Da sitzt der Dicke doch tatsächlich immer noch …

Nein, ich rede nicht von Helmut Kohl ;-), sondern vom unserem Bärtigen am Burgplatz: Der sitzt die ganze Geschichte doch tatsächlich immer noch aus! Und meint wohl auch immer noch, damit durchzukommen …
Schlimm genug, dass sich in diesem Punkt in über einem Jahr immer noch nichts getan hat. Und die Staatsanwaltschaft ist über den Punkt, den ich schon vor über einem Jahr beanstandet hatte („Dieses Gelände war für eine Veranstaltung wie die Loveparade überhaupt nicht geeignet! Die Genehmigung hätte nie erteilt werden dürfen!“) bis heute nicht hinaus gekommen. Umso schlimmer finde ich, dass ähnliches auch von anderer Seite schon vor über einem Jahr geäußert wurde. Jetzt habe ich mal in so einigen „alten Fundstücken“ noch einmal geblättert und finde sie heute so aktuell wie damals …

Dabei bin ich auf diesen Auszug aus einem Artikel von Spiegel Online gestoßen (Duisburg-Ticker: Der Trauerzug durch den Tunnel vom 28. Juli 2010 auf Seite 3):

[10.34 Uhr] Lieberberg gibt inkompetenten Organisatoren die Schuld

Für den Konzertveranstalter Marek Lieberberg haben Profilierungssucht der Stadt Duisburg und eine amateurhafte Organisation die Loveparade-Katastrophe mit 19 Toten ausgelöst. Das „war keine höhere Gewalt wie ein Treppeneinsturz oder ein Unwetter, sondern das Ergebnis eines verhängnisvollen Zusammenwirkens von völlig überforderten Behörden und inkompetenten Organisatoren, die weder mit derartigen Großveranstaltungen vertraut noch in der Lage waren, auf Notsituationen zu reagieren.“

Aus Sicht Lieberbergs war das Konzept eines einzigen Ein- und Ausgangs „eine Todesfalle“. Sämtliche Grundlagen für Versammlungen seien missachtet worden. „Ein einziger Eingang über einen Tunnel ist nach der Gesetzeslage eigentlich überhaupt nicht zulassungsfähig. Aber offensichtlich wollten die Verantwortlichen der Stadt Duisburg die Veranstaltung um jeden Preis und haben deshalb offensichtlich über alle notwendigen Sicherheitserwägungen hinweggesehen.“

Der Ordnungsdienst hätte die Besucherströme leiten müssen. „Nach meinem Eindruck hätten bei einem Event dieser Größenordnung mindestens 4000 bis 5000 Ordner im Einsatz sein müssen. Es kann sich tatsächlich nur um einen Bruchteil dieser Anzahl, vielleicht 1000, gehandelt haben.“ Außerdem müsse deren Professionalität entschieden angezweifelt werden. „Eher waren es wohl völlig unerfahrene Helfer, deren einzige Qualifikation im Tragen eines T-Shirts bestand.“

Völlig gefehlt haben laut Lieberberg stabile Ein- und Auslassschleusen. Ein einziger Tunnel und Notausgänge über die Autobahn seien „von vorneherein ein Rezept für den Untergang“ gewesen. „Bei Gefahr im Verzug muss der Veranstalter einschreiten, um auf bestimmte Situationen spontan zu reagieren. Natürlich setzt dies Kompetenz und Erfahrung voraus.“

Überdies erinnerte Lieberberg daran, dass Polizisten bei Großveranstaltungen nicht als Ordner eingesetzt würden, sondern für Notfälle und die Regelung des Verkehrs bereitstünden. (dpa)
Und wie man heute weiß, waren von den in der Genehmigung verlangten 1.000 Ordner gute 40 Prozent nicht einmal zum Einsatz erschienen!

2011 Petra Grünendahl

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Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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11 Antworten zu Da sitzt der Dicke doch tatsächlich immer noch …

  1. parcelpanic schreibt:

    noch „sitzt“ der kleine dicke nicht… und es wird eine utopie bleiben. nur derart in seiner verantwortung würde da auch nicht genügen. aber er legt ja ständig mit „fremdschäm-aktionen“ nach. (ich kann mich ja nicht klonen)

    solange das filz & klüngelsystem nach der schiene „eine krähe hackt der anderen kein auge aus“ läuft, wird sich da auch nicht viel ändern. es werden weiter aus wahlversprecheN wahlversprecheR werden und all enehmen es hin… glaube ich

    • Petra Grünendahl schreibt:

      „Sitzen“ tut er, aber leider auf dem falschen Stuhl … und am falschen Ort ;-)!

      Aber das stimmt: Das Wort „fremdschämen“ wurde am 25. Juli 2010 mit Inhalt und Bedeutung gefüllt!

  2. Jolie schreibt:

    Es freut mich dass Du darüber schreibst Petra..
    Weil ich nicht Deutsch bin, weiss ich nicht welches „Amt“ genau verantwortlich ist für Public Safety/Öffentliche Sicherheit und Ordnung — deswegen weiss ich kein Namen. Und normal sage ich das nicht schnell: „zurücktreten“, — weil es oft so eine leere Geste ist: „Sündenbockchen geschlachtet, alles wieder klar.“ ;-/
    Aber diese Inkompetenz ist so gross, das Publikum verdient es nicht „geschützt“ zu werden durch so jemand.

    Das Wort „fremdschämen“ gibt es nicht in mein Wörterbuch, by the way, aber ich vermute es ist so etwas wie unser Wort „plaatsvervangende schaamte“ 🙂

  3. Jolie schreibt:

    (Oh und PS, ich kenne natürlich die Name des Bürgemeisters, aber ich meine: Personen/Namen, macht mich nichts, nur Verantwortlichkeit und die Bereitschaft, Rechenschaft zu ziehen/geben.)

  4. Petra Grünendahl schreibt:

    Hallo Jolie, vielen Dank für deinen Kommentar!

    „Fremdschämen“ steht auch noch nicht im Duden (gehört aber dringend aufgenommen). Und als „Wort des Jahres“ ist es 2010 auch nicht nomminiert worden, obwohl es das (nach dieser unsäglichen Loveparade-Pressekonferenz) mehr als verdient hätte … Wenn meine recht rudimentären Kenntnisse des Holländischen reichen, denke ich, deine Übertragung passt 🙂

    Der Oberbürgermeister trägt als oberster Dienstherr natürlich auch die Verantwortung für Fehler seiner Verwaltung! Und wenn mittlerweile sogar die Staatsanwaltschaft der Meinung ist, dass diese Veranstaltung so nie hätte genehmigt werden dürfen, ist der OB verantwortlich … Davon, dass die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass auf die Amtsleiter wegen der Genehmigung „Druck von oben“ ausgeübt wurde, reden wir hier noch gar nicht.

    Und wenn ich mal philosophisch werden darf (und mit Kant und dem „Mittel“ und dem „Zweck“ argumentiere): Der Erfolg einer Veranstaltung sollte nur „Zweck an sich“ sein, und nicht „Mittel zum Zweck“, dessen sich ein Beifalls-geiler OB bedient, um sich in dem Erfolg der Arbeit anderer Menschen zu sonnen!

    Hier sind definitiv der gesunde Menschenverstand und alle Regeln für eine ordnungsgemäße Genehmigung mit Füßen getreten worden, auf Anweisung „von oben“ und mit dem einzigen Zweck, dass sich unser zukünftiger Ex-OB (vielen Dank, Jason, für diesen treffenden Begriff ;-)) im Erfolg … hätte sonnen können.

  5. Jolie schreibt:

    Hallo Petra, Dankjewel für Dein Antwort!
    Auch dass Du Kant dabei im Auge bringt, freut mich sehr; selber habe ich das auch gedacht, aber wollte das nicht am Internet schreiben, hatte angst dass man das falsch verstehen könnte 🙂
    Die Lopatragödie nagt an der Wurzel unserer Sinn für Gerechtigkeit —denke ich; genau, alle Regeln für eine ordnungsgemäße Genehmigung sind mit Füßen getreten worden, weil man die Regeln hat um das Publikum zu schützen.. es ist unglaublich das es bis heute so wenig Erfolg gegeben hat für die Verantwortlichen.

    By the way, es gibt ein Artikel in einer Belgischen Zeitung, von 3. aug. 2010, das sagt: Der Duisburger OB tritt zurück 🙂 Vielleicht sind der Belgiern Hellseherisch (oder vielleicht sind alle Witze die Holländer über Belgiern erzählen wahrheit ;-)) Hoffentlich das erste;-))

    Ohne Witze, ich habe ein bisschen gezählt wie +- ähnliche Fälle in die Niederlande abgeschlossen sind, und ich habe 3 Fälle gefunden:

    Der OB von Moerdijk musste zurücktreten nach einem Brand. Kritiek war: er hat die Schwere des Brandes (größere Schäden, keine Verletzten ) zu lange unterschätzt.

    Der OB von Edam-Volendam, musste zurücktreten nach einem Brand in einem Kaffeehaus in Volendam (=14 Kinder starben, 180 (schwer)verletzten) Kritiek: genehmigung Kaffeehaus, weil das Kaffeehaus nicht den Vorschriften der Gemeinde entsprach.)

    Nach drei (!)Jahren der politische Druck und Umfragen, mussten der OB und 2 Ministers zurücktreten nach dem Schiphol-Brand: 11 Toten, alle unschuldige Leute. Kritiek: dieser Brand in Asylum-Gefängnis war zu vermeiden gewesen, als man ’nur‘ die Bauordnung erfüllt hat..

    Ich hoffe, dass auch die Verantwortlichen in Duisburg eines Tages sehen, dass die kein moralisches Recht haben zu bleiben sitzen. (Und hoffentlich schneller als 3 Jahren wie bei unseren Schiphol-brand :-/)

    • Petra Grünendahl schreibt:

      Hallo Jolie, wenn unser zukünftiger Ex-OB Anstand und einen Sinn für Verantwortung und Gerechtigkeit hätte, wäre er am 25. Juli 2010 (oder kurz danach) zurückgetreten. Jetzt wäre ein Rücktritt nur noch peinlich – für ihn: Das Abwahlverfahren läuft … Und seine abgelesene Zwei-Minuten-Erklärung im Fernsehen kurz vor dem Jahrestag, bei der er sich trotz Vorlage noch versprochen hat, war an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Geglaubt hat ihm hier ohnehin keiner mehr – nicht nach so langer Zeit und in einem laufenden Abwahlverfahren. Und dass die benötigten Unterschriften zusammen kommen, daran gibt es ja wohl gar keinen Zweifel!

      PS: Apropo Kant. Ich habe Philosophie studiert und zwei Hauptseminare Kant gemacht (oder machen müssen). Ich bin vor nix fies … 😉

      • Jolie schreibt:

        Hallo Petra, Schön das es ein möglichkeit gibt so ein Abwahlverfahren an zu fangen..(hier gibt es so etwas nicht.. undemokratisch ;-}) Unglaublich dass der Mann noch immer meint dass im Rathaus keine Fehler gemacht wurden (wie ich gelesen habe u.a. hier: http://lopa2010.blog.de/2011/07/26/abwahlverfahren-sauerland-oberbuergermeister-kneift-11547513/ )
        Oder vielleicht meint er dass ein Minister verantwortlich ist;-) —wie bei die Niederländische Brand in Asylum-Gefängnis, wobei auch 2 Ministers zurücktreten mussten.

        P.S. Hut ab für Dein Hauptseminare Kant!

        In meine studie war Kant nur ein (kleines) teil vom ganze Philosophie-geschichte. Aber einmal lernte ich als student die Arbeitslosenstatistik für Art-teachers/Künstler, und dan habe ich mich registriert beim Philosophie-Studium an der Universität (trotzdem hab ich meinen Abschluss als Art-teacher erreicht, ich sagte mir: ‚Keine Panik Aktionen‘ und hab mir beim Uni wieder abgemeldet 😉 ;-)) Finde es noch immer ein bisschen Schade, es schien mir sehr interessant, wie auch Soziologie, Politikwissenschaft und Theologie.. Sagt man ‚Kunst“ dann denken die Leute auch immer ‚aha ein verrückter Künstler‘ 😳

  6. Jolie schreibt:

    P.P.S. Schade, dass Hut-ab Bild Hut ab http://www.flohware.com/images/smileys/smiley_emoticons_seb_hut5.gif läufte nicht; Daphne, Micha und Pilsbierchen sind so klug mit die Bildchen.. i am not 😉

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