Oper am Rhein: Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ begeisterte im Theater Duisburg

Großmut siegt über den Hass und die Rache
Von Petra Grünendahl

Thorsten Gümbel (Osmin), Jussi Myllys (Belmonte). Foto: Hans Jörg Michel.

Thorsten Gümbel (Osmin), Jussi Myllys (Belmonte). Foto: Hans Jörg Michel.

Belmonte (Corby Welch) sucht verzweifelt nach seiner Verlobten Konstanze (Heidi Elisabeth Meier). Ihr Schiff wurde von Piraten gekapert und sie auf dem Sklavenmarkt verkauft. Konstanze, ihre englische Zofe Blondchen (Sibylla Duffe) und Pedrillo (Johannes Preißinger), der Diener Belmontes und Geliebter Blondchens, sind nun Eigentum des türkischen Herrschers Bassa Selim (Peter Nikolaus Kante). Während Bassa Selim Konstanze für sich gewinnen will, ist sein Diener Osmin (Thorsten Grümbel) hinter der resoluten Engländerin her. Beide Frauen wehren jedoch die sie umgarnenden Männer ab und beschwören ihre Treue zu ihren Geliebten. Pedrillos Plan, nach dem Belmonte die Gefährten befreien will, scheitert. Selim nimmt sie gefangen. Nachdem dieser erfahren hat, dass Belmonte der Sohn seines ärgsten Feindes ist, lässt er die vier gehen und verzichtet auf Konstanze. Er will nicht den Hass von Belmontes Vater mit Rache vergelten, sondern mit Großmut ein Zeichen setzen.

Adela Zaharia (Konstanze), Sibylla Duffe (Blonde). Foto: Hans Jörg Michel.

Adela Zaharia (Konstanze), Sibylla Duffe (Blonde). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Deutsche Oper am Rhein begeisterte das Publikum mit der Wiederaufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 – 1791) Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ im nahezu voll besetzten Theater Duisburg. Mozart hatte das Werk „Belmonte und Konstanze“ von Christoph Friedrich Bretzner gegen dessen erklärten Willen (heute würde man sagen: urheberrechtswidrig) zusammen mit Johann Gottlieb Stephanie d. J. bearbeitet: Mozart hatte es inhaltlich an eigene Vorstellungen angepasst und als Auftragswerk des österreichischen Hofes im Wiener Burgtheater 1782 zur Uraufführung gebracht. Das erste Werk seiner „Wiener Schaffensphase“ war auch als Werk bürgerlicher Aufklärung Auftakt zur Freiheitsthematik, die sein ganzes weiteres Werk durchzieht. Musikalisch schöpfte Mozart hier aus dem Vollen: Eine Komposition für großes Orchester mit Elementen dessen, was damals man in Mitteleuropa für türkische/orientalische Klänge hielt: Janitscharenmusik.

Johannes Preißinger (Pedrillo), Sibylla Duffe (Blonde). Foto: Hans Jörg Michel.

Johannes Preißinger (Pedrillo), Sibylla Duffe (Blonde). Foto: Hans Jörg Michel.

Als Singspiel enthält „Die Entführung aus dem Serail“ neben Gesangspartien auch Dialoge und Monologe, die das Verständnis der Handlung erleichtern. Insbesondere die Sprecheinlagen geben dem auf Unterhaltung angelegten Stück eine heitere Note. Der Dreiakter dauert gute drei Stunden (inklusive Pause), in denen sich das Publikum allen Stimmungen auf der Klaviatur der Emotionen ausgesetzt sieht. Gesungen wird in deutscher Sprache, allerdings wären Übertitel durchaus für das Verständnis der Liedtexte durchaus hilfreich.

Virtuose Klänge bezaubern das Publikum

Johannes Preißinger (Pedrillo), Thorsten Gümbel (Osmin). Foto: Hans Jörg Michel.

Johannes Preißinger (Pedrillo), Thorsten Gümbel (Osmin). Foto: Hans Jörg Michel.

Jussi Myllys (Belmonte), Adela Zaharia (Konstanze). Foto: Hans Jörg Michel.

Jussi Myllys (Belmonte), Adela Zaharia (Konstanze). Foto: Hans Jörg Michel.

Anspruchsvoll hat Mozart die Gesangsrollen dieses Singspiels angelegt. Das gilt insbesondere (aber nicht nur) für die Rolle der Konstanze, die er seiner Hauptdarstellerin Caterina Cavalieri als Koloratursopran auf den Leib schneiderte: Tonfolgen von höchster Virtuosität, die auch Heidi Elisabeth Meier bravourös meisterte. Die Melodie umspielenden Verzierungen der Koloratur ist ein wichtiger Bestandteil des Belcanto (von ital. „bel canto“ = schöner Gesang), einer Gesangstechnik, die bis 1840 die bevorzugte Technik für den Gesang in der europäischen Oper war. Immer wieder belohnte Szenenapplaus die mehr als hervorragenden Solo- oder Duettgesänge der Akteure, die wirklich vom Allerfeinsten waren. Schön herausgearbeitet sind in den Liedtexten die Charaktere, Mozarts Kompositionen unterstreichen deren Gefühlswelten eindrucksvoll und zeigen auf, wie sie sich den Lauf der Handlung voran treiben. Nicht nur sängerisch, sondern auch spielerisch überzeugten die Akteure, die ihre Charaktere auf der Bühne lebendig werden ließen.
 

Götz Argus (Bassa Selim). Foto: Frank Heller.

Götz Argus (Bassa Selim). Foto: Frank Heller.

Die gleiche Virtuosität wie den Sängern verlangte Mozarts Komposition aber auch dem Orchester ab. Die Duisburger Philharmoniker meisterten diese Herausforderung unter der musikalischen Leitung von Stefan Klingele mit Bravour. Als Janitscharenchor entführte der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Christoph Kurig in orientalische Gefilde. Zur Inszenierung des ungarischen Schauspielers und Regisseurs András Fricsay hatte Johannes Leiacker Bühnenbild und Kostüme entworfen, die zeitgenössische Vorstellungen von „Orient“ widerspiegeln. Bereits seit 2003 läuft diese Inszenierung an der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg und Düsseldorf – und zu Recht immer noch mit großem Erfolg!

Johannes Preißinger (Pedrillo), Thorsten Gümbel (Osmin), Sibylla Duffe (Blonde), Adela Zaharia (Konstanze), Jussi Myllys (Belmonte). Foto: Hans Jörg Michel.

Johannes Preißinger (Pedrillo), Thorsten Gümbel (Osmin), Sibylla Duffe (Blonde), Adela Zaharia (Konstanze), Jussi Myllys (Belmonte). Foto: Hans Jörg Michel.

Weiterer Termin im Theater Duisburg:
Sa | 28. Mai 2016 | 19:30 Uhr.
Termine im Opernhaus Düsseldorf:
Sa | 9. April 2016 | 19:30 Uhr,
So | 5. Juni 2016 | 18:30 Uhr,
Sa | 11. Juni 2016 | 19:30 Uhr,
Sa | 19. Juni 2016 | 15:00 Uhr.

Jussi Myllys (Belmonte), Adela Zaharia (Konstanze). Foto: Hans Jörg Michel.

Jussi Myllys (Belmonte), Adela Zaharia (Konstanze). Foto: Hans Jörg Michel.

Karten gibt es im Opernshop, der sich zur Zeit im Theater Duisburg in der Kassenhalle befindet (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr), oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Theaterkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten im Theater Duisburg zwischen 18,10 und 62,80 Euro, im Opernhaus Düsseldorf 16,80 bis 75,10 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein (7), Frank Heller / Deutsche Oper am Rhein (1)

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Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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