Wiederaufführung von Richard Wagners „Die Walküre“ in Duisburg

Wenn der Göttervater seine Kinder straft

Elisabet Strid (Sieglinde), Michael Weinius (Siegmund) Foto: Matthias Jung

Elisabet Strid (Sieglinde), Michael Weinius (Siegmund)
Foto: Matthias Jung

Dass es die Götter mit der ehelichen Treue noch nie so genau nahmen, weiß man aus der griechischen Mythologie. Das gilt aber nicht minder für die germanische Götter- und Sagenwelt, die den Komponisten Richard Wagner so fasziniert hat und zu fantastischen Opernwerken inspirierte. Wotans (Jürgen Linn) Kinder, die Zwillinge Siegmund (Michael Weinius) und Sieglind (Elisabet Strid), wachsen getrennt auf und verlieben sich als Erwachsene in einander, obwohl Sieglind mit Hunding (Thorsten Grümbel) verheiratet ist. Wotans Frau Fricka (Martina Dike) verlangt wegen des Ehebruchs Siegmunds Tod. Wotan will erst nicht, dann doch … Seine Tochter, die Walküre Brünnhilde (Sabine Hogrefe), widersetzt sich Wotans Urteil und schützt die Liebenden, worauf Wotan die Walküre aus Zorn aus Walhalla verbannt.

In vorgeschichtlicher Zeit spielt Richard Wagners Opern-Zyklus „Der Ring des Nibelungen“, deren erster Tag, „Die Walküre“, im Duisburger Theater ihre Wiederaufführung erlebte. Die Walküre hat sich zum beim Publikum beliebtesten Stück der Tetralogie entwickelt. Zur Uraufführung kam die Wagner-Oper 1870 im Königlichen Hof- und Nationaltheater München, die aktuelle Inszenierung feierte bei der Deutschen Oper am Rhein 1990 in Düsseldorf Premiere. Regisseur Kurt Horres (Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein 1986 – 1996) versetzte die Handlung in ein eher modernes Bühnenbild der Gründerzeit mit hohen Sälen und üppigen Kronleuchtern. Passend dazu hatte Bühnenbildner Andreas Reinhardt die Kostüme entworfen. Genial waren bei dieser Opern-Aufführung im Theater Duisburg wieder einmal die Installationen des Lichtdesigners Klaus Gärditz, dessen Lichtinszenierung in ihrem wechselnden Farben- und Formenspiel Stimmungen darstellte, veränderte und Akzente setzte.

Martina Dike (Fricka), Jürgen Linn (Wotan) Foto: Matthias Jung

Martina Dike (Fricka), Jürgen Linn (Wotan)
Foto: Matthias Jung

Musikalischen Hochgenuss boten die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Axel Kober, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein, die die Wagnersche Klangvielfalt von ruhig und besinnlich bis voluminös und bombastisch meisterhaft beherrschen. Gut bei Stimme präsentierten sich dabei auch die Sänger, die immer wieder auch gegen die Wucht des Instrumentalen mit Bravour bestanden. Die Akustik des Theaters war dabei nur das Transportmedium für die musikalisch nahezu perfekte Darbietung. Auch schauspielerisch „lebte“ die Dramatik des Geschehens auf der Bühne, so dass sich der Zuschauer fallen lassen und genießen konnte.

Richard Wagner polarisierte schon zu Lebzeiten
Man muss nicht seine politischen Ansichten oder seinen Antisemitismus teilen, um Richard Wagners Werke gut zu finden. Seine fantastischen Kompositionen sprengen ohnehin alle Grenzen. Die Operntexte, die Wagner selber schrieb und reimte, sind Wagners Interpretation der alten Sagen und Mythen – oder wohl eher seine Interpretation von späteren Nacherzählungen der alten Sagen, die sich auch inhaltlich schon von den alten Mythen entfernt und sie neu interpretiert hatten. Alten Sagen und Mythen haben einen Geist der Universalität, der im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neu interpretiert und anders erzählt wurde – und dabei auch immer wieder zur Verherrlichung der „eigenen“ Herkunft missbraucht wurde. Wagner war da keine Ausnahme! Dass spätere Generationen diesen Missbrauch seines Werkes auf die Spitze getrieben haben, steht auf einem anderen Blatt und kann, darf, sollte nicht dem genialen Komponisten angelastet werden.

Das Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ ist ein monströses Werk. Selten werden alle vier Teile der Tetralogie an aufeinanderfolgenden Abenden aufgeführt: Die Festspiele von Bayreuth sind hier die große Ausnahme. Der Auftakt „Das Rheingold“ (Vorabend) ist mit seinen zweieinhalb Stunden Dauer (inklusive Pause) noch gut zu bewältigen, die drei Hauptteile – neben „Der Walküre“ (Erster Tag) sind dies „Siegfried“ (Zweiter Tag) und die „Götterdämmerung“ (Dritter Tag) – sind mit jeweils zwei halbstündigen Pausen insgesamt fünf Stunden lang. Anstrengend für Akteure und Publikum, aber das ist es definitiv wert!

Sabine Hogrefe (Brünnhilde), Jürgen Linn (Wotan) Foto: Matthias Jung

Sabine Hogrefe (Brünnhilde), Jürgen Linn (Wotan)
Foto: Matthias Jung

Mit dem „Ring“-Zyklus entwickelte Richard Wagner ein Gesamtkunstwerk als mehrtägiges Bühnenfestspiel, zu dem er – eher ungewöhnlich für einen Komponisten – auch den Text schrieb: Insgesamt handgeschriebene 700 Seiten, die der nach und nach „vertonte“. Dabei ging er nicht chronologisch vor: mit „Siegfried“ begann er zuerst, arbeitete dann aber zwischendurch auch schon ein wenig an den anderen Opern. „Das Rheingold“ erlebte seine Uraufführung 1869, „Die Walküre“ 1870, „Siegfried“ und die „Götterdämmerung“ mussten bis zur Aufführung des Gesamtwerks warten. Das Bayreuther Festspielhaus wurde eigens für den „Ring des Nibelungen“-Zyklus erbaut. Im August 1876 wurde das Gesamtwerk dort als viertägiges Festspiel uraufgeführt.

Weitere Aufführungen der „Walküre“ im Theater Duisburg
Sonntag, 9. Juni und
Sonntag, 16. Juni, jeweils um 17 Uhr.
Karten gibt im Opernshop an der Düsseldorfer Straße 5 – 7 (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 19 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr) oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Abendkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Die Ticketpreise liegen zwischen 18,10 und 62,80 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2013 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Matthias Jung für die Deutsche Oper am Rhein

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Eine Antwort zu Wiederaufführung von Richard Wagners „Die Walküre“ in Duisburg

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