36. Duisburger Akzente: Ausstellung von Wiebke Siem im Lehmbruck Museum

Wenn Ordnungsliebe zur Bedrohung wird
Von Petra Grünendahl

Eine Figur aus "Hot Skillet Mama" in der Glashalle. Im Hintergrund: Wiebke Siem (links) in der Pressseführung. Foto: Petra Grünendahl.

Eine Figur aus „Hot Skillet Mama“ in der Glashalle. Im Hintergrund: Wiebke Siem (links) in der Pressseführung. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem (*1954) hat ihre Installation „Hot Skillet Mama“ mit Hängefiguren, die wie Marionetten wirken, neu arrangiert und extra für die Duisburger Präsentation um neue Standfiguren ergänzt. Diese Installation (2012/2015) erregt schon seit fast zwei Wochen im Rahmen von „Sculpture 21st“ in der Glashalle zum Kantpark die Neugier von Passanten und Museumsbesuchern: „Ihre Bildsprache erobert Herzen und weckt die Fantasie“, hat Kurator Dr. Michael Krajewski schon beobachten können. Am Samstag, 7. März, wird eine umfassende Einzelausstellung mit weiteren ihrer Werke im Anbau des Lehmbruck Museums eröffnet, zu denen neben Plastiken und Rauminstallationen auch ihre Zeichnungen gehören.

 

Wiebke Siem inmitten ihrer Hände: Werk "ohne Titel" von 2007. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem inmitten ihrer Hände: Werk „ohne Titel“ von 2007. Foto: Petra Grünendahl.

Die Bildhauerin Wiebke Siem ist 2014 mit dem renommierten Kaiserring, dem internationalen Kunstpreis der Stadt Goslar, ausgezeichnet worden. Ihre Skulpturen und Installationen spielen mit den Themen Zuhause, Geborgenheit und Erinnerung. Sie präsentiert ihre Werke aus drei Jahrzehnten im Rahmen der 36. Duisburger Akzente, die unter dem Leitmotiv „Heimat“ stehen, im Lehmbruck Museum. Neben Skulpturen und Installationen sind erstmals auch ihre Zeichnungen zu sehen, die zum Teil Inspirationen für Plastiken wurden. Ihre Installationen erzählen kleine Episoden von der Störung des Geborgenseins, von in die Idylle einbrechenden Monstern, die man im realen Leben nicht sieht. Siem macht sie sichtbar, wo sie sonst unter schönem Schein und strenger Ordnung im Alltag verschwinden. Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 7. März, um 16 Uhr.

Eine bedrohliche Art von Ordnungsliebe

Das Monster im Kleiderschrank: Installation "Sonntag" von 2006. Foto: Petra Grünendahl.

Das Monster im Kleiderschrank: Installation „Sonntag“ von 2006. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem arbeitet mit Möbeln aus den Zwanziger, Dreißiger und Vierziger Jahren. Gelsenkirchener Barock als Symbol für die Spießigkeit einer Zeit, die die Zeit ihrer Eltern war. Sie stehen aber auch für eine Zeit des Grauens, das Wiebke Siems Mutter im Zweiten Weltkrieg in Polen erlebt hatte. Die Möbel verbinden sich für Siem nicht mit eigenen Kindheitserinnerungen: Dänisches Teakholz wäre die elterliche Einrichtung gewesen, an die sie sich erinnern könne, verrät die Künstlerin. Ihre Installationen leben von Details und einer perfekten Umsetzung des Bildes, welches sie von ihrem Kunstwerk hat. Die Schränke sind sauber, fast schon steril. Die Bettwäsche ist glatt gebügelt und frisch aufgezogen. Schöne heile Welt, wenn nicht das Monster im Kleiderschrank wäre – und der umgestoßene Stuhl, der das „schöne Bild“ stört.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Das Monster im Kleiderschrank: Installation "Sonntag" von 2006. Foto: Petra Grünendahl.

Das Monster im Kleiderschrank: Installation „Sonntag“ von 2006. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem mit ihrem überdimensionierten Teppichklopfer: Werk "ohne Titel" von 2014. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem mit ihrem überdimensionierten Teppichklopfer: Werk „ohne Titel“ von 2014. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem als Teil ihrer Installation "Niema tego zeglo coby na dobry nie wyzlo (pol. In allem Schlechten steckt ein guter Kern) von 2007. Foto: Petra Grünendahl.

Wiebke Siem als Teil ihrer Installation „Niema tego zeglo coby na dobry nie wyzlo (pol. In allem Schlechten steckt ein guter Kern) von 2007. Foto: Petra Grünendahl.

Die Ausstellung mit Werken von Wiebke Siem läuft bis zum 19. April 2015. Das Lehmbruck Museum bietet mehrere unterschiedliche Führungen durch die Wiebke-Siem-Ausstellung an: Am Sonntag, 15. März, gibt es eine Familienführung um 11.30 Uhr. Am Sonntag, 22. März, steht um 15 Uhr eine Öffentliche Führung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an. Und am Sonntag, 29. März wird es um 11.30 Uhr eine Öffentliche Führung geben. Diese Rührungen kosten 2 Euro zusätzlich zum Eintritt. Am Donnerstag, 12. Marz, widmet sich die plastikBAR am 19 Uhr mit einer Kuratorenführung der Werkschau Wiebke Siems. Hier kostet der Eintritt 8 Euro (inkl. Begrüßungsgetränk), ermäßigt 5 Euro.
Mittwochs bis samstags ist das Lehmbruck Museum ab 12 Uhr geöffnet, sonntags ab 11 Uhr. Die Öffnungszeiten gehen bis 18 Uhr, donnerstags wegen der plastikBAR bis 21 Uhr. An Feiertagen gelten ggf. besondere Öffnungszeiten. Regulär kostet der Eintritt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre in Begleitung von Angehörigen sowie Schulklassen und Kindergärten pro Person 2 Euro (gilt nur für Selbstführergruppen), eine Familienkarte gibt es für 15 Euro.

Weitere Informationen gibt es unter tickets@lehmbruckmuseum.de, Telefon 0203 / 283-2195 oder www.lehmbruckmuseum.de.
(*) Ermäßigung erhalten gebuchte Gruppen, Selbstführer ab 20 Personen, Menschen mit Behinderung (ab 70%), Schüler & Studenten, Wehr- & Zivildienstleistende sowie Menschen mit Sozialhilfebezug.
 

© 2015 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Advertisements

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
Dieser Beitrag wurde unter Duisburg, Freizeit, Gesellschaft, Kultur, Kunst, Leute, Menschen, Museum abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s