Stolpersteinverlegungen in Duisburg: Zerstörte Leben mahnen

Sie haben uns unsere deutsche Identität genommen!
Von Petra Grünendahl

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte in Neudorf Stolpersteine für die Familie Katzenstein. Foto: Petra Grünendahl.

„Deutsches jüdisches Leben ist von Bedeutung. Wir Duisburger Juden waren hier und wir sind hier: In der Struktur der Straßen, in der Luft und im Wesen dieser Stadt“, erklärte Catherine Gardner, Tochter von Kurt Katzenstein. „Unsere Körper wurden beseitigt, aber unser Bewusstsein bleibt bestehen!“ Für Kurt Katzenstein, seinen Bruder Edgar und seine Eltern, Dr. Robert und Helga Katzenstein, verlegte der Künstler Gunter Demnig (*1947) Stolpersteine vor dem Haus Ludgeristraße 16 in Neudorf, dem letzten freiwilligen Wohnsitz der Familie. Der Anwalt Dr. Robert Katzenstein war ein angesehenes Mitglied der Duisburger Gesellschaft. Er hatte eine Kanzlei auf der Königstraße. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten bekam er Berufsverbot: „Sie nahmen ihm seine Arbeit und seine Existenz“, so Gardner. In der Pogromnacht 1938 wurde Katzenstein verhaftet und in Dachau inhaftiert. Die Wohnung wurde verwüstet, Wertsachen gestohlen – und die Familie wusste wochenlang nicht, wo Katzenstein war. „Sie wussten, dass sie Deutschland verlassen mussten, um zu überleben“, sagte Gardner. Im Frühjahr 1939 verließen die Katzensteins Deutschland. Sie kehrten nie wieder zurück.

Stolpersteinverlegung für die Familie Katzenstein (v. l.): ein altes Foto von Edgar, Helga, Kurt und Robert Katzenstein. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Verlegung der Stolpersteine für Dr. Robert Katzenstein, seine Frau Helga und Söhne Kurt und Edgar waren zwei der Kinder von Kurt Katzenstein gekommen: Catherine Gardner und ihr Bruder Simon, zusammen mit dessen Frau Linda. Kurt war von seiner Familie getrennt im April 1939 mit einem Kindertransport nach England gelangt. „Harold Abrahams, dessen Geschichte in Chariots of Fire (dt. Die Stunde des Siegers) verfilmt worden war, hatte unseren Vater aufgenommen*“, erzählte Simon Gardner. Im England hatte Kurt den Namen Kenneth Gardner angenommen, mit den deutschen Wurzeln und der Vergangenheit gebrochen. Er heiratete June, mit der er drei Kinder bekam. Kurts Eltern waren im Mai 1939 zusammen mit dem jüngeren Bruder Edgar nach Honduras (Mittelamerika) geflüchtet. Seine Familie hat Kurt nie wieder gesehen.

Auf der Suche nach den deutschen Wurzeln

Stolpersteinverlegung für die Familie Katzenstein (v. l.): Dr. Andreas Pilger (Stadtarchiv), Bürgermeister Volker Mosblech, Simon Gardner, Jörg Weißmann, Catherine Gardner und Linda Gardner. Foto: Petra Grünendahl.

„Sie haben ihm und uns unsere deutsche Identität genommen“, erklärte Catherine Gardner. „Was ist unser Erbe? Wir haben nicht einmal unsere Familiennamen!“ Mit dem Kaddisch, dem jüdischen Totengebet, beendet sie ihre bewegende Gedenkrede zur Verlegung, der neben ihren Angehörigen Jörg Weißmann, 1. Vorsitzender des Hamborner Heimatvereins als Pate der Stolpersteine, Dr. Andreas Pilger (Direktor des Stadtarchivs der Stadt Duisburg), der bei den Recherchen geholfen hatte, und Bürgermeister Volker Mosblech beiwohnten. Der Künstler Gunter Demnig war da schon zur nächsten Stolpersteinverlegung nach Ruhrort weitergezogen.

15 neue Stolpersteine an sieben Orten in Duisburg

Familie Hillmann in Ruhrort: Stolpersteinverlegungen in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

In Ruhrort betrieben die ursprünglich aus der heutigen Ukraine stammenden Jacob und Berta Hillmann ein Bekleidungsgeschäft an der Landwehrstraße 75, wo sie auch wohnten. Mit ihren drei Kindern Gisela, Edwin und Wolfgang mussten sie mehrfach zwangsweise umziehen. Schließlich war die Familie zusammen mit über 800 weiteren Menschen 1942 nach Izbica (Polen) verschleppt und dort ermordet wurden. Die Patenschaft für die Steine übernahm die Familie Daniele, zur Verlegung waren Angehörige aus Israel bekommen.

Ehepaar Brandt in Marxloh: Stolpersteinverlegungen in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

In Marxloh wohnten Erich und Else Brandt an der Bayernstraße 68. Auf der Weseler Straße 48 betrieben sie das Kaufhaus Brandt & Co. Die Nationalsozialisten deportierten sie im Oktober 1941 ins Ghetto nach Litzmannstadt (Lodz, Polen), wo Else Brandt im Juli 1942 starb. Ihren Mann Erich brachten sie ins Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno nad Nerem, Polen), wo dieser im September 1942 starb. Auch für diese Stolpersteine übernahm der Heimatverein Hamborn e. V. die Patenschaft.

Stolpersteine für Homosexuelle

Gunter Demnig bei den Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Nicht nur Juden oder politisch anders Denkende wurden im Dritten Reich verfolgt, sondern u. a. auch Homosexuelle. Vier Stolpersteine verlegte Gunter Demnig für Männer aus Duisburg. Sie wurden alle von der Gestapo verfolgt, verhaftet, unter Druck verhört und gaben in den Verhören die Namen weiterer homosexuell orientierter Männer preis, gegen die die Gestapo dann ebenfalls vorging. Es kam in einer Vielzahl von Fällen zu Anklagen wegen Verstoßes gegen §175 („widernatürliche Unzucht … unter Personen männlichen Geschlechts“). Den §175 gab es auch im Nachkriegsdeutschland im Strafgesetzbuch (StGB): Erst 1969 wurde er entschärft, 1994 dann endlich abgeschafft.

Walter Braumann: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Walter Braumann (1897-1973) wurde 1936 zu einer Haftstrafe von einem Jahr und 3 Monaten verurteilt. Nach der Haftverbüßung fand mit Hilfe seiner angesehenen Kaufmannsfamilie eine neue Arbeitsstelle und überlebte die NS-Zeit. Für den Stolperstein an der Düsseldorfer Straße 95 (heute am Kantpark) übernahm der Verein DUGay e. V. die Patenschaft.

Paul Friedrich: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: DUGay e. V.

Paul Friederich (1909-1945) gestand in den Gestapo-Verhören 1936 eine Vielzahl von sexuellen Kontakten zu Männern. Er wurde als nicht schuldfähig eingestuft, das erste Strafverfahren eingestellt. Bei einem zweiten Gerichtsverfahren 1943 verurteilte man ihn nach §175 zur Einweisung in eine Heil- und Pflegeanstalt. Aus der Anstalt wurde er mit einer Gruppe von „40 geisteskranken Verbrechern“ (so die Aufzeichnungen) im September 1944 in das KZ Mauthausen/Österreich deportiert, wo er als „Sicherungsverwahrter“ kurz vor Ende des Krieges im März 1945 ermordet wurde. Für den Stolperstein an der Rahmer Straße 22 in Alt-Wanheim übernahm Bärbel Bas, MdB, die Patenschaft.

Alfred Ledermann: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Alfred Ledermann (1921-1942) wurde als „asozial und homosexuell“ bezeichnet und nach zwei Gefängnisstrafen wegen §175 in das KZ Sachsenhausen deportiert, wo er bei einer gezielten Mordaktion gegen Homosexuelle im Klinkerwerk im Sommer 1942 ermordet wurde. Für seinen Stolperstein an der Kurz-Heintze-Straße 11 in Bissingheim übernahm Michael Kleine-Möllhoff (Bezirksvertretung Duisburg-Süd) die Patenschaft.

August Zgorzelski: Stolpersteinverlegungen für Homosexuelle in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Der bei Krupp in Rheinhausen arbeitende Schmelzer August Zgorzelski (1904-1944) wurde im August 1941 vor dem Duisburger Landgericht angeklagt und zu Gefängnishaft verurteilt. Nach seiner Haftentlassung nahm ihn die Polizei in Vorbeugehaft. Es folgte die Deportation nach Buchenwald, wo er ermordet wurde. Für den Stein an der Obermauerstraße 81 übernahm ebenfalls Bärbel Bas, MdB, die Patenschaft.
Weitere Informationen findet man unter http://www.stolpersteine-homosexuelle.de.

Familie Hillmann in Ruhrort: Stolpersteinverlegungen in Duisburg. Foto: Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V.

Seit 2008 organisiert der Jugendring Duisburg e.V. die Stolpersteinverlegungen in Duisburg.

*) In der deutschen Wikipedia steht ja nicht so viel über Harold Abrahams, aber der englischen Wikipedia findet sich im ausführlichen Text folgendes: „During the Nazi regime and war, the couple also fostered two Jewish refugees: a German boy called „Ken Gardner“ (born Kurt Katzenstein),[19] and an Austrian girl named Minka.[20]” (https://en.wikipedia.org/wiki/Harold_Abrahams).

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Yannik Form / Jugendring Duisburg e. V. (7), DUGay e. V. (1)

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Thyssenkrupp Steel investiert in den Standort Duisburg: Logistik-Hub für die Zukunft neu aufgestellt

Digitalisierte Güterabfertigung ermöglicht effizientere Prozesse
Von Petra Grünendahl

Offizielle Eröffnung von Tor 6: NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (r.) – begleitet von Logistik-Chefin Ulrike Höffken, Bürgermeister Erkan Kocalar und thyssenkrupps Stahlchef Andreas Goss (v. l.). Foto: Petra Grünendahl.

Mit dem Transponder des hinter ihm wartenden Lkw öffnet NRW-Wirtschaftsministser Andreas Pinkwart die Schranke zur Einfahrt aufs Gelände von thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Am digitalen Terminal bekommt der Fahrer nur noch einmal ein Stück Papier in die Hand. Innerhalb weniger Minuten ist er von der Zufahrt an der Hoffschen Straße unterwegs zu seinem Ziel auf dem Werksgelände. Rund 15 Mio. Euro hat thyssenkrupp Steel in die Hand genommen, um die Logistik, in der im Werk im Duisburger Norden rund 1.300 Mitarbeiter tätig sind, neu und digital aufzustellen. Aus guten Grund: „Rund 2.000 Lkw passieren täglich unsere Werkstore. Wir wollen den Durchsatz optimieren und Staus vor den Werkstoren reduzieren“, erklärte Andreas Goss, Vorstandsvorsitzender (CEO) der thyssenkrupp Steel Europe AG.

Offizielle Eröffnung von Tor 6 bei thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Foto: Petra Grünendahl.

Offizielle Eröffnung von Tor 6 (v. l.): thyssenkrupps Stahlchef Andreas Goss, NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, Bürgermeister Erkan Kocalar und Logistik-Chefin Ulrike Höffken. Foto: Petra Grünendahl.

Thyssenkrupp Steel feierte den Startschuss in die digitale Zukunft an einem der größten Logistik-Hubs in Deutschland. Am neu gebauten Tor 6 werden Lkw jetzt zunehmend digital abgefertigt: „Prozesse konnten gestrafft werden, statt 70 sind es nur noch zwei. Die Zeit für Wiegeprozesse konnte um zwei Drittel zu reduziert werden. Das spart Zeit und Geld. Dieses Projekt ist insgesamt europaweit beispielhaft für Industrieparks unserer Größe“, so Ulrike Höffken, Leiterin Logistik bei thyssenkrupp Steel. Die schnellere Abfertigung und zusätzliche Stellplätze für die Lkw an einem Autohof am Werksgelände vermindern Rückstaus in Richtung Autobahn und in den Stadtteil. „Wir wollen unsere Verkehrsströme intelligent steuern und werden unsere digitalen Prozesse nach und nach hochfahren“, erklärte Ulrike Höffken. Als einen „Meilenstein auf dem Weg zu digitalem Management im Stahlwerk der Zukunft“ bezeichnete es Stahlchef Goss: „Wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten“, begründete der Vorsandsvorsitzende die Investition des Stahlunternehmens in den Standort im Duisburger Norden.

Güterabfertigung: Das alte System stieß an seine Grenzen

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart bei der offiziellen Eröffnung von Tor 6 der thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Foto: Petra Grünendahl.

Vorstandsvorsitzender Andreas Goss bei der offiziellen Eröffnung von Tor 6 der thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Foto: Petra Grünendahl.

Offizielle Eröffnung von Tor 6 bei thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Foto: Petra Grünendahl.

Täglich passieren rund 2.000 Lkw sowie 13.000 Kleinlaster und Pkw die Werkstore, Tendenz steigend. Das bisherige System mit einer Vielzahl nicht aufeinander abgestimmter, analoger Prozesse geriet an seine Grenzen. Bei der Lösung arbeitete ein Team aus Logistik, Anlagenwirtschaft, IT, Werkschutz und Arbeitssicherheit von Beginn an mit dem Anspruch zusammen, nicht einzelne Symptome zu bekämpfen, sondern etwas grundlegend Neues und Zukunftsfähiges zu schaffen. Das in der Folge entwickelte Konzept sieht eine Entzerrung und Ordnung der Verkehre durch weitgehend digitalisierte Prozesse vor.

Sichtbares Zeichen dieses Modernisierungsschrittes ist der digitale Torkontrollschein. Mit einem QR-Code versehen, ist er der Schlüssel, um auf das Werksgelände in Duisburg-Nord zu gelangen. Er ist die Verbindung zwischen physischem Transport und digitaler Welt und kann künftig über Selbstbedienungsterminals oder vorab über ein Webportal erstellt werden. Spediteure und Lkw-Fahrer sollen künftig zudem die Möglichkeit bekommen, dies via Smartphone-App mobil zu erledigen.

Durch ein Track-and-Trace-System wird die gesamte Verkehrsteuerung deutlich effizienter, weil nun genau prognostiziert werden kann, wann welcher Lkw das Werk ansteuert. Gibt es unvorhergesehene Wartezeiten, können die ankommenden Lkw auch auf einen neu gebauten und in Werksnähe liegenden Autohof geleitet werden. Dort stehen ihnen unter anderem Sanitäranlagen und Terminals zur Vorabfertigung zur Verfügung. Am Tor selbst sind nun auch die Wiegeprozesse vollständig digital und werden von einem neuen Leitstand aus gesteuert und überwacht.

Torprojekt ist europaweit einzigartig: Leistungsfähige IT war Voraussetzung für den Erfolg

Ulrike Höffken, Leiteren Logistik der thyssenkrupp Steel Europe AG, bei der offiziellen Eröffnung von Tor 6 der thyssenkrupp Steel in Beeckerwerth. Foto: Petra Grünendahl.

Offizielle Eröffnung von Tor 6: NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (r.) – begleitet von Logistik-Chefin Ulrike Höffken, Bürgermeister Erkan Kocalar und thyssenkrupps Stahlchef Andreas Goss (v. l.). Foto: Petra Grünendahl.

Ulrike Höffken, Leiterin Logistik bei thyssenkrupp Steel, beschreibt die enormen Effekte, die die umfassende Modernisierung der Abfertigungsprozesse mit sich bringt: „Unverzichtbar waren geeignete IT-Systeme. Denn hinter dem Torkontrollschein als digitalem Zwilling des jeweiligen Transportes, stehen cloud-basierte Datenströme, gefüttert durch tausende tägliche Verkehre, die sinnvoll verknüpft und analysiert werden müssen. Das Torprojekt ist daher ein wichtiger Meilenstein, aber erst der Anfang. „Wir wissen, dass das Torprojekt erst der Beginn einer Entwicklung ist. Daher ist es ganz bewusst modular aufgebaut, um es bei Bedarf ausbauen zu können. Wir müssen grundsätzlich technologieoffen sein, um Chancen für Verbesserungen rechtzeitig zu erkennen“, erklärte Höffken.

Neben den rund 730.000 Lkw im Jahr (mit 40 Mio. Tonnen Gütern) sowie Gütertransporten per Lieferwagen nutzt thyssenkrupp Steel aber auch andere Verkehrsträger: Zur Logistik gehört eine eigene Flotte von über 100 Schiffen für den Gütertransport. Außerdem betreibt Thyssenkrupp Steel am Standort im Duisburger Norden Deutschlands größte Werkseisenbahn mit fast 90 Loks und 2.000 Güterwagen auf 470 Kilometern eigenem Schienennetz. Auf den rund 70 Kilometern Straße im Werksgelände sind im Jahr 5,5 Mio. Fahrzeuge unterwegs. Das Werksgelände von rund 10 Hektar erstreckt sich über mehrere Stadtteile in den Stadtbezirken Hamborn und Meiderich-Beeck.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Loveparade-Strafprozess: Polizeieinsatzleiter Jörg Schalk sagte aus

Welche Rolle spielte die Polizei in der Planung?
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Das ist ja schon wieder einer, der von Veranstaltungssicherheit keine Ahnung hat“, schimpfte ein ständiger Zuhörer, der selber mit Veranstaltungen und Sicherheit zu tun hat und dafür auch entsprechende Schulungen zum Thema besuchen musste. „Jeder Schulleiter muss so eine Schulung bei der Berufsgenossenschaft machen, damit in seiner Aula mit ein paar Hundert Kindern nichts passiert. Und hier haben Leute geplant, die das entsprechende Fachwissen gar nicht haben.“ Schon bei früheren Verhandlungsterminen hatte er – nennen wir ihn: Jan – solche Aussagen gemacht: „Warum müssen sich Leute, die so etwas von Amts wegen planen oder für solche Planungen als Amtsleiter verantwortlich sind, nicht entsprechend kundig machen. Es gibt Schulungen dafür!“

Polizeieinsatzleiter Jörg Schalk. Foto: Lukas Schulze / Funke Foto Services.

Im Strafverfahren gegen „Dressler und andere“ hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg den Polizeibeamten Jörg Schalk als Zeugen geladen. Der damalige polizeiliche Leiter des Führungsstabs am Veranstaltungstag ist der erste Polizeibeamte im Zeugenstand. Seine Vernehmung ist für insgesamt fünf Prozesstage angesetzt. „Ich hoffe, nicht nur dem Gericht, sondern auch Angehörigen und Betroffenen Antworten liefern zu können“, erklärte der 55-Jährige. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ Schalk zunächst erzählen, wobei sich dieser zunächst beschränkte auf die den Aufgaben, die er in der Planungsphase wahrnahm – und die sich primär in der Vorbereitung darum drehten, welche Aufgaben die Polizei am Veranstaltungstag zu spielen hätte. Am 24. Juli selber habe er die Spätschicht im Polizeiführungsstab übernommen.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein, von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Danach hakte Richter Plein mit Fragen nach, versuchte chronologisch die Planungen aufzuarbeiten ab dem Zeitpunkt im März 2010, an dem Schalk dort aktiv eingebunden war. Plein konfrontierte den Polizeieinsatzleiter chronologisch mit Aussagen (auch früheren eigenen Aussagen) und mit Schriftstücken, um seine Aussagen in Kontext zu anderen Aussagen und Ereignissen zu setzen. Sehr ausführlich fragte er insbesondere nach, welche Rolle die einzelnen Angeklagten in der Planung gespielt hatten und wie der Zeuge sie dabei wahrgenommen hatte. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Auch an der Polizei vorbei geplant

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Auch Jörg Schalk bestätigte, dass allgemeiner Konsens gewesen sei, dass die Zuwege zum Veranstaltungsgelände nur bis zu den Vereinzelungsanlagen reichten. Damit endeten die Zuständigkeiten von Polizei, Feuerwerk und Ordnungsamt an den Sperren zur Karl-Lehr-Straße (Düsseldorfer Straße bzw. Grabenstraße/Kommandantenstraße). Die Polizei auf dem Veranstaltungsgelände war für kleinere Straftaten und Delikte zuständig, die sich in solchen Massenveranstaltungen ereignen (z. B. Diebstähle, sexuelle Übergriffe etc.). Die Sicherheit des Veranstaltungsgeländes lag in der Verantwortung von Lopavent, also auch im Tunnel und auf der Rampe.

Wenn das Veranstaltungsgelände wegen erreichter Auslastung gesperrt werden sollte, sollten auch gleichzeitig die Eingänge an den Vereinzelungsanlagen geschlossen werden, so Schalk. Erst in einem späten Sicherheitskonzept (vom 28. Juni 2010), bei dem die Polizei bei der entsprechenden Arbeitskreissitzung (AG Sicherheit) weder anwesend noch involviert war, hieß es: Diese Sperren hätten „in Absprache mit der Polizei“ geschehen, sagte der Polizeibeamte. Von dieser Regelung habe er damals nichts gewusst – und auch erst in der der Aufarbeitung nach der Katastrophe davon erfahren, so Schalk. Und: „Diese Verantwortung hätten wir gar nicht haben wollen.“

Für das Veranstaltungsgelände brauchte Loveparade-Veranstalter Lopavent eine Genehmigung nach Sonderbauverordnung (früher: Veranstaltungsstättenverordnung). Für diese musste nachgewiesen werden, dass es für die Besucher im Ernstfall ein Brandschutzkonzept sowie ausreichend Fluchtwege vom oberen Veranstaltungsgelände gab. Diese Genehmigung verlangte nicht nach Nachweisen über ausreichende Zu- und Abwege für den regulären Zugang zum Gelände. Diese Zu- und Abwege lagen aber auf den entscheidenden Metern auch nicht in der Verantwortung von irgendjemand sonst.

Zwischenbilanz: Ein Kommentar
Die Veranstaltung war „politisch gewollt“, wie mehrere Zeugen i m Loveparade-Strafprozess bestätigten. Direkten politischen Druck auf die Verwaltung habe es aber nicht gegeben, so bisherige Zeugen. Loveparade-Veranstalter Lopavent hatte ein dringendes Interesse, dass die Veranstaltung stattfindet. Entsprechend erwarteten sie Entgegenkommen bei der Stadt in Bezug auf die Genehmigung (Brandschutz und Fluchtwege), wie auch schon in früheren Aussagen deutlich geworden war. Erfahrungen aus Veranstaltungsorganisation brachten sie mit: Jörg Schalk schilderte sie als kompetente Ansprechpartner. Aber auch sie hatten nie eine solche Großveranstaltung auf einem geschlossenen Areal geplant und durchgeführt.

Was sich so langsam nach vielen Zeugenaussagen herausschält, ist die Erkenntnis, was nötig gewesen wäre: Eine übergeordnete Koordination und eine Führungsperson hier vor Ort, die mit Sachverstand und der nötigen Fachkenntnis aus Schulungen zur Sicherheit von solchen Großveranstaltungen die Fäden in der Hand gehabt hätte. Mit „das war nicht unsere Baustelle!“ schieben die an der Planung beteiligten Verantwortlichkeiten hin und her – bloß immer weit weg von sich selbst. Jeder hatte nur seine Zuständigkeit im Sinn. Und keiner der bislang gehörten, im Planungsverfahren direkt Beteiligten konnte mit Fachwissen zur Veranstaltungssicherheit glänzen, wie Jan als kundiger Beobachter immer wieder hervorhob.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Foto: Petra Grünendahl (2), Lukas Schulze / Funke Foto Services (1), Lars Heidrich / Funke Foto Services (1)

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Duisburg-Hamborn: Tag des Offenen Dankmals am 9. September in alter Zechenverwaltung

Heimatverein Hamborn auf den Spuren des ehemaligen Bergwerks Friedrich Thyssen 1/6
Von Petra Grünendahl

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Gewerkschaft Deutscher Kaiser beherbergt heute die AWO-Integrations gGmbH. Foto: Petra Grünendahl.

„Als dieses Verwaltungsgebäude 1910 gebaut wurde, war es das modernste der Stadt“, erzählte Jörg Weißmann, Vorsitzender des Heimatvereins Hamborn e. V., denn: „Es hatte ein Rohrpostsystem.“ Die Rohrpost ist Vergangenheit, heute greift man zum Telefon. Das Gebäude jedoch ist mit seiner gepflegten Fassade definitiv denkmalwürdig: „Es ist aber noch nicht in die Denkmalliste eingetragen“, verriet Petra Kastner von der Unteren Denkmalbehörde. Die Zechen sind Vergangenheit: Einzig sichtbares Überbleibsel des Schachtes 1/6, auf dessen Areal auch die alte Verwaltung steht, ist ein Fördergerüst*. Heute belebt die AWO-Integrations gGmbH das Verwaltungsgebäude mit ihren sozialen Angeboten für den Stadtteil. Als Jörg Weißmann den Geschäftsführer der AWO-Integration, Philipp Thelen, ansprach, lief er bei diesem offene Türen ein, zum Tag des Offenen Denkmals gemeinsam ein Programm auf die Beine zu stellen.

Stellten das Programm für den Tag des Offenen Denkmals in Hamborn vor (hintere Reihe von links): Manuela Koster (Assistentin des Geschäftsführers), Jörg Weißmann (Heimatverein Hamborn e. V.), Thorsten Fischer (Historiker, Heimatverein Hamborn e. V.) sowie (vordere Reihe von links) Ute Hoffmeister (Leiterin AWO Begegnungs- und Beratungszentrum Hamborn), Petra Kastner (Untere Denkmalbehörde), Ursula Hildebrandt (Mitarbeiterin AWO Begegnungs- und Beratungszentrum Hamborn) und Philipp Thelen (Geschäftsführer der AWO-Integrations gGmbH. Foto: Petra Grünendahl.

In der Cafeteria „Awocado“, einem Anbau am ehemaligen Verwaltungsgebäude der Gewerkschaft Deutscher Kaiser, stellten Jörg Weißmann, Petra Kastner (Untere Denkmalbehörde) und Philipp Thelen, Geschäftsführer der AWO-Integration gGmbH, das Programm zum Tag des Offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, in Hamborn vor. Erste Ideen mit der Siedlung am Bergmannsplatz in Neumühl hatten sich nicht realisieren lassen: „Wir hätten keinen Raum als Unterschlupf gehabt, der uns dort am Sonntag zur Verfügung geständen hätte“, so Weißmann. Bereits seit mehreren Jahren steuert der Heimatverein Hamborn zum Programm der Stadt bei. Die (Neu-)Planungen zogen sich jedoch hin, so dass der Hamborner Standort in den Flyer der Stadt (Programmvorstellung zum Flyer der Stadt) nicht mehr aufgenommen werden konnte.

Zwei Führungen, eine Ausstellung und Kaffee & Kuchen

Zeuge der großen Hamborner Vergangenheit: Das Amtsgericht mit dem Wappen der einst selbstständigen Stadt. Foto: Petra Grünendahl.

Die Cafeteria „Awocado“ steht auch zum Tag des Offenen Denkmals im Mittelpunkt der Aktivitäten. Hier starten zwei gut anderthalbstündige Führungen über das ehemalige Zechengelände. Jörg Weißmann führt Besucher auf den Spuren der früheren Nutzung des Zeche Friedrich Thyssen 1/6 rund um den in der Denkmalliste eingetragenen Förderturm* (11.30 und 14 Uhr). In der Cafeteria zeigt der Heimatverein ab 11 Uhr eine Ausstellung mit bislang nicht veröffentlichten historischen Ansichten von Schacht 1/6 und Umgebung. Dazu bieten engagierte Mitarbeiter der AWO-Integration Getränke, Kaffee und Kuchen an. Bis etwa 16 Uhr haben Besucher Zugang zur Cafeteria.

*) Das Fördergerüst des ehemaligen Bergwerk Friedrich Thyssen 1/6 gehört zur „Route der Industriekultur“. Es erinnert an ein Jahrhundert Bergbaugeschichte: Von 1876, als hier erstmal Kohle gefördert wurde, bis 1976, als Hamborn mit der Schließung der Zechen Friedrich Thyssen Schacht 2/5 sein letzten Bergwerk verlor.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Weiße Riesen: Stadt Duisburg kauft weiteres Hochhaus auf der Ottostraße in Hochheide

Der erste Weiße Riese in Hochheide fällt am 24. März 2019. Foto: Petra Grünendahl.

Die Stadt Duisburg hat ein weiteres Hochhaus in Homberg-Hochheide angekauft. Der Ankauf ist Teil des Integrierten Handlungskonzeptes zur Stabilisierung des Stadtteils. Die Vermietung und Verwaltung des Gebäudes an der Ottostraße wird künftig von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GEBAG übernommen.

Von den 160 vorhandenen Wohnungen im Hochhaus sind aktuell nur etwa 100 Wohneinheiten belegt. Ziel ist es, das Hochhaus an der Ottostraße leer zu ziehen und perspektivisch vom Markt zu nehmen. Daher werden GEBAG und die Stadt Duisburg nun mit den beteiligten Mietern persönlichen Kontakt aufnehmen und gemeinsam nach passenden Wohnungsalternativen im Stadtteil suchen, damit die Bewohner in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Die Stadt wird die Mieter mit Fördermitteln aus dem Programm Soziale Stadt in Form von Umzugsbeihilfen unterstützen.

Mit dem vom Rat der Stadt Duisburg beschlossenen Integrierten Handlungskonzept für das Sanierungsgebiet Hochheide soll der Stadtteil stabilisiert und zukunftsfähig aufgestellt werden. Hochhäuser mit einem hohen Anteil leerstehender, perspektivisch nicht mehr vermarktbarer Wohnungen werden vom Wohnungsmarkt genommen und abgerissen. Die freiwerdenden Flächen werden als Grünflächen ausgebaut, um die Aufenthaltsqualität im Quartier zu erhöhen. Die Vorbereitungen für den Rückbau der beiden Hochhäuser Ottostraße 24-30 und Friedrich-Ebert-Straße 10-16 laufen bereits.
Stadt Duisburg
Foto: Petra Grünendahl

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Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag: DGB mahnt zu Frieden und gegen Faschismus

HeRoes tragen geschlechterreflektierende Jugendarbeit zu Gleichaltrigen
Von Petra Grünendahl

Duisburgs DGB-Vorsitzende Angelika Wagner begrüßte die Teilnehmer an der Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag. Foto: Petra Grünendahl.

Bürgermeister Manfred Osenger beim Grußwort der Stadt Duisburg. Foto: Petra Grünendahl.

„Heute – 100 Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs, 81 Jahr nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs – sind weltweit Millionen von Menschen Opfer von Krieg und Verfolgung“, mahnte Duisburgs DGB-Vorsitzende Angelika Wagner. „Nie wieder Krieg! Abrüsten statt Aufrüsten!“ sei aktuell wie nie zuvor, stiegen doch die Rüstungsausgaben wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr, so Wagner. „Frieden ist in Europa selbstverständlich geworden“, führte Bürgermeister Manfred Osenger an. Anderes könnten sich jüngere Leute in Deutschland und Europa nicht mehr vorstellen, so Osenger. Weltweit jedoch seine Millionen von Menschen auf der Flucht vor Kriegen. „Mit der fortschreitenden Aufrüstung sinkt die Chance, Konflikte friedlich zu lösen“, warnte er. Auch der Kampf gegen Rechte und Faschisten hat seinen Sinn nicht verloren: „Wer sagt: ‚ich bin doch kein Nazi, aber …’ hat nichts verstanden“, machte Wagner klar. Es seien die Zukunftsängste der Menschen, die rechte Parteien ausnutzten: „Wir sehen, wie sich Hass und Menschenfeindlichkeit wieder ausbreiten.“ Und: „Wir dürfen nicht schweigen, denn wir sind die große Mehrheit. Wir müssen lauter werden!“

Stellten die Arbeit von Jungs e. V. und den HeRoes vor (v. l.): Emra Bayanbas, Soufian El Abdounim ud Sven Leimkühler. Foto: Petra Grünendahl.

Traditionell hatte der DGB Niederrhein in Duisburg zum Antikriegstag ins Rathaus am Burgplatz eingeladen. Die Gedenkveranstaltung erinnert an den Überfall auf Polen am 1. September 1939, mit dem Nazi-Deutschland den Zweiten Weltkrieg begann. Die Organisatoren der Gedenkveranstaltung nutzen die Gelegenheit, Institutionen oder Personen ein Gesicht zu geben, die sich im Widerstand gegen Faschismus, gegen Krieg und für Verständigung und Frieden, in Aufklärung oder Jugendarbeit engagieren. Nach den Grußworten der Duisburger DGB-Vorsitzenden Angelika Wagner und von Bürgermeister Manfred Osenger stellte Sven Leimkühler die Arbeit der Jungs e. V. vor.

Jungs e. V. und das Gleichstellungsprojekt HeRoes

Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag: Soufian El Abdounim und Emre Bayanbas (v. l.) erzählten von ihrer Arbeit als HeRoes. Foto: petra Grünendahl.

„Die Jungs e. V. ist das städtische Jugendbüro und ergänzendes Pendant zur Mädcheneinrichtung Mabilda“, erzählte Sven Leimkühler, als Diplom-Sozialarbeiter und -Pädagoge hauptamtlicher Mitarbeiter des Vereins. Die Jungs e. V. ist 1998 aus dem Arbeitskreis Jungenarbeit entstanden und ist in der Jungenbildung tätig. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen auf Geschlechterrollen und Familienehre, aber auch Antisemitismus. „Unser jährliches Gedenkstättenprojekt in Auschwitz macht jungen Muslimen klar, dass dieser Teil der Vergangenheit auch der ihre ist, weil sie sich als Deutsche fühlen“, erzählte Leimkühler. Aufklärung und Bildung jenseits des familiären Umfeldes seien wichtig für ein gleichberechtigtes Miteinander. Das Projekt HeRoes läuft in Duisburg seit 2011: die Schulung von jungen Erwachsenen zur Bildungsarbeit unter Gleichaltrigen.

Kranzniederlegung vor dem DGB-Haus am Stapeltor (v. l.): Angelika Wagner und Manfred Osenger. Foto: Petra Grünendah.

Sven Leimkühler hatte zwei seiner HeRoes mitgebracht: Emre Bayanbas und Soufian El Abdounim (beide 19) erzählten von ihrer Arbeit im Projekt. Nach Schulung und Zertifizierung gehen die Beiden als Vermittler in Schulen: Sie sprechen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie machen in Gesprächen und Rollenspielen tradierte Verhaltensweisen deutlich und vermitteln eigenständiges Denken. Sie zeigten ihre mit Gleichaltrigen erarbeiteten Videobeiträge und berichteten von ihrem Theaterprojekt, welches vor kurzen in der Jüdischen Gemeinde eine beeindruckende Premiere gefeiert hatte.
www.jungsev.de
www.heroes-net-duisburg.de/

Schautafeln zur Erklärung: Vor dem DGB-Haus erinnern eine Stele und vier stilisierte Särge an die vier ermordeten Gewerkschafter Julius Birck, Emil Rentmeister, Michael Rodenstock und Johann Schlösser. Foto: Petra Grünendahl.

Musikalisch begleitet die Veranstaltung traditionell der Stattchor. Im Anschluss legten der DGB und die Stadt am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus am DGB-Haus am Stapeltor Kränze nieder. Neben einer Stele mit der Inschrift „1933“ erinnern vier stilisierte Särge aus Stahlbrammen an vier Gewerkschafter: Julius Birck, Emil Rentmeister, Michael Rodenstock und Johann Schlösser waren am 2. Mai 1933 in dem damaligen Gewerkschaftshaus an der Ruhrorter Straße gefoltert und ermordet worden. Das Mahnmal stammt vom israelischen Land-Art-Künstler Dani Karavan, der unweit von dieser Stelle auch den Garten der Erinnerungen gestaltet hatte.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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RuhrKunstMuseen präsentieren Gesamtkatalog zur Ausstellungsreihe „Kunst & Kohle“

Werk für die Ewigkeit markiert Ende der Kohleförderung
Von Petra Grünendahl

Sie steht im Mittelpunkt der künstlerischen Positionen, die die RuhrKunstMuseen zum Ausstieg aus der Steinkohleförderung zeigen: die Kohle. 17 Bände dokumentieren das einzigartige Projekt. Foto: Petra Grünendahl.

„Jeder der siebzehn Kataloge ist ein Unikat. Wir haben lediglich den Rahmen vorgegeben. Für die Inhalte ist das jeweilige Museum verantwortlich“, erklärte Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Koordinator des „Kunst & Kohle“-Projekts und vor seinem Ruhestand 2017 Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen, den Aufbau das 17-bändigen Gesamtwerks. „Was bleibt, ist der Katalog. Er ist für die Ewigkeit gemacht“, so Projektkoordinator Ullrich. „Uns war die künstlerische Seite der Kohle wichtig, für die kulturhistorische Einordnung sind andere zuständig“, sagte Ullrich mit Blick zum Beispiel auf das Ruhr Museum in Essen. Die Ideen der beteiligten RuhrKunstMuseen habe dieses Projekt erst möglich gemacht.

Stellten den Gesamtkatalog im Kunstmuseum Gelsenkirchen vor (v. l.): Verleger Michael Wienand, Leane Schäfer (Sprecherin der RuhrKunstMuseen und Leiterin des Kunstmuseums Gelsenkirchen), Prof. Dr. Ferdinand Ullrich (Koordinator des „Kunst & Kohle“-Projekts und vor seinem Ruhestand 2017 Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen) und Annette Berg, Kulturdezernentin der Stadt Gelsenkirchen. Foto: Petra Grünendahl.

Das Gesamtwerk der Ausstellungskataloge zur Reihe „Kunst & Kohle“ stellt auf gut 1.400 Seiten die Kunstausstellungen, die die RuhrKunstMuseen zum Ausstieg aus der Steinkohleförderung Ende 2018 konzipiert haben. Siebzehn ganz unterschiedliche Werkschauen zeigen, wie sich Künstler mit der Materie Kohle und mit dem Bergbau auseinander gesetzt haben. Im Pressegespräch im Kunstmuseum Gelsenkirchen stellten Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Leane Schäfer, Sprecherin der RuhrKunstMuseen und Leiterin des Kunstmuseums Gelsenkirchen, und Annette Berg, Kulturdezernenten der Stadt Gelsenkirchen, zusammen mit dem Verleger Michael Wienand das Werk vor. Die Ausstellungskataloge dokumentieren die Verschiedenartigkeit der Ansätze, mit denen die teilnehmenden 17 RuhrKunstMuseen sich dem Thema Kohle in der Kunst angenähert haben. Sie versammeln über 100 künstlerische Positionen nationaler und internationaler Künstler, deren Werke seit Anfang Mai in 13 Städten der Metropole Ruhr zu sehen sind.

Zur Vorstellung des Gesamtkatalogs waren auch Vertreter der beteiligten Museen nach Gelsenkirchen gekommen. Foto: Petra Grünendahl.

Die einzelnen Museen haben nicht nur die Werke, sondern ihre Ausstellungen im Detail dokumentiert und mit fachkundigen Begleittexten versehen. „Das macht man nicht mal so nebenbei“, sagte Kurator Dr. Michael Krajewski vom Lehmbruck Museum in Duisburg. Dass dies teilweise erst während der Laufzeit geschehen konnte, hatte zumindest einige dieser Werke arg verzögert, so dass die Gesamtpräsentation erst jetzt stattfinden konnte. „Kunst & Kohle“ ist das größte Projekt, welches die RuhrKunstMuseen in den 10 Jahren ihres Bestehens auf die Beine gestellt haben. „Ohne die Erfahrungen aus früheren Projekten hätten wir das nicht stemmen können“, lobte Leane Schäfer die Zusammenarbeit im Netzwerk der Museen.

Die Kohle in der Kunst: 17 Museen zeigten Werke unterschiedlichster Ausrichtung und dokumentierten die Schau. Foto: Petra Grünendahl.

Ferdinand Ullrich hob auch die Unterstützung durch Sponsoren hervor: „Das ist gut investiertes Geld für die Neuausrichtung der Region“, betonte er die Identität stiftende Rolle der Kunst. Damit geben Kunst und Kultur der Region etwas zurück: Der unvergleichliche Reichtum der Kulturlandschaft im Ruhrgebiet ist schließlich der Kohle zu verdanken. Auch für ihn sei das ein ganz besonderes Projekt gewesen, erklärte der Verleger Michael Wienand: „Ich freue mich, das begleiten zu dürfen.“ Der Kölner erzählte, wie sehr er die Kunst als verbindendes Element im Ruhrgebiet kennen gelernt habe: „Leider hat die hiesige Kulturlandschaft noch nicht die breite Öffentlichkeit, die ihr eigentlich zusteht.“

Limitierte Auflage: 17 Bände im Schuber

Kunst & Kohle als Kunstwerk: Der Schuber mit 17 Ausstellungskatalogen mit einem aufgesetzten Glaskasten mit einem Stück Kohle. Foto: Petra Grünendahl.

Mittlerweile sind die Einzelbände der RuhrKunstMuseen an den jeweiligen Museumskassen zu Einzelpreisen zwischen fünf und 15 Euro (je nach Umfang des Werks) zu haben. Anfang Oktober soll nun die komplette Sammlung von 17 Bänden im Schuber an den Museumskassen erhältlich sein. Das Gesamtwerk mit einem Gesamtgewicht von 15 Kilogramm ist in limitierter Auflage verfügbar: Jedes Museum hat nur zehn Stück zum Preis von je100 Euro im Verkauf. Die Kataloge sind allesamt im einheitlichen Design im Wienand Verlag (Köln) erschienen. „Wir können stolz darauf sein“, erklärte Kulturdezernentin Annette Berg: Auf das Ausstellungsprojekt ebenso wie auf eine rundum gelungene Dokumentation einer einzigartigen Ausstellungsreihe. Die Kunstausstellungen in den 17 Museen wurden finanziell unterstützt von der Brost-Stiftung und der RAG-Stiftung (als Hauptsponsoren) sowie mit Fördergeldern der nordrhein-westfälischen Ministerien für Wirtschaft und Kultur. Für die Kataloge gab es Fördermittel von der Kunststiftung NRW.

Zur Finissage mit besonderen Aktionen
Noch bis zum 16. September zu sehen sind im:

  • Kunstmuseum Bochum: Andreas Golinski. In den Tiefen der Erinnerung
  • Museum DKM, Duisburg: Die Schwarze Seite
  • Museum Folkwang, Essen: Hermann Kätelhön. Ideallandschaft: Industriegebiet
  • Kunstmuseum Gelsenkirchen: Alicja Kwade mit Dirk Bell, Gregor Hildebrandt und Rinus van de Velde
  • Flottmann-Hallen Herne: David Nash. Holz und Kohle
  • Skulpturenmuseum Glaskasten Marl: The Battle of Coal
  • Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr: Helga Griffiths. Die Essenz der Kohle
  • Kunsthalle Recklinghausen: auf. Gert und Uwe Tobias
  • Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna: Down here – up there
  • Märkisches Museum Witten: Vom Auf- und Abstieg

Bis zum 23. September 2018 läuft im Josef Albers Museum im Quadrat Bottrop „Bernd und Hilla Becher – Bergwerke“, bis zum 7. Oktober im Lehmbruck Museum, Duisburg „Reichtum: Schwarz ist Gold“, bis zum 14. Oktober 2018 in der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum (Museum unter Tage) die Ausstellung „Schwarz“ sowie bis zum 28. Oktober 2018 im MKM Museum Küppersmühle für Modeme Kunst im Duisburger Innenhafen die „Hommage an Jannis Kounellis“.

Über die Duisburger Ausstellungen haben wir bereits berichtet:
https://duisburgamrhein.wordpress.com/?s=kunst+kohle

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Der Waldfriedhof in Wanheimerort: Kriegsgräber und Mahnmale

Opfer des Faschismus: Ehrenfriedhof, russische Kriegsgräber und ein Massengrab
Von Petra Grünendahl

Auf dem Grabstein stehen zwei Namen: Paula und Wolfgang. Den Lebensdaten nach zu urteilen möglicherweise Mutter und Sohn. Wolfgang war so um die zwei Jahre alt, als er 1944 in Duisburg starb: Im Krieg gestorben, vielleicht in den Trümmern eines zerstörten Hauses, wie so viele … unschuldige Menschen in unserer Stadt. Zwei von so vielen Opfern, die der Faschismus und die Herrschaft der Nationalsozialisten forderte: Schlichte Kreuze nebeneinander, in vier oder fünf Reihen säumen die Hecken. In manchen Reihen stehen drei, vier Kreuze nebeneinander mit demselben Familiennamen. Einzelne Gräber sind aufgereiht wie auf der Perlenkette, in mehreren Reihen hintereinander an jeder Seite der viereckigen Karrees, die einen eigenen Friedhof innerhalb des Waldfriedhofs bilden: Die schiere Masse bedrückt. Im Separée des Ehrenfriedhofs liegen Grabstätten aus dem Zweiten Weltkrieg: Männer. Frauen. Kinder. Familien. Unbekannte. 1944, 1945 lauten die Jahre des Todes. Zivile Opfer eines Krieges.

Das Mahnmal der VVN auf einem Massengrab. Foto: Petra Grünendahl.

Der Waldfriedhof an der Düsseldorfer Straße in Wanheimerort, 1923 als Neuer Friedhof in Duisburg in Betrieb genommen, birgt viele alte Grabstätten mit Geschichte. Kriegsgräber findet man in mehreren Ecken des Waldfriedhofs an der Düsseldorfer Straße: Manche sind mehr, andere weniger hervorgehoben, erschließen sich also als Grabfelder den Besuchern nicht gleich. Der Waldfriedhof in Wanheimerort wurde Anfang der 1920-er Jahre angelegt und im Jahr 1923 seiner Bestimmung übergeben. In den Kriegsjahren (insbesondere 1943/44) herrschte „Hochbetrieb“ auf dem Friedhof. Als die Zahl der Todesopfer stieg, ging man nicht nur in Duisburg schließlich dazu über, sie in Massengräbern zu verscharren. Dabei verwendete man auch Bombentrichter auf Friedhöfen, die das Graben ersparten. Ein solches Massengrab soll beispielsweise unter der Wiese liegen, auf der das Mahnmal der VVN* (heute: VVN-BdA, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten) steht.

Mahnmale in unterschiedlicher Form!

Russisches Kindergrab: Raissa war vier Jahre alt. Foto: Petra Grünendahl.

Auf dem Waldfriedhof liegen deutsche Opfer des Bombenkriegs, aber auch andere. Russische Kriegsgräber gibt es hier, verteilt über mehrere Grabfelder. Opfer des Weltkrieges, der Nazi-Diktatur: Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen und – Kinder. Ungepflegte Gräberreihen findet man in der Nähe des Zugangs an der Wedauer Straße für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Zwangsarbeiterinnen liegen eher weiter hinten, tiefer im Waldfriedhofsgelände. Die Kindergräber schließlich sind kaum aufzufinden, unter Efeu versteckt kurz vor der Autobahn. Verschämt den Blicken der Besucher entzogen liegen hier nicht nur Acht- bis Zehnjährige, sondern überwiegen Kleinkinder: zwei, drei oder vier Jahre alt sind sie geworden. Von russischen Zwangsarbeiterinnen in Gefangenschaft geboren.

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Der Waldfriedhof
Der Waldfriedhof in Wanheimerort trägt auch den Beinamen „Neuer Friedhof“. Er wurde Anfang der 1920-er Jahre angelegt, als sich eine völlige Belegung des damaligen Hauptfriedhofs Sternbuschweg in Neudorf (auch „Alter Friedhof“) abzeichnete. Im Jahr 1923 begann man mit ersten Reihengrabbeerdigungen. Ab 1925 stand auch eine Einsegnungs- und Leichenhalle zur Verfügung. Der älteste Grabstein auf dem Waldfriedhof ist ein Findling, bei dem statt einer Eingravierung eine aufgebrachte Plakette die Daten des 1924 Verstorbenen zeigt.

Der Waldfriedhof in Wanheimerort

Waldfriedhof in Wanheimerort: die alte Trauerhalle, an die sich rechts neuere Trauerhallen anschließen. Foto: Petra Grünendahl, März 2015.

Auf einer Fläche von rund 67 Hektar ist der Friedhof in einem Waldstück an der heutigen Düsseldorfer Straße angelegt worden. Seine rund 6.000 Bäume unterstreichen den waldähnlichen Charakter. Entlang eines Wegenetzes von etwa 50 Kilometern stehen inmitten der Grabanlagen auch Eichen und Buchen, die im vorletzten Jahrhundert gepflanzt wurden und mittlerweile ein Alter von über 170 Jahren erreicht haben.
Neben klassischen Grabarten gibt es mittlerweile auch Wahlgräber für Särge und Urnen, was den Wandel der Bestattungskultur dokumentiert. Pflegefreie Gräber oder Rasengräber tragen gesellschaftlichen Änderungen Rechnung, weil Pflege von Angehörigen – soweit überhaupt vorhanden – aus verschiedensten Gründen nicht geleistet werden kann. Die Gestaltung reicht von einfachen Grabsteinen auf der Wiese mit mehr oder weniger üppigem Blumenschmuck bis hin zum anonymen Grab, das nur deswegen erahnt werden kann, weil das Gräberfeld voll belegt ist.
Schon 1927 wurde ein Begräbnisfeld für die Jüdische Gemeinde der Stadt angelegt. Hier finden auch heute noch Bestattungen der zum Ende der Achtziger Jahre neuerstandenen Jüdischen Gemeinde statt. In den Neunziger Jahren schuf man auch ein islamisches Gräberfeld für den südlichen Bestattungsbezirk. Sinti-Gräber. 2011 eröffnete der Memoriam Garden in Zusammenarbeit mit Friedhofsgärtner: Hier befinden sich hochwertige Grabstätten mit besonderem gestalterischen Anspruch.

Feuerbestattung seit 1932: das Krematorium

Hier stand das alte Krematorium: Die Gocke aus dem Turm erinnert daran. Foto: Petra Grünendahl, März 2015.

Schon 1912 gab es erste Bestrebungen, eine Feuerbestattungsanlage in Duisburg zu bauen. Erst mit der Einrichtung des neuen Hauptfriedhofs wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Vom Rohbau 1929 dauerte es wegen Finanzierungsschwierigkeiten bis 1932 mit der Fertigstellung. Ein Luftangriff 1944 beschädigte das Krematorium so stark, dass Einäscherungen in der Folgezeit nicht mehr möglich waren. Dem Wiederaufbau der Verbrennungsanlage bis 1950 folgte die Inbetriebnahme der Krematoriumskapelle 1952/53. Neben Ausbesserungs-, Erweiterungs- und Modernisierungsarbeiten investierte die Stadt auch in Maßnahmen zur Schadstoffreduzierung.
Aufgrund steigender Einäscherungszahlen und wegen der veralteten Krematoriumstechnik begann man 2001 mit dem Bau eines neuen Krematoriums. Der bestehende Zellentrakt wurde bis auf die alte Trauerhalle abgerissen und ein modernes Krematorium im Frühjahr 2002 seiner Bestimmung übergeben. Äußerlich der alten Bausubstanz angepasst enthält er modernste Technik und zeitgemäße Abschieds- und Aufbahrungsräume.

Siehe auch: Berühmte Gräber auf dem Waldfriedhof

*) Inschrift des Mahnmals:
Wir bleiben die Zeugen für Wahrheit und Recht.
Wir rufen und mahnen der Zukunft Geschlecht.
*
Gedenket der Opfer des Faschismus 1933–1945.

© 2015 – 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl

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Loveparade-Strafprozess: Duisburgs Feuerwehrchef Oliver Tittmann im Zeugenstand

Gefahrenpotenziale der Rampe nicht im Blick
Von Petra Grünendahl

Der damalige Gesamteinsatzleiter der Feuerwehr und heutige Feuerwehr-Chef, Oliver Tittmann, wird als Zeuge im Prozess um die Duisburger Loveparade vernommen. Foto: Matthias Graben / FUNKE Foto Services.

„Die Rampe als Teil des Veranstaltungsgeländes war nicht unser Problem“, erklärte der Leitende Branddirektor Oliver Tittmann zum Planungsprozedere. Seine Aufgabe habe primär darin bestanden, für den Tag der Loveparade 2010 sicher zu stellen, dass in Notfällen Feuerwehr und Rettungsdienst trotz Straßensperren überall im Stadtgebiet in der vorgeschriebenen Zeit an Einsatzorten sein konnten – und das auch auf dem Veranstaltungsgelände der Techno-Parade. Aus diesem Grund waren er und andere leitende Beamte der Feuerwehr bei Besprechungen zu Planungen der Loveparade anwesend und involviert. Tittmann bestätigte die Einschätzung Wolfgang Rabes: „Es war Konsens gewesen, dass das Veranstaltungsgelände an den Vereinzelungsanlagen zur Karl-Lehr-Straße [Anmerkung: an der Düsseldorfer Straße im Westen und der Grabenstraße im Osten] anfing und bis zum Güterbahnhofsgelände hoch führte.“ Er sah die Tunnel als problematisch an: „Im Tunnel musste eine Stagnation des Durchflusses verhindert werden. Die Rampe ist dann kein Problem, denn sie ist breit und hell.“ Eine fatale Fehleinschätzung, wie die Ereignisse des 24. Juli bewiesen!

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg hatte Oliver Tittmann als Zeugen im Strafprozess geladen. Der 43-Jährige ist heute als Amtsleiter Chef der Feuerwehr Duisburg. 2010 war er Stellvertreter des Amtsleiters und zum Teil in die Planungen zur Loveparade eingebunden. Nachdem Tittmann in seiner eigenen Erzählung nur grob seine Rolle in der Planung der Loveparade umriss, stieg der Vorsitzende Richter Mario Plein gleich in die Befragung ein. Er konfrontierte Tittmann chronologisch mit Aussagen und Schriftstücken, um seine Aussagen in Kontext zu anderen Aussagen und Ereignissen zu setzen. Die Polizei hatte Tittmann im Laufe der Ermittlungen mehrfach zwischen August 2010 und Dezember 2011 vernommen. Er konnte sowohl zur Planung der Veranstaltung als auch aus seinem direkten Erleben am Tag der Veranstaltung berichten. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Tittmann sah Rampe nicht als Gefahrenquelle

Aufnahme von Google Streetview von der Rampe im August 2008: Man erkennt Zäune, die sich auf Fotos von 2011 an der gleichen Stelle wieder finden.

Oliver Tittmann sprach der Rampe eine ausreichende Breite zu, die aus den beiden Tunneln von je 15 Metern Breite kommenden Menschenmassen aufnehmen zu können. [Anmerkung: Sie hatte damals eine Breite von ca. 28 Schritt.] Das ging schon deshalb an den Realitäten vorbei, weil die Rampe nach oben hin enger wurde. Zusätzlich bildeten seitlich ansteigenden Böschungen weiter oben an der Rampe einen Flaschenhals (siehe auch hier: https://duisburgamrhein.wordpress.com/warum/professor-schreckenberg/). Quer stehende Zäune verengten den Durchgang weiter. Da hätte man vielleicht bei der Ortsbegehung des Tunnels am 24. Juni, die Richter Plein bei der Zeugenbefragung ansprach, mal drauf schauen sollen. Außerdem waren zur Loveparade auf der rechten Seite die Rampe hoch hinter einem Bauzaun Polizeiwagen geparkt. Von der Einstiegsbreite unten am Tunnel [besagte „28 Schritt“] blieb weiter oben vielleicht ein Drittel übrig …

August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Mai 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Die Mannschaftswagen der Polizei-Hundertschaften standen dort, um im Falle eines Starkregens die Rampe oben abriegeln zu können, um zu verhindern, dass Leute in Massen unten in den Tunneln Schutz suchen, während von den anderen Seiten der Tunnel Leute Richtung Veranstaltungsgelände strömen. Dort hätten parallel die Vereinzelungsanlagen dicht gemacht werden sollen. Damit wollte man ein Szenario verhindern, welches sich in Dortmund Menschenleben gefährdet hatte (https://duisburgamrhein.wordpress.com/2018/08/14/loveparade-strafprozess-ifr-leiter-klaus-juergen-schaefer-hatte-vor-tunnel-und-rampe-gewarnt/). Bei einem Personalwechsel hätten diese Fahrzeuge allerdings auf der Rampe verbleiben sollen, so Tittmann. Dies hätte ihm auch die Polizei zugesichert. Der Personalwechsel hatte dann in der Realität doch mit den Fahrzeugen stattgefunden, was die ohnehin angespannte Lage an Rampe und Tunnel weiter verschärft hatte, als die Einsatzfahrzeuge zum Wechsel dort hindurch fuhren.

Entfluchtung und Rettungswege vom Gelände

August 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

Juni 2011: Ansichten der Rampe zum alten Güterbahnhof aus dem Jahr 2011. Fotos: Petra Grünendahl.

An Breite der Rettungswege für den Fall einer nötigen Evakuierung verlangte die Bauaufsicht für ihre Genehmigung 440 Meter. Darstellen ließen sich aber nur 150 Meter. So verlangte das Bauamt neue Gutachten zum Brandschutz (Dr. Jaspers) und eine Entfluchtungsanalyse (Dr. Klüpfel, TraffGo) für das Veranstaltungsgelände. Hier legte Richter Plein Schriftstücke vor, zu denen Oliver Tittmann bestätigte, dass Lopavent und Loveparade-Hauptsponsor Rainer Schaller (McFit) von den zusätzlichen Auflagen nicht begeistert waren und sie als unnötige Kostentreiber ansahen. Gemacht wurden diese Gutachten schließlich doch. Die Rampe als Gefahrenpotenzial hatten aber auch die Gutachter nicht im Visier.

An manche Einzelheiten konnte sich Oliver Tittmann mitunter nicht erinnern nach so langer Zeit. Vieles habe er damals verdrängt, sagte Duisburgs leitender Feuerwehrmann. Das muss man ihm glauben: Bekanntlich war er an jenem Abend als Gesamteinsatzleiter der Feuerwehr vor Ort im Einsatz.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (6),Matthias Graben / FUNKE Foto Services (1), Google Streetview August 2008

Das Loveparade-Gelände: Luftaufnahme und Grafik des Veranstalters

Alter Güterbahnhof in Duisburg: Gelände der Loveparade 2010. © Foto: Petra Grünendahl

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Loveparade-Strafprozess: IFR-Leiter Klaus Jürgen Schäfer hatte vor Tunnel und Rampe gewarnt

Gelände nur für 200.000 bis 250.000 genehmigungsfähig, Tunnel und Rampe zu eng
Von Petra Grünendahl

Klaus Jürgen Schäfer, damals Leiter des Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie (IFR) der Stadt Dortmund, sagte im Loveparade-Strafprozess vor dem Landgericht Duisburg aus. Foto: Petra Grünendahl.

Ende 2009 habe die Abteilung für Fortbildung der Stadt Duisburg bei ihm für ein Seminar „Risiko und Planung von Großveranstaltungen im Freien“ angefragt, erzählte Klaus Jürgen Schäfer, damals Leiter des Instituts für Feuerwehr- und Rettungstechnologie (IFR) der Stadt Dortmund. Dieses Seminar fand unter seiner Leitung am 22. März 2010 mit Mitarbeitern unter anderem von Feuerwehr, Ordnungsamt und Bauaufsicht in Duisburg statt. Neben rechtlichen Grundlagen widmete man sich der Betrachtung früherer Großveranstaltungen (Loveparade 2007 und 2008, Fußball-WM 2006 oder Papstbesuch 2005, aber auch Ereignissen, bei denen Menschen zu Tode kamen). Die Absage der Techno-Parade in Bochum habe er korrekt gefunden: „Selbst für die realen Besucherzahlen wäre es zu eng gewesen“, sagte Schäfer. Dass der Veranstalter die Besucherzahlen auf über eine Millionen aufgebläht hatte – jede Loveparade musste größer sein als der Vorgänger – habe reale Planungen nicht einfacher gemacht: „Man musste ja für die hohen Zahlen Kapazitäten haben, auch wenn klar war, dass weniger Leute kommen“, so Schäfer. Nach dem Mittagessen sei im Seminar auch die Loveparade zur Sprache gekommen, die Duisburg für Juli plante. In den Duisburger Planungen sei damals, vier Monate vor der Loveparade, aber noch nicht viel Substanz gewesen, befand Schäfer.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein, von der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Klaus Jürgen Schäfer war als Zeuge im Loveparade-Strafprozess geladen, weil er in diesem Seminar vor der Loveparade in Duisburg gewarnt hatte, nachdem er erste Planungen für das Event sichten konnte. Das IFR beschäftigt sich mit Forschung zu Feuerwehr- und Rettungseinsätzen. Die Mitarbeiter geben dieses Wissen zudem in Seminaren weiter. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ Schäfer zunächst erzählen, bevor er mit Fragen nachhakte. Seit Dezember 2017 müssen sich vor der 6. großen Strafkammer des Duisburger Landgerichts sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Bauaufsicht) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Ein erfahrener Planer von Großveranstaltungen

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Schon 2007 (damals noch als Leiter der Feuerwehr Dortmund) wurde Schäfer erstmals mit der Loveparade konfrontiert, als diese von Berlin ins Ruhrgebiet zog. Schon damals habe er Sicherheitsbedenken gehabt: „Die Straßen im Ruhrgebiet sind eng und bieten keine Entlastungsflächen wie der Berliner Tiergarten.“ Ein Gefahrenpotenzial!

Sowohl in Essen (2007) als auch in Dortmund (2008) habe es massive Probleme gegeben, erzählte Schäfer, die nur durch viel Glück nicht zu Katastrophen geführt hätten. In Essen habe die Loveparade unweit des Hauptbahnhofes stattgefunden, was zum Rückstau der Besucher bis in den Bahnhof hinein und wartende Züge auf den Gleisen führte. Stauungen der Floats habe es bei einer Straßenverengung gegeben, die besonders an einem Wagen kritisch wurden, bei den vielen Menschen drum herum mitliefen. In Dortmund sei es Starkregen gewesen, der gegenläufige Menschenströme aus einem U-Bahnhof ins Freie zur Loveparade sowie in umgekehrte Richtung von Schutz suchenden Menschen ins Trockene verursachte. Hier wie auch an anderen Stellen wurden dichte Menschenmassen zum Problem, da es keine Ausweichflächen gab. Ab sechs Personen pro Quadratmeter wird die Masse zum Risiko, ab acht Personen mitunter tödlich: Roskilde, das Heysel-Stadion in Brüssel oder das Rheinstadion bei einem Tote-Hosen-Konzert führte Schäfer als Beispiele an.

Ende März 2010 frühes Stadium der Planungen

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Zur Loveparade waren beim Seminar lediglich Katasterkarten, Luftbilder sowie Fotos vom Gelände vorgelegt worden“, erzählte Schäfer. Besonders weit seien die Planungen noch nicht gewesen: Das Gelände stand fest, als Zu- und Abgang stellte man sich die Unterführungen an der Karl-Lehr-Straße mit der Rampe zum Gelände vor. Mit einem Zugang über den Verteilerkreis sei, so Schäfer, keine Alternative gewesen: Man hätte die gleichen Probleme bekommen wie in Essen mit dem Rückstau in den Bahnhof, wartenden Zügen und Besuchern, die auf den Gleisen aussteigen, um zum Veranstaltungsgelände zu kommen. Die A59 hätte er als Ausgang öffnen wollen, aber eine Sperrung der Autobahn kam zum damaligen Zeitpunkt noch nicht infrage. Später hatte man die Fläche für Rettungsfahrzeuge vorgehalten. „Die hätte man durchaus auf eine Autobahnseite beschränken können.“

Das Gelände empfand er als ungeeignet (Schotter, verbliebene Gleise), den Zugang durch den Tunnel als riskant: „Menschenströme von zwei Seiten, die aufeinander prallen und dann den 90 Prozent Schwenk auf die Rampe verstehen müssen.“ Das sah er schon als Zugang riskant an. Dass über den gleichen Weg die Besucher das Gelände verlassen sollten, musste zum „Schichtwechsel“ zu weiteren Problemen führen: Wer früh kam, wollte nach der eigentlichen Parade wieder gehen, während zur gleichen Zeit am späteren Nachmittag die Besucher kamen, die zur Abschlusskundgebung wollten. „Die Personenstromführung war gegen jede Regel. Die Breite der Rampe war zu schmal, es gab keine Entlastungsflächen.“ Ähnlich war es auf den Zuwegen vom Bahnhof zur Karl-Lehr-Straße: Bauzäune begrenzten den Straßenraum. So wäre auch klar, dass Vereinzelungsanlagen unter zu hohem Druck nicht standhalten könnten. Und der Druck hätte sich mangels Entlastungsflächen zwangsläufig aufgebaut.

Wie soll man mit ignoranten Vorgesetzten umgehen?

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Der Stand der Planungen zum Zeitpunkt des Seminars sei in einem sehr frühen Stadium gewesen, so Schäfer. Die Verantwortung trug damals noch das Ordnungsamt. Allerdings war da schon klar: Wenn das Gelände eingezäunt wird, geht die Verantwortung an die Bauaufsicht. „Ihr wollt uns das doch nicht aufs Auge drücken“, kam von dort abwehrend zurück. Im kleinen Kreis nach dem offiziellen Teil des Seminars habe er die Teilnehmer auch über Möglichkeiten aufgeklärt, wie sie sich gegen den Druck von ignoranten Vorgesetzten absichern könnten, die die Veranstaltung trotz Sicherheitsbedenken durchdrücken wollten: In einem Remonstrationsschreiben (Einwendung / Gegenrede) sollten sie die Gründe darlegen, warum sie die Veranstaltung zu gefährlich halten, und die Unterschrift für die Genehmigung verweigern. Wenn der Vorgesetzte dann unterschreibe, übernehme er damit auch die Verantwortung.

Er und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter hatten im kleinen Kreis mit der Stellvertretenden Leiterin des Ordnungsamtes, Feuerwehrleuten sowie Mitarbeitern der Bauaufsicht weiter über die Möglichkeiten von Planung und Genehmigung der Loveparade 2010 in Duisburg gesprochen. So, wie ihm die Planungen vorgestellt worden seien, sei das Ganze nicht genehmigungsfähig gewesen: „Durch Verbesserungen hätte man da aber vielleicht etwas machen können“, fand Schäfer. Er habe angeboten, die Planungen mit dem IFR wissenschaftlich zu begleiten, um hinterher Material aus Kameraüberwachungen für Forschungszwecke mitnehmen zu können. Nachdem er zum 1. Mai 2010 vom Dienst suspendiert worden war, habe er den weiteren Planungsprozess nicht mehr begleiten können, bedauerte Schäfer.

Er habe im Seminar zu einer Gesamtgenehmigung geraten, erinnerte sich Schäfer. Verschiedene Behörden seinen an der Planung beteiligt gewesen (Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt und Bauaufsicht), so dass es ein Gesamtkonzept habe geben müssen. Letztendlich sei es aber nur eine baurechtliche Verfügung gewesen, mit der die Veranstaltung genehmigt worden sei.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Homberg-Hochheide: Neuer Sprengtermin für „Weißen Riesen“ im März 2019

Der zur Sprenung vorgesehene Weiße Riese an der Friedrich-Ebert-Straße 10-16 in Homberg-Hochheide. Foto: Petra Grünendahl.

Der „Weiße Riese“ an der Friedrich-Ebert-Straße 10-16 soll am Sonntag, 24. März 2019, fallen. Aufgrund neuartiger Analysevorschriften hatte ein zuvor für September des vergangenen Jahres geplanter Sprengtermin abgesagt werden müssen.

„In ihrer sanierungstechnischen Komplexität war und ist diese Immobilie eine gigantische Herausforderung und in dieser Art wohl bisher bundesweit einzigartig. Wir haben diesen neuen Termin nun nach allen uns derzeit vorliegenden Erkenntnissen festgelegt und werden mit der Sprengung des ersten ‚Weißen Riesen‘ nun endlich das Signal für Hochheide setzen, welches vor Ort sehnlichst erwünscht wird“, erklärt Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum.

Seit Ende letzten Jahres arbeitet das Abbruchunternehmen P&Z mit aufwändigen und zum Teil neuartigen Sanierungsverfahren an der Beseitigung der asbesthaltigen Fasern in Wand- und Deckenputzen im Gebäude. Diese Sanierungsarbeiten sollen im November dieses Jahres abgeschlossen werden. Im Anschluss beginnen die konkreten Vorbereitungen für die Sprengung. Diese werden dann noch einmal rund drei bis vier Monate in Anspruch nehmen.

In Abstimmung mit allen Beteiligten der für Sanierung und Sprengung zuständigen Unternehmen einerseits und den für Sicherheit und Gefahrenabwehr verantwortlichen städtischen Behörden andererseits wurde deshalb nun der 24. März 2019 als Sprengtermin festgelegt.
Stadt Duisburg
Foto: Petra Grünendahl

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Loveparade-Strafprozess: Ehemaliger Rechtsdezernent Wolfgang Rabe sagte als Zeuge aus

Beim Koordinator liefen die Fäden zusammen,
Hindernisse auszuräumen

Von Petra Grünendahl

Der frühere Rechtsdezernent der Stadt Duisburg, Wolfgang Rabe (r.), mit seinem Zeugenbeistand im Gerichtssaal des Landgerichts Duisburg im CongressCenter Ost der Messe Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / Funke Fotoservices.

„Am Anfang war ich skeptisch. Aber als sich die Leute von Lopavent kennen lernte, merkte ich: ‚Die können das’“, erzählte Wolfgang Rabe. Danach sei er bemüht gewesen, alles zu tun, dass die Loveparade 2010 in Duisburg stattfinden konnte. Dass er die Veranstaltung abgesagt hätte, wenn es nicht ausräumbare Sicherheitsbedenken gegeben hätte, nimmt man ihm nicht ganz ab. Zu sehr war der Beigeordnete für Sicherheit und Recht anscheinend bemüht, Hindernisse aus dem Weg zu räumen: Nicht den Ordnungsamtsleiter Hans-Peter Bölling, einen Loveparade-Kritiker, betraute er mit den Planungen. Er wählte stattdessen Böllings Stellvertreterin Ursula Fohrmann als Verantwortliche für die Planungen aus, von der er weniger Gegenwind erwartete. Insbesondere nach dem Wechsel der Zuständigkeiten ins Bauordnungsamt im Frühjahr 2010 habe es Widerstände gegeben, sahen die dortigen Mitarbeiter die Veranstaltung doch eher kritisch. Eine Genehmigung hatten sie letztendlich trotzdem erteilt – einen Tag vor der Veranstaltung.

Duisburgs früherer Rechtsdezernent Wolfgang Rabe war als Zeuge geladen. Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland hatte Rabe als Koordinator für die Planung und Genehmigung der Loveparade 2010 eingesetzt, da die Verantwortung für das Verfahren zunächst beim Ordnungsamt gelegen hatte. Rabe war koordinierender Ansprechpartner für alle Beteiligten geblieben, nachdem die Verantwortlichkeiten im Frühjahr 2010 ins Bauordnungsamt (Baudezernat) gewechselt waren. Mit dem Wechsel der Zuständigkeiten für eine Genehmigung der Nutzungsänderung des Veranstaltungsgeländes verblieben beim Ordnungsamt die Sicherheit auf den Zu- und Abwegen zum Veranstaltungsgelände. Auch gegen Wolfgang Rabe war nach der Katastrophe vom 24. Juli 2010 ermittelt worden, die Ermittlungen dann aber eingestellt worden. Vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg müssen sich seit Dezember 2017 sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg (Baudezernat/Bauordnungsamt) und vier Mitarbeiter von Loveparade-Veranstalter Lopavent wegen fahrlässiger Tötung in 21 Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Im Kulturhauptstadtjahr politisch gewollt

Mario Plein, vorsitzender Richter der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg, flankiert von zwei beisitzenden Richterinnen. Foto: Lars Heidrich / Funke Foto Services.

Nachdem der Vorsitzende Richter Mario Plein den früheren Rechtsdezernenten zunächst hatte erzählen lassen, hakte er wie gehabt mit Fragen nach. Schließlich hielt er ihm chronologisch Aussagen und Schriftstücke vor, um die Aussagen Rabes in Kontext zu anderen Aussagen und Ereignisse zu setzen. An vieles will sich der ehemalige Beigeordnete nicht erinnern können. Das ist praktisch, entbindet es doch davon, Verantwortung zu übernehmen. Wolfgang Rabe wirkte in der Verhandlung eher unbeteiligt, obwohl die Fäden von Planung und Genehmigung bei ihm zusammen gelaufen sind. Die Katastrophe mit Toten und Verletzten bedaure er, sagte Rabe. Es klang eher … beiläufig.

Politischen Druck habe es gegeben, bestätigte Rabe. Aber nur indirekt: „In einem WDR-Interview hatte der Ministerpräsident [Jürgen Rüttgers] betont, dass die Loveparade unbedingt stattfinden müsse.“ Solche Aussagen seien jedoch nie direkt an ihn oder andere Verantwortliche herangetragen worden. Aber: Die Loveparade in Duisburg war ein Leuchtturmprojekt des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 gewesen. Und auch wenn es keinen direkten Druck auf Rabe geben hat: Mit seiner Aussage, der OB wünsche diese Veranstaltung, hatte sich der Rechtsdezernent diesen politischen Druck zu Eigen gemacht.

Auch die Eigentümer Aurelis, Immobilientochter der Deutschen Bahn, sei daran interessiert gewesen, dass die Loveparade auf ihrem Gelände stattfindet. „Damit hatten sie die Möglichkeit, den Wildwuchs zu entfernen“, sagte Rabe. Oder, um es mal so zu formulieren: So konnten sie den seit vielen Jahren brach liegenden alten Güterbahnhof von unerwünschtem Bewuchs befreien und ihn für eine geplanten Verkauf aufhübschen. Damit und mit den Bildern einer erfolgreichen Veranstaltung hätte sich das Areal schließlich besser vermarkten lassen.

Verantwortlichkeiten für Areale, Zu- und Abwege

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Als „Veranstaltungsgelände“ im Sinne der Genehmigung sah Wolfgang Rabe die Karl-Lehr-Straße mit der Rampe hoch zum eigentlichen Veranstaltungsgelände an. „Mit den Vereinzelungsanlagen [an der Düsseldorfer Straße bzw. der Kommandantenstraße] endete der öffentliche Raum“, so Rabe. Er bzw. das Ordnungsamt seien am Tag der Veranstaltung nur für die Sicherheit auf den Zu- und Abwegen zum Gelände – also bis zu den Vereinzelungsanlagen – verantwortlich gewesen. Demnach hätten der Karl-Lehr-Straße mit der Unterführung und die Rampe als Zugang zum Güterbahnhofsgelände in den Verantwortungsbereich des Veranstalters gehört und wären Teil der Genehmigung des Bauordnungsamtes gewesen. So kann man natürlich auch Verantwortlichkeiten hin und her schieben!

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Lars Heidrich / Funke Fotoservices (2)

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Loveparade-Strafprozess: Prof. Dr. Michael Schreckenberg sagte als Zeuge aus

Entfluchtungsanalyse: „Ich habe nur die
wissenschaftliche Methodik begutachtet“

Von Petra Grünendahl

Prof. Dr. Michael Schreckenberg sagte im Loveparade-Strafprozess vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg als Zeuge aus. Foto: Petra Grünendahl.

„Im Nachhinein kam ich zu dem Schluss, dass die Stadt Duisburg mehr Wert auf meinen Namen gelegt hat als auf meinen wissenschaftlichen Beitrag“, erklärte Prof. Dr. Michael Schreckenberg zu seiner Rolle in der Planung der Loveparade 2010. Er sei lediglich von der Stadt Duisburg gebeten worden, zu bestimmten Fragestellungen des Ordnungsamtes Stellung zu nehmen. Der Veranstalter Lopavent GmbH habe ihn bei der Planung nicht dabei haben wollen. Schließlich habe er ein Gutachten von der Firma TraffGo HT GmbH zur Entfluchtung des Veranstaltungsgeländes in Bezug auf die wissenschaftliche Methodik bewertet. Er habe nie aber ein Gutachten erstellt, wie in den Medien fälschlich dargestellt worden sein. „Es war ein Fehler, dass ich bei der Pressekonferenz am Tag nach der Loveparade mit den Medien gesprochen habe“, bedauerte er. Es habe damals sonst niemand Stellung nehmen wollen, so Schreckenberg. Am Tag nach der Loveparade mit letztendlich 21 Toten.

In den Zeugenstand hatte die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg Prof. Dr. Michael Schreckenberg geladen. Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ den Zeugen wie gehabt erst erzählen, bevor er anhand von Ermittlungsakten und Vernehmungsprotokollen nachfragte. Der gerne als Stau- oder Panikforscher bezeichnete Professor der Universität Duisburg-Essen (Lehrstuhlinhaber „Physik von Transport und Verkehr“) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Simulation von Verkehrsströmen und – seit dem Untergang der Fähre Estonia 1994 – auch von Menschenmassen. Er habe für die Stadt Duisburg schon früher Verkehrsimulationen gefertigt. Die Stadt bzw. das Ordnungsamt seien an ihn herangetreten, um „auf Anfrage zu einzelnen Fragestellungen Bewertungen abzugeben.“ Er sei aber nicht in die Planungen einbezogen worden, so Schreckenberg. Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe habe ihm damals für die nicht klar definierten Aufgaben 20.000 Euro (inkl. Umsatzsteuer) angeboten.

Ordnungsamt war Kontakt und Auftraggeber

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Im Oktober 2009 seien erste Überlegungen aufgekommen, die Loveparade auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs zu veranstalten, erzählte Schreckenberg. Von den Möglichkeiten eines Zugangs, die damals aufkamen, sei ein Zugang über die A59 sein Favorit gewesen, aber: „Das war aber nicht gewollt!“ Eine möglichst weitläufige Umgehung hatte damals noch nicht in der Diskussion gestanden, sei aber später als einzig machbar dargestellt worden. Zu diesem Zeitpunkt sei zwar das Ordnungsamt noch Genehmigungsbehörde gewesen, er sei aber nicht eingebunden worden, Stellung zu nehmen. Er habe schon weit im Vorfeld klar gemacht, dass ein gemeinsamer Zu- und Ausgang als gefährliches Nadelöhr ein Risiko darstelle: „An Engstellen muss man Gegenverkehr vermeiden“, so sein Grundsatz.

Erst im Frühjahr 2010 war die Verantwortlichkeit für die Genehmigung an das Baudezernat gewechselt, obwohl Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe immer noch federführend verantwortlich blieb. Ab dem Wechsel der Zuständigkeit ging es auch nicht mehr um die Genehmigung einer Veranstaltung, sondern um die Genehmigung einer Nutzungsänderung für ein geschlossenes (eingezäuntes) Privatgelände. Für die Überprüfung der im Auftrag der Lopavent GmbH erstellten Entfluchtungsanalyse von Dr. Hubert Klüpfl (TraffGo HT GmbH) sei er vom Ordnungsdezernat beauftragt gewesen. Darüber hinaus sei er nicht beteiligt gewesen. Mit dem Baudezernat bzw. dem Bauamt, wo die sechs städtischen Mitarbeiter auf der Anklagebank arbeiten bzw. gearbeitet haben, habe er während des Genehmigungsverfahrens keinen Kontakt gehabt.

Die Mitarbeiter von Lopavent – vier sitzen hier auf der Anklagebank – seien an seiner Meinung nie interessiert gewesen: „Die wussten alles besser“, so Schreckenberg. Schließlich, so sei deren Aussage gewesen, machten sie solche Veranstaltungen schon seit 20 Jahren, sagte Schreckenberg. Nur: Eben vielleicht nie auf einem solch problematischen Gelände, welches rundum eingezäunt war. So hatten frühere Loveparades im öffentlichen Raum stattgefunden und waren nach allen Seiten offen zugänglich.

Nur mal so …
Zu einer ähnlichen Einschätzung seiner Rolle im Planungsverfahren für die Loveparade (Zitat: „Der Stadt war mein Name wichtiger als mein wissenschaftlicher Beitrag.“) war ich übrigens auch mal gekommen: https://duisburgamrhein.wordpress.com/warum/professor-schreckenberg/.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburg: 25. Ruhrorter Hafenfest kommt mit Traumwetter und Höhenfeuerwerk

Vier Tage Party und Events laden in den Hafenstadtteil
Von Petra Grünendahl

Feuerwerker Sascha Tietze zeigte Form und Aufbau seiner „Bomben“. Foto: Petra Grünendahl.

„Was hier bei Feuerwerk abgeht, ist schon spitze“, erklärte Sascha Tietze, Geschäftsführer der FOG fireworks + sfx GmbH und verantwortlicher Feuerwerker beim Ruhrorter Hafenfest. „Wo soll ich da noch was drauflegen?“ Diese knappen 30 Minuten Feuerwerk seien eine Herausforderung: „Die Zeit will gefüllt werden. Ein Effekt dauert ein, zwei Sekunden. Das macht einige 10.000 Schuss in der knappen halben Stunde.“ Die Schüsse müssen nicht nur den ganzen Horizont füllen und harmonisch aussehen, sondern auch zur Begleitmusik passen, die nach den 23-Uhr-Nachrichten auf Radio Duisburg gesendet wird. „Die Musik suche ich aus“, erzählte Feuerwerker Tietze. „Zur Musik gestaltete und programmiere ich dann das Feuerwerk. Viele Bilder haben Bezüge zum Wasser, ganz besonders natürlich der Wasserfall“, erklärte der passionierte Feuerwerker, der seinen Job als Lebensaufgabe sieht. „Ich wurde da rein geboren!“, spielte er darauf an, dass er Job und Betrieb von seinem Vater übernommen hat. Im Moment sind vier Leute in Konzept und Planung involviert. Zum Aufbau ist Tietze mit 16 Leuten vor Ort. Er stehe dann für die Überwachung des Ablaufs auch selber auf der Brücke: „Wir kriegen da oben aber nicht viel vom Feuerwerk mit.“

Am Freitag, 27. Juli, eröffnet der Schirmherr Schauinsland-Reisen das 25. Ruhrorter Hafenfest auf dem Gustav-Sander-Platz (vor der Schifferbörse). Im Pressegespräch stellten „Mr. Hafenfest“ Walter Pavenstedt, Dr. Bernhard Weber, Stella Tarala und Michael Büttgenbach (alle Vorstand Ruhrorter Hafenfest e. V.), Mario Adams (Hafenkapitän) sowie Feuerwerker Sascha Tietze den aktuellen Stand der Vorbereitungen und die Highlights vor. Der traditionelle Beginn ist der Internationale ökumenische Gottesdienst um 16.30 Uhr. Das Höhenfeuerwerk von der Friedrich-Ebert-Brücke schließt als einer der Höhepunkte den ersten Tag ab. Das viertägige Hafenfest hat aber viel mehr an Programm für Groß und Klein und die ganze Familie zu bieten.

Schifffahrt, Unterhaltung, Kunst und Kultur

Stellten Highlights des 25. Ruhrorter Hafenfestes vor (v. l.): „Mr. Hafenfest“ Walter Pavenstedt, Feuerwerker Sascha Tietze, Michael Büttgenbach, Dr. Bernhard Weber, Stella Tarala und Mario Adams. Foto: Petra Grünenahl.

Programm auf zwei Bühnen lockt das Publikum: die Imperial-Bühne am Gustav-Sander-Platz und die Haniel-Bühne am Richard-Hindorf-Platz (Highlights des Programms in unserer Vorberichterstattung. Verkaufsstände, Kunstgewerbe, Info-Stände, Programm und Gastronomie gibt es entlang der Hafenpromenade am Leinpfad sowie an der Dammstraße. Ab Freitagnachmittag kommen zahlreiche historische Schiffe in den Hafenmund. Diese werden übers Wochenende überwiegend auch zu besichtigen sein oder als Ergänzung zu den Platzhirschen (Ruhrorter Personenschiffahrt und Weiße Flotte) sogar Hafentouren anbieten. Darüber hinaus gibt es kostenlosen Eintritt beispielsweise im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt, auf der Oscar Huber oder zu Führungen im Haniel-Museum (Anmeldungen an einem Infostand nötig). Am Sonntag ergänzen der Hinterhof-Trödel (11 bis 17 Uhr) in den Ruhrorter Straßen sowie der Kunst- und Kulturmarkt (11 bis 18 Uhr) auf dem Neumarkt mit Literatur, Bühnenprogramm und ausstellenden Künstlern die Events an den Bühnen. Die Hafenkirmes schließt erst am Montag mit dem Familienfest das Ruhrorter Hafenfest ab.

Besucherinformationen
Die Veranstalter empfehlen wie alle Jahre wieder die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. DVG und NIAG bieten zusätzliche Fahrten von Freitag bis Sonntag an. Parkmöglichkeiten im Stadtteil sind zum Hafenfest Mangelware. Außerdem gibt es Straßensperren im Stadtteil. Am Freitag kann auf der Mercatorinsel geparkt werden (gebührenpflichtig), der Transfer mit dem Shuttlebus in den Hafenstadtteil ist kostenlos. Dazu kommt die Sperrung der Friedrich-Ebert-Brücke am Freitagabend zum Feuerwerk ab ca. 22 / 22.30 Uhr bis etwa 1 Uhr.

Die Programme zum Hafenfest liegen mittlerweile überall in der Stadt aus. Informationen findet man aber auch im Internet unter www.ruhrorter-hafenfest.de.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Achter Jahrestag der Loveparade startete mit der Nacht der 1.000 Lichter

Ein paar Eindrücke: Die Gedenkstätte am frühen Abend …

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Die Loveparade 2010 endete in einer Katastrophe:
Vor acht Jahren starben hier 21 Menschen, Hunderte wurde teils schwerst verletzt.

Fotos: Petra Grünendahl

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Polizei Duisburg / Krefeld: Lkw-Kontrollen an der B288

Überladung, Fahrzeugmängel, Lenkzeiten und Tempo: Sicherheitsrelevanten Verstößen auf der Spur
Von Petra Grünendahl

Alles im grünen Bereich: Ein Trecker mit zwei Anhängern auf der Lkw-Waage. Foto: Petra Grünendahl.

Langsam fährt der Trecker mit seinen zwei Anhängern über die mobile Radlastwaage. „Jede Achse, die über die Metallplatten fährt, wird separat gemessen und ausgewertet“, erzählte Polizeihauptkommissar (PHK) Klaus Dulisch. Daraus ergebe sich die Gesamtlast des Fuhrwerks. Die Anhänger des Treckers sind unbeladen: Mit 15,5 Tonnen bleibt das Gespann damit im Rahmen. Zwei Lkw bringen statt der erlaubten 40 Tonnen 400 bzw. 800 Kilogramm mehr auf die Waage. „Das gibt lediglich Verwarnungen“, erklärte Polizeihauptkommissar Sigurd Wankel vom Verkehrsdienst Duisburg, der die Messergebnisse in einem Kleinbus neben der Messstelle auswertet. Die Weiterfahrt untersagt hat er allerdings dem Fahrer eines rumänischen Transporters mit 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Der mit neun Personen beladene Sprinter brachte 4,6 Tonnen auf die Waage (30 Prozent mehr als erlaubt), der Anhänger wog beladen 2,5 statt der in den Fahrzeugpapieren eingetragenen 2 Tonnen (20 Prozent).

Insgesamt 31 Polizeibeamte der Präsidien Duisburg und Krefeld waren bei der Lkw-Kontrolle im Einsatz. Foto: Petra Grünendahl.

Auf der B288 zwischen Mündelheim und der Rheinbrücke hatten die Polizeipräsidien Duisburg und Krefeld eine gemeinsame Lkw-Kontrollstelle eingerichtet. Über einen Zeitrahmen von gut sechs Stunden kontrollierten 31 Polizeibeamte schwerpunktmäßig Lastkraftwagen. Beide Polizeipräsidien hatten die lokale Presse eingeladen, sich vor Ort ein Bild zu machen. Lenkzeitverstöße, Mängel an Fahrzeugen, Ladungssicherung und Überladung standen im Fokus. Mit Hilfe der mobilen Radlastwaage überprüften die Beamten außer Lkw weitere Fahrzeuge wie landwirtschaftliche Zugfahrzeuge oder Transporter. Auffällige Pkw zog man ebenfalls zu einer allgemeinen Fahrzeugkontrolle heran. Neben Fahrzeugmängeln überwiegend an getunten Fahrzeugen gingen der Polizei unter anderem fünf Fahrer ins Netz, die wegen Alkohol oder Drogen zur Blutprobe mussten und denen die Weiterfahrt untersagt wurde. Dazu kamen Geschwindigkeitskontrollen.

155 überprüfte Lkw, 20 von ihnen mussten auf die Waage

Die Lkw-Waage misst, welches Gewicht an jeder einzelnen Achse aufliegt. Foto: Petra Grünendahl.

Um 7 Uhr morgens hatte die Polizei die mobile Radlastwaage auf der rechten Fahrspur Richtung Essen aufgebaut und Messgeräte in Stellung gebracht. Fahrzeuge mit Computern zur Auswertung der Messergebnisse inklusive eine mobile elektronische Blutprobenüberprüfungseinheit waren ebenfalls an der „Geisterkreuzung“ (vorbereitete Kreuzung) zwischen Kegelstraße (Duisburg-Mündelheim) und der Krefeld-Uerdinger Brücke platziert. Darüber hinaus winkte die Polizei Fahrzeuge (beileibe nicht nur Lkw) für allgemeine Verkehrskontrollen und Lenkzeitüberprüfungen raus.

Polizeibeamte lotsten die Fahrer über die Lkw-Waage. Foto: Petra Grünendahl.

Polizeihauptkommissar Sigurd Wandel liest die Messergebnisse der Lkw-Waage aus. Foto: Petra Grünendahl.

Die Polizei in NRW verfügt über sechs mobile Lkw-Waagen, eine davon gehört der Polizei Duisburg. „Bislang wurde sie primär auf der Moerser Straßen in Rheinhausen eingesetzt“, wusste Polizeihauptkommissar Wolfgang Münster von der Verkehrsdirektion zu berichten. Seit drei Monaten habe man die Anlage, mittlerweile bräuchten nur noch zehn Minuten, sie aufzubauen. Die Fahrspuren bestehen aus Kunststoff. Die Metallplatten in der Mitte sind als elektronische Waage direkt mit dem Computersystem im Polizeibus verbunden. Anhand der vorgelegten Fahrzeugpapiere können die Messergebnisse auf Überschreitungen der erlaubten Lasten überprüft werden. „Freigrenzen gibt es nicht“, erklärte PHK Wandel. Bei Fahrzeugen unter 7,5 Tonnen zulässigen Gesamtgewichts gibt es bis 10 Prozent Gewichtsüberschreitung ein Verwarngeld, bei Fahrzeugen über 7,5 Tonnen nur bis 5 Prozent. Wer mehr überladen hat, bekommt eine Ordnungswidrigkeitenanzeige und darf nicht mehr weiterfahren, bis die Lademenge verringert wurde (zum Beispiel durch Umladen in ein weiteres Fahrzeug).

Weiterfahrt untersagt: Rumänischer Sprinter mit neun Personen an Bord und ebenfalls überladenem Anhänger. Foto: Petra Grünendahl.

Zur Überprüfung der Lenkzeiten überprüfe man die Fahrerkarten, erzählte PHK Münster. Sie geben Auskunft über die letzten 42 Tage und listen beim Auslesen alle Verstöße in Rot auf. Dabei sei man aber beim Bewerten der Daten nicht päpstlicher als der Papst: „Wenn der Fahrer mal nur 43 Minuten Pause gemacht hat, weil seine Uhr nicht mit der Uhr im Fahrzeug übereinstimmt, geht das in Ordnung“, sagte Münster. Obwohl die Software diese Pause wegen der nicht erreichten 45 Minuten nicht anerkenne. Darüber hinaus kontrolliere man die Papiere von Fahrer, Fahrzeug und Ladung. So braucht man zum Beispiel für den Gefahrguttransport spezielle Genehmigungen, die bei Kontrollen vorgelegt werden müssen.

Das Sicherheitsrisiko fährt mit

Das Ende der Rückfahrt vom Parookaville-Festival in Weeze: Auffällig getunt, Hauptuntersuchung im vierten Monat überschritten und total abgefahrene Reifen (unter dem gesetzlichen Mindestwert von 1,6 Millimetern). Foto: Petra Grünendahl.

Verstöße gegen die Ladungsgrenze können den Fahrer als Ordnungswidrigkeit bis zu 380 Euro kosten, bei Gefahrguttransporten sogar bis 570 Euro. Punkte im Verkehrszentralregister in Flensburg gibt es für Ordnungswidrigkeiten dann obendrauf. Der Halter des Fahrzeugs wird zusätzlich zur Kasse gebeten. Die Überladung eines Fahrzeugs ist schließlich kein Kavaliersdelikt, sondern eine Gefährdung auch für andere Verkehrsteilnehmer. Fahrzeuge sind technisch für ihr zulässiges Gesamtgewicht ausgelegt. Ist das Fahrzeug schwerer, kommt es schneller ins Schlingern, Bremswege verlängern sich. Das kann in Extremsituation zum Unfall führen, Unfallfolgen für alle Beteiligten maximieren.

Ähnliches gilt für Lenkzeitüberschreitungen (übermüdete Fahrer!), mangelhafte Ladungssicherung, Fahrzeugmängel oder überhöhte Geschwindigkeit – nicht nur bei Lkw, sondern bei Kraftfahrzeugen aller Art!

Zur Pressemeldung der Polizei Duisburg geht es hier:
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/50510/4015917

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Loveparade: Stiftung Duisburg 24.7.2010 zog zum achten Jahrestag eine Bilanz ihrer Arbeit

Stiftung bietet Notfallseelsorge beim Prozess –
für Besucher, Nebenkläger und Zeugen

Von Petra Grünendahl

Bericheten vor dme achten Jahrestag von der Arbeit der Loveparade-Stiftung und den Vorbereitungen für den achten Jahrestag (v. l.): Angelika Köhler, Ulrike Stender, Jürgen Thiesbonenkamp, Jürgen Widera und Rolf Karling. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir sind froh, dass wir diese Veranstaltung aus dem Betroffenenumfeld herausnehmen konnten“, erklärte Rolf Karling. Er organisiert in diesem Jahr zum zweiten Mal mit seinem Verein Bürger für Bürger e. V. die „Nacht der 1.000 Lichter“. In „enger Verbindung und Vertrautheit mit der Stiftung“, betonte Karling. Ab 16 Uhr wird Karling am kommenden Montag zusammen mit Helfern anfangen, die Grablichter anzuzünden, damit zum Einbruch der Dunkelheit ein stimmungsvolles Licht über dem Ort liegt, wenn erste Besucherströme erwartet werden. „Es wird ein Kommen und Gehen“, so Karling aus der Erfahrung früherer Jahre. Erst nach dem (nichtöffentlichen!) Gottesdienst in der Salvatorkirche erwartet er Angehörige der Todesopfer an der Gedenkstätte. Wie schon im Vorjahr wurden die 1.000 Grablichter, die Karling mit Helfern an der Gedenkstätte entzündet, vom Hamburger Gedenklichter-Hersteller Aeterna gespendet.

Im Vorfeld zum achten Jahrestag der Katastrophe auf der Loveparade informierte die Stiftung Duisburg 24.7.2010 über den Jahrestag und die Entwicklungen des vergangenen Jahres. Zu den Aufgaben der Stiftung gehört neben der Betreuung von Angehörigen und Betroffenen und der Pflege der Gedenkstätte auch die Koordination des jährlichen Gedenkens, so dass der Jahrestag alle Jahre wieder Gelegenheit bietet, Bilanz zu ziehen. Neben Rolf Karling (Bürger für Bürger) und dem Vorstand der Stiftung, Pfarrer Jürgen Widers (Ombudsmann) und Ulrike Stender (Diakonie), standen Dr. Jürgen Thiesbonenkamp (Sprecher des Kuratoriums), Diakon Richard Bannert (Koordinator der Notfallseelsorge Duisburg) und Angelika Köhler, hauptamtliche Mitarbeiterin der Stiftung, Rede und Antwort.

Vollsperrung zum Gedenken am Unglücksort
Am Montag, 23. Juli, wird ab 18 Uhr der Tunnel an der Karl-Lehr-Straße zur die „Nacht der tausend Lichter“ voll gesperrt. Die Gedenkveranstaltung am Dienstag, 24. Juli, um 17 Uhr an der Gedenkstätte ist öffentlich. Nach dieser Veranstaltung werden die Besucher noch länger an der Gedenkstätte verweilen, so dass der Tunnel erst ab 22 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben wird. Umleitungsempfehlungen über die Düsseldorfer Straße und den Sternbuschweg werden ausgeschildert. Fußgänger und Radfahrer können den Bereich jederzeit passieren.

Loveparade-Strafprozess und Notfallseelsorge

Bericheten vor dme achten Jahrestag von der Arbeit der Loveparade-Stiftung und den Vorbereitungen für den achten Jahrestag (v. l.): Angelika Köhler, Ulrike Stender, Jürgen Thiesbonenkamp, Jürgen Widera und Rolf Karling. Foto: Petra Grünendahl.

„Nach dem großen Medienecho zu Prozessbeginn begleitet die Presse immer noch den Prozess, wenn auch in bescheidenerem Maße“, stellte Dr. Jürgen Thiesbonenkamp fest. Dass das Zuschauerinteresse nicht annähernd den ursprünglichen Erwartungen entspricht, führte Ulrike Stender auf mehrere Umstände zurück: Zeugen oder Betroffenen, die noch als Zeugen in Betracht kommen, dürften nicht in den Gerichtssaal. Angehörige, die teils eine weite Anreise hätten, hätten teils nicht die (finanziellen) Möglichkeiten dazu, wollten aber auch andererseits wieder in ein normales Leben zurückfinden. Außerdem sei vielen auch mittlerweile klar geworden, dass ihnen der Prozess nicht die Antworten liefern könne, die sie suchten. Es werden Fehler in der Planung untersucht, um einen strafrechtlich Schuldigen zu identifizieren. Das ist nicht die Aufklärung, das sind nicht die Antworten, die Betroffene und Hinterbliebene suchen. Das könne ein Strafprozess nicht leisten, so Notfallseelsorger Bannert. Er beantworte nicht alle Fragen. Die psychische Belastung durch den Prozess sei deswegen zu groß, das wollten sich viele nicht (mehr) antun.

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Zu Prozessbeginn habe die Stiftung an jedem Verhandlungstag zwei Leute vor Ort gehabt, erzählte Ulrike Stender: einem Notfallseelsorger und einem Psychologen. Heute wäre nur noch einer vor Ort, mit einem Zweiten auf Abruf, falls größerer Bedarf besteht. „Zwei bis drei Gespräche führt man da schon am Tag, manchmal auch vier oder fünf“, erzählte Richard Bannert. Jedes dieser Gespräche sei wichtig: Besucher, Nebenkläger, deren Anwälte, aber auch Zeugen würden das Gespräch suchen, weil sie die Katastrophe und ihre Aufarbeitung belasteten. Gerade die Zeugen habe man im Vorfeld nie als Zielgruppen für das Angebot gesehen, räumte Stender ein. Das Landgericht unterstützt die professionelle Betreuung durch hochqualifzierte Fachkräfte: Für Gespräche steht außer dem Foyer des CongressCenters der Messe Düsseldorf auch ein geschlossener Raum für mehr Privatsphäre zur Verfügung.

Hilfen für Betroffene und Vermittlung von Therapieplätzen
„Uns sprechen immer noch Leute an, die wir entweder noch nicht kennen oder die uns bislang nicht mit Problemen bekannt waren“, erzählte Vorstand Jürgen Widera. Angelika Köhler hilft in der Geschäftsstelle der Stiftung dann bei Rentenanträgen, Kostenübernahmen von Therapien bzw. bei der Suche nach Möglichkeiten finanzieller Unterstützung und bei der Vermittlung von Therapieplätzen. „Die Versorgung mit Therapieplätzen ist in Duisburg katastrophal. Bundesweit ist es in Duisburg am schwierigsten, einen Therapieplatz zu bekommen, wie uns auch das Psychotherapeuten-Team in Frankfurt, die wir für Unterstützung anfragen können, bestätigt“, erzählte Angelika Köhler. Für einen Therapieplatz habe sie schon mal über 40 Telefonate führen müssen. Bei einem anderen Hilfesuchenden habe sie mit viel Glück innerhalb weniger Tage einen gehabt. Eine große Hilfe sei für viele auch noch die Selbsthilfegruppe, die sich immer noch alle zwei Wochen trifft. „Das Gespräch mit anderen Betroffenen tut ihnen gut“, so Köhler.

Verein Lopa2010 e. V. schießt wieder gegen die Stiftung

Gedenktstätte für Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg am Alten Güterbahnhof.
Foto: Petra Grünendahl,

Am Morgen des Pressegesprächs hatte sich der Betroffenen-Verein Lopa2010 e. V. mit einer eMail an die Presse gewandt, in der sie bekannte (und wieder einmal nachweislich falsche) Vorwürfe gegen die Stiftung erhoben. „Von dieser kleinen Gruppe an Leuten hat sich nie jemand bei uns gemeldet und um Hilfe geben“, erklärte Angelika Köhler, Geschäftsstellenmitarbeiterin der Stiftung, die sich seit der ersten Beratungsstelle der Stadt Duisburg für Opfer der Loveparade einsetzt und somit am besten über die geleistete Unterstützung Bescheid weiß.

Auch Rolf Karling fand deutliche Worte für Kreis von sieben, acht Leuten, die die Stiftung schon früher angegriffen und verleumdet hatten. Karling engagiert sich seit kurz nach der Katastrophe für Betroffene und für die Gedenkstätte, kennt den Personenkreis also aus erster Hand. „Das sind Menschen, denen man es nicht recht machen kann. Manch einem ging es primär darum, Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagte Karling. Im letzten Jahr seien aus diesem Kreis Drohungen zur „Nacht der 1.000 Lichter“ ausgesprochen worden, erzählte er. „Katastrophen ziehen Zerwürfnisse nach sich, zu groß sind teilweise Partikularinteressen“, brachte es auch Jürgen Thiesbonenkamp auf dem Punkt. In diesem Jahr will der Verein Lopa2010, so der Inhalt der eMail, größtenteils den Gedenkveranstaltungen am Jahrestag fern bleiben. Lediglich zur „Nacht der 1.000 Lichter“ am Vorabend würde wohl der eine oder andere erscheinen. Hier ist allerdings nicht die Stiftung Veranstalter, sondern Bürger für Bürger.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Deltaport Niederrheinhäfen luden zum 1. Hafentag nach Emmerich

Infrastruktur ertüchtigen und Güterströme optimieren
Von Petra Grünendahl

Begrüßte das Publikum zum 1. Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich: Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort GmbH & Co. KG und der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH. Foto: DeltaPort.

Erster Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich. Foto: DeltaPort.

Erster Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich (v. l.): Bürgermeister Peter Hinze (Emmerich), Andreas Stolte (DeltaPort Niederrheinhäfen), Udo Jessner (Port Emmerich), NRW-Verkehrsminister Hendrick Wüst und Christian Kleinenhammann (NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG), Foto: DeltaPort.

Die Seehäfen in Rotterdam und Antwerpen verzeichnen steigende Containerumschläge, erklärten die Vertreter der beiden Nordsee-Häfen, Sanne Maris und Dr. Dieter Lindenblatt, beim 1. Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich. Bedeutende Teile dieser Güterumschläge gehen ins Hinterland: Das sind über die Rheinschiene der Niederrhein und das Ruhrgebiet – und auf der Durchreise darüber hinaus. „Die A1- und A40-Brücken stehen sinnbildlich für unsere Infrastruktur“, warnte Andreas Stolte, Geschäftsführer der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH. Geplant waren sie vor über 50 Jahren für 40.000 Fahrzeuge am Tag. Vor den ersten Sperrungen wegen Baufälligkeit fuhren täglich über 120.000 Fahrzeuge über die Brücken – inklusive Lkw mit Ladungsgewichten, für die die Rheinquerungen nie ausgelegt waren: „Wir sind alle davon betroffen“, so Stolte. Die Verlagerung von Güterverkehren weg von der Straße ist dringend nötig. Für die letzte Meile ist der Lkw unerlässlich, für die langen Wege gibt es wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Alternativen: die Wasser- und die Schienenwege. Intentionen zur Stärkung von Bahn und Binnenschiff gibt es schon lange – mit einem Anteil am Modalmix von 39 Prozent. Über Lippenbekenntnisse gingen diese aber bislang nie hinaus: der Lkw hält über 80 Prozent am Gütertransport.

Auch an Deutschlands führendem Logistikstandort Nordrhein-Westfalen machen sich Logistik-Fachleute Gedanken über ihre Zukunft in einem Bundesland am Verkehrsinfarkt: 17 Prozent der Autobahnen nehmen 20 Prozent des bundesdeutschen Verkehrs auf. Die DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH hatte zu ihrem 1. Hafentag eingeladen, um Zukunftsperspektiven insbesondere der Binnenschifffahrt und der Binnenhäfen am Niederrhein mit Hafen- und Logistikwirtschaft, Politik und Verwaltung zu diskutieren und in die überregionalen Verkehrs- und Güterströme einzuordnen.

Welche Rollen können die Häfen an Niederrhein in der Zukunft spielen?

Sanne Maris, Referentin External Affairs Deutschland des Hafens Rotterdam. Foto: DeltaPort.

Dr. Dieter Lindenblatt, Rrepräsentant des Hafens Antwerpen in Deutschland. Foto: DeltaPort.

Erst Anfang des Jahres hatten die Verantwortlichen der Häfen am Niederrhein* als gemeinsame Dachmarke gegründet: In der DeltaPort Niederrheinhäfen GmbH (Orsoy, Voerde, Wesel, Emmerich) haben sich fünf Hafenstandorte mit multimodaler Anbindung zusammengeschlossen, um unter anderem ein gemeinsames Standortmarketing zu machen. Die Standorte haben unterschiedliche Schwerpunkte, ergänzen sich aber auch. Die Contargo Rhein-Waal-Lippe GmbH mit Sitz in Emmerich hat im April letzten Jahres ein neues Containerterminal in Voerde Emmelsum eröffnet. Dorthin konnten Containerverkehre, Schwerpunkt des Umschlages im Port Emmerich, umgeleitet werden, als im Emmerich keine Kapazitäten frei waren. Die Standorte der DeltaPort Niederrheinhäfen haben Ansiedlungspotenziale bzw. bemühen sich um Flächen, um weitere Umschlagspotenziale zu erschließen. „Duisburg, Neuss-Düsseldorf oder Köln sind gut ausgelastet, so dass weitere Hafenstandorte als Hinterlandanbindung interessant werden“, brachte es Sanne Maris, Referentin External Affairs Deutschland des Hafens Rotterdam, auf den Punkt. Die Binnenschifffahrt hat Potenziale, Güterverkehre in großen Mengen für lange Transportstrecken von den hoffnungslos überlasteten Straßen auf die Wasserwege zu verlagern. Diese müssten genutzt werden, waren sich die Teilnehmer einig, um den nahenden Verkehrsinfarkt zu verhindern. Die Menge der Güter, die aus den Seehäfen nach oder durch Nordrhein-Westfalen kommen, steigt weiter an. „Antwerpen will in Zukunft weiter wachsen, optimiert den Güterumschlag und schafft zusätzliche Kapazitäten für Container“, bestätigte Dr. Dieter Lindenblatt, Repräsentant des Hafens Antwerpen in Deutschland. Auch die Belgier legen Wert auf die Nachhaltigkeit der wachsenden Hinterlandverkehre und setzen auf umweltfreundliche Verkehrsträger wie Binnenschiff und Schienengütertransport.

NRW-Verkehrsminister Hendrick Wüst. Foto: Petra Grünendahl.

„Mobilität ist die Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand“, erklärte Hendrik Wüst, Verkehrsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, als Schirmherr des Hafentages. Er zeigte in seiner Eröffnungsrede (Keynote) auf, welche Anstrengungen das Land unternimmt: „Wir werden die Infrastruktur sanieren, modernisieren und bedarfsgerecht ausbauen“, versprach der den versammelten Logistik-Fachleuten. Erste Erfolge konnte er auch vermelden: Zusätzlich zu 30 neuen Stellen für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltungen (WSV) bundesweit konnte er in Berlin weitere 15 Stellen nur für NRW rausschlagen. Auch für den Straßenbau ist aus den Geldern für den Bundesverkehrswegeplan 2030 reichlich Geld für Nordrhein-Westfalen da: Er habe aktuell Probleme, die zur Verfügung stehenden Gelder vollständig verbaut zu bekommen, weil Planerstellen in den Verwaltungen fehlen. Wüst machte klar, dass er sich auf Bundesebene intensiv für die verkehrspolitischen Interessen NRWs einsetzen und in Fach- und Finanzausschüssen des Bundestages um die benötigten Gelder werben wird.

Erster Hafentag der DeltaPort Niederrheinhäfen in Emmerich. Foto: DeltaPort.

Ein deutsches Problem sind Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte – egal, ob es um Neubau oder um Ausbau bestehender Verkehrswege geht. Während die Niederlande schon 2007 die neuen Eisenbahnstrecken in Betrieb genommen haben, die in der Vereinbarung zur Betuwe-Linie vereinbart waren, hat man in Deutschland nicht einmal mit den Bauarbeiten zur Ertüchtigung von bestehenden Eisenbahn-Strecken begonnen. „Es kann nicht sein, dass wir an der Komplexität von Genehmigungsverfahren ersticken“, so DeltaPort-Hafenchef Stolte. Man müsse die Bevölkerung mitnehmen, Vorteile der Verkehrsprojekte klar machen und einen angemessenen Ausgleich anbieten, um Proteste und Bürgerinitiative zu verhindern.

Port Emmerich

Udo Jessner, Geschäftsführer der Port Emmerich GmbH. Foto: DeltaPort.

Michael Mies, Geschäftsführer der Contargo Rhein-Waal-Lippe GmbH. Foto: DeltaPort.

Der Hafen Emmerich. Foto: DeltaPort.

Port Emmerich. Foto: DeltaPort.

Als Gastgeber des 1. Hafentags der DeltaPort Niederrheinhäfen nutzte der Port Emmerich die Gelegenheit, sich als Logistikstandort vorzustellen. Schon seit dem 17. Jahrhundert verfügte Emmerich über eine Anlegestelle am Rhein, erst 1904 entstand hier ein Industriehafen. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich der Schwerpunkt der Containerverladung herausgebildet: Von 20.000 TEU** im Jahr 1995 stieg der wasserseitige Containerumschlag auf rund 127.000 TEU im Rekordjahr 2015 (seitdem um die 115.000 TEU). Eine weitere, dritte Containerbrücke ist in Planung. Daneben gibt es kleinere Umschläge von Öl und Chemie. Neben der Anbindung an die A3 ist der Hafenstandort an die Bahnstrecke Amsterdam-Genua angebunden.

Zum Abschluss führten Udo Jessner, Geschäftsführer der Port Emmerich GmbH, und Michael Mies, Geschäftsführer der Contargo Rhein-Waal-Lippe GmbH in Emmerich, Interessierte bei einer Bustour durch die Containerhafenanlagen sowie zu den großen Logistikzentren, die den Hafen Emmerich für ihren Güterumschlag nutzen. Neben Ansiedlungen in Emmerich hat sich ein riesiges Logistikzentrum direkt hinter der Grenze in den Niederlanden angesiedelt: „Hier schöpfen wir das Frachtaufkommen ab“, so Udo Jessner. „Die Wertschöpfung findet aber in Holland statt“, räumte Michael Mies ein. Und dorthin fließen die Steuern, die bei Ansiedlung auf deutscher Seite in Emmerichs Stadtkassen fließen würden. Hier wünschen sich die Logistiker in Emmerich die Ausweisung von mehr Gewerbeflächen: „Wenn wir Gewerbeflächen anbieten können, gibt es auch interessierte Unternehmen, sind doch die Grundstückspreise jenseits der Grenze deutlich teurer“, so Jessner, und: „Wir erwarten eine Steigerung um 60.000 TEU im Containerumschlag in der Region in den nächsten Jahren. Davon wollen wir in Emmerich in Form von weiteren Gewerbeansiedlungen auch etwas abbekommen.“

*) die Hafenbetreiber DeltaPort GmbH & Co. KG, NIAG Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG und Port Emmerich GmbH
**) TEU = Twenty Foot Equivalent (Standardcontainergröße)

© 2018 Petra Grünendahl
Fotos: Petra Grünendahl (2), DeltaPort (10)

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Duisburg-Ruhrort: Outdoor-Galerie Aufnachtschicht zeigt neue Bilder am Leinpfad

Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann
gingen auf die Suche nach neuen Motiven

Von Petra Grünendahl

Outdoor-Galerie Aufnachtschicht: Die Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann hängen am Leinpfad ihre neuen großformatigen Nachtfotografien auf. Foto: Petra Grünendahl.

„Solche Fotos macht man nicht mal so eben alle in einer Nacht“, erklärte Frank Hohmann. „Mehr als ein Motiv schaffen wir da nicht“, erzählte Daniela Szczepanski. Gemeinsam waren die beiden Fotografen unterwegs gewesen, um für ihre Outdoor-Galerie Aufnachtschicht auf Motivsuche zum Thema „Wasserwege in und um Duisburg“ zu gehen. Zehn neue großformatige und hochauflösende Nachtaufnahmen aus der Region, von Industrie- und Hafenanlagen sowie von Landmarken am Wasser hat das Fotografen-Team für die Stahlrahmen am Leinpfad geschaffen. Aufwändig ist an diesem Projekt nicht nur das Fotografieren: Auch das Aufhängen der bedruckten Leinwandplanen im Format 3,30 x 2,10 Meter gestaltet sich etwas aufwändiger: Hohmann und Szczpanski müssen die mit Kabelbindern fixierten Leinwände mit einem Stahlseil im Rahmen dauerhaft befestigen.

Outdoor-Galerie Aufnachtschicht: Die Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann hängen am Leinpfad ihre neuen großformatigen Nachtfotografien auf. Foto: Petra Grünendahl.

Am Samstag, 14. Juli, öffnet die Outdoor-Galerie Aufnachtschicht mit der neuen Fotoausstellung „Die Nacht ist bunt am Hafenmund 2018“. Bei der Premiere der Outdoor-Galerie im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres (Ruhr2010) war die Finanzierung der Präsentation über europäische Kulturförderfonds gesichert. Seit der Wiederbelebung des Projekts 2014 wird dieses Engagement ausschließlich über Bildpatenschaften finanziert. Große und keine Unternehmen aus Duisburg, Vereine und Fördergemeinschaften übernehmen für zwei Jahre eine Patenschaft für ein Bild und ermöglichen so die Weiterführung des Projektes. Neben der Suche nach Motiven und dem Fotografieren organisieren Hohmann und Szczepanski den Druck, die Hängung und die Instandhaltung sowie die Vernissage. Unterstützung bekommen sie dabei von der Künstlerin Iris Weissschuh, mit der sie aktuell eine Sonderausstellung im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt bestreiten.

Bildpaten ermöglichen Kunst im öffentlichen Raum

Outdoor-Galerie Aufnachtschicht: Bildpate Dirk Grotstollen flankiert von den Fotografen Daniela Szczepanski und Frank Hohmann mit „seinem“ Bildmotiv. Foto: Petra Grünendahl.

Zum Fototermin am Leinpfad waren auch Bildpaten erschienen: Rechtsanwalt und Notar Dirk Grotstollen (Kanzlei NJP Grotstollen), Vorsitzender des Ruhrorter Bürgervereins, und Angela Hütter vom Elektroinstallateur Elektro Croy e. K. Grotstollen ist ebenso seit 2014 als Bildpate dabei wie Elektro Croy: „Mein Mann René hat das Unternehmen, in dem er schon seine Ausbildung gemacht hatte, 2017 übernommen – und die Bildpatenschaft gleich mit“, erzählte Angela Hütter. Weitere Bildpaten sind in diesem Jahr: duisport, Franz Haniel & Cie. GmbH, Rhenus Logistics, Bernhard van de Spreng GmbH, der Förderverein für ein maritimes Ruhrort e.V. sowie Galerie Kose (Essen) und natürlich die Fotografen selbst, die wie in jedem Jahr den Titel übernehmen.

Outdoor-Galerie Aufnachtschicht: Bildpatin Angela Hütter von Elektro Croy e. K. mit „ihrer“ Bildleinwand. Foto: Petra Grünendahl.

Mit der Neuinszenierung 2014 haben Szczepanski und Hohmann weitere Unterstützer ins Boot holen können: Die Schirmherrschaft übernimmt der Kulturdezernent der Stadt Duisburg, Thomas Krützberg. Auch das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt mit Museumsleiter Dr. Bernhard Weber engagiert sich: Für die Vernissage stellte er das Museumsschiff „Oscar Huber“ zur Verfügung. Am 14. Juli 2018 um 19 Uhr freuen sich alle Beteiligten, die Eröffnung als öffentliches Event an Bord der Oscar Huber zu feiern. Ab 20 Uhr spielt die bekannte Duisburger Band „The Sonny Boys“ auf, zu deren Klängen bis in die Nacht getanzt werden darf. Für kühle Getränke sorgt die Hafenkneipe „Zum Hübi“.

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Impressionen vom Aufhängen der Bilder der Outdoor-Galerie Aufnachtschicht. Fotos: Petra Grünendahl.

Wer mehr über das Projekt wissen möchte, findet auf der Facebook-Seite der Outdoor-Galerie Aufnachtschicht regelmäßig alle Informationen: https://www.facebook.com/Outdoor-Galerie-Aufnachtschicht-541289159288541/

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Ballett am Rhein: „Young Moves 2018“ begeisterte das Publikum im Theater Duisburg

Über den eigenen Horizont hinaus:
Tänzer präsentieren ihre Choreographien

Von Petra Grünendahl

Sonia Dvořák: Our Discontent – Rubén Cabaleiro Campo, Rashaen Arts, Ann-Kathrin Adam, Alexandre Simões FOTO © Gert Weigelt

Eric White: Rhapsody on a Theme – Aleksandra Liashenko, Chidozie Nzerem FOTO © Gert Weigelt

„Als Tänzer ist man bei der Erarbeitung eines neuen Stücks sehr mit sich selbst, mit seiner Rolle im Tanz beschäftigt. Wer eine eigene Choreographie zur Aufführung bringen will, muss sich zusätzlich um Dinge wie Bühne oder Kostüme kümmern. Er muss aber auch den Tänzern die Bilder vermitteln, wie seine Choreographie auf der Bühne aussehen soll“, erzählte Alban Pinet in der Einführung. Er spricht aus Erfahrung: Noch vor zwei Jahren hatte er im Rahmen der „Young Moves“ seine Choreographie auf die Bühne gebracht. Mittlerweile ist er in der Dramaturgie des Balletts am Rhein tätig. Er plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen, welche Herausforderungen nicht nur die erste Choreographie, sondern die komplette Produktion bis zur Aufführung für jemanden bedeutet, der bislang „nur“ getanzt hat. Vier Tänzer des Ballett am Rhein haben für die Fortführung des Choreographie-Formats die Herausforderung angenommen, sich einzubringen: Konzept, Produktionsschritte und Entwicklung der jeweiligen Präsentation mit den Tänzern, die hier auf der Bühne ein wahrlich grandiose Vorstellung boten. Ein begeistertes Publikum im Theater Duisburg belohnte jede Choreographie mit stürmischem Applaus.

Feline van Dijken: Temet Nosce – Norma Magalhães, Bruno Narnhammer FOTO © Gert Weigelt

Mit „Young Moves 2018“ präsentierte die Deutsche Oper am Rhein den neuesten Ballettabend ihrer Plattform Choreographie: Tänzer des Balletts am Rhein können sich hier mit Choreographien ausprobieren. Zurückgreifen können sie für die Produktion auf den Mitarbeiterstab eines großen Hauses – von der Technik über die Möglichkeiten von Bühne und Kostümen bis hin zu den Mitarbeitern hinter der Bühne: Alles steht zur Verfügung, was man für eine professionelle Aufführung braucht. Die Choreographien von Feline van Dijken (Temet nosce) , Sonia Dvořák (Our Discontent), Virginia Segarra Vidal (Posidonia) und Eric White (Rhapsody on a Theme) feierten bei der Premiere im Theater Duisburg ihre Uraufführung.

Vier choreographische Handschriften hinterlassen Eindrücke

Feline van Dijken: Temet Nosce – Norma Magalhães, Bruno Narnhammer, Ensemble FOTO © Gert Weigelt

Sonia Dvořák: Our Discontent – Ensemble FOTO © Gert Weigelt

Virginia Segarra Vidal: Posidonia – Boris Randzio, Rashaen Arts, Rubén Cabaleiro Campo, Yoav Bosidan, Alexandra Inculet, Irene Vaqueiro FOTO © Gert Weigelt

Eric White: Rhapsody on a Theme – Arthur Stashak, Chidozie Nzerem, Kailey Kaba FOTO © Gert Weigelt

Jeder der vier Choreographen sei unterschiedlich an sein Projekt herangegangen, wußte Alban Pinet zu berichten. Zur Musik von Norman Dello Joio lässt die Holländerin Feline van Dijken drei Paare tanzen. „Temet nosce“ (Erkenne dich selbst) ist die Suche nach dem eigenen Ich aus Prägungen, Begegnungen und Beziehungen zu anderen. Neben der Choreographie zeichnet sie auch für die Entwürfe von Bühne und Kostümen verantwortlich.

Die Amerikanerin Sonia Dvořák wählte als musikalische Grundlage den kalifornischen Singer-Songwriter Tom Waits. Waits rauer Charme untermalt mit „Our Discontent“ (Unsere Unzufriedenheit) neun Tänzerinnen und Tänzern im Spiegel des Trump’schen Amerika. Der Bühnenentwurf stammt von Dvořák, für die Kostüme holte sie sich Guido Reinhold an Bord.

Als Choreographin verstand sich die Spanierin Virginia Segarra Vidal als Teil eines „Autorenteams“: Ihr Stück „Posidonia“ entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten Stefan Odzuck und seinem Bruder, dem Bühnenbildner Christian Odzuck. Vier Tanzpaare treten in einen Dialog zwischen Mythos und Modernität. Segarra zeichnet auch für die Kostümentwürfe verantwortlich.

Zur Musik von „An American Abroad“ von Michael Torke entwickelte der amerikanische Tänzer Eric White seine Choreographie „Rhapsody on a Theme“ für acht Tänzerinnen und Tänzer. Das mit „What if’s …“ (Was wäre, wenn …) untertitelte Stück spielt mit Begegnungen von Menschen und dem Sich-aus-den-Augen-verlieren, mit den Möglichkeiten des Was-wäre-geschehen-wenn – oder eben auch nicht geschehen. Für die Bühnengestaltung zeichnete White selber verantwortlich, die Kostüme entwarf Saskia Schneider.

Angesichts der unterschiedlichen musikalischen Begleitung kam der Sound vom Band. Das Licht-Design stammt für alle Stücke von Volker Weinhart. Mit seinen vier Stücken dauert der Ballettabend gute zweieinviertel Stunden (inklusive eine Pause).

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Sa | 7. Juli 2018 | 19:30 Uhr.

Ein kleiner Vorgeschmack:

30 Seconds of … Impressionen

Virginia Segarra Vidal: Posidonia – Ensemble FOTO © Gert Weigelt

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 14,40 und 50,10 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Gert Weigelt, Köln / Deutsche Oper am Rhein

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Zweite Auflage für die Nacht der Geschichte rund um das Schloss Moers

Moers’ Vergangenheit in seinen Facetten erleben
Von Petra Grünendahl

„Ich würde mir mehr junge Leute bei dieser Veranstaltung wünschen“, erklärte Jens Heidenreich, verantwortlich für Wirtschaftsförderung und Tourismus in Moers. Interessanter als jeder Geschichtsunterricht wird es auf jeden Fall – und nicht nur deshalb, weil es hier um Lokalgeschichte geht: Kostümierte Stadtführer machen Moers’ Vergangenheit erlebbar. „Viele Facetten machen Geschichte spannend“, so Stadtführerin Heidi Nüchter-Blömeke, deren Schwerpunkt auf Führungen zum jüdischen Leben in Moers liegt. Einen Teil davon können Interessierte auf Rundgängen rund um das Moerser Schloss miterleben, bei denen Stadtführer in historische Rollen schlüpfen, um Moerser Geschichte und historische Anekdoten zum Besten zu geben.

Frank Heinrich (GMGV), Jens Heidenreich (Stadt Moers), Wilfried Scholten (GMGV), Heidi Nüchter-Blömeke, Alexander Borchard, Hans-Helmut Eickschen, Renate Brings-Otremba, Jürgen Stock (GMGV), Fania Burger, Museumsleiterin Diana Finkele, Monika Jaklic (Peschkenhaus), Peter Boschheidgen, Horst Grundmann (beide GMGV), Anne-Rose Fusenig. Foto: Petra Grünendahl.

Am Samstag, 25. August, startet um 19 Uhr die zweite „Nacht der Geschichte“, den der Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins in Moers e. V. (GMGV) und das Grafschafter Museum im Schloss Moers auf die Beine stellen. Im Pressegespräch stellten die Organisatoren zusammen mit Akteuren das Programm vor. Ins Boot geholt haben sie sich als Kooperationspartner die Moerser Stadtführer, den Kunstverein Peschkenhaus und die Wirtschaftsförderung der Stadt Moers. Die Initiative war vom Grafschafter Museums- und Geschichtsverein ausgegangen, mit der „Nacht der Geschichte“ ein neues Programmformat zu den bekannten Stadtführungen auszuprobieren. Besucher im vergangenen Jahr seien begeistert gewesen von der Atmosphäre des abendlichen Rundgangs und von der Qualität der Vorträge, erzählen die Organisatoren. Die Premiere war ausverkauft, in diesem Jahr konnten die Kapazitäten noch ein wenig erweitert werden, allerdings bleibt das Kartenkontingent begrenzt.

Karten im Schloss Moers erhältlich

Denkmal der Kurfürstin Luise Henriette vor dem Moerser Schloss. Foto: Petra Grünendahl.

Drei Rundgänge haben die Besucher zur Auswahl: Das Moerser Schloss und den Park (inkl. Altes Landratsamt, Henrietten-Denkmal und Rosarium), die „alte Stadt“ (Pumpeneck, Peschkenhaus, Neumarkt, Ev. Stadtkirche und Juden in Moers) sowie die „neuere Stadt“ (u. a. mit dem Altmarkt, dem ehem. Nerforth-Gebäude, dem Mahnmal für die Opfer der Shoa und dem Königlichen Hof). In Gruppen zu 30 Personen gehen die Besucher alle fünf Stationen eines Rundgangs durch und lassen sich von Kostümführern in die Vergangenheit entführen zu Begebenheiten, die für die Stadtgeschichte eine Bedeutung haben. Die Stadtführer lassen historische Persönlichkeiten ihre Geschichten mitten aus dem Leben erzählen und ihre Eindrücke und Erlebnisse vermitteln: Das ist wie Geschichtsunterricht am Ort und zur Zeit des Geschehenes. „Wir zeigen hier besondere Ereignisse an bestimmten Orten“, so Wilfried Scholten, stellvertretender Vorsitzender des GMGV. „Spannend ist, wie vieles aus der Geschichte bis heute nachwirkt.“ Über die Art der Präsentation bis zum persönlichen Gespräch erschließt sich die Geschichte hier einmal ganz anders. Zum gemütlichen Ausklang geht es anschließend in den benachbarten Musenhof: Der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein sorgt hier in geselliger Runde für das leibliche Wohl der Gäste.

Der Vorverkauf ist gerade gestartet. Karten gibt es an der Museumskasse im Schloss Moers. Sie kosten 8 Euro pro Person (inkl. Imbiss auf dem Musenhof). Karten können auch telefonisch oder per eMail bestellt werden, müssen dann aber bis zum 12. August abgeholt werden. Andernfalls gehen die Karten wieder in den Verkauf. Die Zahl der Teilnehmer ist auf 450 begrenzt (drei Rundgänge mit fünf Stationen für Gruppen mit je 30 Personen).

Grafschafter Museum im Moerser Schloss
Kastell 9, 47441 Moers
Telefon 02841 / 8815-10, Fax 8815-122
eMail grafschafter-museum@moers.de
www.grafschafter-museum.de

Grafschafter Museum- und Geschichtsverein e.V.
Der Grafschafter Museum- und Geschichtsverein e.V. (GMGV) befasst sich mit der Kultur und Geschichte der Stadt und Region der früheren Grafschaft Moers schon seit über 100 Jahren. Der Verein fördert zudem die Herausgabe stadthistorisch bedeutsamer Publikationen.
www.gmgv-moers.de

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Loveparade-Strafprozess: Ehemaliger Ordnungsamtsleiter Bölling im Zeugenstand

Ein früher Kritiker bezweifelte sichere Durchführung der Veranstaltung in Duisburg
Von Petra Grünendahl

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

„Wir haben uns einige Strecken im öffentlichen Raum angeschaut, Vor- und Nachteile dazu zusammen gestellt – und sind zu dem Schluss gekommen: Auf öffentlichen Straßen und Wegen sollte diese Loveparade in Duisburg nicht stattfinden“, erzählte Hans-Peter Bölling, damals Leiter des Ordnungsamtes. Ende 2006, Anfang 2007 sei er zum ersten Mal mit der Vorstellung einer Loveparade in Duisburg konfrontiert gewesen. Und er habe erst mal davon abgeraten, im Rahmenvertrag, den Lopavent 2007 mit fünf Kommunen im Ruhrgebiet abschloss, einen konkreten Veranstaltungsort zu nennen. „Der sollte von der Stadt Duisburg erst später festgelegt werden“, so Bölling. Nach der Immobilienmesse MIPIM in Cannes im Frühjahr 2009 sei das Gelände des alten Güterbahnhofs als Veranstaltungsgelände im Gespräch gewesen. Auch hier habe er massive Sicherheitsprobleme gesehen. Er sei mit seiner Stellvertreterin raus gefahren und habe sich das Gelände angeschaut und sei zum dem Schluss gekommen: Hier nicht!

Der inzwischen pensionierte ehemalige Leiter des Ordnungsamtes sagte im Loveparade-Prozess des Landgerichtes Duisburg im CCD der Messe Düsseldorf: Hans-Peter Bölling. Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices.

Im Loveparade-Strafprozess war der damalige Leiter des Ordnungsamtes, Hans-Peter Bölling, als Zeuge geladen. Angeklagt sind vier Mitarbeiter von Lopavent und zehn Mitarbeiter der Stadt Duisburg, mit ihrem Verhalten durch Fahrlässigkeit den Tod von 21 Menschen ´sowie exemplarisch weitere 18 Menschen, die hier als Nebenkläger auftreten, gesundheitlich geschädigt zu haben. Der seit Oktober 2014 pensionierte Bölling war ein früher Kritiker der geplanten Veranstaltung in Duisburg gewesen und hatte sich entsprechend positioniert: Nicht nur, solange das Ordnungsdezernat für die Veranstaltungsplanung verantwortlich zeichnete, sondern auch danach. Mit der Einigung auf ein geschlossenes Privatgelände am alten Güterbahnhof war die Verantwortlichkeit für das Genehmigungsverfahren an das Bauordnungsamt gegangen (März 2010). Die städtischen Mitarbeiter auf der Anklagebank stammen allesamt aus den Reihen des Bauordnungsamtes bzw. von der Spitze des Dezernats.

Zunächst war nach der Loveparade-Katastrophe auch gegen Bölling ermittelt, die Ermittlungen allerdings sehr bald eingestellt worden. Der frühere Ordnungsamtsleiter konnte ein wenig Einblicke in frühe Planungen geben, an denen er noch teilgenommen hatte, sowie zu späteren, soweit sie ihm zur Kenntnis gegeben wurden.

Es gab Warnungen!

Der inzwischen pensionierte ehemalige Leiter des Ordnungsamtes sagte im Loveparade-Prozess des Landgerichtes Duisburg im CCD der Messe Düsseldorf: Hans-Peter Bölling. Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices.

Wie schon bei früheren Zeugenvernehmungen ließ der vorsitzende Richter Mario Plein Hans-Peter Bölling zunächst erzählen, bevor er chronologisch nachfragte, sich auf Ermittlungsakten und Beweismittel beziehend. Bölling ordnete (eigene) Schreiben und Aktenvermerke zu Besprechungen oder Sachverhalten, aber auch Aussagen und Schreiben anderer involvierter Personen in den Kontext des Genehmigungsprozesses ein. Ab Ende 2006 war er Teil davon, später – nachdem die Verantwortlichkeit an das Bauordnungsamt übergegangen war – waren ihm Ergebnisse immer noch zur Kenntnis gegeben worden. Er habe sie eher überflogen auf Punkte, die seinen Verantwortungsbereich betrafen: Die Sicherheit der Menschen im öffentlichen Raum. Und die sah er auch lange noch gefährdet, als das Veranstaltungsgelände nur die Flächen nördlich der Güterbahnhofshallen im Gespräch waren: Das Gelände wäre selbst für die real erwarteten Besucher viel zu klein gewesen und hätte bei Überfüllung geschlossen werden müssen. Mit der Folge, dass Tausende von Besuchern vor den Zugängen im öffentlichen Raum hätten verbleiben müssen.

Die Rampe vom Güterbahnhofsgelände runter zur Karl-Lehr-Straße. Foto: Petra Grünendahl.

Nachdem die Verantwortung für das Genehmigungsverfahren ins Bauordnungsamt (Baudezernat) gewechselt war, besuchten Mitarbeiter des Amtes ein Seminar zum Thema Großveranstaltungen. Auch Böllings Stellvertreterin sowie ein weiterer Mitarbeiter aus dem Ordnungsamt (Ordnungsdezernat) seien dort gewesen. Diese hätten ihm hinterher berichtet, so Bölling, dass der Referent des Seminars ausdrücklich vor der Loveparade gewarnt hatte. Auch von anderen Stellen habe es Warnungen geben. In einer ersten Phasen der Veranstaltung sollten ab 14 Uhr die Loveparade mit 20 Floats über einen 1,3 Kilometer langen Rundweg um die Güterbahnhofshallen ziehen, bevor ab 17 Uhr nördlich der Hallen die Abschlusskundgebung vonstatten gehen sollte. Probleme erwartete Bölling besonders zum „Schichtwechsel“ zwischen der eigentlichen Parade und der Abschlusskundgebung, als vom Gelände abziehende Besucher auf weitere Neuankömmlinge stoßen mussten. Hierfür stand als einziger Ein- und Ausgang die Rampe südlich der Güterbahnhofshallen zur Verfügung, wo es zwischen 16 und 17 Uhr zur Katastrophe kommt.

Wir wollten die Veranstaltung fundiert ablehnen können!

Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.

Nach der Absage von Bochum habe Duisburg unter Druck gestanden, zumal im Kulturhauptstadtjahr Ruhr2010: Auch die Medien hätten verkündet, dass sich das Ruhrgebiet eine zweite Blamage (wie Bochum) nicht leisten könne. Das sei auch in Duisburg auf fruchtbaren Boden gefallen. Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe, der für das Genehmigungsverfahren der Loveparade in Duisburg federführend verantwortlich war, habe ihm gesagt, dass „man sich eine Absage nicht leisten kann“, so Bölling wörtlich.

Lopavent habe von der Stadt Duisburg eine großzügige Auslegung der Vorschriften erwartet, hatte ein in die Planungsverfahren involvierter Polizeibeamter bei seiner Vernehmung zu Protokoll gegeben. Man habe sogar mit Abbruch der Gespräche gedroht, so der Beamte. „Die Politik sei risikobereiter gewesen als die Verwaltung“, zitierte Richter Plein weiter aus der Vernehmung von Polizeioberrat K. Plein versuchte, mit Bölling eine Abgrenzung von Politik zur Verwaltung zu ziehen, was nicht ganz unproblematisch ist: Der Oberbürgermeister ist nicht nur ein gewählter Politiker, sondern auch Verwaltungschef. Und die Beigeordneten sind vom Rat gewählte politische Beamte auf Zeit. Plein fragte Bölling, ob sie die Bemerkung des Polizeibeamten auf Ordnungsdezernenten bezogen haben könnte, der in der Planung federführend verantwortlich war: „Dass Rabe für die Veranstaltung ein großes Risiko eingehen und dafür die Verantwortung übernehmen würde, glaube ich nicht“, so Bölling.

Aus der Unterführung auf der Karl-Lehr-Straße. geht es über die Rampe zum Güterbahnhofsgelände Foto: Petra Grünendahl.

Schon den Zeugen Adolf Sauerland hatte der Richter mit der Aussage Hans-Peter Böllings konfrontiert, er habe ihm in einem Schreiben drei „Reißleinen“ an die Hand gegeben, die dem Oberbürgermeister ermöglichen sollten, die Loveparade mit fundierter Begründung und ohne Gesichtsverlust für die Stadt absagen zu können. Und da Bölling den Dienstweg einhalten musste, konnte er das Schreiben nicht an den Oberbürgermeister direkt richten, sondern musste über seinen Vorgesetzten (Wolfgang Rabe) gehen. Dass das Schreiben nicht bei Sauerland angekommen ei, kann Bölling nachvollziehen: „(Ordnungsdezernent) Rabe war nicht der Typ, der Probleme an übergeordnete Instanzen weiter getragen hätte.“ So habe sich Rabe habe wohl später entschuldigt, so Bölling, dass er die Gefährdungsanalyse nicht im Verwaltungsvorstand (Oberbürgermeister und Dezernenten) vorgelegt hätte

Duisburg gedenkt der Opfer der Loveparade. Foto: Petra Grünendahl.

An Details dieses Schreibens vom Januar 2010 konnte sich der Zeuge nicht erinnern. Finanzen wären sicherlich einer der Punkte gewesen: Die hoch verschuldete Stadt hätte für die Loveparade kein Geld ausgeben dürfen. Eine Summe von über 800.000 Euro habe im Raum gestanden, die anders (nicht über den Kommunalhaushalt) hätte finanziert werden müssen. Der zweite Punkt dürfte wohl die Powerpoint-Präsentation gewesen sein, eine Gefährdungsanalyse möglicher Veranstaltungsflächen, die Bölling früher in seinen Ausführungen angesprochen hatte. Dort waren die Ergebnisse einer gemeinsamen Konferenz von Ordnungsamt, Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten dargestellt – mit den Sicherheitsproblemen möglicher Veranstaltungsorte. Der damalige Polizeichef Rolf Cebin hatte sich auf diese Ergebnisse bezogen, als er seinerzeit öffentlich machte, dass es in Duisburg keinen sicheren Ort für die Veranstaltung der Loveparade gäbe. Dieses Statement hatte dazu geführt, dass Cebin von NRW-Innenminister Ingo Wolf in den Ruhestand geschickt worden war. Auch so entledigt man sich unliebsamer Kritiker. Bedenken gab es – auch öffentlich geäußerte. Dass diese nicht unbegründet waren, zeigen die Ereignisse, deren Folge 21 Tote und Hunderte Verletzte und Traumatisierte waren.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices (2), Petra Grünendahl (5)

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Duisburg-Beeck rockt: Die 479. Beecker Kirmes kündigt sich an

Früherer Termin lockt mehr Großfahrgeschäfte und damit Besucher
Von Petra Grünendahl

Stellten das Programm für doe 479. Beecker Kirmes vor (v.l.): Schaustellerbund-Präsident Albert Ritter, Jenny Bosslé (Schaustellerverein Groß-Duisburg e. V.), Thomas Krützberg (Geschäftsführer von Duisburg Kontor) und Mike Bengel, Vorsitzender des Schaustellervereins Groß-Duisburg e. V. Foto: Petra Grünendahl.

„Der frühere Termin im letzten Jahr hat die Beecker Kirmes für Betreiber von Großfahrgeschäften interessant gemacht“, erklärte Thomas Krützberg in seiner Funktion als Geschäftsführer von Duisburg Kontor. „Wir hatten mehr Bewerber für Stellflächen denn je. Und das haben wir auch in diesem Jahr“, zeigte sich Krützberg zufrieden. Die gute Resonanz konnte Schaustellerbund-Präsident Albert Ritter bestätigen: „Gerade für Schausteller aus NRW ist dies ein wichtiger Event.“ Rund 180 Fahr- und Schaugeschäfte aus ganz Deutschland – darunter mit 17 Großfahrgeschäften zahlreiche spektakuläre Attraktionen – locken auf rund 30.000 Quadratmetern Kirmesfläche. Stattfinden wird Beecks älteste Traditionsveranstaltung wie gewohnt im Herzen des Stadtteils auf dem Festgelände hinter dem Beecker Oberhof, auf dem Beecker Marktplatz und in den angrenzenden Straßen.

Impressionen von der Beecker Kirmes 2015. Foto: Petra Grünendahl.

Am Freitag, 29. Juni, startet die 479. Beecker Kirmes: Erst zum zweiten Mal findet die mit 300.000 Besuchern größte Kirmes am Niederrhein zum neuen Termin am ersten Juli-Wochenende statt. Duisburg Kontor stellte mit Geschäftsführer Thomas Krützberg (Beigeordneter der Stadt Duisburg), Mike Bengel (Vorsitzender des Schaustellervereins Groß-Duisburg e. V.), Albert Ritter (Präsident des Deutschen Schaustellerverbandes e. V.) und Patrick Damberg (Leiter Kommunikation von Sponsor König Brauerei) im Pressegespräch das Programm vor. Zu Großfahrgeschäften und Attraktionen wie Ghost Rider, Flipper, Black Hole, Aviator oder Breakdance No. 1 kommen 14 Kinder-Fahrgeschäfte sowie 150 Reihengeschäfte. Duisburg Kontor verspricht ein Volksfest für die ganze Familie, das am Dienstag, 3. Juli, mit dem traditionellen Höhenfeuerwerk gegen 22.45 Uhr abschließt.

„Beeck rockt!“ erleben – mit einzigartigem Kirmes-Shirt

Impressionen von der Beecker Kirmes 2015. Foto: Petra Grünendahl.

Mehr Leben wollen die Veranstalter auf dem Marktplatz: Die Gilde der Marktschreier wird sich von Freitag bis Sonntag dort messen. Gastronomie, Kinderkarussell sowie ein kleiner Kram-Markt runden das Angebot ab. Auf dem Marktplatz wird traditionell am Freitag, 29. Juni, die Beecker Kirmes eröffnet. Im Vorprogramm ab 15.30 Uhr unterhalten Comedian Moses W. und die Ruhrpott-Guggis, die gemeinsam mit Fahnenträgern des Schaustellerbundes zur Bühne ziehen. Mit dem Fassanstich eröffnet Oberbürgermeister Sören Link zusammen mit der NRW-Kirmeskönigin, Schaustellerbund-Präsident Albert Ritter und Bezirksbürgermeisterin Daniela Stürmann um 16 Uhr offiziell das Volksfest.

Zeigten mit dem Fan-Shirt Flagge für die Beecker Kirmes (v. l.): Semih Yildirim, Kathrin Schumann, Marc Engel, Norbert Bouten, Tim Rößler, Wolfgang van Mark, Thomas Krützberg und Patrick Kötteritzsch (alle von Duisburg Kontor) mit Schaustellern Mike Bengel und Albert Ritter. Foto: Petra Grünendahl.

Die Terminverschiebung vom Vorjahr sei die richtige Entscheidung gewesen, sagte auch Mike Bengel, Volksfest-Gastronom und Vorsitzender des Schaustellervereins Groß-Duisburg e. V.: „Das Publikum fühlt sich hier wohl und auch Familien kommen gerne.“ Wer mag, kann seine Begeisterung für die Beecker Kirmes auch am Körper tragen: Mit der Aufschrift „Beeck rockt!“ hat Duisburg Kontor passendes Fan-Shirt in limitierter Auflage in den Größen XS bis XXL im Angebot. Für 14,95 Euro kann man es bei Duisburg Kontor, in der Tourist Information sowie während der Kirmes an ausgewählten Ständen erwerben. Wer die ganze Familie einkleiden will, bekommt einen Mengenrabatt.

„Als Beecker Unternehmen haben wir eine Verantwortung für den Stadtteil“, erklärte KöPi-Pressesprecher Patrick Damberg das Engagement seines Unternehmens zur Unterstützung der Beecker Kirmes. Die Standgelder der Schausteller allein reichen nicht, die Kosten des Spektakels zu stemmen, so dass das Engagement der lokalen Wirtschaft unverzichtbar sei, so Thomas Krützberg. „Die Beecker Kirmes ist für Duisburg Kontor ein Zuschuss-Geschäft. Wir müssen als städtische Gesellschaft die Zuschüsse niedrig halten, so dass wir auf diese Unterstützung angewiesen sind.“ Er danke allen Sponsoren für ihr Engagement.
Mehr Infos auf www.beecker-kirmes.de
Flyer zur Beecker Kirmes 2018 zum Download

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Programmvorstellung fürs Stadtwerke-Sommerkino im Landschaftspark Duisburg-Nord

Besucher-Magnet mit überregionaler Strahlkraft:
Vom Blockbuster über Filmkunstkino bis Klassiker und Familienkino – Fünf Mal auch Mitternachtskino

Von Petra Grünendahl

Besuchermagnet Stadtwerke Sommerkino. Foto: Thomas Berns / Filmforum.

„Letzte Woche habe ich schon einen Ticketwunsch für das Stadtwerke Sommerkino 2019 per eMail bekommen“, erzählte Ralf Winkels, Geschäftsleiter des Landschaftsparks Duisburg-Nord. Ein bisschen zu früh, wird doch jetzt erst das Sommerkino-Programm 2018 veröffentlicht. In der Gießhalle des Hochofen 1 lockt mittlerweile zum 22. Mal Tausende von Fans in Deutschlands außergewöhnlichstes Open-Air-Kino. Freuen können sich die Besucher nicht nur auf eine stimmungsvolle Location mit Industriekulisse, Beach-Gastronomie und Live-Musik (20 bis 21.30 Uhr als Vorprogramm montags bis freitags), sondern auch über ein ausgewähltes Kinoprogramm freuen: aktuelle Filmhits, mit großen Namen (auch als Besucher zu den Filmvorführungen), ausgezeichnete Filmen (Oscar-Gewinner, Nominierte für Oscar, Golden Globe etc.), Familienkino und Filmen jenseits des Mainstreams (auch Filmkunstkino oder Arthouse genannt).

Stellten das Programm für das Stadtwerke-Sommerkino vor (v. l.): Kai Gottlob, Thomas Krützberg, Ralf Winkels (Lapano), Madeline Huke (König Brauerei), Alexander Kranki (Krankikom) und Thomas Kehler (Stadtwerke Duisburg). Foto: Petra Grünendahl.

Im Bistro im Filmforum stellte Sommerkino-Organisator Kai Gottlob, Geschäftsführer des Kommunalkinos, zusammen mit Ralf Winkels, Kulturdezernent Thomas Krützberg, Alexander Kranki (Krankikom), Madeline Huke (Sponsor König Brauerei) und Thomas Kehler (Hauptsponsor Stadtwerke Duisburg) das Programm vor. Das „Stadtwerke-Sommerkino“, welches diesen Namen seit 2007 trägt, findet vom 12. Juli bis 19. August statt. Auf den Programm stehen 39 Filmabende mit 44 Filmvorführungen: Jeden Samstag gibt es einen zweiten Film im Mitternachtskino.

Programmkino mit erlesener Filmauswahl

Stadtwerke Sommerkino. Foto: Thomas Berns / Filmforum.

Zu den Highlights zählen sicherlich „Deine Juliet“ am 8. August (ein Tag vor dem offiziellen deutschen Kinostart) oder der Filmklassiker „The Rocky Horror Picture Show“ am 10. August mit Shadow Cast mit Max Meyhem, das heißt: die Handlung wird auf der Bühne vor der Leinwand „live“ mitgespielt. Eine NRW-Premiere gibt es mit „Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon“ (9. August), einen Film-Klassiker mit „Dirty Dancing“ aus dem Jahr 1987 (14. Juli). Für den Familienkinoabend stehen „Unsere Erde 2“ (28. Juli) und „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (11. August) auf dem Programm. Dazwischen gibt es aktuelle Blockbuster wie „Star Wars“, aber auch Arthouse-Erfolge, die mit Sicherheit für jeden was Passendes zu bieten haben. Auf dem Programm stehen neben 24 amerikanischen Filmen auch viele deutsche und europäische Produktionen.

Mehr Infos gibt es unter http://www.stadtwerke-sommerkino.de. Das Programmheft sowie ein A6-Info-Folder liegen aber auch wie immer überall im Stadtgebiet aus. Eine Übersicht und Details zum Proramm gibt es hier …

Neues System für die Ticket-Bestellungen

Besuchermagnet Stadtwerke Sommerkino. Foto: Thomas Berns / Filmforum.

Der Vorverkauf startet am Mittwoch, 27. Juni, um 12 Uhr im Internet unter http://www.stadtwerke-sommerkino.de. „Analoge“ Vorverkaufsstellen öffnen gleichzeitig: Eine im Filmforum am Dellplatz, im Landschaftspark Nord ist die Sommerkinokasse mit vier Kassen von 12 bis 18 Uhr für den Verkaufsstart geöffnet. Für den Eröffnungsfilm bekommt man die Tickets erst ab dem 6. Juli. Es empfiehlt sich, die Karte im Vorverkauf zu holen. Ein kleines Restkontingent an Karten ist jeweils an der Abendkasse verfügbar. Man könne aber auch, so Madeline Huke von Sponsor König Brauerei, sein Glück beim Gewinnspiel des Sponsors im Biergarten versuchen. Auch dort gäbe es jeden Abend noch Tickets zu gewinnen.

Von Ausnahmen abgesehen kosten die Tickets 10 Euro, zur „Rocky Horror Picture Show“ kostet der Eintritt 13 Euro (jeweils ggf. zuzüglich Vorverkaufsgebühr von 10 Prozent). Am Stadtwerke-Kundenkarten-Tag gibt es für Besitzer der Stadtwerke-Kundenkarten eine Ermäßigung.

Besuchermagnet Stadtwerke Sommerkino. Foto: Thomas Berns / Filmforum.

Für den Ticket-Verkauf im Internet, der seit Jahren trotz laufend erhöhter Kapazitäten dem Ansturm nicht gewachsen ist, hat Kai Gottlob in diesem Jahr Alexander Kranki mit Krankikom an Bord geholt. Krankikom ist kein Neuling bei der Abwicklung von Online-Ticketverkäufen. Für das Stadtwerke-Sommerkino feiert allerdings ein neues System Premiere. Alexander Kranki räumte ein: „Wenn Tausende von Käufern Zugriff auf fast 45.000 Karten in wenigen Stunden haben wollen, geht das an Kapazitätsgrenzen. Das ist schon eine Herausforderung!“ Er sprach dem Team um Kai Gottlob seine Hochachtung für das aus, was sie in den letzten Jahren mit dem bisherigen System auf die Beine stellt hätten. Die neue Software werde Server u. a. dadurch entlasten, dass Ticketkäufe nur noch pro Film getätigt werden können. Das umgeht das Problem, dass „Warenkörbe“ wegen zu langer Übertragungszeiten über ein „Time-out“ geleert werden, ohne dass der Kauf-Vorgang abgeschlossen ist. Gottlob und Kranki empfehlen den Kauf online, denn hier würde Käufer deutlich gezielter und mit fertigen Listen an ihre Bestellungen herangehen. Das reduziere Wartenzeiten: „An den Kassen fangen Leute dann immer noch an zu überlegen, welche Karten sie denn außerdem noch mitnehmen könnten“, so Gottlob. Das halte dann natürlich die Warteschlange auf.

Die Filmvorführungen beginnen mit Einbruch der Dunkelheit (zwischen 20:45 und 22 Uhr bzw. als Mitternachtskino zwischen 23.30 und 0.30 Uhr). Der öffentliche Parkplatz befindet sich direkt gegenüber dem Haupteingang auf der Emscherstraße 71 in Meiderich: Es stehen insgesamt 1.500 kostenfreie Parkplätze zur Verfügung. Ein fahrbares Dach über den Zuschauerrängen lässt Kino-Besucher auch bei sommerlichen Regenschauern im Trockenen sitzen. Die Abendkasse öffnet um 20 Uhr. Ab 18 Uhr haben Parkbesucher Zutritt zur Strand-Gastronomie. Um größtmögliche Sicherheit für alle Besucher zu gewährleisten, wird das Sicherheitspersonal Taschenkontrollen an den Eingängen durchführen. Grundsätzlich ist die Mitnahme von Taschen bis zum A4-Format erlaubt. Eine Praxis, die sich in Vorjahren bewährt hat.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Thomas Berns / Filmforum (5)

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Maschinenhalle Pattberg in Moers: !SING – Day of Song lädt in beeindruckender Industriekulisse zum Mitsingen ein

Musik verbindet!
Von Petra Grünendahl

Eine Kostprobe des LaGa-Chores: Das Singfestival „!SING Day of Song“ findet am 3. Juni unter anderem in der Maschinenhalle Pattberg iin Moers statt. Foto: Petra Grünendahl.

Eine kleine feine Kostprobe seines Könnens gibt der Projektchor zur LaGa (Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020). Ein gutes Dutzend Sänger zeigt, wie klasse die Akustik in der Maschinenhalle Pattberg für Chorgesang ist. Wie muss es erst klingen, wenn Chöre mit jeweils 30 bis 40 Sängern unterstützt von sangesfreudigem Publikum die Halle zum Klingen bringen? Die vierte Auflage des Singfestivals steht ganz im Zeichen des Endes der deutschen Steinkohleförderung. Das Programm in der Maschinenhalle Pattberg spiegelt nicht nur die Geschichte des Ortes, sondern auch der Menschen, die auf Zeche Pattberg und im Bergbau gearbeitet habe. Bergmannslieder, aber auch Volks-, Heimat- und Wanderlieder sowie Popmusik – und natürlich der Song zur Landesgartenschau 2020, „Meer aus Blumen“, gehören zu den Repertoires der Chöre.

Das Singfestival „!SING Day of Song“ findet am 3. Juni unter anderem in der Maschinenhalle Pattberg iin Moers statt. Foto: Petra Grünendahl.

Über das Programm des Musikfestivals „!SING – Day of Song“ in der Maschinenhalle Pattberg in Moers informierte der künstlerische Leiter der Veranstaltung, Frederik Göke, zusammen mit Sana Sarrazin (Ruhr Tourismus GmbH als Projektträger und Organisator), Anna Gerhard (Stiftung für Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur als Eigentümerin der Halle) und Vertretern der Chöre. Der Day of Song findet am Samstag, 30. Juni, von 12 bis 15 Uhr statt, danach bleibt die Maschinenhalle bis zum Beginn der Extraschicht um 18 Uhr geöffnet. Die Gastronomie ist durchgängig verfügbar, so dass man vom Singfestival fast schon nahtlos in die Nacht der Industriekultur übergehen kann, die in der Maschinenhalle Pattberg unter dem Thema „Halle der Erinnerungen“ steht.

Maschinenhalle Pattberg
Der Day of Song startet um 12.10 Uhr mit einem gemeinsamen Singen aller Sänger: Sechs Lieder angefangen mit dem Steigerlied stehen hier auf dem Programm, die an allen Spielorten gleichzeitig gesungen werden. Ab 12.30 Uhr geht die Veranstaltung individuell in die freien Programmblöcke der Spielorte über. Gestaltet wird das Moerser Programm von Chören aus der Nachbarschaft: aus Kamp-Lintfort und Rheinberg.

Lebensgefahr besteht nicht mehr, aber die Halle ist nur für spezielle Events öffentlich zugänglich: Das Singfestival „!SING Day of Song“ findet am 3. Juni unter anderem in der Maschinenhalle Pattberg iin Moers statt. Foto: Petra Grünendahl.

Sie ist nur für spezielle Events öffentlich zugänglich: die Maschinenhalle Pattberg iin Moers. Foto: Petra Grünendahl.

Ab 12.30 Uhr singt der Projektchor zur Landesgartenschau, die 2020 in Kamp-Lintfort stattfindet. „Gegründet wurde der Projektchor, um den LaGa-Song vorzustellen“, erzählte Chorleiterin Helga Dylla. Das Repertoire der Sänger ist mittlerweile etwas größer: „Wir machen im Vorfeld Werbung für die Landesgartenschau“, so Dylla. Ab 13 Uhr übernimmt eine Chorgemeinschaft der Männergesangsvereine aus Rheinberg-Borth, Millingen und Alpsray unter der Leitung von Dennis Kittner. Ab 14 Uhr schließt sich das Chorprojekt „Musik inklusive“ an. Das Chorprojekt aus Kamp-Lintfort wurde 2012 auf Wunsch eines 16-Jährigen mit Down Syndrom gegründet, der singen wollte, aber „nicht in einem Kirchenchor“, erzählte Susanne Hausmann, Initiatorin des Chorprojekts. Es singen Menschen mit und ohne Behinderung unter der musikalischen Leitung von Monique Bleeck und Günter Sanders: „Musik verbindet – und das ist der größte Gewinn“, lobte Hausmann die so entstandene Gemeinschaft. Die Organisatoren um den künstlerischen Leiter Frederik Göke haben ein Programm für die ganze Familie auf die Beine gestellt. Infostände auf dem Gelände der Maschinenhalle informieren über Künstler und Chöre. Für die Technik zeichnet Höhnerbach Veranstaltungstechnik verantwortlich, fürs Catering Michael Zajuntz. Der Veranstaltungsort ist barrierefrei.

Zum Programm der Extraschicht in Moers hatten wir vor zwei Wochen schon informiert …

!SING – Day of Song

Maschinenhalle Pattberg iin Moers. Foto: Petra Grünendahl.

Maschinenhalle Pattberg iin Moers. Foto: Petra Grünendahl.

Im Kulturhauptstadtjahr 2010 (Ruhr2010) fand !SING – Day of Song erstmals statt. 2012 und 2014 organisierte die Ruhr Tourismus GmbH (RTG) als Projektträger das Singfestival. Nach einer Pause 2016 versucht die RTG in diesem Jahr einen Neustart, im Zweijahres-Rhythmus soll es auch künftig wieder weitergehen. Chöre und Gesangsvereine konnten sich bewerben, um am Veranstaltungstag gemeinsam mit Besuchern zu singen. Schauplatz sind in diesem Jahr elf Spielorte der Metropole Ruhr plus Kooperationsstädte. Die Teilnahme ist für Chöre und Besucher kostenlos. Für die Teilnahme am Abendprogramm (Extraschicht) besteht für Besucher des Day of Song die Möglichkeit, ein Extraschicht-Ticket günstiger zu erwerben. Teilnehmer des Singfestivals bekommen ihr Extraschicht-Ticket gratis. Mit diesem kann man mit Extraschicht-Shuttlebussen nach Bochum oder an anderen Spielorte der Extraschicht im ganzen Ruhrgebiet fahren oder auch das Extraschicht-Programm in der Maschinenhalle vor Ort genießen.

Als Abschussveranstaltung des Day of Song findet ab 22.30 Uhr in der Jahrhunderthalle in Bochum ein Abendprogramm statt: Im Rahmen der Extraschicht und im Anschluss an das Klavier-Festival Ruhr. Bis zu 3.000 Sänger singen in Begleitung der Bochumer Symphoniker unter der Leitung von Steven Sloane. Gastauftritte eines Bergmannschores sowie eines Kammerchores des Klavier-Festivals Ruhr stehen ebenso auf dem Programm wie Gastkonzerte in Richtung Pop und Jazz.
Mehr Infos unter http://www.dayofsong.de

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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MKM Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt „Kunst & Kohle“ mit einer Hommage an Jannis Kounellis

Von Kohle und Stahl und ihrer Bedeutung
Von Petra Grünendahl

Jannis Kounellis: Ohne Titel )1999): Eisenplatten, Papier, schwarze Kreide, Eisenträger und Haken. Foto: Petra Grünendahl.

Stahl, Stein, Stoff oder eben Kohle sind die grundlegenden Elemente, aus denen der in Griechenland geborene Künstler Jiannis Kounellis (1936-2017) seine mitunter raumgreifenden Installationen und großformatigen Wandbildern geschaffen hat. Er gilt als Pionier der Arte Povera. Künstler der „armen Kunst“ begannen Mitte der 1960er-Jahre, einfache, teils kunstfremde Gegenstände in ihre Werke zu intregrieren. Kounellis hatte zunächst an der Akademie der Bildenden Künste in Athen studiert. Doch schon 1956 zog es ihn nach Rom, wo er dann sein Studium an der Akademie der Schönen Künste fortsetzte und dort bis zu seinem Tod lebte und arbeitete. Ab 1960 machte er mit Ausstellungen auf sich aufmerksam. Von 1993 bis 2001 war er Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Viele seiner Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.

MKM-Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling. Foto: petra Grünendahl.

Ferdinand Ullrich, Co-Kurator der Ausstellung, war Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen und ist Gesamtkoordinator des Ausstellungsprojekts „Kunst & Kohle“. Foto: Petra Grünendahl.

Arbeiten aus diesen Sammlungen bilden den Grundstock der Ausstellung „Hommage an Jannis Kounellis“, mit der sich das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Ausstellungsprojekt „Kunst & Kohle“ der RuhrKunstMuseen beteiligt. Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling stellte die Ausstellung zusammen mit seinem Co-Kurator Ferdinand Ullrich, bis ins vergangene Jahr Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen, im Pressegespräch vor. „Als wir vor drei Jahren mit der Konzeption für das Ausstellungsprojekt begonnen haben, wollte Kounellis seine Kunst in unseren Räumen neu ‚inszenieren’“, erzählte Walter Smerling, der in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler hier ursprünglich eine ganz andere Präsentation machen wollte. Nach Kounellis’ Tod im Februar 2017 war die ursprüngliche Planung Makulatur. Statt einer Absage konzipierten Smerling und Ullrich, der auch Gesamtkoordinator des „Kunst & Kohle“-Projekts ist, die Schau neu. Sie nahmen zu Werken von Kounellis in Form einer Hommage Arbeiten von sechs weiteren Künstlern, die sich mit dem Schaffen des griechischen Künstlers auseinander gesetzt hatten, Impulse aufgenommen und weitergeführt haben: Ayşe Erkmen, Anselm Kiefer, Michael Sailstorfer, Sun Xun, Timm Ulrichs und Bernar Venet.

Jannis Kounelis: OHne Titel )1997): Stahlblech, Stahlträger, Draht, Steine, Öllampe. Foto: Petra Grünendahl.

Jannis Kounellis: Großes Lazarett (2000): Katarettbetten, Stahl-Körper, Stahlplatten, Militär-Wolldecken. Foto: Petra Grünendahl.

Jannis Kounellis habe wie kein anderer das Material Kohle mit Bedeutung aufgeladen, so Kurator Ferdinand Ullrich. Seine Installationen sind mitunter theatralische Inszenierungen, die über den „Stoff“ hinaus gehen. Auch die anderen beteiligten Künstler griffen, so der Kurator, Kohle und Stahl als Arbeitsmaterial, Motiv und Inhaltsträger auf: Sie zeigen im MKM Werke, die gezielt für die Ausstellung ausgewählt oder eigens neu geschaffen wurden. „Die pure Materialität, der komplexe Mythos, das Konzept, das leichte Spiel, die tiefgründige Vielschichtigkeit der Erscheinung – all das zeigt diese Ausstellung und ehrt damit den großen Magier Jannis Kounellis“, so die Kuratoren Ferdinand Ullrich und Walter Smerling. „Die Ausstellung ist dabei nicht nur eine Hommage an
einen großen Künstler, sondern zugleich auch an die Heimatregion von Kohle und Stahl und an die Übergabe des Staffelstabs an die Kunst.“ Kohle und Stahl haben schließlich mal den Grundstein für den Reichtum dieser Region gelegt, die heute über die größte Dichte an Kultureinrichtungen und Kunstmuseen verfügt – nicht nur in Europa, sondern weltweit.

Zur Sonderausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit „Kunst und Genuss“ (Führung mit Imbiss) am 11. Juli sowie einen Ferienworkshop für 12- bis 16-Jährige unter dem Titel „Schwarz auf Weiß“ am 25. Juli und 15. August (Details unten).

RuhrKunstMuseen

Anselm Kiefer: Klingsors Garten (2018). Foto: Petra Grünendahl.

Tim Ulrichs: Kohleofen (brennbar, 1975, 2018): Skulptur aus Brickett-Mauerwerk, die abgebrannt werden soll. Foto: Petra Grünendahl.

Ab Mai zeigen 17 RuhrKunstMuseen Sonderausstellungen, die sich anlässlich der Schließung des letzten deutschen Steinkohlebergwerks Ende des Jahres mit der Thematik „Kunst & Kohle“ auseinander setzen. Dass sich das Ausstellungsprojekt zum 10-jährigen Bestehen der Museumskooperation wie ein roter Faden durch das Ruhrgebiet zieht, ist eher dem Zufall geschuldet. Mehr unter http://www.ruhrkunstmuseen.com.

Für den (auch mehrfachen) Besuch in den teilnehmenden Museen gibt es ein Kombi-Ticket für 25 Euro (ermäßigt 15 Euro), das in allen teilnehmenden Museen erhältlich ist. Unterstützt wird das Ausstellungsprojekt finanziell durch das Land NRW sowie verschiedene Stiftungen (Kunststiftung NRW, RAG Stiftung, Brost Stiftung) sowie der Ruhr Tourismus GmbH. Es ist Teil des Veranstaltungskalenders „Glückauf Zukunft!“ zum Ende des Steinkohlenbergbaus in Deutschland.

Zu dem Ausstellungsprojekt „Kunst & Kohle“ erscheint im Wienand-Verlag eine reich bebilderte Publikation in 17 Bänden. Die einzelnen Kataloge (für 15 Euro pro Band) sind in den teilnehmenden Museen sowie im lokalen Buchhandel zu haben.

Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Yannis Koonellis: Feuerstelle (1969). Foto: Petra Grünendahl.

Die Arbeiten sind bis zum 28. Oktober 2018 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Die Dauerausstellung ist wegen der Arbeiten am Erweiterungsbau (Eröffnung Ende 2019) aktuell nicht zu besichtigen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung.

Jannis Kounellis: Ohnte Titel (2000): Kohlesäcke und Stahl. Foto: Petra Grünendahl.

Am Mittwoch, 11. Juli 2018, um 17 Uhr findet eine Führung der Reihe „Kunst und Genuss“ durch die Ausstellung statt: inklusive Getränk und Imbiss zum Ausklang im Restaurant Küppersmühle beträgt der Teilnahmepreis 21 Euro (Anmeldung unter http://www.museum-kueppersmuehle.de/informatîon/veranstaltungsprogramm). Am 25. Juli und 15. August (beides mittwochs) gibt es mit „Schwarz auf Weiß“ zwischen 14 und 17 Uhr einen Ferienworkshop für 12- bis 16-Jährige (Arbeiten mit Tusche und Kohle, 15 Euro für Termin inklusive Material). Kostenlose Besucherführungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr (maximal 30 Teilnehmer, frühzeitiges Erscheinen ist empfohlen). Mehr Informationen ebenso wie die Kontaktdaten zur Anmeldung gibt es auf den Internet-Seiten des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Sculpture 21st in Duisburg: Lehmbruck Museum zeigt Xu Bings „Dragonfly Eyes“

Wenn das reale Leben Filmgeschichten erzählt
Von Petra Grünendahl

Der chinesische Künstler Xu Bing stellt nicht zum ersten Mal im Lehmbruck Museum aus. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Geschichte des Films spielt im realen Leben. Es gibt keine Schauspieler und keinen Kameramann“, erzählte der chinesische Künstler Xu Bing (*1955). Er und sein Team hatten für den 81 Minuten langen Film-Zusammenschnitt rund 11.000 Stunden Filmmaterial ausgewertet. Dieses Material stammte von in China weit verbreiteten Überwachungskameras im öffentlichen Raum und war im Internet frei verfügbar. Zu sehen sind Alltagsszenen – und mittendrin sogar eine Liebesgeschichte, wie sie Hollywood kaum besser hätte inszenieren können. Diese Alltäglichkeit transportiert die Kunst, die aber auch mahnt, was immer mehr Teil unseres Lebens wird, und Diskussionen anregen will: Die Überwachung, der man sich (nicht nur in China) immer weniger entziehen kann.

Im Zentrum der multimedialen Installation von Xu Bing steht der Film „Dragonfly Eyes“. Foto: Petra Grünendahl.

Im Pressegespräch stellten Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, Kuratorin der Sonderschau, Kulturdezernent Thomas Krützberg, Prof. Yu Zhang (Gesellschaft für Deutsch-Chinesischen Kulturellen Austausch e. V.), Johannes Pflug (China-Beauftragter der Stadt Duisburg) und Ursula Wißborn von der Stiftung der Sparda-Bank West zusammen mit Xu Bing „Dragonfly Eyes“ vor. Gezeigt wird hier nicht nur der Film: Er ist eingebunden in eine multimediale Installation, die die Entstehung des Werks thematisiert. Sechzehn Laptops zeigen Besuchern Livestreams von Überwachungskameras wie jene Filmszenen, die Xu Bing für seinen Film benutzt hat. Den Überwachungskameras kann sich in China niemand entziehen. Die Zahl von aktuell 100 Mio. Kameras soll bis 2020 auf 600 Mio. steigen. Auch in Europa steigt die Zahl der Überwachungskameras, die unseren Alltag einfangen. Xu Bing will damit auch Bewusstsein wecken. Die Ausstellung eröffnet u. a. mit einem Künstlergespräch am Sonntag, 10. Juni, um 16 Uhr.

Kunst als Vermittler und Anstoß zur Diskussion

Sechzehn Laptops zeigen Livestrems von Überwachungskameras. Foto: Petra Grünendahl.

Schon 2013 habe er erste Ideen zu einem solchen Filmprojekt gehabt: „Damals waren Aufnahmen von Überwachungskameras aber nicht so frei verfügbar“, erklärte Xu Bing. Erst vor drei Jahren habe er das Thema wieder aufgegriffen und in seinem Studio mit 25 Laptops simultan die Livestreams von Hunderten von Überwachungskameras aufgezeichnet. Daraus montierte er einen Film, die eine Geschichte erzählt. Dieser Film jetzt im Lehmbruck Museum im Rahmen von „Sculpture 21st“ in der großen Glashalle des Lehmbruck Museums zu sehen ist. Im Mittelpunkt des Films steht nicht die Überwachung, sondern die Erzählung, die sich aus dem Zusammenschnitt der Filmsequenzen ergibt. Fertig gestellt hat Xu Bing diesem Film 2017, im Lehmbruck Museum erlebt er seine Deutschland-Premiere. Der Film selber ist nicht nur auf dem Bildschirm in der Glashalle zu sehen, sondern wird auf eine Leinwand zum Kantpark hin projiziert.

Eine Leinwand-Projektion von „Dragonfly Eyes“ ist im Kantpark zu sehen. Foto: Frank Vinken.

„In der Zusammenarbeit mit China geht es nicht nur um wirtschaftliche Chancen, sondern auch um kulturellen Austausch“, erzählte Johannes Pflug, der China-Beauftragte der Stadt Duisburg. Ziel müsse neben wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Kooperation auch der Austausch unter Menschen unterschiedlicher Prägung sein, zu dem auch die Kunst einen Zugang verschaffe. Schon seit 10 Jahren engagiert sich die Gesellschaft für Deutsch-Chinesischen Kulturellen Austausch e. V. (GeKA), deren Gründerin und Vorstand Prof. Yu Zhang die Ausstellung im Lehmbruck Museum begleitet. Xu Bings „Dragonfly Eyes“ ist der Beginn einer Förderpartnerschaft des Lehmbruck Museums mit der Stiftung der Sparda-Bank West. Weitere Projekte würden sich auf Post-Digitale Skulpturen fokussieren, verriet Ulrike Wißborn von der Stiftung. Für den 26. August kündigte sie einen „Sparda-Tag“ im Museum an mit freiem Eintritt und Programm.

Der Künstler Xu Bing

Xu Bing. Foto: Xuan Canxiong.

Der Konzeptkünstler Xu Bing wurde 1955 in der chinesischen Millionenstadt Chongqing geboren. Mit seinen Werken in den Bereichen der Druckgrafik, Kalligrafie und Installation erlangte er internationales Ansehen, nachdem sich China in den 1980er-Jahren langsam dem Westen zu öffnen begann. Nach Ai Wei Wei ist er der wahrscheinlich bekannteste Künstler im Reich der Mitte. Seine Installation „Book from the Sky“ gilt als ein Hauptwerk zeitgenössischer chinesischer Kunst. Xu Bing war zuvor im Lehmbruck Museum schon mal als Teil von „China 8“ zu sehen: Leider war seine Rauminstallation „Tigerfell“ nicht angemessen auf einem Foto zu transportieren.

Xu Bings „Dragonfly Eyes“. Foto: Xu Bing Videostills.

Xu Bing studierte von 1977 bis 1987 an der Zentralen Hochschule der Künste (ZHK), Peking, Kunst mit dem Schwerpunkt Druckgrafik. 1987 war er Visiting Artist an der Kunstakademie in Paris. 1990 folgte er einer Einladung der University of Wisconsin, Madison, als Ehrenmitglied der Fakultät und ließ sich anschließend in den USA nieder. 1993 zog er nach New York, Manhattan. Er war Vizepräsident der ZHK in Peking und hat derzeit eine Professur an der Cornell University in Ithaca, New York, inne. Seine Arbeiten wurden weltweit ausgestellt, unter anderem im New Museum of Contemporary Art, New York, der Arthur M. Sackler Gallery (Smithsonian Museum), Washington D.C., oder der Jean Miro Foundation, Barcelona. Außerdem stellte er bei der 45. und der 51. Biennale in Venedig aus. Xu Bing wurde für sein Wirken mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 2015 vom ehemaligen Außenminister der USA, John Kerry, die Medal of Arts. Darüber hinaus wurde er mit dem MacArthur Fellowship und dem Fukuoka Asian Arts and Culture Prize (2003) bedacht.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Xu Bings „Dragonfly Eyes“ läuft im Lehmbruck Museum in der Reihe „Sculpture 21st“ bis zum 2. September. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag; sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de sowie im Veranstaltungskalender.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (3), Frank Vinken (1), Xuan Canxiong (1), Xu Bing (1)

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Extraschicht-Programm in Duisburg: „Stahl trifft Wasser“ – von der Industrie zur Logistik

Spannende Programmakzente laden zum Erleben, Entdecken und Mitmachen ein
Von Petra Grünendahl

Höhenfeuerwerk zur Extraschicht im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Thomas Berns.

„Wir nutzen die Extraschicht auch als ‚Tag der offenen Tür’“, erklärte Ralf Winkel, Geschäftsleiter des Landschaftsparks Duisburg-Nord. Nahezu alles sei für Besucher zugänglich: Wenn nicht öffentlich, dann im Rahmen von geführten Touren, bei denen ehemalige Mitarbeiter des Hüttenwerks die Anlagen des Landschaftsparks erlebbar machen. Diese Kurz-Führungen – ebenso wie die Bustouren bei thyssenkrupp über das Werksgelände (Treffpunkt ist das Bildungszentrum auf der Franz-Lenze-Straße) – als Darstellung der Identitäten der Standorte sind eingerahmt in vielfältige kulturelle Programme und Events, die dort, wo die ehemalige Produktion Vergangenheit ist, den Strukturwandel der Region besonders erlebbar machen. Im vergangenen Jahr seien rund 7.000 Extraschicht-Besucher bei thyssenkupp gewesen, sagte Pressesprecherin Theresa Junk: „Das war schon eine logistische Herausforderung!“ Thyssenkrupp ist bei dieser Extraschicht zum dritten Mal dabei. Mit 30-minütigen Bustouren im Halbstundentakt bekommen Besucher die Chance, erste Einblicke in den größten Stahlstandort Europas mit etwa 14.000 Beschäftigten zu werfen. Die Wartezeit kann man sich mit einem Ensemble der Duisburger Philharmoniker, einer Marching Band, interaktiven Installationen zum Thema „Abenteuer Stahl“ und Foodtrucks verkürzen.

Thyssenkrupp Steel Europe: Bustouren durch das Werk Duisburg. Foto: TKSE.

Die Ruhr Tourismus GmbH als Projektträger der „Extraschicht – Die Nacht der Industriekultur“ stellte zusammen mit Vertretern der Duisburger Spielorte das lokale Programm mit dem Thema „Stahl triff Wasser“ im Pressegespräch vor. Alle Spielorte verbinden die Darstellung der eigenen Identität mit Kulturprogrammen, Live-Musik, Events und Gastronomie. Die Programme sind – auch mit sich wiederholenden Elementen – so gestaltet, dass es den Extraschicht-Besuchern den Besuch mehrerer Standorte über den Abend verteilt (18 bis 2 Uhr) ermöglichen. „Reisende“ sollten ihren Abend allerdings im Voraus planen: Das Programmheft ist nicht nur online verfügbar (inkl Mobilitätsplan), sondern liegen u. a. an Spielorten und Vorverkaufsstellen aus.

Umfassende und vielfältige Programme

Höhenfeuerwerk zur Extraschicht im Landschaftspark Duisburg-Nord. Foto: Nielinger.

Der Landschaftspark als der wohl größte Duisburger Spielort zog im letzten Jahr fast 25.000 Besucher zur Nacht der Industriekultur. Für sein Programm hat der Lapano sogar ein eigenes Programm-Heftchen aufgelegt, welches gleich auf dem Cover deutlich macht, dass so ein Programm nicht aus den Mitteln eines städtischen Tochterunternehmens zu stemmen ist: Mit „Glory 7“ präsentieren sich die Sponsoren, die das Ganze mit ermöglichen. Weitere Partner als Unterstützer seien natürlich willkommen, sagte Sparkassen-Pressesprecher Andreas Vanek. Schließlich feiert der Landschaftspark Duisburg-Nord im nächsten Jahr sein 25-jähriges Bestehen, da wird nicht nur zur Extraschicht vom Publikum noch ein wenig mehr erwartet. Der Eintritt zum Park ist wie gewohnt frei, wer am Programm teilnehmen möchte, braucht ein Extraschicht-Ticket. Ein offenes Highlight ist wie alle Jahre wieder das Höhenfeuerwerk gegen 23.15 Uhr. Das umfangreiche Programm (siehe unten) hat Claudia Kalinowski von der Öffentlichkeitsarbeit zusammen mit Veranstaltungsmanager Frank Jebavy auf die Beine gestellt.

Höhenfeuerwerk zur Extraschicht über den Innenhafen Duisburg. Foto: Krischerfotografie.

Ebenfalls frei zugänglich ist der Innenhafen. Führungen zur Stadt- und Hafengeschichte (mit Ticket), Musik-Acts auf vier Bühnen, Gastronomie und einfach die Atmosphäre des früheren „Brotkorb des Ruhrgebiets“ genießen. Vom Steiger Schwanentor starten alle 45 Minuten die Fahrgastschiffe „Rheinfels“ (Ruhrorter Personenschiffahrt) und „Gerhard Mercator“ (Weiße Flotte) zu einer kurzen Hafentour (nur mit Ticket) in Richtung Binnenschifffahrtsmuseum (und zurück). Das Höhenfeuerwerk zum Abschluss um Mitternacht rundet den Abend im Innenhafen ab.

Museum der Deutschen Binnenschifffahrt. Foto: Martin Valk.

Das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt inszeniert sich und seine Architektur im ehemaligen Ruhrorter Stadtbad. Kulinarisch bietet das Catering des Inklusionsprojekts „Der kleine Prinz“ regionale Köstlichkeiten der sechs deutschen Stromgebiete (Rhein, Elbe, Donau, Oder, Weser und Ems) in der Damenschwimmhalle. Im Restaurant „Schiffchen“, welches immer noch einen neuen Pächter sucht, verbindet Cornelius Lehmann mit seinem Musik-Kabarett Klaviermusik und Gesang (21 Uhr), später legt DJ Alex G auf (Party von 22 bis 1 Uhr). Mit einer Sound- und Licht-Installation von Heinz Robert Martin und Tim Ehm wird eines der eindruckvollsten Exponate der Ausstellung, das Segelschiff „Groede Verwachting“, zum „Fliegenden Holländer“. Führungen durch die Ausstellung runden das Programm ab.

Spielorte Duisburg und Tickets
Mit vier sehr unterschiedlichen Spielorten präsentiert Duisburg seine Industriekultur: Die Palette reicht vom Innenhafen über das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt bis hin zum stillgelegten Hüttenwerk in Landschaftspark Nord und dem Stahlwerk von thyssenkrupp in Bruckhausen.

Thyssenkrupp Steel Europe: Luftbilder vom Werk Duisburg. Foto: Marko Kosczowsky / TKSE.

Tickets gibt es auch an der Abendkasse: Für 20 Euro für Extraschicht-Kombi-Ticket oder als Spielort-Einzelticket für 12 Euro. Besser ist man allerdings mit den Tickets im Vorverkauf dran: Normalpreis 17 Euro, ermäßigt 14 Euro oder 8,50 Euro für Besitzer der Ruhr-Topcard. Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Die Tickets umfassen freien Eintritt zu allen 50 Spielorten, kostenlose Nutzung der 150 ES-Shuttlebusse, freie Fahrt im gesamten Nahverkehrsnetz des VRR und VRL (2. Klasse) am Tag der Extraschicht bis 7 Uhr am 1. Juli. Vorverkaufsstellen gibt es in Duisburg in der Tourist Information auf der Königstraße sowie in den Leserservicestellen der Funke Mediengruppe (WAZ / NRZ). Mehr unter www.extraschicht.de/ticket. Neben den Linien der Extraschicht-Shuttlebusse hat die Ruhr Tourismus als Veranstalter auch „fahrende Spielorte“ und Veranstalter auch Vorschläge für Fahrrad-Routen im Angebot im Angebot.

Hier gibt es Infos zu den Spielorten in Moers …

Wenn Hochöfen sprechen könnten: vom Möllern, Muxen, Masseln, Sintern
Landschaftspark Nord: Programm
Bei der ExtraSchicht am Samstag, 30. Juni 2018 von 18 Uhr bis 2 Uhr erweckt der Landschaftspark Duisburg-Nord die Arbeitswelt Hüttenwerk zum Leben. Künstlerische Produktionen lassen stillgelegte Stätten atmen, Biografien aufleben und Zeitzeugen erzählen.
Ab 18:00 Uhr:
INSTALLATION: Sinfonie für Zyklonauten, KraftzentraleAUSSTELLUNG: Galerie der Werktätigen, Bunkergalerie
Abseilen vom Hochofen 2
Einblicke in den Tauchgasometer
Einblicke in die Jugendherberge
Historisches Ruhrpott-Kino, Hüttenmagazin
Malereien von Martina Will, Hüttenmagazin
Medaillengießen mit dem Hüttenwerker, Hauptschalthaus
Schnupperklettern & Routenschrauben, Klettergarten
Slacklining, Gießhalle 2
Skulpturen R. Löcherbach, Hüttenmagazin
Ab 18:30 Uhr: Ehemalige Hüttenwerker & Gästeführer erzählen, Haupteingang, Hochofen 5, Gasometer, Gebläsehalle, Rundklärbecken.

18:00 Uhr – LIVE: Anke Johannsen, Vorplatz Gießhalle 1
18:00 Uhr – KINO: DrehMOMENTE, Gebläsehalle
18:15 Uhr – TANZPROJEKT: Waschtag, Bunkertasche 1
18:30 Uhr – LIVE: Butterwegge & Band, Hochofen-Karré
19:00 Uhr – MUSIK-TANZ-PERFORMANCE: Codex Atlanticus, Gebläsehalle
19:00 Uhr – FÜHRUNG: Fotowalk mit der IGRuhrPOTTFotografie
19:30 Uhr – LIVE: Phillip Eisenblätter, Vorplatz Gießhalle 1
19:30 Uhr – FÜHRUNG: „Duisburg–aktuelle Grabungen“, Hauptschalthaus
19:40 Uhr – KINO: DrehMOMENTE, Gebläsehalle
19:45 Uhr – TANZPROJEKT: Waschtag, Bunkertasche 1
20:00 Uhr – FÜHRUNG: Fotowalk mit der IGRuhrPOTTFotografie
20:15 Uhr – LIVE: C. Terbonssen Trio, Hochofen-Karré
20:30 Uhr – MUSIK-TANZ-PERFORMANCE: Codex Atlanticus, Gebläsehalle
21:00 Uhr – Start Lichtinstallation, Hochofenkulisse
21:00 Uhr – FÜHRUNG: „Duisburg–aktuelle Grabungen“, Hauptschalthaus
21:15 Uhr – TANZPROJEKT: Waschtag, Bunkertasche 1
21:15 Uhr – LIVE: Jan Mark, Vorplatz Gießhalle 1
21:30 Uhr – KINO: DrehMOMENTE, Gebläsehalle
21:45 Uhr – FÜHRUNG: Fledermausexkursion mit Christine Kowallik
22:00 Uhr – LIVE: Altin Gün & Band, Hochofen-Karré
22:00 Uhr – FÜHRUNG: „Duisburg–aktuelle Grabungen“, Hauptschalthaus
22:00 Uhr – FÜHRUNG: „Duisburg seit den Römern“, Stadtarchäologie
22:30 Uhr – MUSIK-TANZ-PERFORMANCE: Codex Atlanticus, Gebläsehalle
22:30 Uhr – FÜHRUNG: Fotowalk mit der IGRuhrPOTTFotografie
23:15 Uhr – MUSIKALISCHES HÖHENFEUERWERK, Hochofen 5
23:30 Uhr – Historisches Kino auf großer Leinwand, Gasometer
00:00 Uhr – LIVE: Sven Hammond & Band, Hochofen-Karré
00:00 Uhr – MUSIK-TANZ-PERFORMANCE: Codex Atlanticus, Gebläsehalle
00:00 Uhr – TANZPROJEKT: Waschtag, Bunkertasche 1
00:30 Uhr – LIVE: Trionova, Vorplatz Gießhalle 1

Für alle Hungrigen und Feinschmecker wird die ExtraSchicht zum Genusserlebnis, denn das STREET FOOD FESTIVAL ist mit einer Auswahl internationaler Food Trucks, Kaffee und Craft Beer zu Gast, der SOMMERKINO-BIERGARTEN ist bereits geöffnet, die Gleiswaage wird zur WEINLOUNGE und RESTAURANT HAUPTSCHALTHAUS und IG-NORDPARK laden zum Genießen ein.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Deutsche Oper am Rhein: Richard Wagners „Die Walküre“ begeisterte bei der Premiere im Theater Duisburg

Vom Ungehorsam der Walküre Brünnhilde
zum Schutz der Liebenden

Von Petra Grünendahl

Daniel Frank (Siegmund), Sarah Ferede (Sieglinde), Lukasz Konieczny (Hunding). Foto: Hans Jörg Michel.

Erschöpft kommt Siegmund (Daniel Frank) ins Haus von Hunding (Lukasz Konieczny), wo er auch auf Sieglinde (Sarah Ferede) trifft – und sich in sie verliebt. Siegmund und Sieglinde sind Wälsungen, Wotans (James Rutherford) Kinder. Die Zwillinge wurden als Kinder getrennt, Sieglinde verschleppt und später gegen ihren Willen mit Hunding verheiratet. Der Gott Wotan hat sich den Zorn des Nibelungen Alberich zugezogen, dem er seinen Schatz (das Rheingold und einen Macht verheißenden Ring) stahl. Mit Hilfe seiner Töchter, der Walküren, baut sich Wotan auf Walhall eine Armee auf, um sich gegen Alberich zu wappnen. Um den Ehebruch zu sühnen, bittet Hunding Wotans Frau Fricka (Katarzyna Kuncio), Hüterin von Ehe und Familie, um Hilfe. Wotan muss Siegmund opfern, aber seine Lieblingstochter, die Walküre Brünnhilde (Heike Wessels), lehnt sich gegen den Willen des Vaters auf und kann zumindest die schwangere Sieglinde retten. Für ihren Ungehorsam wird sie schlussendlich von ihrem Vater bestraft, ihrer Göttlichkeit beraubt und in ewigen Schlaf versetzt: Sie muss sich wehrlos dem Mann hingeben, der sie weckt. Um ihre Demütigung nicht vollkommen zu machen, kann sie ihrem Vater abringen, ein Feuer um sie zu legen, welches nur ein Held überwinden kann.

VORNE: Lukasz Konieczny (Hunding), Sarah Ferede (Sieglinde) HINTEN: Daniel Frank (Siegmunde), Heike Wessels (Brünnhilde). Foto: Hans Jörg Michel.

Nach dem Vorabend (Das Rheingold) feierte nun der erste Tag des Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ eine gefeierte Premiere im Theater Duisburg. Die Deutsche Oper am Rhein bringt den vollständigen „Ring“ in einer Neuinszenierung von Dietrich W. Hilsdorf auf die Bühnen in Düsseldorf und Duisburg. „Siegfried“ und die „Götterdämmerung“ folgen noch. Der Komponist Richard Wagner (1813-1883) hat seinen „Ring“ nicht nur komponiert, sondern auch getextet. In seinen Jahren als Kapellmeister in Dresden liebäugelte er zur Zeit der Deutschen Revolution 1848/49 mit einer Revolutions-Oper, die sich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen auseinander setzt. Nach seiner Flucht nach Zürich konkretisiert sich sein Vorhaben in der Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“, die erstmals 1876 erstmals vollständig im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt wurde. Ihre Uraufführung feierte „Die Walküre“ schon 1870 im Nationaltheater München. Die 4 ¾ Stunden lange Aufführung (inklusive zwei Pausen) wird in deutscher Sprache gesungen, Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

Dramatik und Leidenschaft im Spiel um Liebe und Macht

Lukasz Konieczny (Hunding), Katarzyna Kuncio (Fricka), James Rutherford (Wotan). Foto: Hans Jörg Michel.

James Rutherford (Wotan), Heike Wessels (Brünnhilde). Foto: Hans Jörg Michel.

Die großartige Inszenierung ließ nie an Spannung vermissen. Die hochklassigen Sänger brillierten auch schauspielerisch mit glaubwürdigen Charakteren. Die Liebe wird zum Spielball in den Ränken der Mächtigen: Wer das Spiel verliert, bleibt abzuwarten. Mehrere Sänger erlebten hier ihr Rollendebüt, war „Die Walküre“ doch in Düsseldorf noch mit anderer Besetzung über die Bühne gegangen. In den Rollen der Walküren, der Halbschwestern Brünnhildes, vervollständigten die Besetzung: Anke Krabbe (Helmwige), Jessica Stavros (Gerhilde), Katja Levin (Ortlinde), Romana Noack (Waltraute), Zuzana Šveda (Siegrune), Maria Hilmes (Roßweiße), Katharina von Bülow (Grimgerde) und Evelyn Krahe (Schwertleite). Das Publikum in einem nahezu ausverkauften Theater Duisburg war begeistert: Langer Applaus vor jeder Pause und minutenlange stehende Ovationen eines zum Finale belohnten die herausragenden Akteure auf, vor und hinter der Bühne.

Ganz fantastisch spielten die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober auf. Für die Bühne gestaltete Dieter Richter einen wandlungsfähigen Aufbau, der vom bedrückenden engen Heim Hundings bis zur offenen stattlichen Burg Walhall zunehmend an „Statur“ gewinnt. Gekonnt in Szene gesetzt wird die Bühnengestaltung vom Lichtdesign Volker Weinharts. Die Kostüme hat Renate Schmitzer entworfen.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 10. Juni 2018 | 17 Uhr,
So | 17. Juni 2018 | 17 Uhr und
So | 24. Juni 2018 | 17 Uhr.
In der kommenden Spielzeit steht die Wiederaufnahme in Duisburg für Sonntag, 26. Mai, um 17 Uhr auf dem Plan.

Daniel Frank (Siegmund), Sarah Ferede (Sieglinde). Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 20,30 und 70,30 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Extraschicht-Programm in Moers: Zeche Rheinpreußen und Pattberg laden ein

Zeugen einer Zeit, in der Kohlebergbau die Region prägte
Von Petra Grünendahl

Die Theatergruppe vom Schlosstheater Moers ließ sich von ehemaligen Bergleuten inspirieren. Foto: Grafschafter Museums- und Geschichtsverein e. V.

Wenn Ende des Jahres die letzte Zeche im Ruhrgebiet die Förderung einstellt, geht eine Ära zu Ende, die die Region nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial und gesellschaftlich geprägt hat. Was dann bleibt neben den Denkmälern der Industriekultur sind die Erzählungen von Menschen, die es noch erlebt haben. Neben unterschiedlichen kulturellen Programmpunkten steht zur Extraschicht an verschiedenen Spielorten wie beispielsweise auch an beiden Moerser Locations dieser Aspekt ganz oben an: Ehemalige Bergleute erzählen von ihrer Arbeit und zeigen die Stätten ihres Gewerks. Drum herum haben die Organisatoren Programme gestaltet, die diese Vergangenheit aufgreifen: In Fotografien, im Theater, im Film, im Gesang – und im in Szene setzen der Örtlichkeiten.

Stellten die Programme für die Extraschicht 2018 in Moers in der Fördermaschinenhalle von Schacht IV vor (v. l.): Nina Dolezych (Ruhr Tourismusm GmbH), Anna Gerhard (Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur als Eigentümer der Maschinenhalle Pattberg), Frederik Göke (Organisator des Programms Maschinenhalle Pattberg), Dr. Wilfried Scholten (Stv. Vorsitzender des GMGV), Frank Heinrich (Schatzmeister des GMGV und Organisator des Programms auf Schacht IV), Jens Heidenreich (Wirtschaftsförderung und Tourismus Stadt Moers) und Guido Lohmann (Vorstandsvorsitzender der Volksbank Niederrhein als Sponsor) sowie ehemalige Bergleute zum Teil in der traditionellen Knappenuniform. Foto: Petra Grünendahl.

Mit der Zeche Rheinpreußen Schacht IV beteiligt sich der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein Moers e. V. (GMGV) bereits zum vierten Mal an der Extraschicht. Die Maschinenhalle Pattberg (Halle der Erinnerung) ist zum zweiten Mal dabei. Beide Spielorte stellten im Fördermaschinenhaus am Schacht IV ihre Programme zur „Nacht der Industriekultur“, die in diesem Jahr zum 18. Mal stattfindet, im Pressegespräch vor. Während in der Maschinenhalle Pattberg schon von 12 bis 15 Uhr das Sängerfestival „!SING – Day of Song“ Publikum lockt, öffnet der Schacht IV am Samstag, 30. Juni, erst zum Extraschicht-Beginn um 18 Uhr. Beide Programme sind so konzipiert, dass sich einzelne Programm-Punkte mehrfach wiederholen, so dass auch „reisende“ Besucher ihre Touren planen können. „Die Erfahrung zeigt, dass um 18 Uhr erst mal die Leute aus dem Ruhrgebiet hier sind, später kommen dann Besucher aus dem näheren Umkreis“, erzählte Frank Heinrich, Schatzmeister des GMGV und verantwortlich für das Programm auf Schacht IV. Zwischen 18 und 2 Uhr bietet es sich schließlich an, mehrere Spielorte zu besuchen: Zwei bis drei kann man schon ganz gut schaffen, ohne dass ein Ort zu kurz kommt.

Industriekultur trifft Kunst & Kultur

Maschinenhalle Pattberg. Foto: Roland Krause.

Neben Führungen, auf denen ehemalige Bergleute Besuchern die Standorte zeigen und über ihre Zeiten im Bergbau berichten, gibt es Fotoausstellungen, Lichtinstallationen, eine bunte Mischung aus Musik und Gesang sowie Comedy und Theater. In und um die Maschinenhalle Pattberg herum lässt zum Beispiel Moers’ bekanntester Chorleiter Ernst Ickler gleich drei Mal ganz unterschiedliche Chöre erklingen und das Duo Diagonal mit Deana Kozsey und Holger Ehrich präsentiert in einer Kooperation mit dem comedyarts Festival „Das kleinste Varieté der Welt“. Gezeigt wird außerdem eine eigens für die ExtraSchicht und das Ende des Bergbaus konzipierte Filmdokumentation, in der Männer und Frauen aus den Zechen am Niederrhein über die Geschichte des Bergbaus und ganz persönlich und authentisch über ihre Zeit im Bergbau berichten. Das Rutger Muller Ensemble um „improviser in residence“ Josephine Bode verbindet atmosphärische und schwingenden Klänge mit einer Lasershow, die die Maschinenhalle ganz anders erstrahlen lässt.

Förderturm auf Schacht IV. Foto: Grafschafter Museums- und Geschichtsverein e. V.

Unter dem Motto „Des Bergmanns Stolz“ präsentiert der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein Moers e. V. (GMGV) seinen Standort am alten Schacht IV der Zeche Rheinpreußen. Auch hier führen ehemalige Bergleute durch Haus und Stollen und erzählen von ihrer Arbeit unter Tage. Zechen und Fördertürme sind das Thema der Fotoausstellung von Lichtwechsel.Ruhr. Mit „Feuer und Licht“ spielen die Licht- und Feuertonnen von Sasch Kunsthandwerk, die den Weg zum Fördermaschinenhaus weisen. Wie schon in früheren Jahren sind zur Unterhaltung der Besucher „Die Püttrologen“ sowie das Schlosstheater Moers mit an Bord. Bereits im vergangenen Jahr begeisterte der Knappenchor Rheinland mit einem „Kerzenkonzert“. Event Comedy machen die „Bergmänner“ als Walking Acts. A-capella-Gesang der Witches of Pitches sowie „Mach mit & sing“ mit der Musikschule Moers runden das Programm ab. Nach dem Feuerwerk gibt es weitere Illuminationen an Fördergerüst und der Fördermaschine wie auch eine Lichtillumination an der Fördermaschinenhalle – letztere mit musikalischer Unterstützung durch die Folkwang Universität der Künste. Finanziell unterstützt wird das Programm an den beiden Moerser Standorten über die Sponsoren der Extraschicht hinaus von der Stadt Moers und der Volksbank Niederrhein.

Spielorte Moers und Tickets

Illuminierte Fördermaschine auf Schacht IV. Foto: Grafschafter Museums- und Geschichtsverein e. V.

Der Schacht IV gehört ebenso wie die Pattbergschächte (Rheinpreußen 6 und 7) zum 93,5 km² großen Grubenfeld der Zeche Rheinpreußen, die sich von Duisburg-Homberg (Rheinpreußen 1, 2 und 3) und Baerl (Schacht Gerdt, Rheinpreußen 8) bis nach Moers (Schächte IV, 5 und 9 – letztere im Eurotec-Businesspark – sowie eben die Pattbergschächte 6 und 7) erstreckt. Gegründet wurde die Rheinpreußen 1857 von dem Ruhrorter Industriepionier Franz Haniel.

Tickets gibt es auch an der Abendkasse: Für 20 Euro für die ganze Extraschicht oder als Schacht-IV-Einzelticket für 12 Euro. Besser ist man allerdings mit den Tickets im Vorverkauf dran: Normalpreis 17 Euro, ermäßigt 14 Euro oder 8,50 Euro für Besitzer der Ruhr-Topcard. Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Die Tickets umfassen freien Eintritt zu allen 50 Spielorten, kostenlose Nutzung der 150 ES-Shuttlebusse, freie Fahrt im gesamten Nahverkehrsnetz des VRR und VRL (2. Klasse) bis 7 Uhr am 1. Juli. Vorverkaufsstellen gibt es zum Beispiel an der Moers Stadtinformation, Kirchstraße 27 a/b, 47441 Moers, sowie in Duisburg in der Tourist Information auf der Königstraße. Mehr unter www.extraschicht.de/ticket. Neben den Linien der Extraschicht-Shuttlebusse hat die Ruhr Tourismus als Veranstalter auch Vorschläge für Fahrrad-Routen im Angebot.

Grafschafter Museums- und Geschichtsverein Moers e. V. auf Schacht IV: „Des Bergmanns Stolz“
Industriedenkmal Schacht IV, Zechenstraße 50, 47443 Moers

Feuerwerk auf Schacht IV. Foto: Grafschafter Museums- und Geschichtsverein e. V.

ab 18:00 Führung ehemaliger Bergleute (durchgehend)
ab 18:00 Fotoausstellung „Lichtwechsel.Ruhr“
ab 18:00 Licht- und Feuertonnen: Sasch Kunsthandwerk
ab 18:00 Walking Acts „Bergmänner“ (Event Comedy bis ca. 22:30 Uhr)
18:30 Die Püttrologen (eine Gesangstruppe ehemaliger Bergleute)
19:00 Schlosstheater Moers: Des Bergmanns Stolz
20:00 Witches of Pitches (a capella)
20:30 Die Püttrologen
21:00 Schlosstheater Moers: Des Bergmanns Stolz
22:15 Kerzenkonzert Knappenchor Rheinland
22:45 Feuerwerk am Förderturm
23:00 Lichtwechsel.Ruhr Illumination Fördergerüst und Fördermaschine
23:00 Lichtillumination Fördermaschinenhalle
23:30 Mach mit & Sing: Musikschule Moers lädt zum Mitsingen (1950er- bis 1980er-Jahre)
00:30 Lichtillumination Fördermaschinenhalle
01:30 Lichtillumination Fördermaschinenhalle
02:00 Ende

Maschinenhalle Pattberg: Die „Halle der Erinnerungen“
Maschinenhalle Pattberg, Am Pattberg 35, 47445 Moers

Maschinenhalle Pattberg, Foto: Dr. Thoralf Abgarjan.

18:00 joyful voices moers (Chorleitung Ernst Ickler)
18:30 Führungen & „Das kleinste Varieté der Welt“
19:00 Pianoforte (Chorleitung Ernst Ickler)
19:30 Führungen & „Das kleinste Varieté der Welt“
20:00 Bahnhofschor (Chorleitung Ernst Ickler)
20:30 Führungen & „Das kleinste Varieté der Welt“
21:00 Filmdokumentation
22:00 Rutger Muller Ensemble
23:00 Filmdokumentation
0:00 Filmdokumentation

Der Schacht IV der Zeche Rheinpreußen war schon 2015 als Spielort an Bord. Zum Gesamtprogramm der Extraschicht 2018 hat die Rundschau Duisburg hier etwas veröffentlicht.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Petra Grünendahl (1), Grafschafter Museums- und Geschichtsverein (4), Roland Krause (1), Dr. Thoralf Abgarjan (1)

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Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt „C-Prints“ von Gerhard Losemann

Eine ganz andere Linienführung:
Mit Computermaus statt Feder oder Pinsel

Von Petra Grünendahl

Der Duisburger Künstler Gerhard Losemann mit „Noch sehen wir den Himmel“ (2011), rechts: „Ikarus“ (2007). Foto: Petra Grünendahl.

„Die Maus ist im Strich nicht so variabel wie die Feder“, erklärte Gerhard Losemann. „Das ist eine ganz andere Art von Malerei.“ Die Bilder zu seinen „C-Prints“ sind am Computer entstanden. Frühe Werke der Reihe sind Abstraktionen von Natur, Landschaft, spätere Werke wirken urbaner bis hin zu postindustriellen Landschaften. Einige Bilder sind erkennbar „Serien“, die aus Variationen des gleichen Motivs gestehen. Der Querschnitt umfasst 16 Jahre künstlerischer Kreativität: Erst 2002 stieg Gerhard Losemann in sein digitales Schaffen ein, die jüngsten Werke der Schau stammen aus dem Jahr 2018.

Gerhard Losemanns „C-Prints“ (v.l.): „Ohne Titel“ (2016), „Noch sehen wir den Himmel“ (2011) und „Ikarus“ (2007). Foto: Petra Grünendahl.

Mit „C-Prints“ zeigt das Lehmbruck Museum einen Querschnitt aus dem digitalen Werk des Duisburger Künstlers Gerhard Losemann. Anlass ist der 80. Geburtstag des Künstlers, der politisch motiviert, mitunter streitbar in seiner Heimatstadt auch im öffentlichen Raum „Spuren“ hinterlassen hat. Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla, Kulturdezernent Thomas Krützberg und Kurator Jörg Mascherrek stellten die Sonderschau im Untergeschoss des Museums zusammen mit Gerhard Losemann im Pressegespräch vor. Die „C-Prints“ sind digitale Bilder, teils auf großformatige Leinwand gedruckt, teils auf kleinformatigem Papier oder sogar auf Folien, die dem Bild einen besonderen Schichtungseffekt geben. Die Sonderschau eröffnet am Donnerstag, 24. Mai, um 19 Uhr.

Gerhard Losemann

Gerhard Losemanns „C-Prints“ (v.l.): „Landschaft“ (2018), „Ohne Titel“ (2017). Foto: Petra Grünendahl.

Der Duisburger Künstler Gerhard Losemann sei wohl der im Lehmbruck Museum nach Wilhelm Lehmbruck am häufigsten gezeigte Künstler, erklärte Pressesprecher Andreas Benedickt. Einer der bedeutendsten Protagonisten der Duisburger Kulturlandschaft war aber bislang zumeist in Sonderausstellungen zu unterschiedlichsten Themen – so auch aktuell in „Kunst & Kohle“ – zu sehen. Im öffentlichen Raum kann man sein Holocaust-Mahnmal, eine Stele im Gedenken an die Deportation jüdischer Kinder, an der A59 vis-a-vis vom Hauptbahnhof sowie das Loveparade-Mahnmal auf einer Grünfläche an der Karl-Lehr-Straße sehen. Weitere Arbeiten im öffentlichen Raum finden sich in mehreren deutschen Großstädten. Die Stadt Oberhausen verlieh dem Duisburger 2002 die Ehrennadel. Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhielt Losemann 2004.

Gerhard Losemanns „C-Prints“: „Schwebende Signale“ (beide 2005). Foto: Petra Grünendahl.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Texten von Jörg Loskill und Andreas Benedict. Das 84-seitige Werk mit zahlreichen farbigen Abbildungen kostet 15 Euro. Es ist an ausschließlich der Museumskasse zu beziehen. Ausstellung und Katalog wurden gefördert vom Kunstbeirat der Stadt Duisburg und der Sparkasse-Duisburg-Stiftung. Im Rahmenprogramm zur Ausstellung gibt es am Dienstag, 17. Juli, um 15 Uhr in der Reihe „Kunst & Kaffee“ Gerhard Losemann im Künstlergespräch mit Kurator Jörg Mascherrek. Der Eintritt zu dieser Exklusivveranstaltung beträgt 12 Euro für Eintritt, Führung mit dem Künstler sowie Kaffee und Kuchen.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Gerhard Losemanns „C-Prints“ (v.l.): „Alles im Fluss“ (2007), „Schwebende Signal“ (2009) und „Vegetation“ (2007). Foto: Petra Grünendahl.

Die Sonderausstellung „C-Prints“ von Gerhard Losemann läuft im Lehmbruck Museum bis zum 5. August. Dienstags bis freitags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, samstags und sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 17 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 9 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Blinden- und Demenzbegleitung haben kostenlos Eintritt. Schulklassen und Kindergärten zahlen pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro. Jeden ersten Freitag im Monat gilt: „Pay what you want“. Ausgenommen davon sind angemeldete Gruppen.

Gerhard Losemanns „C-Prints“ (v.l.): Schichtungen im Foliendruck. Foto: Petra Grünendahl.

Gerhard Losemanns „C-Prints“ (v.l.): „Schwarz 1“ und „Sxhwarz 3“ (beide 2017). Foto: Petra Grünendahl.

Zu seinen Sonderausstallungen bietet das Lehmbruck Museum verschiedene Veranstaltungen als Rahmenprogramm an. Öffentliche Führungen durch das Museum gibt es jeden Sonntag; sie kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Für Informationen und Buchungen steht die Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums unter Telefon 0203 / 283-2195 oder eMail kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de sowie im Veranstaltungskalender.

(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Gerhard Losemanns „C-Prints“ (v.l.): „Der Tag: Morgen, Mittag, Abend“ (Tryptischon, 2008). Foto: Petra Grünendahl.

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Loveparade-Strafprozess: Rainer Schaller sagt als Zeuge aus

Schaller verwies auf Verantwortlichkeiten in seinem Unternehmen, entschuldigte sich bei Opfern und Angehörigen
Von Petra Grünendahl

Der Geschäftsführer von Lovapent und Mitorganisator der Loveparade Rainer Schaller in Duisburg sagt am Dienstag,22. Mai 2018 vor dem Landgericht Duisburg im Düsseldorfer CCD Süd im Loveparade Prozess als Zeuge aus. Foto: Kai Kitschenberg / Funke Foto Services.

Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) der Loveparade die Berechtigung als „politischen Demonstration“ abgesprochen hatte, wurde es für die Veranstalter um Dr. Motte schwieriger, die mittlerweile zum Großspektakel avancierte Techno-Parade finanziell zu stemmen. 2004 und 2005 fand sie entsprechend nicht statt. Er, Rainer Schaller, sei damals bemüht gewesen, mit seiner Fitness-Kette McFit als Sponsor einzusteigen. 2006 kaute er die Markenrechte und die Veranstaltergesellschaft, die bis dahin PlanetCom GmbH geheißen hatte, und stieg in den Vertrag der Stadt Berlin ein, um die Parade letztmalig durch die Bundeshauptstadt ziehen zu lassen. Für künftige Loveparades habe er sich nach anderen Örtlichkeiten umgucken müssen, so Schaller. Besonderes Interesse habe damals die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr gezeigt – für wechselnde Standorte im Ruhrgebiet.

Die 6. große Strafkammer des Landgerichts Duisburg nun Rainer Schaller als Zeugen geladen. Drei Tage sind für seine Aussagen angesetzt. Angeklagt sind neben sechs Mitarbeitern der Stadt Duisburg auch vier Mitarbeiter der Lopavent GmbH, die für die Veranstaltungsorganisation verantwortlich waren. Rainer Schaller hatte sich nach der Loveparade-Katastrophe früh als moralisch verantwortlich bezeichnet, war auf Opfer und Hinterbliebene zugegangen. Vor seiner Aussage entschuldigte er sich noch einmal in einem Statement bei den Verletzten und Angehörigen der Todesopfer für das Leid, welches er in seiner Verantwortung als Geschäftsführer des Veranstalters Lopavent ihnen zugefügt hatte. Mit vielen hatte er sich schon früher getroffen, hier vor Gericht adressierte er noch einmal alle: Man sah ihm an, dass es ihm ein Bedürfnis war. Als vor gut drei Wochen Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland vernommen worden war, hatte er kein Wort für die Betroffenen parat.

Eine Loveparade findet seit Duisburg nicht mehr statt, wie Schaller auf der Pressekonferenz am Tag nach dem Unglück angekündigt hatte. Schaller erzählte, wie er nach der Katastrophe mit seinen Mitarbeitern wieder und wieder Filmmaterial durchgegangen sei, sie alle Fragen diskutiert hätten, wie es zu der Katastrophe habe kommen können. Zu einem schlussendlichen Ergebnis seien sie dabei nicht gekommen.

Für Loveparade-Organisation auf bewährtes Team gesetzt

Der Geschäftsführer von Lovapent und Mitorganisator der Loveparade Rainer Schaller in Duisburg sagt am Dienstag,22. Mai 2018 vor dem Landgericht Duisburg im Düsseldorfer CCD Süd im Loveparade Prozess als Zeuge aus. Foto: Kai Kitschenberg / Funke Foto Services.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein ließ Schaller zunächst einmal erzählen, bevor er mit Fragen nachhakte, die sich aus den Ermittlungsakten ergaben. Schaller erzählte, er habe teilweise Mitarbeiter der früheren Veranstalter übernommen sowie solche Leute neu ins Team geholt, die sich mit solchen Großveranstaltungen auskannten. Als Verantwortliche für die Organisation der Loveparade bezeichnet der 52-Jährige seine Mitarbeiter Kersten S. (Head of Organisation) und Stephan S. (Produktionsleiter), stellte aber beiden – wie auch den Mitangeklagten Günther S. und Lutz W. – ein hervorragendes Zeugnis in Punkto Verantwortungsbewusstsein aus: „an der Sicherheit sollte nicht gespart werden.“

Aus Platzgründen findet das Strafverfahren gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg vor der 6. großen Strafkammer des Landgerichts Duisburg im CongressCenter der Messe Düsseldorf (CCD) statt. Foto: Petra Grünendahl.

Während Schaller ausführte, Verantwortlichkeiten grundsätzlich an seine Führungskräfte zu delegieren, stellte es insbesondere der Verteidiger des Kersten S. anders dar: Schaller habe alle Entscheidungen selber getroffen. Solche Aussagen haben sich aber wohl im Ermittlungsverfahren nicht belegen lassen, denn sonst säße ja der Unternehmer anstelle seiner Mitarbeiter auf der Anklagebank. Die Angeklagten selber machen bislang von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Schaller sei, so seine eigene Aussage, nur an der Loveparade 2006 mit Stephan S. in einer Doppelspitze für die Organisation (mit)verantwortlich gewesen. Seit Essen (2007) sei Kersten S. dafür – in der Entscheidungshierarchie auch als Vorgesetzter von Stephan S. – mit an Bord gewesen. Ein später in Umlauf gekommenes Organigramm, welches Kersten S. lediglich als „Creative Director“ auswies, sei manipuliert gewesen, so der Lopavent-Geschäftsführer. Schaller sei (als geschäftsführender Gesellschafter mehrerer Gesellschaften – er selber sprach von „Konzern“) nur Ansprechpartner gewesen für Probleme, die sich nicht anders hätten lösen lassen. Solche habe es nicht gegeben, so Schaller: Er habe seinem erfahrenen Team vertraut!

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Funke Foto Services (2), Petra Grünendahl (1)

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Marketing-Club mit Duisburg Kontor auf Tour: Tourismus-Werbung für die Stadt

Duisburg bietet viel, was andere nicht haben
Von Petra Grünendahl

Marketing-Club auf Tour mit Duisburg Kontor. Foto: Petra Grünendahl.

„Ich könnte Ihnen ja im Konferenzraum erklären, was wir machen. Aber viel besser kann ich Ihnen auf der Fahrt durch Duisburg zeigen, was wir vermarkten“, erklärte Kai Homann, Geschäftsbereichsleiter Tourismus bei der Duisburg Kontor GmbH den Mitgliedern des Marketing-Clubs. Auf der gut dreistündigen Bustour durch das Wasserviertel und den Innenhafen über Hamborn/Marxloh und Meiderich bis nach Ruhrort erzählte Stadtführer Frank Switala wie sich die Stadt zu dem entwickelt, was sie heute ausmacht. Solche und ähnliche Führungen bietet Duisburg Kontor für interessierte Duisburger und auswärtige Besucher an, die mehr über unsere Stadt erfahren wollen. „Was zeichnet uns als Stadt aus? Was haben wir, was andere nicht haben?“, brachte Homann die Marketing-Strategie auf den Punkt, den er durch die Tour gleich in der Praxis darstellen konnte.

Marxloh: Die Brautmodenmeile hier am Pollmanns Eck. Foto: Petra Grünendahl.

Die Moschee in Marxloh. Foto: Petra Grünendahl.

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein war zu Gast bei der Duisburg Kontor GmbH, die Anfang 2016 als Zusammenschluss vom Frische Kontor und der Duisburg Marketing entstanden war. Zu den Aufgaben der neuen Gesellschaft zählen neben der Organisation von Wochenmärkten und Events sowie dem Betrieb von Hallen und dem Landschaftspark Nord der Tourismus und das Marketing. Mit der Vermarktung von Duisburg als „Stadt von Wasser & Feuer“ positioniert sich Duisburg seitdem neu. Der Slogan kommt an, zeigt er doch auf, was Duisburg über Sport und Kultur hinaus besonderes zu bieten hat: Die Lage am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr mit dem größten flussgebundenen Binnenhafen der Welt ist ebenso einzigartig wie das, was die Industrie aus Duisburg gemacht hat. Neben dem einzigartigen Landschaftspark Nord um ein stillgelegtes Hüttenwerk herum, welcher frei zugänglich ist, gewähren auch verschiedene aktive Unternehmen Einblicke in ihre Produktion. Auch darüber hinaus haben die Industrie und der daraus stammende Reichtum ihre Spuren in der Stadt hinterlassen.

Marketing eingebunden in Netzwerke

Ruhrort: Brückenturm an der Friedrich-Ebert-Brücke. Foto: Petra Grünendahl.

Marketing-Club auf Tour mit Duisburg Kontor. Foto: Petra Grünendahl.

Zielgruppe der Duisburg-Werbung seien in erster Linie Stadtreisende und Tagestouristen aus der Region (bis etwa 150 Kilometer Umkreis), den Niederlanden oder Belgien, verriet Homann. „Wir verkaufen Duisburg als tolle Destination: Das können wir aber nicht alleine“, so Homann. Man kooperiere in Sachen Positionierung als Tourismusziel mit den umliegenden Städten in der Region, baue Vertriebspartnerschaften auf. Duisburgs wirtschaftliche Verflechtungen schaffen darüber hinaus Interesse zum Beispiel in Asien: Singapurs größte Tageszeitung habe gerade über Duisburg als Tourismusziel berichtet. Neben Deutsch, Englisch und Niederländisch gäbe es eine erste Broschüre auch in chinesischer Sprache. „Wir haben, was andere nicht bieten können“, begründete Homann das Interesse.

Ausgebaut hat Duisburg Kontor vor allem das digitale Angebot: Neben Broschüren zum online lesen oder runterladen gibt es umfassende Informationen zu den Events in der Stadt. „Außerdem haben wir ein System für Hotelbuchungen implementiert, welches immer mehr Zuspruch findet“, so Homann. Verbunden seien Buchungen dann mit entsprechenden Angeboten für Führungen und Touren. Mit Erfolg: Um rund 70 Prozent seien die Buchungen für Führungen im ersten Quartal gegenüber früher gestiegen. Neben Vertriebspartnerschaften wolle man gerade die digitalen Kanäle weiter ausbauen, erklärte Homann, der die Tourismuswerbung damit auf einem guten Weg sieht.

Mehr Informationen …
Prospekte und Broschüren gibt es unter
https://duisburg.de/tourismus/service/prospekte.php.
Ein breites Angebot an Führungen und Touren findet man unter
https://duisburg.de/tourismus/stadt_erleben/fuehrungen_und_rundfahrten/index.php.

Der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein
Die regionale Berufsstandesorganisation in Duisburg wurde 2009 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Marketing Verband einer von 66 Clubs deutschlandweit. Der Marketing-Club ist der Weiterbildung seiner Mitglieder ebenso verpflichtet wie der Schaffung einer Kommunikationsplattform. Fast jeden Monat trifft sich der Marketing-Club Duisburg-Niederrhein zu überwiegend fachlich orientierten Besichtigungen oder Vorträgen in der ganzen Region. Informationen zu Themen, Veranstaltungen und Kontakten gibt es auf der Homepage des Clubs. Wer im Marketing tätig ist und sich für eine Mitgliedschaft im Marketing-Club interessiert, kann bei solchen Gelegenheiten erste Kontakte knüpfen: Netzwerken lässt sich im Anschluss an den fachlichen Teil nämlich ganz hervorragend. Und natürlich lassen sich die fachlichen Fragen mit den jeweiligen Referenten in Einzelgesprächen noch vertiefen.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Verkehrssicherheitsaktion in Duisburg: Aufkleber mahnen zum Seitenabstand von mindestens 1,5 Meter

Mehr Rücksicht im Verkehr für weniger Unfallopfer
Von Petra Grünendahl

^Verkehrssicherheitsnetzwerk „Duisburg. Aber sicher!“ präsentiert neue Sicherheitsaktion (v.o.): Duisburgs Beigeordneter Dr. Ralf Krumpholz, Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels und ADFC-Vorstandssprecher Klaus Hauschild. Foto: Petra Grünendahl.

„Der Abstand der starken Verkehrsteilnehmer zu den Schwachen ist oft viel zu gering“, erklärte Duisburgs Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels. Autofahrer und Lkw-Fahrer entscheiden oft nach Gefühl, ob sie einen Fahrradfahrer überholen können. Gefährlich kann es werden, wenn der notwendige Sicherheitsabstand nicht eingehalten wird. Das Gesetz ist hier eindeutig: Einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu anderen Verkehrsteilnehmern beim Überholen schreibt §5 Absatz 4 der Straßenverkehrsordnung (STVO) vor. Gerichte haben festgestellt, dass der Abstand zwischen Auto und Fahrrad mindestens (!) 1,5 Meter betragen muss. Zahlen, die der motorisierte Verkehr nicht unbedingt auf dem Schirm hat: „Wir wollen hier in erster Linie dafür sensibilisieren“, so Polizeipräsidentin Bartels. Als Verkehrsverstoß wären 30 Euro Bußgeld zu zahlen.

Verkehrssicherheitsnetzwerk „Duisburg. Aber sicher!“ präsentiert neue Sicherheitsaktion (v.o.): Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels, ADFC-Vorstandssprecher Klaus Hauschild und Duisburgs Beigeordneter Dr. Ralf Krumpholz. Foto: Petra Grünendahl.

Vor dem Duisburger Polizeipräsidium an der Düsseldorfer Straße stellten Dr. Elke Bartels, der Beigeordnete Dr. Ralf Krumpholz und Klaus Hauschild, Vorstandssprecher des ADFC Duisburg, die neuen neongelben Aufkleber vor, die künftig sämtliche Fahrzeuge der Duisburger Polizei sowie des Bürger- und Ordnungsamtes der Stadt Duisburg zieren. Ausnahmen seien da wohl nur die Fahrzeuge der Geschwindigkeitskontrollen, witzelte jemand im Publikum. Damit wollen Polizei, Stadt und ADFC, die sich im Verkehrssicherheitsnetzwerk „Duisburg. Aber sicher!“ engagieren, zu mehr Rücksicht mahnen. „Wenn wir dadurch nur einen einzigen Unfall verhindern, habe wir unser Ziel erreicht“, so ADFC-Vorstandssprecher Hauschild.

Mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer

Verkehrssicherheitsnetzwerk „Duisburg. Aber sicher!“ präsentiert neue Sicherheitsaktion: Seitenabstand mindestens 1,5 Meter. Foto: Petra Grünendahl.

Es wäre wünschenswert, wenn wir alle im Verkehr rücksichtsvoller miteinander umgehen würden“, sagte Klaus Hauschild. Wie oft könnten gefährliche Situationen nur dadurch entschärft werden, dass man als Radfahrer im Laufe der Jahre eine Intuition dafür entwickle, wo etwas gefährlich werden könnte, so Hauschild. Als Fahrrad fahrender Verkehrsteilnehmer habe er auch oft unter Autos zu leiden: „Wenn die zu nah an mir vorbei fahren, kann das lebensgefährlich sein“, sagte Ralf Krumpholz, und: „Wenn seitlich nicht genügend Sicherheitsabstand zu halten ist, muss der Autofahrer hinter dem Radfahrer bleiben.“ Das bestätigt die STVO, aber das hat nicht jeder Autofahrer in Erinnerung. „Alle Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sind uns ein ganz wichtiges Anliegen. Mit den Aufklebern erinnern wir Verkehrsteilnehmer an ihre Pflichten“, bekräftigte Bartels. Rund 400 Euro habe eine Erstausstattung an Aufklebern gekostet, die je zur Hälfte von der Polizei und dem ADFC getragen werden. Rund 80 Polizeifahrzeuge sowie 25 Fahrzeuge der Stadt Duisburg (überwiegend vom Bürger- und Ordnungsamt) sind mit den neuen Aufklebern bestückt auf Duisburgs Straßen unterwegs.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Erweiterungsbau des MKM Museum Küppersmühle in Duisburg: Rohbau steht, Eröffnung Ende 2019

Bauarbeiten im Plan: Museumsdirektor
Walter Smerling hat die Einweihung fest im Blick

Von Petra Grünendahl

Baustellenbesichtigung im Erweiterungsbau des MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Von außen wirkt der Anbau wie ein Fremdkörper: Der Betonkörper steht, aber noch unverkleidet. Innenausbau und insbesondere die Fassadenverkleidung in Backstein lassen noch auf sich warten. Wie die mal aussehen soll, bilden allerdings schon Materialproben seitlich des Haupteingangs ab. Auf der Baustelle zeigen die hohen Räume, dass hier aus einem Guss gearbeitet wird. Die Architekten von Herzog & de Meuron haben Anleihen an Elementen und Linien gemacht, die sie schon im Altbau verwirklicht hatten. Ähnlich wie im „Altbau“ kann man Zwischenwände auf den Etagen einziehen, um mehr Flächen zum Aufhängen von Bildern zu haben. Drei bis vier Räume wären so je Etage realisierbar.

MKM Museum Küppersmühle. Foto: Petra Grünendahl.

Der Erweiterungsbau des MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Duisburger Innenhafen nimmt erkennbar Formen an. Der Betonbau steht, die Arbeiten liegen im Zeitplan. Letzte Arbeiten sind noch am Rohbau zu machen, bevor mit dem Innenausbau begonnen werden kann. Nach ersten Presseanfragen zum Stand des Baus hatte die Stiftung für Kunst und Kultur, die das Museum betreibt, zu einem Presserundgang über die Baustelle eingeladen. Neben Museumsdirektor Prof. Dr. Walter Smerling standen Architekt Robert Hösl (Herzog & de Meuron) und Bauleiter Bastian Overbeck (Diete & Siepmann) Rede und Antwort.

Kunst im ehemaligen Brotkorb des Ruhrgebiets

Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling. Foto: Petra Grünendahl.

Bauleiter Bastian Overbeck. Foto: Petra Grünendahl.

Archtekt Robert Hösl, Foto: Petra Grünendahl.

Die Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron hatten schon Ende der 1990er-Jahre das alte ehemalige Mühlengebäude zum Museum umgebaut. Seit 19 Jahren wird dort die Sammlung der Darmstädter Kunstsammler Sylvia und Ulrich Ströher gezeigt. Unter anderem durch den Erwerb der Sammlung des Duisburger Kunstsammlers Hans Grothe (2005) wurden aber die bislang 2.700 Quadratmeter (plus 800 Quadratmeter im Erdgeschoss für Wechselausstellungen) allmählich zu klein. Eine der wichtigsten Sammlungen von deutscher Nachkriegskunst lässt sich mit der Erweiterung bald ganz anders dem interessierten Publikum darstellen. Eine Erweiterung wurde schon lange diskutiert. Der erste Versuch mit dem „Schuhkarton“ schlug wegen Pfusch am Bau fehl. Der Stahlkubus rostete vor sich hin, als dann die Ströhers nach dem Abbau desselben die Sache selber in die Hand nahmen und auf die bewährten Architekten aus der Schweiz zurück griffen.

Die Erweiterung, so viel ist jetzt schon erkennbar, fügt sich ohne Brüche an. Die 30 Meter hohen Silos bleiben von außen erkennbar. Die Fassade des Anbaus unterscheidet sich nur in der Optik der Backsteinfassade vom „Hauptgebäude“, was dem Eindruck „aus einem Guss“ aber nicht abträglich sein wird. Die Innengestaltung greift die aus dem Hauptgebäude bekannten hohen Räume auf: Aus zwei Etagen war damals fürs Museum eine gemacht worden, um auch großen Bildern ausreichend Raum zu geben. Der vierstöckige Anbau mit drei Ausstellungsebenen, der vom „Altbau“ aus über zwei Durchgänge in den Silos zu erreichen sein wird, bringt zusätzliche 2.500 Quadratmeter Ausstellungsflächen für die Sammlung – sowie eine Dachterrasse auf den Silos (dort, wo ursprünglich der Schuhkarton hin sollte) mit einem herrlichen über den Innenhafen und die Stadt.

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Handschrift aus dem Altbau auch in der Erweiterung zu sehen
Zu den Besonderheiten des „alten“ Museumsbaus gehört das Treppenhaus, welches nach außen als Anbau sichtbar ist. Ähnlich wird zumindest von innen das neue Treppenhaus aussehen, welches sich aber im Gebäude befindet und von außen nicht erkennbar sein wird. Ohnehin habe man sich bei der Gestaltung des Anbaus am Ursprungsbauwerk orientiert, erklärte Architekt Hösl.

Architekt Hösl bezeichnete das Projekt als kompletten Neustart nach dem Abbau des Kubus: „Der Bau fügt sich ein in den Bestand.“ Das ist nicht mehr die Leuchtturm-Philosophie des Schuhkartons, sondern ein zurückhaltendes, stimmiges Äußere, welches mit seinen Schätzen im Innern glänzen will. In dieser Form passt der Leuchtturm dann auch viel besser nach Duisburg!

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Duisburg: Rat beschließt rund 128 Mio. Euro für Erneuerung des Karl-Lehr-Brückenzugs

Verwaltung sichert Kompensation für Grünfläche zu
Von Petra Grünendahl

Alternativen zur Nutzung der Grünfläche am Kaßlerfelder Kreisel hätte die Verwaltung geprüft, aber keine Möglichkeiten in vertretbarer Nähe zur Baustelle gefunden, versicherten Oberbürgermeister Sören Link und Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum den Ratsleuten. Obwohl die Grünen und die Linken die erst in den vergangenen Jahren hergerichtete Fläche mit ihrem neuen Radweg vehement verteidigten, beschloss der Rat schließlich, den Neubau des aus drei Bauwerken bestehenden Brückenzuges endlich anzugehen. Der Brückenzug, über den auch die Linie 901 führt, ist marode und kann aktuell nur über eine Fahrspur in jede Richtung befahren werden. Für den Zugang zum Hafen, als eine von nur vier Nord-Süd-Verbidungen und einer von nur zwei, die auch von Fußgängern rund Radfahrern genutzt werden können, drängt mittlerweile die Zeit. Der erste Bauabschnitt über den Vinckekanal war bereits 2015 für den Verkehr freigegeben worden.

Diskussionen vor der Sitzung des Stadtrates. Foto: Petra Grünendahl.

Auf der Tagesordnung der jüngsten Ratssitzung stand nun endlich der zweite Bauabschnitt des Karl-Lehr-Brückenzuges zwischen dem zugeschütteten Kaiserhafen und dem Kaßlerfelder Verteilerkreis. Für Proteste hatte gesorgt, dass eine Grünfläche nordwestlich des Kreisels als Baustelleneinrichtungsfläche und Vormontagefläche genutzt werden soll. Die Beschlussvorlage sichert allerdings ausdrücklich zu, die Grünfläche, auf der in den letzten Jahren auch Bäume angepflanzt worden waren zu rekultivieren. Insbesondere die SPD und die CDU machten sich für die Beschlussvorlage mit Verweis auf die Anforderungen der Logistik und des Wirtschaftsstandortes stark. Neue Ansiedlungen zum Beispiel auf der Mercatorinsel erhöhen das Verkehrsaufkommen beträchtlich.

Bauvorhaben vom Rat mehrheitlich abgesegnet
Nachdem die Grünen ihren Antrag zum Erhalt der Grünfläche zurückgezogen hatten, stimmte der Rat über einen Antrag des SPD-Fraktionsvorsitzenden Bruno Sagurna ab. Dieser sah vor, dass der Umweltausschuss genau über den Erhalt bzw. die Umsetzung von Gewächsen auf der betroffenen Grünfläche zu informieren sei. Außerdem seien Kompensationsflächen für die Zeit der Baustelle zu schaffen. Eine deutliche Mehrheit stimmte für diesen Antrag ebenso wie für die Beschlussvorlage, die 127,616 Mio. Euro für die Erneuerung des Brückenzuges mit anschließender Rekultivierung der für die Baustelle genutzten Grünfläche vorsieht.

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Lehmbruck Museum in Duisburg zeigt „Reichtum: Schwarz ist Gold“ im Ausstellungsprojekt „Kunst & Kohle“

Künstlerisch-kreatives Schaffen aus dem Rohstoff „Kohle“
Von Petra Grünendahl

Bernd und Hilla Bechers „Hochöfenköpfe“ (1996) in „Reichtum: Schwarz ist Gold“ im Lehmbruch Museum ist Teil des Ausstellungsprojekts „Kunst & Kohle“ der RuhrKunstMuseen. Foto: Petra Grünendahl.

Große Fotografien der Reihe „Hochofenköpfe“ (1996) von Bernd und Hilla Becher (1931-2007/1934-2015) kennt man von der Fassade der Kraftzentrale im Landschaftspark Nord: Natürlich dürfen (etwas kleinere gerahmte) Fotografien dieser Serie auch hier nicht fehlen. Der „Boden der Unsicherheit“ (2006) von Katinka Bock (*1976) ist aus mit Teer* geschwärzten Pflastersteinen gepflastert. David Hammons (*1943) fordert Besucher mit seiner raumfüllenden Installation „Chasing the Blue Train“ (1989) auf, sich um sein Werk herum zu bewegen, dem Zug zu folgen. Das Rattern des Zuges verbindet sich mit Musik von John Coltrane („Chasin’ the Train“ von seinem 1957er Album „Blue Train”), die aus verschiedenen, die Zugstrecke flankierenden CD-Playern tönt. Wandfüllend hat Jürgen Stollhaus (*1962) das Fresko „mit schlagartiger Schwerkraftentladung“ (2018) geschaffen: In das Bild eines Eisenbahn-Güterwagens hat er mit weißer und schwarzer Kreide Motive aus der Geschichte des Bergbaus gezeichnet. Frühstes Werk der Sonderschau ist das Relief „Sitzender Bergmann mit Grubenlampe“ (1905/06) von Wilhelm Lehmbruck (1881-1919).