„Das ist realisierbar und kostet Krieger kaum extra Geld“

Vater Klaus-Peter Mogendorf stellt seinen Entwurf für eine Gedenkstätte vor

„Wir haben auf unseren Appell zum Erhalt des historischen Ortes an der Rampe von der Stadt bislang keine Reaktion bekommen“, erklärte Lothar Evers. „Nicht einmal eine Eingangsbestätigung.“ Den Appell „den Ort des Leidens und der Trauer nicht zerstören“ hatten Hinterbliebene und Verletzte der Loveparade-Katastrophe und ihre Angehörigen im Mai 2011 initiiert. Im April war durchgesickert, dass der Ort zugeschüttet und überbaut werden sollte. „Uns wurde gesagt: Der Ort ist nicht erhaltbar“, erzählte Klaus-Peter Mogendorf, dessen Sohn Eike zu den 21 Todesopfern der Loveparade 2010 gehörte. Dagegen setzten sich Verletzte und Angehörige der Opfer zur Wehr. Eigentümer Kurt Krieger nahm dann im Juni Gespräche mit den Betroffenen auf.

Lothar Evers stellte heute auf einer Pressekonferenz im „Kleinen Prinzen“ zusammen mit Bauingenieur Klaus-Peter Mogendorf sowie dessen Chef, dem Architekten Klaus-Peter Spannhoff, einen Entwurf für die Gestaltung einer Gedenkstätte am Unglücksort vor. „Wir möchten zur Diskussion anregen“, so das Anliegen der Drei. Dieser Entwurf wird zunächst mit anderen Opfern, Angehörigen und Hinterbliebenen diskutiert und dann bei den Gesprächen mit Vertretern von Kriegerbau Projektentwicklung und der Stadt am 8. Oktober auf den Verhandlungstisch kommen. „Wir waren mit anderen Betroffenen vor Ort. Ich bin die drei Meter Breite abgeschritten und habe ihnen deutlich gemacht, wie eng und wie klein der Raum wird. Leute, die in der Enge auf der Rampe dabei waren, verkraften das nicht“, erklärte Mogendorf. „Die Leute müssen das Gefühl haben, frei stehen zu können.“

Der Entwurf, den Spannhoff und Mogendorf vorlegten, sieht eine ca. zehn Meter breite „Gedenkfläche“ vor, umgeben von den sechs Meter hohen Wänden wie sie heute an der Rampe stehen. Etwa 250 Quadratmeter groß wird die Gedenkstätte sein, unter freiem Himmel – ein zentrales Anliegen der Betroffenen. Das Stellwerk-Häuschen soll als weithin sichtbaren Landmarke erhalten bleiben. Ebenfalls gut sichtbar auf dem Gelände wäre eine Treppe mit einem monumentalen Glaskern. Diese Treppe ermöglicht den Zugang zur Gedenkstätte von oben. Unten von der Unterführung Karl-Lehr-Straße soll es einen zweiten offenen Zugang in einer Glasfront geben. Die Treppe zum Stellwerk-Häuschen soll ebenso erhalten bleiben, wenn auch nicht mehr genutzt werden können, wie die Wandtafel, an der heute die 21 Kreuze hängen. Erhalten bleibt ein Stück der alten Pflasterung, das meiste wird aber neu gestaltet. Eine schlichte Fläche aus weißem Perlkies markiert die Unglücksstelle (dort, wo heute Gras wächst) und soll als Kondolenzfläche mit Kerzen, Blumen oder ähnlichen Gedenkgaben bestückt werden können. Das Ganze wäre schon wie ein Raum gestaltet, aber oben offen – unter freiem Himmel. Der Raum würde auch nicht die volle Breite der heutigen Rampe einnehmen. Das wäre mit den Krieger-Plänen nicht vereinbar. Man will schließlich einen Konsens mit dem Eigentümer. Der Raum soll einfach, aber wirkungsvoll gestaltet werden: Schlichte, überwiegend helle Gestaltungselemente vermitteln Ruhe für jene, die trauern, gedenken oder eben nur den Ort auf sich wirken lassen wollen. Überdachte Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen. „Dieser Raum bietet zudem viel Platz, wenn am Jahrestag viele Angehörige und Opfer gleichzeitig hierher kommen“, so Spannhoff. Da wären die 70 Quadratmeter Gesamtfläche der Krieger-Pläne schnell wegen Überfüllung geschlossen.

Die Vorschläge, die Kriegerbau bislang den Opfern, Angehörigen und Hinterblieben präsentiert hat, sind für die Betroffenen – besonders für die Verletzten und Traumatisierten – nicht akzeptabel: knappe drei Meter breit, von Gelände oben kaum zu sehen und mit einem einzigen Zugang von der Unterführung Karl-Lehr-Straße aus. Klein, eng, ein dunkler Zugang – ein schlichter Horror für jene, die heute noch unter der Enge von damals leiden! „Wir hätten die Pläne praktisch nur abnicken können, aber Krieger ist offen für Lösungen“, so Mogendorf, der lieber aktiv gestaltet – und aus diesen Grund einen eigenen Entwurf vorstellt, der die Wünsche und Bedürfnisse von Angehörigen und Opfern widerspiegelt. Sein Entwurf auf der dreieinhalbfachen Fläche würde nur ca. 35 Prozent mehr kosten als die von Kriegerbau angedachte Version, rechnete Architekt Spannhoff vor. „Aus unseren Plänen kann man was machen, was auch in Kriegers Planungen passt“, bekräftigte Spannhoff.

Außerdem greift dieser Entwurf einer Gedenkstätte nur unwesentlich in die bislang von Krieger vorgelegten Pläne ein: die Straße und der Radweg, die die Gedenkstätte oben auf dem Gelände säumen, müssen ein wenig nach außen verlegt werden – die Öffnung nach oben wird mit dem größeren Raum unten ja auch größer. Zwei Parkplätze würde es dadurch weniger geben, so Spannhoff. Optisch bedeutet es auf jeden Fall eine Aufwertung, denn statt eines dunklen Loches (von 70 Quadratmetern) würde dort unten ein ansprechend gestalteter Ort auf jeden Fall mehr Eindruck auf einen Betrachter machen.

Zu verstecken braucht man diesen Ort dann nicht – und so gut verstecken könnte man ihn auch auf 70 Quadratmetern nicht, dass nicht Leute, die ihn suchen, auf jeden Fall finden würden … Und mit Leuten, die den Unglücksort aus den unterschiedlichsten Gründen aufsuchen, – das zeigt die Erfahrung an der provisorischen Gedenkstätte – ist jederzeit zu rechnen: „Unsere Gedenkstätte steht jedem offen“, erklärte Mogendorf. Keine verschlossenen Türen, denn Besucher der heutigen provisorischen Gedenkstätte kommen nicht nur sieben Tage die Woche, sondern auch 24 Stunden am Tag: Nicht nur Opfer, Angehörige und Hinterbliebene, sondern vielfach „völlig Unbeteiligte und Fremde“. Auch ihnen soll dieser Ort des Gedenkens offen stehen.

Fazit: Alles in allem ist dies eine Lösung, mit der beide Seiten – Kurt Krieger ebenso wie die Hinterbliebenen und Verletzten – gut leben können. Eine Gestaltung in dieser Form kostet Krieger nur wenig mehr Geld, bringt ihm aber einen ungeheuren Image-Gewinn und wertet das Gelände insgesamt auf. Und es ist auf jeden Fall ein angemessener würdiger Ort des Gedenkens!

© 2011 Petra Grünendahl, Grafiken: Spannhoff GmbH, Melle

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Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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