Noch viel Arbeit in den Produktionswerkstätten der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg-Wanheimerort

Wo der Mattiswald und die Räuberburg für „Ronja Räubertochter“ Form und Farbe bekommen
Von Petra Grünendahl

Tatjana Ivschina, Kostüm- und Bühnenbildnerin für "Ronja Räubertochter", und Produktionsleiter Jan Hugenroth. Foto: Petra Grünendahl.

Tatjana Ivschina, Kostüm- und Bühnenbildnerin für „Ronja Räubertochter“, und Produktionsleiter Jan Hugenroth. Foto: Petra Grünendahl.

„Je nachdem, ob man mit dem Buch oder dem Film groß geworden ist, hat man unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Burg oder der Wald auszusehen haben“, erklärte Tatjana Ivschina, die als Kostüm- und Bühnenbildnerin für die Oper „Ronja Räubertochter“ verantwortlich ist. Schon vor gut einem Jahr habe sie sich erste Gedanken gemacht, wie das Stück nach Astrid Lindgren auf der Bühne ausstaffiert sein könnte. Dabei gelte es nicht nur, einen bestimmten Kostenrahmen einzuhalten, erzählte Produktionsleiter Jan Hugenroth, sondern auch so zu konstruieren, dass der Bühnenaufbau nicht nur im Theater Duisburg und im Opernhaus Düsseldorf auf die Bühne passe. Schließlich zieht die Inszenierung weiter zu den Theatern in Dortmund und Bonn.

Bildvorlagen bieten Anhaltspunkte für eine möglichst realistische Anmutung der Bühnenbilder. Foto: Petra Grünendahl.

Bildvorlagen bieten Anhaltspunkte für eine möglichst realistische Anmutung der Bühnenbilder. Foto: Petra Grünendahl.

Im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ hat die Deutsche Oper am Rhein die Kinderoper „Ronja Räubertochter“ als Auftragskomposition schreiben lassen: Komponiert hat Jörn Arnecke zu Texten von Holger Potocki (Libretto). Regisseur ist Johannes Schmid, der auch schon „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ inszeniert hatte. Er bringt nun die Geschichte von Astrid Lindgren auf die Opernbühne. Konzipiert ist die Oper für ein junges Publikum ab 8 Jahren. Inklusive Pause dauert die Aufführung zwei Stunden.
Der Mattiswald braucht noch etwas Farbe. Foto: Petra Grünendahl.

Der Mattiswald braucht noch etwas Farbe. Foto: Petra Grünendahl.

Die Kostüme, aber auch der Bühnenaufbau werden in den Produktionswerkstätten der Deutschen Oper am Rhein entworfen, geschneidert und gebaut. Auf dem Gelände. an der Neuenhofstraße in Duisburg-Wanheimerort arbeiten 40 Mitarbeiter: Zur Zeit sind es wegen Proben und Logistik insgesamt 80 Mitarbeiter. In den Hallen sind Tischlerei, Schlosserei, der Malersaal mit den Kascheuren*, Dekoration und Montagehalle sowie die Produktionsleitung und zwei Probebühnen untergebracht. Auf dem Areal lagern um den großen Hallenkomplex herum Bühnenbilder für Opern- oder Ballettaufführungen in Containern.

Kostüm- und Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina mit dem kleinen Modell vor der großen Bärenhöhle. Fotos: Petra Grünendahl.

Kostüm- und Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina mit dem kleinen Modell vor der großen Bärenhöhle. Fotos: Petra Grünendahl.

Zunächst werden kleine Modell für die Bühnenaufbauten erstellt: Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina zeigt die Miniaturausgabe von Räuberburg und Mattiswald. Foto: Petra Grünendahl.

Zunächst werden kleine Modell für die Bühnenaufbauten erstellt: Bühnenbildnerin Tatjana Ivschina zeigt die Miniaturausgabe von Räuberburg und Mattiswald. Foto: Petra Grünendahl.

Regisseur betritt Neuland
„Die Uraufführung zu inszenieren ist eine aufregende Reise. Es gibt keine Aufführungsgeschichte, die man kennen müsste, aber man springt ins kalte Wasser“, erklärte Regisseur Johannes Schmid. Oder man setzt Maßstäbe für künftige Inszenierungen, wo man selber noch frei entwickeln und entwerfen konnte. Einzelne fertige Elemente wie ein drehbares Bühnenelement mit der Bärenhöhle sind hier bereits aufgebaut, so dass in den Produktionsstätten auch schon geprobt werden kann.
Am 9. Februar findet die technische Einrichtung der Bühne im Theater Duisburg statt. Bis dahin müssen die Bühnenaufbauten komplett fertig geschreinert, geklebt und mit passenden Oberflächen kaschiert* sein, um dem Betrachter als Burg, Wald oder Fels zu erscheinen. Witzige kleine Details wie zum Beispiel die Augen eines Tieres in einem Astloch verraten, mit wie viel Hingabe und Engagement hier das Bühnenbild gestaltet wird. Der märchenhafte Stoff schreit geradezu nach einer realistischen Umgebung, die an manchen Stellen etwas überzeichnet wirkt.

 
 

Abnehmbares Grün für die Bäume ermöglicht einen realitätsnahen Wandel der Jahreszeiten. Foto: Petra Grünendahl.

Abnehmbares Grün für die Bäume ermöglicht einen realitätsnahen Wandel der Jahreszeiten. Foto: Petra Grünendahl.

Kreativität und Handwerk
„Manchmal haben wir hier drei bis vier Bühnenbilder parallel in der Herstellung“, erzählte Produktionsleiter Hugenroth. Erste Designentwürfe, eine „Bauprobe“, die auch anhand der Bühnenpläne technischen Grenzen des Machbaren aufzeigt, sowie die Absteckung des finanziellen Rahmens, was das Ganze kosten darf, sind nur die ersten Schritte. Die technischen Zeichnungen für den Bau entstehen dann am Computer (mit Hilfe von CAD-Programmen). Realisiert wird das Bühnenbild ebenso wie Dekorationen oder die Kostüme der Darsteller dann komplett in Handarbeit.

Am 26. Februar 2015 feiert die Oper „Ronja Räubertochter“ ihre Uraufführung im Theater Duisburg. Noch in dieser Spielzeit ist sie an der Deutschen Oper am Rhein auch in Düsseldorf zu sehen. Im Rahmen der Jungen Oper Rhein-Ruhr wandert die Aufführung danach auch nach Bonn und Dortmund.

Die Termine in Duisburg:
Do | 26. Februar 2015 | 11:00 Uhr (Uraufführung),
Sa | 28. Februar 2015 | 18:00 Uhr,
So | 1. März 2015 | 11:00 Uhr,
Di | 3. März 2015 | 11:00 Uhr,
Mi | 4. März 2015 | 11:00 Uhr,
Do | 5. März 2015 | 11:00 Uhr und
Di | 12. Mai 2015 | 11:00 Uhr.
Im März, April und Juni gibt es Aufführungen im Opernhaus Düsseldorf. Tickets kosten einheitlich 18,00 Euro.

Karten gibt es im Opernshop an der Düsseldorfer Straße 5 – 7 (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 19 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr) oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Theaterkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt.

*) „Kaschieren“ nennt man das Verbinden von Lagen gleichartiger oder verschiedener Materialien mit Hilfe von beispielsweise Lack, Leim oder Wachs. Hier bezeichnet es vor allem das Aufbringen von Oberflächenmaterialien auf einen Trägerkörper (Fertigungstechnik).

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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3 Antworten zu Noch viel Arbeit in den Produktionswerkstätten der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg-Wanheimerort

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