Zeitzeugenbörse Duisburg blickt in die Vergangenheit „Archivbilder Großenbaum und Rahm“

Gegensätze im Duisburger Süden
Von Petra Grünendahl

Großenbaum war im Mittelalter stark bewaldet. Die erste Besieldung an der Straße „an dem Großen Baum“ gab dem entstehenden Ort seinen Namen. Der „Große Baum“ war der Schlagbaum einer Zollstelle an der Grenze der Herzogtümer von Berg und Kleve in der Nähe vom heutigen Bahnhof. Von der ländlichen Prägung der ersten Jahrhunderte findet sich heute fast nichts mehr. Die Industrialisierung begann 1890, als Albert Hahn ein Stahlwalzwerk ansiedelte, die in der Folgezeit expandierten und den Stadtteil über Jahrzehnte wirtschaftlich prägen sollte. Während 1920-er Jahre beschäftigten die Hahnschen Werke 3.500 Menschen. Im Nationalsozialismus übernahm Mannesmann: Das Werk wurde arisiert. Der Schließung in den 1980-er Jahren folgte kleinteiligere Industrie- und Gewerbeansieldung, die das Ortsbild ebenso massiv veränderten wie die Reihenhaussiedlungen aus unterschiedlichsten Jahrzehnten und die Mehrfamilienhäuser, die im Zuge starken Bevölkerungswachstums entstanden.

Mit dem Buch „Duisburg-Großenbaum und Rahm“ in der Reihe „Archivbilder“ hat sich die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. den beiden Stadtteilen im tiefsten Südosten der Stadt beschäftigt. Anhand alter Fotografien und Postkarten beschreiben die Autoren Harald Molder und Reinhold Stausberg die historische Entwicklung der beiden Stadtteile. Erzählungen der Bildgeber und anderer Ortskundiger flossen ebenso in die Texte ein wie die Geschichtsforschungen der Autoren, beide seit Jahrzehnten auch eifrige Sammler von historischem Bildmaterial. In der Einleitung zeigen sie die geschichtliche Entwicklung der beiden heutigen Stadtteile auf, die im Verlauf der Lektüre in den Bildbeschreibungen in Details geht.

Siedlungen an dem Großen Baum und im Rahm
Der Band „Duisburg-Großenbaum und -Rahm“ ist das erste Werk der Zeitzeugenbörse Duisburg, welches 2011 im Sutton Verlag erschienen ist. Gegliedert ist es in die Kapitel „Großenbaum“ und „Rahm“, allerdings sind die Bilder schon thematisch ähnlich sortiert, wie sie in späteren Büchern in Kapitel zusammen gefasst werden. Die beiden Stadtteile im tiefsten Südosten der Stadt könnten gegensätzlicher nicht sein: Dem eher industriell geprägten Großenbaum steht das lange Zeit ländlich geprägte Rahm gegenüber. Schon seit dem Mittelalter siedelten Menschen „im Rahm“. Die kirchlich und verwaltungsrechtlich eng mit dem Amt Angermund verbundene Besiedlung zählte im Jahr 1700 über 61 Bauernhöfe. Seit 1929 gehört Rahm ebenso wie Mündelheim, Huckingen und Teile von Großenbaum aufgrund einer kommunalen Neugliederung zur Stadt Duisburg-Hamborn, die diesen Namen mit der Eingliederung Hamborns bis 1935 trug. Erst als nach dem Zweiten Weltkrieg die im Süden wachsende Industrie mehr Arbeiter und diese mehr Wohnraum benötigten, wurde auch Rahm urbaner. Große Neubausiedlungen auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen und Feldern (heute „Rahm-West“) veränderten das Ortsbild nachhaltig. Die zahlreichen Ansichten aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zeigen auf, was mit dem dörflichen Charakter der Siedlung (heute „Alt-Rahm“) verloren gegangen ist.

Zum Entdecken und Erinnern

Coverfoto: Sutton Verlag.

Coverfoto: Sutton Verlag.

Das Buch „Duisburg-Großenbaum und -Rahm“ aus der Reihe Archivbilder publiziert – wie alle Werke der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. – der Erfurter Sutton Verlag, in Deutschland führender Verlag für Regionalgeschichte. Auf 96 Seiten findet der Leser rund 150 bis dato unveröffentlichten Aufnahmen und Postkarten aus privaten Sammlungen. Hochinformative Texte ordnen die Bilder ein und beschreiben die Ansichten und ihre Entwicklung bis heute. Die historischen Aufnahmen und Postkarten datieren von etwa 1890 bis 1970. Die Abbildungen stammen aus den Sammlungen von Mitgliedern der Zeitzeugenbörse Duisburg wie Reinhold Stausberg und Harald Molder, aus Privatsammlungen von Petra und Jörg Bickschäfer, Sascha Albertini bzw. Edgar Reinders sowie von ortsansässigen Vereinen. Entstanden ist ein Bildband, der anhand von Bildern und Ansichten die Geschichte von Großenbaum und Rahm über einen Zeitraum von gut 80 Jahren nachzeichnet. Das reich bebilderte Buch mit Broschur-Einband ist im Sutton Verlag in der „Reihe Archivbilder“ erschienen und kostet 18,95 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-86680-787-7).

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.
Die Zeitzeugenbörse Duisburg wurde von Harald Molder ins Leben gerufen. Molder beschäftigt sich seit 1975 mit der Stadtgeschichtsforschung. Unter seinem Vorsitz ist die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. 2007 ins Vereinsregister der Stadt eingetragen worden. Seither vernetzen sich engagierte Heimatforscher, um Duisburger Stadtgeschichte auch in Ausstellungen, Vorträgen und Büchern erlebbar zu machen.

Sutton Verlag, Erfurt
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.

Zur vollständigen Liste der bisherigen Publikationen der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag geht es hier im Menüpunkt „Bücher“.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. / Sutton Verlag

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Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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