Deutsch-Bulgarischer Verein in Duisburg-Hochfeld braucht finanzielle Unterstützung

„Wir wollen uns integrieren – und dazu müssen wir Deutsch lernen“

“Hier beißt sich der Hund in den Schwanz: Wir brauchen Deutschkurse, um uns integrieren zu können, aber ohne Deutschkenntnisse haben wir Schwierigkeiten mit der Antragstellung auf Fördergelder“, erklärte Asan Eliman Dzhavail*. Der 26-jährige Akademiker (studierte IT-Fachkraft) ist Vorsitzender des Deutsch-Bulgarischen Vereins für Jugend- und Sozialarbeit e. V. in Hochfeld und hat sich schon in Bulgarien ehrenamtlich in der Jugendarbeit engagiert. Die Bulgaren, deren Interessen der Verein vertritt, haben nicht das Geld, den Verein finanziell zu unterstützen. Der Verein ist somit für seine Arbeit auf Spenden und Fördergelder angewiesen.

Zur Pressekonferenz hatte der Deutsch-Bulgarische Verein in sein Vereinsheim an der Paulusstraße in Hochfeld eingeladen, um über Probleme zu sprechen, die seine Arbeit für die Integration behindern. Vereinsvorsitzender Dzhavail hielt die Pressekonferenz in türkischer Sprache, die er als Zweitsprache spricht und in der er sich eloquent und flüssig auszudrücken versteht. Seit sieben Monaten lebt er in Hochfeld und besucht den ersten Deutschkurs des Vereins, den dieser mit Hilfe und finanzieller Unterstützung einer türkischen-muslimischen Gemeinde, einem privaten Verein, anbietet. Der Deutschkurs läuft seit dem 7. Juni mit etwa 70 Teilnehmern.

Als Übersetzer agierten beim Pressegespräch Cilem Karahan (DAL, sachkundige Einwohnerin im Jugendhilfeausschuss), Ratsherr Rainer Grün (DAL/DWG-Fraktion im Rat, u. a. Mitglied im Integrationsrat) sowie Erol Kaya (MTB, Mitglied im Integrationsrat und für die DWG-Fraktion als stv. sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Arbeit, Soziales und Gesundheit), die alle sowohl Türkisch als auch Deutsch sprechen. Türkisch ist in Bulgarien als Zweitsprache sehr verbreitet. Das erleichtert den Kontakt der Bulgaren zu den türkisch-stämmigen Duisburgern, mit denen man sich nicht nur verständigt, sondern auch gut versteht.

Neue Heimat in Hochfeld
„Zentrales Anliegen unseres Vereins ist die Integrationsarbeit, zu der neben Informationsveranstaltungen vor allem Sprachkurse gehören“, so Dzhavail. Dass es Probleme gibt mit Mitbürgern, die ihrem Müll aus dem Fenster werfen, will Dzhavail nicht bestreiten: „Das ist aber eine Minderheit. Auch wir sind gegen Schmutz. Die Verallgemeinerung, die Stigmatisierung und dass man schlecht über uns redet, das tut uns weh!“ Der Hochfelder Verein versteht sich als Vertretung für ALLE Bulgaren – egal ob christlichen oder muslimischen Glaubens. „Bulgaren haben Probleme und wir wollen ihre Stimme sein. Wir möchten dem Rat und der Stadt zeigen, dass wir da sind, um zu bleiben. Deswegen haben wir im Februar unseren Verein gegründet.“

Asan Eliman Dzhavail kann ein Lied von Problemen bei der Integration singen: Als studierter Informatiker und Mathematiker wäre der 26-Jährige hier eine gefragte Fachkraft, wenn er Deutsch und/oder Englisch könnte. Er könnte sogar eine Arbeitsstelle vor der vollständigen Arbeitnehmerfreizügigkeit ab 2014 kriegen, wenn die Stelle mit keinem Deutschen besetzt werden könnte (der viel zitierte Fachkräftemangel). Andere bulgarisch-stämmige Duisburger haben allerdings das Problem, dass sie nicht über „gefragte“ Ausbildungen verfügen. Wenn sie mit selbstständiger Arbeit nicht genug Geld verdienen, haben sie erst nach dem Jahreswechsel die Möglichkeit, eine sozialversicherungspflichtige Arbeit aufzunehmen oder als Arbeitssuchende Sozialleistungen zu beziehen.

Um auf dem Arbeitsmarkt Chancen zu haben, brauchen sie aber zumindest grundlegende Deutschkenntnisse. In Hochfeld bietet lediglich der Deutsch-Bulgarische Verein bislang einen solchen Kurs an. Es sollten weitere folgen, denn Alternativen haben die Zugezogenen nicht: Kurse finden entweder zu weit weg statt, oder sie sind kostenpflichtig. Weder für Fahrten zu entfernten Schulungen noch für Kurse der VHS oder ähnlicher Träger haben diese Menschen, die hier von der Hand in den Mund leben, das nötige Geld. Finanzielle Hilfen und Fördergelder, Sprach- und Integrationskurse direkt in Hochfeld anzubieten, sind also dringend nötig. Und wenn es hilft, Bulgaren in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist es gut investiertes Geld!

Entwicklungsgesellschaft Duisburg (EG DU) verwaltet Fördergelder
„Die EG DU hat uns bislang kein Angebot gemacht. Sie haben zwei Mitarbeiter bei uns vorbeigeschickt. Einer von denen (mit SPD-Parteibuch) sagte ganz klar: ‚Ihr bekommt keine Hilfe beim Stellen von Anträgen, denn ihr arbeitet mit Gürsel Dogan (Anmerkung des Autors: Hochfelder Ratsherr mit CDU-Parteibuch) und Sevket Avci (Anmerkung: Vorsitzender des Integrationsrates vom Muslimischen Türken Bund MTB) zusammen.’ Die waren ihm wohl ein Dorn im Auge“, erklärte Dzhavail. Die Namen seien so genannt worden, bestätigen auch die anderen, ebenso wie der Bezug zur Parteizugehörigkeit. Daraus kann man folgern, dass hier Parteibuch-Politik gemacht wird. Die ist hier aber – im Sinne der Menschen – völlig fehl am Platz!

„Dass man mit Fördergeldern von ca. 1 Mio. Euro nicht alles fördern kann, ist klar. Wir haben zwei Anträge für Deutschkurse und Integrationsarbeit über 9.000 bzw. 7.000 Euro gestellt, bislang aber noch keinerlei Antwort oder Reaktion auf die Briefe bekommen“, führte Dzhavail fort. Etwas mehr Augenmaß wäre hier von der EG DU zu wünschen, deren Topf zumindest für eine kleine Unterstützung reichen müsste. „Wir sind überparteilich“, betonte Asan Eliman Dzhavail. „Wir wollen hierbleiben, hier ist unsere neue Heimat – und wir wollen uns integrieren. Dafür brauchen wir Unterstützung.“

Trotz der kaum vorhandenen finanziellen Mittel gelingt es dem Verein während des Ramadan, durch Spenden jeden Abend zum traditionellen Fastenbrechen (Iftar) ins Vereinsheim an der Paulusstraße einzuladen. Rainer Grün erzählte: „Da kommen auch Kinder und Jugendliche, die Hunger haben – und das nicht deswegen, weil sie fasten …“

*) Die bulgarische Sprache nutzt die kyrillische Schrift, was die Transkription (Übertragung in die hier gebräuchliche lateinische Schrift) schwierig macht.

© 2013 Petra Grünendahl

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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