Bündnis für Toleranz und Zivilcourage ehrt Rheinhauser Projekt „Bahtalo“ – Hoffnung und Freude

Annegret Keller-Steegmann hatte Projekt initiiert, um Jugendliche unterschiedlicher Herkunft zusammen zu bringen

Laudator Guntram Schneider und Annegret Keller-Steegmann. Im Hintergrund die Jugendlichen vom "Bahtalo"-Ensemble. Foto: Petra Grünendahl.

Laudator Guntram Schneider und Annegret Keller-Steegmann. Im Hintergrund die Jugendlichen vom „Bahtalo“-Ensemble.
Foto: Petra Grünendahl.

”Wir begreifen die Zuwanderung als Chance, nicht als Problem”, begrüßte Patrick Marx vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Duisburg, in deren Gemeindezentrum im Innenhafen die Preisverleihung traditionell stattfindet, die Gäste. Bei der Jüdischen Gemeinde waren es in den Neunziger Jahren die Zuwanderer aus Russland, die das jüdische Leben in Deutschland stärkten, aber auch veränderten. Zuwanderung ist auch heute wieder ein Thema: Geehrt wurde in diesem Jahr ein Projekt zur Integration von Zuwanderern aus Südosteuropa.

Laudator Guntram Schneider und Annegret Keller-Steegmann mit dem Preis, der eine ausgestreckte Hand symbolisiert. Foto: Petra Grünendahl.

Laudator Guntram Schneider und Annegret Keller-Steegmann mit dem Preis, der eine ausgestreckte Hand symbolisiert.
Foto: Petra Grünendahl.

Alljährlich – und in diesem Jahr zum 13. Mal – ehrt das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage Menschen oder Gruppen, die Toleranz und Zivilcourage sowie deren Bedeutung für ein friedliches Zusammenleben in besonderer Weise leben. Herausragendes Engagement gezeigt hat hier auch Annegret Keller-Steegmann, Lehrerin an der Lise-Meitner-Gesamtschule (LMG) in Bergheim: Als im März vergangenen Jahres Rechtspopulisten vor den Häusern In den Peschen demonstrieren wollten, lud sie die Kinder aus den Häusern in ihre Schule ein (siehe auch hier …). Den Aufmarsch des rechten Wanderzirkus sollten die Kinder nicht mitkriegen. Zu dem Zeitpunkt hatte erst wenige Kinder einen Platz in der Schule. In der Schule erwartete die Zuwandererkinder gemeinsame Kunst-, Kultur-, Musik-, Sport- und Spielaktionen mit LMG-Schülern: Begegnungen, die Sprachbarrieren überwinden halfen. Die Aufmarschierer zogen wieder ab mit ihren Parolen vom Asylmissbrauch, die die Probleme vor Ort nicht beschreiben und die keine Lösung bieten. Das Kulturprojekt aber blieb, etablierte sich und brachte Jugendliche verschiedener Herkunft zusammen. Der Name des Projekts, „Bahtalo“, bedeutet Hoffnung und Freude. Hoffnung und Freude, die die Menschen im Stadtteil brauchen, egal welcher Herkunft.

„Es gibt viele Projekte in Duisburg, die Integration fördern“, so Armin Schneider, Sprecher des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage. Was Angelika Wagner bei der Übergabe es Preises ergänzte: „Die Auswahl ist nicht immer leicht – und das sage ich gerne. Wir haben viele gute Projekte in unserer Stadt. Das macht mich stolz!“ Benno Lensdorf erklärte im Grußwort für die Stadt: „Das wirklich Große drückt sich im direkten Kontakt zum Menschen aus: Von Menschen, die Zeichen setzen für Toleranz und Zusammenleben in unserer Stadt.“ Laudator Guntram Schneider, NRW-Integrationsminister, meinte: „Probleme durch Zuwanderung sind nicht durch Appelle an niedere Instinkte zu lösen, sondern nur rational“, und rief dazu auf, Demokratiefeindlichkeit und Rassismus zu bekämpfen und als engagierte Stadtgesellschaft die Menschen zu integrieren: „Multikulti lebt in Duisburg!“

Integration ist MITeinander leben, nicht NEBENeinander

Annegret Keller-Steegmann und das „Bahtalo“-Ensemble im Hintergrund. Foto: Petra Grünendahl.

Annegret Keller-Steegmann und das „Bahtalo“-Ensemble im Hintergrund.
Foto: Petra Grünendahl.

„Die Demo der Rechtspopulisten im März 2013 war Anstoß zu diesem Projekt, weil die Kinder nicht vor Ort sein sollten, wenn die Rechten aufmarschieren. Das Projekt etablierte sich als ständige Einrichtung. Wir reden über ein Jahr, in dem wir mit Familien zusammenarbeiten. Integration muss sich auszahlen für alle Menschen, die sich integrieren wollen“, erzählte Annegret Keller-Steegmann. Die Nachhaltigkeit, die sich Elisabeth Pater vom Referat zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) damals gewünscht hatte (https://duisburgamrhein.wordpress.com/2013/03/10/kundgebung-in-duisburg-rheinhausen-gemeinsam-gegen-gewalt-und-fremdenfeindlichkeit/), ist durch die Fortführung des Jugendkulturprojekts als „Bahtalo“-Projekt verwirklicht worden. Im Anschluss an die Preisvergabe begeisterte das „Bahtalo“-Ensemble mit ca. 20 Mitwirkenden aus den Häusern In den Peschen, dem Oberstufenensemble der Lise-Meitner-Gesamtschule, des Jungen Ensembles Ruhr und der Musik- und Kunstschule Duisburg mit Musik und Gesang, der über Sprachgrenzen hinweg ging.

Gemeinsam stark: Geteilte Freude ist vielfache Freude. Die Jugendlichen des „Bahtalo“-Ensembles freuen sich mit Annegret Keller-Steegmann und Angelika Wagner. Foto: Petra Grünendahl.

Gemeinsam stark: Geteilte Freude ist vielfache Freude. Die Jugendlichen des „Bahtalo“-Ensembles freuen sich mit Annegret Keller-Steegmann und Angelika Wagner.
Foto: Petra Grünendahl.

Jüngster Gast im Publikum war übrigens die erst knapp einen Monat alte Sonja aus dem Haus In den Peschen, ein „Christkind“ (Weihnachten geboren), das erste Patenkind der Bahtalo-Projektgruppe. „Das kleine Roma-Mädchen steht für die Zuwanderkinder, die hier in Duisburg aufwachsen und eine Zukunft haben sollen.

Die musikalische Begleitung gestalteten wie in Vorjahren in dem Anlass sehr angemessener Art und Weise die Gelsenkirchener Swingfoniker unter der Leitung von Lutz Peller. Nicht nur tosenden Applaus zollte das Publikum dem gemischten Chor, temperamentvollere Song ließen die Roma-Jugendlichen begeistert im Takt mitklatschen, so dass der Funke erkennbar auch auf das Publikum übersprang: Ein gelebtes Miteinander durch das verbindende Element der Musik!

Applaus für Bartels …
Mehrfach tosenden Applaus und den Dank der Redner bekam Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels für ihre Entscheidung, die angemeldeten Demonstrationen der Rechtspopulisten am 9. November in Duisburg zu verbieten – auch wenn diese Entscheidung schließlich vom Bundesverfassungsgericht gekippt worden war. Verbal abgewatscht wurde hingegen Duisburgs Sozialdezernent, der das Zuwanderungsproblem am liebsten dadurch gelöst sehen möchte, dass die Menschen ja „mobil“ seien und weiterziehen könnten. Ein Trugschluss, denn nach bisheriger Erkenntnis muss man davon ausgehen, dass die meisten von ihnen gekommen sind, um zu bleiben, eine neue Heimat zu finden und sich zu integrieren. Und wenn man die Probleme, die diese Zuwanderung aktuell mit sich bringt, lösen will, muss man miteinander reden, mit den Migranten und ihren Vertretern reden – auch auf höchster städtischer Ebene!

© 2014 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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