MKM Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt „Kunst & Kohle“ mit einer Hommage an Jannis Kounellis

Von Kohle und Stahl und ihrer Bedeutung
Von Petra Grünendahl

Jannis Kounellis: Ohne Titel )1999): Eisenplatten, Papier, schwarze Kreide, Eisenträger und Haken. Foto: Petra Grünendahl.

Stahl, Stein, Stoff oder eben Kohle sind die grundlegenden Elemente, aus denen der in Griechenland geborene Künstler Jiannis Kounellis (1936-2017) seine mitunter raumgreifenden Installationen und großformatigen Wandbildern geschaffen hat. Er gilt als Pionier der Arte Povera. Künstler der „armen Kunst“ begannen Mitte der 1960er-Jahre, einfache, teils kunstfremde Gegenstände in ihre Werke zu intregrieren. Kounellis hatte zunächst an der Akademie der Bildenden Künste in Athen studiert. Doch schon 1956 zog es ihn nach Rom, wo er dann sein Studium an der Akademie der Schönen Künste fortsetzte und dort bis zu seinem Tod lebte und arbeitete. Ab 1960 machte er mit Ausstellungen auf sich aufmerksam. Von 1993 bis 2001 war er Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Viele seiner Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.

MKM-Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling. Foto: petra Grünendahl.

Ferdinand Ullrich, Co-Kurator der Ausstellung, war Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen und ist Gesamtkoordinator des Ausstellungsprojekts „Kunst & Kohle“. Foto: Petra Grünendahl.

Arbeiten aus diesen Sammlungen bilden den Grundstock der Ausstellung „Hommage an Jannis Kounellis“, mit der sich das MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Ausstellungsprojekt „Kunst & Kohle“ der RuhrKunstMuseen beteiligt. Museumsdirektor Prof. Dr. h. c. Walter Smerling stellte die Ausstellung zusammen mit seinem Co-Kurator Ferdinand Ullrich, bis ins vergangene Jahr Direktor der Museen der Stadt Recklinghausen, im Pressegespräch vor. „Als wir vor drei Jahren mit der Konzeption für das Ausstellungsprojekt begonnen haben, wollte Kounellis seine Kunst in unseren Räumen neu ‚inszenieren’“, erzählte Walter Smerling, der in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler hier ursprünglich eine ganz andere Präsentation machen wollte. Nach Kounellis’ Tod im Februar 2017 war die ursprüngliche Planung Makulatur. Statt einer Absage konzipierten Smerling und Ullrich, der auch Gesamtkoordinator des „Kunst & Kohle“-Projekts ist, die Schau neu. Sie nahmen zu Werken von Kounellis in Form einer Hommage Arbeiten von sechs weiteren Künstlern, die sich mit dem Schaffen des griechischen Künstlers auseinander gesetzt hatten, Impulse aufgenommen und weitergeführt haben: Ayşe Erkmen, Anselm Kiefer, Michael Sailstorfer, Sun Xun, Timm Ulrichs und Bernar Venet.

Jannis Kounelis: OHne Titel )1997): Stahlblech, Stahlträger, Draht, Steine, Öllampe. Foto: Petra Grünendahl.

Jannis Kounellis: Großes Lazarett (2000): Katarettbetten, Stahl-Körper, Stahlplatten, Militär-Wolldecken. Foto: Petra Grünendahl.

Jannis Kounellis habe wie kein anderer das Material Kohle mit Bedeutung aufgeladen, so Kurator Ferdinand Ullrich. Seine Installationen sind mitunter theatralische Inszenierungen, die über den „Stoff“ hinaus gehen. Auch die anderen beteiligten Künstler griffen, so der Kurator, Kohle und Stahl als Arbeitsmaterial, Motiv und Inhaltsträger auf: Sie zeigen im MKM Werke, die gezielt für die Ausstellung ausgewählt oder eigens neu geschaffen wurden. „Die pure Materialität, der komplexe Mythos, das Konzept, das leichte Spiel, die tiefgründige Vielschichtigkeit der Erscheinung – all das zeigt diese Ausstellung und ehrt damit den großen Magier Jannis Kounellis“, so die Kuratoren Ferdinand Ullrich und Walter Smerling. „Die Ausstellung ist dabei nicht nur eine Hommage an
einen großen Künstler, sondern zugleich auch an die Heimatregion von Kohle und Stahl und an die Übergabe des Staffelstabs an die Kunst.“ Kohle und Stahl haben schließlich mal den Grundstein für den Reichtum dieser Region gelegt, die heute über die größte Dichte an Kultureinrichtungen und Kunstmuseen verfügt – nicht nur in Europa, sondern weltweit.

Zur Sonderausstellung gibt es ein Rahmenprogramm mit „Kunst und Genuss“ (Führung mit Imbiss) am 11. Juli sowie einen Ferienworkshop für 12- bis 16-Jährige unter dem Titel „Schwarz auf Weiß“ am 25. Juli und 15. August (Details unten).

RuhrKunstMuseen

Anselm Kiefer: Klingsors Garten (2018). Foto: Petra Grünendahl.

Tim Ulrichs: Kohleofen (brennbar, 1975, 2018): Skulptur aus Brickett-Mauerwerk, die abgebrannt werden soll. Foto: Petra Grünendahl.

Ab Mai zeigen 17 RuhrKunstMuseen Sonderausstellungen, die sich anlässlich der Schließung des letzten deutschen Steinkohlebergwerks Ende des Jahres mit der Thematik „Kunst & Kohle“ auseinander setzen. Dass sich das Ausstellungsprojekt zum 10-jährigen Bestehen der Museumskooperation wie ein roter Faden durch das Ruhrgebiet zieht, ist eher dem Zufall geschuldet. Mehr unter http://www.ruhrkunstmuseen.com.

Für den (auch mehrfachen) Besuch in den teilnehmenden Museen gibt es ein Kombi-Ticket für 25 Euro (ermäßigt 15 Euro), das in allen teilnehmenden Museen erhältlich ist. Unterstützt wird das Ausstellungsprojekt finanziell durch das Land NRW sowie verschiedene Stiftungen (Kunststiftung NRW, RAG Stiftung, Brost Stiftung) sowie der Ruhr Tourismus GmbH. Es ist Teil des Veranstaltungskalenders „Glückauf Zukunft!“ zum Ende des Steinkohlenbergbaus in Deutschland.

Zu dem Ausstellungsprojekt „Kunst & Kohle“ erscheint im Wienand-Verlag eine reich bebilderte Publikation in 17 Bänden. Die einzelnen Kataloge (für 15 Euro pro Band) sind in den teilnehmenden Museen sowie im lokalen Buchhandel zu haben.

Museum Küppersmühle:
Duisburger haben donnerstags freien Eintritt

Yannis Koonellis: Feuerstelle (1969). Foto: Petra Grünendahl.

Die Arbeiten sind bis zum 28. Oktober 2018 in den Erdgeschossräumen des Museums zu sehen. Die Dauerausstellung ist wegen der Arbeiten am Erweiterungsbau (Eröffnung Ende 2019) aktuell nicht zu besichtigen. Das Museum Küppersmühle findet man im Innenhafen am Philosophenweg 55 (Haupteingang). Mittwochs ist das Museum von 14 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis sonntags sowie feiertags von 11 bis 18 Uhr. Montags und dienstags ist Ruhetag. Der Eintritt kostet nur für die Wechselausstellungen 6 Euro, für das gesamte Haus (inkl. Wechselausstellung) 9 Euro. Ermäßigt sowie bei Gruppen ab 10 Personen zahlt man pro Person 4,50 Euro, Kinder und Schüler über sechs Jahren zahlen 2 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt, ebenso donnerstags alle Duisburger (gegen Vorlage des Personalausweises). Alle Ausstellungsräume des Museums sind auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Offene Führungen durch die Sammlung sowie durch laufende Ausstellungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr, aber auch nach Vereinbarung.

Jannis Kounellis: Ohnte Titel (2000): Kohlesäcke und Stahl. Foto: Petra Grünendahl.

Am Mittwoch, 11. Juli 2018, um 17 Uhr findet eine Führung der Reihe „Kunst und Genuss“ durch die Ausstellung statt: inklusive Getränk und Imbiss zum Ausklang im Restaurant Küppersmühle beträgt der Teilnahmepreis 21 Euro (Anmeldung unter http://www.museum-kueppersmuehle.de/informatîon/veranstaltungsprogramm). Am 25. Juli und 15. August (beides mittwochs) gibt es mit „Schwarz auf Weiß“ zwischen 14 und 17 Uhr einen Ferienworkshop für 12- bis 16-Jährige (Arbeiten mit Tusche und Kohle, 15 Euro für Termin inklusive Material). Kostenlose Besucherführungen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr (maximal 30 Teilnehmer, frühzeitiges Erscheinen ist empfohlen). Mehr Informationen ebenso wie die Kontaktdaten zur Anmeldung gibt es auf den Internet-Seiten des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst.

© 2018 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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