Deutsche Oper am Rhein: Opern-Raritäten „Pygmalion / Ariadne“ feierten begeisternde Premiere im Theater Duisburg

Irrwege der Liebe und Konfrontation mit dem Selbst
Von Petra Grünendahl

Pygmalion: Lavinia Dames (Galathea), Ovidiu Purcel (Pygmalion), Statisten. Foto: Birgit Hupfeld.

Der Künstler Pygmalion (Ovidiu Purcel), umringt von den Skulpturen, die er geschaffen hat, verliebt sich in sein Werk Galathea (Lavinia Dames), von der er sich wünscht, dass die von ihm geschaffene Schönheit lebendig werde. Während schon alle Statuen (Statisten) von ihren Sockeln gestiegen sind, liegt die Elfenbein-Figur immer noch wie schlafend auf ihrem Podest. Schließlich erfüllt sich seine Sehnsucht, als auch sie lebendig wird und sich mit ihrem erregten Schöpfer im Duett gesanglich austauscht.

Pygmalion: Ovidiu Purcel (Pygmalion), Statisten. Foto: Birgit Hupfeld.

Im Theater Duisburg feierte der Doppel-Opernabend „Pygmalion / Ariadne“ eine begeistert gefeierte Premiere vor nahezu ausverkauftem Haus. Die Nachwuchs-Regisseure Volker Böhm und Kinga Szilágyi wählten zwei Opern-Raritäten, die beide auf antiken Themen als Vorlage beruhen. Die beiden Einakter stammen aus verschiedenen Stilepochen, wurden aber erst Anfang der 1960er-Jahre uraufgeführt. „Pygmalion“ (mit einem Text von Antonio Simone Sografi nach einem Schauspiel von Jean-Jacques Rousseau basierend auf den „Metamorphosen“ von Ovid) ist das erste Bühnenwerk des späteren Belcanto-Meisterkomponisten Gaetano Donizetti (1797–1848). Zu Lebzeiten des Komponisten geriet es in Vergessenheit, erst 1960 wurde es in Donizettis Geburtsort Bergamo uraufgeführt. Seine Version von „Ariadne“ (zu einer Dichtung von Georges Neveux) komponierte der tschechische Komponist Bohuslav Martinů (1890–1959) als Spätwerk erst 1958. Auch er erlebte die Uraufführung seines Werkes im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen nicht.

Konfrontation der zwei Seiten des Selbst

Ariadne: Heidi Elisabeth Meier (Ariadne), Gereon Grundmann, Beniamin Pop, Bryan Lopez Gonzalez, James Martin (Jünglinge), Laimonas Pautienius (Theseus), Peter Aisher, Luis Fernando Piedra (Burun). Foto: Birgit Hupfeld.

Alle neun Jahre verlangt Minotaurus (Lukasz Konieczny), halb Mensch, halb Stier, nach Menschenopfern: Sieben Jungfrauen und sieben Jünglinge müssen die Athener dafür nach Kreta schicken. Angeführt vom Königssohn Theseus (Laimonas Pautienius) wollen die Jünglinge dem Spuk ein Ende bereiten, dem Kretas König Minos die seinerzeit besiegten Athener unterworfen hat. Theseus verliebt sich in Ariadne (Heidi Elisabeth Meier), Halbschwester des Minotaurus, und vergisst darüber zunächst seine Mission. Der Tod seines Begleiters Barun (Luis Fernando Piedra) zwingt ihn zur Trennung von Ariadne (Liebe) und zum Kampf mit dem Minotaurus (Rationalität), für den er hergekommen war.

Die Ensemble-Sänger überzeugten sowohl gesanglich wie auch schauspielerisch. Das Publikum feierte die hervorragenden Sänger und Akteure beider Stücke des zweistündigen Opern-Abends (inkl. einer Umbaupause) mit stürmischem Applaus. Gesungen in italienischer bzw. französischer Sprache erleichtern deutsche Übertitel das Verständnis der Handlung.

Regie-Plattform „Young Directors“

Pygmalion: Lavinia Dames (Galathea), Ovidiu Purcel (Pygmalion). Foto: Birgit Hupfeld.

Die Deutsche Oper am Rhein initiierte die Regie-Plattform „Young Directors“ in der Spielzeit 2015/16. Sie findet nun mit dem Opern-Doppel seine Fortsetzung: „Wir freuen uns, jungen Mitarbeitern an unserem Haus ermöglichen zu können, sich mit eigenen Produktionen auszuprobieren, sich einen Namen zu machen“, erklärte Prof. Christoph Meyer, Intendant der Deutschen Oper am Rhein, bei der Premierenfeier. Das gilt hier nicht nur für die Regisseure Volker Böhm (Pygmalion) und Kinga Szilágyi (Ariadne), sondern auch für Bühnenbilder (Leif-Erik Heine), Kostüme (Guido Reinhold für Pygmalion, Ronja Reinhardt für Ariadne) und die Choreographie für Ariadne (Michal Matys. Die musikalische Leitung der hervorragend aufspielenden Duisburger Philharmoniker übernahmen Ville Enckelmann (Pygmalion) und Jesse Wong (Ariadne). Das Licht-Design lag in den bewährten Händen von Franz-Xaver Schaffer.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:

Ariadne: Heidi Elisabeth Meier (Ariadne), Laimonas Pautienius (Theseus). Foto: Birgit Hupfeld.

Ariadne: Laimonas Pautienius (Theseus), Lukasz Konieczny (Minotaurus). Foto: Birgit Hupfeld.

Sa | 5. Mai 2018 | 19:30 Uhr,
So | 13. Mai 2018 | 18:30 Uhr und
So | 20. Mai 2018 | 18:30 Uhr.

Eintrittskarten gibt es in der gemeinsamen Theaterkasse von Theater Duisburg und Deutscher Oper am Rhein im ehemaligen Restaurant „Theaterkeller“. Der Eingang befindet sich auf der rechten Seite des Theaters gegenüber vom Duisburger Hof (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 18.30 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr). Karten bestellen kann man auch per Telefon 0203 / 283-62100, Fax 0203 / 283-62210 oder eMail karten@theater-duisburg.de. Die Theaterkasse am Eingang öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 14,40 und 50,10 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man auf den Webseiten der Deutschen Oper am Rhein bei den Buchungen aufgeführt.

© 2018 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Birgit Hupfeld, Bochum / Deutsche Oper am Rhein

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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