Neues Buch der Zeitzeugenbörse: Zeitsprünge Duisburg-Süd

Von Bauern- und Fischerdörfern zu Industrie und Werkssiedlungen
Von Petra Grünendahl

zzb_zeitspruenge_duisburg-suedBeim Duisburger Süden denkt man eher an eine ländliche Gegend. Wie sehr die Industrie die überwiegend 1929 eingemeindeten Ortsteile beeinflusste, ist nicht so offensichtlich. Die Preußische und später Deutsche Reichsbahn in Wedau, die Hahnschen Werke in Großenbaum und die Mannesmann-Hüttenwerke in Hüttenheim bauten um ihre Werke herum Siedlungen mit Geschosswohnungen oder Einfamilienhäusern für ihre Mitarbeiter, die ganze Stadtteile prägten – und es vielfach heute noch tun. Die ehemaligen Werkssiedlungen sind bis heute begehrte Wohngebiete auch für Zugezogene, auch wenn dort die Interessen des Denkmalschutzes mit denen der Bewohner mitunter nicht unbedingt auf einen Nenner kommen.

Düsseldorfer Landstraße zwischen Sittartdsberg und Huckingen. Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Düsseldorfer Landstraße zwischen Sittartdsberg und Huckingen. Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Das alte Hotel Sittardsberg (hier ein Foto von 1910) wurde im Zuge der Umgestaltung der Kreuzung abgerissen. Das neue Hotel steht gegenüber. Foto: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Das alte Hotel Sittardsberg (hier ein Foto von 1910) wurde im Zuge der Umgestaltung der Kreuzung abgerissen. Das neue Hotel steht gegenüber. Foto: Zeitzeugenbörse Duisburg.

In der Reihe „Zeitsprünge“ hat die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. ihr neuestes Buch veröffentlicht: Duisburg-Süd. Dabei stöberten die Autoren alten Fotos oder Postkarten nach und zeigen auf, was aus den alten Ansichten geworden ist. Liebevoll zusammengestellt und sachkundig kommentiert ist diese Sammlung von Bildern aus Duisburgs flächenmäßig größtem Bezirk. Die Veränderungen sind mitunter sehr massiv. Auf ehemals freiem Feld wurden Straßen angelegt und Siedlungen gebaut für die durch Industrialisierung schnell wachsende Bevölkerung. Die Nord-Süd-Achse und spätere Verbreiterungen der Hauptausfallstraße (B8) und Kreuzungen veränderte Straßenverläufe: Ganze Häuserzeilen fielen den Baumaßnahmen zum Opfer. Das erforderte mitunter viel Detektivarbeit, die Positionen der Fotografen von damals im heutigen Stadtbild wiederzufinden. Die Zeitreise in die Vergangenheit verdeutlicht Entwicklungen – manche positiv, manche nicht. Gerade die Düsseldorfer Landstraße oder die Münchener Straße liefern „gute“ Beispiele für radikalen Verzicht auf das Alte. Mittlerweile geht man behutsamer mit alten Gebäuden um, wo in früheren Jahrzehnten einfach nur abgerissen und überplant wurde, wird heute erhaltenswertes Altes auch saniert und einbezogen in die neue Bebauung.

Früher freies Feld, heute Einkaufswelt bei Edeka am Angerbogen. In Hintergrund erkennt man rechts die Turmspitze vom Steinhof. Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Früher freies Feld, heute Einkaufswelt bei Edeka am Angerbogen. In Hintergrund erkennt man rechts die Turmspitze vom Steinhof. Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Völlig umgekrempelt wurde im Laufe der Entwicklung vom Dorf zum Stadtteil das alte (mittelalterliche) Huckingen. Der alte Steinhof, der erstmals 1454 urkundlich erwähnt worden ist, ist heute noch das sichtbarste Zeichen vom Alter der ehemals selbstständigen Gemeinde. Ländliche Dörfer wie Buchholz, Wedau oder Großenbaum entwickelten sich zu Stadtteilen. Duisburgs jüngster Stadtteil, Ungelsheim, entstand erst vor sechzig Jahren, als Mannesmann anfing, dort Häuser für seine Arbeiter zu bauen. Auch von den alten Fischerdörfern Mündelheim und Ehingen ist mal mehr, mal weniger übrig geblieben.
An anderen Stellen hat sich eher wenig geändert von den ersten Fotos, die von gerade errichteten Siedlungen künden. Das gilt vor allem in den alten Werkssiedlungen oder den Siedlungen von nach dem Krieg, wo heute lediglich die Bäume größer, die Häuser farbig angestrichen sind und die Straßen belebter sind – oder an anderer Stelle auch mal ruhiger als früher. Einige dieser alten Werkssiedlungen stehen heute unter Denkmalschutz. Veränderungen sind da nur noch behutsam möglich: Das Stadtbild dankt!

Blick vom Heimweg in den Birkenweg in Wedau um 1920 und heute. Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Blick vom Heimweg in den Birkenweg in Wedau um 1920 und heute. Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Informativ kommentierte Zeitsprünge
aus dem Duisburger Süden

Das Buch „Zeitsprünge Duisburg-Süd“ ist wie alle Werke der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Erfurter Sutton Verlag erschienen. Auf 126 Seiten findet der Leser 119 Abbildungen, in denen alte Fotos aus verschiedensten Privatsammlungen neuen Aufnahmen gegenüber gestellt sind. Hochinformative Texte ordnen die Bilder ein und beschreiben die Ansichten und ihre Entwicklung bis heute. Die historischen Aufnahmen und Postkarten sind zum Teil über 100 Jahre alt, viele auch aus den Zwanziger oder Fünfziger Jahren.. Sie stammen aus den Sammlungen von Rainer Bongart, Heiner Lambertz, Richard Luthard, Harald Moder und Reinhold Stausberg. Für die aktuellen Fotos gingen neben Harald Molder auch Detlef Schmidt und Reinhold Stausberg auf Motivsuche. Das reich bebilderte Buch mit festem Einband ist in der Reihe „Zeitsprünge“ erschienen und kostet 19,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-95400-410-2).

Die Gaststätte "Zum Deutschen Eck" (auch bekannt nach dem Jahrzehntelangen Wirt Fritz Lösken) an der Ecke Ehinger Straße / Mündelheimer Straße gegenüber von Tor 1. Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Die Gaststätte „Zum Deutschen Eck“ (auch bekannt nach dem Jahrzehntelangen Wirt Fritz Lösken) an der Ecke Ehinger Straße / Mündelheimer Straße gegenüber von Tor 1. Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.
Die Zeitzeugenbörse Duisburg wurde von Harald Molder ins Leben berufen. Unter seinem Vorsitz ist sie 2007 auch ins Vereinsregister der Stadt eingetragen worden. Seither vernetzen sich engagierte Heimatforscher, um Duisburger Stadtgeschichte auch in Ausstellungen, Vorträgen und Büchern erlebbar zu machen.

Zur vollständigen Liste der bisherigen Publikationen der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag geht es hier im Menüpunkt „Bücher“.

Düsseldorfer Landstraße in Buhcholz um 1920 und heute. Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Düsseldorfer Landstraße in Buhcholz um 1920 und heute. Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg.

© 2014 Petra Grünendahl
Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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