Deutsche Oper am Rhein: Premiere von Puccinis „Turandot“ im Theater Duisburg begeistert gefeiert

Die Macht der Liebe siegt
über die eiskalte Prinzessin

Von Petra Grünendahl

Bruce Rankin (Altoum), Zoran Todorovich (Kalaf), Chor Foto: Hans Jörg Michel.

Bruce Rankin (Altoum), Zoran Todorovich (Kalaf), Chor Foto: Hans Jörg Michel.

Drei Rätsel muss ein Mann lösen, um die unnahbare Prinzessin Turandot (Linda Watson) zur Braut zu gewinnen. Wer versagt, verliert seinen Kopf. Gut beschäftigt ist ihr Henker, denn Turandots Schönheit zieht Freier an wie Licht die Fliegen. Auch Kalaf (Zoran Todorovich), Sohn des Tartarenkönigs Timur (Sami Luttinen), verfällt ihr und will sie für sich gewinnen. Kalaf löst die Rätsel, will aber Turandots Liebe wecken statt die Unnahbare zu besiegen. Die Liebe der Sklavin Liù (Brigitta Kele), die für Kalaf in den Tod geht, leitet die Wendung der kaltherzigen Prinzessin ein, die nach einen innigen Kuss Kalafs die Wärme der Liebe entdeckt.

Zoran Todorovich (Kalaf), Linda Watson (Turandot), Statisterie. Foto: Hans Jörg Michel.

Zoran Todorovich (Kalaf), Linda Watson (Turandot), Statisterie. Foto: Hans Jörg Michel.

Bogdan Baciu (Ping), Linda Watson (Turandot), Florian Simson (Pang), Cornel Frey (Pong). Foto: Hans Jörg Michel.

Bogdan Baciu (Ping), Linda Watson (Turandot), Florian Simson (Pang), Cornel Frey (Pong). Foto: Hans Jörg
Michel.

Minutenlanger tosender Applaus belohnte im ausverkauften Theater Duisburg die Akteure der Deutschen Oper am Rhein zur Premiere von „Turandot“ in der Inszenierung des Chinesen Huan-Hsiung Li. Die Oper „Turandot“ war Giacomo Puccinis (1858-1924) letztes Werk und krönender Abschluss seines Schaffens. Grundlage für sein Werk ist ein chinesischer Stoff, der allerdings zum Beispiel auch in Klassikern wie 1001 Nacht oder Grimms Märchen neu interpretiert worden war: Die unnahbare Herrscherin, die schlussendlich von der Liebe besiegt wird. Ein Stoff wie geschaffen auch für eine Oper, wie sie Puccini mit seinen Librettisten Giuseppe Adami und Renato Simoni realisierte. Bis zu seinem Tod rang Puccini mit einem glaubhaften Wandel seiner Protagonistin von der eiskalten Prinzessin zur liebenden Braut. Die Uraufführung am 25. April 1926 in der Mailänder Scala bricht mit der Sterbeszene von Liù im dritten Akt ab (weiter hatte Puccini das Werk bei seinem Tod noch nicht durchkomponiert), ab der zweiten Vorstellung am 27. April ist „Turandot“ von Franco Alfano nach Puccinis Aufzeichnungen bis zum Finale des dritten Aktes ergänzt. Die zweieinhalbstündige Oper (inkl. Pause) wird in italienischer Sprache gesungen, deutsche Übertitel erleichtern das Verständnis der Handlung.

Stolz der unberührten Reinheit

Yi-An Chen (Tänzerin), Sami Luttinen (Timur), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Yi-An Chen (Tänzerin), Sami Luttinen (Timur), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Linda Watson (Turandot), Brigitta Kele (Liù ), Bogdan Baciu (Ping), Florian Simson (Pang), Cornel Frey (Pong), Statisterie. Foto: Hans Jörg Michel.

Linda Watson (Turandot), Brigitta Kele (Liù ), Bogdan Baciu (Ping), Florian Simson (Pang), Cornel Frey (Pong),
Statisterie. Foto: Hans Jörg Michel.

Brigitta Kele (Liù ), Zoran Todorovich (Kalaf). Foto: Hans Jörg Michel.

Brigitta Kele (Liù ), Zoran Todorovich (Kalaf). Foto: Hans Jörg Michel.

Eingebettet hat Regisseur Huan-Hsiung Li die Geschichte der Turandot aus dem 14. Jahrhundert, der Zeit Marco Polos und der mongolischen Herrschaft in China, in den Traum einer jungen Frau (Tänzerin Yi-An Chen) im heutigen Hongkong, das ähnlich wie Taiwan ein eher zwiespältiges Verhältnis zur Großmacht China pflegt, das seine Macht mitunter ebenso unmenschlich ausspielt wie die Protagonistin der Oper. Videosequenzen im Bühnenbild stellen immer wieder diese Verbindung von Handlung (Vergangenheit) und Gegenwart dar.
Die kalte Herrscherin Turandot will mit ihrer Rätselprobe ihre Ahnin Lou-Ling rächen, die einst von einem Fremden missbraucht und umgebracht worden war. Niemandem soll es gelingen, sie, Turandot, zu bezwingen, ihren „Stolz der unberührten Reinheit“ besingend, die sie hochhält und der sie alles opfert. Letztendlich gewinnt Kalaf die Prinzessin, ohne sie besiegt zu haben. Erst dann verrät er seinen Namen, den Turandot zuvor mit Gewalt und Folter herauszubekommen versucht hat, und führt sie als seine Braut heim.

 

Deutsche Oper am Rhein in China

Brigitta Kele (Liù ), Chor Foto: Hans Jörg Michel.

Brigitta Kele (Liù ), Chor Foto: Hans Jörg Michel.

Vorne: Zoran Todorovich (Kalaf). im Hintergrund: Florian Simson (Pang), Bogdan Baciu (Ping), Cornel Frey (Pong). Foto: Hans Jörg Michel.

Vorne: Zoran Todorovich (Kalaf). im Hintergrund: Florian Simson (Pang), Bogdan Baciu (Ping), Cornel Frey (Pong). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Duisburger Philharmoniker glänzten unter der musikalischen
Leitung von Axel Kober, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein. „Turandot“ entstand als Koproduktion mit dem National Kaohsiung Center for the Arts (Weiwuying), das in der Hafenmetropole Kaohsiung im Süden Taiwans als hochmodernes Kulturzentrum für mehr als 6.000 Opern-, Theater- und Konzertbesucher entsteht und 2017 mit der „Turandot“-Produktion der Deutschen Oper am Rhein eröffnet wird. Für die „chinesische“ Inszenierung der italienischen Oper zeichnet Regisseur Huan-Hsiung Li mit seinem Team verantwortlich: das Bühnenbild entwarf Jo-Shan Liang, die Kostüme Hsuan-Wu Lai und das Video/Media-Design Jun-Jieh Wang. Das Licht-Design lag in den bewährten Händen von Volker Weinhart. Puccinis großartige Chorszenen meisterten bravourös Chor und Extrachor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski und der Kinderchor am Rhein unter der Leitung von Sabina López Miguez.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Mi | 9. Dezember 2015 | 19:30 Uhr,
Sa | 12. Dezember 2015 | 19:30 Uhr,
Do | 17. Dezember 2015 | 19:30 Uhr,
So | 20. Dezember 2015 | 18:30 Uhr und
Sa | 26. Dezember 2015 | 18:30 Uhr.

Karten gibt es im Opernshop, der sich zur Zeit im Theater Duisburg in der Kassenhalle befindet (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr), oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Theaterkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 20,30 und 70,30 Euro. Für die fünf Restvorstellungen gab es (Stand zur Premiere) allerdings nur noch 300 Restkarten. Einzelne Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2015 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

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Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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