Duisburger Denkmalthemen – Heft 11: Architektur der Zwanziger Jahre in Alt-Hamborn und Marxloh

“Wir wollen den Menschen vor Ort zeigen,
was für Schätze sie haben“

Von Petra Grünendahl

Die Autoren präsentieren das Heft 11 aus der Reihe "Duisburger Denkmalthemen vor dem Amtsgericht Hamborn (v. l.): Jörg Weißmann (Heimatverein Hamborn), Dr. Claudia Euskirchen (Amt für Denkmalpflege), Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum, Dr. Michael Kanther (Stadtarchiv), Thorsten Fischer (UDE), Jürgen Müller (Layout), Foto: Petra Grünendahl.

Die Autoren präsentieren das Heft 11 aus der Reihe „Duisburger Denkmalthemen vor dem Amtsgericht Hamborn (v. l.): Jörg Weißmann (Heimatverein Hamborn), Dr. Claudia Euskirchen (Amt für Denkmalpflege), Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum, Dr. Michael Kanther (Stadtarchiv), Thorsten Fischer (UDE), Jürgen Müller (Layout), Foto: Petra Grünendahl.

Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum (2. v. l.) stellte zusammen mit den Autoren das Hamborner Denkmalthemen-Heft vor (v. l.): Dr. Michael Kanther, Dr. Claudia Euskirchen, Jörg Weißmann und Thorsten Fischer. Foto: Petra Grünendahl.

Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum (2. v. l.) stellte zusammen mit den Autoren das Hamborner Denkmalthemen-Heft vor (v. l.): Dr. Michael Kanther, Dr. Claudia Euskirchen, Jörg Weißmann und Thorsten Fischer. Foto: Petra Grünendahl.

„Die besten Architekten waren damals für Hamborn gerade gut genug“, brachte Dr. Michael Kanther vom Stadtarchiv auf den Punkt. Das habe bis in die 1950-er Jahre gegolten, als Wohnsiedlungen für Werksangehörige gebaut wurden, die von namhaften Architekten wie zum Beispiel Max Taut entworfen worden waren (Zinkhüttensiedlung). Die „Bausünden“, von denen es auch in Hamborn einige gibt, seien erst späteren Datums, so die Autoren der neuen „Denkmalthemen“. Hamborn entstand durch Industrieansiedlungen: die Gewerkschaft Deutscher Kaiser (aus der Thyssen hervorging), die Aktiengesellschaft für Zinkindustrie (heute: Grillo), die Zeche Neumühl und die metallverarbeitenden Betriebe der Familie Morian. Menschen siedelten sich an, um dort zu arbeiten oder mit den Firmen, ihren Eigentümern oder Arbeitern Geschäfte zu machen. Im Jahr 1900 wurde Hamborn als Bürgermeisterei (industrielle Landgemeinde) selbstständig und bekam 1911 als Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern die Stadtrechte. Bis 1928 wuchs die Bevölkerung auf 130.000 Menschen an. Nach nur 29 Jahren war Schluss mit der Selbstständigkeit: Hamborn wurde 1929 mit Duisburg zu Duisburg-Hamborn vereinigt – ein Name, der bis 1935 Bestand hatte, als der Hamborner Namensteil entfiel.

Mit dem Heft 11 aus der Reihe der Duisburger Denkmalthemen legt die Untere Denkmalbehörde der Stadt ihr neuestes Werk über „Die Architektur der 1920-er Jahre in Alt-Hamborn und Marxloh“ vor. Das Heft stellt 26 Bauten vor mit sehr informativen Texten fachkundiger Autoren sowie 87 Abbildungen, die Spuren verfolgen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. Stadtentwicklungsdezernent Carsten Tum, zu dessen Dezernat auch die Untere Denkmalbehörde gehört, stellte die Informationsschrift zusammen mit den Autoren Jörg Weißmann (Heimatverein Hamborn), Dr. Claudia Euskirchen (ehem. Leiterin der Unteren Denkmalbehörde, jetzt: LVR Amt für Denkmalpflege im Rheinland), Thorsten Fischer (Universität Duisburg-Essen) und Dr. Michael Kanther (Stadtarchiv Duisburg) vor.

Dinge, die wir erfahren haben,
an die Menschen zurück geben

Amtsgericht Hamborn ca. 1955 aus: Duisburger Denkmalthemen, Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

Amtsgericht Hamborn ca. 1955 aus: Duisburger Denkmalthemen, Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

„Wir wollen, dass die Menschen hier stolz sind auf ihren Ort“, so Claudia Euskirchen. Die große Vergangenheit ist noch sichtbar in Verwaltungs- und Geschäftsgebäuden ebenso wie in der Wohnbebauung der damaligen Zeit. Nicht alle der aufgeführten Gebäude stehen unter Denkmalschutz, aber könnten gut Kandidaten für die Denkmalliste sein. In die Beschreibungen der Architektur sind die Unterschutzstellungstexte der Denkmalbehörde eingeflossen: „Die machen viel Arbeit und sind nur für die Akten einfach zu schade“, so Euskirchen. So gehen sie über diese Publikation zurück an Menschen, die sich für die Historie ihres Stadtteils interessieren. „Wir müssen den Menschen vor Ort zeigen, was für Schätze sie haben.“ Im Alltag neigen viele Menschen dazu, an den vermeintlich bekannten Bauten vorbei zu gehen, ohne sich weitere Gedanken über ihre Bedeutung zu machen. „Wir haben hier ein zeitloses Werk“, erklärte Jörg Weißmann, der statt der üblichen Auflage von 1.500 Exemplaren gleich die doppelte Anzahl hatte drucken lassen. Sponsoren sind Bürger und Kaufleute aus Hamborn, die dieses Werk erst möglich gemacht hatten. Es soll das Wissen über den Stadtbezirk weiter verbreiten und besonders Menschen ansprechen, die Eigentümer solcher kulturellen Schätzchen sind.

Zeugnis der Lokalgeschichte

Stadtbad Hamborn 1938: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

Stadtbad Hamborn 1938: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

Stadtbad Hamborn 2005: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Foto: Dr. Claudia Euskirchen.

Stadtbad Hamborn 2005: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Foto: Dr. Claudia Euskirchen.

Amtsgericht Hamborn mit Vorplatz und Rathaus um 1955: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

Amtsgericht Hamborn mit Vorplatz und Rathaus um 1955: Duisburger Denkmalthemen Heft 11. Quelle: Stadtarchiv Duisburg.

„Drei Jahre haben an dem Heft gearbeitet von den Anfängen bis zur Publikation“, erzählte Jörg Weißmann. Zumindest mit dem Konzept brauchte man sich nicht lange aufhalten: Dr. Euskirchen konnte den Hambornern eins vorlegen, welches schon ihr Vorgänger in der Unteren Denkmalbehörde ausgearbeitet hatte. Ein Auge hatten die Denkmalschützer also schon länger auf den Bezirk im Norden mit seiner charakteristischen Urbanität geworfen. Mit dem erst 2011 gegründeten Heimatverein Hamborn fanden sich auch die Mitstreiter vor Ort, denen diese Publikation zur Herzensangelegenheit wurde. Die bestätigte Jörg Weißmann, der schon mit Vereinsgründung Kontakte u. a. auch zur Denkmalbehörde aufgenommen hatte. Vor Ort warb er nun Sponsoren, die diese Publikation finanziell unterstützten.

Einige Bauwerke lassen heute die frühere Pracht eher nur noch erahnen. Das Stadtbad Hamborn (Baubeginn 1929) gehört ebenso dazu wie Schwelgernpark mit dem Schwelgernstadion, die 1925 zum 25-jährigen Gemeindejubiläum und zur „Tausendjahrfeier der Rheinlande“ erbaut und in Betrieb genommen worden waren. Andere Gebäude haben sich nur wenig verändert, Fotos neusten Datums belegen, wie gepflegt die Häuser auch heute noch sind. Im Anschluss an die Textseiten gibt es eine Karte, auf der die Gebäude eingezeichnet sind. So hat der Leser die Möglichkeit, das Geschriebene an Ort und Stelle nachzuvollziehen. Die hochwertigen Bauten aus den 1920-er Jahren machen nämlich – entsprechend über die Jahrzehnte gepflegt – auch heute noch was her. „Eigentum verpflichtet“ kann man den Eigentümern von denkmalgeschützten und denkmalwürdigen Gebäuden da ins Stammbuch schreiben, auf dass sich die Eigentümer um den Erhalt des Kulturguts kümmern. Leider geht gerade an dieser Stelle die Stadt Duisburg mit erkennbar schlechtem Beispiel voran, obwohl „ein allgemeines Interesse am Erhalt dieser alten Schätzchen besteht“, wie Denkmalschützerin Euskirchen betonte.

Die Reihe: Duisburger Denkmalthemen
denkmalthemen_11Mit 8 Seiten zum Thema „Rathaus Rheinhausen“ fing die Reihe „Duisburger Denkmalthemen“ einmal an. Elf Hefte sind es jetzt: Die „Architektur der 1920-er Jahre in Alt-Hamborn und Marxloh“ bringt es schon auf 40 Seiten (inkl. Werbeanzeigen der Sponsoren). Zu beziehen sind die Hefte bei der Unteren Denkmalbehörde, Friedrich-Wilhelm-Straße 96, Duisburg-Mitte (Hoist-Hochhaus) oder im Bezirksamt – für dieses Heft wäre dies das Bezirksamt im Hamborner Rathaus , für ältere Hefte das jeweils zuständige Bezirksamt (solange der Vorrat reicht). Unter http://www.duisburg.de/micro2/pbv/denkmalpflege/publikationen/102010100000316226.php findet man eine Übersicht über die bislang erschienenen Hefte sowie Links zum Download. Die Lektüre der hochinformativen Hefte lohnt sich für jeden, der sich für die Stadtgeschichte interessiert.

© 2016 Petra Grünendahl (Text und Fotos)

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Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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