Deutsche Oper am Rhein: Donizettis „Don Pasquale“ begeisterte bei der Premiere im Theater Duisburg

Auf Freiersfüßen: Alter schütz vor Torheit nicht
Von Petra Grünendahl

Hält seinen Neffen für einen Nichtsnutz: Günes Gürle (Don Pasquale), Ibrahim Yesilay (Ernesto). Foto: Hans Jörg Michel.

Weil er seinen Neffen Ernesto (Ibrahim Yesilay) für einen Nichtsnutz hält, will der sichtlich alternde Don Pasquale (Günes Gürle) diesen enterben und selber heiraten. Seinen Hausarzt Doktor Malatesta (Richard Sveda) hat er beauftragt, ihm eine junge Braut zu suchen. Ernesto, den sein Onkel mit einer reichen Frau verheiraten wollte, hatte dies abgelehnt, liebt er doch Norina (Koloratursopran Lavinia Dames), die Muse der neuen Künstlerszene. Enterbt sieht er sich um die Möglichkeit gebracht, diese heiraten zu können, ist doch die Norina ebenso mittellos wie Ernesto. Malatesta hat einen Plan: Er stellt Pasquale als Braut seine Schwester Sofronia vor, die er schwärmerisch lobt – und die sich als Ernestos Auserwählte herausstellt. Die beiden jungen Leute werden eingeweiht und wollen dem alternden Tor auf Freiersfüßen eine Lektion erteilen.

Preist seine vermeintliche Schwester als Braut an: Richard Šveda (Doktor Malatesta), Günes Gürle (Don Pasquale), Lavinia Dames (Norina). Foto: Hans Jörg Michel.

Die Oper „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti (1797–1848) feierte in der Inszenierung von Rolando Villazón eine begeistert aufgenommene Premiere im Theater Duisburg. Der mexikanische Tenor und Opernregisseur hatte die Geschichte in der Zeit von Hippies, Blumenkindern und Pop Art angesiedelt, was dieser späten Opera buffa gar nicht schlecht zu Gesicht steht. Komponist Donizetti habe sich sehr massiv ins Libretto einmischt, erzählte Hella Bartnig, Dramaturgin an der Deutschen Oper am Rhein, in der Einführung. Mit der Folge, dass sein Librettist Giovanni Domenico Ruffini zur Uraufführung in Paris gar nicht als Texter habe genannt werden wollen. Der überlange Dreiakter (2 ¾ Stunden, eine Pause) ist eine Koproduktion mit der Volksoper Wien und wird in italienischer Sprache gesungen. Deutsche Übertitel erleichtert das Verständnis der Handlung.

Demütigt Don Pasquale und macht ihm das Leben zur Hölle: Günes Gürle (Don Pasquale), Lavinia Dames (Norina). Foto: Hans Jörg Michel.

Die liebreizende Sofronia, mit der ihn ein angeblicher „Notar“ (Daniel Djambazian) vermählt, entpuppt sich schnell als verschwenderische Zicke. Die junge Frau demütigt ihren alten „Ehemann“, schmeißt seinen ganzen „alten Meister“ raus und kauft „neue Kunst“. Da rät ihm sein Arzt und nun vermeintlicher Schwager, Ernesto zu erlauben, seine Norina zu heiraten. Sofronia würde eher freiwillig das Haus verlassen, als eine zweite (und dann Ernstos) Frau neben sich zu dulden. Die List gelingt, Don Pasquale kommt zur Vernunft und Ernesto kann seine Norina heiraten, war doch die Ehe mit Don Pasquale nicth echt. Pasquale erkennt, dass er an der Nase herumgeführt wurde und gibt den beiden seinen Segen. Das Happy End stammt nicht ganz von Donizetti und Ruffini, sondern von Regisseur Villazón: Auch Don Pasquale findet schließlich sein Glück.

Zu Recht begeistertes Publikum

Happy End für das junge Paar, aber auch für Don Pasquale und den Kunsträuber: Richard Šveda (Doktor Malatesta), Lavinia Dames (Norina), Ibrahim Yesilay (Ernesto), Susanne Preissler (Kunst¬räuber), Günes Gürle (Don Pasquale), Chor und Statisten der Deutschen Oper am Rhein. Foto: Hans Jörg Michel.

Nicht nur gesanglich, sondern auch schauspielerisch überzeugten die Sänger in dieser fantastischen Aufführung. So spielte Bassbariton Günes Gürle (Don Pasquale) als alternder Tor auf Freiersfüßen seine Vielseitigkeit aus. Koloratursopran Lavinia Dames (Norina) beeindruckte mit ihrem unglaublichen Tonumfang, wenn sie scheinbar mühelos die Tonleiter hoch und runter intoniert. Unterstützt wurden die Ensemble-Sänger vom Chor der Deutschen Oper am Rhein unter der Leitung von Gerhard Michalski. Glänzend aufgelegt zeigten sich auch die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Gastdirigent David Crescenzi. Für die wandlungsfähige Bühnengestaltung zeichnet Johannes Leiacker verantwortlich, ins rechte Licht gerückt von Davy Cunningham. Die Kostüme entwarf Thibault Vancraenenbroeck.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Die „brave Schwester“ umgarnt den alternden Don Pasquale: Günes Gürle (Don Pasquale), Lavinia Dames (Norina). Foto: Hans Jörg Michel.

Rät Don Pasquale, Ernesto seine Norina heiraten zu lassen: Richard Šveda (Doktor Malatesta), Günes Gürle (Don Pasquale). Foto: Hans Jörg Michel.

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Di | 27. Dezember 2018 | 19:30 Uhr,
So | 27. Mai 2018 | 18:30 Uhr und
Sa | 2. Juni 2018 | 19:30 Uhr.
Gespielt wird „Don Pasquale“ außerdem im Opernhaus Düsseldorf am 5. und 14. April, 13. Mai und 1. Juli 2018.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 18,10 und 62,80 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Hans Jörg Michel, Mannheim / Deutsche Oper am Rhein

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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