Potenziale von Migrantenwirtschaft erkennen: Höhere Gründungsfreude und wachsende Betriebe

Niederrheinische IHK - Industrie- und Handelskammer Duisburg an der MercatorstraßeDie Gründerzahlen am Niederrhein und im gesamten Bundesgebiet sind rückläufig. In konjunkturell guten Zeiten wie diesen entscheiden sich viele potenzielle Gründer lieber für eine Festanstellung als für den Aufbau eines eigenen Unternehmens. Laut Gründerreport des DIHK sind noch nie in den 79 Industrie- und Handelskammern so wenige Gespräche mit angehenden Unternehmern geführt worden wie 2015. Das ist keine erfreuliche Situation, denn die fehlenden Gründer von heute sind die fehlenden Unternehmer von morgen. Einen interessanten Trend gibt es jedoch: Zuwanderer sind gründungsfreudiger als Deutsche – auch am Niederrhein. Hier liegt Potenzial, um die heimische Wirtschaft zu stärken. Die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel Kleve hat dazu einige Kennzahlen für die Region vorgestellt.

Es gibt immer mehr Selbstständige und Unternehmer mit Migrationshintergrund am Niederrhein. Die Zahl deutscher Gründer ist dagegen rückläufig. Aktuellen Zahlen zu Unternehmensgründungen am Niederrhein bestätigen diesen Trend. Während 2005 noch 8.999 Deutsche ein Unternehmen im IHK-Bezirk gründeten, waren es 2015 nur 5.967. Die ausländischen Gründer hingegen legen zu: Im Jahr 2015 haben in Duisburg und den Kreisen Kleve und Wesel 3.231 Ausländer (d. h. Menschen, die eine andere als die deutsche Staatsbürgerschaft haben) ein Gewerbe angemeldet, 2005 waren es noch 2.451. Der Anteil nicht-deutscher Gründer an den gesamten Neugründungen ist am Niederrhein zwischen 2005 und 2015 somit von 21 auf 35 Prozent angestiegen. „Wir haben hier ein beachtliches Potenzial. Das gilt es zu heben. Unsere IHK will ihr Service- und Beratungsangebot noch stärker auf diese Zielgruppe ausrichten“, so Dr. Stefan Dietzfelbinger, IHK-Hauptgeschäftsführer. Dr. Birgit Beisheim, Unternehmerin aus Duisburg und Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen für Industriepolitik und Diversity Management im Landtag, betonte: „Migrantische Unternehmer werden zunehmend zum Motor für Wertschöpfung und Arbeitsplätze in NRW. Ziel der Landesregierung ist es, diese Bevölkerungsgruppe stärker bei der Unternehmensgründung und -förderung zu unterstützen“. Neben der IHK und Bündnis 90/Die Grünen hatte die Entwicklungsgesellschaft Duisburg mbH zu dieser Veranstaltung eingeladen.

Neue Arbeitsplätze und mehr Branchenvielfalt
Viele Unternehmer mit ausländischen Wurzeln sind auf Wachstumskurs und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Dynamik des Mittelstandes und zu Beschäftigungssituation am Niederrhein. Unternehmen in allen Branchen werden heute von Inhabern mit Zuwanderungshintergrund geführt. Ähnliches lässt sich für das aktuelle Gründungsgeschehen am Niederrhein sagen. Viele Ausländer gründeten bisher insbesondere im Einzelhandel und Gastgewerbe. 2015 beabsichtigten nur 19 Prozent der von der IHK beratenen ausländischen Gewerbetreibenden, sich in einem dieser beiden Wirtschaftszweige selbstständig zu machen. Ein weitaus größerer Teil will im produzierenden Gewerbe – hier vor allem in der Bauwirtschaft – am Markt bestehen.

Wer gründet am Niederrhein?
Die Statistik der IHK unterscheidet bei den Gründern, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben, auch nach Nationalität. Ähnlich wie im übrigen Nordrhein-Westfalen hat nach 2005 am Niederrhein die Zahl der Gründungen durch Menschen aus den neuen Mitgliedstaaten der EU zugenommen. Daneben zeigen sich türkische Staatsbürger und Niederländer weiterhin als gründungsfreudig.

Unter den Gewerbetreibenden mit Neugründungsabsicht, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben, bleiben am Niederrhein die Männer mit mehr als 80 Prozent (2.555) gegenüber den Frauen (667) die stärkere Gruppe. Frauen sind auch bei den deutschen Neugründern 2005 und 2015 noch in der Minderheit. Allerdings wächst ihre Gruppe prozentual, von etwas mehr als 30 Prozent auf fast 40 Prozent (2.195 Frauen, 3.772 Männer).

Bezogen auf 10.000 Personen im erwerbsfähigen Alter zeigt sich: Auf 10.000 ausländische Frauen kommen im Jahr 2015 (113) fast doppelt so viele Gründungen wie auf 10.000 deutsche Frauen (63).

Chance für Integration und Ausbildung
Es zeigt sich deutlich: Das Unternehmertum ist bei Zuwanderern und Migranten ausgeprägter als bei Deutschen. Und hier liegen Chancen für die Wirtschaft am Niederrhein und die hier arbeitenden Menschen. Zuwanderer, die Unternehmen gründen, integrieren sich schneller und besser, sind ihrer neuen Heimat eng verbunden und Vorbilder für neu hinzukommende Migranten. Migrantenunternehmen schaffen zudem Arbeits- und Ausbildungsplätze.

– Presseinformation der Niederrheinischen IHK –

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