Stadt Duisburg konnte Projektentwickler „the developer“ für den Innenhafen gewinnen

Neuer Leuchtturm heißt „The Curve“:
Nach vielen Rückschlägen Chance auf Realisierung

Von Petra Grünendahl

Visualsierung von "The Curve". Quelle: die developer / Architekturbüro Structurelab.

Visualsierung von „The Curve“. Quelle: die developer / Architekturbüro Structurelab.

Ein eher trister Anblick: das Eurogate. Foto: Petra Grünendahl.

Ein eher trister Anblick: das Eurogate. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link (m.), Stefan H. Mühling (2. v. r.) und Planungsdezernent Carsten Tum (r.) stellten "The Curve" im Hafenforum der Presse vor. Foto: Petra Grünendahl.

Oberbürgermeister Sören Link (m.), Stefan H. Mühling (2. v. r.) und Planungsdezernent Carsten Tum (r.) stellten „The Curve“ im Hafenforum der Presse vor. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Treppe schreit danach, von den Bürgern genutzt zu werden“, stellte Projektentwickler Stefan H. Mühling klar. Die Treppe ist das Eurogate, welches mangels Absicherung im Hinterland nicht betreten werden darf und mit Bauzäunen abgesperrt ist. Die letzte Baulücke im Innenhafen bietet aktuell einen doch eher tristen Anblick. Sie soll bald geschlossen werden: Wenn bis 2017 Baurecht geschaffen ist, können Anfang 2018 die Bagger rollen. Ende 2019 würden die Gebäude ihrer Bestimmung übergeben. Erst dann will sich der Projektentwickler auch von den Immobilien trennen und sie an institutionelle Anleger verkaufen.

Im Hafenforum – mit Blick auf die Treppe, die es zu beleben gilt – stellte Stefan Mühling vom Projektentwickler „die developer“ (http://die-developer.de) zusammen mit Oberbürgermeister Sören Link und Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum die Pläne zum „Lückenschluss“ vor. Nachdem im Jahr 2012 der letzte potenzielle Investor abgesprungen war, war es sehr lange ruhig um dieses Projekt gewesen – zumindest in der Öffentlichkeit. Hinter den Kulissen hatte aber die Stadt Duisburg begonnen, die nicht realisierbaren Rahmenbedingungen zu ändern. Die Rahmenbedingungen waren an die Fördergelder gebunden, mit denen der Treppenbogen mal erbaut worden war. „Wir haben als Stadt gemeinsam mit dem Land nach einer Möglichkeit gesucht, dieses Projekt zu realisieren“, erklärte Sören Link. Die Einigung mit dem Wirtschaftsministerium in Düsseldorf mündete schließlich in neuen Rahmenbedingungen für ein Entwicklungsprojekt, ohne dass die Stadt erhaltene Gelder zurückzahlen muss. Knackpunkt war eine Wohnbebauung, die ursprünglich nicht vorgesehen war, für die es aber in dieser Lage durchaus eine Nachfrage gibt, was die Sache für einen Projektentwickler interessant machen kann. Zumal es eine hochwertige Wohnbebauung südlich des Hafenbeckens an den Grachten bereits gibt. Mit diesem Konzept ist die Stadt dann auf mögliche Projektentwickler zugegangen. Als Wunschpartner nahm schließlich „die developer“ die Herausforderung an, an dieser hervorgehobenen Stelle ein Zeichen zu setzen.

Für den Schlusspunkt die Kurve gekriegt

Visualsierung von "The Curve". Quelle: die developer / Architekturbüro Structurelab.

Visualsierung von „The Curve“. Quelle: die developer / Architekturbüro Structurelab.

Projektentwickler Stefan H. Mühling mit einer Planzeichung. Foto: Petra Grünendahl.

Projektentwickler Stefan H. Mühling mit einer Planzeichung. Foto: Petra Grünendahl.

Entlang der sichelförmigen Treppe wird ein Ensemble aus vier Gebäuden entstehen, die – so zumindest die ersten Entwürfe des Architekten Jürgen Schubert vom Architekturbüro Structurelab (http://www.structurelab.com/) – über die Dachgeometrie miteinander verbunden sind. Die bogenförmige Anordnung stand Pate für den neuen Namen „The Curve“, der das „Eurogate“ nun ablöst. Zwischen Treppe und Gebäuden wird es eine Promenade geben, die ebenso wie die Treppe zum Flanieren einlädt. Das Gebäude-Ensemble beginnt im Westen mit zwei Bürogebäuden mit 15.000 bis 20.000 Quadratmetern Büroflächen (7 – 8 Stockwerke hoch). In der Mitte schließt sich ein Hotel an, das mit fünf Geschossen Platz für 200 bis 250 Zimmern der Kategorie „vier Sterne plus“ bieten soll (auf 6.000.bis 8.000 Quadratmetern). In das Hafenbecken etwas hinein ragt das Wohngebäude, das wieder etwas höher wird, so dass die Dachgeometrie insgesamt eine Wölbung aufweist. Vorgesehen sind 80 bis 100 Wohnungen mit Grundflächen zwischen 50 und 150 Quadratmetern mit Balkonen zur Wasserseite. In den Erdgeschossen wird es Gastronomie geben, was die Aufenthaltsqualität erhöht. Unter den Gebäuden entstehen Parkflächen, die mindestens den Bedarf der Gebäudenutzer decken sollen. Eventuell gibt es dort auch gegen Gebühr öffentlich nutzbare Stellplätze.

Juwel Innenhafen: Gelungener Strukturwandel

Stefan Mühling präsetierte eine visualisierte Luftbild-Ansicht vom Areal. Foto: Petra Grünendahl.

Stefan Mühling präsetierte eine visualisierte Luftbild-Ansicht vom Areal. Foto: Petra Grünendahl.

Das Modell: "The Curve" zwischen Portsmouth-Damm und Five Boats. Foto: Petra Grünendahl.

Das Modell: „The Curve“ zwischen Portsmouth-Damm und Five Boats. Foto: Petra Grünendahl.

Das „Wohnen am Wasser“ ist der Traum eines jeden Stadtentwicklers, der aber selten auf so günstige Bedingungen trifft wie im Duisburger Innenhafen, der längst aus der aktiven Hafennutzung herausgefallen ist. Anfang der 1990-er Jahre war das Areal abgewirtschaftet und lag weitgehend brach. Mit dem Masterplan von Sir Norman Foster kamen die ersten Idealisten, die sich ab der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre dort ansiedelten. Damit begann eine positive Entwicklung: das Areal wurde vom Hafenbetrieb abgetrennt, es siedelten sich Dienstleiter an, Verwaltungen, Museen, Gastronomie. Und – ein ganz großer Vorteil gegenüber dem Düsseldorfer Medienhafen! – hochwertiger Wohnraum wurde südlich des hinteren (östlichen) Hafenbeckens geschaffen. Für eine solche Wohnnutzung ist der Innenhafen prädestiniert, gibt es doch hier keine Verladung oder Hafennutzung mehr, die zu Interessenkollisionen führen kann (siehe auch Literatur-Hinweis am Ende des Textes). Auch Büroflächen sind zur Zeit sehr gefragt: Weniger als 3 Prozent Leerstand bei Büroimmobilien in Duisburg sprechen eine deutliche Sprache. Auch hier sehen die Projektentwickler gute Chancen.

Wenn dieses Projekt gelingt, dann schließt sich die Lücke in einem Areal, das insgesamt ein gelungenes Beispiel für Strukturwandel darstellt. Zwar ist das in der jüngsten Vergangenheit mit den Leuchtturmprojekten in Duisburg so eine Sache gewesen – Leuchttürme wuchsen nicht in den Himmel, sondern scheiterten mitunter schon am Fundament –, aber in diesem Fall sitzen Akteure am Tisch, die willens und in der Lage sind, das Projekt zu realisieren. Die Stadt einerseits will hier endlich eine Lücke schließen, die nur unbefriedigend sein konnte. Sie hat die Initiative ergriffen und einen potenziellen Projektentwickler angesprochen. Auch hat die Stadt dafür gesorgt, dass die Rahmenbedingungen, die früher Investoren abgeschreckt haben, angepasst werden konnten an das, was im Interesse von Projektentwicklern und Stadt gleichermaßen liegt. Und als „preferred bidder“, bevorzugter Investor, konnte eine Projektgesellschaft gewonnen werden, die in dieser Region schon mehrere Leuchtturmprojekte verwirklicht hat: Sie haben dabei nicht nur die nötige Kompetenz unter Beweis gestellt, sondern auch gezeigt, dass sie in der Lage sind, solche Großprojekte zu finanzieren. „Geld war nie ein Problem“, so Mühling, der mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Mio. Euro für das Projekt „The Curve“ rechnet. Das sind gute Anzeichen dafür, dass es an dieser prominenten Stelle endlich voran gehen wird!

die developer Projektentwicklung GmbH
Stefan H. Mühling gründete die Gesellschaft 2008 zusammen mit Kurt Zech als Hauptgesellschafter der Zech Group GmbH, Bremen. Der Fokus liegt auf Projektentwicklung für Dienstleistungsnutzung, geografisch liegen die Tätigkeitsfelder in Nordrhein-Westfalen, an der Rheinschiene von Bonn bis Krefeld sowie im Ruhrgebiet. Mühling kann auf 30 Jahre Erfahrung in der Projektentwicklung zurückblicken. Zu den Referenzen der in Düsseldorf ansässigen Entwicklungsgesellschaft zählen der Kö-Bogen und der Vodafone-Campus in Düsseldorf, um hier nur einmal die namhaftesten Projekte aufzuzählen, die vollständig realisiert und ihrer Bestimmung übergeben sind. Hochwertige Immobilienprojekte sollen speziell rendite- und qualitätsorientierte Immobilieninvestoren ansprechen. Stefan Mühling präsentierte sein Unternehmen und sein Projekt durch und durch als solider Investor, der weiß, was er tut, der in jeder Hinsicht die nötigen Voraussetzungen mitbringt und der Duisburg gut tun wird. Auch wenn die Kaufverträge über das Areal erst noch verhandelt werden und Baurecht geschaffen werden muss, sitzen hier doch Menschen am Tisch (auf beiden Seiten), die sich ihrer Verantwortung für den Standort Innenhafen bewusst sind, und die zügig an der Umsetzung arbeiten werden.

Zur Thematik „Probleme der Stadtentwicklung in Binnenhäfen“ siehe auch:
Binnenschifffahrtsrechtstag „Stadtentwicklung versus Hafennutzung“ in Duisburg: Hafen wird als Wirtschaftsfaktor unterschätzt, Schifffahrts-Magazin, Heft 9/2013, Seite 24-25.
http://schifffahrts-news.de/archivausgaben/Schifffahrts-Magazin%2009%202013%20online.pdf

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)
Visualisierungen: die developer / Architekturbüro Structurelab

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Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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