Zeitzeugenbörse Duisburg: „Ruhrort in alten Fotografien“ im Sutton Archiv

Von alten Ansichten und solchen,
die unwiederbringlich verloren sind

Von Petra Grünendahl

Eisenbahnhafen mit dem alten Hebeturm der Trajektanstalt in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. "Ruhrort in alten Fotografien", © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Eisenbahnhafen mit dem alten Hebeturm der Trajektanstalt in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. „Ruhrort in alten Fotografien“, © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Der Hafen und die Binnenschifffahrt bestimmen Leben und Wirtschaft in Ruhrort, seit der Magistrat vor 300 Jahren beschlossen hatte, eine Anlegestellte zu bauen. Damit legte er den Grundstein für das, was heute als Duisburger Hafen der größte Binnenhafen der Welt ist. Die wirtschaftliche Entwicklung und damit verbunden das gesellschaftliche Leben wurden möglich durch den Hafen und die Industrie, die sich ansiedelten und weitere Unternehmer ebenso wie Arbeiter anzogen. Mit den Menschen kamen neue Siedlungen, Schulen und Kirchen, Orte der Gastlichkeit und das Vereinsleben, das sich in den 160 bislang unveröffentlichten Fotografien und Postkarten spiegelt.

Nur die Oscar Huber (heute Museumsschiff) und die Friedrich-Ebert-Brücke im Hintergrund gibt es noch. Das Foto aus dem Jahr 1968 zeigt das alte Pegelhäuschen sowie Ladekräne und eine Lagerhalle auf der Speditionsinsel (heute: Mercatorinsel). Aus: Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. "Ruhrort in alten Fotografien", © Paul Mismahl / Sutton Verlag.

Nur die Oscar Huber (heute Museumsschiff) und die Friedrich-Ebert-Brücke im Hintergrund gibt es noch. Das Foto aus dem Jahr 1968 zeigt das alte Pegelhäuschen sowie Ladekräne und eine Lagerhalle auf der Speditionsinsel (heute: Mercatorinsel). Aus: Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. „Ruhrort in alten Fotografien“, © Paul Mismahl / Sutton Verlag.

Die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. präsentiert mit „Duisburg-Ruhrort in alten Fotografien“ in der Reihe Sutton Archiv (früher: Archivbilder) ihre neueste Entdeckungsreise in die Lokalgeschichte. Am Zusammenfluss von Ruhr und Rhein wurde ab 1371 Zoll erhoben, 1379 taucht für das Kastell der Name „Ruhrort“ erstmalig auf. Die Fischersiedlung lag an der Kreuzung von zwei alten Handelswegen (dem Rhein und dem Hellweg). Im Jahr 1437 erlaubte der Herzog von Cleve, den Ort zur Befestigung durch eine Ringmauer zu sichern. Wegen der verkehrsgünstigen Lage beschloss der Magistrat 1716 den Bau eines Hafens, der die Stadt weiter wachsen ließ. Vieles davon ist im vergangenen Jahrhundert in Bildern festgehalten worden. Manche Bilder zeigen längst Vergangenes wie die mittelalterliche Altstadt, die Haniel-Krankenstiftung, die alte Schifferbörse, den Hebeturm im Eisenbahnhafen oder die Admiral-Scheer-Brücke nach Homberg, um hier mal nur die markantesten Punkte der Reise in die Vergangenheit zu nennen.

Alte Schifferbörse mit Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. "Ruhrort in alten Fotografien", © Archiv Zeitzeugenbörse / Sutton Verlag.

Alte Schifferbörse mit Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. „Ruhrort in alten Fotografien“, © Archiv Zeitzeugenbörse / Sutton Verlag.

Andere Gebäude und Szenen findet man auch im heutigen Straßenbild wieder, manchmal erst auf den zweiten Blick. In bewährter Form haben die Autoren die Bilder mit Geschichten der ehemals selbstständigen Stadt auf neun Kapitel verteilt, die das Ganze thematisch strukturieren. Vieles ist im Laufe der Jahrzehnte verlorengegangen – im Zweiten Weltkrieg beispielsweise, oder bei „Altstadtsanierungen“ in den 1960-er Jahre: Der mittelalterliche Ortskern, alte Hafenbecken, die später zugeschüttet wurden, und viele der Gaststätten und Kneipen, die gerade auch durch die sehr personalintensive Binnenschifffahrt ihr Auskommen hatten.

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Haniel-Krankenstiftung 1930 am Karlsplatz in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. "Ruhrort in alten Fotografien", © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Haniel-Krankenstiftung 1930 am Karlsplatz in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. „Ruhrort in alten Fotografien“, © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Zum Entdecken und Erinnern
Das Buch „Duisburg-Ruhrort in alten Fotografien“ publiziert – wie alle Werke der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. – der Erfurter Sutton Verlag, in Deutschland führender Verlag für Regionalgeschichte. Auf 128 Seiten findet der Leser 160 Abbildungen mit vielen bislang unveröffentlichten historischen Fotografien aus dem alten Ruhrort. Die alte Kartenansicht im Vorsatz erleichtert die Einordnung der Fotos, allerdings ist der Blick auf aktuelle Straßenkarten an einigen Stellen ebenfalls sehr hilfreich. Hochinformative Texte ordnen die Bilder ein und beschreiben die Ansichten und ihre Entwicklung bis heute. Die historischen Aufnahmen und Postkarten datieren von etwa 1900 bis in die 1980-er Jahre. Zwei Seiten Chronik mit den wichtigsten Ereignissen von 1371 bis 2016 schließen ein faszinierendes „Bilderbuch“ ab, in das man wieder und wieder hineinschauen möchte. Die Abbildungen stammen aus den Sammlungen von Paul Mismahl, Reinhold Stausberg, Rudolf Zillgen, von diversen Einzelbild-Leihgebern und Harald Molder von der Zeitzeugenbörse Duisburg sowie aus den Archiven der Zeitzeugenbörse und des Studios der Heimat. In die Texte flossen Informationen der Bildgeber. Auch Marlies Depenbrock, Birgit Henning-Friebe, Heinz Pischke, Marlies Pollack (Chicago) und andere steuerten Informationen bei. Das reich bebilderte Buch mit festem Einband ist unter dem Label „Sutton Archiv“ (früher: Reihe Archivbilder) erschienen und kostet 19,99 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-95400-693-9).

Ausschnitt der Übersichtskarte der Stadt Duisburg 1912 in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. "Ruhrort in alten Fotografien", © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Ausschnitt der Übersichtskarte der Stadt Duisburg 1912 in Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. „Ruhrort in alten Fotografien“, © Reinhold Stausberg / Sutton Verlag.

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.
Die Zeitzeugenbörse Duisburg wurde von Harald Molder ins Leben gerufen. Molder beschäftigt sich seit 1975 mit der Stadtgeschichtsforschung. Unter seinem Vorsitz ist die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. 2007 ins Vereinsregister der Stadt eingetragen worden. Seither vernetzen sich engagierte Heimatforscher, um Duisburger Stadtgeschichte auch in Ausstellungen, Vorträgen und Büchern erlebbar zu machen.

Sutton Verlag, Erfurt
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.

Zur vollständigen Liste der bisherigen Publikationen der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag geht es hier im Menüpunkt „Bücher“.

© 2016 Petra Grünendahl
Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. / Sutton Verlag

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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