Altstadt-Quartier: Stadtplanungsdezernat und GFW Duisburg stecken Handlungsrahmen ab

Duisburgs Sorgenkind; Chancen zur Wiederbelebung der Altstadt. Foto: Petra Grünenedahl.

Duisburgs Sorgenkind; Chancen zur Wiederbelebung der Altstadt. Foto: Petra Grünenedahl.

„Rund vier Monate nach ‚Amtsantritt‘ der Altstadtmanager möchten wir als Stadtplanungsdezernat gemeinsam mit der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg Einblick geben in bereits angestoßene Aktivitäten im Quartier, den Status quo und künftige Pläne“, skizziert Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum und steckt sogleich den Handlungsrahmen der Quartiersmanager Yvonne Bleidorn und Francesco Mannarino ab. Deren Aufgaben leiten sich aus dem integrierten Handlungskonzept der Stadt, kurz IHI, ab. „Das Altstadtmanagement wurde eingerichtet, um die Themenstellungen im Quartier intensiver zu bearbeiten, als das im Regelbetrieb von Verwaltung und GFW Duisburg geleistet werden kann“, betont Tum. Der Stadtentwicklungsdezernent fährt fort: „Unsere Partner im Städtebauministerium und bei der Bezirksregierung in Düsseldorf haben das Konzept zur Einrichtung eines Quartiersmanagements in unserer Altstadt sofort unterstützt. Strategische Ziele sind insbesondere, die Situation im Bereich der Beekstraße sowie der unteren Münzstraße mit ihrem Übergang zum Innenhafen zu stabilisieren. Daneben steht die Bündelung und Kanalisierung der endogenen Potenziale im Quartier für gemeinsame und zielgerichtete Aktionen und Kampagnen.“

Und Ralf Meurer, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Duisburg mbH (GFW Duisburg) stellt klar: „Um ihre Ziele zu erreichen, müssen die Quartiersmanager Unterstützer, engagierte Händler und investitionsbereite Immobilieneigentümer vor Ort gewinnen. Deren Einbindung wird maßgeblich für den Erfolg ihrer Ideen und Konzepte sein. Die Quartiersmanager können moderieren und aktivieren. Eine nachhaltige Gestaltung wird aber nur möglich sein, wenn Immobilieneigentümer und Nutzer ‚mitspielen‘. Schließlich verfügen die Quartiersmanager über keine eigenen Investitionsmittel zur Realisierung.“ Weil das so ist, wird ein Verfügungsfonds angestrebt, der den Protagonisten die Möglichkeit gibt, damit auch Maßnahmen und Aktivitäten zu unterstützen, die von den Akteuren aus dem Quartier kommen.

Ergänzend zeigt der GFW-Chef den konkreten Handlungsrahmen seiner beiden Mitarbeiter Bleidorn und Mannarino auf: „Die Quartiersmanager sind angetreten, um das Quartier zu beleben, die Immobilien-Inwertsetzung voranzutreiben und die Anliegen der Immobilieneigentümer mit denen der jetzigen oder potenziellen Nutzer – Unternehmer und Anwohner – in Einklang zu bringen.“ Der Handlungsrahmen, in dem sich die Quartiersmanager ‚bewegen‘, geht von Stadtteilfesten und der ‚Bespielung‘ des öffentlichen Raumes über die Entwicklung von Nutzungsvorstellungen für Komplettimmobilien bis hin zu Beteiligungsverfahren für Bürger und Anwohner. Der Ideenworkshop Ende Juli 2015 sowie geplante Fachveranstaltungen für Eigentümer und Nutzer gleichermaßen sind Beispiele dafür.

Stadtentwicklungsdezernat und GFW Duisburg zeigen sich einig, dass über alle Ideen und Vorhaben immer noch die Schablone der Machbarkeit gelegt werden muss. „Fest steht, dass die Quartiersmanager auch auf strukturelle und ökonomische Hürden stoßen werden, die ihnen Grenzen setzen. Die Aufgabe, die beide mit jeweils einer halben Stelle operativ ausfüllen, ist alles andere als einfach“, bekennt Meurer.

Dass Erwartungshaltung und Handlungsdruck der Protagonisten aus dem Viertel riesengroß sind, erfahren die Quartiersmanager tagtäglich. „Gleichzeitig sind mein Kollege Mannarino und ich auf eine ausgeprägte Mitwirkungsbereitschaft engagierter Bürger gestoßen. Gute Ideen kamen sowohl von Altstädtern als auch Akteuren anderer Stadtteile, die uns unterstützen wollen“, berichtet Bleidorn. So konnten und mussten die beiden Quartiersmanager auch gleich mit ersten Aktionen beginnen. Seit Mai 2015 haben sie sich bei 25 Immobilieneigentümern und -verwaltern, rund 50 Unternehmern und zehn sonstigen Multiplikatoren, beispielsweise vom Stadtfenster, der evangelischen Kirche, der Diakonie, der dortigen Grundschule sowie von Immersatt e.V. vorgestellt. „Insbesondere Einzelhändler, Gastronomen und einzelne Dienstleister bringen sich bereits ein, um in gemeinsamen Aktionen mit uns das Viertel aufzuwerten und den Leerstand zu bespielen“, resümiert Bleidorn. Die Quartiersmanager bündeln die Interessen der unterschiedlichen Zielgruppen, mit der Absicht, mehr Publikum und damit mehr Kaufkraft ins Viertel zu holen.

„Die Quartiersmanager werden darauf abzielend Events organisieren“, stellt Meurer in Aussicht. Der Wirtschaftsförderer weist in diesem Kontext auch noch einmal auf die wesentliche Bedeutung des Knüllermarktes für das Viertel hin: „Petra Manoah, Geschäftsführerin des Knüllermarktes und Eigentümerin der Immobilie, ist das beste Aushängeschild für das Viertel, wenn es um unternehmerische Aktivitäten im öffentlichen Raum geht. Sie hat den Münzplatz beispielhaft bespielt und ist damit Vorreiterin und Wegweiserin.“

Multiplikatoren sind unerlässlich für ein erfolgreiches Quartiersmanagement – ob beim Ideenworkshop oder dem Vorbereitungs-Treffen mit Einzelhändlern für das Projekt „Heimat shoppen“. „Beide Veranstaltungen zeigten bereits die Stärken und Schwächen des Quartiers sowie potenzielle Nutzergruppen auf“, fasst Bleidorn zusammen. „Mit circa 60 Teilnehmern und etwa 100 Wortbeiträgen können wir von einem großen Erfolg sprechen. Nun gilt es, die Machbarkeit der Ideen zu prüfen und in dem nächsten Workshop Prioritäten zu setzen sowie Mitstreiter zu finden. Für die Vorbereitung auf das Wochenende des „Heimat shoppens“ haben sich die Akteure regelmäßig getroffen und wir können stolz mit mehr als 15 Aktionen werben. Kurzfristig gilt es, bestehende Netzwerke zu erweitern, neue themenbezogene Netzwerke zu gründen und insgesamt zu verstetigen. Mittelfristig konzentrieren wir uns auf die Vermittlung der Leerstände sowohl als Zwischennutzungsoption als auch für langfristige Nutzungen und die Bespielung des öffentlichen Raums zum Zwecke der Frequenzerhöhung und Imagebildung. Langfristig wollen wir die Inwertsetzung des gesamten Gebietes Altstadt und den Abbau von Sanierungsstau angehen – insbesondere bei den Großimmobilien. Die Prioritätenliste wird aktuell angeführt von der konzeptionellen Entwicklung, der Weiterführung des Ideenworkshops und der Weiterarbeit mit interessierten Akteuren der Altstadt“, berichtet Mannarino.

Am 22. August 2015 waren Bleidorn und Mannarino mit einem Informationsstand des Quartiersbüros vertreten, als die Volkshochschule der Stadt Duisburg die Neueröffnung des Gebäudes an der Steinschen Gasse feierte. „Gelegenheiten wie diese sind für uns eine Chance, neue und für das Viertel interessante Zielgruppen zu erschließen. So können wir mit zahlreichen Multiplikatoren ins Gespräch kommen und zuhören, was sich warum ändern soll. Das ermöglicht uns, gemeinsam auszuloten, wie wir uns künftig einbringen können“, so Mannarino, der damit den Blick auf die perspektivischen ‚To do`s‘ der Quartiersmanager lenkt: „Unsere Hausaufgabenliste ist lang. Sie beginnt ganz profan bei der Gestaltung eines ansprechenden Flyers für unsere Zielgruppe, geht über den Ausbau und die Pflege unseres Facebook-Auftritts fürs Viertel bis zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe für ein Kulturzentrum. Letzteres ist übrigens einer vieler Vorschläge aus dem Ideenworkshop, der weiterverfolgt und konkretisiert werden soll.“ Auch wie es mit potenziellen Pop Up-Stores und dem angedachten Projekt „Grün in grauen Zonen“ weitergeht, muss sich zeigen. „Es gibt rechtliche Hürden und Abstimmungen mit den Füßen“, weiß der Quartiersmanager. Eines steht für Mannarino fest: „Wir müssen für das Quartier bei potenziellen Geldgebern werben. Wichtig sind realisierbare und zugleich innovative Einzelhandels- und Gastrokonzepte, die einladend und anziehend wirken – zum Beispiel auf Gründer und Kreative. Eine attraktive W-LAN-Versorgung für die Altstadt kann dazu ebenso beitragen wie die Ausarbeitung touristischer Ansatzpunkte. Leerstehende ehemalige Möbel- und Kaufhäuser bedürfen der Um- oder Neunutzung. Hieran zeigt sich, dass wir noch viel trommeln und dicke Bretter bohren müssen.“

Zumindest an einigen Stellen ist der Investitionsstau bereits beendet worden. „Der Aufbruch hat solitär schon ein Gesicht bekommen. Private Investments Einzelner sind sichtbare Zeichen positiver Veränderung, vielleicht auch Reaktionen auf bereits Angestoßenes und die Folge der Anziehungskraft, die vom Knüllermarkt und dem Neubau des Stadtfensters ausgeht“, schlussfolgert Stadtentwicklungsdezernent Tum. Als zwei positive Signale sind die aktuellen Investitionen von Immobilieneigentümern im Bereich der Universitätsstraße sowie im Bereich der ehemaligen Druckerei und der Kasinostraße zu nennen. Umso wichtiger sei es gerade jetzt, dass die Quartiersmanager ihre Grundlagenarbeit vorantreiben, damit in der Altstadt immer mehr Leben Einzug halten kann.

– Presseinformation der GFW Duisburg –

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