Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. hat die Vergangenheit im Blick: „Archivbilder Duissern“

Villengegend rund um den Kaiserberg:
Vom Ratsdorf zum „Königreich“ Duissern

Von Petra Grünendahl

„Der Kaiserberg, das war da, wo die reichen Leute wohnen“, dieser Satz von Emmi Pannenbecker aus dem Film zum 100-jährigen Theaterjubiläum ist im Gedächtnis geblieben. Die im Dezember 2014 kurz nach ihrem 101. Geburtstag verstorbene (hier ist der Nachruf) ehemalige Duisburger Kulturpolitikerin war bis ins hohe Alter als Zeitzeugin gefragt (Theaterjubiläum 2012, Heimatabend Duisburg im WDR 2013) und für ihre pointierten Erinnerungen bekannt. Bis heute gilt Duissern als bessere Wohngegend. Alte Villen und Gründerzeit-Bauten sind überwiegend immer noch gut in Schuss. Manch alte Ansichten aus den „Archivbildern Duisburg-Duissern“ findet man nur wenig verändert im heutigen Stadtbild wieder, obwohl der Zweite Weltkrieg mit seinen Luftangriffen arge Schäden verursacht hatte.

Als die Stadtteile noch eigene Kinos hatten: das Park Theater in Duisssern an der Brauerstraße / Ecke Mülheimer Straße. Heute befindet sich dort die Druckerei Edel. Foto: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Als die Stadtteile noch eigene Kinos hatten: das Park Theater in Duisssern an der Brauerstraße / Ecke Mülheimer Straße. Heute befindet sich dort die Druckerei Edel. Foto: Zeitzeugenbörse Duisburg.

Alte Ansichtskarten und Fotos aus Duissern hat die Zeitzeugenbörse in einem Buch der „Reihe Archivbilder“ im Sutton Verlag veröffentlicht. Am westfälischen Hellweg, dem alten fränksichen Heerweg zur Rhein-Ruhr-Mündung, entstand das Straßendorf Duissern: Im Jahr 1059 erstmals schriftlich erwähnt und ab 1234 Standort eines Zisterzienserklosters (die Nonnen wanderten aber 1582 nach Duisburg ab). Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden Wohnhäuser im Rahmen der Industrialisierung sowie Fabrikantenvillen rund um den Kaiserberg – aus dem Dorf Duissern war der Stadtteil Duisburgs geworden, den die Einheimischen auch gerne mal als „Königreich Duissern“ bezeichnen.

Umfassend recherchiert und übersichtlich
Der Band „Duisburg-Duissern“ zählt zu den ersten Werken der Zeitzeugenbörse Duisburg im Sutton Verlag und ist im Jahr 2012 erstmals erschienen. Als erste der Sammlungen von Stadtteil-Archivbildern ist das Werk in acht Kapitel aufgeteilt, nach denen die Bilder thematisch gegliedert werden. Das erleichtert den Überblick auch für den Leser. Da sind zum einen die klassischen Themen wie Firmen & Geschäfte, Vereine & Vereinigungen, Kirchen & Schulen sowie Gaststätten, die das entsprechende Fotomaterial mit gut recherchierten Informationen zu einem Gesamtbild abrunden. Dann sind da die historisch begründeten Kapitel wie die „Bäuerliche Vergangenheit“, Industrialisierung und Bevölkerungszuwachs (Das „Königreich“ wächst) sowie „Rund um den Kaiserberg“, wo erst die Industriellen ihre Villen bauten und dann 1934 ein Tierpark angesiedelt wurde. Letzterer wuchs und gewann an Bedeutung, die er seit Jahrzehnten als Zoo Duisburg auch überregional ausspielen kann. Die abschließenden „Ereignisse und Begebenheiten“ versammeln alles an Bildmaterial, was sich anders nicht einordnen ließ, aber mit informativen Texten den Blick in die Vergangenheit des Stadtteils wirkungsvoll abrundet.

Cover-Foto: Sutton Verlag.

Cover-Foto: Sutton Verlag.

Zum Entdecken und Erinnern
Das Buch „Duisburg-Duissern“ aus der Reihe Archivbilder publiziert – wie alle Werke der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. – der Erfurter Sutton Verlag, in Deutschland führender Verlag für Regionalgeschichte. Auf 128 Seiten findet der Leser rund 200 bis dato unveröffentlichte Aufnahmen und Postkarten. Hochinformative Texte ordnen die Bilder ein und beschreiben die Ansichten und ihre Entwicklung bis heute. Die historischen Aufnahmen und Postkarten datieren von etwa 1890 bis 1960. Die Einleitung enthält einen chronologischen Abriss der Entwicklung Duisserns. Von einem Zisterzienserkloster als Filialgründung des Klosters Saarn und den ersten Bauernhöfen drum herum entwickelte sich Duissern über die ansteigende Besiedlung nach der Eingliederung nach Duisburg und Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts. Wohnhäuser für Fabrikarbeiter, die Fabrikantenvillen am Kaiserberg, der Tierpark und die Reichsautobahn markieren die Zeit bis zum zweiten Weltkrieg. Auch die erste Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg ist hier in Bildern noch dokumentiert. Die Abbildungen stammen aus den Sammlungen von Mitgliedern der Zeitzeugenbörse Duisburg wie Reinhold Stausberg, Markus Mosch (ehem. zweiter Vorsitzender der ZZB) und Harald Molder sowie von ortsansässigen Vereinen wie der KG Königreich Duissern oder dem Bürgerverein und von Bürgern, die weitere Bilder und Geschichten zum Stadtteil beisteuern konnten. Entstanden ist ein Bildband, der anhand von Bildern und Ansichten Duisserns Geschichte über einen Zeitraum von gut 70 Jahren nachzeichnet. Das reich bebilderte Buch mit Broschur-Einband ist im Sutton Verlag in der „Reihe Archivbilder“ erschienen und kostet 18,95 Euro. Zu beziehen ist es über den lokalen Buchhandel (ISBN 978-3-95400-069-2).

Zeitzeugenbörse Duisburg e. V.
Die Zeitzeugenbörse Duisburg wurde von Harald Molder ins Leben gerufen. Molder beschäftigt sich seit 1975 mit der Stadtgeschichtsforschung. Unter seinem Vorsitz ist die Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. 2007 ins Vereinsregister der Stadt eingetragen worden. Seither vernetzen sich engagierte Heimatforscher, um Duisburger Stadtgeschichte auch in Ausstellungen, Vorträgen und Büchern erlebbar zu machen.

Sutton Verlag, Erfurt
Sutton ist der führende Verlag für Regionalgeschichte und -literatur im deutschsprachigen Raum, vom historischen Bildband bis zum Freizeitführer. Den zweiten Schwerpunkt des 1997 gegründeten Verlages bildet die Verkehrs- und Technikgeschichte. Außerdem bietet Sutton Krimi unter dem Motto „mordsmäßig spannend“ seit 2011 Regionalkrimis der unterschiedliches Genres. Seit Anfang 2014 gehört Sutton zum Verlagshaus GeraNova Bruckmann in München.

Zur vollständigen Liste der bisherigen Publikationen der Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. im Sutton Verlag geht es hier im Menüpunkt „Bücher“.

© 2016 Petra Grünendahl (Text)
Fotos: Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. / Sutton Verlag

Über Petra Grünendahl

"Mich kann man nicht beschreiben, mich muss man erleben ;-)" . . . . . . . . . . . . Freie Journalistin aus Duisburg (Ruhrgebiet, Deutschland). . . . . . . . . . . . . . . . . IN*TEAM Redaktionsbüro Duisburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Auto-Testberichte, Verkehrssicherheit, Binnenschifffahrt & Logistik, . . . . . . . Wirtschaft & Verbraucherthemen und vieles mehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Presse- & Öffentlichkeitsarbeit, Strategien & Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (Foto: Petra Grünendahl)
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Eine Antwort zu Zeitzeugenbörse Duisburg e. V. hat die Vergangenheit im Blick: „Archivbilder Duissern“

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