Publikum im Theater Duisburg feierte Chor und Orchester bei Festkonzert: 30 Jahre Universitätschor

Wahrlich keine bösen Geister
Von Petra Grünendahl

Schauspieler Linus Schutz als Zauberlehrling. Foto: Petra Grünendahl.

Schauspieler Linus Schutz als Zauberlehrling. Foto: Petra Grünendahl.

„Die Geister, die ich rief, die werd’ ich nun nicht los“, verzwiefelte Sprecher Linus Schütz. Goethes Ballade vom Zauberlehrling hatte ihren Reiz, auch wenn man sie schon lange nicht mehr auswendig kann: ein Deja-vu, das doch die eine oder andere Zeile ins Gedächtnis rief. Den dichterisch-schauspielerischen Einschub umgaben phantastische Kompositionen, die ein hervorragendes Universitätsorchester zusammen mit dem Universitätschor mit viel Können und noch mehr Leidenschaft erklingen ließ. Musikalisch anspruchsvoll – auch für das Publikum – boten die Musiker und Sänger eine Vorstellung wie aus einem Guss. Wie viele Mühen in der Erarbeitung der Stücke gesteckt haben muss, blieb dem Publikum angesichts einer herausragenden Vorstellung verborgen.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Foto: Petra Grünendahl.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Foto: Petra Grünendahl.

Zum traditionellen Festkonzert zum Semesterabschluss hatte die Universität Duisburg-Essen eingeladen – in diesem Jahr mit einem besonderem Anlass: dem 30-jährigen Chorjubiläum. Seit dem Zusammenschluss der beiden Universitäten 2003 findet die Festkonzert-Premiere im Theater Duisburg statt, vor der Aufführung in Essens Philharmonie. „Das Publikum wird in Duisburg jedes Jahr größer“, merkte Prof. Dr. Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen (UDE), zur Begrüßung erfreut an. Noch ist das Theater Duisburg nicht – wie die Philharmonie Essen – in jedem Jahr ausverkauft. Was nicht an der musikalischen Qualität liegen kann: Dass die hochanspruchsvollen Stücke von einem Laienorchester gespielt werden, hört und glaubt man nicht! „Wir haben zwar keine Fakultät, aber Musik wird bei uns sehr groß geschrieben“, so der Universitäts-Rektor. Die minutenlangen stehenden Ovationen eines begeisterten Publikums zum Abschluss des Konzerts hatten ihre volle Berechtigung.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Vorne auf der Bühne (v. l.) Dirigent Hermann Kruse, Bariton Rafael Bruck, Tenor Michael Siemon und Bass-Bariton Andrew Nolen. Foto: Petra Grünendahl.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Vorne auf der Bühne (v. l.) Dirigent Hermann Kruse, Bariton Rafael Bruck, Tenor Michael Siemon und Bass-Bariton Andrew Nolen. Foto: Petra Grünendahl.

Neben Linus Schütz, Schauspiel-Absolvent der Folkwang-Universität, hatte die Programmverantwortlichen um Prof. Dr. Eberhard Passarge (Musikbeauftragter der UDE), Chor-Dirigent Herman Kruse und Orchester-Dirigent Prof. Oliver Leo Schmidt noch drei Solisten auf die Bühne geholt: Tenor Michael Siemon, Barition Rafael Bruck und Bass-Bariton Andrew Nolen. Der Chor hatte sich mit Sängern des Konzertchors Unna verstärkt. Unter dem Motto „von Hexen, Geistern und Dämonen“ hatten sie ein musikalisch anspruchsvolles Programm erarbeitet, welches auch Profi-Ensembles herausfordert. Mit Modest Mussorgski („Die Nacht auf dem kahlen Berge“), Paul Dukas („L’apprenti Sorcier – Der Zauberlehrling“) und Jerry Goldsmith (mit der Filmmusik aus „Das Omen“) kamen Komponisten zur Aufführung, die eher selten gespielt werden. Bekannter dagegen ist Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen „Erste Walpurgisnacht“ allerdings auch nicht in vielen Repertoires gespielt wird.

30 Jahre Universitätschor

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen mit Dirigent Hermann Kruse. Foto: Petra Grünendahl.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen mit Dirigent Hermann Kruse. Foto: Petra Grünendahl.

Gegründet hat den Universitätschor der damaligen Uni-Gesamthochschule Essen 1987 der langjährige Dirigent des Universitätsorchesters, Siegfried Scheytt. Von Beginn an hatte der Chor – ebenso wie das Orchester – einen ausgebildeten Profi und hauptberuflichen Dirigenten, obwohl beide Ensembles „nur“ aus sehr engagierten Laienmusikern und –sängern bestehen. Seit 2001 führt Hermann Kruse den Taktstock, der vor seiner Übersiedlung ins Ruhrgebiet 2000 zwei Jahre lang Chordirektor der Jenaer Philharmonie war. Der Universitätschor Essen mit etwa 170 Sängern besteht überwiegend aus aktuellen und ehemaligen Studierenden sowie Mitarbeitern der Hochschule, zuweilen – je nach aktueller Stimmverteilung – sind aber auch „Externe“ willkommen.

Das Universitätsorchester

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen mit Dirigent Oliver Leo Schmidt. Foto: Petra Grünendahl.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen mit Dirigent Oliver Leo Schmidt. Foto: Petra Grünendahl.

Gegründet wurde das Universitätsorchester im Semester 1964/65 von Studenten der Medizinischen Fakultät in Essen. Heute hat das Ensemble rund 90 Mitglieder. „Wir brauchen den Vergleich mit professionellen Klangkörpern nicht scheuen“, bekräftigte Prof. Dr. Eberhard Passarge, Musikbeauftragter der Universität Duisburg-Essen (UDE), der die beiden Ensembles zu Recht als „Exzellenzcluster“ bezeichnete. Gleiches bestätigte Prof. Oliver Leo Schmidt, Dirigent des Universitätsorchesters, der Dirigieren an der Folkwang-Universität lehrt und bereits am Dirigierpult namhafter Orchester gestanden hat: „Amateure sind die besseren Liebhaber. Wo professionelle Orchester vielleicht technisch besser sind, gleichen das Amateure mit mehr Leidenschaft aus.“ Wobei aber auch – in beiden Universitäts-Ensembles – auf sehr hohem Niveau auch mit ausgesprochen schwierigen Stücken gearbeitet wird. Zwei ambitionierte Dirigenten – Schmidt und Kruse – holen dabei das bestmögliche aus ihren Musikern und Sängern heraus.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Foto: Petra Grünendahl.

Festkonzert der Universität Duisburg-Essen. Foto: Petra Grünendahl.

Beide Ensembles spielen und singen überwiegend Stücke, die selten aufgeführt werden. Aus gutem Grund: Es sind schwierige Stücke sind eine Herausforderung für Dirigent und Orchester bzw. Chor. Was dabei heraus kommt, kann sich seit Jahrzehnten hören lassen: Beide Uni-Ensembles haben sich ihren Platz in der hiesigen Kulturszene zu Recht erobert. Vielleicht in ein paar Jahren auch im Duisburger Theater vor ausverkauftem Haus.

© 2017 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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