Deutsche Oper am Rhein: Franz Lehárs Operette „Der Graf von Luxemburg“ begeisterte Duisburger Premierenpublikum

Wenn aus der Scheinehe die Liebesheirat wird
Von Petra Grünendahl

Cornel Frey (Armand Brissard), Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Cornel Frey (Armand Brissard), Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Lavinia Dames (Juliette), Cornel Frey (Armand). Foto: Hans Jörg Michel.

Lavinia Dames (Juliette), Cornel Frey (Armand). Foto: Hans Jörg Michel.

Der Graf von Luxemburg (Bo Skovhus) hat sein Geld mit Freunden verprasst – „demokratisiert und unters Volk gebracht“, wie er es nennt –, ein Teil seines Vermögens wurde konfisziert. Da bietet ihm der russische Fürst Basil Basilowitsch (Bruce Rankin) viel Geld für eine Scheinehe. Die Opernsängerin Angèle Didier (Juliane Banse) soll durch die Heirat den Adelstitel bekommen, den sie braucht, um für den Fürsten eine standesgemäße Partie zu sein. Der abgebrannte Graf René willigt ein, die beiden heiraten, ohne sich zu sehen. Dem Grafen geht die mysteriöse Unbekannte nicht aus dem Kopf und er macht sich auf die Suche nach ihr. Er weiß nur, dass sie Angèle heißt, dass sie kleine Hände hat und welches Parfum sie trägt. Ein klassisches Motiv: der Teufel hat Renés Seele gekauft – jetzt versucht René, diese zurück zu bekommen. Und Angèle dazu, die nicht anzurühren er dem Fürsten versprochen hatte. Erst als sich rausstellt, dass der Fürst seinerseits schon vor Jahren der Gräfin Kokozowa (Doris Lamprecht) die Ehe versprochen hatte, entlässt dieser René aus seinem Versprechen und zu Angèle.

Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch), Karl Walter Sprungala, David Jerusalem), Luis Fernando Piedra (des Fürsten Leibwächter) und Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg). Foto: Hans Jörg Michel.

Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch), Karl Walter Sprungala, David Jerusalem),
Luis Fernando Piedra (des Fürsten Leibwächter) und Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg). Foto: Hans Jörg
Michel.

Keine drei Wochen nach der Düsseldorfer Premiere von Franz Lehárs (1870-1948) Operette „Der Graf von Luxemburg“ feierte Jens-Daniel Herzogs Inszenierung auch auf der zweiten Bühne der Deutschen Oper am Rhein ihre vielumjubelte Premiere: im Theater Duisburg. Eine Operette ist die Komödie unter den Sing-Theatern: Sie soll die Menschen zum Lachen bringen. Der Komponist Franz Lehár hat zusammen mit seinen Librettisten Alfred Maria Willner und Robert Bodanzky eine Operette in drei Akten geschaffen, der es an Witz nicht mangelt, welche aber existenzielle Fragen ebenso thematisiert wie gesellschaftliche und politische Zustände. Das 1909 im Theater an der Wien uraufgeführte Werk wurde ähnlich wie Lehárs „Lustige Witwe“ (1905) schnell ein weltweiter Erfolg. Das dreistündige musikalische Lust-Spiel (inklusive einer Pause) wird – unerbrochen von den in Operetten üblichen Dialogen – in deutscher Sprache gesungen; Übertitel erleichtern das Verständnis der Gesangspartien.

Herzerfrischende emotionale Verstrickungen mit Happy End

Gräfliche Hochzeit (v. l.): Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Juliane Banse (Angèle Didier), Luis Fernando Piedra (Leibwächter), Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch). Foto: Hans Jörg Michel.

Gräfliche Hochzeit (v. l.): Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Juliane Banse (Angèle Didier), Luis Fernando Piedra (Leibwächter), Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch). Foto: Hans Jörg Michel.

Den vergnüglichen Charakter der Operette atmeten die Akteure mit jedem Lied und jedem Dialog aus, aber auch schauspielerisch überzeugten sie in ihren Rollen. Klar herausgezeichnet sind die Charaktere. Für alles – auch die philosophischen Fragestellungen – gibt es eine Lösung und ein Happy End. So gewinnt zum Schluss nicht nur der Graf, dessen konfiszierte Besitztümer wieder freigegeben werden, die Liebe seiner bereits angetrauten Angèle, sondern auch der mittellose Maler Armand (Cornel Frey) die hübsche Sängerin Juliette (Lavinia Dames) – und der russische Fürst bekommt die Gräfin, bei der er im Wort stand. Einziger Verlierer ist wohl der Pförtner/Hausmeister/Hotelmanager/Liftboy/Kellnerin-in-Personalunion: fünf Rollen, die Regisseur Jens-Daniel Herzog in einer Rolle (Oliver Breite) zusammengeführt hat. Personalnotstand halt: eine von vielen modernen Anspielungen – „die Kanzlerin hat 500.000 Stellen geschaffen, fünf davon hab ich“ – in einem Stück, dass immer schon modern und politisch aktuell war.

Hat er sie gefunden? Der Graf beobachtet in der Oper die Sängerin Angèle: Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Juliane Banse (Angèle Didier), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Hat er sie gefunden? Der Graf beobachtet in der Oper die Sängerin Angèle: Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg), Juliane Banse (Angèle Didier), Chor. Foto: Hans Jörg Michel.

Kapellmeister Lukas Beikircher dirigierte glänzend aufgelegte Duisburger Philharmoniker, die die Spielfreude in Franz Lehárs variationsreicher Komposition phantastisch zur Geltung brachten. Gastsänger (beide Hauptrollen) und Ensemble unterstützte der Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Christoph Kurig. Die einfallsreiche, hocheffektive Bühnengestaltung (mit zwei verschiedenen Bühnenbildern im ersten bzw. zweiten und dritten Akt) hatte Mathis Neidhardt entworfen, Kostüme Sibylle Gädeke, für das Licht-Design zeichnete Volker Weinhart verantwortlich.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Mo | 26. Dezember 2016 | 18:30 Uhr,
Mi | 28. Dezember 2016 | 19:30 Uhr,
Sa | 31. Dezember 2016 | 19:00 Uhr (ausverkauft),
Fr | 6. Januar 2017 | 19:30 Uhr,
So | 15. Januar 2017 | 19:30 Uhr,
Di | 7. Februar 2017 | 19:30 Uhr,
Fr | 31. März 2017 | 19:30 Uhr und
Fr | 16. Juni 2017 | 19:30 Uhr.

Die Gräfin macht ihre Ansprüche auf den Fürsten geltend (v. l.): Susan Maclean (Gräfin Stasa Kokozowa), Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch), Bo Skovhus (René Graf von Luxemburg). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Gräfin macht ihre Ansprüche auf den Fürsten geltend (v. l.): Susan Maclean (Gräfin Stasa Kokozowa), Bruce Rankin (Fürst Basil Basilowitsch), Bo Skovhus (René Graf von
Luxemburg). Foto: Hans Jörg Michel.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 20,30 und 70,30 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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