Duisburg: Loveparade-Katastrophe jährt sich zum dritten Mal

Fertig gestellte Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 in DuisburgErinnerung und Gedenken
Die Katastrophe der Loveparade 2010 jährt sich in den nächsten Tagen zum dritten Mal. Dieser Jahrestag wird ruhiger ausfallen als die beiden vorangegangenen. Nach den großen Gedenkveranstaltungen – 2011 vom Land organisiert in der MSV-Arena, 2012 von der Loveparade Selbsthilfe e. V. auf den König-Heinrich-Platz – wird auf Wunsch der Angehörigen und Betroffenen alles etwas kleiner. Der historische Ort ist verschwunden, eine endgültige Gedenkstätte auf kleinerem Grund entstanden.

In einem Pressegespräch stellte Oberbürgermeister Sören Link zusammen mit Lopa-Obmann Jürgen Widera, Dr. Uwe Rieske von der Notfallseelsorge und Edda Metz, Projektleiterin von Kriegerbau, die Gedenkstätte für die Opfer vor. Dezent ist der Ort jetzt gestaltet, würdig für ein angemessenes Gedenken: ohne Kinkerlitzchen und ohne Kitsch. Die Treppe ist gesäumt von den bekannten Holzkreuzen mit den Namen der Todesopfer. Blumentöpfe mit Sonnenblumen stehen dabei. Zwei Blumenkübel stehen mit Schnittblumen am Fuß der Treppe. Am unteren Ende der Gedenkstätte (zur Unterführung hin) ragt das „Vorfahrt gewähren“-Schild, welches auf vielen Film- und Fotoaufnahmen mit Katastrophenszenen zu sehen war, schief empor. Ein großer Bilderrahmen mit Fotos von Todesopfern steht an dem Teil der Wand, der von der alten Rampe erhalten geblieben ist.

Grober Split bedeckt den ehemaligen Seitenstreifen des Zugangs zum Alten Güterbahnhof. Der Boden der Gedenkstätte ist mit den alten Pflastersteinen neu bedeckt worden. Der kaskadenförmige Aufgang zum künftigen Möbelhausgelände ist bepflanzt, der stufige Weg hinauf mit Steinen aus Basaltlava verlegt. Der Lebensbaum oben an der Rampe ist ca. 12 – 13 Meter hoch und sechs Tonnen schwer.

Fertig gestellte Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg„Wir haben weitgehend die Dinge erhalten, die Angehörigen und Betroffenen wichtig waren“, erklärte Edda Metz, als Projektleiterin bei Kriegerbau verantwortlich für die Realisierung des Projektes am Alten Güterbahnhof („Duisburger Freiheit“). Die alte Stützwand konnte auf 18 Metern mit der Treppe zum (inzwischen abgerissenen) Stellwerkhäuschen erhalten bleiben. Die Breite reicht von acht Metern im unteren Bereich mit einem Zugang von fünf Metern Breite auf bis zu elf Metern, ab wo sich das Gelände rampenförmig bis zur geplanten Geländeoberfläche erhebt. Die ursprüngliche Rampe als Zugang zum Gelände des Alten Güterbahnhofs war etwa 26 Meter breit.

Das ansteigende Gelände ist – neben einer Treppe nach oben – bepflanzt und landschaftsarchitektonisch gestaltet. Die seitlichen Einfassungen der Gedenkstätte mit einer 6,30 Meter hohen Stützwand sind zwischen 30 und 33 Metern lang. Die Fläche des gesamten Areal betrage, so Metz etwa 500 qm. Davon befänden sich im unteren Bereich (Pflaster und Splitfläche) ca. 150 qm. Die Böschung mit Pflanzflächen und Treppe zum Gelände oben belegt weitere ca. 300 qm.

Verschiedene Aktionen zum Gedenken
Zur Podiumsdiskussion „Bestandsaufnahme Loveparade“ hatte der Verein Loveparade Selbsthilfe e. V. bereits am gestrigen Freitag eingeladen. Am Vorabend des Jahrestages findet an der Gedenkstätte die „Nacht der Tausend Lichter“ statt. Diese Veranstaltung ist öffentlich, allerdings ist das Gelände der Gedenkstätte für maximal 100 Leute zugelassen. Bis zu weitere 200 Leute dürfen sich parallel in der (noch immer gesperrten) Unterführung aufhalten, die an der Gedenkstätte vorbeiläuft. Die Unterführung bietet aktuell den einzige Zugang zum Gedenkort.

Fertig gestellte Gedenkstätte für die Opfer der Loveparade 2010 in DuisburgAm Mittwoch, 24 Juli 2013, steht der ohnehin für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrte Tunnel (Unterführung) ab 14.30 Uhr nur noch Angehörigen und Opfern als Zugang zur Gedenkstätte offen (bis etwa 18.30 Uhr, mit den genannten Zugangsbeschränkungen).

Zwischen 15 und 18 Uhr hat die Loveparade Selbsthilfe e. V. ein öffentliches Get-Together im Kantpark (auf der Wiese neben dem Cafe Museum) geplant. Mit den hohen Betonwänden rundherum ist die Gedenkstätte heute für viele Opfer der Katastrophe zu eng. Die Zusammenkunft in einem öffentlichen (und offenen) Park bietet Menschen, die die ja doch beklemmende Enge der heutigen Gedenkstätte nicht ertragen, die Möglichkeit, Zeit im Gedenken und der Erinnerung mit Gleichgesinnten zu verbringen.

Um 17 Uhr läuten die Kirchenglocken in der Innenstadt: Ungefähr um diese Zeit waren damals die ersten Toten zu beklagen. Parallel startet in der Liebfrauenkirche in der Innenstadt eine Ökumenischen Andacht, die von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen ausgerichtet wird. Diese Veranstaltung ist ebenso öffentlich wie die offizielle Gedenkfeier, die in diesem Jahr erstmals von der Stadt Duisburg ausgerichtet wird. Sie findet ab 19.30 Uhr in der Salvatorkirche am Burgplatz statt.

Ab dem 25. Juli wird dann auch die Unterführung an der Karl-Lehr-Straße wieder für den Kraftfahrzeugverkehr freigegeben.

© 2013 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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