Zeitzeugenbörse präsentiert Archivbilder „Duisburg-Neudorf“

Als Neudorf noch weit weg vom Duisburger Zentrum lag

neudorf-archivbilder_600Neudorf lag einmal weit weg vom Zentrum Duisburg. Friedrich der Große* (1712-1786, auch Friedrich II. oder der „Alte Fritz“ genannt) übertrug 1769 Land an Pfälzer Siedler. Es entstand das Friedrichsdorf, auch „Op de Heid“ genannt. 1770 siedelten sich weitere „Kolonisten“ – 13 hessisch-darmstädtische Familien – ebenfalls in der Neusiedlerkolonie an. Auf der Koloniestraße, zwischen der heutigen Grabenstraße und dem Sternbuschweg, errichten die ersten Siedler ihre Häuser. Der Name „Neudorf“ ist erst ab 1789 urkundlich erwähnt, das „Dorf“ war lange Zeit landwirtschaftlich geprägt.

Mit dem Buch „Duisburg-Neudorf“ aus der Reihe Archivbilder präsentierten Harald Molder und Reinhold Stausberg von der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. die wechselhafte Geschichte des Stadtteils. Etwa 200 weitgehend noch unveröffentlichte Aufnahmen illustrieren auf 128 Seiten eine Zeitreise in die Vergangenheit des Stadtteils, der sein Gesicht nicht erst seit Entstehen der Fotos total verändert hat. In neun Abschnitte ist das Buch thematisch gegliedert: die Entwicklung von der Kolonie zum STADTteil, Firmen und Geschäfte, Gaststätten und Kneipen, Kirchen und Schulen, Einrichtungen, Vereine und – der größte Einschnitt: der Zweite Weltkrieg. Die Fotos und Postkarten stammen größtenteils aus den Sammlungen von Molder und Stausberg. Die beiden Hobby-Historiker konzentrierten sich in ihrer Zusammenstellung überwiegend auf Fotos aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Damit zeigen sie ein Neudorf, welches kaum einer noch kennt. Die Texte erklären nicht nur die Geschichte des Stadtteils, sondern erlauben dem Leser, die Bilder ins heutige Neudorf einzuordnen.

Um das Jahr 1908 geht der Blick von der Mülheimer Straße in die Ludgeristraße  mit der gleichnamigen Kirche im Hintergrund. Man war darauf bedacht, durch Pflanzung von Bäumen den Wohnwert des werdenden Stadtteils zu steigern. Das wuchtige "Hotel Restaurant Monopol" rechts bestimmt hier das Bild.

Um das Jahr 1908 geht der Blick von der Mülheimer Straße in die Ludgeristraße mit der gleichnamigen Kirche im Hintergrund. Man war darauf bedacht, durch Pflanzung von Bäumen den Wohnwert des werdenden Stadtteils zu steigern. Das wuchtige „Hotel Restaurant Monopol“ rechts bestimmt hier das Bild.

Von der Kolonie bis zur Zerstörung
Von den ländlichen Anfängen – für 1773 sind von 80 Morgen Land 58 Morgen ausgewiesen als mit Kartoffeln, Buchweizen und Roggen bestellt – mauserte sich das Dorf zum Stadtteil mit weitere Ansiedlungen und Wohnbau um die vorletzte Jahrhundertwende herum. Hier, kurz nach der Jahrhundertwende, setzten die ersten Fotostrecken ein, die ein ganz anderes Neudorf zeigen. Baum gesäumte Straßen verbesserten die Wohnqualität. Viele Straßenzüge spiegelten ein gehobenes Ambiente. Mit den Menschen kamen auch die ersten Industrieansiedlungen: das, was man heute als kleine und mittelständische Unternehmen bezeichnen würde, prägte die Wirtschaft. Die Wiege der Demag (DEutsche Maschinenbau-AktienGesellschaft, die 1973 von Mannesmann übernommen worden und nach der Vodafone-Übernahme 1999/2000 vollends zerschlagen worden war) stand hier. Auch einen Kohlenschacht gab es (Zeche „Neu Duisburg“), der aber nie genutzt wurde. Groß- und Schwerindustrie verlagerte sich schnell an den Rhein, der besseren Verkehrsanbindung wegen. Zurück blieb ein Stadtteil, der mit seiner Nähe zum Stadtwald bessere Wohnqualitäten ausspielen konnte. Bis der Zweite Weltkrieg kam und vieles in Schutt und Asche legte: Bedrückende Bilder!

Im April 1945 ist für Duisburg und auch für Neudorf der Krieg endlich vorbei. Der Blick in die Ludgeristraße geht auf die ausgebrannte Ludgerikirche. Die Stadt erholte sich nur langsam von den schrecklichen Wunden, die der Luftkrieg gerissen hatte.

Im April 1945 ist für Duisburg und auch für Neudorf der Krieg endlich vorbei. Der Blick in die Ludgeristraße geht auf die ausgebrannte Ludgerikirche. Die Stadt erholte sich nur langsam von den schrecklichen Wunden, die der Luftkrieg gerissen hatte.

Neudorf heute
Heute verbindet man mit Neudorf in erster Linie die Universität, die 1972 aus der ehemaligen Pädagogische Hochschule und der Ingenieurschule für Binnenschiffahrt (damals noch mit „ff“) neu gegründet wurde. Seit gut 10 Jahren ist ehemalige „Universität-Gesamthochschule“ Duisburger Standort der Universität Duisburg-Essen. Diese, zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Mikroelektronische Schaltungen und dem Technologiezentrum Neudorf, begründen den Ruf Neudorfs als Technologiestandort, der mit der Ansiedlung eines Technologieparks im Gewerbegebiet Carstanjenpark einen weiteren Meilenstein setzte.

Das Buch „Duisburg-Neudorf“ erscheint in der Reihe „Archivbilder“ im Erfurter Sutton-Verlag. Der 128 Seiten starke Broschur-Band (ISBN 978-3-95400-299-3) kostet 18,95 Euro und ist im örtlichen Buchhandel erhältlich.

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Anmerkungen:
*) Das war übrigens der gleiche Preußenkönig, der 1756 Land vor den Toren Ruhrorts dem Zollbeseher Jan Willem Noot in Erbpacht übereignete, auf dem dieser ein Packhaus für seinen Kolonialwarenhandel baute. Seine Tochter Aletta heiratete einen gewissen Jacob W. Haniel, der Rest ist Geschichte. Dieses Packhaus, um das herum ein Weltkonzern entstanden ist, ist beherbergt heute das Haniel-Museum.

Zur vollständigen Liste der bisherigen Publikationen der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag geht es hier im Menüpunkt „Bücher“.

© 2013 Petra Grünendahl(Text), Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.

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Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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