Deutsche Oper am Rhein: Premiere der „Young Directors“ begeisterte im Theater Duisburg

Zwei Fragen der Identität: Elliott Carters “What Next?”
und Leonard Bernsteins „Trouble in Tahiti“

Von Petra Grünendahl

Elliott Carters "What next?": Susan Maclean (Stella), Romana Noack (Mama), David Chestnut (Kid 1), Dmitri Vargin (Harry or Larry), Heidi Elisabeth Meier (Rose), Corby Welch (Zen), Jan Vorjohann (Kid 2 oben). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters „What next?“: Susan Maclean (Stella), Romana Noack (Mama), David Chestnut (Kid 1), Dmitri Vargin (Harry or Larry), Heidi Elisabeth Meier (Rose), Corby Welch (Zen), Jan Vorjohann (Kid 2 oben). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters "What next?": vorne David Chestnut (Kid 1), Heidi Elisabeth Meier (Rose), hinten Romana Noack (Mama), Corby Welch (Zen). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters „What next?“: vorne David Chestnut (Kid 1), Heidi Elisabeth Meier (Rose), hinten Romana Noack (Mama), Corby Welch (Zen). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters "What next?": vorne Romana Noack (Mama), hinten Marc Gosemärker (Straßenarbeiter), Heidi Elisabeth Meier (Rose), Dmitri Vargin (Harry or Larry). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters „What next?“: vorne Romana Noack (Mama), hinten Marc Gosemärker (Straßenarbeiter), Heidi Elisabeth Meier (Rose), Dmitri Vargin (Harry or Larry). Foto: Hans Jörg Michel.

Wer bin ich? Wo sind wir? Wo wollen wir hin? – Fragen, die Komponist Elliott Carter (1908 – 2012) auf den Titel „What next?“ verdichtet gemeinsam mit dem Librettisten Paul Griffiths (*1947) in einen Opern-Einakter gegossen, der sowohl die Duisburger Philharmoniker als auch die Ensemblesänger musikalisch herausforderte. Eine Herausforderung, die die Akteure zur Begeisterung des Publikums ebenso bravourös meisterten wie den musikalisch so ganz anders gearteten Opern-Einakter von Leonard Bernstein (1918 – 1990), der die Abgründe der heilen Welt im amerikanischen Vorstadt-Mittelstand der 1950-er Jahre hinterfragte. So unterschiedlich, wie die beiden Stücke musikalisch und gesanglich aufgebaut sind: Gemeinsam ist ihnen die Suche nach der Identität der Charaktere.

Eine umjubelte Premiere feierten die „Young Directors“, Tibor Torell und Philipp Westerbarkei, als junge Spielleiter der Deutschen Oper am Rhein mit ihren Regie-Debüts am Theater Duisburg. Mit zwei amerikanischen Einaktern bestritten sie den Abend: Torell hatte Elliott Carters „What next?“ inszeniert, Westerbrakei Leonard Bernsteins „Trouble in Tahiti“. In ihrem Windschatten durften auch andere junge Talente des Hauses ihr Können einbringen, gemeinsam mit Ensemble-Sängern der ersten Garnitur. Das begeisterte Publikum im gut gefüllten Theater erlebte einen hochklassigen Opernabend mit zwei sehr unterschiedlichen Stücken, die zeigten, welche großartigen Möglichkeiten die Opernehe Duisburg Düsseldorf bietet, eigene Talente zu fördern und zu entfalten. „Experiment geglückt“, konstatierte Prof. Christoph Meyer, Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, bei der Premierenfeier und kündigte weitere Abende dieser Art für die übernächste Spielzeit an, bei denen die jungen Talente des Hauses zeigen können, was in ihnen steckt.

Opernehe fördert Talente im eigenen Haus

Leonard Bersteins "Trouble in Tahiti": Annika Kaschenz (Girl), Ramona Zaharia (Dinah). Foto: Hans Jörg Michel.

Leonard Bersteins „Trouble in Tahiti“: Annika Kaschenz (Girl), Ramona Zaharia (Dinah). Foto: Hans Jörg Michel.

„Das Schöne an meinem Job ist, dass ich junge Talente fördern kann“, begeisterte sich Meyer. Mit dem Format „Young Directors“ hat die Rheinoper eine neue Plattform geschaffen, auf der sich ihre jungen Spielleiter mit eigenen Inszenierungen kleinerer Opernstücke beweisen können. Neben den Regisseuren Tibor Torell und Philipp Westerbarkei glänzten hier die Jung-Dirigenten Jesse Wong und Patrick Francis Chestnut ebenso wie die Bühnen- und Kostümbildnerinnen Ana Tasic bzw. Tatjana Ivschina, die seit 2009 sämtliche Kinder- und Familienopern ausgestattet hatte. Für die Besetzung der Rollen durften die beiden Regisseure gleich auf die klangvollen Namen des Opern-Ensembles zugreifen, die wiederum ihre Routine und Erfahrung in die Produktionen einbringen konnten. Mit „Young Moves“ startet am Samstag, 18. Juni, ein vergleichbares Format für das Ballett am Rhein.

Junge Talente und die Erfahrung der ersten Garnitur

Elliott Carters "What next?": Dmitri Vargin (Harry or Larry), Susan Maclean (Stella). Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters „What next?“: Dmitri Vargin (Harry or Larry), Susan Maclean (Stella). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Duisburger Philharmoniker glänzten sowohl beim eher avantgardistischen Elliott Carter (unter der musikalischen Leitung von Jesse Wong) als auch beim vom Jazz beeinflussten Werk Bernsteins (unter der Leitung von Patrick Francis Chestnut). Die phantasievollen Bühnenbilder beider Gestalterinnen – Ana Tasic und Tatjana Ivschina – setzte Franz-Xaver Schaffer ausgesprochen wirkungsvoll in Szene. Beide Regisseure konnten für ihre Inszenierung mit Sängern der ersten Garnitur der Deutschen Oper am Rhein arbeiten. In „What next?“ brillierte Koloratursopran Heidi Elisabeth Meier (Rose) in einer ausgesprochen anspruchsvollen Partie. Zusammen mit Romana Noack (Mama), Susan Maclean (Stella), Corby Welch (Zen), Dmitri Vargin (Harry oder Larry) und Devid Chestnut (Kid) versuchte sie nach einem Unfall oder Unglück zu ergründen, woher sie kamen, was sie sind und wohin sie wollten.

Leonard Bersteins "Trouble in Tahiti": Ramona Zaharia (Dinah), Laurens Bernhard (Junior), Thomas Laske (Sam). Foto: Hans Jörg Michel.

Leonard Bersteins „Trouble in Tahiti“: Ramona Zaharia (Dinah), Laurens Bernhard (Junior), Thomas Laske (Sam). Foto: Hans Jörg Michel.

Leonard Bersteins "Trouble in Tahiti": Cornel Frey (Boy 1), Thomas Laske (Sam), Annika Kaschenz (Girl), Roman Hoza (Boy 2). Foto: Hans Jörg Michel.

Leonard Bersteins „Trouble in Tahiti“: Cornel Frey (Boy 1), Thomas Laske (Sam), Annika Kaschenz (Girl), Roman Hoza (Boy 2). Foto: Hans Jörg Michel.

Leonard Bernstein komponierte und textete „Trouble in Tahiti“ in sieben Szenen, die die heile Welt des Vorstadt-Mittelstandes im Amerika der 1950-er Jahre als Illusion entlarven. Hier finden sich schon musikalische Motive, die Bernstein fünf Jahre später in seinem Musical „West Side Story“ wieder aufgegriffen hat. Dinah (Ramona Zaharia) und Sam (Thomas Laske in einem Gastspiel) sind seit Jahren verheiratet und haben eine Sohn: Junior (Laurens Bernhard). Sie leben in einer Vorstadt-Idylle und – haben sich nichts mehr zu sagen. Sam hat seinen Job in der Stadt, mit Kontakten zu anderen: Annika Kaschenz (Girl), Cornel Frey und Roman Hoza (Boys). Dinah hat nur das Vorstadt-Haus und – Leere. Sie verdächtigt ihn, eine Affäre zu haben, was er natürlich abstreitet. Während er den Stereotypen des American Dream hinterherläuft, sucht sie nach einem Inhalt ihres Lebens. Statt eines Gesprächs über ihre Eheprobleme gehen die beiden schließlich ins Kino: Es läuft „Trouble in Tahiti“ …
 

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
So | 12. Juni 2016 | 15:00 Uhr,
Fr | 24. Juni 2016 | 19:30 Uhr und
Sa | 2. Juli 2016 | 19:30 Uhr.

Elliott Carters "What next?": vorne David Chestnut (Kid 1), Heidi Elisabeth Meier (Rose), hinten Dmitri Vargin (Harry or Larry), Corby Welch (Zen) © Foto: Hans Jörg Michel.

Elliott Carters „What next?“: vorne David Chestnut (Kid 1), Heidi Elisabeth Meier (Rose), hinten Dmitri Vargin (Harry or Larry), Corby Welch (Zen) © Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten 14,40 und 50,10 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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