Eine unsägliche Pressekonferenz am 25. Juli 2010

Die Einladung zu dieser „unsäglichen Pressekonferenz“ hatte ich schon am Freitagmittag erhalten. Über den Presseverteiler tat es das Rathaus kund: Mit Eintragung im Goldenen Buch der Stadt, Fototermin für die Presse, Handshake und gegenseitiges Schulterklopfen der erfolgreichen Akteure Schaller und Sauerland. Und wenn die Loveparade ein Erfolg gewesen wäre, hätte mich die Pressekonferenz nicht die Bohne interessiert. So hab’ ich noch am Samstagabend zu Carsten gesagt: „Wo ist die Einladung, ich gehe hin!“ Ich war erst zwei Jahre zuvor nach Duisburg gezogen (obwohl ich Duisburg als meinen zweiten Geburtsort betrachte und nach dieser Rechnung noch keine 22 Jahre alt wäre). Dies war das erste Mal, dass ich den Oberbürgermeister live sehen sollte …

Als ich den schon gerammelt vollen Ratssaal betrat, wo die Pressekonferenz stattfand, sah ich vorne auf dem Podium vier jämmerliche Gestalten sitzen: Rainer Schaller als Veranstalter, Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der stv. Polizeichef Detlef von Schmeling und der Beigeordnete Wolfgang Rabe. Einer jämmerlicher als der andere … und das Jämmerlichste an dieser Farce von Pressekonferenz war der Versuch des OB, den Toten und Verletzten die Schuld in die Schuhe zu schieben („menschliche Schwächen der Beteiligten“). Kopfschütteln, immer noch! Dass eine Loveparade keine Konfirmandenfeier ist, ist bekannt. Aber auch, dass Massen von hinten weiter drängeln (die die nach Duisburg gerufen wurden: „kommt feiern“), weil sie ja nicht wissen, warum es vorne stockt. Nennt sich Gruppendynamik!
Von dieser Pressekonferenz klingen mir immer noch die Worte eines Kollegen in den Ohren, der sich keine drei Meter von mir entfernt erhob und ins gereichte Mikrofon sprach: „Da sind 19 Menschen (können zu dem Zeitpunkt auch schon 20 gewesen sein) gestorben und Sie eiern hier rum!“ Recht hatte er! Und im Fernsehen konnte sich an jenem Sonntag die ganze Republik davon überzeugen: Vom Rumeiern von vier mehr als jämmerlichen Gestalten … Seit diesem Tag hat das Wort „fremdschämen“ für mich eine Bedeutung. Oder sollte ich es vielleicht so ausdrücken: Das war die verpasste Chance!

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