidozie Nzerem FOTO © Gert Weigelt

„Als Tänzer ist man bei der Erarbeitung eines neuen Stücks sehr mit sich selbst, mit seiner Rolle im Tanz beschäftigt. Wer eine eigene Choreographie zur Aufführung bringen will, muss sich zusätzlich um Dinge wie Bühne oder Kostüme kümmern. Er muss aber auch den Tänzern die Bilder vermitteln, wie seine Choreographie auf der Bühne aussehen soll“, erzählte Alban Pinet in der Einführung. Er spricht aus Erfahrung: Noch vor zwei Jahren hatte er im Rahmen der „Young Moves“ seine Choreographie auf die Bühne gebracht. Mittlerweile ist er in der Dramaturgie des Balletts am Rhein tätig. Er plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen, welche Herausforderungen nicht nur die erste Choreographie, sondern die komplette Produktion bis zur Aufführung für jemanden bedeutet, der bislang „nur“ getanzt hat. Vier Tänzer des Ballett am Rhein haben für die Fortführung des Choreographie-Formats die Herausforderung angenommen, sich einzubringen: Konzept, Produktionsschritte und Entwicklung der jeweiligen Präsentation mit den Tänzern, die hier auf der Bühne ein wahrlich grandiose Vorstellung boten. Ein begeistertes Publikum im Theater Duisburg belohnte jede Choreographie mit stürmischem Applaus.

Feline van Dijken: Temet Nosce – Norma Magalhães, Bruno Narnhammer FOTO © Gert Weigelt

Mit „Young Moves 2018“ präsentierte die Deutsche Oper am Rhein den neuesten Ballettabend ihrer Plattform Choreographie: Tänzer des Balletts am Rhein können sich hier mit Choreographien ausprobieren. Zurückgreifen können sie für die Produktion auf den Mitarbeiterstab eines großen Hauses – von der Technik über die Möglichkeiten von Bühne und Kostümen bis hin zu den Mitarbeitern hinter der Bühne: Alles steht zur Verfügung, was man für eine professionelle Aufführung braucht. Die Choreographien von Feline van Dijken (Temet nosce) , Sonia Dvořák (Our Discontent), Virginia Segarra Vidal (Posidonia) und Eric White (Rhapsody on a Theme) feierten bei der Premiere im Theater Duisburg ihre Uraufführung.

Vier choreographische Handschriften hinterlassen Eindrücke

Feline van Dijken: Temet Nosce – Norma Magalhães, Bruno Narnhammer, Ensemble FOTO © Gert Weigelt

Sonia Dvořák: Our Discontent – Ensemble FOTO © Gert Weigelt

Virginia Segarra Vidal: Posidonia – Boris Randzio, Rashaen Arts, Rubén Cabaleiro Campo, Yoav Bosidan, Alexandra Inculet, Irene Vaqueiro FOTO © Gert Weigelt

Eric White: Rhapsody on a Theme – Arthur Stashak, Chidozie Nzerem, Kailey Kaba FOTO © Gert Weigelt

Jeder der vier Choreographen sei unterschiedlich an sein Projekt herangegangen, wußte Alban Pinet zu berichten. Zur Musik von Norman Dello Joio lässt die Holländerin Feline van Dijken drei Paare tanzen. „Temet nosce“ (Erkenne dich selbst) ist die Suche nach dem eigenen Ich aus Prägungen, Begegnungen und Beziehungen zu anderen. Neben der Choreographie zeichnet sie auch für die Entwürfe von Bühne und Kostümen verantwortlich.

Die Amerikanerin Sonia Dvořák wählte als musikalische Grundlage den kalifornischen Singer-Songwriter Tom Waits. Waits rauer Charme untermalt mit „Our Discontent“ (Unsere Unzufriedenheit) neun Tänzerinnen und Tänzern im Spiegel des Trump’schen Amerika. Der Bühnenentwurf stammt von Dvořák, für die Kostüme holte sie sich Guido Reinhold an Bord.

Als Choreographin verstand sich die Spanierin Virginia Segarra Vidal als Teil eines „Autorenteams“: Ihr Stück „Posidonia“ entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten Stefan Odzuck und seinem Bruder, dem Bühnenbildner Christian Odzuck. Vier Tanzpaare treten in einen Dialog zwischen Mythos und Modernität. Segarra zeichnet auch für die Kostümentwürfe verantwortlich.

Zur Musik von „An American Abroad“ von Michael Torke entwickelte der amerikanische Tänzer Eric White seine Choreographie „Rhapsody on a Theme“ für acht Tänzerinnen und Tänzer. Das mit „What if’s …“ (Was wäre, wenn …) untertitelte Stück spielt mit Begegnungen von Menschen und dem Sich-aus-den-Augen-verlieren, mit den Möglichkeiten des Was-wäre-geschehen-wenn – oder eben auch nicht geschehen. Für die Bühnengestaltung zeichnete White selber verantwortlich, die Kostüme entwarf Saskia Schneider.

Angesichts der unterschiedlichen musikalischen Begleitung kam der Sound vom Band. Das Licht-Design stammt für alle Stücke von Volker Weinhart. Mit seinen vier Stücken dauert der Ballettabend gute zweieinviertel Stunden (inklusive eine Pause).

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 7. Juli 2018 | 19:30 Uhr.

Ein kleiner Vorgeschmack:

30 Seconds of … Impressionen

Virginia Segarra Vidal: Posidonia – Ensemble FOTO © Gert Weigelt

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 14,40 und 50,10 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Gert Weigelt, Köln / Deutsche Oper am Rhein

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Zweite Auflage für die Nacht der Geschichte rund um das Schloss Moers

Moers’ Vergangenheit in seinen Facetten erleben
Von Petra Grünendahl

„Ich würde mir mehr junge Leute bei dieser Veranstaltung wünschen“, erklärte Jens Heidenreich, verantwortlich für Wirtschaftsförderung und Tourismus in Moers. Interessanter als jeder Geschichtsunterricht wird es auf jeden Fall – und nicht nur deshalb, weil es hier um Lokalgeschichte geht: Kostümierte Stadtführer machen Moers’ Vergangenheit erlebbar. „Viele Facetten machen Geschichte spannend“, so Stadtführerin Heidi Nüchter-Blömeke, deren Schwerpunkt auf Führungen zum jüdischen Leben in Moers liegt. Einen Teil davon können Interessierte auf Rundgängen rund um das Moerser Schloss miterleben, bei denen Stadtführer in historische Rollen schlüpfen, um Moerser Geschichte und historische Anekdoten zum Besten zu geben.

Frank Heinrich (GMGV), Jens Heidenreich (Stadt Moers), Wilfried Scholten (GMGV), Heidi Nüchter-Blömeke, Alexander Borchard, Hans-Helmut Eickschen, Renate Brings-Otremba, Jürgen Stock (GMGV), Fania Burger, Museumsleiterin Diana Finkele, Monika Jaklic (Peschkenhaus), Peter Boschheidgen, Horst Grundmann (beide GMGV), Anne-Rose Fusenig. Foto: Petra Grünendahl.

Am Samstag, 25. August, startet um 19 Uhr die zweite „Nacht der Geschichte“, den der Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins in Moers e. V. (GMGV) und das Grafschafter Museum im Schloss Moers auf die Beine stellen. Im Pressegespräch stellten die Organisatoren zusammen mit Akteuren das Programm vor. Ins Boot geholt haben sie sich als Kooperationspartner die Moerser Stadtführer, den Kunstverein Peschkenhaus und die Wirtschaftsförderung der Stadt Moers. Die Initiative war vom Grafschafter Museums- und Geschichtsverein ausgegangen, mit der „Nacht der Geschichte“ ein neues Programmformat zu den bekannten Stadtführungen auszuprobieren. Besucher im vergangenen Jahr seien begeistert gewesen von der Atmosphäre des abendlichen Rundgangs und von der Qualität der Vorträge, erzählen die Organisatoren. Die Premiere war ausverkauft, in diesem Jahr konnten die Kapazitäten noch ein wenig erweitert werden, allerdings bleibt das Kartenkontingent begrenzt.

Karten im Schloss Moers erhältlich

Denkmal der Kurfürstin Luise Henriette vor dem Moerser Schloss. Foto: Petra Grünendahl.

Drei Rundgänge haben die Besucher zur Auswahl: Das Moerser Schloss und den Park (inkl. Altes Landratsamt, Henrietten-Denkmal und Rosarium), die „alte Stadt“ (Pumpeneck, Peschkenhaus, Neumarkt, Ev. Stadtkirche und Juden in Moers) sowie die „neuere Stadt“ (u. a. mit dem Altmarkt, dem ehem. Nerforth-Gebäude, dem Mahnmal für die Opfer der Shoa und dem Königlichen Hof). In Gruppen zu 30 Personen gehen die Besucher alle fünf Stationen eines Rundgangs durch und lassen sich von Kostümführern in die Vergangenheit entführen zu Begebenheiten, die für die Stadtgeschichte eine Bedeutung haben. Die Stadtführer lassen historische Persönlichkeiten ihre Geschichten mitten aus dem Leben erzählen und ihre Eindrücke und Erlebnisse vermitteln: Das ist wie Geschichtsunterricht am Ort und zur Zeit des Geschehenes. „Wir zeigen hier besondere Ereignisse an bestimmten Orten“, so Wilfried Scholten, stellvertretender Vorsitzender des GMGV. „Spannend ist, wie vieles aus der Geschichte bis heute nachwirkt.“ Über die Art der Präsentation bis zum persönlichen Gespräch erschließt sich die Geschichte hier einmal ganz anders. Zum gemütlichen Ausklang geht es anschließend in den benachbarten Musenhof: Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein sorgt hier in geselliger Runde für das leibliche Wohl der Gäste.

Der Vorverkauf ist gerade gestartet. Karten gibt es an der Museumskasse im Schloss Moers. Sie kosten 8 Euro pro Person (inkl. Imbiss auf dem Musenhof). Karten können auch telefonisch oder per eMail bestellt werden, müssen dann aber bis zum 12. August abgeholt werden. Andernfalls gehen die Karten wieder in den Verkauf. Die Zahl der Teilnehmer ist auf 450 begrenzt (drei Rundgänge mit fünf Stationen für Gruppen mit je 30 Personen).

Grafschafter Museum im Moerser Schloss
Kastell 9, 47441 Moers
Telefon 02841 / 8815-10, Fax 8815-122
eMail grafschafter-museum@moers.de
www.grafschafter-museum.de

Grafschafter Museum- und Geschichtsverein e.V.
Der Grafschafter Museum- und Geschichtsverein e.V. (GMGV) befasst sich mit der Kultur und Geschichte der Stadt und Region der früheren Grafschaft Moers schon seit über 100 Jahren. Der Verein fördert zudem die Herausgabe stadthistorisch bedeutsamer Publikationen.
www.gmgv-moers.de

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)