Oper am Rhein: Richard Wagners „Lohengrin“ begeisterte im Theater Duisburg

Von der Unmöglichkeit, die Welt zu retten

Thorsten Grümbel (Heinrich der Vogler, Bildmitte), Stefan Heidemann (Friedrich von Telramund, rechts), Chor der Deutschen Oper am Rhein  Foto: Matthias Jung

Thorsten Grümbel (Heinrich der Vogler, Bildmitte), Stefan Heidemann (Friedrich von Telramund, rechts), Chor der Deutschen Oper am Rhein
Foto: Matthias Jung

Friedrich von Telramund (Stefan Heidemann) klagt Elsa von Brabant (Sylvia Hamvasi) an, ihren Bruder getötet zu haben, um den Thron für sich zu beanspruchen. König Heinrich (Thorsten Grümbel) soll Recht sprechen, assistiert von seinem Heerrufer (Dmitri Vargin), und verfügt ein Gottesgericht: Ein Recke soll für Elsa, die den Vorwurf bestreitet, gegen Telramund um Leben und Tod kämpfen. Sieger werde von Gottes Gnaden der, auf dessen Seite das Rechts stünde. Elsa ruft nach dem Recken, den sie schon im Traum gesehen hatte. Ein Unbekannter (Corby Welch) erscheint, der für Elsa in den Kampf ziehen will. Sie verspricht sich ihm als Braut – und er nimmt ihr das Versprechen ab, ihn niemals nach seinem Namen und seiner Herkunft zu fragen. Den Kampf entscheidet der Unbekannte für Elsa, Telramund wird mit Schimpf und Schande davon gejagt. Die überglückliche Elsa heiratet den Recken.

Thorsten Grümbel (Heinrich der Vogler), Corby Welch (Lohengrin), Sylvia Hamvasi (Elsa von Brabant), Dmitri Vargin (Der Heerrufer), Chor der Deutschen Oper am Rhein Foto: Matthias Jung

Thorsten Grümbel (Heinrich der Vogler), Corby Welch (Lohengrin), Sylvia Hamvasi (Elsa von Brabant), Dmitri Vargin (Der Heerrufer), Chor der Deutschen Oper am Rhein
Foto: Matthias Jung

Tosende Begeisterungsstürme entfachte im Theater Duisburg die Premiere von Richard Wagners „Lohengrin“ in der Inszenierung von Sabine Hartmannshenn. Stehende Ovationen verabschiedeten die Akteure nach einem hochklassigen Opernabend von der Bühne. Die Duisburger Lohengrin-Premiere war schon die Zweite an der Deutschen Oper am Rhein war – nach Düsseldorf im Januar: Dank neuer Darsteller hatte sie aber ein ganz eigenes Flair. Corby Welch glänzte hier auch schauspielerisch als Heldentenor in einer Wagner-Oper mit einer Brillanz, als hätte er nie etwas anderes getan. Ihm zur Seite stand eine herausragende Sylvia Hamvasi als unschuldige Elsa, die schließlich doch noch Opfer der Intrigen von Telramund und seiner Frau Ortrud – hier überzeugte Heike Wessels als perfide Strippenzieherin – wird. Am Ende siegt die Intrigantin Ortrud, Telramund wird zwar von Lohengrin erschlagen, aber Elsa verliert ihren Mann, den Gralsritter, dem sie schlussendlich – die Intrigen Ortruds zeigten Wirkung – nicht vertraute. Und Brabant verliert seinen Erlöser. Lohengrin scheitert und er verschwindet. Letztendlich triumphiert nur die Intrigantin Ortrud.

Die Intrigantin triumphiert: Heike Wessels (Ortrud, hinten), Dmitri Vargin (Der Heerrufer, vorne), Chor der Deutschen Oper am Rhein Foto: Matthias Jung

Die Intrigantin triumphiert: Heike Wessels (Ortrud, hinten), Dmitri Vargin (Der Heerrufer, vorne), Chor der Deutschen Oper am Rhein
Foto: Matthias Jung

Richard Wagners geniale Komposition besticht einmal mehr durch ihre Vielfalt. Von der sphärisch anmutenden Ouvertüre über das Wechselspiel von ruhigen und wuchtigen Passagen reichte die Bandbreite, denen die Sänger stimmlich mal weniger, mal mehr entgegenzusetzen hatten. Die Duisburger Philharmoniker setzten diese musikalische Vielfalt unter der Leitung von Axel Kober, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein, einfach nur genial um. Unterstützt wurden sie dabei im dritten Akt von vier Musikern aus der Trompetenklasse der Folkwang Universität Essen, die mit ihren Königstrompeten vom ersten Rang aus mit Trompetern des Orchesters im Wechsel musikalische Akzente setzten. Voluminösen Chorgesang, den Wagner in italienischen Belcanto-Opern so liebte, setzte er hier ein einziges Mal in einem eigenen Werk ein. Der stimmgewaltige Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski sowie weitere Solisten des Opern-Ensembles rundeten einen hochklassigen Operngenuss ab.

Der Retter nimmt Abschied: Sylvia Hamvasi (Elsa von Brabant), Corby Welch (Lohengrin), Chor der Deutschen Oper am Rhein Foto: Matthias Jung

Der Retter nimmt Abschied: Sylvia Hamvasi (Elsa von Brabant), Corby Welch (Lohengrin), Chor der Deutschen Oper am Rhein
Foto: Matthias Jung

Regisseurin Sabine Hartmannshenn hat die Handlung, die Wagner im 10. Jahrhundert ansiedelte, als die deutschen Kleinstaaten unter Sachsenkönig Heinrich erstmals geeint wurden, in die Gegenwart versetzt. In einem palastartigen Bankgebäude verfolgen die Freien und Edlen von Brabant ihre konträren Interessen, die auch König Heinrich nicht in Einklang bringen kann: Hieraus entspringt der Wunsch nach einem Erlöser, der die Welt in Ordnung bringt. Für diese Rolle ist Lohengrin ausersehen, aber als Elsa die verbotene Frage stellt, ist seine Mission gescheitert.

In drei Akten hat Richard Wagner seine Oper angelegt, die er nicht nur komponiert, sondern auch gedichtet hat. Inklusive Pausen streckt sich der Opernabend über viereinhalb Stunden, die der Zuschauer allerdings nicht als so lang empfindet: keine Längen, die Handlung schreitet zügig voran. Das variantereiche Spiel der Akteure lässt das Publikum mitfiebern. Auch wenn die Oper in deutsche Sprache gesungen wird: Sehr hilfreich sind die Übertitel, die dem Zuschauer ermöglichen, der Handlung im Detail zu folgen. Für die Kostüme zeichnet Susana Mendoza verantwortlich. Die Bühnenarchitektur Dieter Richters setzt Volker Weinhart ins rechte, sich immer wieder wandelnde Licht.

Ein kleiner Vorgeschmack (aus der Düsseldorfer Premiere):

Von links: Stefan Heidemann (Friedrich von Telramund), Dmitri Vargin (Der Heerrufer), Corby Welch (Lohengrin), Chor der Deutschen Oper am Rhein Foto: Matthias Jung

Von links: Stefan Heidemann (Friedrich von Telramund), Dmitri Vargin (Der Heerrufer), Corby Welch (Lohengrin), Chor der Deutschen Oper am Rhein
Foto: Matthias Jung

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Do | 29. Mai 2014 | 18:00 Uhr,
So | 1. Juni 2014 | 18:00 Uhr,
Mo | 9. Juni 2014 | 18:00 Uhr und
So | 15. Juni 2014 | 18:00 Uhr.
Erst im April und Mai 2015 steht Lohengrin in Duisburg dann wieder auf dem Programm.

Karten gibt es im Opernshop an der Düsseldorfer Straße 5 – 7 (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 19 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr) oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Abendkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer. Tickets kosten samstags zwischen 18,10 bis 62,80 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2014 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Matthias Jung / Deutsche Oper am Rhein

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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Eine Antwort zu Oper am Rhein: Richard Wagners „Lohengrin“ begeisterte im Theater Duisburg

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