Oper am Rhein: Jules Massenets „Werther“ im Theater Duisburg frenetisch gefeiert

Zwischen Pflicht und Liebe: Grandiose Sarah Ferede
Von Petra Grünendahl

Elena Sancho Pereg (Sophie), Kinderchor, Günes Gürle (Le Bailli). Foto: Matthias Jung.

Elena Sancho Pereg (Sophie), Kinderchor, Günes Gürle (Le Bailli). Foto: Matthias Jung.

Quirlig übt die Geschwisterschar (Kinderchor am Rhein) unter der Anleitung ihres Vaters (Günes Gürle) Weihnachtslieder. Die ruhige Charlotte (Sarah Ferede) hat ihrer Mutter auf dem Totenbett versprochen, Albert (Richard Sveda) zu heiraten. Da sich dieser seit sechs Monaten auf Geschäftsreise befindet, geht sie nun mit Werther (Andrej Dunaev) aus, der sich in sie verliebt. Als ihr Verlobter zurückkehrt, verabschiedet sie sich. Werther bleibt alleine und verzweifelt zurück. Als Charlotte und Albert heiraten, quält sich der schwermütige und depressive Werther mit dem Gedanken, dass sie einen anderen liebt. Als Charlotte ihn fortschickt, hegt er erste Selbstmordgedanken und geht.

Sarah Ferede (Charlotte), Andrej Dunaev (Werther). Foto: Matthias Jung.

Sarah Ferede (Charlotte), Andrej Dunaev (Werther). Foto: Matthias Jung.

Der Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe diente zwar als Vorlage für die Oper von Jules Massenet, jedoch gab der Komponist seinen Librettisten (Textern) Edouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann Änderungen in der Handlung vor. Im Gegensatz zu Goethes Lotte ist Charlotte von Werther angetan, verliebt sich sogar in ihn. Die Charaktere des Stücks werden nicht allein aus der Perspektive des Werther interpretiert, sondern leben als eigenständige Figuren auf. Ihre Uraufführung erlebte „Werther“ 1892 an der Wiener Hofoper. Massenets französischsprachige Oper (mit deutschen Übertiteln) in vier Akten feierte nun ihre Premiere vor fast ausverkauften Haus im Theater Duisburg in der Inszenierung von Joan Anton Rechi. Und „feierte“ ist der passende Ausdruck: Das Publikum bejubelte die Akteure, allen voran eine brillant agierende Sarah Ferede nach der gut zweieinhalbstündigen Aufführung mit minutenlangen Bravo-Rufen und stehenden Ovationen.

Packendes Drama bis zum tödlichen Finale

Sarah Ferede (Charlotte). Foto: Matthias Jung.

Sarah Ferede (Charlotte). Foto: Matthias Jung.

Charlotte, die in den ersten beiden Akten gedeckte, helle Farben trug, kehrt nach der Pause in Rot gekleidet zurück. Glücklich scheint ihre Ehe nicht zu sein, denn sie sehnt sich nach Werther, den sie fortgeschickt hatte. Eine schauspielerisch wie gesanglich überzeugende Sarah Ferede haucht der zwischen zwei Männern – zwischen Pflicht und Liebe – stehenden Charlotte Leben ein. Kaum weniger grandios spielte Andrej Dunaev den schwermütigen Werther. Runde Charaktere hatten die Librettisten auch mit Charlottes lebenslustiger Schwester Sophie (Elena Sancho Pereg) und dem soliden Albert (Richard Sveda) geschaffen. Der depressive Werther erschießt sich schließlich, weil der die Frau seiner Sehnsucht nicht bekommt. Charlotte liest seinen Abschiedsbrief, kann ihn aber nicht mehr retten. Dem tragischen Ende zum Trotz bescherten Können und Spielfreude, die den Akteuren deutlich anzumerken war, einem begeisterten Publikum einen mehr als unterhaltsamen Abend.

Andrej Dunaev (Werther), Sarah Ferede (Charlotte). Foto: Matthias Jung.

Andrej Dunaev (Werther), Sarah Ferede (Charlotte). Foto: Matthias Jung.

Abwechslungsreich und wechselnde Stimmungen spiegelnd unterlegt die Musik Massenets die Handlung, treibt sie bislang im Wechsel von ruhigen zu dramatischen Partien sogar voran. Glänzend umgesetzt haben dies die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Lukas Beikircher. Akzente setzt das Bühnenbild von Alfons Flores, wirkungsvoll in Szene gesetzt von Lichtdesigner Volker Weinhart. Kostüme von Sebastian Ellrich unterstreichen die Charaktere wirkungsvoll in ihrer Ausstrahlung. Mit dem Kinderchor der Deutschen Oper am Rhein feierte dessen neue Leiterin Sabina López Miguez ihr Operndebüt am Rhein.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Weitere Termine im Theater Duisburg:
Di | 9. Dezember 2014 | 19:30 Uhr,
Sa | 20. Dezember 2014 | 19:30 Uhr und
So | 28. Dezember 2014 | 18:30 Uhr.

Vorne: Andrej Dunaev (Werther), Sarah Ferede (Charlotte). Hinten: Elena Sancho Pereg (Sophie). FOTO: Matthias Junh.

Vorne: Andrej Dunaev (Werther), Sarah Ferede (Charlotte). Hinten: Elena Sancho Pereg (Sophie). FOTO: Matthias Junh.

Karten gibt es im Opernshop an der Düsseldorfer Straße 5 – 7 (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 10 – 19 Uhr, Sa 10 bis 18 Uhr) oder unter Telefon 0203 / 9407777. Die Abendkasse öffnet 60 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn gibt es eine Einführung im Opernfoyer, die einen kurzen Überblick in die Oper, ihre Handlung und ihre Entstehung gibt. Tickets kosten zwischen 18,10 und 62,80 Euro. Möglichkeiten für Ermäßigungen bei den Ticketpreisen findet man hier.

© 2014 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Matthias Jung, Köln / Deutsche Oper am Rhein

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Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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