Kein reines Migranten-Thema: Integration geht uns alle an!

Bürgerstiftung Duisburg lud zum zweiten Dialog „Typisch Duisburg?!“
Thema: „Kulturelle Vielfalt in der Stadtentwicklung“

Typisch Duisburg II: Dr. Mark Terkessidis über Kulturelle Vielfalt, in der Alten Feuerwache Hochfeld“Rund ein Drittel aller Schüler in Deutschland haben heute einen Migrationshintergrund“, erklärte Dr. Mark Terkessidis, Migrationsforscher, Autor und Journalist aus Berlin, im voll besetzten Veranstaltungssaal der Alten Feuerwache in Hochfeld. „Migration wird immer als Verlust dargestellt: Verlust von Sprache, von Heimat. Damit stellt man paradoxe Erwartungen an Migranten“, so Terkessidis, der Integration als einen langfristigen Prozess versteht. „Wir leben alle mit Klischees unserer Nationalität, aber Nationalität steht in Zeiten von EU und Globalisierung unter Druck.“ Viel entscheidender ist heute die Stadt als unmittelbarer Lebensraum.

Zum zweiten Dialog „Typisch Duisburg?!“ hatte die Bürgerstiftung Duisburg zusammen mit dem Referat für Integration der Stadt Duisburg und dem ARIC-NRW e. V. (Anti-Rassismus Informations-Centrum) in die Alte Feuerwache nach Hochfeld eingeladen. Eingeladen als Referent war der Journalist, Autor und Migrationsforscher Dr. Mark Terkessidis, der zum Thema „Kulturelle Vielfalt in der Stadtentwicklung“ sprach. Im zweiten Teil beleuchtete Moderatorin Petra Weis mit einem Podium verschiedene Bereiche, in denen die Kulturen aufeinander treffen und wo mehr Kooperation wünschenswert wäre. Gesprächspartner waren Hartmut Reiners (ARIC-NRW), Integrationsbeauftragte Leyla Özmal, Pater Oliver OPraem (St. Peter und Paul in Marxloh), Markus Drews (Im-mobilis), Mevlüt Kurban (MUT migranten-unternehmen e.V.), Wolfgang Trefzger (Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks e.V.) sowie Roger Zacks (Duisburger Philharmoniker) zu Gast. Hoch motiviert beteiligte sich auch das Publikum an der Diskussion.

„Integrationskultur wird immer als Angelegenheit der Migranten behandelt, und nicht als Angelegenheit von uns allen“, zitierte Moderatorin Petra Weis aus der Rezension eines Buches von Terkessidis. Recht hat der Rezensent: Es geht nicht nur darum, dass sich Migranten in die Gesellschaft ihrer neuen Heimat einbringen, sondern auch dass man die neuen Bürger aufnimmt. „Nie hat jemand von Stadt, Land oder Bund gesagt: ‚Ihr gehört zu uns!’ und als Christian Wulff sagte ‚Der Islam gehört zu Deutschland!’ ist er in seiner eigenen Partei wegen dieser Äußerung angegriffen worden“, beklagte Gürsel Dogan. Ihnen fehle das Gefühl, „angekommen“ zu sein, so der studierte Diplom-Ingenieur, für die CDU im Duisburger Stadtrat sitzt. Immer wieder rät er jungen Menschen zum Studium: Menschen, die in der zweiten oder dritten Generation hier leben, hier zur Schule gegangen sind. Das sind junge, hochqualifizierte Menschen, die sich – auch nach einem erfolgreich abgeschlossenen Studium – immer noch in unserer Gesellschaft ausgegrenzt fühlen. Zu viele von ihnen wandern dann in die alte Heimat ihrer Eltern oder Großeltern aus. Menschen, die sich in ihrer eigenen Heimat nicht willkommen fühlen: Was für eine unglaubliche Verschwendung angesichts des so oft zitierten Fachkräftemangels!

„Stadt war schon immer Einwanderung“, sagte Terkessidis. Noch vor 200 Jahren, als die Industrialisierung begann, zählte Duisburg knapp 5.000 Einwohner. Als die aufkommende Industrie im Ruhrgebiet Arbeiter brauchte, begann die Zuwanderung in die Städte: zunächst aus ländlichen Gebieten, dann aus Osteuropa. In Wirtschaftswunderzeiten kamen sie dann aus Südeuropa und der Türkei. Heute suchen Menschen aus Südosteuropa hier Arbeit, ein besseres Leben und eine Zukunft für ihre Kinder. Es hat immer Zuwanderung und Integration gegeben, und wir alle werden uns auch in Zukunft darum bemühen müssen.

Natürlich bringt Migration Probleme mit sich: Sprachprobleme zum Beispiel, oder paternalistische Familienstrukturen, die sich mit unserer Gesellschaftsordnung nicht immer vertragen, aber: „Man sollte sich nicht auf ihre Probleme fokussieren, sondern auf den Zugewinn an Vielfalt“, forderte Terkessidis. Diese Vielfalt sei etwas besonderes, was eine Stadt auch so herausstellen kann und sollte: „Kreuzberg ist nicht schön, aber die Touristen kommen trotzdem. Was es überall gibt ist nicht das, was eine Stadt interessant macht.“

„Der Straßenbahnfahrer fragt ja auch nicht, wo wir herkommen, sondern wo wir hinwollen“, bemerkte Hermann Weßlau, Vorsitzender des Verbandes Duisburger Bürgervereine, sehr treffend. Und wer gemeinsam Straßenbahn fahren kann, kann auch gemeinsam nach einem Weg in die Zukunft suchen. Auch wenn man in Duisburg (leider!) immer mal wieder auf Fremdenfeindlichkeit trifft, so hat hier die „rechte Szene“ nie Fuß fassen können – und das ist auch gut so! Was in den letzten 200 Jahren in Duisburg an Integration geleistet wurde, ist großartig: Da können wir als Duisburger stolz drauf sein! Künftige Herausforderungen werden wir angesichts dessen, was schon geleistet wurde, auch noch meistern. Das Thema „Migration und Integration“ ist weit und vielfältig und nicht in einer einzigen Veranstaltung dieser Art zu lösen, ein paar wichtige Punkte wurden aber angesprochen und sollten weiter entwickelt werden.

Typisch Duisburg II: Kulturelle Vielfalt, in der Alten Feuerwache Hochfeld

© 2013 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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